Zieste

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Zieste
Wald-Ziest (Stachys sylvatica L.)

Wald-Ziest (Stachys sylvatica L.)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Lamioideae
Tribus: Stachydeae
Gattung: Zieste
Wissenschaftlicher Name
Stachys
L.

Zieste (Stachys) sind eine Pflanzengattung aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Die 300 Arten sind fast weltweit verbreitet.

Beschreibung[Bearbeiten]

Stachys-Arten sind meist aufrechte, einjährige oder ausdauernde krautige Pflanzen, selten auch Halbsträucher oder kleine Sträucher. Manchmal werden Rhizome als Überdauerungsorgane gebildet.

In dichten Scheinquirlen, die in den Achseln von hochblattartigen Laubblattpaaren stehen, sind die Blüten angeordnet. Der Blütenstand ist jedoch nicht besonders vom belaubten Stängel abgesetzt. Es handelt sich um typische Blüten der Lippenblütler. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelten Perianth. Die fünf grünen Kelchblätter sind röhrig bis glockenförmig verwachsen. Die Farbe der Blütenkronblätter ist unterschiedlich, je nach Art rötlich, rosa, gelb oder weiß. Ober- und Unterlippe sind stets vorhanden. Die Oberlippe ist mehr oder weniger flach, jedenfalls nicht stark ausgehöhlt. Die vier Staubblätter ragen aus der Kronröhre heraus, überragen jedoch nicht die Oberlippe. Das einzige abweichende Blütenmerkmal ist, dass die Staubblätter, zumindest die beiden äußeren, spätestens gegen Ende der Blütezeit gedreht und nach außen gebogen sind.

Die Frucht zerfällt in dreikantige Klausen.

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten]

Etymologie[Bearbeiten]

Der deutsche Name Ziest ist ein märkisches Lehnwort aus dem Sorbischen. Die mit š anlautende Urform entstammt genauer direkt dem Oberwendischen čisćik. Der ts-Anlaut wurde durch den im Mittelmärkischen üblichen Wandel des (t)š in ts bei Lehnwörtern aus dem Wendischen geformt. Dieser Wandel findet sich auch im Niederwendischen cysć, sowie im tschechischen čistek, im polnischen czyściec und russischen Чистец.[1] Der Wissenschaftliche Name Stachys hingegen leitet sich aus dem Indogermanischen *stengh- oder *stngh- (= stechen) ab, aus dieser Wurzel entstammt auch das lateinische spica (= die Ähre).[2] Der Name bezieht sich auf die Scheinähren, die die Gattung ausbildet.

Taxonomie[Bearbeiten]

Der Gattungsname Stachys wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum[3] erstveröffentlicht. Typusart ist Stachys sylvatica. Synonyme für Stachys L. sind: Aspasia E.Mey. ex Pfeiff., Bonamya Neck., Eriostemum Steud., Eriostomum Hoffmanns. & Link, Galeopsis Hill nom. illeg. und Galeopsis Moench nom. illeg. non Galeopsis L., Lamiostachys Krestovsk., Menitskia (Krestovsk.) Krestovsk., Ortostachys Fourr., Stachyus St.-Lag., Tetrahitum Hoffmanns. & Link, Trixago Haller, Trixella Fourr., Zietenia Gled., Olisia Spach.[4]

Phylogenese[Bearbeiten]

Die Arten der Betonien (Betonica) werden von manchen Autoren als Teil der Gattung der Zieste (Stachys) behandelt, beispielsweise in der Flora Europaea.[5] Neuere molekularbiologische Untersuchungen haben gezeigt, dass die Betonien nur entfernt mit den Ziesten verwandt sind und nicht einmal in dieselbe Tribus Stachydeae gehören.[6][7] Diese Studien haben auch ergeben, dass die Gattung Stachys in der gegenwärtigen Umgrenzung nicht monophyletisch ist.

Arten und ihre Verbreitung[Bearbeiten]

Acker-Ziest (Stachys arvensis)
Woll-Ziest (Stachys byzantina)
Scharlach-Ziest (Stachys coccinea)
Korsischer Ziest (Stachys corsica)
Klebriger Ziest (Stachys glutinosa)
Sumpf-Ziest (Stachys palustris)
Aufrechter Ziest (Stachys recta)

Die Gattung Stachys ist mit rund 300 Arten auf der ganzen Welt mit Ausnahme Australiens und Neuseelands verbreitet. Verbreitungszentren sind das Mittelmeergebiet mit dem Nahen Osten sowie Südafrika und Chile. In Mitteleuropäische kommen beispielsweise Alpen-Ziest (Stachys alpina), Einjähriger Ziest (Stachys annua), Acker-Ziest (Stachys arvensis), Deutscher Ziest (Stachys germanica), Sumpf-Ziest, Schweinsrübe (Stachys palustris), Aufrechter Ziest (Stachys recta), Wald-Ziest (Stachys sylvatica) vor.[4]

Nicht mehr zu Gattung Stachys gerechnet wird:

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi, Arno Wörz (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 5: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklasse Asteridae): Buddlejaceae bis Caprifoliaceae, Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1996, ISBN 3-8001-3342-3, S. 180.
  • Xi-wen Li, Ian C. Hedge: Stachys. In:  Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 17: Verbenaceae through Solanaceae, Science Press/Missouri Botanical Garden Press, Beijing/St. Louis 1994, ISBN 0-915279-24-X, S. 178 (online). (Abschnitte Beschreibung und Systematik)
  • P. W. Ball: Stachys L. In:  T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 3: Diapensiaceae to Myoporaceae, Cambridge University Press, Cambridge 1972, ISBN 0-521-08489-X, S. 151–157 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  •  Werner Greuter, Hervé-Maurice Burdet, Guy Long (Hrsg.): Med-Checklist. A critical inventory of vascular plants of the circum-mediterranean countries. Vol. 3: Dicotyledones (Convolvulaceae – Labiatae), Conservatoire et Jardin Botanique, Genève 1986, ISBN 2-8277-0153-7, S. 354–366.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. dtv, München 1999, ISBN 3-423-59045-9, S. 1235 (Nachdruck der Erstausgabe 1854–1971).
  2.  Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3. Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7 (Nachdruck von 1996).
  3. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 580, Digitalisat
  4. a b c Datenblatt bei Euro+Med PlantBase.
  5. P. W. Ball: Stachys L. In:  T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 3: Diapensiaceae to Myoporaceae, Cambridge University Press, Cambridge 1972, ISBN 0-521-08489-X, S. 151–157 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  6. Anne-Cathrine Scheen, Mika Bendiksby, Olof Ryding, Cecilie Mathiesen, Victor A. Albert, Charlotte Lindqvist: Molecular phylogenetics, character evolution, and suprageneric classification of Lamioideae (Lamiaceae). In: Annals of the Missouri Botanical Garden. Band 97, Nr. 2, 2010, 191–217, DOI:10.3417/2007174, online.
  7. Yasaman Salmaki, Shahin Zarre, Olof Ryding, Charlotte Lindqvist, Christian Bräuchler, Günther Heubl, Janet Barber, Mika Bendiksby: Molecular phylogeny of tribe Stachydeae (Lamiaceae subfamily Lamioideae). In: Molecular Phylogenetics and Evolution. Band 69, Nr. 3, 2013, 535–551, doi:10.1016/j.ympev.2013.07.024.
  8. a b Stachys im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  9. a b c d e f g h i j k l m Xi-wen Li, Ian C. Hedge: Stachys. In:  Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 17: Verbenaceae through Solanaceae, Science Press/Missouri Botanical Garden Press, Beijing/St. Louis 1994, ISBN 0-915279-24-X, S. 178 (online).
  10. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag ah ai aj ak al am an ao ap aq ar as at au av aw R. Govaerts, A. Paton, Y. Harvey, T. Navarro, M. del Rosario García Peña: World Checklist of Lamiaceae. Stachys. Royal Botanic Gardens, Kew 2013, Internet-Veröffentlichung, abgerufen am 20. März 2014.
  11. Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2. Arten und Sorten. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zieste (Stachys) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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