Zeulenroda-Triebes

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Zeulenroda-Triebes
Zeulenroda-Triebes
Deutschlandkarte, Position der Stadt Zeulenroda-Triebes hervorgehoben
50.64861111111111.980555555556415Koordinaten: 50° 39′ N, 11° 59′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Greiz
Erfüllende Gemeinde: für Langenwolschendorf
für Weißendorf
Höhe: 415 m ü. NHN
Fläche: 134,72 km²
Einwohner: 17.098 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 127 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 07937, 07950
Vorwahlen: 036628, 036622, 036626 (Merkendorf)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: GRZ, ZR
Gemeindeschlüssel: 16 0 76 087
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
07937 Zeulenroda-Triebes
Webpräsenz: www.zeulenroda-triebes.de
Bürgermeister: Dieter Weinlich (parteilos)
Lage der Stadt Zeulenroda-Triebes im Landkreis Greiz
Auma-Weidatal Bad Köstritz Berga/Elster Bethenhausen Bocka Brahmenau Braunichswalde Caaschwitz Crimla Endschütz Gauern Greiz Großenstein Langenwetzendorf Harth-Pöllnitz Hartmannsdorf Hilbersdorf Hirschfeld Hohenleuben Weida Hundhaupten Kauern Korbußen Kraftsdorf Kühdorf Langenwetzendorf Langenwolschendorf Lederhose Linda Lindenkreuz Langenwetzendorf Mohlsdorf-Teichwolframsdorf Münchenbernsdorf Langenwetzendorf Neumühle Paitzdorf Pölzig Reichstädt Ronneburg Rückersdorf Saara Weida Schwaara Schwarzbach Seelingstädt Weida Teichwitz Weida Weißendorf Langenwetzendorf Wünschendorf Zedlitz Zeulenroda-Triebes ThüringenKarte
Über dieses Bild

Zeulenroda-Triebes ist eine Kleinstadt im Osten des Freistaats Thüringen im Thüringer Vogtland mit rund 17.000 Einwohnern. Sie entstand am 1. Februar 2006 durch den Zusammenschluss der Städte Zeulenroda und Triebes. Zeulenroda-Triebes ist die zweitgrößte Stadt im Landkreis Greiz und hat den Status eines Mittelzentrums.

Geographie[Bearbeiten]

Talsperre Zeulenroda: Blick von der Talsperrenbrücke auf den Stausee mit Staudamm, Wasserentnahmeturm und Seehotel

Geographische Lage[Bearbeiten]

Zeulenroda-Triebes liegt im Südosten Thüringens direkt an der Landesgrenze zum Freistaat Sachsen. Der Hauptort Zeulenroda liegt an der Bundesstraße 94. Naturräumlich gehört das Gebiet zu den Ostthüringisch-Vogtländischen Hochflächen. Das Zentrum von Zeulenroda liegt auf einer Höhe von 415 m ü. NN (Marktplatz). Zeulenroda wird deshalb auch als Stadt auf der Höhe bezeichnet. Triebes liegt dagegen im Tal des gleichnamigen Flusses. Höchster Punkt in der Umgebung ist die Schöne Höhe (485 m). Im Zeulenrodaer Gebiet gibt es Diabas-Gestein, Phyllit, Quarzit und Tonschiefer (Alaunschiefer). Die Böden im Thüringer Schiefergebirge besitzen einen hohen Feinerdeanteil und einen hohen Humusgehalt. Sie sind unter den klimatischen Bedingungen ertragsstabil.[2] Vor den Toren von Zeulenroda befindet sich die Talsperre Zeulenroda an der Weida. Um den südöstlichen Ortsteil Pöllwitz erstreckt sich der Pöllwitzer Wald.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

An das Stadtgebiet grenzen im Landkreis Greiz die Gemeinde Langenwetzendorf, die Städte Greiz, Auma-Weidatal und Hohenleuben sowie die vollständig umschlossenen Orte Langenwolschendorf und Weißendorf. Außerdem grenzt Zeulenroda-Triebes an den Nachbarlandkreis Saale-Orla und den sächsischen Vogtlandkreis.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Gliederung der Stadt Zeulenroda-Triebes
Ortsteil zugehörige Orte Bemerkungen
Arnsgrün-Bernsgrün-Pöllwitz* Arnsgrün, Büna, Bernsgrün, Dobia, Frotschau, Pöllwitz, Schönbrunn, Wolfshain Eingliederung am 1. Juli 1999 in Vogtländisches Oberland, Umgliederung am 31. Dezember 2012

Dörtendorf*

Dörtendorf

1. April 1999 zu Triebes

Förthen

Förthen

1. Mai 1994 zu Zeulenroda

Kleinwolschendorf

Kleinwolschendorf

1. April 1992 zu Zeulenroda

Läwitz

Läwitz

1. Mai 1994 zu Zeulenroda

Leitlitz

Leitlitz

14. Juli 1993 zu Zeulenroda

Mehla*

Mehla

6. April 1994 zu Triebes

Merkendorf*

Merkendorf, Piesigitz

1. Dezember 2011 zu Zeulenroda-Triebes

Niederböhmersdorf

Niederböhmersdorf

1. Juli 1992 zu Zeulenroda

Pahren

Pahren

1. Mai 1994 zu Zeulenroda

Silberfeld*

Quingenberg, Silberfeld

1. Dezember 2011 zu Zeulenroda-Triebes

Stelzendorf

Stelzendorf

1. Januar 1974 zu Pahren

Triebes*

Triebes

1. Februar 2006

Weckersdorf*

Weckersdorf

1. Mai 1994 zu Zeulenroda

Zadelsdorf*

Zadelsdorf

1. Dezember 2011 zu Zeulenroda-Triebes

*Ortsteile besitzen Ortsteilbürgermeister und Ortsteilräte

Neben diesen in der Hauptsatzung der Stadt Zeulenroda-Triebes genannten Ortsteilen existieren weitere Ortsteile ohne offiziellen Charakter, z. B. Märien, Meinersdorf, Grüna, Rötlein und Kranich.

Außerdem hat Zeulenroda-Triebes für Langenwolschendorf und Weißendorf den Status einer erfüllenden Gemeinde.

Geschichte[Bearbeiten]

Etwa im 9. Jahrhundert begannen die Sorben, das Gebiet um die heutige Stadt zu besiedeln. Zuvor war die Region lediglich Durchzugsgebiet. 1209 wurde Triebes – eine sorbische Ortsgründung – erstmals als Tributz erwähnt. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gründeten die Vögte von Weida den Ort Zeulenroda. Am 14. August 1325 wurde Zeulenroda erstmals als Zulenrode urkundlich erwähnt. In einer Urkunde des Saalburger Nonnenkloster zum Heiligen Kreuz werden alle Dörfer und Bauern namentlich genannt, die dem Kloster mit Grundbesitz zinspflichtig sind. Darin heißt es: In Zulenrode unus mansus, quem colit... dictus Dressel. Durch die verkehrsgünstige Lage an der Kreuzung der Straßen Weida-Hof und Auma-Elsterberg entwickelte sich die Siedlung zu einem lebhaften Marktort. Am 26. September 1438 wurde Zeulenroda das Stadtrecht verliehen. 1500 wurde Zeulenroda an die Herren Reuß (Plauener Linie) verpfändet. Durch den Verlust des Hinterlands verarmten die Bürger der Stadt. 1564 wurde das reußische Gebiet in eine jüngere, mittlere und die ältere Linie, zu der Zeulenroda gehörte, geteilt. Triebes gehörte hingegen bis 1848 zu Reuß-Schleiz, danach bis 1918 zum Fürstentum Reuß jüngerer Linie.

Um 1750 entwickelte sich Zeulenroda zu einer Hochburg der Strumpfwirkerei und erlangte bis ins 19. Jahrhundert hinein Weltruhm. Außerdem gewannen im Laufe der Zeit das Tischlerhandwerk sowie die Gummiwirk- und Strickwarenfabrikation an Bedeutung. Nach den Entwürfen des Fabrikanten Christian Heinrich Schopper wurde von 1825 bis 1827 im klassizistischen Stil das heutige Rathaus errichtet, in die 1880 auch die 1851 gegründete Sparkasse Zeulenroda einzog. Der Deutsche Krieg brachte 1866 das Fürstentum Reuß ältere Linie, welches auf Österreichs Seite stand, an den Rand der Auflösung. Nach dem Krieg trat Reuß ältere Linie dem Norddeutschen Bund bei und wurde 1871 Teil des Deutschen Reiches. 1883 wurde die durch Zeulenroda und Triebes führende Bahnstrecke der Mehltheuer-Weidaer Eisenbahn-Gesellschaft eingeweiht. Einen direkten Anschluss erhielt die Stadt aber erst mit der 1914 eröffneten Bahnstrecke Zeulenroda unt Bf–Zeulenroda ob Bf.

1919 bildeten die beiden reußischen Staaten den Volksstaat Reuß, der bereits 1920 im neu gebildeten Land Thüringen aufging. 1919 erhielt Triebes das Stadtrecht.

Bei den Zeulenrodaer Stadtratswahlen vom 4. Dezember 1932 erreichte die erstmals angetretene NSDAP 9 von 25 Sitzen. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg kamen zahlreiche Umsiedler in die Stadt. Das Hochfrequenzlabor der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt unter seinem Leiter Adolf Scheibe war mit Einsetzen der Flächenbombardements auf Berlin nach Zeulenroda verlegt worden. Bei einem Angriff der US-Luftwaffe auf Zeulenroda gab es am 17. März 1945 acht Tote. Insgesamt blieb Zeulenroda weitestgehend vom Krieg verschont. Die 3. US-Armee besetzte die Stadt am 16. April 1945 ohne Kampfhandlungen. Ab 1. Juli 1945 stand die Stadt dann unter sowjetischer Verwaltung. Bei ihrem Abzug aus Thüringen evakuierten die Amerikaner das Hochfrequenzlabor samt Mitarbeitern und deren Familien nach Heidelberg. Die Maschinenfabriken Kneusel und Lang wurden als Reparationsleistungen an die Sowjetunion demontiert.

Nach Gründung der DDR wurde Zeulenroda 1952 im Zuge der Kreisreformen in der DDR Kreisstadt des Kreises Zeulenroda im Bezirk Gera.

Am 13. August 1973 kam es zum Einsturz des vorderen Teils der im Bau befindlichen Talsperrenbrücke nach Auma. Vier Tote und fünf Schwerverletzte waren zu beklagen. Die Arbeiten (erstmals eine Brücke im freien Vorbau) fanden unter Termindruck und bei Zwang zur Stahleinsparung statt. Da sich das Unglück am Jahrestag des Mauerbaus ereignete, wurde zunächst Sabotage vermutet. Der Chefingenieur und zwei Mitarbeiter wurden im Mai 1974 vom Bezirksgericht Gera zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt, dann jedoch vom Obersten Gericht der DDR freigesprochen.[3] Im Zuge der Ermittlungen wurde letztendlich festgestellt, dass veraltete Konstruktionsvorgaben die Ursache waren. Am 20. Juni 1975 wurde die neue Trinkwassertalsperre an der Weida offiziell übergeben.

Am 19. Oktober 1989 fand in Zeulenroda erstmals eine politische Demonstration gegen die SED-Diktatur statt. An ihr nahmen etwa 3.000 Menschen teil. Am 13. November trat die SED-Kreisleitung zurück. Bei den ersten freien Kommunalwahlen nach der Wende am 6. Mai 1990 wurden Frank Steinwachs (CDU) Zeulenrodaer Bürgermeister und Martina Schweinsburg (CDU) Landrätin des Kreises Zeulenroda. In Triebes wurde Gerhard Helmert (CDU) zum Bürgermeister gewählt und blieb es bis zur Fusion mit Zeulenroda. Die Volkseigenen Betriebe wurden privatisiert, die Arbeitslosigkeit stieg dramatisch an. Die zu DDR-Zeiten ansässigen VEB WEMA (Werkzeugmaschinenbau), Möbelkombinat, Rotpunkt (Gummiwaren) sowie Elastic Mieder (Dessous) wurden infolge der Wende nach und nach aufgelöst; neue Unternehmen, darunter die Bauerfeind AG, siedelten sich auf neuen Gewerbeflächen an.

Durch die Thüringer Kreisreform verlor Zeulenroda 1994 den Kreisstadt-Status. Eine rückläufige Bevölkerungszahl und der mögliche Verlust des Zeulenrodaer Status als Mittelzentrum ließen Triebes und Zeulenroda die seit längerem praktizierte Zusammenarbeit intensivieren. 2005 fassten beide Stadträte Beschlüsse zur Fusion. Der Thüringer Landtag beschloss am 26. Januar 2006 mit einem Neugliederungsgesetz die Auflösung der Stadt Triebes und die Eingliederung nach Zeulenroda zum 1. Februar 2006 sowie die Änderung des Stadtnamens in Zeulenroda-Triebes.[4] Der Freistaat Thüringen unterstützte diese freiwillige Fusion mit einer einmaligen Zuwendung von 1 Million Euro.

2008 bewarb sich Zeulenroda-Triebes erfolglos um die Ausrichtung der Landesgartenschau 2013. Am 1. Dezember 2011 wurden die Gemeinden Merkendorf, Silberfeld und Zadelsdorf nach Zeulenroda-Triebes eingemeindet. 2012 wurde die benachbarte Gemeinde Vogtländisches Oberland aufgelöst und deren Ortsteile Arnsgrün (mit Büna), Bernsgrün (mit Frotschau und Schönbrunn) sowie Pöllwitz (mit Dobia und Wolfshain) in die Stadt Zeulenroda-Triebes eingegliedert. Diese wurden zum Ortsteil Arnsgrün-Bernsgrün-Pöllwitz zusammengeschlossen.[5]

Einwohnerentwicklung von Zeulenroda[Bearbeiten]

1908 überschritt die Einwohnerzahl Zeulenrodas die 10.000er-Marke. 1946 war die Stadt durch viele Umsiedler, die infolge der Kriegswirren ihre Heimat verloren hatten und nach Zeulenroda gekommen waren, auf über 14.000 Einwohner angewachsen. Zu Beginn der Neunzigerjahre wohnten in Zeulenroda über 15.000 Menschen. In den letzten Jahren ist wegen der demografischen Entwicklung und aufgrund von Wegzügen die Zahl der Einwohner leicht rückläufig.

Einwohnerentwicklung

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember):

1830 bis 1950

  • 1830: 8.449
  • 1905: 9.776
  • 1910: 10.389
  • 1925: 11.047
  • 1933: 12.247
  • 1939: 12.688
  • 1946: 14.039 1
  • 1950: 13.694 2

1960 bis 1998

  • 1960: 13.684
  • 1981: 14.709
  • 1984: 14.659
  • 1994: 15.044
  • 1995: 15.021
  • 1996: 15.026
  • 1997: 14.959
  • 1998: 14.906

1999 bis 2005

  • 1999: 14.826
  • 2000: 14.600
  • 2001: 14.358
  • 2002: 14.158
  • 2003: 13.961
  • 2004: 13.750
  • 2005: 13.434
Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

1 29. Oktober
2 31. August

Einwohnerentwicklung von Triebes[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahl von Triebes ist nach der Wende relativ konstant geblieben, was jedoch auf die Eingemeindungen von Mehla und Dörtendorf zurückzuführen ist. Sie schwankte zwischen 4.000 und 4.300 Einwohner.

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1994 31. Dezember):

  • 1842: 1254
  • 1933: 4814
  • 1939: 4816
  • 1994: 4174
  • 1995: 4146
  • 1996: 4128
  • 1997: 4120
  • 1998: 4083
  • 1999: 4261
  • 2000: 4230
  • 2001: 4192
  • 2002: 4144
  • 2003: 4113
  • 2004: 4099
  • 2005: 4040
Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

Einwohnerentwicklung von Zeulenroda-Triebes[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember):

  • 2005: 17.4741
  • 2006: 17.211
  • 2007: 16.924
  • 2008: 16.606
  • 2009: 16.344
  • 2010: 16.139
  • 2011: 16.445
  • 2012: 17.347
  • 2013: 17.098
Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

1 vor dem Zusammenschluss der beiden Städte

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2014[6][7]
Wahlbeteiligung: 48,5 % (2009: 50,4 %)
 %
50
40
30
20
10
0
44,7 %
21,8 %
11,0 %
10,1 %
6,9 %
3,9 %
1,8 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+2,1 %p
+1,8 %p
-4,4 %p
-2,7 %p
+6,9 %p
-5,3 %p
+1,8 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
d Bürgerinitiative für sozialverträgliche Abgaben und Leistungsgerechtigkeit in Zeulenroda und Umgebung
e Thüringer Vogtland
g Bürgergemeinschaft Merkendorf-Piesigitz
Rathaus der Stadt

Folgende Parteien sind nach der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 im Stadtrat vertreten:

Partei CDU Die Linke SPD BIZ TV FDP BG MP Gesamt
Sitze 11 5 3 2 2 1 - 24

BIZ ist die Bürgerinitiative für sozialverträgliche Abgaben und Leistungsgerechtigkeit in Zeulenroda und Umgebung e. V.
TV steht für die Wählergemeinschaft Thüringer Vogtland
BG MP ist die Bürgergemeinschaft Merkendorf-Piesigitz

Bürgermeister[Bearbeiten]

Nach dem Ergebnis der Stichwahl vom 6. Mai 2012 ist Dieter Weinlich (parteilos) seit 1. Juli 2012 neuer Bürgermeister. Er gewann mit 3.108 (50,2 %) Stimmen knapp vor Nils Hammerschmidt (CDU) mit 3.084 (49,8 %) Stimmen. Amtsvorgänger Frank Steinwachs (CDU), seit 1990 Bürgermeister von Zeulenroda und Zeulenroda-Triebes, war nicht mehr zur Wahl angetreten.

Bisherige Bürgermeister der Stadt Zeulenroda-Triebes bzw. Zeulenroda

Das Stadtrecht von 1438 kannte noch keinen ständigen Bürgermeister. Das Amt wechselte turnusmäßig zwischen mehreren Räten. Der ab 1762 amtierende B. Gottlob Harnisch gilt als erster fester Bürgermeister Zeulenrodas.

Zeitraum Name
2012– Dieter Weinlich
1990–2012 Frank Steinwachs
1986–1990 Siegfried Böhm
1961–1986 Werner Meißner
1946–1960 Paul Gunzenheimer
1946 Ernst Gräf
1945–1946 Ernst Lenzner
1939–1945 Curt Zeh (in Vertretung)
1934–1945 Walter Söffner
1934 Paul Schaller (Staatskommissar)

Wahlergebnisse[Bearbeiten]

Zur Bundestagswahl 2009 waren in Zeulenroda-Triebes 14.016 Menschen wahlberechtigt. Die Wahlbeteiligung lag bei 53,9 %.

Partei Stadtrat
1999
Stadtrat
2004
Stadtrat
2009
Landtag
1999
Landtag
2004
Landtag
2009
Bundestag
2002
Bundestag
2005
Bundestag
2009
CDU 49,9 % 54,1 % 42,6 % 53,7 % 47,9 % 31,9 % 30,8 % 26,2 % 30,8 %
SPD 19,1 % 11,5 % 15,4 % 16,2 % 12,9 % 18,4 % 39,3 % 27,0 % 15,9 %
PDS/Die Linke 15,9 % 18,2 % 20,0 % 21,7 % 25,5 % 29,5 % 16,4 % 27,3 % 30,9 %
BIZ 8,1 % 12,8 % 12,8 %
FDP 2,5 % 3,4 % 9,2 % 0,9 % 3,6 % 7,7 % 5,6 % 9,0 % 10,9 %
Bündnis 90/Die Grünen 1,5 % 3,6 % 5,5 % 4,0 % 4,4 % 5,3 %

Bei Landtags- und Bundestagswahlen sind jeweils die Ergebnisse der Landes- bzw. Zweitstimmen angegeben.

Ursprüngliches Zeulenrodaer Wappen

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen von Zeulenroda-Triebes zeigt auf schwarzem Feld eine silberne Zinnenmauer. Darüber thront ein goldener, bewehrter Löwe mit einer roten Krone. Die Mauer ist belegt mit einem goldenen Schildchen, in dem eine hervorbrechende schwarze, rot bewehrte Löwenpranke ein nach rechts verschobenes Passionskreuz aus vier in der Mitte verflochtenen Juteschnüren hält.[8] Dieses Schildchen entspricht dem Wappen der ehemaligen Stadt Triebes und wurde nach deren Eingliederung in das Zeulenrodaer Wappen integriert. Das ursprüngliche Zeulenrodaer Wappen (ohne Schildchen mit Passionskreuz) wurde mit dem Stadtrecht am 26. September 1438 in dieser Form verliehen.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Seit 1990 besteht eine Städtepartnerschaft Zeulenrodas mit Giengen an der Brenz (Baden-Württemberg). Triebes hatte Partnerschaftsverträge mit Neunkirchen am Sand (Bayern), Wies (Österreich), Sainte-Florine (Frankreich) und Kostelec nad Orlicí (Tschechien) geschlossen. Darüber hinaus bestehen freundschaftliche Beziehungen zu weiteren Städten.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

Das Städtische Museum beherbergt zahlreiche Exponate zur Geschichte des Ortes, darunter auch den Stadtbrief von 1438. Einen Schwerpunkt bilden Stilmöbel verschiedener Epochen aus Zeulenrodaer Produktion.

Bauwerke[Bearbeiten]

Das Stadtbild wird vom sehenswerten Rathaus im klassizistischen Stil geprägt. Auf dem Turm des Rathauses befindet sich eine Themis-Statue, der griechischen Göttin der Gerechtigkeit, die von den Einheimischen Gette genannt wird. Vor dem Rathaus befindet sich auf dem Marktplatz der Karpfenpfeifer-Brunnen, der auf den Spitznamen der Zeulenrodaer Bürger „Karpfenpfeifer“ hinweist. Im Stadtzentrum befinden sich die ebenfalls klassizistische Dreieinigkeitskirche und die Kreuzkirche. Einen Besuch wert sind auch das Tropenbad Waikiki, das Städtische Museum, das Winkelmannsche Haus in Triebes, das Wildgehege und die Talsperre an der Weida. Zahlreiche Wanderwege, darunter ein Planetenwanderweg und der vom Deutschen Wanderverband als Qualitätsweg Wanderbares Deutschland ausgezeichnete Rundweg um die Talsperre, laden zum Erkunden der Umgebung ein.

Gedenkstätten[Bearbeiten]

  • Ein Denkmal auf dem Rosa-Luxemburg-Platz erinnert an die Opfer des Zweiten Weltkriegs.
  • Im Altenheim an der Pausaer Straße wird seit 1957 mit einer Gedenktafel des Sozialdemokraten Franz Philipp gedacht, der nach mehrfacher Verfolgung 1943 im Gestapogefängnis im Weimarer Marstall ermordet wurde. Das Heim trug bis 1989 seinen Namen.
  • Seit 1951 erinnert in der Nähe des ehemaligen Oberen Bahnhofs ein VVN-Denkmal an die Opfer der faschistischen Konzentrationslager.
  • Eine Grabstätte mit Gedenkstein auf dem Friedhof des Ortsteils Weckersdorf erinnert an drei unbekannte sowjetische Kriegsgefangene, die Opfer von Zwangsarbeit wurden.
  • Seit 1994 erinnert in Quingenberg ein Gedenkstein an die vier beim Einsturz der im Bau befindlichen Talsperrenbrücke 1973 ums Leben gekommenen Arbeiter.

Parks[Bearbeiten]

Das in einem Waldstück am Stadtrand Zeulenrodas gelegene Tiergehege „Rabensleite“ beherbergt verschiedene – vorwiegend einheimische – Tierarten (z. B. Rothirsche, Uhus, Schafe, Ziegen, Kängurus) und ist öffentlich zugänglich. Der Eintritt ist frei. Im Zentrum der Stadt befindet sich der Puschkinpark, der mit Spielgeräten für Kinder ausgestattet ist.

Sport[Bearbeiten]

Badewelt Waikiki

Zeulenroda-Triebes verfügt mit dem Waldstadion über eine Sportanlage mit drei Plätzen für Fußball und Leichtathletik. In Triebes befindet sich eine Sportanlage für Fußball und Tennis. Die Badewelt Waikiki mit angeschlossenem kommunalen Hallenbad sowie mehrere Turnhallen bieten weitere sportliche Betätigungsmöglichkeiten. Höchstklassiger Fußballverein der Stadt ist der FC Motor Zeulenroda, der 2011 aus der Thüringenliga in die Landesklasse abgestiegen ist. Überregional erfolgreich sind auch die Tischtennisspieler sowie die Schach-Damen, die bereits in der 1. Bundesliga spielten. Traditionell ist Zeulenroda Zielort der Internationalen Thüringen-Rundfahrt der Frauen. Von Bedeutung ist auch das jährlich stattfindende Leichtathletik-Meeting im Waldstadion.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Verschiedene Feste, darunter das Stadtfest und das Karpfenpfeiferfest, finden ihren Zuspruch bei den Gästen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Ende des 19. Jahrhunderts war die Wirkwarenindustrie in Zeulenroda dominierend. Bekannt war z. B. die Firma Julius Römpler, die Gummitextilwaren herstellte. Triebes war Standort von Juteverarbeitung und Maschinenbau. Zu DDR-Zeiten waren in Zeulenroda die VEB WEMA (Werkzeugmaschinenbau), Möbelkombinat, Rotpunkt (Gummiwaren) sowie Elastic Mieder (Dessous) ansässig und beschäftigten mehrere Tausend Mitarbeiter. Heute sind u. a. der Dienstleistungssektor, Handel und Handwerk, Medizintechnik sowie Betriebe der Holz und Metall verarbeitenden Industrie vertreten. Die Stadt an der Talsperre setzt Hoffnungen in eine verstärkte touristische Bedeutung. Die Arbeitslosenquote beträgt 7,2 % (Stand Oktober 2014).

Verkehr[Bearbeiten]

Zeulenroda Unterer Bahnhof

Zeulenroda-Triebes liegt an der B 94 verkehrsgünstig zwischen den Autobahnen A 4 Eisenach-Dresden, A 9 Berlin-Nürnberg und A 72 Chemnitz-Hof und ist nur etwa 20 Autominuten von den Anschlussstellen Triptis und Schleiz der A 9 und 30 Minuten von der Autobahnabfahrt Reichenbach im Vogtland der A 72 entfernt.

Zeulenroda-Triebes verfügt über den Haltepunkt Triebes und den Bahnhof Zeulenroda unterer Bahnhof (historisches Empfangsgebäude inzwischen abgerissen) an der Eisenbahnstrecke Weida–Mehltheuer, auf der die Erfurter Bahn verkehrt. Seit dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2011 werden die Bedarfshalte Pöllwitz und Bernsgrün nicht mehr bedient.

Bis 1996 gab es außerdem die 3,66 km lange Stadtbahn Zeulenroda, die den unteren Bahnhof mit dem mitten in der Stadt gelegenen oberen Bahnhof verband. Diese 1914 eröffnete Strecke verlor zwar schon 1974 den Personenverkehr, jedoch wurde dieser am 23. September 1991 wieder eröffnet. Am 2. Juni 1996 wurde der SPNV auf dieser Strecke vom Land Thüringen endgültig abbestellt und die Strecke abgebaut.

Die nächstgelegenen internationalen Verkehrsflughäfen befinden sich in Leipzig, Dresden, Erfurt und Nürnberg.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Verwaltungsgebäude der Bauerfeind AG

Zu den wichtigen Unternehmen in Zeulenroda-Triebes zählen unter anderem die Bauerfeind-Gruppe, die Raster-Zeulenroda Werkzeugmaschinen GmbH, die Zeulenroda Präzision Maschinenbau GmbH, neuform Türenwerk Hans Glock GmbH, die Fein-Elast Umspinnwerk GmbH, Solamagic GmbH, die Metallgießerei Heinz Brückner, die FEFA Fenster & Fassaden Produktions GmbH, die TRIMA Triebeser Maschinenbau GmbH und die Holz Neudeck GmbH. Größter Arbeitgeber der Stadt mit über 800 Beschäftigten ist die unter der Führung von Hans B. Bauerfeind stehende Bauerfeind AG (Hersteller medizinischer Hilfsprodukte). Ihr 53 m hohes Verwaltungsgebäude ist der erste Hochhaus-Neubau Thüringens seit der Wiedervereinigung Deutschlands.

Medien[Bearbeiten]

Als regionale Zeitung erscheint eine Lokalausgabe der Ostthüringer Zeitung für Zeulenroda-Triebes und Umgebung.

Bildung[Bearbeiten]

In Zeulenroda-Triebes befinden sich an vier Standorten Grund- und Regelschulen, das Friedrich-Schiller-Gymnasium, das Staatliche Förderzentrum, eine Berufsbildende Schule sowie die Städtische Musikschule „Fritz Sporn“, eine Außenstelle der Volkshochschule Greiz und zwei Bibliotheken.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Gerhard Helmert, letzter Bürgermeister von Triebes
  • Friedrich Reimann (1896–1991), Jagd- und Tiermaler
  • Johannes Schaub (1919), 1981 Initiator des Heimatblatts Der Karpfenpfeifer
  • Hans B. Bauerfeind (* 1940), Vorstandsvorsitzender der Bauerfeind AG
  • Peter Herda (1938-2014), ehemaliger stellvertretender Bürgermeister

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

In den Orten, die heute zur Stadt Zeulenroda-Triebes gehören, wurden folgende Personen von überregionaler Bedeutung geboren:

Sonstiges[Bearbeiten]

Mundart[Bearbeiten]

Zeulenroda-Triebes liegt im Verbreitungsgebiet der südostthüringischen Mundart, die zur thüringisch-obersächsischen Dialektgruppe gehört. In Zeulenroda sind die Zellreder Geschichten bekannt, kurze volkstümliche Erzählungen in Zeulenrodaer Mundart, die überwiegend im kleinbürgerlichen Milieu angesiedelt sind. Sie erschienen zuerst in der Heimatbeilage des Reußischen Anzeigers. Später wurden sie mehrfach in Buchform und als Hörbuch-CD herausgegeben. Ein Sprachbeispiel (aus: Müller, Herbert. Zellreder Geschicht’n (2005). S. 48):

  • Gestern hab ich wos gehaert, un wenn ich die Frea, die mrsch gesocht hat, net su genau kennen tät, ich hätt’s gar net gegleabt. Ne suwas, was doch alles su passiert heitzetoche. („Gestern habe ich etwas gehört, und wenn ich die Frau, die es mir gesagt hat, nicht so genau kennen würde, hätte ich es gar nicht geglaubt. Nein so etwas, was doch alles so passiert heutzutage.“)

Karpfenpfeiferlegende[Bearbeiten]

Karpfenpfeifer-Wasserspiel auf dem Markt in Zeulenroda

Nach einer Legende mussten einmal Zeulenrodaer den fürstlichen Herren in Greiz helfen, den Schlossteich abzufischen. Zum Lohn wurden sie zum abendlichen Karpfenessen eingeladen. Da aber die Greizer Karpfen wegen der verschmutzten Teiche nach Schlamm schmeckten und sie den Zeulenrodaern, die für ihre guten Karpfen aus den eigenen Teichen bekannt waren, nicht mundeten, machte einer von ihnen seinem Unmut Luft. Er stand auf und rief: „Wir pfeifen auf eure Karpfen!“ Seit diesem Tage tragen die Zeulenrodaer Bürger den Spitznamen „Karpfenpfeifer“.

MS Zeulenroda[Bearbeiten]

1966 lief im Rostocker VEB Schiffswerft Neptun der Holzfrachter Zeulenroda vom Stapel. Das Schiff der DDR-Handelsflotte fuhr vorrangig in die Häfen des Weißen Meeres. Nach dem Ende der DDR wurde das Schiff ins Ausland verkauft und umbenannt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Manfred Graf: Organisation der kooperativen Pflanzenproduktion bei hohem Grünlandanteil im Südostthüringer Schiefergebirge, dargestellt an der KOG Lobenstein. Dissertation an der UNI Jena, 1970, S. 1–144
  3. Jan Eik und Klaus Behling: Verschlusssache. Die größten Geheimnisse der DDR. Verlag Das Neue Berlin, Berlin 2008. ISBN 978-3-360-01944-8. S. 140–141
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2006
  5. www.zeulenroda-triebes.de
  6. Stadtratswahl 2014 abgerufen am 8. August 2014
  7. Stadtratswahl 2009 abgerufen am 8. August 2014
  8. http://www.zeulenroda.de/Hauptsatzung_der_Stadt_Zeulenroda_vom_28.01.2009.pdf

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Theilig: Zeulenroda-Triebes – Das Lexikon einer Stadt in Thüringen 1100–2006, 2006
  • Heinz Frotscher: Stadt auf der Höhe, Fotosatz Bauer, 1995
  • Heinz Frotscher: Bilder meiner Stadt, 2005
  • Gottfried Thumser: Wirtshäuser, Cafés, Hotels und Restaurants in Alt-Zeulenroda, 2012

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zeulenroda-Triebes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Zeulenroda-Triebes – Reiseführer