Zeitmanagement

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem „Management der Zeit“; für das „Management auf Zeit“ siehe Interim-Management

Unter Zeitmanagement [-'mænɪdʒmənt] versteht man mehrere Vorgehensweisen, die dabei helfen sollen, anstehende Aufgaben und Termine innerhalb des zur Verfügung stehenden Zeitraums abzuarbeiten.

Es wird zwischen persönlichem Zeitmanagement und Zeitwirtschaft unterschieden.

Persönliches Zeitmanagement[Bearbeiten]

Im persönlichen Zeitmanagement soll Einzelnen oder Gruppen mit zielführenden Arbeits- und Planungstechniken geholfen werden, den Umgang mit der Zeit zu verbessern. Zeit verstreicht in unserer Umwelt unveränderbar und stellt damit die einzige Ressource dar, die weder aufgehoben, noch – wenn verschwendet – zurückgewonnen werden kann. In diesem Sinne ist Zeitmanagement eine gute Arbeitsgewohnheit und eine Methode des Selbstmanagements.

Strategien des persönlichen Zeitmanagements[Bearbeiten]

Zu den üblichen Strategien gehört es, die Aufgaben nach Wichtigkeit und Dringlichkeit abzuarbeiten, große Aufgaben in kleine Teilaufgaben aufzuspalten und bestimmte Aufgaben an andere abzugeben (Delegieren). Es ist im Allgemeinen sinnvoll, sich einen Tagesplan zu machen, der sämtliche Aufgaben und Zeit für zusätzliche, spontan anfallende Arbeiten enthält.

Das Abhaken erledigter Aufgaben ist eine Erfolgskontrolle und ein wichtiges Mittel zur Motivation im Zeitmanagement.

Diese Vorgehensweisen werden beim Aufgabenmanagement miteinander kombiniert und, wenn möglich, perfektioniert.

Bekannte Techniken des Zeitmanagements finden sich auch unter Selbstmanagement: Bekannte Methoden.

Kritik am persönlichen Zeitmanagement[Bearbeiten]

Die Zeitschrift bild der wissenschaft kritisierte 2006 Zeitmanagement-Angebote mit Blick auf Gehirnphysiologie- und Stressforschung. Sie zitierte aus einem Buch von Stefan Klein[1] u. a. den Satz „Wir sind nicht gestresst, weil wir keine Zeit haben, sondern wir haben keine Zeit, weil wir gestresst sind.“

Dieser Satz bezieht sich auf eine weitere Aussage in dem Buch, wonach Stresshormone jenen Teil der Großhirnrinde, der für die Zeitwahrnehmung verantwortlich ist, in seiner Funktion einschränken.

Der Wirtschaftspädagoge Karlheinz Geißler von der Bundeswehr-Universität in München führt aus: „Zeit-Management ist ein Handel mit Hoffnungen“.[2] Es sei unrealistisch, dass ein Zeitmanagement-Experte oder ein Ratgeber mittels einfacher Rezepte jene unangenehmen Probleme löse, die für Hektik, Stress und den Zeitdruck verantwortlich sind.

Rainer B. Jogschies kritisiert vor allem die zu oft ausgeblendete Berücksichtigung der vermeintlichen Wirtschaftsproduktivität. Zeit könne nur auf Kosten anderer gewonnen werden, beispielsweise indem in den westlichen Ländern Produkte „billig“ angeboten würden, die zulasten der Zeit in den armen Ländern hergestellt werden.[3] Darüber hinaus beachteten „Zeit-Management-Prediger“ selten die ökologischen Folgen: „Erst Preise, die die Zeit-Dimension, also die Endlichkeit von Ressourcen und Produkten miteinbezögen, wären realistische Preise eines Marktes, der über dem Niveau von Hirten, Jägern und Sammlern liegen will.“[4]

Zeitwirtschaft[Bearbeiten]

Unter Zeitwirtschaft versteht man Maßnahmen und Methoden zur Ermittlung, Aufbereitung und Nutzung arbeitsbezogener Zeitdaten. Sie bildet die Grundlage für viele Formen des Leistungsentgelts und hatte eine entsprechende Bedeutung im Wandel der Zeiten. Derzeit erfolgt eine Erweiterung im Sinne eines „time-based management“ im Industrial Engineering und bezieht sich damit nicht mehr allein auf Fertigung und Montage, sondern erfasst alle Arbeitsprozesse. Daneben werden zunehmend auch Maßnahmen zur Erfassung, Dokumentation und Kontrolle von Anwesenheits- oder Arbeitszeiten beim Personal im Rahmen des Arbeitszeitmanagement mit dem Begriff erfasst.

Damit werden die ursprünglich typischen Zeit-Mengen-Daten um Ablauf-, Belastungs-, Ergonomie-, Prozess-, Qualitäts- und Kostendaten ergänzt.[5] Im Rahmen des Demografischen Wandels gewinnen diese Daten bei der Planung des Arbeitseinsatzes erheblich an Bedeutung.

Eine Zeitwirtschaft basiert auf Zeitstudien, die idealerweise so in Zeitbausteine aufgeschlüsselt werden, dass daraus für die Planung von Arbeitsabläufen und die Kalkulation von Aufträgen Sollzeiten zusammengesetzt werden können.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zitat in bild der wissenschaft aus Stefan Klein: Zeit. Der Stoff aus dem das Leben ist. S. Fischer, Frankfurt 2006, ISBN 3-10-039610-3
  2. HTML, zusätzlicher Wie Zeitsparen Zeit raubt. In: bild der wissenschaft, 1/2008, S. 62–63.
  3. Siehe insbesondere das Kapitel Wozu noch all die Zeit – auf der Arbeit und im Leben?. In: Die Non-Stop-Gesellschaft, Berlin 2002 (Nachttischbuch-Verlag), S. 16 ff.
  4. Siehe ebd. S. 165
  5. Kruppe, Eberhard: Zeitwirtschaft. In: Landau, Kurt (Hrsg.): Lexikon Arbeitsgestaltung : Best Practise im Arbeitsprozess. Stuttgart: Genter, 2007. - ISBN 978-3-87247-655-5. S. 1333.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]