Zettel’s Traum

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Zettel's Traum in der Taschenbuchausgabe, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2010
Satzspiegel aus dem 6. Buch (,Rohrfrei!') der Taschenbuchausgabe von 2010

Zettel’s Traum (ZETTEL’S TRAUM in der Schreibweise des Autors) ist das 1970 erschienene Monumentalwerk des Schriftstellers Arno Schmidt. Der Titel spielt unter anderem auf den Weber Niklaus Zettel aus Shakespeares Mittsommernachtstraum an.

Inhalt[Bearbeiten]

Die Handlung spielt an einem Sommertag des Jahres 1968, den die vier Hauptpersonen ab 4 Uhr bis zum folgenden Morgen in dem Dorf Ödingen in der Celler Ostheide verbringen. Der Ich-Erzähler Daniel Pagenstecher hat das Übersetzer-Ehepaar Paul und Wilma Jakobi mit deren Tochter Franziska zu Besuch. Breiten Raum nehmen die Gespräche der Erwachsenen über den amerikanischen Schriftsteller Edgar Allan Poe ein, dessen Leben und Werk Pagenstecher mittels der von ihm entwickelten „Etym-Theorie“ deutet. Mit dieser Fortentwicklung der Freudschen Psychoanalyse gelangt er zu einem düsteren Psychogramm Poes, den er als impotenten, koprophilen, syphilitischen Voyeur mit Neigung zu Kindfrauen darstellt.

Das Werk umfasst 1334 dreispaltig mit Schreibmaschine und Hand (Randglossen & Streichungen) beschriebene DIN-A3-Seiten und ist in acht Bücher unterteilt:

  • 1. Buch: Das Schauerfeld, oder die Sprache von Tsalal (bis Bl. 138)
  • 2. Buch: In Gesellschaft von Bäumen (bis Bl. 313)
  • 3. Buch: Dän's Cottage. (Ein Diorama) sic (bis S. 489)
  • 4. Buch: Die Geste des Großen Pun (bis Bl. 600)
  • 5. Buch: Franziska – Nameh (bis Bl. 755)
  • 6. Buch: ‚Rohrfrei!‘ – (bis Bl. 961)
  • 7. Buch: The tw/oilit of the Guts (bis Bl. 1145)
  • 8. Buch: Im Reiche der Neith (bis Bl. 1330)

Der Raubdruck[Bearbeiten]

Das Buch stieß 1970 auf so starkes Interesse, dass die sehr teure Erstausgabe nach wenigen Monaten vergriffen war, was ein Berliner Kollektiv von Raubdruckern – sehr zum Ärger des Autors – im Herbst 1970 zu einem Piratendruck in halber Größe veranlasste. Arno Schmidt sah sich in seiner prekären Existenz bedroht, da sein Verleger meinte, man könne nicht noch einmal das Wagnis einer weiteren Typoskript-Ausgabe eingehen, wenn sofort mit einem Raubdruck zu rechnen sei.

Bis Oktober 2010 war Zettel’s Traum nur in verschieden skalierten Faksimile-Ausgaben des Original-Typoskripts verfügbar; an der gesetzten Ausgabe arbeitete Friedrich Forssman im Rahmen der Bargfelder Ausgabe etliche Jahre.

Ausgaben[Bearbeiten]

  • Das Werk erschien 1970 ursprünglich in einer auf zuerst 2000 Bände limitierten, signierten Auflage im DIN-A3-Format im Stahlberg Verlag.
  • Im Jahr 2002 wurde vom S. Fischer Verlag eine Leseausgabe bereitgestellt, die beinahe an die Originaldimensionen des Werkes herankommt, ISBN 3-596-50560-7.
  • Im Oktober 2010 erschien im Suhrkamp Verlag die „Bargfelder Ausgabe. Werkgruppe IV/1. Standardausgabe. Zettel’s Traum“ als gesetztes Buch, ISBN 978-3-518-80310-3.
  • Es liegen zwei Hörbuchfassungen in Auszügen mit Jan Philipp Reemtsma bzw. Joachim Kersten als Erzähler vor.

Literatur und Dokumente[Bearbeiten]

  • Arno Schmidt: Vorläufiges zu Zettels Traum. Schallplatten-Kassette mit 2 Langspielplatten, 16-seitigem Textheft, einem gezeichneten Diagramm und 9 Faksimile-Seiten in Originalgröße, S. Fischer Verlag, 1977.
  • Jan-Frederik Bandel: Warten auf „Zettel’s Traum“. Textem, Hamburg 2011, ISBN 978-3-941613-44-7
  • Jörg Drews, Doris Plöschberger (Hrsg.): „Des Dichters Aug’ in feinem Wahnwitz rollend …“ Dokumente und Studien zu „Zettel's Traum“. Text & Kritik, München 2001, ISBN 3-88377-658-0.
  • Michael Manko: Die „Roten Fäden“ in Zettel’s Traum. Literarische Quellen und ihre Verarbeitung in Arno Schmidts Meisterwerk. Dissertation Dortmund 2000. Aisthesis, Bielefeld 2001, ISBN
  • Volker Langbehn: Arno Schmidts Zettels Traum: An Analysis. Camden House, Rochester 2003, ISBN 1-57113-261-9.
  • Doris Plöschberger: SilbmKünste & BuchstabmSchurkereien! Zur Ästhetik der Maskierung und Verwandlung in Arno Schmidts 'Zettels Traum' (= Beiträge zur neueren Literaturgeschichte Bd. 191). Winter, Heidelberg 2002, ISBN 3-8253-1418-9.
  • Gregor Strick: „An der Grenzen der Sprache“. Poetik, poetische Praxis und Psychoanalyse in „Zettel’s Traum“. Zu Arno Schmidts Freud-Rezeption. Text & Kritik, München 1993, ISBN 3-88377-434-0.
  • Dieter Stündel: Register zu Zettels Traum. Eine Annäherung. Text & Kritik, München 1974.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zettel’s Traum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Inhaltsangabe Buch 1 und 2
  • Auf der Webseite der Arno-Schmidt-Stiftung erscheint seit dem 15. März 2002 täglich ein „Zettel des Tages“ aus dem Manuskript des Autors (Laut Homepage der Arno Schmidt Stiftung pausiert der „Zettel des Tages“ derzeit bis Sommer 2014).