Zerberusbaum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Zerberusbaum
Cerbera odollam (Detailzeichnungen 5 und 6) in einer Abbildung der sehr ähnlichen Cerbera manghas

Cerbera odollam (Detailzeichnungen 5 und 6) in einer Abbildung der sehr ähnlichen Cerbera manghas

Systematik
Ordnung: Enzianartige (Gentianales)
Familie: Hundsgiftgewächse (Apocynaceae)
Unterfamilie: Rauvolfioideae
Tribus: Plumerieae
Gattung: Cerbera
Art: Zerberusbaum
Wissenschaftlicher Name
Cerbera odollam
Gaertn.
Blüten und Laubblätter des Zerberusbaums
Samen der Cerbera odollam, genannt Mintolla (giftig!)

Der Zerberusbaum (Cerbera odollam), auch Selbstmordbaum, Pong Pong Tree oder See-Mango genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Hundsgiftgewächse (Apocynaceae). Sie ist an den Küsten Indiens und im Westpazifik beheimatet.

Merkmale[Bearbeiten]

Cerbera odollam wächst als Baum oder Strauch und erreicht Wuchshöhen von bis zu 15 Meter. Die terminalen Äste sind in Wirteln angeordnet. Die ledrigen Laubblätter sind lanzettlich. Die duftenden Blüten sind weiß. Die eiförmigen Früchte sind bei Reife rot.

Vorkommen[Bearbeiten]

Der Zerberusbaum kommt in Indien an den Küsten vor. Des Weiteren in Südostasien, Australien und einigen Pazifikinseln.

Nutzung[Bearbeiten]

Wirkstoffe[Bearbeiten]

Strukturformel von Cerberin

Die Samen von Cerbera odollam enthalten mehrere Cardenolide, darunter Neriifolin, Cerberin, Cerberosid, Tanghinin und Thanghinosid. Hauptsächlich beruht die Wirkung der Pflanzeninhaltsstoffe dabei auf Cerberin.

Verwendung[Bearbeiten]

Der Zerberusbaum wird für Mord und Selbstmord weitaus öfter genutzt als jede andere Pflanze, auch als andere Herzglykosid-Pflanzen. Im südindischen Bundesstaat Kerala wurden in den Jahren zwischen 1989 und 1999 mehr als 500 Todesfälle registriert, die eindeutig der Wirkung der Pflanze zugeschrieben werden können. Die in vielen Fällen zum Mord eingesetzte Pflanze wird oftmals von den Pathologen, Gerichtsmedizinern und Ärzten nicht erkannt, es ist daher von einer großen Dunkelziffer auszugehen. In der Regel werden die zerkleinerten Samen süßer oder stark gewürzter Nahrung beigemengt. 75 % der Opfer sind dabei Frauen. Bei ihnen handelt es sich in den meisten Fällen um junge Ehefrauen, welche die Erwartungen ihrer Schwiegerfamilie nicht erfüllen können. Die verwandte auf Madagaskar heimische Art C. manghas (= C. venenifer) wurde lange Zeit als Gottesurteil eingesetzt. In den vorigen Jahrhunderten war sie dadurch für den Tod von über 3000 Menschen pro Jahr verantwortlich. Neben der Verwendung als Gift findet das Holz des Baumes in Sri Lanka Verwendung für die Fertigung von Masken, welche anschließend auffällig bemalt werden. Abkochungen von Pflanzenteilen wurden zudem auf den Fidschi-Inseln als Abführmittel eingesetzt.

Die Trockenfrucht von Cerbera odollam, auch „Mintola“ oder „Mintolla“ genannt, wird zudem als Dekorationselement für verschiedene Zwecke verwendet und gehandelt.[1]

Symptomatik[Bearbeiten]

Neben Übelkeit und Speichelfluss zählen Würgreiz, Magen-Darm-Beschwerden und heftiger Durchfall zu den Symptomen. Außerdem kommt es neben der allgemeinen Erschöpfung auch zu den Herz und Atmung betreffenden Symptomen, die für Vergiftungen mit Herzglykosiden charakteristisch sind. Zu nennen wären hier Arrhythmien, Hypertonie, Koma und schlussendlich der Herzstillstand. Der Tod tritt nach etwa 6 Stunden ein.

Pharmakologie[Bearbeiten]

Die als Herzgifte wirkenden Inhaltsstoffe der Pflanze sind als äußerst giftig eingestuft (Ia). Wie andere Herzglykoside hemmen sie die Na+/K+-ATPase. Diese für den Aufbau von Ionengradienten notwendige membranständige Ionenpumpe ist für die axonale Reizleitung und für aktive sekundäre Transportprozesse von essentieller Bedeutung. Die Hemmung der Natrium-Kalium-ATPase führt zur Unterbrechung der neuromuskulären Reizleitung und somit zum Herzstillstand. Der Wirkungsmechanismus der Cerbera-Cardenolide entspricht dem anderer Herzglykoside.

Erste Hilfe[Bearbeiten]

Kommt es zur Aufnahme von Pflanzenmaterial, im Besonderen der Samen oder isolierten Herzglykosiden, so sind sofortige Gegenmaßnahmen nötig. Zum einen umfassen diese das Auslösen von Erbrechen, zum anderen eine Entgiftung wie sie bei Vergiftungen mit Herzglykosiden üblich ist.

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Wink, Ben-Erik van Wyk, Coralie Wink: Handbuch der giftigen und psychoaktiven Pflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2008. ISBN 3804724256

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Terence Moore: The New Captured Harvest: Creative Crafts from Nature. Trafalgar Square Pub., 1995, ISBN 978-1-57076022-8, S. 140 u. 156.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zerberusbaum (Cerbera odollam) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien