Zetzwil

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Zetzwil
Wappen von Zetzwil
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Kulmw
BFS-Nr.: 4147i1f3f4
Postleitzahl: 5732
UN/LOCODE: CH ZWI
Koordinaten: 654023 / 23780147.2888868.152785522Koordinaten: 47° 17′ 20″ N, 8° 9′ 10″ O; CH1903: 654023 / 237801
Höhe: 522 m ü. M.
Fläche: 5.81 km²
Einwohner: 1301 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 224 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 10,2 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.zetzwil.ch
Dorfzentrum von Zetzwil

Dorfzentrum von Zetzwil

Karte
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Zetzwil (in der regionalen schweizerdeutschen Mundart Zetzbu [ˈtsɛtsbʊ])[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Kulm im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt im oberen Wynental im Süden des Kantons.

Geographie[Bearbeiten]

Das Landschaftsbild um Zetzwil wird geprägt durch die markante, durchschnittlich zwanzig Meter hohe Endmoräne, die sich beinahe im rechten Winkel über die gesamte Breite des Tales erstreckt. Sie entstand während der Würmeiszeit beim Rückzug des Reussgletschers. Nach Ende der Eiszeit staute die Moräne einen flachen See, der verlandete, als die Wyna das Hindernis durchbrochen hatte. Jahrtausendelang lag hier ein ausgedehntes Sumpfgebiet, das Gontenschwiler Moos, das erst während des Ersten Weltkrieges trockengelegt wurde.[4]

Das Dorf selbst liegt am östlichen Rand der Talebene unterhalb der Moräne, an jener Stelle, wo zwei kleine Bäche in die Wyna münden. In Richtung Norden erhebt sich die bis zu 747 Meter hohe Wandfluh, in Richtung Osten erstreckt sich ein kleines Seitental hinauf zur Eichhalde (771 m ü. M.), zum Tätschbüel (715 m ü. M.) und zum Homberg (787 m ü. M.). Diese Hügel bilden die natürliche Grenze zum Seetal. An den Berghängen liegen ein paar verstreute Einzelhöfe.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 581 Hektaren, davon sind 218 Hektaren bewaldet und 58 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 785 Metern knapp unter dem Gipfel des Hombergs, der tiefste auf 494 Metern an der Wyna.

Nachbargemeinden sind Dürrenäsch und Leutwil im Norden, Birrwil im Osten, Reinach im Südosten, Leimbach im Süden, Gontenschwil im Südwesten sowie Oberkulm im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gegend um Zetzwil war bereits während der Jungsteinzeit besiedelt, als sich Menschen am Ufer des damaligen Sees niederliessen. Die von den Alamannen gegründete Siedlung wurde erstmals im Jahr 1173 als Zeinhwile in einem Schutzbrief erwähnt, den Kaiser Barbarossa dem Chorherrenstift in Beromünster ausstellte. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Zezinwilari und bedeutet «Hofsiedlung des Zezo».[3] Im Mittelalter lag das Dorf im Herrschaftsbereich der Grafen von Lenzburg, ab 1173 in jenem der Grafen von Kyburg. Nachdem diese ausgestorben waren, wurden die Habsburger im Jahr 1264 die neuen Landesherren.

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau; Zetzwil gehörte nun zum Untertanengebiet der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau und war Teil des Gerichtsbezirks Trostburg im Amt Lenzburg. 1528 führten die Berner die Reformation ein. Im März 1798 eroberten die Franzosen die Schweiz, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Zetzwil gehört seither zum Kanton Aargau.

1850 hatte die Gemeinde fast gleich viele Einwohner wie heute. Doch wegen fehlender Verdienstmöglichkeiten zogen bis 1900 fast vierzig Prozent aller Einwohner weg, nicht wenige davon wanderten nach Nordamerika aus. Erst die Gründung von drei Zigarrenfabriken um 1900 und die Eröffnung der Wynentalbahn am 5. März 1904 konnten den Niedergang stoppen. In der Folge stieg die Zahl der Einwohner wieder kontinuierlich an. Gleichzeitig wandelte sich das einst landwirtschaftlich geprägte Dorf zu einer Wohngemeinde, die sich heute an den grösseren Regionalzentren orientiert.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau über grünem Dreiberg gewendete weisse Pflugschar, im Schildhaupt beseitet von zwei fünfstrahligen weissen Sternen.» Erstmals abgebildet war dieses Wappen auf dem Gemeindesiegel von 1872, damals allerdings mit zwei Sternen. Nachdem die Pflugschar zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Form einer Pfeilspitze angenommen hatte, kehrte die Gemeinde 1992 zur älteren Form zurück.[5]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[6]

Jahr 1764 1803 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 573 840 1226 748 849 871 848 1033 1048 1214 1245 1246

Am 31. Dezember 2013 lebten 1301 Menschen in Zetzwil, der Ausländeranteil betrug 10,2 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 70,3 % reformiert. 16,2 % römisch-katholisch und 3,6 % moslemisch; 1,3 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[7] 95,8 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, je 0,9 % Italienisch und Serbokroatisch.[8]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht in Unterkulm zuständig. Zetzwil gehört zum Friedensrichterkreis Gontenschwil.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Zetzwil gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 540 Arbeitsplätze, davon 10 % in der Landwirtschaft, 23 % in der Industrie und 67 % im Dienstleistungsbereich.[9] Der mit Abstand wichtigste Arbeitgeber ist die Stiftung Schürmatt der reformierten Landeskirche, die geistig und mehrfach behinderte Kinder und Erwachsene betreut. Neben einem Wohnheim unterhält die Stiftung mobile und ambulante Dienste, heilpädagogische Sonderschulen und geschützte Arbeitsstätten.[10] Der industrielle Sektor beschränkt sich auf einige Gewerbebetriebe, seitdem 1988 die letzte Zigarrenfabrik geschlossen wurde. Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in den grösseren Nachbardörfern wie Reinach oder Unterkulm.

Verkehr[Bearbeiten]

Durch das Dorf verläuft die Hauptstrasse 23 von Aarau über Beromünster nach Sursee; eine Nebenstrasse führt über Gontenschwil in Richtung Sursee, eine andere über die Wandfluh und Leutwil ins Seetal. Der Anschluss an das Netz des öffentlichen Verkehrs erfolgt durch eine Station der Wynentalbahn.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule. Die Realschule und die Sekundarschule können in Gontenschwil oder Reinach besucht werden, die Bezirksschule in Reinach oder Unterkulm. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Aarau.

Bilder[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 486–488.
  4. a b Landeskarte der Schweiz, Blatt 1109, Swisstopo
  5.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 326.
  6. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  7. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  9. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  10. Stiftung Schürmatt