Ziegelhausen

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Wappen von Heidelberg
Ziegelhausen
Stadtteil von Heidelberg
Lage des Stadtteils Ziegelhausen in Heidelberg
Koordinaten 49° 25′ 6″ N, 8° 45′ 24″ O49.4183333333338.7566666666667Koordinaten: 49° 25′ 6″ N, 8° 45′ 24″ O
Fläche 14,73 km²
Einwohner 9029 (2010)
Bevölkerungsdichte 613 Einwohner/km²
Stadtteilnummer 014
Gliederung
Stadtbezirke
  • Ziegelhausen-Ost (014 1)
  • Ziegelhausen-West (014 2)
  • Peterstal (014 3)
Quelle: Stadt Heidelberg (PDF; 124 kB)

Ziegelhausen ist ein im Ausgang des Neckartals gelegener Stadtteil von Heidelberg.

Geographie[Bearbeiten]

Ziegelhausen zieht sich in Ost-West-Richtung zwischen den Einmündungen von Bärenbach und Mausbach am Nordufer des Neckar entlang. In Nord-Süd-Richtung reicht die Ausdehnung vom Dossenheimer Kopf (547 m) bis zum Neckar (108 m). Die Größe der Gemarkung beträgt 1475 ha, davon entfallen auf Peterstal 371 ha.

Geschichte[Bearbeiten]

Archäologische Funde deuten auf eine Besiedlung in römischer Zeit hin. In einer Urkunde des Klosters Lorsch aus dem Jahre 850 wird auf der heutigen Gemarkung von Ziegelhausen eine Siedlung mit dem Namen „Steimbach“ erwähnt. Die Keimzelle des Dorfes Ziegelhausen bildet die 1210 vom Zisterzienzerkloster Schönau gegründete Ziegelei, das sogenannte „obere Ziegelhaus“, und die Abtei Neuburg.

Die Entvölkerung der Region nach dem Dreißigjährigen Krieg führte zur Ansiedlung von Schweizern reformiert-evangelischen Bekenntnisses, so lange die Kurfürsten derselben Konfession angehörten. Aus der wechselvollen Religionsgeschichte der Pfalz ist das „Exil“ einer (in ihren Nachkommen noch heute ortsansässigen) Familie Meuter überliefert, die mehrere Jahre, von der Dorfbevölkerung unterstützt und gegenüber der Obrigkeit verschwiegen, in einer außerhalb Ziegelhausens an der Schönauer Straße befindlichen Sandsteinhöhle, dem „Meuters Loch“ lebte.

Die evangelische Kirche wurde 1733 von Johann Jakob Rischer im Barockstil fertiggestellt und die katholische Kirche St. Laurentius 1742 eingeweiht. Die alten Kirchen in Neckarnähe wurden im Lauf des 20. Jahrhunderts für die gewachsenen Gemeinden zu klein, so dass beide Konfessionen Neubauten errichteten, die, der Ausdehnung des Ortes Folge leistend, weiter oben am Hang in unmittelbarer Nähe zueinander liegen. Die evangelische Versöhnungskirche wurde 1975, die katholische St.-Teresa-Kirche 1997 vollendet. Die alten Kirchen wurden profaniert. In der ehemaligen evangelischen Kirche befindet sich heute die Textilsammlung Max Berk. Für die Laurentiuskirche gab es Pläne, ein Orgelmuseum einzurichten, die bislang nicht verwirklicht wurden.

Im Jahr 1905 wurde die Neckarschule eröffnet. Die im Jahre 1914 gebaute Neckarbrücke nach Schlierbach verband Ziegelhausen mit der Bahn und beendete den Fährverkehr. Peterstal wurde 1936 eingemeindet und ein Ortsteil von Ziegelhausen. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs wurde 1945 die Neckarbrücke durch den Volkssturm gesprengt. Anschließend folgte ein Artilleriegefecht zwischen amerikanischen Truppen auf Ziegelhäuser und deutschen Truppen auf Schlierbacher Seite.

Die neue Neckarbrücke wurde 1954 dem Verkehr übergeben. Die Steinbachschule wurde 1960 eröffnet und löste die alte Schule in Peterstal ab. Sie wurde 1971/72 mit einem zweiten Bauabschnitt erweitert und wird heute als Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule betrieben.

Am 1. Januar 1975 trat der Eingemeindungsvertrag zwischen der Gemeinde Ziegelhausen (Rhein-Neckar-Kreis) und der kreisfreien Stadt Heidelberg in Kraft, obgleich die Bewohner Ziegelhausens sich in zwei von der Gemeinde Ziegelhausen organisierten Bürgerbefragungen weit überwiegend (d. h. bei der zweiten Abstimmung über 80 %) für den Erhalt der Selbständigkeit ausgesprochen hatten.

Obwohl sich durch Zuzug die Bevölkerungsstruktur seither stark veränderte, hat sich der Stadtteil immer noch einen eigenen dörflichen Charakter bewahrt. Dies zeigt sich u.a. im regen Vereinsleben und den zahlreichen Festen, z.B. der Kerwe oder den Fastnachtsveranstaltungen. Alteingesessene Ziegelhäuser sprechen noch heute davon, „nach Heidelberg“ zu fahren, wenn sie in die Innenstadt gehen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Bis ins 20. Jahrhundert wurde die Tonerde Ziegelhausens zur Herstellung von Backsteinen und Ziegeln genutzt. Mit dem Niedergang der Dampfziegelei Kühner & Cie endete dieses Gewerbe. In Steinbrüchen wurde bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts Sandstein und Porphyr gefördert. Die Wasserkraft von Steinbach und Bärenbach wurden zum Betrieb von Mühlen genutzt, darunter zwei Pulvermühlen, eine Papiermühle und eine Hammerschmiede. Die letzte Mühle stellte 1925 ihren Betrieb ein.

Im Bergwerk Mausbach wurde 1893 zur Förderung von Manganerz ein 460 m langer Stollen in den Berg getrieben. Die geförderten 130 Tonnen Erz wurden von den Röchling Stahlwerken in Völklingen verhüttet. Bedingt durch die geringe Qualität des Erzes wurde der Abbau 1896 wieder eingestellt.

Das Hauptgewerbe Ziegelhausens im 20. Jahrhundert war die Wäscherei. Das kalkfreie Quellwasser und die Wiesen im Neckartal und Steinbachtal (Bleichwiesen) boten hierzu ideale Voraussetzungen. Die Wäschereien waren vorwiegend Heim- und Kleinbetriebe. Das Wäschereigewerbe erreichte 1939 seinen Höhepunkt mit 230 Betrieben, heute ist es nur noch ein Betrieb.

Abseits vom Ort, am Neckarufer am Ende des Bärenbachtals, befand sich ab 1939 in den Räumen der ehemaligen Gelatinefabrik Stoess die Schokoladenfabrik „Haaf“. Auf einem Teil des Anwesens produzierte ab 1956 der Fallschirmspringer Richard Kohnke Rettungsfallschirme. Der Betrieb wurde in den 1970er Jahren eingestellt. Danach wurde die Fabrikhalle noch als Veranstaltungsort für gelegentliche Konzerte genutzt. Heute befindet sich dort ein Wohnpark.

Die noch heute deutlichsten Spuren von wirtschaftlicher Aktivität sind die Buntsandsteinbrüche rechts und links des Bärenbachtals. Der Neckar macht dort eine scharfe Biegung und es entstand ein steil abfallender Prallhang, der den Zugang zum Gestein ohne das Beseitigen einer Deckschicht ermöglichte. Die etwas kleineren Brüche findet man auf den letzten 500 Metern der Schönauer Straße, wo sich auch ein kleiner Aussichtspunkt befindet. Weitere kleinere Steinbrüche sind oberhalb im Waldgebiet verteilt, wo sich auch das „Meuters Loch“ findet. Markantere Steinbrüche erstrecken sich oberhalb der Parkplatzes des Stauwehres, der auf der Ziegelhäuser Seite Richtung Kleingemünd bergseitig liegt.

Weitere noch heute sichtbare Zeugen sind die ehemalige Wald- und Forstwirtschaft. Im Wald unmittelbar am Ende des Schönauer Abtweges sind bis zu 3 Meter tiefe Furchen im Waldboden sichtbar, die vom Abtransport von geschlagenem Holz an der immer gleichen Stelle zeugen. Im Bärenbachtal findet sich ca. 80 m oberhalb der Kreuzung des östlichen Bärenbachtalweges mit dem Bingheimerlochsteig der sogenannte „Boseckerstein“. Dort wurde für den Waldarbeiter Johann Bosecker ein Gedenkstein errichtet, der an dieser Stelle am 19. Dezember 1849 bei Holzfällarbeiten von einem Baum erschlagen wurde.

Politik[Bearbeiten]

Seit den Kommunalwahlen vom 25. Mai 2014 setzt sich der Ziegelhäuser Bezirksbeirat wie folgt zusammen:

  • CDU 4 Sitze
  • SPD 3 Sitze
  • Grüne 2 Sitze
  • AfD 1 Sitz
  • FDP 1 Sitz
  • „Die Heidelberger“ 1 Sitz
  • generation.hd 1 Sitz
  • FWV 1 Sitz

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Der Ziegelhäuser Schulrektor Reinhard Hoppe (1898–1974) hat sich als örtlicher Heimatforscher sehr verdient gemacht. Nach ihm ist eine Straße benannt.

Söhne und Töchter von Ziegelhausen[Bearbeiten]

  • Der Geologe und Paläontologe Heinrich Georg Bronn (1800–1862) stammt aus einer Ziegelhäuser Försterfamilie. Die Straße Förster-Bronn-Weg ist nach dieser Familie benannt.
  • Hermann Remmele (1880–1939), Politiker (SPD, USPD, KPD), Reichstagsabgeordneter
  • Ursel Brunner (* 1941), Schwimmerin
  • Udo Kraus, SPD-Politiker, MdL

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Ortsartikel zu Ziegelhausen in: Staatl. Archivverwaltung Baden-Württemberg in Verbindung mit d. Städten u.d. Landkreisen Heidelberg u. Mannheim (Hrsg.): Die Stadt- und die Landkreise Heidelberg und Mannheim: Amtliche Kreisbeschreibung. Band 3: Die Stadt Heidelberg und die Gemeinden des Landkreises Heidelberg, S. 1050–1072, Karlsruhe 1968.
  • Reinhard Hoppe: 750 Jahre Ziegelhausen. Heidelberger Verlagsanstalt, 1970
  • Reinhard Hoppe: Die Flurnamen von Ziegelhausen. Carl Winter Universitätsverlag, 1956
  • Karl Christ: Chronik von Ziegelhausen und dem Zentwald. 1923
  • Reinhard Hoppe: Dorfbuch Ziegelhausen. 1940
  • Harald Pfeiffer: Johannes Brahms in Heidelberg und Ziegelhausen. Zum 175. Geburtstag des Komponisten. Engelsdorfer Verlag, 2008, ISBN 978-3-86703-757-0
  •  Hans Gercke: Kirchen in Heidelberg. 1. Auflage. Schnell und Steiner, Regensburg 2011, ISBN 978-3-7954-2413-8, S. 100–102.

Online veröffentlichte Beiträge des Stadtteilvereins Ziegelhausen und Peterstal e.V.[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heidelberg-Ziegelhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien