Zeittafel Rote Armee Fraktion

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Zeittafel zur RAF[Bearbeiten]

Datum Ort Ereignis Beteiligt
2./3. April 1968 Frankfurt am Main Brandstiftung in zwei Frankfurter Kaufhäusern als Protest gegen den Vietnamkrieg. Die Täter werden am nächsten Tag festgenommen. Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Thorwald Proll, Horst Söhnlein
31. Oktober 1968 Frankfurt am Main Die Kaufhausbrandstifter werden zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 13. Juni 1969 werden die Haftbefehle außer Vollzug gesetzt. Nur Horst Söhnlein tritt später seine Strafe an. Nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) am 27. Oktober 1969 die Revision verwirft, fliehen Baader, Ensslin und Thorwald Proll, begleitet von Astrid Proll, nach Frankreich und später nach Italien. Thorwald Proll trennt sich in Paris von der Gruppe.
5. Februar 1970 Wiesbaden Das Gnadengesuch von Andreas Baader und Gudrun Ensslin wird vom hessischen Justizminister Karl Hemfler abgelehnt.
Anfang Februar 1970 West-Berlin Andreas Baader und Gudrun Ensslin kehren in die Stadt zurück und leben dort in der Illegalität.
4. April 1970 West-Berlin Verhaftung von Andreas Baader nach einem Hinweis von Peter Urbach.
14. Mai 1970 West-Berlin Baader-Befreiung: Andreas Baader wird mit Waffengewalt während einer Ausführung befreit. Zwei Verletzte. Dieser Tag gilt als Gründungsdatum der RAF. Irene Goergens, Horst Mahler, Ulrike Meinhof, Astrid Proll, Ingrid Schubert
5. Juni 1970 West-Berlin Die Journalistin Michèle Ray interviewt bei einem klandestinen Treffen Ulrike Meinhof. Auszüge erscheinen in Der Spiegel Nr. 25, 15. Juni 1970. Die RAF schreibt im April 1971 in Das Konzept Stadtguerilla über das Interview, es sei „ohnehin nicht authentisch“ und stamme „aus dem Zusammenhang privatistischer Diskussion.“ Am gleichen Tag erscheint in der Zeitschrift Agit 883 die Erklärung der RAF „Die Rote Armee aufbauen“.
Juni bis August 1970 Jordanien Militärische Ausbildung in einem Camp der Al Fatah. Kontaktmann zu Arafats Guerillatruppe war der palästinensische Student Said Dudin. Brigitte Asdonk, Andreas Baader, Monika Berberich, Gudrun Ensslin, Petra Schelm, Irene Goergens, Manfred Grashof, Peter Homann, Horst Mahler, Ulrike Meinhof, Ingrid Schubert u. a.
29. September 1970 West-Berlin „Dreierschlag“, gleichzeitiger Überfall auf drei Banken. Beute: Über 217.000 DM. mindestens 16 Personen
8. Oktober 1970 West-Berlin Verhaftung von Brigitte Asdonk, Monika Berberich, Irene Goergens, Horst Mahler und Ingrid Schubert.
15. Januar 1971 Kassel Gleichzeitiger Überfall auf zwei Banken, Beute 114.000 DM. unbekannt
10. Februar 1971 Frankfurt am Main Manfred Grashof und Astrid Proll entkommen nach einem Schusswechsel mit der Polizei. Dies führt zu einer ersten großen bundesweiten Fahndungsaktion.
1. März 1971 bis 21. Mai 1971 West-Berlin Prozess wegen der Baader-Befreiung gegen Irene Goergens, Horst Mahler und Ingrid Schubert im Kriminalgericht Berlin-Moabit. Urteil wegen gemeinschaftlich versuchten Mordes und Gefangenenbefreiung: für Schubert (sechs Jahre) und Goergens (vier Jahre nach Jugendstrafrecht). Freispruch für Mahler (wird vom BGH später aufgehoben). Landgerichtsdirektor Friedrich Geus (Vorsitz), Erster Staatsanwalt Hans-Dieter Nagel (Anklage), Peter Urbach (Belastungszeuge), Klaus Eschen, Otto Schily, Hans-Christian Ströbele (Verteidigung), Irene Goergens, Horst Mahler, Ingrid Schubert
April 1971 Das erste Positionspapier der RAF „Das Konzept Stadtguerilla“ erscheint als Untergrundschrift.
6. Mai 1971 Hamburg Verhaftung von Astrid Proll.
15. Juli 1971 Hamburg Petra Schelm wird während einer Großfahndung im gesamten norddeutschen Raum bei einem Festnahmeversuch von der Polizei erschossen. Ihr Begleiter Werner Hoppe, nach dem noch nicht gesucht wurde, wird verhaftet.
1971/1972 Heidelberg Die Mitglieder des Sozialistischen Patientenkollektiv Klaus Jünschke, Margrit Schiller, Lutz Taufer, Bernhard Rössner, Hanna Krabbe, Siegfried Hausner, Elisabeth von Dyck, Ralf Baptist Friedrich, Sieglinde Hofmann und mutmaßlich Friederike Krabbe werden Mitglieder der RAF.
1. September 1971 bis 31. März 1981 Wiesbaden Horst Herold wird Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA).
22. Oktober 1971 Hamburg Zivilfahnder Norbert Schmid wird bei einem Festnahmeversuch von einem RAF-Mitglied erschossen. Irmgard Möller, Gerhard Müller, Margrit Schiller
4. Dezember 1971 West-Berlin Georg von Rauch wird von der Polizei erschossen.
22. Dezember 1971 Kaiserslautern Überfall auf die Bayrische Hypotheken- und Wechselbank, der Polizist Herbert Schoner wird erschossen, Beute 134.000 DM. Klaus Jünschke und sechs weitere Personen
10. Januar 1972 Hamburg Der Essay „Soviel Liebe auf einmal“ von Heinrich Böll erscheint in dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel unter dem Titel Will Ulrike Gnade oder freies Geleit?.
27. Januar 1972 Bonn Die Ständige Konferenz der Innenminister beschließt, ein gemeinsames, arbeitsteiliges, elektronisches Informations- und Auskunftssystem für die gesamte Polizei (INPOL) in der Bundesrepublik mit dem BKA als Zentralstelle zu errichten.
1. März 1972 Affstätt Der unbeteiligte Lehrling Richard Epple wird versehentlich von der Polizei erschossen.
2. März 1972 Augsburg Thomas Weisbecker wird von der Polizei erschossen.
3. März 1972 Hamburg RAF-Mitglied Manfred Grashof erschießt bei Festnahmeversuch Leiter der SOKO „Baader/Meinhof“ Heinz Eckhardt, wird selbst schwer verletzt und zusammen mit Wolfgang Grundmann verhaftet.
April 1972 Das Positionspapier der RAF „Dem Volke dienen – Stadtguerilla und Klassenkampf “ erscheint als Untergrundschrift.
11. Mai 1972 Frankfurt am Main Beginn der „Mai-Offensive“: Bombenanschlag auf das Hauptquartier des V. US-Corps durch das „Kommando Petra Schelm“ der RAF. Paul A. Bloomquist, US-Offizier, wird getötet, 13 Verletzte. Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Ulrike Meinhof, Holger Meins, Jan-Carl Raspe u. a.
12. Mai 1972 Augsburg, München Bombenanschläge auf eine Polizeidirektion und das LKA durch das „Kommando Thomas Weisbecker“, 17 Verletzte. Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Ulrike Meinhof, Holger Meins, Jan-Carl Raspe u. a.
15. Mai 1972 Karlsruhe Autobombenanschlag auf den Bundesrichter Wolfgang Buddenberg durch das „Kommando Manfred Grashof“, seine Frau wird schwer verletzt. Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Ulrike Meinhof, Holger Meins, Jan-Carl Raspe u. a.
19. Mai 1972 Hamburg Bombenanschlag auf das Verlagshaus der Axel Springer AG, „Kommando 2. Juni“, 17 Verletzte. Ulrike Meinhof u. a.
24. Mai 1972 Heidelberg Bombenanschlag auf das Europa-Hauptquartier der United States Army, „Kommando 15. Juli“ (15. Juli 1971, Todestag von Petra Schelm), die US-Soldaten Clyde R. Bonner, Charles L. Peck, Ronald A. Woodward werden getötet, fünf Verletzte. Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Ulrike Meinhof, Holger Meins, Jan-Carl Raspe u. a.
1. Juni 1972 Frankfurt am Main Verhaftung von Andreas Baader, Holger Meins und Jan-Carl Raspe.
7. Juni 1972 Hamburg Gudrun Ensslin wird verhaftet.
9. Juni 1972 West-Berlin Verhaftung von Bernhard Braun und Brigitte Mohnhaupt.
15. Juni 1972 Hannover Verhaftung von Ulrike Meinhof und Gerhard Müller.
25. Juni 1972 Stuttgart Der unbeteiligte Ian McLeod, ein britischer Handelsvertreter, wird versehentlich von der Polizei bei einer Hausdurchsuchung durch die geschlossene Schlafzimmertür erschossen.
9. Juli 1972 Offenbach am Main Verhaftung von Klaus Jünschke und Irmgard Möller.
17. Januar bis 16. Februar 1973 bundesweit Erster kollektiver Hungerstreik der RAF-Gefangenen. Forderung „Aufhebung der Isolation als Folter für die politischen Häftlinge in der BRD“, „Zulassung unabhängiger Ärzte und die Verlegung aus den Toten Trakten in den Normalvollzug“. 40 Gefangene
Ende April 1973 In zehn Städten werden örtliche „Komitees gegen Folter an politischen Gefangenen in der BRD“ gegründet.
8. Mai bis 29. Juni 1973 bundesweit Zweiter kollektiver Hungerstreik der RAF-Gefangenen. Forderung Gleichstellung mit allen anderen Gefangenen 40 Gefangene
29. Juni 1973 Bonn Die 3. Fassung des BKA-Gesetzes tritt in Kraft. Das BKA wird u. a. zuständig für die Terrorismusbekämpfung (Neueinrichtung der Abteilungen TE und ST) und zur Zentralstelle im Polizeibereich für den elektronischen Datenverbund.
4. Februar 1974 Hamburg, Frankfurt am Main Verhaftung von Eberhard Becker, Wolfgang Beer, Christa Eckes, Helmut Pohl, Margrit Schiller und Ilse Stachowiak.
21. Mai 1974 Augsburg Der unbeteiligte Taxifahrer Günter Jendrian wird im Rahmen einer Terroristenfahndung bei der Durchsuchung seiner Wohnung versehentlich von der Polizei erschossen.
31. Mai 1974 Karlsruhe Siegfried Buback wird Generalbundesanwalt am BGH.
13. September 1974 bis 5. Februar 1975 bundesweit Dritter kollektiver Hungerstreik der RAF-Gefangenen. 31 Gefangene
9. November 1974 JVA Wittlich Holger Meins stirbt an den Folgen des Hungerstreiks.
27. Februar 1975 West-Berlin Peter Lorenz wird von der Bewegung 2. Juni entführt. Forderung: Freilassung von Verena Becker, Rolf Heißler, Gabriele Kröcher-Tiedemann, Horst Mahler, Rolf Pohle, Ingrid Siepmann. Mahler lehnt seinen Austausch ab. Die anderen Gefangenen werden am 3. März 1975 in Begleitung von Heinrich Albertz nach Aden ausgeflogen, Lorenz am 4. März freigelassen.
24. April 1975 Stockholm Geiselnahme von Stockholm (Kommando Holger Meins). Wirtschaftsattaché, Heinz Hillegaart und der Militärattaché Andreas von Mirbach werden ermordet. Ulrich Wessel und Siegfried Hausner sterben an den Folgen einer Explosion. Karl-Heinz Dellwo, Siegfried Hausner, Hanna Krabbe, Bernhard Rössner, Lutz Taufer und Ulrich Wessel
21. Mai 1975 Stuttgart Eröffnung des Stammheim-Prozesses vor dem Oberlandesgericht Stuttgart gegen Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Ulrike Meinhof und Jan-Carl Raspe.
16. Januar 1976 Bonn Verabschiedung des 14. Strafrechtsänderungsgesetzes, damit Änderungen und Neueinfügungen in § 88a StGB (Verfassungsfeindliche Befürwortung von Straftaten) und § 130a StGB (Anleitung zu Straftaten), aber auch § 126 StGB (Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten), § 140 StGB (Belohnung und Billigung von Straftaten), § 111 Abs. 2 StGB (Öffentliche Aufforderung zu Straftaten, die den Gemeinschaftsfrieden verletzen) und § 86,3 StGB (Sozialadäquanz-Klausel).
7. Mai 1976 Sprendlingen, Kreis Offenbach Polizeimeister Fritz Sippel wird von einem bisher unbekannten RAF-Mitglied erschossen.
9. Mai 1976 Stuttgart Ulrike Meinhof wird tot in ihrer Zelle aufgefunden. Die offizielle Untersuchung stellte Suizid fest.
30. November 1976 Butzbach Verhaftung von Siegfried Haag und Roland Mayer. Haag/Mayer-Papiere mit Anschlagsplänen werden gefunden.
25. Januar 1977 Stuttgart Der Vorsitzende Richter im Stammheim-Prozess Theodor Prinzing wird nach einem Befangenheitsantrag der Verteidigung durch Eberhard Foth ersetzt.
8. Februar 1977 Bühl Brigitte Mohnhaupt wird aus der Haft entlassen und übernimmt die Führung der RAF.
7. April 1977 Karlsruhe Generalbundesanwalt Siegfried Buback, Wolfgang Göbel, Fahrer, Georg Wurster, Leiter der Fahrbereitschaft der Bundesanwaltschaft werden erschossen (Kommando Ulrike Meinhof). Beginn der Offensive 77 der RAF. Brigitte Mohnhaupt, Knut Folkerts, Christian Klar, Günter Sonnenberg, Verena Becker(?), Stefan Wisniewski(?)
25. April 1977 Göttingen In der Zeitung des AStA der Universität Göttingen, den Göttinger Nachrichten, erscheint der Text Buback – ein Nachruf vom Göttinger Mescalero.
28. April 1977 Stuttgart Das OLG Stuttgart verurteilt im Stammheim-Prozess Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe wegen vier Morden und 34 versuchten Morden aus dem Jahr 1972 zu lebenslangen Haftstrafen. Die Verteidigung geht in Revision.
3. Mai 1977 Singen Verhaftung von Verena Becker und Günter Sonnenberg. Sonnenberg und ein Polizist werden schwer verletzt.
1. Juli 1977 Frankfurt am Main Überfall auf ein Waffengeschäft. Beute: 15 Revolver und drei Pistolen. Knut Folkerts, Willi-Peter Stoll
1. Juli 1977 Karlsruhe Kurt Rebmann wird Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof.
30. Juli 1977 Oberursel (Taunus) Der Vorstandssprecher der Dresdner Bank, Jürgen Ponto, wird in seinem Haus von Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt erschossen. Susanne Albrecht, Peter-Jürgen Boock, Sieglinde Hofmann, Christian Klar, Brigitte Mohnhaupt
25. August 1977 Karlsruhe Ein Raketenwerfer-Anschlag auf das Gebäude der Bundesanwaltschaft scheitert, weil der Zünder nicht funktioniert. Peter-Jürgen Boock, Christian Klar, Brigitte Mohnhaupt
5. September 1977 Köln Schleyer-Entführung: Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer wird vom „Kommando Siegfried Hausner“ der RAF entführt. Schleyers Begleiter Heinz Marcisz, Reinhold Brändle, Helmut Ulmer und Roland Pieler werden erschossen. Die Entführer fordern die Freilassung von Andreas Baader, Verena Becker, Karl-Heinz Dellwo, Gudrun Ensslin, Werner Hoppe, Hanna Krabbe, Irmgard Möller, Jan-Carl Raspe, Bernhard Rössner, Ingrid Schubert und Günter Sonnenberg. Beginn des Deutschen Herbstes. Peter-Jürgen Boock, Knut Folkerts, Rolf Heißler, Sieglinde Hofmann, Christian Klar, Brigitte Mohnhaupt, Adelheid Schulz, Angelika Speitel, Sigrid Sternebeck, Willi-Peter Stoll, Stefan Wisniewski, Rolf Clemens Wagner
6. September 1977 Bonn Bundeskanzler Helmut Schmidt beruft einen „Großen Krisenstab“ ein, der beschließt, auf keinen Fall auf die Forderungen der Entführer einzugehen. Die einsetzende umfangreichste Fahndung in der Geschichte der Bundesrepublik wird zentral vom BKA koordiniert. Mit der juristisch umstrittenen Berufung auf den rechtfertigenden Notstand (§ 34 StGB) werden mehr als 100 Gefangenen einer vollständigen Kontaktsperre unterworfen, um Informationen durch die Medien, die Kommunikation untereinander und Verteidigerbesuche zu verhindern.
6. September 1977 Karlsruhe Der Ermittlungsrichter am BGH Horst Kuhn entscheidet in einer einstweiligen Anordnung, daß Verteidigerbesuche und -post von der Kontaktsperre auszunehmen sind. GBA Kurt Rebmann legt dagegen Beschwerde ein (vgl. Entscheidung des BGH am 23. September 1977). Ein Teil der Landesjustizverwaltungen und Justizvollzugsanstalten kommen der Anordnung nicht nach.
8. September 1977 bundesweit Die deutsche Presse unterwirft sich freiwillig und fast vollständig einer vom Großen Krisenstab verhängten Nachrichtensperre.
10. September 1977 Karlsruhe Einige Anwälte beantragen für betroffene Mandanten und sich selbst bein BVerfG einstweilige Anordnungen gegen die Kontaktsperre wegen Verfassungswidrigkeit (vgl. Entscheidung des BVerfG am 4. Oktober 1977).
12. September 1977 Bonn Der "Kleine Krisenstab" (Kleine Lage) beschließt die Einführung eines Kontaktsperregesetzes.
23. September 1977 Karlsruhe Der 3. (politische) Senat des BGH gibt der Beschwerde von GBA Kurt Rebmann gegen die einstweilige Anordnung des Haftrichters am BGH vom 6. September 1977 statt und weist damit die Beschwerde von sieben von der Kontaktsperre betroffenen Gefangenen zurück.
22. September 1977 Utrecht Knut Folkerts erschießt bei seiner Festnahme den niederländischen Polizisten Arie Kranenburg.
28. September 1977 Bonn Der Gesetzentwurf für das Kontaktsperregesetz (§ 31 bis § 38 des Gesetzes zur Änderung des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetz EGGVZ vom 30. September 1977) wird im Bundestag eingebracht. Nach der ersten Lesung und der Weiterleitung an den Rechtsausschuss wird der Entwurf dort und im Rechtsausschuss des Bundesrates am selben Tag beraten.
29. September 1977 Bonn Zweite und dritte Lesung des Kontaktsperregesetzes im Deutschen Bundestag. Das Gesetz wird verabschiedet.
30. September 1977 Bonn Der Bundesrat stimmt dem Kontaktsperregesetz zu.
30. September 1977 Paris Festnahme von Rechtsanwalt Klaus Croissant.
30. September 1977 Stuttgart Verhaftung von Rechtsanwalt Arndt Müller.
1. Oktober 1977 Bonn Das Kontaktsperregesetz wird von Bundespräsident Walter Scheel gegengezeichnet und im Bundesgesetzblatt verkündet.
2. Oktober 1977 Bonn Um Mitternacht tritt das Kontaktsperregesetz in Kraft. Zwei Minuten später stellt Bundesjustizminister Hans-Jochen Vogel Kontaktsperre für 72 Gefangene fest.
2. Oktober 1977 Deutsch-dänische Grenze Festnahme von Volker Speitel in einem aus Dänemark kommenden Zug.
2. Oktober 1977 bis 7. Oktober 1977 Stuttgart Durchsuchung und Versiegelung der Anwaltskanzlei von Klaus Croissant, Arndt Müller und Armin Newerla.
4. Oktober 1977 Bonn, Karlsruhe Der Bundesminister der Justiz Hans-Jochen Vogel stellt gemäß dem Kontaktsperregesetz (§ 35 EGGVG) beim Bundesgerichtshof den Antrag, seine Feststellung vom 2. Oktober 1977 zu bestätigen (vgl. Entscheidung des BGH am 13. Oktober 1977).
4. Oktober 1977 Stuttgart Erneute Durchsuchung der bereits versiegelten Anwaltskanzlei von Klaus Croissant, Arndt Müller und Armin Newerla.
13. Oktober 1977 Karlsruhe Der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofes bestätigt im Wesentlichen die am 2. Oktober 1977 vom Bundesminister der Justiz angeordnete Kontaktsperre. Bei vier der 72 betroffenen Gefangenen, darunter Werner Schlegel und Peter Paul Zahl, wurde nach diesem Beschluss die Kontaktsperre rechtswidrig angewandt.
13. Oktober 1977 bis 18. Oktober 1977 Mallorca, Rom, Larnaka, Bahrain, Dubai, Aden, Mogadischu Landshut-Flugzeugentführung (Kommando Martyr Halimeh). Zohair Youssif Akache, Souhaila Andrawes, Riza Abbasi, Nadia Duaibes, PFLP
18. Oktober 1977 Stuttgart Todesnacht von Stammheim, Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe begehen Selbstmord. Irmgard Möller überlebt.
19. Oktober 1977 Mülhausen Die Leiche Hanns Martin Schleyers wird aufgefunden. Die Täter sind bis heute nicht ermittelt. unbekannt
20. Oktober 1977 Bonn Der Bundesminister der Justiz nimmt die gemäß § 31 EGGVG getroffene Feststellung der Kontaktsperre zurück.
2., 4. und 7. November 1977 Karlsruhe Die Gefangenen Siegfried Haag, Klaus Jünschke und Sabine Schmitz erheben zusammen mit ihren Anwälten beim Bundesverfassungsgericht (BVerfG) Verfassungsbeschwerde gegen das Kontaktsperregesetz.
12. November 1977 München Ingrid Schubert erhängt sich in ihrer Zelle mit einem Bettlaken am Fensterkreuz.
11. Mai 1978 Paris Verhaftung von Stefan Wisniewski.
11. Mai 1978 Jugoslawien Brigitte Mohnhaupt, Peter-Jürgen Boock, Sieglinde Hofmann und Rolf Clemens Wagner werden verhaftet, dürfen jedoch im November in ein Land ihrer Wahl ausreisen.
1. August 1978 Karlsruhe Die Verfassungsbeschwerde von Siegfried Haag, Klaus Jünschke und Sabine Schmitz gegen das Kontaktsperregesetz am 2., 4. und 7. November 1977 wird vom Zweiten Senat des Bundesverfassungsgerichts zurückgewiesen. Das Gesetz sei mit dem Grundgesetz vereinbar. Das Gericht prüft dabei nicht die Rechtmäßigkeit der Kontaktsperre vor Einführung des Gesetzes am 2. Oktober 1977.
6. September 1978 Düsseldorf Willi-Peter Stoll wird bei einem Festnahmeversuch von der Polizei erschossen.
24. September 1978 Dortmund Verhaftung von Michael Knoll und Angelika Speitel bei einem Übungsschießen. Der Polizist Hans-Wilhelm Hansen wird dabei getötet. Werner Lotze kann entkommen. Knoll stirbt zwei Wochen später an seinen Verletzungen.
1. November 1978 Kerkrade Die RAF-Mitglieder Rolf Heißler und Adelheid Schulz erschießen bei einem illegalen Grenzübertritt die niederländischen Zollbeamten Dionysius de Jong und Johannes Goemans.
19. März 1979 Darmstadt Banküberfall, Beute 49.000 DM. Elisabeth von Dyck, Werner Lotze, Christian Klar, Adelheid Schulz
17. April 1979 Nürnberg Banküberfall, Beute 200.000 DM. Elisabeth von Dyck, Adelheid Schulz, Werner Lotze, Rolf Heißler
4. Mai 1979 Nürnberg Elisabeth von Dyck wird beim Versuch ihrer Festnahme von der Polizei erschossen
9. Juni 1979 Frankfurt Festnahme von Rolf Heißler
25. Juni 1979 Casteau (Belgien) Anschlagsversuch (Kommando Andreas Baader) mit einer Bombe auf den NATO-Oberbefehlshaber in Europa, US-General Alexander Haig, zwei Verletzte. Susanne Albrecht, Ralf Baptist Friedrich, Werner Lotze, Sigrid Sternebeck, Rolf Clemens Wagner
19. November 1979 Zürich Banküberfall, Beute 473.000 SFr. Bei einem Schusswechsel mit der Polizei wird die unbeteiligte Passantin Edith Kletzhändler getötet. Zwei Polizisten und eine weitere Passantin werden verletzt. Henning Beer, Christian Klar, Rolf Clemens Wagner, Silke Maier-Witt
März 1980 West-Berlin Ein Teil der Mitglieder der Bewegung 2. Juni schließen sich der RAF an. mindestens zwölf Personen
5. Mai 1980 Paris Festnahme von Sieglinde Hofmann und vier weiteren Frauen der "Bewegung 2. Juni"
25. Juli 1980 Bietigheim-Bissingen Wolfgang Beer und Juliane Plambeck sterben bei einem Verkehrsunfall.
2. Februar bis 18. April 1981 bundesweit Achter kollektiver Hungerstreik der RAF-Gefangenen. Forderung Zusammenlegung. 68 Gefangene
16. April 1981 Hamburg Sigurd Debus stirbt an den Folgen des Hungerstreikes.
31. August 1981 Ramstein Bombenanschlag auf das Hauptquartier der US-Luftstreitkräfte in Europa, 14 Verletzte. (Kommando Sigurd Debus) Helmut Pohl, Ingrid Jakobsmeier und Henning Beer
15. September 1981 Heidelberg Anschlag auf den Oberbefehlshaber der US-Landstreitkräfte in Europa, General Frederick James Kroesen, vier Verletzte. (Kommando Gudrun Ensslin) Christian Klar, Brigitte Mohnhaupt, Ingrid Jakobsmeier und Henning Beer
Juni 1982 RAF-Grundsatzpapier Guerilla, Widerstand und antiimperialistische Front (Mai-Papier) wird entdeckt.
15. September 1982 Bochum Banküberfall auf eine Filiale der Bochumer Sparkasse. Ingrid Jakobsmeier u. a.
26. Oktober 1982 Heusenstamm Depot I, Zentraldepot der RAF wird zufällig durch zwei Pilzsammler entdeckt.
11. November 1982 Heusenstamm Verhaftung von Brigitte Mohnhaupt und Adelheid Schulz.
16. November 1982 Aumühle Christian Klar wird in der Nähe Hamburgs am Depot Daphne verhaftet.
15. März 1984 Würzburg Banküberfall, Beute 171.000 DM. unbekannt
2. Juli 1984 Frankfurt am Main Helmut Pohl, Christa Eckes, Stefan Frey, Ingrid Jakobsmeier, Barbara Ernst und Ernst-Volker Staub verhaftet.
5. November 1984 Ludwigshafen Überfall auf Waffengeschäft in Maxdorf bei Ludwigshafen. Beute: 22 Handfeuerwaffen, zwei Gewehre und 2.800 Schuss Munition. Eva Haule-Frimpong u. a.
4. Dezember 1984 bis 5. Februar 1985 bundesweit Neunter kollektiver Hungerstreik der RAF-Gefangenen. Forderung Zusammenlegung. 39 Häftlinge
18. Dezember 1984 Oberammergau Bombenanschlag auf die Nato-Schule scheitert, wegen technischen Defekts. (Kommando Jan Raspe) Eva Haule-Frimpong u. a.
15. Januar 1985 Gemeinsames Kommunique von RAF und Action Directe (Für die Einheit der Revolutionäre in Westeuropa).
25. Januar 1985 Paris Erschießung des Französischen Generals Rene Audran durch die Action Directe (Kommando Elizabeth von Dyck).
1. Februar 1985 Gauting MTU-Chef Ernst Zimmermann wird erschossen. (Kommando Patsy O´Hara) unbekannt
3. Juni 1985 Kirchentellinsfurt Überfall auf Geldboten, Beute 157.700 DM. Der Bote wird schwer verletzt. unbekannt
8. August 1985 Wiesbaden US-Soldat Edward Pimental wird erschossen, um an seinen Ausweis zu kommen. Birgit Hogefeld u. a.
8. August 1985 Frankfurt am Main Sprengstoffanschlag auf die Rhein-Main Air Base. Frank Scarton, US-Soldat und Becky Bristol, Zivilangestellte werden getötet, elf Verletzte. (Kommando George Jackson) Birgit Hogefeld u. a.
9. Juli 1986 Straßlach Ermordung des Siemens-Managers Karl Heinz Beckurts und seines Fahrers Eckhard Groppler durch Bombenattentat. (Kommando Mara Cagol) Horst Ludwig Meyer u. a.
25. Juli 1986 Immenstaad Sprengstoffanschlag auf das Dornier-Werk Christian Kluth, Luitgard Hornstein, Erik Prauss, Andrea Sievering
2. August 1986 Rüsselsheim Verhaftung von Eva Haule-Frimpong, Luitgard Hornstein und Christian Kluth.
10. Oktober 1986 Bonn Gerold von Braunmühl, Ministerialdirektor im Auswärtigen Amt, wird erschossen. (Kommando Ingrid Schubert) unbekannt
20. September 1988 Bonn Der Anschlag auf Hans Tietmeyer, Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen, scheitert. (Kommando Khaled Aker) Birgit Hogefeld u. a.
1. Februar bis 12. Mai 1989 bundesweit Zehnter kollektiver Hungerstreik der RAF-Gefangenen. 47 Häftlinge
9. Juni 1989 bis 31. Dezember 1999 Bonn Einführung der zeitlich befristeten Kronzeugenregelung (KronzG) im Strafgesetzbuch.
30. November 1989 Bad Homburg vor der Höhe Ermordung Alfred Herrhausens durch Bombenattentat, sein Fahrer wird verletzt. (Kommando Wolfgang Beer) unbekannt
Juni 1990 DDR Die RAF-Aussteiger werden enttarnt. Susanne Albrecht, Inge Viett, Werner Lotze, Christine Dümlein, Ekkehard von Seckendorff-Gudent, Monika Helbing, Sigrid Sternebeck, Ralf Baptist Friedrich, Silke Maier-Witt und Henning Beer
27. Juli 1990 Bonn Anschlag auf Hans Neusel, Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, er wird leicht verletzt. (Kommando Jose Manuel Sevillano) unbekannt
13. Februar 1991 Bonn Beschuss der US-Botschaft mit 250 Gewehrschüssen von der anderen Rheinseite (Königswinter), keine Verletzten. (Kommando Vincenzo Spano) Am 24. Februar durch die RAF in Kommando Ciro Rizatto korrigiert. unbekannt
1. April 1991 Düsseldorf Erschießung des Chefs der Treuhandanstalt Detlev Karsten Rohwedder in seinem Haus. (Kommando Ulrich Wessel) unbekannt, verdächtigt wird Wolfgang Grams.
10. April 1992 Die RAF erklärt, dass sie die „Eskalation zurücknimmt“, „Angriffe auf Repräsentanten aus Wirtschaft und Staat“ vorerst nicht mehr erfolgen, da sie eine politische Diskussion führen wolle.
16. Mai 1992 Bruchsal Günter Sonnenberg, der seit seiner Verletzung bei der Festnahme an epileptischen Anfällen leidet, wird auf Bewährung aus der Haft entlassen.
15. Juli 1992 Bonn Die seit den 1970er Jahren praktizierte Rasterfahndung wird im § 98a StPO gesetzlich verankert.
27. März 1993 Weiterstadt Sprengstoffanschlag gegen die JVA Weiterstadt, keine Verletzten. (Kommando Katharina Hammerschmidt) unbekannt, verdächtigt werden Ernst Volker Staub, Daniela Klette und Burkhard Garweg u. a.
27. Juni 1993 Bad Kleinen Bei dem GSG-9-Einsatz in Bad Kleinen werden Wolfgang Grams und der Polizist Michael Newrzella erschossen. Birgit Hogefeld wird verhaftet.
20. April 1998 Köln Bei der Nachrichtenagentur Reuters geht ein achtseitiges, als authentisch eingestuftes Schreiben ein, in dem die RAF ihre Selbstauflösung verkündet.
1. März 1999 Euskirchen Stefan Wisniewski wird auf Bewährung entlassen.
30. Juli 1999 Duisburg Ernst Volker Staub, Daniela Klette und eine unbekannte Personen überfallen einen Geldtransporter.
15. September 1999 Wien Horst Ludwig Meyer wird von der österreichischen Polizei erschossen. Andrea Klump wird verhaftet.
31. Dezember 1999 Berlin Die zeitlich befristete Kronzeugenregelung (KronzG) läuft nach mehreren Verlängerungen aus.
25. März 2007 Aichach Brigitte Mohnhaupt wird auf Bewährung entlassen.
17. August 2007 Eva Haule wird entlassen.
19. Dezember 2008 Bruchsal Christian Klar wird nach 26 Jahren nach Ablauf seiner Mindesthaftzeit aus der Justizvollzugsanstalt Bruchsal entlassen.
20. Juni 2011 Frankfurt am Main Birgit Hogefeld wird nach 18 Jahren Haft als letztes RAF-Mitglied aus dem Gefängnis entlassen.
6. Juli 2012 Stuttgart Verena Becker wird wegen Beihilfe zum Mord an Siegfried Buback verurteilt.