Zigeuner
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Als Zigeuner werden seit dem 15. Jahrhundert die aus Indien zugewanderten Gruppen der Roma (einschließlich der Sinti) bezeichnet, in der weiteren Bedeutung auch andere Fahrende. Im deutschen Sprachraum war der Ausdruck „Zigeuner“ im 18. und 19. Jahrhundert ein polizeilicher Ordnungsbegriff, der seit dem 19. Jahrhundert zunehmend ethnisch umgeprägt wurde. Neben der diskriminierenden entwickelte sich seit dem 19. Jahrhundert auch eine romantisch verklärende Sicht auf „Zigeuner“ und deren Kultur.
Die Zigeunerverfolgung im Nationalsozialismus erfasste unter dem Begriff „Zigeuner“ außer „stammechten Zigeunern“ auch die von NS-"Rassenforschung" so genannten und mit besonderer Härte verfolgten „Zigeunermischlinge“, die aus einer "rassischen Durchmischung" von Roma- und Nicht-Roma entstammen und den Hauptanteil der „Zigeuner“, nämlich bis zu 90 % der damaligen Roma ausmachen würden. Von "Zigeunern" unterschieden wurden „nach Zigeunerart umherziehende Landfahrer“, also Bevölkerungsgruppen, wie sie mit einem im 18. Jahrhundert aufgekommenen Ausdruck oft als Jenische bezeichnet werden.
„Zigeuner“ und unter ihnen insbesondere die große Gruppe des als "rassisch" nicht in die Volksgemeinschaft integrierbar geltenden Teils der „Zigeunermischlinge“ waren im Nationalsozialismus Opfer systematischer, rassisch und sozialhygienisch begründeter Vernichtungspolitik (siehe Porajmos), während sonstige „Fahrende“ zwar nicht zur Vernichtung vorgesehen waren, aber als „Asoziale“ mit sozialhygienischer oder eugenischer Begründung in Arbeitslagern interniert, zwangssterilisiert und in großer Zahl ebenfalls ermordet wurden.
Weil das Wort „Zigeuner“ aufgrund seiner langen Geschichte als Fremdbezeichnung (Exonym) mit ebenso stabilen wie negativen Konnotationen und rassistischen Stereotypen behaftet ist, wird es heute im medialen, offiziösen und offiziellen Sprachgebrauch meist nicht mehr für die Bezeichnung von Bevölkerungsgruppen verwendet, sondern durch die Bezeichnung „Sinti und Roma“ oder in fachsprachlichen Zusammenhängen durch den die Sinti einschließenden Oberbegriff „Roma“ ersetzt, wobei solche Bezeichnungen ohne weitere Zusätze nur noch die herkömmlich im engeren Sinn als „Zigeuner“ bezeichneten Gruppen und Personen umfassen, mit der ursprünglichen Extension dieses Begriffs also nicht mehr identisch sind. Die Vermeidung des Begriffs ist bei den Betroffenen und ihren Verbänden allerdings nicht unumstritten. In Deutschland lehnt der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma die Bezeichnung „Zigeuner“ wegen ihrer ideologischen Belastung ab, während die (allerdings wenig repräsentative Sinti Allianz Deutschland) sich für einen wertneutralen Weitergebrauch ausspricht. Der Jenische Bund in Deutschland und Europa befürwortet die dreigliedrige Bezeichnung „Sinti, Roma und Jenische“. Wesentliches Motiv dieser Reihung ist die unzutreffende opferpolitische Behauptung einer NS-Verfolgung von Jenischen, die der von Sinti und Roma gleichzusetzen sei, wenn sie sie nicht sogar übertreffe.[1]
Inhaltsverzeichnis |
Der Begriff „Zigeuner“
Etymologie
Das Wort Zigeuner ist eine Fremdbezeichnung, die im Deutschen wahrscheinlich aus dem Ungarischen (cigány) entlehnt ist und in ähnlicher Form in den meisten europäischen Sprachen vorkommt, so französisch Tsigane, italienisch Zingaro, spanisch Cingaro, portugiesisch Cigano, Rumänisch Ţigan, Skandinavien (zum Beispiel schwedisch) zigenare, russisch Цыган (Zygan), tschechisch Cikáni, polnisch Cygan, bulgarisch Циганин (Ziganin), Serbisch und Kroatisch Cigani, griechisch τσιγγάνος (tsingános) und türkisch Çingene, ferner neulateinisch ciganus, tiganus, ziganus und ähnliche Formen, in einem der ältesten lateinischen Belege auf deutschem Gebiet auch secanus.[2]
Die genaue Herkunft dieses insofern gemeineuropäischen Namens ist nicht sicher. In der Regel wird als gemeinsame Wurzel das griechische Wort atsinganoi angenommen, das eine der im byzantinischen Schrifttum üblichen Bezeichnungen für „Zigeuner“ war. Es ist erstmals belegt in einer um 1168 auf dem Berg Athos entstandenen georgischen Quelle (dort in der Form adsincani), und zwar als Bezeichnung für eine Gruppe von Zauberern und Wahrsagern, die sich um 1150 am Hof von Konstantin Monomachos aufhielt und beschrieben wird als Samaritaner und Nachfahren von Simon Magus.[3] Das Wort atsinganoi ist wahrscheinlich eine korrumpierte Form von athinganoi, was der Name der im 9. Jahrhundert bezeugten gnostischen Sekte der Athinganen oder Athinganer war, seit dem 12. oder 13. Jahrhundert aber ebenfalls im Sinne von „Zigeuner“ verwendet wurde, so zuerst mit noch fraglichem Bezug bei Theodoros Balsamon († nach 1195) für Schlangenbeschwörer und Wahrsager,[4] und dann mit eindeutigem Bezug auf „Zigeuner“ ('o toùs kaì Aìgyptíous kaì Athingánous, s.u.) bei Gregorios II. Kyprios (1283–1289 Patriarch von Konstantinopel).[5] Ob auch die Belege des 11. und 12. Jahrhunderts schon die Anwesenheit von Roma in Byzanz bezeugen oder aber auf Wahrsager anderer Provenienz zu beziehen sind, wird dabei in der Forschung kontrovers diskutiert.
Alternativ wurden auch Herleitungen von persisch Ciganch (Musiker, Tänzer), von persisch asinkan (Schmiede) oder von einem kiptschakischen Wort mit der Bedeutung „arm, mittellos“ [6] vorgeschlagen.
Speziell im Deutschen wurde Zigeuner volksetymologisch und fälschlich als „Zieh-Gäuner“, also „(umher-)ziehende Gauner“ umgedeutet, was mit ein Grund dafür ist, dass die Bezeichnung heute vielfach als negativ belastet abgelehnt wird.
Weitere Fremdbezeichnungen
Ein weiterer Name, der in einigen Sprachen Europas auftritt, wird aus der Bezeichnung für „Ägypter“ hergeleitet, so spanisch Gitano, französisch Gitan, englisch Gypsy, griechisch γύφτος (gyftos) und albanisch magjup. Auch hier steht im Hintergrund byzantinischer Sprachgebrauch seit Gregorios II. Kyprios, bei dem von Steuern die Rede ist, die von „Ägyptern und Athinganern“ einzuziehen sind ('o toùs kaì Aìgyptíous kaì Athingánous).[7]
Die Annahme einer ägyptischen Herkunft, die bis zum endgültigen sprachlichen Nachweis der indischen Herkunft der Roma bis ins 19. Jahrhundert eine der am häufigsten vertretenen Hypothesen war, machten sich im 15. Jahrhundert einige Gruppen von Zigeunern in Deutschland zunutze, um sich als angebliche ägyptische Pilger Almosen und Schutz vor Übergriffen zu verschaffen. Hierbei gaben sie zum Teil an, als Bußprediger für die Sünden ihrer Vorfahren auf Wanderschaft zu sein, die der Heiligen Familie während ihrer Flucht nach Ägypten Hilfe verweigert hätten.[8]
Sowohl in Norddeutschland als auch in skandinavischen Sprachen und in dem früheren rumänischen Sprachraum findet sich auch die Bezeichnung Tatern oder Tattare (rum. „tărtari“ oder „tătăraşi“) , die eigentlich die Tataren meint. Auch der Begriff Heidenen oder Heider (also „Heiden“) wurde historisch für die Zigeuner verwendet.[9] In Theodor Storms Werk „Der Schimmelreiter“ wurden die Zigeunerjungen, die von den einheimischen Nordfriesen geopfert werden sollten, als Slowaken bezeichnet.
Das Finnische verwendet den Begriff mustalainen (von finn. musta, „schwarz“).
Eine weitere Bezeichnung für die Zigeuner im Französischen und Spanischen ist bohèmiens bzw. bohemios („Böhmen, Böhmische“), dessen Bedeutung sich allerdings mit der Zeit auf das mittellose Künstlertum, die Bohème ausgeweitet hat.
Verwendung der Fremdbezeichnungen heute
Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma sieht „Zigeuner“ im deutschen Sprachgebrauch als Schimpfwort, während es die Sinti Allianz Deutschland als neutrale Bezeichnung aller ziganischen Völker sieht und auch als Selbstbezeichnung verwendet. Ein Argument des Zentralrats ist die Verwendung des Wortes „Zigeuner“ durch die Nationalsozialisten beim Porajmos genannten Völkermord an verschiedenen Zigeunergruppen. Anlässlich des Anfang September 2008 in Freising durchgeführten Weltkongresses der „Katholischen Zigeunerseelsorge“ protestierte der Zentralrat gegen die Beibehaltung des Begriffs „Zigeuner“ durch die katholische Kirche und deren Haltung gegenüber Sinti und Roma.[10] Norbert Trelle, Bischof von Hildesheim erklärte daraufhin, die katholische Kirche wolle gerade deshalb weiter von „Zigeunern“ sprechen, weil das Wort durch jahrhundertealte Vorurteile besudelt und die Nazi-Verbrechen missbraucht worden sei. So solle dem Begriff seine Würde und Bedeutung zurückgegeben werden.[11]
Im deutschen Sprachraum wird teilweise die Bezeichnung Zigeuner bevorzugt. Grund sei, dass dieser Begriff in allen Sprachen die Gesamtheit aller Stämme bezeichnet, während die in Deutschland in Medien und Politik verwendete Bezeichnung Sinti und Roma andere Zigeunergruppen wie etwa die Manouches, Kalé und die Jenischen nicht einschließe und damit wiederum selbst diskriminierend sei.[12]
Im französischen Sprachraum ist die Bezeichnung Gitans (vornehmlich für südfranzösische und spanische Zigeuner) und im englischen Sprachraum Gypsies wesentlich weniger umstritten und belastet als die deutsche Entsprechung (siehe den Namen der französischen Zigarettenmarke „Gitanes“).
In Rumänien ist die dem Ausdruck Zigeuner verwandte Bezeichnung Ţigan als Selbstbezeichnung der Volksgruppe verbreitet, eine politische Partei nennt sich entsprechend „Partidul Ţiganilor din Romania“. Allerdings wird auch in Rumänien der Begriff inzwischen vermehrt als diskriminierend empfunden und seit den 1990er Jahren zunehmend durch die Bezeichnung Rromi abgelöst. Unter den Roma selbst ist aber keiner der beiden Begriffe unumstritten. In Medien, Verwaltung und Politik überwiegt heute die Bezeichnung Rromi, während in der rumänischen Umgangssprache nach wie vor das tradierte Ţigan üblich ist, häufig mit pejorativer Konnotation.
Mit dem Begriff Zigeuner bezeichnete Volksgruppen
Roma, Sinti und Jenische sind die hauptsächlichen Bevölkerungsgruppen, die im deutschen Sprachraum als Zigeuner bezeichnet wurden und teilweise auch noch werden und während des Nationalsozialismus als „Zigeuner“ bzw. „Zigeuner-Mischlinge“ verfolgt wurden (siehe Zigeunerverfolgung).
Die Sinti und Roma stammen ursprünglich aus dem indischen Raum und sind im 14. und 15. Jahrhundert über Nordafrika und den Balkan nach Europa eingewandert, wohingegen für andere den Zigeunern zugerechnete Gruppen wie die Jenischen europäische Wurzeln vermutet werden.
Entgegen gängigen Auffassungen über das sogenannte „Zigeunerleben“, ist ein Großteil von ihnen bereits seit Generationen sesshaft oder halbsesshaft. Vor allem in Westeuropa leben sie in der Regel eher unauffällig. Manche der Volksgruppen reisen jedoch noch heute in Wohnwagen durch Westeuropa.
- Roma ist die internationale Selbstbezeichnung für die Gesamtheit aller Volksgruppen, die Romani sprechen, und das offizielle Synonym für Zigeuner (dann einschließlich ethnisch verwandter Gruppen wie Sinti und Kalé und nur sozial verwandte Gruppen wie die Jenischen, Tinkers usw.). In Deutschland gilt heute „Sinti und Roma“ als offizielle Bezeichnung (siehe Zentralrat Deutscher Sinti und Roma).
- Sinti sind eine den Roma zugerechnete Volksgruppe, die sich schon seit dem Ende des Mittelalters im westeuropäischen Raum aufhält und sich heute zum Teil als eigenes, von den Roma zu trennendes Volk versteht;
- Jerli sind eine Volksgruppe, die vorwiegend in Weißrussland, Lettland, Estland, Nordlitauen, Moldawien, in der Ukraine und im äußersten Westen Russlands lebt;
- Kalé sind eine in Spanien, Teilen Süd-Frankreichs und Finnland lebende Gruppe der Roma;
- Kalderasch sind eine vor allem in Osteuropa lebende Gruppe der Roma, die sich auf das Handwerk des Kupferschmiedens spezialisiert haben;
- Lovara (auch: Lowara) sind eine Gruppe der Roma;
- Lalleri sind eine vorwiegend in Österreich und Staaten des ehemaligen habsburgischen Machtbereichs wie Tschechien, Slowakei, usw. lebende Gruppe der Roma;
- Manouches sind eine vorwiegend in Frankreich lebende Gruppe der Roma.
- Nicht den Roma zugehörige Gruppen
- Jenische, manchmal auch als „weiße Zigeuner“ bezeichnet, sind die den Roma nur sozial vergleichbaren, ihnen aber ethnisch nicht zugehörigen Gruppen von in der Regel seit mehreren Generationen Fahrenden, Halbsesshaften oder von deren sesshaft gewordenen Nachfahren in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Frankreich und den Beneluxländern. Ihre Sprache, das Jenische, ist ein in verschiedenen regionalen Dialekten ausgeprägtes Rotwelsch, das auf dem Deutschen bzw. einem seiner Dialekte basiert und Wortschatzanteile aus Romani, Westjiddisch und anderen, besonders romanischen, Kontaktsprachen enthält.
- Die Pavee (irische Traveller oder Itinerants, häufig unter der Fremdbezeichnung Tinkers) sind die sozial mit den Jenischen vergleichbare Volksgruppe in Irland, Großbritannien und den USA.
- Die Quinqui sind eine den Jenischen soziologisch vergleichbare Volksgruppe in Spanien.
Siehe auch: Dom (Ethnie).
Interessenverbände in Deutschland und Europa
Diese Bevölkerungsgruppen werden in Deutschland politisch und gesellschaftlich vor allem vertreten durch:
- den Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, der die Bezeichnung als „Zigeuner“ als diskriminierend ablehnt.
- die Sinti Allianz Deutschland, die „Zigeuner“ als Selbstbezeichnung akzeptiert.
- den Jenischen Bund in Deutschland e.V.
Auf europäischer Ebene fungieren Vereinigungen und Organe wie
- Europäisches Roma und Traveller Forum
- Rroma Foundation
- Verein schäft qwant (www.jenisch.info)
als Zusammenschlüsse nationaler und/oder völkerspezifischen Gruppen und Vertretung in supranationalen Organisationen.
Antiziganismus im 16. bis 18. Jahrhundert
Bis zum 15. Jahrhundert waren Sinti noch keinen Verfolgungen ausgesetzt. Einige Landesfürsten und Städte stellten ihnen Geleitbriefe aus. Einem „Hertzog Andreas von der kleinen Egipten“ verbriefte die Stadt Colmar 1422 das Recht, sich mit seiner „Gesellschaft“ eine Zeit lang in der Stadt aufzuhalten und dort um Almosen zu bitten.[13]
Kurz zuvor hatte König Sigismund (noch vor seiner Kaiserkrönung) seinem getreuen „Woiwoden Ladislaus und [den] Zigeuner[n], welche ihm untertan sind“, gestattet, im Land herumzureisen und sogar eine eigene Gerichtsbarkeit auszuüben.
Doch 1456 fasste Johann Hartlieb in seinem „Buch aller verbotenen Kunst“ ein gängiges Vorurteil zusammen und warf den Sinti „manigerlay zaubrey“ vor, mit der sie „die lewt vmb gelt pringent“.[14]
Ein Einschnitt kam 1498: Auf dem Freiburger Reichstag erklärten Reichsfürsten und Reichsbischöfe die Sinti als Spione der Türken und Feinde der Christenheit für vogelfrei. „Diese Vogelfrei-Erklärung ist beispiellos in der deutschen Rechtsgeschichte. Maßgebend dafür war die Angst vor den Türken, die am Ausgang des 15. Jahrhunderts geradezu hysterisch anmutende Ausmaße annahm.“ [15] Die Landesfürsten erließen „Zigeunergesetze“ und untersagten den Sinti den Aufenthalt in ihren Ländern bei Androhung von Prügel, Brandmarken und Hängen.
Albert Krantz sammelte in seiner 1520 erschienenen „Sachsenchronik“ besonders soziale Vorurteile. So würden Diebstähle geschlechtsspezifisch „vor allem vom Weibervolck begangen, die auf diese Weise ihre Männer ernährten“.[16]
Sebastian Münster prägte mit seinen 1550 veröffentlichten Mappa Europaea, einem der erfolgreichsten Bücher des 16. Jahrhunderts, das Zigeunerbild entscheidend. Er ergänzt den verbreiteten Antiziganismus um dem religiösen Aspekt, weil die Zigeuner früher einmal vom christlichen Glauben abgefallen wären, sei ihnen als „Buß auffgesetzt, daß sie [...] solten im Elend umbherziehen“.[17]
Jakob Thomasius spitzte mit seinem Curiösem Tractat von Zigeunern (1671 lateinisch, 1702 deutsch)[18] die religiöse Verurteilung an diesen heidnischen Götzendienern in Anlehnung an die Legende vom Ewigen Juden weiter zu. Und er verbreitete den Vorwurf, Zigeuner würden kleine Kinder rauben, ihnen dann zur Tarnung „ein schwarze Farbe anstreichen“ und die so „bestrichnenen Kinder an die Sonne legen (...), damit die Schwärze sich recht tief einlege“.[19]
In der frühen Neuzeit galten die Sinti, die durch ihr erzwungenes Herumfahren gegen die protestantische Arbeitsethik verstießen, als verantwortlich für Krankheiten und Katastrophen.
Versuche von Aufklärern wie Christian Wilhelm von Dohm und Johann Rüdiger, Zigeuner endlich vorurteilsfrei zu sehen und ihnen zu helfen sesshaft zu werden, verhinderte maßgeblich der Göttinger Historiker Heinrich Moritz Gottlieb Grellmann (1756-1804). In seinem Buch Die Zigeuner. Ein historischer Versuch über die Lebensart und Verfassung, Sitten und Schicksale dieses Volkes in Europa, nebst ihrem Ursprunge (Dessau/Leipzig 1783) widerlegte er, dass die Zigeuner aus Ägypten stammen sollen. Grellmann beschrieb die Zigeuner als minderwertiges, weil orientalisches Volk, dem „Eigenschaften“ wie Faulheit, mangelnde Körperhygiene, die Neigung zum Diebstahl wie die besonders große sexuelle Aktivität gleichsam „angeboren“ seien. Er überwand den religiösen und auf Aberglauben beruhenden Antiziganismus und wandte als erster den Rassegedanken auf die Zigeuner an. Damit wurden für das ganze 19. Jahrhundert die antiziganistischen Vorurteile in wissenschaftliche Erkenntnis über die Zigeuner transformiert.[20] Sein Werk war außerdem die Grundlage für gewaltsame Erziehungs- und Ansiedlungmaßnahmen in Österreich unter Maria Theresia und Josef II. (Solms, s. Quellen).
Zigeuner in der europäischen Kunst
Zigeuner fanden unter diesem Namen spätestens seit dem 17. Jahrhundert zahlreich Eingang in die europäische Kunst. Was die Musik betrifft, haben die Zigeuner zweier Länder mit einem besonders präsenten Anteil ziganischer Bevölkerung einen prägenden Eingang in die Kunst gefunden: die Zigeuner Spaniens und Ungarns.
Zigeuner in der Literatur
Bereits Miguel de Cervantes machte in seiner Novelle La gitanilla (dt. Das Zigeunermädchen, erschienen 1613) eine Zigeunerin zur Titelfigur. Diese frühe Schilderung wurde zum Vorbild für viele „schöne Zigeunerinnen“ der Literatur.
In der deutschen Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts erscheinen die Zigeuner zunächst als Wilde, Zauberer und Hexen. Erstmals ausführlich schildert Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen in seinen Romanen Zigeuner in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Sein Schelmenroman Trutz Simplex oder Lebensbeschreibung der Ertzbetrügerin und Landstörtzerin Courasche (ca. 1669) zeigt eine Zigeunerin, die „ihren ganzen liederlich geführten Lebenslauf an Tag gibt“,[21] nämlich als Offiziersliebchen, Dirne, Landstreicherin, Marketenderin u. a. und dabei ein Sittenbild des Dreißigjährigen Krieges aus Sicht einer Frau vermittelt.[22]
Als erstes Beispiel für die „Zigeunerromantik“ gilt die nächtliche Szene in einem Zigeunerlager in Goethes Götz von Berlichingen (1773).[23] Hier flüchtet sich die Titelfigur in ein Zigeunerlager, dessen Hauptmann Götz verbinden lässt, dann mit ihm gegen die Truppen Adelberts von Weislingen stürmt und dabei erschossen wird. Götz kommentiert die Hilfe der Zigeuner mit dem Satz „O Kaiser! Kaiser! Räuber beschützen deine Kinder. Die wilden Kerls, starr und treu.“[24]
Ein Beispiel für ein unter Zigeunern aufgewachsenes Kind, hier eine Italienerin, lieferte Goethe mit der Figur der Mignon in seinem Roman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ (1795/96), die besonders zahlreich bildende Kunst und Musik des 19. Jahrhunderts inspiriert hat.
Vor allem in der Zeit der Romantik, also etwa ab Beginn des 19. Jahrhunderts, fanden die Zigeuner zahlreich Eingang in die europäische Literatur. Die Idee vom freien, ortsungebundenen Leben außerhalb der sozialen Hierarchie sowie die vermeintliche sexuelle Freiheit der Zigeuner und die exotische Schönheit ihrer Frauen faszinierte die romantischen Künstler. Beispiele für erzählende Werke des 19. Jahrhunderts sind Цыганы (Cygany, dt. Die Zigeuner, 1824) von Alexander Sergejewitsch Puschkin, Notre Dame de Paris (dt. Der Glöckner von Notre-Dame, 1831) von Victor Hugo, der in der Figur der Esmeralda das Thema des unter Zigeunern aufgewachsenen Kindes wieder aufgreift, Prosper Mérimées Carmen (1847) und La Filleule (1853) von George Sand, die sich dem „Bohème-Leben“ so nah fühlte, dass sie über die vermeintliche Heimat Böhmen der Zigeuner forschte und mit einer eigenen ziganischen Herkunft kokettierte.[25] Karl May beschrieb 1875 einen als spanischen Zigeuner getarnten Regierungssoldaten in der Erzählung Der Gitano. Ein Abenteuer unter den Carlisten, in der er die Zigeuner und ihre Lebensweise ausgiebig und durchaus bewundernd schilderte.[26] In Bram Stokers weltbekanntem Schauerroman Dracula treten Zigeuner als unheimliche Komplizen des Grafen auf, die z.B. den Sarg, in dem dieser zu fliehen versucht, bewachen.
Auch in der Lyrik fanden die Zigeuner Eingang. Eines der berühmtesten Gedichte ist Nikolaus Lenaus Die drei Zigeuner von 1838,[27] das Bewunderung für die „gelassene“ Lebenshaltung eines geigenden, eines Pfeife rauchenden und eines schlafenden Zigeuners ausdrückt. Neben deutschen Gedichten kamen auch Übersetzungen spanischer und osteuropäischer Volksdichtung in Deutschland heraus. Den nachhaltigsten Einfluss hatten wohl die Übersetzungen Emanuel Geibels (Volkslieder und Romanzen der Spanier (1843), Spanisches Liederbuch (1852), Romanzero der Spanier und Portugiesen (1860) u. a.), die vor allem durch berühmte Vertonungen Verbreitung fanden. Auch in ostmitteleuropäischen Ländern wurden Zigeuner bedichtet, beispielsweise von den Ungarn Mihály Vörösmarty und Sándor Petőfi oder dem Tschechen Adolf Heyduk.
Zigeunerinnen in der Oper
1781 erschien in Wien eine Komische Oper Les Bohèmiens des Mozart-Zeitgenossen Anton Eberl. Seither waren besonders Zigeunerinnen Gegenstand von Opernkompositionen. Eine der ersten Zigeunerinnen einer heute noch gespielten Oper ist die Zaide in Gioacchino Rossinis Oper Il turco in Italia (1814), die als Wahrsagerin und Geliebte eines türkischen Prinzen bereits zwei der Klischees über die Zigeuner erfüllt. Die Zigeunerin Preciosa aus der oben erwähnten Novelle Cervantes' wurde in einer deutschen Bühnenbearbeitung des Stoffes durch Pius Alexander Wolff mit Musik Carl Maria von Webers 1821[28] auf die Bühne gebracht. Auch die zahlreichen folgenden Zigeuner der Opernbühne – allesamt Frauen – folgen einem Muster, das man als eine Kombination aus Leidenschaftlichkeit, fehlender sozialer Stellung und der daraus resultierenden Freiheit oder Rechtlosigkeit und magischen Ambitionen beschreiben kann. Es finden sich jedoch auch hier Findelkinder, die unter Zigeunern aufgewachsen sind, jedoch (wie sich im Laufe der Handlung herausstellt) in Wahrheit von „standesgemäßer Abkunft“ sind. Ein Beispiel hierfür ist die Titelfigur der äußerst erfolgreichen Oper The Bohemian Girl (dt. Das Böhmische Mädchen oder Die Zigeunerin, Text: Alfred Bunn nach dem Ballett La Gypsy) von Michael William Balfe, die 1839 in Paris zur Uraufführung kam.[29]
Weitere Beispiele für Zigeunerinnen finden sich in den Werken Gaetano Donizettis (La zingara, dt. Die Zigeunerin, 1822) und Giuseppe Verdis (Azucena in Il trovatore, 1853, Preziosilla in La forza del destino, 1862), sowie in Manuel de Fallas La vida breve (1905), dort als betrogene und unschuldig leidende Person.
Die berühmteste aller ziganischen Opernfiguren dürfte Bizets Carmen (1875) sein, die auf der Titelfigur von Prosper Mérimées Novelle beruht. Sie trug mehr noch als ihre Vorlage zum Mythos der leidenschaftlichen, bürgerliche Konventionen missachtenden (und dafür den Tod erleidenden) Zigeunerin bei. Die Carmen-Figur wurde in zahlreichen Bühnen-, Tanz- und Film-Bearbeitungen bis ins 20. Jahrhundert aufgegriffen und so einer der berühmtesten Frauentypen der neuzeitlichen Dramatik.
„Zigeunermusik“ in der Klassischen Musik
„[Die Zigeuner] … sind auch in Spanien wie in Ungarn die Träger und Bewahrer des ganzen Schatzes der Nationalmusik. In Ungarn hat der Zigeuner sich zur Fiedel und zum Zymbal gewendet, der spanische Gitano hat die Guitarre und das Tamburin adoptirt.“ [30]
Ungarische Zigeunermusik
Die ungarische Volksmusik wurde außerhalb Ungarns im 19. Jahrhundert weitgehend mit Zigeunermusik gleichgesetzt. Bereits 1489 sind ziganische Musikgruppen in Ungarn nachgewiesen,[31] virtuose Zigeunerkapellen in den Städten vor allem des späteren Österreich-Ungarn entstanden im 18. Jahrhundert und prägten das Bild von der ungarischen Musik. Diese Kapellen bestanden aus drei bis acht Musikern und waren zunächst Streichergruppen mit Solo-Violine und Hackbrett bzw. Cymbal, typische Instrumente dieser Musik, später kamen auch Klarinette und Blechblasinstrumente hinzu.[32] Die bekannteste Tanzform ist die des ungarischen Nationaltanzes Csárdás (von ungar. csárda – Wirtshaus).
Vor allem im damaligen Österreich lebende Komponisten komponierten Musik, die von diesen Zigeunerweisen inspiriert war. Franz Liszt verfasste ein eigentlich als Vorwort zu seinen Ungarischen Rhapsodien geplantes Buch Des Bohémiens et de leur musique en Hongrie, dt. Über die Zigeuner und ihre Musik in Ungarn, 1859), in dem er die Zigeunermusik zur Grundlage eines ungarischen musikalischen Nationalepos erhob.[33] Einige der bekanntesten ungarischen Zigeunerkompositionen stammen von Johannes Brahms (Ungarische Tänze, Zigeunerlieder opp. 103 und 112) und Johann Strauß, der in seiner Fledermaus (1874) einen der berühmtesten Kunst-Csárdás komponierte und mit dem Zigeunerbaron (1885) auch eine der ersten „Zigeuner“-Operetten schuf. Die Komponisten bedienten sich hierbei neben den Tanzrhythmen und typischen Instrumenten der ungarischen Musik vor allem osteuropäischer Tonleitern, besonders der „Zigeunermoll“ genannten, die einer harmonischen Moll-Tonleiter mit erhöhter 4. Stufe entspricht.
Auch zwei spanischstämmige Komponisten schrieben Werke die sich an ungarische Zigeunermusik anlehnen: Pablo de Sarasate mit seinen Zigeunerweisen op. 20 (1878), Maurice Ravel mit der Komposition Tzigane (1924), beides Werke für Violine und Orchester oder Klavier.
Komponisten der ungarischen Nationalen Schule bedienten sich ebenfalls solcher Zigeuner-Anklänge in ihren Werken, vor allem Ferenc Erkel, der Wegbereiter der nationalen ungarischen Kunstmusik. Erst die Komponisten und Volksliedforscher Zoltán Kodály und Béla Bartók, die zunächst auch das Zigeuner-Idiom für ihre Kompositionen verwandt hatten, „entdeckten“ später die Volksmusik der nicht ziganischen Ungarn für ihre Musik und bemühten sich, gegen die Gleichsetzung Ungarische Musik = Zigeunermusik zu kämpfen. Dennoch blieb dieses Klischee bis heute erhalten.
Osteuropäische Musik
Auch andere Komponisten des mittel- und osteuropäischen Raums nahmen Zigeuner-Anklänge aus ihren jeweiligen Heimatländern in ihre Werke auf. Als Beispiel sind zu nennen der Tscheche Antonín Dvořák (Cigánské melodie – Zigeunerweisen op. 55, 1880), der Rumäne George Enescu (Caprice Roumain,[34] (ab 1925) für Violine und Orchester, unvollendet), zwei Opern mit ziganischen Anklängen sind weiters Manru (1901) des Polen Ignacy Jan Paderewski[35] und Алеко (Aleko) (1892) des russischen Komponisten Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow nach Puschkins Zigeunern (s. o.).
Zigeunermusik in der Operette
Das im 19. Jahrhundert entstandene Klischee der Zigeunermusik wurde besonders in der österreichischen Operette populär. Einer der berühmtesten Kunst-Csárdás ist die Arie der Rosalinde aus dem 2. Akt von Johann Strauß' 1874 uraufgeführter Fledermaus, mit dem die maskierte Hauptfigur ihre ungarische Herkunft ‚beweist‘. Das ungarisch-zigeunerische Kolorit war in Österreich-Ungarn von besonderem Reiz – der erste etablierte Exotismus der österreichischen Operette kam aus dem eigenen Staat, eben der der Zigeuner. Strauß' zweites berühmtes Werk, Der Zigeunerbaron hat die Zigeuner bereits im Titel, doch die hier dargestellten Zigeuner (die Titelfigur ist ein ungarischer Baron, kein Zigeuner) sind nicht die aufbrausenden, freiheitsliebenden Außenseiter, wie sie in der Oper dargestellt wurden, sondern pittoreske Untertanen der k. u. k. Monarchie, gleichsam domestizierte Bohèmiens.[36] Dem Zigeunerbaron folgten viele Werke österreichischer und ungarischer Komponisten mit „Zigeunerklängen“, zu nennen sind Franz Lehár (Zigeunerliebe, 1910) Emmerich Kálmán (Der Zigeunerprimas, 1912, Die Csárdásfürstin, 1915, Gräfin Mariza, 1924), Paul Abraham (Viktoria und ihr Husar, 1930). Auch in der „internationalisierten“ Operette zwischen den Weltkriegen sind ungarisch-zigeunerische Figuren bzw. Musiken nicht selten, beispielsweise bei Robert Stolz. Auch im Nachkriegsschlager blieb das Zigeuner-Klischee erhalten, vgl. Alexandras Zigeunerjunge u.a.
Spanische „Zigeunermusik“
Der im 18. und 19. Jahrhundert in Andalusien entstandene Flamenco wird weithin als Zigeunermusik definiert, obwohl sich in ihm Einflüsse verschiedener Kulturen vereint haben. In der Musik der Romantik wurden spanische und Zigeunermusik nicht unterschieden, noch Bizet bediente sich in seiner Carmen für die Musik seiner ziganischen Hauptfigur allgemein Tanzformen aus dem hispanischen Kulturkreis (Seguidilla, Habanera). Auch die spanischen Komponisten des 19. Jahrhunderts bedienten sich der heimischen Folklore, jedoch ohne einen spezifischen Bezug auf ziganisch-andaluisische Musik. Erst im 20. Jahrhundert wurde der Flamenco Gegenstand klassischer Musik: Die Freunde Federico García Lorca und Manuel de Falla waren an der Schaffung einer spanischen Kunstmusik interessiert, die nationale Elemente zentral aufgreift. Solche Elemente fanden sie im Flamenco Andalusiens und bei den „Gitanos“. Fallas Oper La vida breve, komponiert 1904–13, spielt im Zigeunermilieu Granadas und greift Melismatik und Rhythmus des Flamencos auf. Für die Flamenco-Künstlerin Pastora Imperio schrieb er das Bühnenwerk El amor brujo, (dt. der Liebeszauber, untertitelt als Gitanería in einem Akt), das mit 15 Instrumenten begleitet ist und Liebesromanzen und einen Zauberschwur zeigt, mit dem eine verlassene Zigeunerin ihren Liebhaber zurückgewinnen will.[37]
Auch die klischeehafte Gleichsetzung der andalusischen Musik mit der der Zigeuner hält bis ins 21. Jahrhundert an.
Bildende Kunst
Der deutsche Maler Otto Pankok hat hauptsächlich in den 1930er-Jahren zahlreiche Porträts von mit ihm befreundeten Zigeunern geschaffen.
Literatur
- Alfred Dillmann: Zigeuner-Buch. Herausgegeben zum amtlichen Gebrauche im Auftrage des K. B. Staatsministeriums des Inneren vom Sicherheitsbureau der K. Polizeidirektion München, München 1905. (Digitalisat, PDF)
- Leo Lucassen: Zigeuner. Die Geschichte eines polizeilichen Ordnungsbegriffes in Deutschland. 1700–1945. Böhlau Verlag, Köln u. a. 1996, ISBN 3-412-05996-X.
- Anita Awosusi (Hrsg.): Stichwort: Zigeuner. Zur Stigmatisierung von Sinti und Roma in Lexika und Enzyklopädien. Wunderhorn Verlag, Heidelberg 1998 (= Schriftenreihe des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma, 8), ISBN 3-88423-141-3.
- Erich Hackl, Willy Puchner: Zugvögel seit jeher. Freude und Not spanischer Zigeuner. Herder, Wien 1987, ISBN 3-21024-848-6.
- Stefani Kugler: Kunst-Zigeuner. Konstruktionen des „Zigeuners“ in der deutschen Literatur der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wissenschaftlicher Verlag Trier, Trier 2004 (= Literatur, Imagination, Realität, 34), ISBN 3-88476-660-0. (zugl. Dissertation; Universität Trier 2003)
Quellen
Einzelnachweise
- ↑ Zur NS-Verfolgung: Michael Zimmermann, Rassenutopie und Genozid. Die nationalsozialistische "Lösung der Zigeunerfrage", Hamburg 1996. Auf der Seite des Jenischen Bundes steht eine Falschfassung des Auschwitz-Erlasses, die diese Behauptung stützen soll. Zur NS-Verfolgung Jenischer: die Dissertation von Andrew D'Arcangelis 2004 stellt Jenische als Gruppe in den Mittelpunkt einer diskursgeschichtlichen Darstellung zur „Asozialenfrage“, bearbeitet aber die Realgeschichte bis 1938 kaum und danach gar nicht. Die entscheidenden Quellen in der Phase der Vernichtungspolitik ignoriert sie: [1]. Kritisch dazu: [2].
- ↑ Belegt in Hermann Korners Chronica novella (hrsg. von Jakob Schwalm, Vandehoeck & Ruprecht 1895) als Latinisierung der Selbstbezeichnung einer Gruppe, die 1417 in Lübeck Aufsehen erregte und sich Secani nannte ("Sec(h)anos se nuncupantes"), in der mittelniederdeutschen Bearbeitung der sogenannten Rufus-Chronik dann eingedeutscht als Secanen ("unde nomeden sik de Secanen"), Karl Koppmann (Hrsg.), Die Chronikien der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert, XXVIII: Die Chroniken der niedersäschischen Städte – Lübeck, Band 3, Hirzel, Leipzig 1903, S. 108, Nr. 1285.
- ↑ David Marshall Lang: Lives and Legends of the Georgian Saints. London/New York 1956, S. 154
- ↑ George C. Soulis: The Gypsies in the Byzantine Empire and the Balkans in the Late Middle Ages, in: Dumbarton Oaks Papers 15 (1961), S. 141–165, 146–147, zitiert nach Angus M. Fraser: The Gypsies, Blackwell, Oxford (u.a.) 1995, S. 46–47
- ↑ Viorel Achim: The Roma in Romanian Historiy, Central European University Press, Bukarest (u.a.) 2004, S. 9
- ↑ Studia Etymologica Cracoviensia 7 (2002), S. 159–169
- ↑ V. Achim: The Roma in Romanian History, 2005, S. 9, vgl. A. M. Fraser: The Gypsies, 1995, S. 47f.
- ↑ Ines Köhler-Zülch, Die verweigerte Herberge: Die heilige Familie in Ägypten und andere Geschichten von „Zigeunern“ Selbstäusserungen oder Aussenbilder?, in: Jacqueline Giere (Hrsg.): Die gesellschaftliche Konstruktion des Zigeuners: zur Genese eines Vorurteils, Campus Verlag, Frankfurt am Main 1966 (= Wissenschaftliche Reihe des Fritz-Bauer-Instituts, 2), S. 46–86
- ↑ Stichwort „Zigeuner“ in Meyers Konversationslexikon von 1888
- ↑ http://de.news.yahoo.com/afp/20080828/tde-d-kirche-vatikan-religion-sinti-roma-a4484c6.html
- ↑ http://de.news.yahoo.com/afp/20080901/tpl-d-kirche-vatikan-religion-sinti-roma-ee974b3.html
- ↑ „Denkmal-Streit“ – Artikel von Eberhard Jäckel in der FAZ vom 5.2.2005
- ↑ Wolfgang Wippermann: Antisemitismus und Antiziganismus im Vergleich, Berlin 1997 b, S. 52f
- ↑ Wolfgang Wippermann, 1997 b, S. 53
- ↑ Wolfgang Wippermann: 600 Jahre Roma und Sinti in Deutschland – die Geschichte einer Verfolgung
- ↑ Wolfgang Wippermann, 1997 b, S. 56
- ↑ Wolfgang Wippermann, 1997 b, S. 58
- ↑ Wilhelm Solms: „Sie sind zwar getauft, aber...“ Die Stellung der Kirchen zu den Sinti und Roma in Deutschland
- ↑ Wolfgang Wippermann, 1997 b, S. 62
- ↑ Wolfgang Wippermann: Antiziganismus – Entstehung und Entwicklung der wichtigsten Vorurteile, 1997 a
- ↑ Trutz Simplex bei gutenberg.de
- ↑ Den Namen Courasche verwendete später Bertolt Brecht für die Figur der Marketenderin Mutter Courage (1939–41).
- ↑ Reimer Gronemeyer, Georgia A. Rakelmann: Die Zigeuner. Reisende in Europa, 1988
- ↑ Wikisource:Götz von Berlichingen, 5. Akt
- ↑ (pdf) Max von Hilgers: Spiegel, Schatten und Dämonen. Darstellungsformen urbaner Lebenswelt im Künstlerroman zwischen 1780 und 1860, Diss., Berlin 2004
- ↑ Eckehard Koch: „Der Gitano ist ein gehetzter Hund“. Karl May und die Zigeuner
- ↑ Die drei Zigeuner (Lenau) im Projekt Gutenberg
- ↑ www.schott.music.com
- ↑ operone.de
- ↑ Pester Lloyd Nr. 276 v. 16. 11. 1870, S. 2–3, zitiert nach [3]
- ↑ Website des Cymblisten Cyril Dupuy
- ↑ Max Peter Baumann: „Wir gehen die Wege ohne Grenzen …“ – Zur Musik der Roma und Sinti
- ↑ (pdf) Vorwort zur Urtext-Ausgabe von Liszts 2. Ungarischer Rhapsodie bei Henle
- ↑ Über Enescus Caprice Roumain (frz.)
- ↑ Egbert Swayne: Paderewski's Manru und Aleksandra Konieczna: Stylistic and Dramatic Features of Paderewski's Manru, in Polish Music Journal, Vol. 4, No. 2, 2001
- ↑ Volker Klotz: Operette. Porträt und Handbuch einer unerhörten Kunst, München (Piper) 1991, ISBN 3492030408
- ↑ Booklet zu Falla: El amor brujo, Arles 1991, Harmonia Mundi France Nr. 905213
Weblinks
- „Zwischen Romantisierung und Rassismus“. Sinti und Roma 600 Jahre in Deutschland Stuttgart 1998, hsrg. durch Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg und Verband Deutscher Sinti & Roma, Landesverband Baden-Württemberg
- dROMa – zweisprachige Zeitschrift in Deutsch und Romani
- Gypsy Lore Society Collections (engl.) an der University of Liverpool
- http://www.studiiromani.org (engl.) Specialized Library whith Archive “Studii Romani”
- http://www.linguistik-online.de/16_03/kilian.html Jörg Kilian. Wörter im Zweifel. Ansätze einer linguistisch begründeten kritischen Semantik (v.a. Abschnitt 3: Zur Kritik des Zweifels - am Beispiel Zigeuner)

