Zeittafel Reconquista

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Reconquista (span. „Rückeroberung“) ist die spanische und portugiesische Bezeichnung für die Rückeroberung der Iberischen Halbinsel durch christliche Nachkommen der Bevölkerung des Westgotenreichs, nachdem im frühen 8. Jahrhundert aus Nordafrika kommende muslimische Eroberer (Araber und Berber) das Westgotenreich vernichtet und die Iberische Halbinsel unterworfen hatten. Aus muslimischer Sicht handelte es sich nicht um eine Wiedereroberung, sondern um eine Eroberung von Gebieten, die teilweise seit über 700 Jahren von Muslimen besiedelt waren und von Städten, die (wie z.B. Madrid) überhaupt erst von Muslimen gegründet worden waren.

Anfänge 711 bis 975[Bearbeiten]

Muslimische Offensiven 976 bis 1002[Bearbeiten]

  • 976: Almansor plündert Barcelona.
  • 977: Almansor besiegt eine christliche Armee.
  • 981: Ramiro III. von León wird von Almansor bei Rueda besiegt und muss Tribut entrichten.
  • 985: Almansor greift mehrmals christliche Gebiete an und plündert Barcelona.
  • 986: Almansor brennt das Kloster von Sankt Cugat del Vallès nieder.
  • 987: Almansor zerstört Coimbra, erobert mehrere Burgen, nördlich des Douro und erreicht Santiago de Compostela. Die Stadt wird evakuiert und die Mauren brennen sie bis auf die Grundmauern nieder. Al-Mansur lässt die Türen und Glocken des Heiligtums nach Córdoba bringen und die Kirche des Heiligtums zerstören.
  • 988 Almansor plündert die Stadt León und lässt die Stadt niederbrennen. Danach plündert er León, Zamora, und Sahagún und lässt die Klöster von Eslonza und Sahagún zerstören.
  • 995: Nach heftigem Widerstand der Familie Beni Gómez, die Herrscher von Saldana, Liebana, Carrión und Zamora, gelingt es Al-Mansur die Stadt Santa Maria de Carrión zu zerstören.
  • 997: Almansor erobert weitere christliche Gebiete.
  • 1002: Almansor stirbt nach einem siegreichen Feldzug in Medinaceli. Christliche Chronisten dichten ihm postum eine Niederlage in der angeblichen Schlacht von Calatañazor an.

Wechselhafte Kämpfe 1003 bis 1211[Bearbeiten]

  • 1003: Die Mauren verwüsten León.
  • 1009: Die Muslime verwüsten León erneut.
  • 1031: Das Kalifat von Cordoba geht unter.
  • 1034: Ein Heer unter Ismail ibn Abbad aus Sevilla wird von Streitkräften aus León besiegt. Gonçalo Trastemires erobert die Burg Montemor.
  • 1035: Ferdinand I. erobert Coimbra und zwingt die Muslime von Toledo, Sevilla und Badajoz zu Tributzahlungen.
  • 1036: Bermudo III. besiegt die Mauren bei César, in der Region Aveiro
  • 1037: Santiago de Compostela wird zurückerobert.
  • 1057: Ferdinand I. erobert Lamego und
  • 1058: Viseu von den Mauren.
  • 1062: Ferdinand I. greift mit einer großen Armee Toledo an. Emir Al-Mamun wird dem Königreich Kastilien tributpflichtig. Danach greift Ferdinand Badajoz an und macht auch Emir Al-Mutadid von Sevilla tributpflichtig.
  • 1063: Schlacht von Graus. König Ramiro I. von Aragonien verliert den Kampf gegen die Hudiden von Saragossa und wird getötet. Als Reaktion darauf wird Barbastro von einem vereinigten christlichen Heer, dem sich erstmals auch viele französische und normannische Ritter anschließen, belagert und eingenommen.
  • 1064: Ferdinand I. belagert Coimbra und erobert am 9. Juli die Stadt. Alle Moslems werden über den Fluss Mondego vertrieben.
  • 1067: Sancho II. und El Cid belagern Saragossa. Die Belagerung wird aufgehoben, nachdem Emir Al-Muqtadir Lösegeld zahlt und sich zu Tributzahlungen verpflichtet.
  • 1073: Die Festung von Belillos wird gebaut, von wo aus die christliche Garnison die Gegend von Granada angreifen kann.
  • 1076: Ferdinand I. erobert Coria im Emirat Badajoz.
  • 1079: Schlacht von Cabra. El Cid besiegt den Emir Abd Allah von Granada.
  • 1079: Schlacht von Coria. Alfons VI. besiegt den Emir von Badajoz, Al-Mutawwakkil und besetzt große Teile des Fürstentums der Dhun-Nuniden von Toledo.
  • 1082: Schlacht von Almenar. Truppen Aragoniens und Kataloniens belagern die Stadt Almenar und werden von Al-Mu'tamin von Saragossa besiegt. Der Graf von Barcelona, Berengar Raimund II., wird gefangen genommen.
  • 1085: Die Kastilier erobern Salamanca und die Stadt Toledo.
  • 1086: Mehrere Emire bitten den berberischen Almoravidenherrscher Yusuf ibn Taschfin um Hilfe gegen Alfons VI. Der erleidet in der Schlacht bei Zallaqa in der Extremadura eine verheerende Niederlage gegen das vereinigte Heer der Mauren und Berber.
  • 1087: Alfons VI. erobert die Festung Aledo in Murcia. Dadurch kontrolliert er den Weg zwischen Sevilla und Granada. Die große Moschee von Toledo wird in eine Kirche umgewandelt.
  • 1088: Yusuf ibn Taschfin belagert vier Monate lang erfolglos Aledo.
  • 1090: Christliche Truppen erobern Santarém, Lissabon und Sintra.
  • 1092: Maurische Rückeroberungsversuche von Toledo scheitern.
  • 1094: Eine Armee der Almoraviden unter Sir ibn Abi Bakr erobert Badajoz und Lissabon zurück. El Cid erobert Valencia von den Mauren. Die Almoraviden landen mit einer Armee aus Marokko in der Nähe von Cuarte und belagern Valencia mit 50.000 Mann. El Cid durchbricht den Belagerungsring und schlägt die Berber in die Flucht.
  • 1095: Die Almoraviden erobern Santarém.
  • 1097: El Cid besiegt die Almoraviden unter Ali ibn al-Haj in der Schlacht bei Bairén. Die Almoraviden besiegen Alfons VI. in der Schlacht bei Consuegra, in der der Sohn des Cid zu Tode kommt.
  • 1099: Die Almoraviden unter Ali ibn al-Hajj belagern weiter Valencia. Am 10. Juli 1099 stirbt El Cid in Valencia.
  • 1100: Molina fällt in christliche Hände.
  • 1102: Die Almoraviden erobern Valencia und dringen bis vor Saragossa vor. Die Hudiden leisten als letztes maurisches Kleinkönigreich Widerstand gegen die almoravidische Expansion.
  • 1103: Der almoravidische Gouverneur von Granada, Muhammad ibn al-Hajj (Bruder von Ali), wird im Kampf in der Nähe von Talavera durch kastilische Truppen getötet.
  • 1108: Die Almoraviden erobern die kleine Stadt Uclés, östlich von Toledo. Die Zitadelle der Stadt hält jedoch aus und Alfons VI. sendet ein Heer unter Álvar Fáñez, um die Eingeschlossenen zu befreien. Die Almoraviden schlagen das christliche Heer vernichtend und alle Anführer, darunter auch Sancho, Alfonsos einziger Sohn, werden getötet. Daraufhin geben die Christen Cuenca und Huete auf.
  • 1109: Die Almoraviden erobern Talavera im Westen Toledos nach einmonatiger Belagerung.
  • 1110: Al-Mustain von Saragossa führt eine Expedition gegen die Christen an, wird aber in Valtierra getötet.
  • 1111: Die Almoraviden unter Sir ibn Abi Bakr besetzen Lissabon und Santarém und übernehmen auch die Macht in Saragossa. Heinrich von Burgund, Graf von Portugal, erobert Santarém zurück.
  • 1112: Aragonien erobert Huesca. Im Gegenzug verwüsten die Almoraviden das Land und erreichen die Pyrenäen.
  • 1114: Eine großes Heer der Almoraviden unter Ibn al-Hajj von Saragossa und Ibn Aisha von Valencia fällt in Katalonien ein. Die Mauren geraten in einen Hinterhalt und beide almoravidischen Gouverneure werden getötet. Die Katalanen unter Graf Raimund Berengar III. erobern nach dem Tod von Emir Mubashir ibn Sulayman von Mallorca die Balearen.
  • 1115: Der Gouverneur von Saragossa, Abu Bakr ibn Ibrahim ibn Tifilwit, belagert 20 Tage lang Barcelona. Die Mauren ziehen sich zurück, nachdem Graf Raimund Berengar III. von Mallorca zurückkehrt. Die Flotte der Almoraviden erobert daraufhin die Balearen zurück. Der Gouverneur von Granada, Mazdali ibn Tilankan, stirbt im Kampf.
  • 1117: Die Amiriden unter Emir Ali ibn Yusuf erobern Coimbra, müssen jedoch bereits einige Tage später die Stadt aufgeben.
  • 1118: Alfons I. von Aragón erobert Saragossa von den Almoraviden. Die Stadt bleibt von da an in christlicher Hand. Siedler in den wiedereroberten Gebieten erhalten Sonderrechte.
  • 1120: Alfons I. von Aragón vernichtet eine Armee der Almoraviden in der Nähe von Cutanda.
  • 1126: Die Almoraviden beginnen, Christen nach Marokko zu deportieren. Alfons I. von Aragón besiegt die Almoraviden in der Nähe von Lucena.
  • 1128: Der Templerorden begründet seine erste Niederlassung in der am Mondego gelegenen Burg von Soure in Portugal aufgrund einer Schenkung durch D. Theresia, die den Templern auch „alle Gebiete zwischen Coimbra und Leiria, die sich noch in der Hand der Ungläubigen befinden“ überträgt.
  • 1131: Taschfin ibn Ali ibn Yusuf erobert die Burg von Aceca südlich von Toledo. Der almoravidische Gouverneur von Valencia besiegt eine Armee Aragons und tötet Gaston IV. de Bearne.
  • 1133: Die christliche Miliz von Toledo erreicht Sevilla und tötet den Gouverneur der Stadt, Abu Hafs Umar ibn Ali ibn al-Hajj.
  • 1134: Schlacht von Fraga: Alfons I. von Aragón belagert die kleine Stadt Fraga. Ein maurisches Heer unter Yahya ibn Ali ibn Ghaniya besiegt Alfons I. Dieser wird schwer verwundet und stirbt kurze Zeit später.
  • 1136 Yahya ibn Ali ibn Ghaniya; Sa'd ibn Mardanish erobert für die Mauren Mequinenza am Ebro zurück.
  • 1137 Tashfin ibn Ali ibn Yusug besiegt die Kastilier in der Nähe von Alcazar de San Juan und zerstört die Burg von Escalona nördlich des Tagus. Alfons I. von Portugal scheitert beim Versuch, Lissabon von den Mauren zurückzuerobern.
  • 1139: Alfons I. von Portugal siegt über die Mauren in der Schlacht von Ourique (südwestlich von Beja). Er nimmt danach den Königstitel an und begründet so die Selbständigkeit Portugals von Kastilien-León.
  • 1140: Alfons I. von Portugal scheitert erneut beim Versuch, Lissabon von den Mauren zurückzuerobern.
  • 1140: Die Portugiesen können Leiria zurückerobern.
  • 1147: Alfons I. erobert mithilfe des Kreuzfahrerheeres des 2. Kreuzzugs Lissabon und Santarém von den Mauren (siehe Belagerung von Lissabon). Eine christliche Allianz greift Almería zu Land und zu Wasser an. Alfons VII. von Kastilien und Sancho Ramirez IV. von Navarra erobern Andujar und Baeza. Die Genuesen vereinigen sich mit ihnen in Almería. Almería fällt am 17. Oktober und wird den Genuesen übergeben.
  • 1153: Ramon Berenguer IV. erobert das Waliat (= Vizekönigreich) Siurana im heutigen Katalonien, das letzte Taifa-Reich im Nordteil der Iberischen Halbinsel.
  • 1158: König Alfons I. erobert Alcácer do Sal.
  • 1159: Die Portugiesen erobern Évora und Beja.
  • 1161: Évora, Beja und Alcácer do Sal werden von den Mauren zurückerobert.
  • 1162: Alfons I. von Portugal erobert Beja.
  • 1165: Die Portugiesen unter Alfons I. von Portugal erobern Évora.
  • 1166: Die Portugiesen erobern Serpa und Moura.
  • 1169: Die Portugiesen erobern Badajoz.
  • 1184: Die Portugiesen besiegen die Almohaden bei Santarém.
  • 1185-1212: Sancho I. gründet mehrere neue Städte und beginnt damit, Flamen und Burgunder ins Land zu holen.
  • 1195 Schlacht bei Alarcos. Die Almohaden unter Yaqub al-Mansur und Meriniden besiegen ein Heer Kastiliens unter Alfons VIII..

Vordringen der Christen 1212 bis 1339[Bearbeiten]

Endphase 1340 bis 1492[Bearbeiten]

Folgen der Reconquista 1492 bis 1616[Bearbeiten]

  • 1492-1507: Die in Spanien verbleibenden Mauren schließen ein Bündnis mit den Städten Abarán, Ulea, Eyes und Ricote. Sie müssen sich jedoch verpflichten, zum Christentum überzutreten.
  • 1496: Alle Muslime werden aus Portugal vertrieben.
  • 1502: Nach mehreren muslimischen Revolten werden alle Mauren, zusammen mit den Juden, denen man Kollaboration vorwirft, aus Spanien vertrieben.
  • 1568: Alpujarrasaufstand. Nachdem König Philipp II. Gesetze eingeführt hat, die die maurische Kultur unterdrücken sollen, revoltiert die verbliebene maurische Bevölkerung, die nur nominell zum Christentum übergetreten ist (Moriscos), unter Führung von Aben Humeya in Granada. Der Aufstand wird erst 1571 endgültig niedergeschlagen.
  • 1578: Schlacht von Alcácer-Quibir.
  • 1609: König Philipp III. erlässt ein Edikt, das die verbliebenen Moriscos aus Spanien ausweist. Ihnen wird vorgeworfen, die Osmanen um ein militärisches Eingreifen in Spanien gebeten zu haben.
  • 1616: Die letzten Moriscos werden von der Iberischen Halbinsel vertrieben.

Literatur[Bearbeiten]

  • Claudio Sánchez-Albornoz: Orígenes de la nación española. 3 Bände, Oviedo 1972-1975 (grundlegende Darstellung der Frühphase der Reconquista mit besonderer Berücksichtigung chronologischer Fragen)
  • Ludwig Vones: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Thorbecke, Sigmaringen 1993, ISBN 3-7995-7113-2