Zigarettenautomat

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Zigarettenautomat mit Geldscheinannahme und Ausweisleser

Ein Zigarettenautomat ist ein Verkaufsautomat für Zigaretten. Zigarettenautomaten sind häufig im öffentlichen Raum oder in Gaststätten aufgestellt. Die Bezahlung der ausgegebenen Tabakwaren in handelsüblichen Zigarettenpackungen erfolgt mittels Bargeld, meist Münzen, oder per Geldkarte. Dabei verfügen mittlerweile nahezu alle Zigarettenautomaten über die Möglichkeit bargeldlos zu bezahlen.

Deutschland[Bearbeiten]

Zigarettenautomat mit Hinweis auf GeldKarte-System
Vorrichtung an einem Zigarettenautomaten zur Freischaltung über den Personalausweis/EU-Führerschein.

In Deutschland werden 360.000 Zigarettenautomaten betrieben[1]. Durch die Änderung des Jugendschutzgesetzes – hier gilt seit dem 1. September 2007 ein Abgabeverbot von Tabakwaren an Jugendliche unter 18 Jahren – mussten alle Automaten auf eine Technik umgerüstet werden, die die Einhaltung des Abgabeverbots garantiert. Die Automatenindustrie setzt hierbei in erster Linie auf das Jugendschutzmerkmal der Geldkarte. Hierbei wird eine im Chip der Karte gespeicherte Altersinformation elektronisch ausgelesen. Eine andere Möglichkeit der Altersüberprüfung stellt an vielen Automaten das Duchziehen des EU-Führerscheins oder des Personalausweises dar. Dabei erfolgt eine Echtheitsprüfung anhand optischer Merkmale des Ausweisdokumentes. Zur Alterskontrolle wird das Geburtsdatum ausgewertet. Für die Umstellung der Automaten galt eine Übergangsfrist bis zum 31. Dezember 2006. Ungeklärt bleibt jedoch die Kontrolle über den freien Verkauf an Tankstellen, Kiosken. Inzwischen ist das Rauchen in Deutschland in der Öffentlichkeit erst ab 18 Jahren erlaubt. Bis zum 31. Dezember 2008 konnten Jugendliche über 16 Jahren ihre Zigaretten übergangsweise von Zigarettenautomaten kaufen.

Aufgestellt und betrieben werden Zigarettenautomaten meist durch spezialisierte Unternehmen, so genannte Automatenaufsteller oder Zigarettengroßhändler. Die Inhaber der Aufstellfläche (Haus- bzw. Grundstücksbesitzer, Gastronomen) erhalten eine Provision, die sich an der Zahl der verkauften Zigaretten bemisst.

Das Aufstellen eines Zigarettenautomaten gilt in Deutschland als Antragsstellung bei einem rechtsverbindlichen Kaufvertrag. Das heißt, dass das Einwerfen von Geld oder das Bezahlen per GeldKarte eine Antragsannahme darstellt.

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich gibt es Zigarettenautomaten sowohl in Gaststätten als auch auf der Straße, meist vor Tabaktrafiken. Die Packungsgrößen sind dieselbigen wie auch in den Trafiken. Der Preis ist bei den Automaten, die von Trafikanten betrieben werden, derselbige wie in den Tabaktrafiken (in Lokalen werden 10 % bis 20 % auf den Verkaufspreis aufgeschlagen). Die Bezahlung erfolgt mit Münzen und, insbesondere nach der Währungsumstellung vom Schilling auf Euro im Jahr 2002, auch vermehrt Scheinen, wobei das Rückgeld in Münzen ausbezahlt wird. Die Zahlung per SMS über Paybox ist bei vielen Automaten möglich. Bei Zahlung mit einem 10-€-Schein besteht meist ein Kaufzwang von zwei Packungen.

Automaten, bei denen man seinen Bedarf an Zigarren und Zigaretten außerhalb der Öffnungszeiten der Trafiken decken konnte, sind in Österreich schon seit mehr als 100 Jahren im Einsatz. Im Jahre 1900 haben mehrere österreichische Städte dem Fürsten Wrede und Consortium die Bewilligung erteilt, seine Automaten auf öffentlichem Grund zur Aufstellung zu bringen.[2] Seit 1. Januar 2007 muss man sich beim Kauf an Zigarettenautomaten als über-16-jährig ausweisen. Dies geschieht entweder mit einer Bankomatkarte, die in den Quickschacht gesteckt wird, oder per SMS über Paybox. Es gelten nur österreichische Bankkarten, was Touristen zunehmend verbittert. Weiters müssen es bankomatfähige Bankkarten sein.

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz findet man Zigarettenautomaten in den meisten Gaststätten. Tabakpapier und Feuerzeuge kann an letzteren Automaten auch bezogen werden. Außerdem konnte man bis 2007 Zigaretten aus Snackautomaten (sog. Selecta-Automaten) beziehen, die häufig entweder an Bahnhöfen oder, falls die Ortschaft keinen Bahnhof hat, an zentralen Lagen in diesen Ortschaften zu finden sind. Hier war die Auswahl jedoch meist auf zwei bis drei Marken beschränkt.

In mehreren Kantonen gibt es Gesetze, die den Verkauf von Tabak an Unter-16- oder Unter-18-Jährige (je nach Kanton) verbieten. Darin eingeschlossen ist auch der Verkauf durch Automaten, falls diese über kein System zur Alterskontrolle verfügen. Allerdings gibt es Übergangsfristen für die Umstellung der Automaten.

Italien[Bearbeiten]

Normalerweise werden Zigaretten in Läden verkauft, die eine Lizenz für „Sali e Tabacchi“ besitzen. Vor diesen Geschäften befindet sich häufig ein Automat, der Zigaretten, Blättchen und Feuerzeuge verkauft, wenn der Laden geschlossen ist. Mittlerweile finden sich auch vereinzelte Zigarettenautomaten. Seit einiger Zeit aber dürfen diese Automaten nur mehr von 22.00 Uhr abends bis 7 Uhr morgens betrieben werden.

Japan[Bearbeiten]

Zigarettenautomat mit Werbepersonal in Tokio

In Japan gibt es etwa 5,5 Millionen Zigarettenautomaten in Gaststätten und dem Freien, die einen Umsatz von etwa 44 Milliarden Euro jährlich ausmachen. Früher das Stadtbild prägende kleine Tabakhändler, die ihren Verkauf auf die gängigsten Marken beschränkten und nur über sehr wenig Platz verfügten, haben oft ihre Durchreiche durch Zigarettenautomaten ersetzt. Japanische Zigarettenautomaten bieten besondere Eigenschaften wie Akzeptanz von Scheinen, Wechselgeld-Ausgabe, digitalen Anzeigen für Leerfächer und dekorative Ausleuchtung.

Öffentlich zugängliche Zigarettenautomaten geben zwecks Jugendschutz nachts von 23 bis 6 Uhr keine Zigaretten aus. Zudem wurden ab Juli 2008 vorläufig 570.000 der Zigarettenautomaten in einem Pilotprojekt mit einer Technik ausgestattet, die per Digitalkamera Gesichter potenzieller Kunden auf Altersmerkmale wie faltige Haut untersucht und dazu das Gesicht des Käufers mit einer Datenbank von über 100.000 Menschen abgleicht. Die Herstellerfirma Fujitaka ging davon aus, dass ihr System 90 Prozent der Personen richtig zuordnen kann. Fehlfunktionen kann es jedoch bei sehr jung aussehenden Erwachsenen und sehr alt aussehenden Jugendlichen geben. Aufgrund dessen wurden fast alle japanischen Zigarettenautomaten erneut umgerüstet, sodass dort der Erwerb von Tabakwaren nun nur noch durch eine besondere, das Alter bestätigende sogenannte "Taspo-Card" möglich ist, die man erst mit Erreichen der Volljährigkeit, also ab 20 Jahren, beantragen kann.

Vereinigtes Königreich[Bearbeiten]

Seit dem 1. Oktober 2011 ist der Verkauf von Tabakwaren über Automaten im Vereinigten Königreich gesetzlich verboten, da jährlich bis zu 35 Millionen Zigaretten über Zigarettenautomaten illegal an Minderjährige verkauft wurden. Zuwiderhandlungen werden mit Strafen von bis zu 2.500 Pfund (etwa 2.990 Euro) verfolgt.

In Nordirland und Wales gilt das Verbot seit 1. Februar 2012, in Schottland wurde die Einführung aufgrund einer anhängigen Klage verschoben. Ab dem 1. April 2012 ist auch die Werbung für Tabakwaren und deren freier Verkauf in Supermärkten unter Strafe gestellt.[3][4]

Andere Länder[Bearbeiten]

In vielen Ländern gibt es keine oder nur wenige öffentlich frei zugängliche Zigarettenautomaten. Gründe dafür sind meist gesetzliche Regelungen. So gibt es in Frankreich, Spanien (Mallorca) zwar Zigarettenautomaten, jedoch ausschließlich in Bars, in denen Jugendliche unter 18 Jahren keinen Zutritt haben.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zigarettenautomat – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.bdta.de/index.php?page_id=3
  2. Innsbrucker Nachrichten, 18. Juli 1900, Nr. 162, S. 4
  3. England verbietet Zigarettenautomaten. Handelsblatt vom 1. Oktober 2011. Abgerufen am 29. März 2012.
  4. Scotland tobacco display ban to be delayed. BBC am 15. Januar 2012. Abgerufen am 30. März 2012.