Zenica

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Zenica
Зеница

Wappen von Zenica

Zenica (Bosnien und Herzegowina)
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Basisdaten
Staat: Bosnien und Herzegowina
Entität: Föderation
Kanton: Zenica-Doboj
Koordinaten: 44° 12′ N, 17° 55′ O44.202517.9225316Koordinaten: 44° 12′ 9″ N, 17° 55′ 21″ O
Höhe: 316 m. i. J.
Fläche: 503 km²
Einwohner: 115.134 (2013)
Bevölkerungsdichte: 229 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: +387 (0) 32
Postleitzahl: 72000
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012)
Gemeindeart: Općina
Gliederung: 81 Ortschaften
Bürgermeister: Husejin Smajlović (SDA)
Postanschrift: Trg BiH 6
72000 Zenica
Webpräsenz:

Zenica (Zum Anhören bitte klicken! [ˈzɛnitsa]a a; deutsch veraltet Senitza) ist eine Stadt in der Föderation Bosnien und Herzegowina, einer der beiden Entitäten von Bosnien und Herzegowina. Sie ist Hauptstadt des Kantons Zenica-Doboj und mit etwa 115.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt des Landes. Im Dezember 2007 wurde die Gemeinde Zenica mit 81 Siedlungen offiziell zur Stadt erklärt. Die meisten Einwohner sind Bosniaken.

Geographie[Bearbeiten]

Blick auf Bosna, Stadt und Berge

Zenica liegt im Zentrum des Staates Bosnien und Herzegowina, rund 70 Kilometer nordwestlich von Sarajevo. Die Stadt liegt im Bosna-Tal umgeben vom bewaldeten Mittelgebirge der Dinariden. Sie ist eine der wichtigsten Städte der historischen Region Bosnien.

Die Gemeinde nimmt etwa 503 km² ein, von denen über 60 Prozent bewaldet sind.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Einwohnerzahl 1991 (Volkszählung): 145.359

Einwohnerzahl 1996 (Schätzung UNHCR, 23. Juli 1996): 184.000

  • Bosniaken: 166.000 (90,2 %)
  • Kroaten: 13.000 (7,1 %)
  • Serben: 5.000 (2,7 %)

Die Zahlen dieser Schätzung sind vermutlich zu hoch, auch wenn 1996 noch viele Kriegsflüchtlinge in Zenica waren.

Der Zensus von 2013 ergab eine Bevölkerungszahl von 115.134.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Antike[Bearbeiten]

Die Umgebung von Zenica ist schon seit 3000 bis 2000 v. Chr. besiedelt. Die ersten historischen Siedler waren die illyrischen Desidiaten, die am Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit im 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. fortähnliche Dörfer erbauten. Zwischen dem 1. und 4. Jahrhundert n. Chr. begann die Eroberung durch die Römer. Aus dieser Zeit wurde bei Bilimišće das Fundament einer frühchristlichen Basilika gefunden. In den Jahren 6 bis 9 n. Chr. war die Region Schauplatz des Pannonischen Aufstandes.

Mittelalter[Bearbeiten]

Ab dem ausgehenden 6. Jahrhundert n. Chr. siedelten sich in der Region wie auf der ganzen Balkanhalbinsel slawische Stämme an. Mit dieser Landnahme wurde das antike Erbe – wie die Basilika bei Bilimišće – mehrheitlich zerstört.

Im frühen Mittelalter wird Zenica erstmals mit dem Namen Bored oder Brod erwähnt und ist mit einer regional bedeutenden Überquerung des Flusses Bosna verbunden. Zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert war Zenica ein Zentrum des Fürstentums Bosnien (später Königreich). Erstmals unter diesem Namen wird Zenica in einem Dokument der Republik Ragusa vom 20. März 1436 erwähnt.

Osmanische Besatzung[Bearbeiten]

Markt und Moschee in der Altstadt

Mit dem Fall von Bosnien im Jahr 1463 unter osmanischer Herrschaft verlor Zenica an Bedeutung. Mit dem Einzug des Islams konvertierten in den folgenden Jahrhunderten viele zur neuen Religion und bilden damit heute die Ethnie der Bosniaken.

Im Großen Türkenkrieg wurde Bosnien Schauplatz der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der Heiligen Liga und den Osmanen. Ende 1697 wurden Zenica und Sarajevo vom Oberbefehlshaber Eugen von Savoyen vollständig niedergebrannt, Frauen und Kinder entführt und Wertsachen gestohlen. Die katholischen Einwohner Zenicas verließen die Stadt mit Prinz Eugen von Savoyen. Im 18. Jahrhundert wanderten wieder katholische Kroaten sowie sephardische Juden aus Dalmatien ein.

Österreichisch-ungarische Besatzung[Bearbeiten]

In der Altstadt

Nach dem Berliner Kongress von 1878 wurden Bosnien und Herzegowina von Österreich-Ungarn besetzt. In den folgenden vier Jahrzehnten der österreichisch-ungarischen Verwaltung veränderte sich Zenica in Aussehen, Größe und Funktion. 1879 wurde die Schmalspurbahn Bosanski Brod–Zenica, am 4. Oktober 1882 deren Weiterführung bis Sarajevo eröffnet.[2] Bei Zenica vermutete man schon lange große Kohlevorkommen. Geologische Forschungen Österreich-Ungarns bestätigten dies und im Mai 1880 wurde das erste Kohlebergwerk Bosnien und Herzegowinas eröffnet. 1885 begann eine Fabrik für die Herstellung von Verpackungspapier ihren Betrieb. 1892 kam eine Eisenhütte hinzu. Mit der Industrialisierung begann auch die Modernisierung der bosnischen Stadt. 1904 wurde das Telefon eingeführt und bald darauf wurden die ersten modernen sanitären Anlagen gebaut. 1908 wurde das Kraftwerk an der Bosna erbaut, welches die elektrische Versorgung Zenicas sicherstellte.

Der Bau der Industrieanlagen und die Einführung der modernen Technologien führte zu einer raschen Zunahme der Bevölkerung. Lebten um 1879 noch 2000 Menschen in 438 Häusern, waren es um 1895 mit 4200 Einwohnern in 765 Häusern schon das Doppelte. 1910 wohnten 7000 Menschen in rund 1000 Häusern. Die Mehrheit der Bevölkerung waren Muslime (Bosniaken). Bedeutende Minderheiten waren katholische Kroaten, orthodoxe Serben und sephardische Juden.

Die erste Schule öffnete 1885, die zweite 1910. Es gab Schauspielschulen und je eine katholische und eine orthodoxe Konfessionsschule und drei Medresen. Die Aktivitäten des Mullah Mohammed Seid Serdarević waren für die Modernisierung der Pädagogik in Zenica wie auch in ganz Bosnien und Herzegowina richtungsgebend. Er führte den Unterricht in die Landessprache ein und rüstete das Unterrichtsprogramm in Übereinstimmung mit den Anforderungen der Zeit auf. Durch ihn durften erstmals auch Mädchen in die Schule.

1910 eröffnete das Kino und der erste Film, Helios, lief über die Leinwand.

Zwischenkriegszeit[Bearbeiten]

Ehemalige Synagoge, heute ein Museum

Nach dem Ersten Weltkrieg kamen Bosnien und Herzegowina zum Königreich Jugoslawien. Die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung stagnierte zwischen den beiden Weltkriegen, obwohl kurz vor dem Zweiten Weltkrieg sich die Situation noch änderte. Es wurde sehr in das Stahlwerk von Zenica investiert, sodass insgesamt 4000 Mitarbeiter angestellt waren und das Unternehmen das größte des Landes wurde. 1931 lebten 9078 Menschen in Zenica. Den Holocaust überlebten von den 172 Juden der Stadt nur fünf von ihnen. In Zenica war die Bewegung der Partisanen sehr aktiv. In der Nacht vom 11. zum 12. April 1945 wurde die Stadt befreit, nachdem über die vergangenen vier Jahren 346 Partisanen und 857 Zivilisten umkamen.

Sozialistisches Jugoslawien[Bearbeiten]

Als Josip Broz Tito in Jugoslawien an die Macht kam, begannen turbulente und tiefgreifende Entwicklungen in Zenica wie auch überall im Land. Die Stadt wuchs in Fläche, Bevölkerung und Physiognomie. 1948 lebten 15.500 Menschen, während es 1991 schon 145.557 waren. Das Stahlwerk wurde enorm erweitert und wurde zu den größten Europas. Durch den zweiten industriellen Entwicklungsschub in ihrer Geschichte veränderte sich das Stadtbild. Zenica erhielt wegen den vielen Plattenbauten den Ruf einer grauen Arbeiterstadt.

Seit Bürgerkrieg[Bearbeiten]

Im Bosnienkrieg 1992–1995 hatte Zenica eine besondere Rolle. Sie war Aufnahmestadt vieler Flüchtlinge aus allen Teilen Bosnien und Herzegowinas. Nach dem Krieg war die Zahl der Serben nunmehr sehr niedrig. Nach dem Krieg entwickelte sich Zenica vor allem im Bereich Sport weiter und erlangte eine herausragende Rolle im Land.

Kultur[Bearbeiten]

In Zenica gibt es 19 Volksschulen und 12 weiterführende Mittelschulen (Gymnasien), darunter eine Musikschule und ein katholisches Gymnasium.

Am 1. Oktober 1961 wurde die Fakultät für Metallurgie „Hasan Brkić" (heute „Kemal Kapetanović“) gegründet. Aus dieser und aus Fakultäten der Universitäten aus Sarajevo und Tuzla entstand am 18. Oktober 2000 die Universität Zenica. Sie setzt sich heute aus acht Fakultäten zusammen (Metallurgie und Materialwissenschaften, Maschinenbau, Pädagogik, Wirtschaftswissenschaft, Rechtswissenschaft, Arbeitslehre, Gesundheitswissenschaften und Islamische Religionspädagogik). Derzeit sind 6000 Studenten inskribiert.

1950 wurde das Nationaltheater eröffnet.

Sport[Bearbeiten]

Stadion Bilino Polje (Renoviert 2012/13)

In Zenica ist der Fußballklub Čelik (dt. Stahl) beheimatet, der in der Premijer Liga spielt. Im 1972 gebauten Fußballstadion Bilino Polje finden die Heimspiele der bosnischen Nationalmannschaft statt, es verfügt über 15.500 Sitzplätze.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Zenica ist eine Industriestadt und Standort eines Braunkohlebergwerks und eines Stahlwerks. Diese früheren staatlichen Unternehmen wurden privatisiert, was zu Entlassungen führte. Zenica weist die höchste Arbeitslosenquote in Bosnien und Herzegowina auf. Die großen, ehemals jugoslawischen Staatsunternehmen wurden nicht zielstrebig weitergeführt, man ließ sie verkommen.

Im August 2004 übernahm Mittal Steel die Aktienmehrheit am Stahlwerk „Željezara“, dem größten Arbeitgeber der Region. 2008 sollte die Stahlproduktion wieder Vorkriegsniveau erreichen.[3]

Alljährlich findet in Zenica eine internationale Wirtschaftsmesse, die ZEPS, statt.[4]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Stadt liegt an der Strecke ŠamacSarajevo der Bosnischen Eisenbahnen, die zum Paneuropäischen Verkehrskorridor VC gehört. Die Stadt soll perspektivisch auch an die Autobahn A1 angeschlossen werden.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Zenica unterhält Städtepartnerschaften mit folgenden Städten. In Klammern das Jahr der Etablierung.[5]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zenica – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorläufige Ergebnisse der Volkszählung 2013. Abgerufen am 4. Januar 2014 (bosnisch, PDF-Datei; 752 kB).
  2. Kleine Chronik. (…) Eisenbahn-Eröffnung in Bosnien. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 6507/1882, 7. Oktober 1882, S. 5, Mitte links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  3. ArcelorMittal aims for full steel output in Bosnia 2008. In: Reuters. 30. Januar 2008, abgerufen am 4. Januar 2014 (englisch).
  4. Offizielle Internetseite der ZEPS. Abgerufen am 4. Januar 2014.
  5. Linkovi na stranice gradova prijatelja. In: Offizielle Internetseite der Gemeinde Zenica. Abgerufen am 5. Januar 2014 (bosnisch).