Zigeuner

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Zigeuner (Begriffsklärung) aufgeführt.
Artikel Ziegeuner,[1] Johann Heinrich Zedler, Universallexicon (1731–1754), bedeutendste deutschsprachige Enzyklopädie im 18. Jahrhundert. Ziegeuner werden als heterogene soziale Gruppe mit den gemeinsamen Merkmalen der Delinquenz und einer nicht ortsfesten Lebensweise dargestellt.

„Zigeuner“ ist eine im deutschen Sprachraum seit dem frühen 15. Jahrhundert belegte, mutmaßlich auf das byzantinische Griechisch zurückgehende Fremdbezeichnung für Bevölkerungsgruppen, denen in Stereotypen ausgeprägte, jeweils auffällige, von der Mehrheitsbevölkerung abweichende Eigenschaften zugeordnet werden. Zwei wesentliche Beschreibungsweisen lassen sich unterscheiden, die in Mischungen auftreten können:

  • „Zigeuner“ als soziografische Sammelkategorie für unterschiedliche ethnische und soziale Gruppen, deren Angehörigen eine als unstet, ungebunden, deviant und/oder delinquent beschriebene Lebensweise zugeschrieben wird. Dieses Konzept entstand mit dem Beginn der Frühen Neuzeit.
  • „Zigeuner“ als ethnische Gruppe in einem kulturalistischen oder biologistischen Verständnis. Eine gleichfalls als unstet bis hin zum „Nomadentum“, als ungebunden, deviant oder delinquent beschriebene Lebensweise gilt als unveränderliches Merkmal. Dieses Konzept geht zurück auf die völkerkundlich orientierte Zigeunerkunde des ausgehenden 18. Jahrhunderts und ist bis heute wirksam. Im Rahmen dieses Konzepts wurde und wird „Zigeuner“ als Sammelname auf die Gruppen der Roma bezogen, im Nationalsozialismus exklusiv.

Seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert entwickelte sich eine Perspektive im Sinne von „Volk“ und „Rasse“, die sich im 19. Jahrhundert zunehmend verfestigte. Zugleich mit einer diskriminierenden kam eine ebenfalls abgrenzende romantisierende Sichtweise auf, die negative Stereotype positiv umwertete.

Die gewichtigeren nationalen und internationalen Interessenvertretungen der Roma lehnen die Anwendung des Begriffs auf Roma wegen der stigmatisierenden und rassistischen Konnotationen ab. Sie sehen das Wort im Kontext einer langen Verfolgungsgeschichte, die im nationalsozialistischen Genozid kulminierte.

Aus dem Sprachgebrauch deutschsprachiger staatlicher und nichtstaatlicher Verwaltung, der Justiz, großer gesellschaftlicher Institutionen wie Gewerkschaften oder Kirchen, internationaler Behörden und der Politik ist der Begriff „Zigeuner“ inzwischen verschwunden. Er wird auch in den Medien kaum noch gebraucht, mit Ausnahme von rechtsextremen Publikationen und ihnen nahestehenden Organisationen.

Eigenbezeichnungen wie Roma oder Sinti haben andere Bedeutungen und andere Konnotationen als die Fremdbezeichnung. Sie lassen sich daher nicht mit ihr gleichsetzen, sondern lösen sie mit eigenständigen Inhalten ab.

Zur Einordnung des Begriffs

Verbreitungsraum, frühes Auftreten, Etymologie

Edikt gegen "Zigeuner" und andere, Berlin 1720

Im Deutschen wird Zigeuner mitunter volksetymologisch irrtümlich als „Zieh-Gäuner“, also „(umher-)ziehende Gauner“, gedeutet.[2] Insbesondere deswegen wird die Bezeichnung heute vielfach als negativ belastet abgelehnt.

Das Wort Zigeuner ist jedoch eine Fremdbezeichnung, die in ähnlicher Form in vielen europäischen Sprachen vorkommt. Einer der ältesten lateinischen Belege in Mitteleuropa lautet secanus als Latinisierung des Namens einer Gruppe, die 1417 in Lübeck Aufsehen erregte (Sec(h)anos se nuncupantes).[3]

Die genaue Herkunft des gemeineuropäischen Ethnonyms ist unsicher und teils mythisch. Von den meisten Gelehrten anerkannt ist aber die These einer Herkunft vom mittelgriechischen Wort athinganoi, das die Anhänger einer gnostischen Sekte bezeichnete, die vor allem in Phrygien, einer Landschaft im westlichen Anatolien, beheimatet war.[4] Eine Lebensbeschreibung des „heiligen Georgios von Athos“ vom Beginn des 12. Jahrhunderts enthält eine Legende, die sich 1054 ereignet haben soll. Demnach hätten „Samaritaner, Abkömmlinge des Simon Magus, welche Adsinganer genannt werden“ die Jagdgehege des byzantinischen Kaisers durch einen Abwehrzauber von eingedrungenen wilden Tieren befreit.[5]

Athinganoi im Sinne des späteren „Zigeuner“ tritt seit dem 12. oder 13. Jahrhundert auf, zuerst mit noch unsicherem Bezug bei Theodoros Balsamon († nach 1195) für Schlangenbeschwörer und Wahrsager,[6] und dann mit klarem Bezug (o toùs kaì Aìgyptíous kaì Athingánous, s. u.) bei Gregorios II. Kyprios (1283–1289 Patriarch von Konstantinopel).[7] Ob auch die Belege des 11. und 12. Jahrhunderts schon die Anwesenheit von Roma in Byzanz bezeugen oder aber auf Wahrsager anderer Provenienz zu beziehen sind, wird dabei in der Forschung diskutiert.

Alternativ wurden auch Herleitungen von persisch Ciganch (Musiker, Tänzer), von persisch asinkan (Schmiede) oder von alttürkisch čïgāń „arm, mittellos“[8] vorgeschlagen.

„Zigeuner“ und „zigeunerische Lebensform“

Obwohl die überwiegende Mehrheit der Roma seit vielen Generationen, in Südosteuropa seit Jahrhunderten und in Mitteleuropa spätestens seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ortsfest lebt, gilt Nomadismus weiterhin mehrheitlich als „zigeunerische Lebensform“. Abweichende Lebensformen einer Minderheit innerhalb der Roma werden in dieser Vorstellung nicht nur fälschlich auf die Gruppe insgesamt verallgemeinert, sondern ihr zudem als biologische oder kulturelle Konstante zugeschrieben.[9]

Tatsächlich fanden und finden sich örtlich nicht gebundene Erwerbs- und Lebensweisen quer durch die Jahrhunderte in den unterschiedlichsten Varianten weltweit und innerhalb vieler ansonsten sesshafter Ethnien.[10] Ungeachtet ethnischer, kultureller und sozialer Unterschiedlichkeiten dieser Gruppen wird gelegentlich „ziganische Völker“ als ein Oberbegriff zu „Zigeuner“ verwendet, wobei zugleich Roma kollektiv auf eine mobile minderheitliche Teilgruppe reduziert werden.[11]

Die Literatur spricht vor diesem Hintergrund von einem „doppelten Zigeunerbegriff“. Er ist uneindeutig und widersprüchlich. Mit „Roma“ lässt sich „Zigeuner“ nicht übersetzen, denn die soziografische Begriffsbestimmung schließt diejenigen Roma aus, die die zugeschriebene Lebensweise real nicht praktizieren, während die ethnische Begriffsbestimmung jene Menschen aus dem „Zigeunertum“ ausschließt, die als Nicht-Roma die zugeschriebene „zigeunerische“ Lebensweise ebenfalls aufweisen.

Es wäre auch deshalb problematisch, die Eigenbezeichnungen nur als eine Art wortwörtlicher Übersetzung der Fremdbezeichnungen zu verstehen und einzusetzen, weil so die der Kategorie „Zigeuner“ implementierten Inhalte in einem neuen Gewand fortlebten.[12]

Weitere Fremdbezeichnungen

Ein weiterer gesamteuropäischer Gruppenname wird von Ägypten als Herkunftsland hergeleitet. Er wird überwiegend als Ableitung aus dem Ortsnamen Gyp(p)e, Berg auf dem Peloponnes, gedeutet, der seit den 1480er Jahren in mehreren Reiseberichten bezeugt ist. Es habe demnach dort vor der Stadt Modon (heute: Methoni) eine Siedlung namens „klein Egypten“ gegeben. Sie sei von „Egyptianern genant Heyden“ bzw. von „Suyginern“ bewohnt gewesen.[13]

In der ersten Periode ihres Auftretens in Europa bezogen Romagruppen sich auf diesen Herkunftsmythos und bezeichneten sich als ägyptische Pilger. Als solche erhielten sie Almosen und Schutzbriefe.[14] „Ägypter“ wurde zu einer europaweiten mehrheitsgesellschaftlichen Bezeichnung: so spanisch Gitano, französisch Gitan, englisch Gypsy, griechisch γύφτος (gyftos), serbisch cipside, türkisch çingene. Der Artikel „Ziegeuner“ in Johann Heinrich ZedlersUniversallexicon“, der einflussreichsten deutschsprachigen Enzyklopädie des 18. Jahrhunderts, bezeichnet „Egyptier“ als den am häufigsten („vornehmlich“) im Deutschen auftretenden Gruppennamen.[1]

Sowohl in Norddeutschland als auch in skandinavischen Sprachen und in dem früheren rumänischen Sprachraum findet sich auch die Bezeichnung Tatern oder tattare (rum. tărtari oder tătăraşi), die eigentlich die Tataren meint. Im Englischen hat das ursprüngliche Ethnonym tatters seinen originären Sinngehalt völlig verloren und ist heute eines der Worte für „Lumpen“.

Auch der Begriff Heidenen oder Heider (also „Heiden“) wurde historisch verwendet.[15] In Theodor Storms Werk Der Schimmelreiter wurden „Zigeuner“, die von den einheimischen Nordfriesen geopfert werden sollten, als Slowaken bezeichnet.

Französische und spanische mehrheitsgesellschaftliche Bezeichnungen sind auch bohémiens bzw. bohemios („Böhmen, Böhmische“). Ihre Bedeutung hat sich auf die Angehörigen eines Künstlertums, die bohème, ausgeweitet, das als abseits bürgerlicher Ordnungsvorstellungen lebend imaginiert wird.

Angesichts der Diskreditierung der von den Ordnungsinstanzen geübten Kategorisierungs- und Erfassungspraxis durch den Nationalsozialismus gingen die bundesrepublikanischen Polizeibehörden zu unauffällig wirkenden verhüllenden Ersatzbezeichnungen für „Zigeuner“ über. So zu „Landfahrer“: Der 1899 in München eingerichtete zentrale Zigeunernachrichtendienst („Zigeunerzentrale“, im Nationalsozialismus „Zigeunerpolizeileitstelle“) etwa wurde über den Nationalsozialismus hinaus aufrechterhalten, nun jedoch unter dem neuen Namen „Landfahrerstelle“.[16] Eine weitere Tarnbezeichnung ist „mobile ethnische Minderheit“. Sie dient dazu, das der Polizei auferlegte Verbot zu umgehen, die Zugehörigkeit von Verdächtigen zur Minderheit in öffentlichen Erklärungen bekanntzugeben.[17]

Zur historischen Position der Eigenbezeichnungen

Entgegen einer verbreiteten Ansicht[18] sind die Eigenbezeichnungen im deutschsprachigen Raum seit Langem auch in der Mehrheitsgesellschaft bekannt, ohne jedoch bis in die 1980er Jahre hinein je in eine nennenswerte Konkurrenz zu Zigeuner getreten zu sein. Sie haben stets eine unbedeutende Randposition gehabt. 1793 stellte ein Autor fest, es sei „die Frage, wie nennt ein Volk sich selbst, bei historisch-etymologischen Untersuchungen wichtig. Wie also nennen sich die Zigeuner? Mit Recht antwortet man: Roma oder Romma in der mehreren Zahl, Rom in der einfachen.“[19] Auch „Sinte“ ist ihm geläufig. „Romni“ ist im regionalen Dialekt belegt.[20] Der scharf antisemitische und antiziganistische hessische Heimatschriftsteller Rudolf Oeser verwendete die Eigenbezeichnungen.[21] Gustav Freytag erklärte, die Zigeuner nennten „sich noch heute Sinte“ bzw. mit der „romany tschib“ verfüge „der Rom, wie er sich selbst nennt“ über eine eigene Sprache.[22]

Zumindest im französischsprachigen Raum hatten demgegenüber die Subjektbegriffe auch vor dem Paradigmenwechsel der 1980er Jahre einen festen Platz wenigstens in der fachlichen und in der Heimatliteratur.[23]

„Zigeuner“ im öffentlichen Diskurs der Moderne

19. und 20. Jahrhundert

Die Semantik von Zigeuner bewegte sich lange zwischen einem kulturalistisch oder biologisch bestimmten ethnischen und einem soziografischen Inhalt. Im zweiten Fall konnten auch Nicht-Roma gemeint sein: So wurde seit dem 19. Jahrhundert gelegentlich das Etikett „weiße Zigeuner“ auf die aus mehrheitsgesellschaftlicher Sicht „nach Zigeunerart lebenden Landfahrer“ und seit etwa 1900 das der „Kulturzigeuner“ auf mehrheitsgesellschaftliche nonkonformistische Künstler („Bohemiens“)[24] angewendet. Die soziografische Zuschreibung beinhaltete gleichwohl nicht anders als die ethnische die Typisierung der Betroffenen als „gemeinschaftsschädlich“ bzw. als „entartet“.

Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurde der Begriff systematisch „wissenschaftlich“ rassifiziert und im weiteren Verlauf ein Kategoriensystem von "stammechten Zigeunern", "Zigeunermischlingen" nach unterschiedlichen Graden der "Blutsmischung" und "Nichtzigeunern" nach dem Konzept der Nürnberger Gesetze konstruiert. Zigeuner war damit spätestens seit den ausgehenden 1930er Jahren eine von der Rassenforschung und den polizeilichen und sonstigen Verfolgungseinrichtungen ausschließlich ethnisch-biologisch gemeinte Kategorisierung, auf der eine Vielzahl von Ausschließungsvorschriften bis hin zu den Deportationslisten für Auschwitz basierten. Deshalb gilt der Begriff heute in weiten Teilen des gesellschaftlichen Diskurses als kontaminiert. Vor allem die Angehörigen der Minderheit selbst verstehen das Wort gleichsam als Überschrift über eine lange Verfolgungsgeschichte mit dem schließlichen Genozid (Porajmos).[25]

Wenn die Eigenbezeichnungen an die Stelle von Zigeuner traten, so geht dies vor allem auf die Anstrengungen der sich seit den 1970er Jahren organisierenden Roma und ihrer mehrheitsgesellschaftlichen Unterstützer zurück. Die Bürgerrechtsbewegung konfrontierte die Mehrheitsgesellschaft mit den für sie ungewohnten Begriffen, um die gewohnte Sichtweise auf die Minderheit zu verändern. Die Eigenbezeichnungen symbolisieren den Bruch mit der überkommenen mehrheitsgesellschaftlichen Perspektive und für die Anerkennung der Minderheit als einer eigenständigen und sich selbst definierenden Größe. Sie fordern eine nichtdiskriminierende Blickweise von der Mehrheitsgesellschaft ein.[26]

Bis etwa 1980 wird in Text und Titel deutschsprachiger Publikationen zum Thema fast ausnahmslos das Wort „Zigeuner“ benutzt. Exemplarisch für die einsetzende Abwendung von der Fremdbezeichnung und für die enge Verbindung von Bürgerrechtsbewegung und Benennungsdiskurs sind das von Tilman Zülch von der Gesellschaft für bedrohte Völker im Jahr 1979 herausgegebene Buch In Auschwitz vergast, bis heute verfolgt – zur Situation der Roma (Zigeuner) in Europa und ein 1980 von der Friedrich-Naumann-Stiftung Bremen herausgegebener Tagungsband Sinti in der Bundesrepublik – zur Rechtlosigkeit verurteilt?

Zur heutigen Position von „Zigeuner“

Innerhalb der Minderheit

Bereits 1978 stellte Vincent Rose, Vorsitzender des damaligen Verbandes der Cinti Deutschlands, anlässlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes fest, dass es "einzig richtig sei, ihn 'Cinto' zu nennen", da "Zigeuner" diskriminierend sei.[27] Die in den 1980er Jahren begründeten Interessenvertretungen wie der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, die Rom und Cinti Union (Hamburg) und die Roma-Union (Frankfurt am Main) oder der jüngere Verband Amaro Drom (Berlin) lehnen die Fremdbezeichnung als rassistisch ab und verweisen dabei auf deren Geschichte.[28] So auch der in Köln ansässige, aber weit darüber hinaus anerkannte von Nichtroma getragene Rom e. V.[29] Die Sinti Allianz Deutschland − einer der weniger bedeutenden Zusammenschlüsse, beschränkt auf einige Familien aus den Teilgruppen der Sinti und der Lovara − akzeptierte noch lange die Bezeichnung, wiewohl sie sie in ihrem Eigennamen vermied. Sie bemaß ihre Verwendbarkeit nach der privaten Sprecherabsicht. Die Mitteilung der Gruppennamen wird von manchen traditionalistischen Sinti – hier ordnete sich früher die Sinti-Allianz (Köln) ein – auch als Verstoß gegen das Verbot betrachtet, mit und vor Nichtroma auf Romanes zu kommunizieren, so dass Sprecher es dann vorziehen, auf „Zigeuner“ auszuweichen. Inzwischen (2013) hat die Sinti-Allianz ihre Selbstbeschreibung als "Zusammenschluss deutscher Zigeuner" revidiert und spricht nunmehr ausschließlich von "Sinti", "Lovara", "Roma".[30]

Als Gesamtbezeichnung der Angehörigen aller Teilgruppen empfiehlt der Roma-Weltdachverband International Romani Union Roma,[31] während abweichend der deutsche Zentralrat und das von ihm getragene Dokumentationszentrum Deutscher Sinti und Roma begrifflich inkonsistent[32] von Sinti und Roma sprechen.[33] Inzwischen (2013) ist man aber auch dort bereit, "Roma" als "die international gebräuchliche Bezeichnung" zu beschreiben und anzuerkennen.[34]

Zur alltäglichen Sprachpraxis stellte eine Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre entstandene Untersuchung zum rheinischen Schaustellermilieu, in dem vor allem Sinti traditionell eine gewichtige Rolle spielen, fest, dass „von den Zigeunern selbst … das Wort kaum akzeptiert“ werde. „Vielmehr bezeichnen sich die … Vaganten selbst je nach Sippenzugehörigkeit als ròm ‚Mann, Zigeunermensch‘ … oder als sinte ‚Zigeuner‘“.[35]

Im Rahmen einer Untersuchung zur aktuellen Bildungssituation deutscher Roma, die zwischen 2007 und 2011 durchgeführt wurde und im Umfeld des Zentralrats entstand, wurde auch nach dem Gebrauch der Gruppenbezeichnungen durch Angehörige der Minderheit gefragt. Thematisiert wurden gemäß dem Selbstverständnis des Zentralrats allein die beiden Eigenbezeichnungen Roma und Sinti, ferner die Fremdbezeichnung Zigeuner. Nicht ganz 95 % der Befragten verwendeten die Eigenbezeichnungen, für 57,5 % war der Fremdbegriff „immer ein Problem“, 14,9 % hatten „kein Problem mit der Verwendung des Zigeuner-Begriffs durch andere“ und weitere 25,7 % fanden, „dass es darauf ankommt, ob dieser Begriff abwertend oder gar als Schimpfwort benutzt wird“. 6,9 % wandten den Zigeunerterminus auf sich selbst an, z. T. neben Roma oder Sinti.[36]

Im Selbstbezeichnungsdiskurs von Jenischen

Die von Jenischen dominierte Schweizer Radgenossenschaft der Landstraße verwendete in den ersten beiden Jahrzehnten ihrer Aktivität „Zigeuner“ als Selbstbezeichnung für die Angehörigen „ein[er] gemischte[n] Gemeinschaft von Sinti, Romani und Jenischen“, diese von den „übrigen Fahrenden in der Schweiz, Schausteller[n], Jahrmarkthändler[n], Chilbi[= Kirmes/Kirtag]- und Zirkusleute[n]“ abgrenzend.[37] Davon ist sie jedoch seit etwa der Mitte der 1990er Jahre abgerückt und verzichtet in der Folge auf das Zigeuner-Etikett. Bereits seit der Mitte der 1980er Jahre zieht sie eine ethnisch definierte strikte Trennlinie zu den Gruppen der Roma und ethnisiert die jenische Bevölkerungsgruppe zu einem separaten „jenischen Volk“.[38]

In Politik, Verwaltung, gesellschaftlichen Institutionen

Die „Katholische Zigeunerseelsorge“ vertrat den Begriff bis ins Jahr 2010. Der Bischof von Hildesheim Norbert Trelle als Beauftragter der „Zigeunerseelsorge“ erklärte 2008 dazu, die Kirche wolle dem Begriff jene Würde und Bedeutung zurückgeben, die ihm durch jahrhundertealte Vorurteile und die NS-Verbrechen genommen worden sei, nämlich indem sie ihn weiterverwende. „Zigeuner“ war für ihn ein soziografischer, zugleich aber auch ethnischer Sammelbegriff für ein „Volk in Bewegung“, dem er sowohl Roma als auch Jenische zuordnete. Deren „Nomadenkultur“ habe eine ihnen allen gemeinsame fremdartige und für Sesshafte „schwer zu begreifende“ „Weltanschauung“ hervorgebracht.[39]

Der Zentralrat kritisierte die Weiterverwendung der Bezeichnung wie die pauschale Darstellung der Roma als „Nomaden“. „Zigeuner“ schüre Vorurteile, weil es eine untrennbar mit rassistischen Zuschreibungen verknüpfte und von Vorurteilen überlagerte Fremdbezeichnung der Mehrheitsgesellschaft sei, die von den allermeisten Angehörigen der Minderheit als diskriminierend empfunden werde. „Nomaden“ spreche den Menschen ihre Heimatrechte ab. Die Zuschreibung suggeriere, „Zigeuner“ bildeten eine archaische „Stammesgesellschaft“, die in die moderne Umgebungsgesellschaft nicht integrierbar sei. Die Angehörigen der Minderheit seien aber realer Teil der Gesellschaft und nähmen als solche an ihrer Entwicklung teil.[40]

2010 beendete die Deutsche Bischofskonferenz ihre bisherige Praxis und beschloss, den Namen ihrer Einrichtung in „Katholische Seelsorge für Roma, Sinti und verwandte Gruppen“ zu ändern. „Zigeunerseelsorge“ stehe nicht mehr im Einklang mit dem üblichen Sprachgebrauch und werde von Betroffenen als missverständlich oder diskriminierend empfunden. Trelle wurde durch Bischof Franz Vorrath abgelöst.[41]

Im Wissenschaftsdiskurs

Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch tritt die Bezeichnung mitunter noch auf, wird aber regelmäßig in An- und Abführungszeichen gesetzt oder doch mindestens mit dem Hinweis versehen, als Quellenbegriff, also nicht-affirmativ zitierend, eingesetzt zu werden. Unterschieden wird bei reflektiertem Gebrauch im Fachdiskurs zwischen dem "Begriff 'Zigeuner' als Objekt-Begriff aus der Perspektive der Verfolgungsinstanzen" und dem "Subjekt-Begriff der Betroffenen" (2008).[42] "Das Etikett 'Zigeuner'" enthalte "ganz unabhängig von den Absichten eines individuellen Sprechers mindestens für den Adressaten eine deutliche Abwertung". "Abwertung" sei "der wesentliche Inhalt der Geschichte dieses Begriffs". Die abwertende Semantik lasse sich nicht nur nicht aus der Bezeichnung lösen, sie konserviere und tradiere sie vielmehr (2007).[43]

Dem steht eine auch außerhalb des Wissenschaftsdiskurses (siehe oben) vertretene Auffassung gegenüber, die an der Fremdbezeichnung festhält und in ihren Kritikern "Zigeunerfans", "Zigeunerfreunde" oder "unrealistische Gutmenschen" sieht. So noch 2004 Hermann Arnold, der im Jahr darauf verstorbene Erbhygieniker und "Zigeunerexperte" in der Nachfolge des nationalsozialistischen Zigeunerforschers Robert Ritter.[44] Mit anderer Begründung äußerte sich 2005 der Zeithistoriker Eberhard Jäckel: Abwertend sei „Zigeuner“ – unbeachtlich von Wortgeschichte und semantischem Kontext – dann nicht, wenn es gut gemeint sei.[45]

Eine auffällige Ausnahme innerhalb des Fachdiskurses bildete bis 2012 die Leipziger Schule der Tsiganologie. Ihr bekanntester Sprecher, der Ethnologe Bernhard Streck, trug vor, das überkommene Gruppenetikett sei ein „altehrwürdiger Begriff“. Die von ihm vertretene „seriöse Tsiganologie“ habe daher den von ihm als „Umbenennung“ beschriebenen Sprachwandel „nicht mitgemacht.“[46] Gleichzeitig legte Streck Wert darauf, sich als „Tsiganologe“ statt als „Zigeunerforscher“ oder „Zigeunerkundler“ bezeichnen zu lassen. Diese Bezeichnungen seien durch die NS-Rassenforschung diskreditiert. Streck und seine Schule vertraten ein dezidiert soziografisches ethnienübergreifendes Zigeunerkonzept, das an den Konstrukten „Dissidenz“ und „Nomadismus“ ausgerichtet ist, sich der Definition verweigert[47] und als einzige Gemeinsamkeit von gleichermaßen als „Zigeuner“ bezeichneten

  • indigenen Gruppen in Osteuropa, Asien und Afrika, die ethnisch nichts mit Roma zu tun haben, und
  • den Gruppen der Roma ein schillerndes „spannungsreiche[s] Verhältnis zur jeweiligen Mehrheitsgesellschaft“ sieht.[48] In der Forschung stößt dieser Ansatz auf scharfe Kritik.[49]

2012 stellte der Kreis um Streck seine Tätigkeit ein.[50] Seither gibt es niemand an deutschsprachigen Hochschulen mehr, der dort noch "Zigeunerforschung"/"Tsiganologie" betreibt.

Im Journalismus

In den deutschsprachigen Medien befindet der Begriff sich inzwischen in einer zunehmend minimalisierten Außenseiterposition. Exemplarisch ausgezählt ergab sich in der Zeit und in die tageszeitung bereits für den Zeitabschnitt von 1995/96 bis 2003:

  • als die am häufigsten verwendete Form mit definitiv ethnischem Inhalt Roma,
  • das dreimal so häufig auftrat wie Sinti,
  • während das ethnisch uneindeutige Etikett Zigeuner noch einen Anteil von 20–30 % hatte.

Die Zählung in Die Zeit von 2003 ergab ferner, dass Zigeuner abgesehen von „zitierenden Verwendungen in Reflexionen über das Wort ‚Zigeuner‘“ und abgesehen von der historiografischen Zitierung des Quellenbegriffs überhaupt nur noch in romantisierenden, „positiven“ Verwendungsweisen (in Literatur und Musik) oder im übertragenen Sinn („Leben wie ein Zigeuner“) vorkam.[51]

In den Jahren 1995 bis 2002 reichte der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma gegen insgesamt 381 Zeitungsartikel Beschwerden beim Deutschen Presserat ein, weil wie auch immer Verdächtigte als „Zigeuner“, „Sinti/Roma“, „Landfahrer“ oder mit anderen synonym verwendeten Markierungen wie „MEM“ (für „mobile ethnische Minderheit“) belegt worden waren. 2003 waren es 51 und 2004 52 Zeitungsartikel.[52] 2007 erreichten den Presserat 39 Beschwerden.[53] Bei einem erheblichen Anteil der Zuschreibungen handelte es sich laut Presserat um von anderen Sprechern in ein Medium übernommene Zitierungen.[54] Wie oft dabei von “Zigeunern” gesprochen wurde, ist nicht bekannt. Jährlich reicht der Zentralrat am 7. Dezember[55] beim Presserat Beschwerden wegen diskriminierender Darstellungen von Roma ein. Sie hätten, hieß es 2009, in den letzten Jahren weiter abgenommen. Von der unerwünschten Verwendung von „Zigeuner“ war nicht mehr die Rede.[56]

Inzwischen (2013) ist die affirmative Verwendung von 'Zigeuner' in der Sprache der seriösen deutschen Medien nicht mehr nachweisbar. Für die Zeitung Die Welt ist "Zigeuner" eine "frühere Bezeichnung" (2010).[57] "Dieses Wort, 'Zigeuner'", kommentierte der Literaturwissenschaftler Hans Ulrich Gumbrecht für die FAZ, "sollte man (wie seine Äquivalente in anderen Sprachen, 'gypsy' zum Beispiel oder 'gitano') aus guten Gründen vermeiden, soviel steht fest – und soviel an Respekt hat sich inzwischen auch eingespielt."[58]

Rechtsvorschriften

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (2006) und die Einrichtung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (2006) haben Aufmerksamkeit und Sensibilität gerade für alltägliche Formen der Diskriminierung heraufsetzen können.[59] Rechtliche Regelungen ermutigen die Betroffenen, dagegen aufzutreten. So erstattete der Verband der Bad Hersfelder Sinti und Roma im Oktober 2009 Strafanzeige wegen Volksverhetzung und Beleidigung gegen das waldhessische Anzeigenblatt „Klartext“. Der Deutsche Presserat unterstützte ihn mit der Feststellung, „Klartext“ verstoße gegen den Pressekodex. Für den Verband erklärte der studierte Theologe Samson Lind, „wir sind keine Zigeuner, sondern Sinti und Roma“.[60]

Eine ähnliche Funktion wie das AGG in Deutschland hat beim Umgang mit der Bezeichnung "Zigeuner" und den damit verknüpften Inhalten in Österreich das mehrfach novellierte und EU-Richtlinien angepasste Bundes-Gleichbehandlungsgesetz (B-GBG) von 1993.[61] Ein Beispiel für die Anwendung des Gesetzes ist die Entscheidung der Gleichbehandlungskommission im Bundeskanzleramt 2005 gegen ein Schild "Kein Platz für Zigeuner" eines privaten Campingplatzbetreibers. Sie kam zu dem Schluss, dass das Schild "sowohl diskriminierend als auch belästigend" sei und "dass der Begriff 'Zigeuner' diskriminierend im Sinne des Gleichbehandlungsgesetzes" sei.[62]

Auch der § 283 des österreichischen Strafgesetzbuchs zieht eine Grenze gegen Diskriminierungen. Wer öffentlich gegen Angehörige von Gruppen oder insgesamt gegen Gruppen "hetzt oder sie in einer die Menschenwürde verletzenden Weise beschimpft und dadurch verächtlich zu machen sucht", die u. a. "nach den Kriterien der Rasse, der Hautfarbe, der Sprache, ... der Staatsangehörigkeit, der Abstammung oder nationalen oder ethnischen Herkunft" definiert werden, macht sich strafbar.[63]

Fazit

Insgesamt ist „Zigeuner“ im öffentlichen Sprachgebrauch, wie Justiz, staatliche und nichtstaatliche Verwaltung, die großen gesellschaftlichen Institutionen wie Parteien, Gewerkschaften oder Kirchen, die nationale Politik oder die Verlautbarungen der internationalen Institutionen ihn repräsentieren, heute nicht mehr nachweisbar (Stand: 2010).[64] Exemplarisch ist eine jüngere Aussage der Europäischen Kommission, nach der es den Gepflogenheiten bei EU-Strategiepapieren und Diskussionen entspreche, den Ausdruck „Roma“ selbst auf Fälle anzuwenden, in denen es Roma sind, die von „Zigeunern“ (bzw. mit deren nichtdeutschen Pendants von „Gypsies“, „Gitanos“, „Gitans“ usw.) sprechen.[65]

Die Abwendung von „Zigeuner“ im politischen und medialen Raum hat eine Ausnahme: Organisationen und Medien am rechten Rand bevorzugen nach wie vor „Zigeuner“ und sehen den Begriff als die politisch korrekte Bezeichnung.[66] Dabei werden der Minderheit die traditionellen angeblichen Hauptmerkmale „Delinquenz“ und „Nomadisieren“ zugeschrieben. Angewendet wird „Zigeuner“ vor allem auf südosteuropäische Roma, die abzuschieben seien. Dazu gehören auch Zusammensetzungen mit herabsetzender Konnotation wie „Zigeunerlobby“, „Zigeunersippe“ oder „Zigeunerhäuptling“. „Die Jahrhunderte alte Bezeichnung ‚Zigeuner‘“ sei nicht diskriminierend, so für Österreich auch unter Einschluss rechtspopulistischer Medien.[67]

Die Veränderungen der letzten Jahrzehnte sind jedoch selbst hier nicht ohne Auswirkung geblieben. Es ist durchaus gelegentlich auch in rechtspopulistischen und rechtsextremistischen Medien von „Roma“ die Rede oder es wird "Zigeuner" "politische Korrektheit vortäuschend" (so Der Standard zu einem Aufmacher von Die Weltwoche) in Anführungszeichen gesetzt.[68]

Zur Position der Fremdbezeichnungen in Europa

In ganz Europa befinden sich die Fremdbezeichnungen auf dem Rückzug. Gründe dafür sind

  • der allgemeine kulturelle Paradigmenwechsel im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts mit einem grundlegenden Wandel des Blicks auf Minderheiten, womit sich in vielen Fällen nicht diskriminierende Gruppenbezeichnungen durchsetzten, und
  • die Selbstorganisation der Roma in nationalen und internationalen Interessenverbänden sowie deren Anstrengungen um eine Veränderung der traditionellen mehrheitsgesellschaftlichen Sichtweise.

Die Entwicklung verläuft indessen nicht gleichförmig, sondern entsprechend den unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Bedingungen. In Skandinavien sind die Fremdbezeichnungen inzwischen historisch.[69] In Rumänien bewirkte Druck von außen – durch die Gremien der EU – zwar eine Regierungszusage, die Fremdbezeichnung als diskriminierend aus dem offiziellen Sprachgebrauch zu streichen und künftig von „Roma“ zu sprechen, dies stieß aber auf erheblichen gesellschaftlichen Widerspruch. Rumänische Nationalisten eröffneten 2009 eine Kampagne für ein Gesetz zur Wiedereinführung von țigani und zur Beseitigung von roma.[70]

Zur heutigen Position von „Zigeuner“ im privaten Sprachgebrauch

„Zigeunergruppe“ aus Allmendingen beim Mainzer Rosenmontagszug 2013

Vom öffentlichen ist der private Sprachgebrauch zu unterscheiden. Zwar gibt es keine Untersuchungen zum älteren und zum heutigen Stand von „Zigeuner“ in der privaten alltäglichen Kommunikation innerhalb der Mehrheitsgesellschaft. Es darf aber davon ausgegangen werden, dass der Begriff mit den ihm anhängenden Konnotationen nach wie vor von Bedeutung ist:

  • Dafür sprechen die Ergebnisse der Meinungsforschung. Ressentiments gegen „Zigeuner“ hatten demnach über die Erfahrung des Nationalsozialismus hinaus auch in den letzten Jahrzehnten noch eine feste Position in der Vorstellungswelt der Mehrheitsbevölkerung. Seit Beginn entsprechender Umfragen in den frühen 1960er Jahren sind „Zigeuner“ in der Bundesrepublik mit Abstand die unbeliebteste aller ethnischen Gruppen. 2002 lehnten 58 Prozent der Deutschen nach einer Umfrage von Infratest im Auftrag des American Jewish Committee „Zigeuner“ als Nachbarn ab.[71] 2011 ergab eine Umfrage des Bielefelder Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung, 44,2 % Zustimmung für die Behauptung, "Sinti und Roma neigen zur Kriminalität" und 40,1 % Zustimmung für "Ich hätte Probleme damit, wenn sich Sinti und Roma in meiner Gegend aufhalten".
Nach Meinung der Fragesteller beeinflusst es zwar die Antwort, ob nach der Haltung zu "Zigeunern" oder zu "Sinti und Roma" gefragt wird. Jedenfalls aber bleiben die fest mit dem Altbegriff verknüpften Ressentiments auch bei äußerer Anpassung an die Neukonvention vital.[72]
  • Der schon aus den 1920er Jahren bekannte,[73] mutmaßlich aber ältere volkstümliche Spruch „Zick, zack, Zigeunerpack“ hat den Sprachwandel ganz unbeeinträchtigt überdauert. Er gehört bis heute zum festen Repertoire deutscher Fußballfans,[74] tritt aber (ähnlich wie malerisch kostümierte Gruppen von „Zigeunern“) auch im Karneval auf. Wiederholt führte der Spruch inzwischen zu Strafanzeigen gegen die Sprecher.[75] Entgegen der sozialen Wirklichkeit der mit dem Begriff belegten vielfältigen Minderheiten stehen die abgeleiteten Formen zigeunern, auch herumzigeunern bis heute nach der Angabe des Duden (2014) umgangssprachlich für eine fiktive gemeinschaftliche Lebensweise, die "ungeordnet", "unstet", "vagabundierend", „ohne festen Wohnsitz und richtigen Beruf“ sei.[76]
Von einer etwa inzwischen eingetretenen positiven Umwertung des Begriffs in der Folge eines allgemeinen grundlegenden Einstellungswandels lässt sich zumindest dort, wo er noch auftritt, demnach nicht sprechen.

Literatur

  • Anita Awosusi (Hrsg.): Stichwort: „Zigeuner“. Zur Stigmatisierung von Sinti und Roma in Lexika und Enzyklopädien. (= Schriftenreihe des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma, 8). Wunderhorn, Heidelberg 1998, ISBN 3-88423-141-3.
  • Stephan Bauer: Von Dillmanns Zigeunerbuch zum BKA: 100 Jahre Erfassung und Verfolgung der Sinti und Roma in Deutschland. Siedentop, Heidenheim 2008, ISBN 978-3-925887-27-7 (zugl. Dissertation, Universität Osnabrück 2007).
  • Klaus-Michael Bogdal: Europa erfindet die Zigeuner. Eine Geschichte von Faszination und Verachtung. Suhrkamp, Berlin 2011, ISBN 978-3-518-42263-2.
  • Hans Richard Brittnacher: Leben auf der Grenze. Klischee und Faszination des Zigeunerbildes in Literatur und Kunst. Wallstein, Göttingen 2012, ISBN 978-3-8353-1047-6.
  • Stefani Kugler: Kunst-Zigeuner. Konstruktionen des „Zigeuners“ in der deutschen Literatur der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Reihe: Literatur, Imagination, Realität, Band 34. Wissenschaftlicher Verlag, Trier 2004, ISBN 3-88476-660-0 (zugleich Dissertation, Universität Trier 2003).
  • Anja Lobenstein-Reichmann: Zur Stigmatisierung der „Zigeuner“ in Werken kollektiven Wissens am Beispiel des Grimmschen Wörterbuchs. In: Herbert Uerlings, Iulia-Karin Patrut (Hrsg.): „Zigeuner“ und Nation. Repräsentation, Inklusion, Exklusion. Frankfurt 2008, ISBN 978-3-631-57996-1, S. 589–629
  • Thomas Schares: Sprechen über Roma in deutschsprachigen (rumänischen) Medien. In: Kronstädter Beiträge zur Germanistik. Neue Folge, Heft 2 (2013), Passau: Karl Stutz, ISBN 978-3-88849-162-7, S. 109-128.
  • Ramona Mechthilde Treinen, Herbert Uerlings: Vom „unzivilisierten Wandervolk“ zur „diskriminierten Minderheit“: „Zigeuner“ im Brockhaus. In ebd. S. 631–696.
  • Leo Lucassen: Zigeuner. Die Geschichte eines polizeilichen Ordnungsbegriffes in Deutschland 1700–1945. Böhlau, Köln 1996, ISBN 3-412-05996-X u. ö.
  • Rüdiger Vossen, Wolf Dietrich, Michael Faber, Michael Peters (Hrsg.): Zigeuner. Roma, Sinti, Gitanos, Gypsies. Zwischen Verfolgung und Romantisierung. Katalog zur Ausstellung im Hamburgischen Museum für Völkerkunde. Ullstein 1987, ISBN 3-548-34135-7.

Weblinks

  • Jörg Kilian, Wörter im Zweifel. Ansätze einer linguistisch begründeten kritischen Semantik, in: Linguistik online, 16 (2003), Nr. 4, siehe: linguistik-online.de
  • Fachliche Beiträge zu Bezeichnungsdiskurs und Alltagssprachgebrauch siehe auch die folgende Schwerpunktausgabe der vom Dokumentationszentrum des Rom e. V. herausgegebenen und von der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW getragenen Zeitschrift „Nevipe“: [22].

Einzelnachweise

  1. a b Ziegeuner. In: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Band 62, Leipzig 1749, Spalte 520–544.
  2. http://www.lpb-bw.de/publikationen/sinti/sinti8.htm
  3. Siehe: Hermann Korners Chronica novella (hrsg. von Jakob Schwalm, Vandehoeck & Ruprecht 1895); in der mittelniederdeutschen Bearbeitung der sogenannten Rufus-Chronik dann eingedeutscht als Secanen (unde nomeden sik de Secanen), Karl Koppmann (Hrsg.), Die Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert, XXVIII: Die Chroniken der niedersächsischen Städte – Lübeck, Band 3, Hirzel, Leipzig 1903, S. 108, Nr. 1285.
  4. Rüdiger Vossen, Zigeuner. Roma, Sinti, Gitanos, Gypsies. Zwischen Verfolgung und Romantisierung, Frankfurt am Main/Berlin/Wien 1983, S. 20 f.
  5. Reimar Gilsenbach: Weltchronik der Zigeuner. Frankfurt am Main et al. 1997, 2., korr. und erg. Aufl., S. 26, 222.
  6. George C. Soulis, The Gypsies in the Byzantine Empire and the Balkans in the Late Middle Ages, in: Dumbarton Oaks Papers 15 (1961), S. 141–165, 146–147, zitiert nach Angus M. Fraser: The Gypsies. Blackwell, Oxford u. a. 1995, S. 46–47
  7. Viorel Achim: The Roma in Romanian Historiy. Central European University Press, Bukarest u. a. 2004, S. 9
  8. Marek Stachowski, Das Ethnonym ‚Zigeuner‘, sein slawisch-türkischer Hintergrund und ungarisch ‚szegény‘, in: Studia Etymologica Cracoviensia 7 (2002), S. 159–169
  9. Vgl. Karola Fings: Rasse: Zigeuner. In: Herbert Uerlings, Iulia-Karin Patrut (Hrsg.): „Zigeuner“ und Nation. Repräsentation-Inklusion-Exklusion. (= Inklusion/Exklusion. Studien zu Fremdheit und Armut von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. 8), Frankfurt am Main u. a. 2008, S. 273–309, S. 274.
  10. Vergleiche dazu: Arbeit von Hosemann
  11. Zum Beispiel vha.fu-berlin.de.
  12. Karola Fings/Ulrich Opfermann (Hrsg.), Zigeunerverfolgung im Rheinland und in Westfalen. 1933–1945. Geschichte, Aufarbeitung und Erinnerung, Paderborn 2012, S. 11, 356.
  13. Berichte von Arnold von Harff, Patrizier aus Köln, Georges Lencheraud, Bürgermeister von Mons im Hainaut (Belgien) und Alexander Pfalzgraf von Rhein nach: Reimar Gilsenbach: Weltchronik der Zigeuner. Teil I, Frankfurt am Main 1997, 2. korr. und erg. Aufl., S. 103, 110, 114.
  14. Hierbei gaben sie zum Teil an, als Bußprediger für die Sünden ihrer Vorfahren auf Wanderschaft zu sein, die der Heiligen Familie während ihrer Flucht nach Ägypten Hilfe verweigert hätten. Siehe Ines Köhler-Zülch, Die verweigerte Herberge: Die heilige Familie in Ägypten und andere Geschichten von „Zigeunern“ Selbstäusserungen oder Aussenbilder?, in: Jacqueline Giere (Hrsg.), Die gesellschaftliche Konstruktion des Zigeuners: zur Genese eines Vorurteils (= Wissenschaftliche Reihe des Fritz-Bauer-Instituts, 2), Campus, Frankfurt am Main 1966, S. 46–86
  15. Stichwort „Zigeuner“ in Meyers Konversationslexikon von 1888
  16. Was damals Rechtens war. In: Die Zeit, Nr. 17/1980
    br-online.de (PDF)
  17. Belegt beispielsweise hier: S. 3 (PDF), landtag-bw.de (PDF)
  18. Der Zeithistoriker Eberhard Jäckel formuliert sie in einem Beitrag zur Debatte um den Text für ein Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas, in: FAZ, 5. Februar 2005
  19. Johann Erich Biester, Ueber die Zigeuner; besonders im Königreich Preußen, in: Berlinische Monatsschrift, Bd. 21, 1793, S. 108–165, 360–393, hier S. 364 f.
  20. Werner Wied, Von mancherlei wandernden und fahrenden, handelnden und bettelnden Leuten, in: Gerhard Hippenstiel, Werner Wied (Hrsg.): Wittgenstein III. ein Lesebuch zur Volkskunde und Mundart des Wittgensteiner Landes, Bad Laasphe 1984, S. 493–506, hier S. 502.
  21. O. Glaubrecht [= Rudolf Oeser], Der Zigeuner, Halle (Saale) 1907, S. 42 f.
  22. Gustav Freytag: Bilder aus der deutschen Vergangenheit. 2. Bd., 1. Abt.: Vom Mittelalter zur Neuzeit, Berlin o. J. (1920), S. 464 ff.
  23. Siehe: Ulrich Friedrich Opfermann, „Seye kein Ziegeuner, sondern kaiserlicher Cornet“. Sinti im 17. und 18. Jahrhundert. Eine Untersuchung anhand archivalischer Quellen, Berlin 2007, S. 21.
  24. Anna-Lena Sälzer, Arme, Asoziale, Außenseiter. Künstler- und „Zigeuner“-Diskurse von 1900 bis zum Nationalsozialismus, in: Herbert Uerlings, Iulia-Karin Patrut (Hrsg.): „Zigeuner“ und Nation. Repräsentation-Inklusion-Exklusion. Frankfurt am Main u. a. 2008, S. 203–230.
  25. Karola Fings, Der Weg in den Völkermord, in: dies./Ulrich Opfermann (Hrsg.), Zigeunerverfolgung im Rheinland und in Westfalen. 1933–1945. Geschichte, Aufarbeitung und Erinnerung, Paderborn 2012, S. 53-71, hier: S. 11, 356.
  26. Karola Fings/Ulrich Opfermann, Glossar, in: dies. (Hrsg.), Zigeunerverfolgung im Rheinland und in Westfalen. 1933–1945. Geschichte, Aufarbeitung und Erinnerung, Paderborn 2012, S. 337-359, hier: S. 350.
  27. Gerhard Laaf, Ein Siebzigjähriger engagiert sich für die Cinti, in: Süddeutsche Zeitung, 22. Dezember 1978.
  28. Zu Amaro Drom siehe die prägnante Stellungnahme des Vorsitzenden: „Die größte Beleidigung ist die Bezeichnung ,Zigeuner'“, in: taz, 27. Januar 2011, Onlinefassung.
  29. Zur Diskussion der Bezeichnung und der von ihr getragenen Inhalte aus der Sicht unterschiedlicher Verfasser und aus Anlass eines „Zigeuner-Festivals“ siehe: Unterm Strich. Nachbetrachtungen zum „Zigeunerfestival“ in Köln, in: Nevipe, Nr. 4 – 2012, S. 14-21, in: [1].
  30. Vgl. die alte (jetzt verschobene) mit der neuen HP: Altversion: SAD, Sitz Köln; Neuversion: SAD, Sitz Hildesheim.
  31. Siehe zum Beispiel: ling.kfunigraz.ac.at (PDF).
  32. So die Kritik in: Karola Fings/Ulrich Friedrich Opfermann, Glossar, in: Zigeunerverfolgung im Rheinland und in Westfalen 1933-1945. Geschichte, Aufarbeitung und Erinnerung, Paderborn 2012, S. 337-359, hier: S. 352.
  33. Der Zentralrat organisiert und vertritt vor allem Sinti deutscher Staatsbürgerschaft, ferner die deutschen Nachfahren osteuropäischer Roma, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in die deutschen Staaten migrierten. In Sinti und Roma spiegeln sich diese Vertretungsansprüche und der Primat für Sinti.
  34. Herbert Heuß, Anmerkungen zum Buch von Rolf Bauerdick: Zigeuner. Begegnungen mit einem ungeliebten Volk, München 2013, in: [2].
  35. Michael Faber: Schausteller. Volkskundliche Untersuchung einer reisenden Berufsgruppe im Köln-Bonner Raum, Bonn 1982, 2. durchges. Auflage, S. 24.
  36. Michael Klein: Auswertung von quantitativen Daten zur Erhebung. In: Daniel Strauß (Hrsg.): Studie zur aktuellen Bildungssituation deutscher Sinti und Roma. Dokumentation und Forschungsbericht, Marburg 2011, S. 17–50, hier S. 10 f., ferner S. 48–50, 99, siehe: [3].
  37. Nicht jeder Fahrende ist ein Zigeuner, in: Scharotl, 17 (1992), H. 1, S. 21.
  38. Siehe: Ulrich Opfermann, „Die Jenischen und andere Fahrende“. Eine Minderheit begründet sich, in: Jahrbuch für Antisemitismusforschung 19 (2010), S. 126–150.
  39. Statement von Bischof Norbert Trelle, Hildesheim, Bischöflicher Beauftragter für die Zigeunerseelsorge in Deutschland, zum VI. Weltkongress der Pastoral für die Zigeuner … (Freising, 1. bis 4. September 2008), siehe: dbk.de (PDF).
  40. Siehe: roma-service.at, volksgruppen.orf.at, wlz-fz.de
  41. Neuer Name für „Zigeunerseelsorge“., Radio Vatikan: Die Stimme des Papstes und der Weltkirche, 11. Mai 2010. Hoffnungszeichen, in: Antiziganismuskritik 2 (2010), H. 2, S. 4, siehe: antiziganismus.de (PDF). Es ist dort allerdings nicht die neue Bezeichnung, sondern stattdessen falsch der innerhalb der Roma-Gemeinschaft minderheitliche Sprachgebrauch des Zentralrats wiedergegeben.
  42. Karola Fings, "Rasse: Zigeuner". Sinti und Roma im Fadenkreuz von Kriminologie und Rassenhygiene 1933–1945, in: Herbert Uerlings/Iulia-Karin Patrut (Hrsg.), "Zigeuner" und Nation. Repräsentation - Inklusion - Exklusion (Inklusion/Exklusion. Studien zu Fremdheit und Armut von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. 8), Frankfurt am Main et al. 2008, S. 273–309, hier: S. 274.
  43. Ulrich Friedrich Opfermann, „Seye kein Ziegeuner, sondern kayserlicher Cornet.“ Sinti im 17. und 18. Jahrhundert, Berlin 2007, S. 32.
  44. Hermann Arnold, Press Germany topay. Der "Sinti und Roma"-Schwindel, o. O. 2004. Das Manuskript fand keinen Verlag mehr.
  45. Eberhard Jäckel: Denkmal-Streit., in: FAZ, 5. Februar 2005.
  46. Bernhard Streck an den Kölner Tsiganologen Rüdiger Benninghaus, 13. April 2004, nach dessen Homepage, Stand: 28. Dezember 2009.
  47. Olaf Guenther, Henning Schwanke: Überrollte Figuren und moderner Kreisverkehr. Bernhard Streck, dem spiritus rector der Leipziger Tsiganologie zu Ehren, in: Blickpunkte, Nr. 9, August 2010, S. 10–18, hier: S. 15, siehe auch: uni-leipzig.de (PDF).
  48. So beispielsweise programmatisch bei der Vorstellung einer Publikation über eine Vielfalt ethnischer Gruppen am Schwarzen Meer: buch.de.
  49. Siehe z. B. Joachim Krauß, „Zigeunerkontinuum“ – die Raum und Zeit übergreifende Konstanz in der Beschreibung von Roma in Theorie und Empirie, in: Jahrbuch für Antisemitismusforschung, Bd. 18 (2009), S. 161–180.
  50. http://www.uni-leipzig.de/~ftf/.
  51. Thorsten Eitz, Georg Stötzel, Wörterbuch der „Vergangenheitsbewältigung“ (= Die NS-Vergangenheit im öffentlichen Sprachgebrauch, Bd. 2), Hildesheim 2009, S. 599.
  52. Stellungnahme des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma zum Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung europäischer Antidiskriminierungsrichtlinien, BT-Drs. 15/4538, Anhörung im Deutschen Bundestag - Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 7. März 2005, in: [4].
  53. Parallelbericht zu dem Bericht der Bundesrepublik Deutschland vom 23. Januar 2007 für das United Nations - Committee on Elimination of Racial Discrimination (CERD) [5].
  54. Stellungnahme des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma zum Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung europäischer Antidiskriminierungsrichtlinien, BT-Drs. 15/4538, Anhörung im Deutschen Bundestag - Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 7. März 2005, in: [6].
  55. Am 7. Dezember 1935 verfügte Reichsinnenminister Frick, in Presseberichten und amtlichen Verlautbarungen zu Straftaten oder Verdächtigungen gegenüber Juden und Sinti und Roma stets deren „Rasse“ zu erwähnen.
  56. Medientagung Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und Deutscher Presserat, 5. November 2009: [7]; Siehe auch: Felix M. Steiner, Interview mit Silvio Peritore, Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, 19. Dezember 2012: [8].
  57. Siehe die Beiträge zum Thema "Roma" und die jeweilige Verlinkung auf das Welt-Glossar im Abschnitt "Das Volk der Sinti und Roma" des Artikels, Glossar S. 8, z. B. auf: [9].
  58. in FAZ, 9. August 2013: [10].
  59. Gleichstellung. Weniger Tabus, kaum mehr Rechte. [u. a. zu „Zigeuner“], in: FAZ.net, 3. Juli 2007. antidiskriminierungsstelle.de.
  60. Anzeige wegen Volksverhetzung“, in: Hersfelder Zeitung/Kreis-Anzeiger, 23. Oktober 2009: [11]; Lorey soll sich entschuldigen!, in: Hersfelder Zeitung/Kreis-Anzeiger, 19. November 2009, siehe auch: [12].
  61. Bundes-Gleichbehandlungsgesetz: [13].
  62. Romano Centro (Hrsg.), Antiziganismus in Österreich. Dokumentation rassistischer Vorfälle gegen Roma/Romnija und Sinti/Sintize, Wien 2013, S. 6.
  63. Zit. nach: Romano Centro (Hrsg.), Antiziganismus in Österreich. Dokumentation rassistischer Vorfälle gegen Roma/Romnija und Sinti/Sintize, Wien 2013, S. 9.
  64. Der Begriff „Zigeuner“ war noch bis in die 1990er Jahre gängige Ausdrucksweise in den Dokumenten der Europäischen Union und ihrer Vorgängerinstitutionen (so etwa in den Entschließungen des Europäischen Parlaments von 1984 und 1994, siehe Roma-Politik der Europäischen Union).
  65. Siehe die undatierte, aber nicht vor 2008 formulierte Aussage auf der Homepage der Europäischen Kommission.
  66. Siehe z. B. die NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern und die Reaktionen aller anderen Parteien im Juli 2010: endstation-rechts.de.
  67. Siehe die Beispiele aus den Zeitschriften Die Aula, Fakten und Zur Zeit in: Romano Centro (Hrsg.), Antiziganismus in Österreich. Dokumentation rassistischer Vorfälle gegen Roma/Romnija und Sinti/Sintize, Wien 2013, S. 9.
  68. Siehe z. B. Anna Müller, 89. Landtagssitzung in Sachsen: Rechtsextreme beschwören „Roma-Invasion“, in: Endstation Rechts, 20. Dezember 2013, [14]; Schweizer "Weltwoche" empört mit Roma-Artikel, in: Der Standard, 6. April 2012, [15].
  69. Siehe zum Beispiel Bo Hazell, Resandefolket. Från tattare till traveller, Stockholm 2002.
  70. Rumänien: Zigeuner statt Roma zitiert nach: taz. roma-service.at; Spanien: zur spanischen Debatte um das Wort „gitano“ siehe zum Beispiel: dROMa, 12/2006: Nur ein Wort?/Tschak alav? (PDF).
  71. Brigitte Mihok, Peter Widmann, Sinti und Roma als Feindbilder, in: bpb.de.
  72. Zum Gesamtabschnitt und den Zahlenangaben und ihre Ausdeutung: Markus End, Gutachten Antiziganismus. Zum Stand der Forschung und der Gegenstrategien, Marburg 2013, S. 15-21.
  73. Siehe Michael Zimmermann: Rassenutopie und Genozid. Die nationalsozialistische „Lösung der Zigeunerfrage“. Hamburg 1996, S. 57.
  74. Vgl. z. B. als zeitgenössische Erscheinung mit dem Abstand einer Generation: „Zickzack – Zigeunerpack“ – Ein Gespräch mit Hugo Franz, in: Einer muß überleben. Gespräche mit Auschwitzhäftlingen 40 Jahre danach, hrsg. von der ESG Bonn, Düsseldorf 1984, mit: Ronny Blaschke: Zick, zack, Zigeunerpack. In: Süddeutsche Zeitung, 28. Mai 2010.
  75. Siehe: Zentralrat der Sinti und Roma stellt Strafantrag wegen Hetzparolen. Vorwurf der Volksverhetzung und Beleidigung gegen Randalierer, in: Freie Presse [Chemnitz], 11. Januar 2012, [16]; Strafanzeige gegen Narren. Staatsanwalt ermittelt wegen Volksverhetzung, in: Schwäbische Zeitung, 7. Februar 2005, [17]. Gegen die Einstellung der Ermittlungen erhob der Zentralrat der Deutschen Sinti und Roma Verfassungsbeschwerde. Sie wurde abgelehnt. Die Handlungsweise habe nur der Belustigung gedient, siehe: [18]. Vgl. die Anzeige des Zentralrats gegen rechtsextremistische Fußballfans im Januar 2012: Nach Hallen-Turnier-Randale. Zentralrat der Sinti und Roma stellt Strafantrag, in: Schwäbisches Tagblatt, 11. Januar 2012, siehe auch: [19].
  76. Duden zu zigeunern: [20] und herumzigeunern: [21].