Zeltingen-Rachtig

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Zeltingen-Rachtig
Zeltingen-Rachtig
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Zeltingen-Rachtig hervorgehoben
49.9572222222227.0105555555556106Koordinaten: 49° 57′ N, 7° 1′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Bernkastel-Wittlich
Verbandsgemeinde: Bernkastel-Kues
Höhe: 106 m ü. NHN
Fläche: 16,94 km²
Einwohner: 2247 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 133 Einwohner je km²
Postleitzahl: 54492
Vorwahl: 06532
Kfz-Kennzeichen: WIL, BKS
Gemeindeschlüssel: 07 2 31 136
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Gestade 18
54470 Bernkastel-Kues
Webpräsenz: www.zeltingen-rachtig.de
Ortsbürgermeister: Manfred Kappes
Lage der Ortsgemeinde Zeltingen-Rachtig im Landkreis Bernkastel-Wittlich
Eifelkreis Bitburg-Prüm Landkreis Birkenfeld Landkreis Cochem-Zell Landkreis Vulkaneifel Trier Landkreis Trier-Saarburg Rhein-Hunsrück-Kreis Bernkastel-Kues Brauneberg Burgen (Hunsrück) Erden Gornhausen Graach an der Mosel Hochscheid Kesten Kleinich Kommen Lieser (Gemeinde) Lösnich Longkamp Maring-Noviand Minheim Monzelfeld Mülheim an der Mosel Neumagen-Dhron Piesport Ürzig Veldenz Wintrich Zeltingen-Rachtig Bausendorf Bengel (Mosel) Diefenbach (bei Wittlich) Flußbach Hontheim Kinderbeuern Kinheim Kröv Reil Willwerscheid Bettenfeld Dierfeld Eckfeld Eisenschmitt Gipperath Greimerath (Eifel) Großlittgen Hasborn (Eifel) Karl (Eifel) Laufeld Manderscheid Meerfeld Musweiler Niederöfflingen Niederscheidweiler Oberöfflingen Oberscheidweiler Pantenburg Schladt Schwarzenborn (Eifel) Wallscheid Berglicht Breit Büdlich Burtscheid (Hunsrück) Deuselbach Dhronecken Etgert Gielert Gräfendhron Heidenburg Hilscheid Horath Immert Lückenburg Malborn Merschbach Neunkirchen (Hunsrück) Rorodt Schönberg (bei Thalfang) Talling Thalfang Burg (Mosel) Enkirch Irmenach Lötzbeuren Starkenburg (Mosel) Traben-Trarbach Altrich Arenrath Bergweiler Binsfeld Bruch (Eifel) Dierscheid Dodenburg Dreis Esch (bei Wittlich) Gladbach (Eifel) Heckenmünster Heidweiler Hetzerath (Eifel) Hupperath Klausen (Eifel) Landscheid Minderlittgen Niersbach Osann-Monzel Platten (bei Wittlich) Plein Rivenich Salmtal Sehlem (Eifel) Morbach WittlichKarte
Über dieses Bild

Zeltingen-Rachtig ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Bernkastel-Wittlich in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues an. Zeltingen-Rachtig ist ein staatlich anerkannter Erholungsort.[2]

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde gliedert sich in die beiden namensgebenden Ortsteile Zeltingen und Rachtig. Dazu gehörendeWohnplätze sind das Forsthaus Sabel und die Ürzigermühle.[3]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Zeltingen-Rachtig liegt, umgeben von Weinbergen, in der großen Moselschleife zwischen Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach unweit der Universitätsstadt Trier. Beide Ortsteile befinden sich am rechten Ufer des Flusses, wo sich das Tal zu einer sehr flachen Landschaft weitet, die an den Hunsrück grenzt.

Raumplanung[Bearbeiten]

Benachbarte Gemeinden sind Erden, Ürzig oder auch Graach an der Mosel. Nächstgelegene Mittelzentren sind Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach, etwa fünf Kilometer Luftlinie entfernt, und Wittlich, etwa zehn Kilometer entfernt. Trier liegt in etwa 35 Kilometer Entfernung.

Wichtigstes Bauprojekt ist die im Bau befindliche Hochmoselbrücke, die dem überregionalen Verkehr dienen und das Moseltal in bis zu 158 Metern Höhe queren soll.

Simulation mit eingearbeiteter Brücke

Klima[Bearbeiten]

Zeltingen-Rachtig liegt in der Übergangszone vom gemäßigten Seeklima zum Kontinentalklima; es herrscht ein im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands sehr warmes und sonniges Klima – im nicht weit entfernten Brauneberg wurde am 11. August 1998 die Rekordtemperatur von 41,2 °C im Schatten, die höchste jemals in der Bundesrepublik gemessene Lufttemperatur, festgestellt.

Durch die Eifelbarriere liegt die Gemeinde im Schutz und Regenschatten von Westwinden, die außerdem einen Föhneffekt bewirken können. Gleichzeitig wird eine Lufterwärmung durch geringen Luftaustausch mit dem Umland begünstigt. Damit verbunden ist aufgrund der ständigen Verdunstung des Moselwassers eine regelmäßig hohe Luftfeuchtigkeit, die insbesondere im Sommer für teilweise belastendes, schwüles Wetter sorgt und zahlreiche Gewitter mit sich bringt.

Panoramaaufnahme 2010: links der Ortsteil Rachtig und rechts der Ortsteil Zeltingen (vor Bau der Hochmoselbrücke)

Geschichte[Bearbeiten]

Überreste menschlicher Siedlungen bei Bernkastel-Kues datieren aus der Zeit der Bandkeramiker um circa 3000 v. Chr. Das Moselufer und die Höhen über Zeltingen und Rachtig sind nachweisbar schon im Neolithikum (circa 3500 v. Chr.) begangen und wegen des günstigen Klimas auch bewohnt worden. Bereits etwa 500 v. Chr. siedelten die Treverer, ein keltisch-germanisches Mischvolk, von dem sich auch der lateinische Name der Stadt Trier Augusta Treverorum herleitet, in der Region um Zeltingen-Rachtig. Celtanc und Raptacum sind die ältesten überlieferten Namen des heutigen Zeltingen-Rachtig; sie dokumentieren den keltischen Ursprung. Die erste urkundliche Erwähnungen Rachtigs stammt aus dem Jahre 1067, Zeltingen wird mit dem Jahr 1116 erstmals urkundlich greifbar. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts waren die beiden Ortschaften eine Enklave des Kurfürstentums Köln. Erzbischof Kunibert von Köln (623–663) dürfte der Begründer der Kölner Herrschaft gewesen sein. Die Geschichte der beiden Ortschaften ist vor allem im 14., 15. und 16. Jahrhunderts durch ständige Verpfändungen des kurkölner Besitzes bestimmt. Im 13. Jahrhundert fielen große Besitztümer und das Patronat der Pfarrei durch Schenkung an den Deutschen Orden. Der Deutschordensbesitz wurden von Rachtig aus verwaltet.

Nach 1792 besetzten französische Revolutionstruppen das gesamte linksrheinische Gebiet. Von 1798 bis 1814 gehörten Zeltingen und Rachtig zum Kanton Bernkastel im französischen Saardepartement. Die Säkularisation brachte 1802 das Ende des kirchlichen Grundbesitzes, es wurde als Nationalgut eingezogen und öffentlich und meistbietend versteigert. Dies brachte einen wirtschaftliche und soziale Umschichtung mit sich, die im 19. Jahrhundert zur Ausbildung eines Großwinzerstandes und eines einheimischen Weinhandels führte.

Nach der Niederlage Napoleons und den 1815 auf dem Wiener Kongreß getroffenen Vereinbarungen wurde die Region dem Königreich Preußen zugeordnet. Unter der preußischen Verwaltung kamen Zeltingen und Rachtig zum 1816 neu geschaffenen Kreis Bernkastel Im Regierungsbezirk Trier, der von 1822 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs zur Rheinprovinz gehörte. Die Gründerzeit des Deutschen Reiches Ende des 19. Jahrhunderts brachte den Orten aufgrund der Weinwirtschaft eine enorme wirtschaftliche Blüte. Seit 1946 ist Zeltingen-Rachtig Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Zeltingen-Rachtig, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[2][1]

Jahr Einwohner
1815 1.532
1835 2.021
1871 2.280
1905 2.800
1939 2.832
1950 3.082
Jahr Einwohner
1961 2.936
1970 2.809
1987 2.375
1997 2.339
2005 2.303
2013 2.247

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Ortsgemeinderat in Zeltingen-Rachtig besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzenden.

Die Sitzverteilung im Ortsgemeinderat:[4]

Wahl CDU BL FWG Gesamt
2014 5 6 5 16 Sitze
2009 5 7 4 16 Sitze
2004 5 7 4 16 Sitze
  • BL = Bürgerliste Zeltingen-Rachtig e.V.
  • FWG = Freie Wählergemeinschaft Zeltingen-Rachtig e.V.

Wappen[Bearbeiten]

Die Schöffen von Zeltingen-Rachtig haben nachweislich vom Anfang des 15. bis Ende des 18. Jahrhunderts ein eigenes Siegel geführt, das im gespaltenen Schild vorne zwei gekreuzte Schlüssel und im Hintergrund ein durchgehendes Kreuz aufweist.

Das Kreuz ist das Wappen des Erzstiftes Köln, zu dem Zeltingen bis Ende des 18. Jahrhunderts gehörte. Es ist schwarz auf silbernen Grund. Die goldenen Schlüssel auf rotem Grund sollen das Symbol des hl. Petrus darstellen.

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Seit 1966 wird eine Partnerschaft mit Saint-Florentin (Yonne) in Frankreich gepflegt. Weiterhin bestehen „freundschaftliche Kontakte“ zum Berliner Bezirk Reinickendorf.[5]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Moselschleuse Zeltingen vor der Gemeinde Zeltingen-Rachtig

Bauwerke[Bearbeiten]

Dorfkultur[Bearbeiten]

Zeltinger Weinberge

Mit 133 Hektar Rebfläche zählt die Doppelgemeinde zu den größeren Weinbauorten der Mittelmosel. Eine bekannte Weinlage ist die Zeltinger Sonnenuhr; bei der Weinversteigerung des Bernkasteler Rings im September 2013 erzielte eine 2010er Trockenbeerenauslese dieser Lage einen Flaschenpreis von 3875 Euro. Weitere Weinlagen sind „Zeltinger Himmelreich“, „Zeltinger Schloßberg“ oder „Zeltinger Deutschherrenberg“. Mehrere Weingüter, die überwiegend Riesling anbauen, existieren noch heute. Ferner gibt es einen Kulturweg im Rahmen der „Mosel.Erlebnis.Route“, der sich über eine Länge von sieben Kilometern erstreckt und über die Geschichte des Ortes, den Weinbau und die Kultur Auskunft gibt. Er führt durch beide Ortsteile und durch mehrere Weinlagen. Inge Schwaab, die Deutsche Weinkönigin 1963/1964, stammt aus Zeltingen-Rachtig.

Pfarrgemeinden, die Freiwillige Feuerwehr, Gesangvereine, Mandolinenclub, Musikvereine und weitere Vereine prägen das kulturelle dörfliche Leben in Zeltingen-Rachtig. Mit der Rudergesellschaft Zeltingen, die zwei Weltmeister im Leichtgewichts-Vierer ohne Steuermann, sowie einen Olympiateilnehmer zu ihren Mitgliedern zählt, gibt es einen sehr erfolgreichen und aktiven Ruderverein.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Regelmäßig finden Heimat- und Weinfeste statt. Höhepunkte sind die Zeltinger Weinkirmes mit der großen öffentlichen Mittelmosel-Riesling-Weinprobe und die Rachtiger Weinkirmes mit Montagsmarkt. Zudem finden das Weinhöfefest und die Tage der offenen Weinkeller, sowie die Wein- und Straßenfeste in beiden Ortsteilen statt. Zahlreiche Konzerte, Tanzabende und sonstige Veranstaltungen bieten den Einwohnern wie ihren Gästen ein großes Unterhaltungsspektrum. Die Operette „Zeltinger Himmelreich“ wird alle zwei Jahre (zuletzt 2013) von über 100 Laiendarstellern auf dem historischen Marktplatz von Zeltingen aufgeführt; dabei sind überwiegend Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Zeltingen-Rachtig aktiv.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Der Weinbau und der Tourismus spielen eine bedeutende wirtschaftliche Rolle. Eine Nahversorgung ist gewährleistet: Bäckerei, Lebensmittelhandel, Arztpraxen, Hotels, mehrere Gaststätten sowie Postagentur und Bankfilialen befinden sich im Ort. Die Gemeinde verfügt außerdem über zwei Kindergärten, Schwerpunktschule, Campingplatz, Minigolfplatz, Boccia und Boule, Barfußpfad, Wassertretbecken, Moselparkanlagen und einen Sportplatz. Im Ort gibt es mehrere Hotels, Restaurants sowie zahlreiche gewerbliche und private Zimmervermieter mit rund 1000 Gästebetten. Ferner befindet sich seit 1998 der Hauptsitz des international agierenden Musikunternehmens Prophecy Productions in Zeltingen-Rachtig.

Verkehr[Bearbeiten]

Zeltingen Schiffsschleuse

Bei Zeltingen-Rachtig befindet sich eine Staustufe der Mosel mit Schiffsschleuse, erste Staustufe an der Mosel mit zwei Schiffsschleusen. Zeltingen-Rachtig liegt an der Bundesstraße 50/Bundesstraße 53. Bis zur Autobahn A1/Autobahn A48 sind es 10 Kilometer, zur Autobahn A60 12 Kilometer. Unmittelbar bei Zeltingen-Rachtig ist außerdem der Bau eines Hochmoselübergangs der Bundesstraße 50 in Bau. Die Ortsgemeinde zählt zum Verkehrsverbund Region Trier (VRT).

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Ein bedeutender lokaler Kunstmäzen war der aus Rachtig gebürtige Deutschordenspriester Johann Peter Glesius (1679-1762). Unter ihm kam es zum Neubau der Pfarrkirche und des Pfarrhofes in Rachtig; eine Straße im Ortsteil Rachtig ist nach dem kunstsinnigen Barockprälaten benannt.
  • In Zeltingen wurde der Bariton und Regisseur Franz Porten geboren, der Vater der frühen Filmstars Rosa und Henny Porten.
  • Im Ortsteil Zeltingen wuchsen die Brüder Jost und Matthias Schömann-Finck auf. Im August 2009 wurden die damals 26- und 30-Jährigen zusammen mit den Zwillingen Jochen und Martin Kühner aus Saarbrücken Ruder-Weltmeister im Leichtgewichts-Vierer (Vierer ohne Steuermann).
  • Stephan Ehses, katholischer Kirchenhistoriker (* 9. Dezember 1855 in Zeltingen/Mosel als Sohn eines Winzers, † 19. Januar 1926 in Rom).
  • Aus Zeltingen stammt August Glesius (* 2. Juli 1903, † 25. März 1963 in Edenkoben). August Glesius arbeitete zunächst als Landwirtschaftlicher Berufsschuloberlehrer und übernahm später als Diplom-Weinbaudirektor das elterliche Weingut. Von 1955 bis zu seinem Tode war er für die FDP Rheinland-Pfalz Mitglied des Rheinland-Pfälzischen Landtages.
  • Inge Schwaab (heute Inge Heidenreich-Schwaab) wurde am 17. August 1963 zur Weinkönigin Mosel-Saar-Ruwer und am 28. August 1963 zur Deutschen Weinkönigin 1963/1964 gewählt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zeltingen-Rachtig – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  3. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile 2010, Seite 55 (PDF; 2,3 MB)
  4. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  5. Die Partnerstädte von Berlin-Reinickendorf. Abgerufen am 22. November 2014.