Zellzyklus

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Der Zellzyklus ist die Abfolge von physiologischen Ereignissen in Zellen mit einem Zellkern (Eukaryoten). Dieser Kreislauf beginnt nach einer Zellteilung und schließt die nächste ein. Er besteht aus Interphase, Mitose (Teilung der Chromosomen und des Zellkernes) und Zellteilung. Durch die Teilung der Mutterzelle in zwei Tochterzellen liegt eine Zellvermehrung vor. Wegen der Mitose als Ziel nennt man ihn auch den mitotischen Zellzyklus, von dem sich der prämeiotische Zyklus unterscheidet.

Phasen des Zellzyklus[Bearbeiten]

Schema des Zellzyklus. M = Mitose-Phase. Die darauf folgende Interphase besteht aus G1, S und G2. Von G1 kann eine Zelle in den G0-Zustand wechseln
Einzelne Phasen der Mitose

Nach Teilung der Mutterzelle beginnen die Tochterzellen die Interphase.[1] In dieser Phase zwischen zwei Mitosen sind die einzelnen Chromosomen auch nach Anfärbung nicht als einzelne Einheiten zu erkennen. Die Genaktivität steuert den Stoffwechsel der wachsenden Zelle. Ihr Zellkern entwickelt mindestens einen Nukleolus. Wegen des Gehaltes an ribosomaler RNA sind Nukleoli Voraussetzung und Anzeichen für den zellulären Stoffwechsel. Ein wichtiger Prozess während der Interphase ist die Verdoppelung der Chromosomen. Dies geschieht während der Synthese- oder S-Phase. Ihr voraus geht die G1-Phase. Entsprechend folgt auf die S- die G2-Phase.[2]

Jedes Chromosom besteht aus nur einer Chromatide bzw. einer DNA-Helix. Der DNA-Gehalt der G1-Zelle kann mittels DNA-Zytometrie als 2 C bestimmt werden. Der C-Wert steht für die Größe des (haploiden) Genoms eines Organismus.[4]
    • In die G0-Phase treten Zellen aus der G1 ein, wenn sie sich nicht mehr weiter vermehren sollen (ruhende Zelle). Es kann sich dabei um Zellen handeln, die sich nie wieder teilen werden, wie Nervenzellen und Muskelzellen der gestreiften Muskulatur. Andere Zelltypen verbleiben nach ihrer Ausdifferenzierung für Wochen oder Monate in G0, können aber bei besonderen Ereignissen wie Verletzung oder Zellverlust wieder zum G1-Zustand zurückkehren und sich nachfolgend teilen[5]. Beispiele hierfür sind Leberzellen (Hepatozyten) und Lymphozyten.
  • S-Phase steht für Synthesephase, wegen der Verdopplung der DNA im Zellkern. Ausgelöst von genetischen Signalen, beginnt in jedem Chromosom an mehreren Ursprüngen die Replikation, die Verdoppelung der DNA-Helix.[6] Aus dem Zytoplasma gelangen entsprechende Mengen neuer Histone in den Zellkern, welche die replizierte DNA verpacken. Auch die Zentriolen verdoppeln sich.[7]
Die S-Phase endet, sobald die DNA-Verdopplung abgeschlossen ist und jedes Chromosom aus zwei Chromatiden besteht. Die DNA-Menge beträgt also 4 C.
  • G2-Phase. In diesem (postsynthetischen bzw. prämitotischen) Intervall werden RNA-Moleküle und zellteilungsspezifische Proteine synthetisiert, um die nachfolgende Mitose vorzubereiten. Das endoplasmatische Retikulum wird eingeschmolzen. In Geweben lösen sich die Kontakte zu den Nachbarzellen; die Zelle rundet sich ab und vergrößert sich durch Flüssigkeitsaufnahme.
  • M-Phase oder Mitose-Phase. Hier findet die Zweiteilungen der Chromosomen (Mitose), des Zellkernes (Karyokinese) und der Zelle (Zytokinese) statt. Während der Mitose folgen aufeinander: Prophase, Prometaphase, Metaphase, Anaphase und Telophase, die Zellteilung beginnt meist schon parallel zu den letzten Phasen der Mitose.
    • Sobald Zellen eines Hochleistungsorgans auf die Teilung ihres Kernes verzichten, können sie eine Reihe von Endoreplikationen beginnen.

Dauer der Phasen[Bearbeiten]

Die Dauer der Phasen ist von Zelltyp und Organismus abhängig. Insgesamt vergehen zwischen zwei Zellteilungen 12 bis 24 Stunden (bei Säugerzellen in Kultur).

Beispiele[8]  :

Zelltyp G1   S     G2     M   Gesamtdauer des Zellzyklus (Stunden)
Schleimpilz (Physarum polycephalum) sehr kurz   2  4  0,7 ca. 6,7
Bohne (Vicia faba) Meristem der Wurzelspitze  4   9  3,5  2    18,5
Maus (Mus musculus) Tumorzellen in Kultur 10   9  4  1   24
Mensch (Homo sapiens) Tumorzellen in Kultur[5] 8   6  4,5  1    19,5

Bei einigen tierischen Embryonen finden sogenannte Furchungsteilungen statt, bei denen es darum geht, eine große befruchtete Eizelle in möglichst viele kleine Einzelzellen zu zerlegen. Bei diesem Prozess sind die Wachstumsphasen G1 und G2 sehr kurz, da die Zellen vor ihrer Teilung nicht mehr wachsen müssen.[9]

Regulation des Zellzyklus[Bearbeiten]

Äußere Faktoren[Bearbeiten]

Zu den äußeren Faktoren, die den Zellzyklus regulieren, gehören unter anderem die Zellgröße und das Nährstoffangebot. Die Menge der Nachbarzellen ist bedeutsam. Bei genügender Anzahl leiten sie sich gegenseitig in die G0-Phase; damit sind Zellteilungen frühzeitig unterbunden. Weiterhin steuern in Geweben die für sie bestimmten Wachstumsfaktoren den Verlauf des Zyklus.

Zu diesen Faktoren gehören auch künstliche Eingriffe, die Zellen einer Kultur in das gleiche Zellzyklusstadium bringen und so synchronisieren. Dazu werden zum Beispiel Desoxythymidin und Aphidicolin verwendet, welche die Zellen in der S-Phase halten.[10]

Innere Faktoren und Kontrollpunkte[Bearbeiten]

Dauer und Abfolge der Phasen werden an Kontrollpunkten (Checkpoints) überwacht. Sie sorgen dafür, dass der nächste Schritt im Zellzyklus erst dann erfolgt, wenn der vorhergehende abgeschlossen ist. An den Checkpoints besteht die Möglichkeit, den Zellzyklus lediglich zu unterbrechen (Arretierung) oder den programmierten Zelltod (Apoptose) einzuleiten.

Es existieren spezielle Zellzyklusproteine wie die CDKs (Cycline Dependent Kinases) und die Cycline. Zu bestimmten Zeitpunkten im Zyklus werden diese Proteine verstärkt exprimiert, bis ihre Konzentration ein Maximum erreicht. Von diesem Maximum nimmt man an, dass es den Kontrollpunkt darstellt. Danach werden die Cycline schnell abgebaut. CDKs und die zugehörigen Cycline bilden Komplexe, deren Aktivierung (Dephosphorylierung von Thr14 und Tyr15 durch cdc25) beziehungsweise Deaktivierung unter anderem durch Wachstumsfaktoren und Protoonkogene gesteuert wird. Die CDKs phosphorylieren und aktivieren spezifisch eine Reihe anderer Proteine und steuern so den Zellzyklus.

Beispiel für einen Checkpoint ist der

  • Kontrollpunkt für DNA-Schäden: Fehlen Nukleotide, ist der DNA-Stoffwechsel anderweitig gestört oder ist die DNA durch Strahlen oder chemische Stoffe (Mutagene) geschädigt, erzeugt dies ein Signal (p53, das p21 aktiviert). Es bewirkt, dass die Zelle in einer der beiden G-Phasen oder in der S-Phase verharrt. Trifft es die S-Phase, wird die DNA-Synthese gestoppt mittels Inhibition des Cyclin D/CDK4/6-Komplexes, des Cyclin E/CDK2-Komplexes und der Delta-Untereinheit der DNA-Polymerase. Reparaturgene werden aktiviert, um die DNA-Schäden zu beheben.
  • Kontrollpunkt der Spindelbildung: Die Trennung der Chromatiden in der Anaphase der Mitose wird so lange unterbunden, bis alle Zentromere (Kinetochore) mit Transportfasern des Spindelapparates verbunden sind und die Chromosomen in der Äquatorialplatte nebeneinander angeordnet sind.

Einleitung der Zellteilung[Bearbeiten]

Die Kernteilung (Mitose) und schließlich die Zellteilung wird bei Eukaryoten durch den Mitosis Promoting Factor (MPF) eingeleitet. Der Proteinkomplex MPF besteht aus der Cyclin-abhängigen Kinase „CDK1“ und dem „Cyclin B“. In der aktiven Form phosphoryliert der Komplex verschiedene Eiweiße - wie etwa das Histon H1 - und beginnt damit die Prophase der Mitose. Die aktivierten Histone bewirken eine Spiralisierung, das sogenannte „Supercoiling“ der DNA, welches eine der Grundvoraussetzungen für den Beginn der Kernteilung ist.[11]

Zellzyklus und Krebs[Bearbeiten]

Der Zellzyklus neoplastischer Zellen (Krebszellen) wird nicht mehr durch den Organismus kontrolliert. Diese Zellen teilen sich autonom. Die Dauer eines Zellzyklus ist gegenüber normalen Zellen verändert.

Die Entdeckung des Zellzyklus ermöglichte einen tieferen Einblick in die Krebsentstehung. Fehlregulationen im Zellzyklus können zu einem unkontrollierten Zell- und damit Gewebewachstum führen. Dabei gehen wichtige Regulationsproteine (z. B. p53) durch Mutation verloren oder werden übermäßig exprimiert.

Nobelpreis für Medizin[Bearbeiten]

Für ihre Entdeckungen zur Kontrolle des Zellzyklus erhielten die Wissenschaftler Leland H. Hartwell (USA), Tim Hunt (UK) und Paul M. Nurse (UK) im Jahre 2001 den Nobelpreis für Medizin.[12]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cell cycle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lundegård H: Fixierung, Färbung und Nomenklatur der Kernstrukturen, ein Beitrag zur Theorie der zytologischen Methodik. In: Archiv für Mikroskopische Anatomie 80: 223-273, 1912.
  2. Howard A, Pelc SR: Synthesis of desoxyribonucleic acid in normal and irradiated cells and its relation to chromosome breakage. In: Heredity 6: 261-273, 1953.
  3. Howard A, Pelc SR: Synthesis of desoxyribonucleic acid in normal and irradiated cells and its relation to chromosome breakage. In: Heredity 6: 261-273, 1953.
  4. Swift Hewson Hoyt: The constancy of desoxyribose nucleic acid in plant nuclei. In: Proceedings of the National Academy of Sciences USA 36: 643-654, 1950.
  5. a b Renate Huch(Hrsg.), Klaus D. Jürgens (Hrsg.): Mensch Körper Krankheit, 6. Auflage, 2011, Urban & Fischer Verlag/Elsevier, ISBN 978-3-437-26792-5, S. 34.
  6. Huberman Joel A, Riggs Arthur D: On the mechanism of DNA replication in mammalian chromosomes. In: Journal of Molecular Biology 32: 327-341, 1968.
  7. Munk Katharina (Hg): Grundstudium Biologie – Biochemie, Zellbiologie, Ökologie, Evolution. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin 2000. Dort S. 13-4. ISBN 3-8274-0910-1
  8. Munk Katharina (Hg): Grundstudium Biologie – Biochemie, Zellbiologie, Ökologie, Evolution. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin 2000. Dort S. 13-5. ISBN 3-8274-0910-1
  9. Lehrbuch der molekularen Zellbiologie - Bruce Alberts, 3. Aufl., S. 652
  10. Pedrali-Noy, G. et al.: Synchronization of HeLa cell cultures by inhibition of DNA polymerase alpha with aphidicolin, in: Nucleic Acids Res. 1980 8(2):377–387; PMID 6775308, PMC 327273 (freier Volltext)
  11. Hamid Emminger, Christian Benz: Physikum exakt: Das gesamte Prüfungswissen für die 1. Äp. 4. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2005, ISBN 978-3-13-107034-0, S. 18
  12. Nobelpreis für Medizin und Physiologie 2001