Zimbern

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Dieser Artikel erläutert die heutigen Zimbern in Norditalien; zum ähnlich klingenden historischen Stamm siehe Kimbern.

Die Zimbern (Eigenbezeichnung Zimbarn oder Tzimbar) sind eine bairische Sprachminderheit, die drei Sprachinseln in Oberitalien in den Regionen Venetien und Trentino-Südtirol (Trentino / Provinz Trient) umfasst. Ihre traditionelle Mundart, das Zimbrische, in den Sieben Gemeinden seit dem 17. Jahrhundert zur Schriftsprache ausgebaut, wird heute noch von knapp 1000 Menschen gesprochen, davon leben die meisten im Trentino. Alle Bewohner dieser Sprachinseln sprechen auch Italienisch, viele auch Standarddeutsch. Nur im Trentiner Dorf Lusern ist das Zimbrische noch Alltagssprache.

Sprach- und Siedlungsgebiet[Bearbeiten]

Historische (gelb) und gegenwärtige (orange) Ausbreitung der zimbrischen Sprache.

Die Zimbern leben in drei zum Teil weit auseinander liegenden historischen Landstrichen, daher differieren die lokalen Varianten des Zimbrischen sehr deutlich:

Sieben Gemeinden[Bearbeiten]

Die Sieben Gemeinden, zimbrisch Siben Komoin, italienisch Sette Comuni, liegen auf dem Hochplateau nordwestlich von Vicenza in der Region Venetien. Die einzelnen Orte heißen:

  • Asiago, zimbrisch Sleghe/Schlège, deutsch Schlägen
  • Gallio, zimbrisch Gell(e)/Ghel, deutsch Gelle
  • Roana, zimbrisch Robàan, deutsch Rovan oder Rain
  • Foza, zimbrisch Vüsche/Vütsche/Fütze
  • Enego, zimbrisch Ghenebe/Jenève, deutsch Jeneve
  • Rotzo, zimbrisch Rotz, deutsch Ross
  • Lusiana, zimbrisch Lusaan, deutsch Lusian

Das Zimbrische hat sich in den Sieben Gemeinden bis heute nur in Robàan (Roana) und dessen Ortsteil Mittebald/Toballe (Mezzaselva, deutsch Mittewald) gehalten.

Bis vor wenigen Jahrzehnten wurde auch im Cansiglio, Region Venetien, in drei Gemeinden zimbrisch gesprochen:

  • Farra d’Alpago (Provinz Belluno): in den Weilern Campon, Pian Osteria und I Pich
  • Fregona (Provinz Treviso): in den Weilern Vallorch und Le Rotte
  • Tambre (Provinz Belluno): in den Weilern Val Bona, Pian dei Lovi, Canaie Vecio und Pian Canaie

Die Siedler kamen ab 1707 aus Roana (Sieben Gemeinden) hierher. Vermutlich wurde ein Maximum von 500 Einwohnern erreicht; 1877 waren es 280 Einwohner. Die Sprachinsel existiert nicht mehr, nur noch (Flur-)Namen erinnern an die zimbrische Vergangenheit. Allerdings beschäftigen sich die Bewohner des Cansiglio neuerdings dennoch sehr intensiv mit ihrer bestenfalls rudimentär erhaltenen zimbrischen Geschichte.

Nördlich von Verona[Bearbeiten]

Die Dreizehn Gemeinden, ital. Tredici Comuni auch Lessinien oder italien. Lessinia genannt, liegen weit südwestlich von den Sieben Gemeinden und Lusern und gehören zur Provinz Verona (Region Venetien). Auch sie liegen auf einer von Bergen umsäumten abgelegenen und isolierten Hochebene, die von der Talseite nur schwer zugänglich ist.

Ortschaften sind:

  1. Velo Veronese, zimbrisch Vellje, deutsch Feld
  2. Roverè Veronese, deutsch Rovereid
  3. Erbezzo, deutsch gen Wiesen
  4. Selva di Progno, zimbrisch Brunghe, deutsch Prugne, mit Giazza, zimbrisch Ljetzan, deutsch Gletzen oder Gliesen
  5. Bosco Chiesanuova, zimbrisch Nuagankirchen, Neuenkirchen
  6. Badia Calavena, zimbrisch Kalfàain, Màbado oder Kam'Abato, deutsch Kalwein oder Kalfein
  7. Cerro Veronese, zimbrisch Tschirre' oder Sèr, „deutsch“ Silva Hermanorum
  8. San Mauro di Saline, deutsch Sankt Moritz
  9. Azzarino, zimbrisch/deutsch Asarin, heute Ort der Gemeinde Velo Veronese
  10. San Bortolo, zimbrisch Bòrtolom, eingemeindet nach Selva di Progno
  11. Val di Porro, deutsch Porrental, eingemeindet nach Bosco Chiesanuova
  12. Tavernole, heute Ort von San Mauro di Saline
  13. Camposilvano, deutsch Kampsilvan, eingemeindet nach Velo Veronese

Die letzten fünf Ortschaften wurden wie angegeben in die übrigen acht politischen Kommunen der Dreizehn Gemeinden eingegliedert. Das Zimbrische wird nur noch in Ljetzan (Giazza), einer Ortschaft in der Gemeinde Selva di Progno, gesprochen.

Trentino[Bearbeiten]

Bairische Dialekte im Trentino:
 Zimbrisch und Fersentalerisch

Auf der gleichen Hochebene wie die Sieben Gemeinden, jedoch etwa 30 km nordwestlich, südlich der oberen Val Sugana und des Caldonazzosees in der Provinz Trient, Region Trentino-Südtirol liegen

  • Lusern, italienisch Luserna
  • Folgaria, zimbrisch Folgrait (= viel gerodet), deutsch Vielgereuth
  • Lavarone, zimbrisch Lavròu, deutsch Lafraun
  • Terragnolo, zimbrisch/deutsch Leimtal
  • Vallarsa, zimbrisch/deutsch Brandtal,
  • Trambileno, zimbrisch/deutsch Trumelays,


In Lusern hat sich aufgrund seiner besonders isolierten Lage das Zimbrische am besten erhalten und wird von fast allen der ca. 300 Einwohner im Alltag gesprochen, die zu etwa zwei Dritteln „Nicolussi“ mit Nachnamen heißen.

In den Lusern am nächsten gelegenen Orten Lavarone/Lafraun und Folgaria/Vielgereuth wurde noch bis vor wenigen Jahrzehnten zimbrisch gesprochen. Dort gilt das Zimbrische jedoch seit der faschistischen Zeit (1922-1943) als ausgestorben; heute erinnern nur noch Familien- und Flurnamen sowie lokale Bezeichnungen an die zimbrische Vergangenheit der Orte.

Andere oberdeutsche Sprachinseln[Bearbeiten]

Nicht zu verwechseln mit dem Zimbrischen sind eine Reihe weiterer oberdeutscher Sprachinseln im Alpenraum.

Ebenfalls im Trentino, allerdings nördlich des oberen Valsugana, liegt in der Provinz Trient, Region Trentino-Südtirol das Fersental, deren Mundart, das Fersentalerische, den Tiroler Dialekten näher steht als das Zimbrische. Die Fersentaler werden von den Italienern als „Mòcheni“ bezeichnet (vermutlich, weil sie häufig das Wort „mòchen“ („machen“) verwenden).

Ortschaften:

  • Palù del Fersina, fersent. Palae en Bersntol, deutsch Palai im Fersental
  • Fierozzo, fersent. Vlarötz, deutsch Florutz
  • Frassilongo-Roveda, fersent. Garait, deutsch Gereut mit der Fraktion Roveda, fersent. Oachlait, deutsch Eichleit

Oberdeutsche Sprachinseln weiter im Osten (Karnische Alpen) sind

In diesen östlichen Sprachinseln werden bairische Mundarten mit deutlichen Osttiroler Elementen gesprochen. Die Sprache Sappadas geht vorwiegend auf das Osttirolerische zurück, da die Besiedelung – wahrscheinlich um das Jahr 1270 – direkt aus dem Pustertal und dem Vilgratental erfolgte.

Das Kanaltal (ital. Val Canale) mit dem Hauptort Tarvis (ital. Tarvisio) gehört nicht zu den deutschen Sprachinseln, sondern ist ein Teil des Kärntner Sprachraums, der seit 1918 zu Italien gehört.

Geschichte[Bearbeiten]

In einem Nachtrag von zirka 1050 des Cod. lat. 4547 der Bayerischen Staatsbibliothek von Benediktbeuern wird erwähnt, dass Bauern aus Westbayern in Zeiten der Hungersnot nach Verona auswanderten; es dürfte sich hierbei um den ersten historischen Beleg für die Einwanderung handeln. Im Laufe des 11. und 12. Jahrhunderts siedelten sie sich, aus Bayern und Tirol kommend, hier an.

Eine Theorie nimmt an, dass diese deutschen Siedler möglicherweise nach Italien gerufen wurden, weil sie gute Holzschnitzer und Zimmerleute waren und/oder weil sie Holzkohle herstellen konnten, damit hohe Temperaturen zum Metallschmelzen erreicht werden konnten. Einer Version zufolge rief 1287 Bartolomeo I. della Scala, der Herr von Verona, einige Familien von Holzschnitzern, „Tzimberer“ (Mittelhochdeutsch für „Zimmerer“) zur Arbeit in den weiten Wäldern von Lessinia (Dreizehn Gemeinden).

Eine wesentlich plausiblere Theorie mutmaßt, dass die zimbrischen Sprachinseln durch Zuwanderung ganzer Sippschaften entstanden, die wegen erheblicher Versorgungsprobleme auf Grund der im 11. und 12. Jahrhundert starken Bevölkerungszunahme im Stammesherzogtum Baiern in diese durchweg abgelegenen, isolierten und oft auch klimatisch und landwirtschaftlich unattraktiven Gebiete zogen.

Seit Generationen hält sich zudem bei einem namhaften Teil der Zimbern-Forscher die Langobarden-Theorie des Zimbrischen, welche 1948 von Bruno Schweizer entwickelt wurde und die Zimbern als letzte Nachfahren der Langobarden betrachtet.

Im Lauf der Jahrhunderte wurden die Zimbern zur fest etablierten Minderheit in den venetianischen Alpen. Sie unterhielten Handelsbeziehungen zur Seemacht Venedig, der sie insbesondere Bauholz lieferten. Im Gegenzug gewährte ihnen der Doge weitreichende Autonomierechte und kulturelle Souveränität. Diese „Freiheiten“ gingen im Gefolge der Napoleonischen Kriege und der damit einhergehenden Übereignung Venedigs an das Haus Österreich wieder verloren. Die habsburgischen Tiroler betrachteten das absonderliche Bergvolk mit seiner urtümlichen Mundart wie ein absurdes Relikt aus einer längst vergangenen Zeit.

1866 ging Venetien im aufstrebenden Königreich Italien auf. Angesichts der nationalistischen Einigungsbestrebungen des bisher auf viele Kleinstaaten verteilten italienischen Volkes blieb für die Belange der Zimbern kein Entfaltungsraum. Nach 1915, während sich Italiener und Österreicher im Krieg gegenüberstanden, betrachteten die Italiener die Zimbern gemeinhin als „Fünfte Kolonne“ Wiens.

Besonders im Bereich der Sieben Gemeinden (Italien) und um Lusern, die im Dolomitenkrieg unmittelbar an der Front auf der italienischen (Sieben Gemeinden) bzw. auf der österreichisch-ungarischen Seite (Lusern) lagen, tobten während des Ersten Weltkrieges mörderische Schlachten. Die Einwohner der Sieben Gemeinden wurden in die Poebene deportiert, nur wenige kehrten später in die verwüsteten Häuser ihrer fast völlig zerstörten alten Heimat zurück.

Mit der Machtübernahme der italienischen Faschisten (1922) wurde das Zimbrische nicht nur im öffentlichen, sondern sogar im privaten und familiären Bereich unter scharfen Strafandrohungen verboten. Durch die rücksichtslose Politik der Italianisierung von Benito Mussolini und vor allem Ettore Tolomei wurden Sprache und Tradition der Zimbern massiv unterdrückt. Durch die ähnlich wie in Südtirol auch in den zimbrischen Gemeinden 1939 von den Diktatoren Hitler und Mussolini erzwungene Option wurden einige Sprachinseln ausgelöscht, andere stark bedrängt und dezimiert. Mit der reichsdeutschen Besetzung Italiens 1943 wurde die Option hinfällig.

Obwohl die Südtiroler heute über ein weit reichendes Autonomiemodell verfügen (siehe Südtirol-Paket), machte sich für die Zimbern zunächst niemand stark. Die kleinen Sprachinseln konnten sich im Lauf der letzten Jahrzehnte nur schwer behaupten und unterlagen vielfach dem italienischen Assimilierungsdruck. In den 90er Jahren setzte sich insbesondere der damalige österreichische Außenminister Alois Mock (Besuch in Lusern zum Friedenstreffen im August 1993) bei der EU und anderen internationalen Organisationen für die zimbrischen Sprachinseln ein.

Der Gebrauch der Sprache ist heute vor allem wegen der Abwanderung der jungen Leute in die Wirtschaftszentren zwar immer noch im Rückgang begriffen, in jüngster Zeit werden aber besonders in Lusern, aber auch im Fersental sowie in den Sieben Gemeinden (Robaan, ital. Roana) und den Dreizehn Gemeinden Mundart und Tradition auch von den Regionen Trentino-Südtirol bzw. Venetien und der EU gefördert. Darüber hinaus haben viele der Zimberngemeinden (insbesondere Lusern und Sappada) durch den Ausbau des Tourismus gute wirtschaftliche Perspektiven (unter anderem werben sie inzwischen mit ihrer zimbrischen Sprache und Tradition), so dass die Abwanderung der jungen Leute gestoppt werden kann.

Daher ist die zimbrische Sprache noch längst nicht ausgestorben – ein paar tausend Leute gebrauchen sie noch im Alltag. Die Einwohner der Zimbernorte – auch die nicht-zimbrisch-sprechenden – sind mittlerweile stolz auf ihre Tradition und engagieren sich für deren Bewahrung.

Mittlerweile gibt es auch ein Fernsehprogramm in zimbrischer Sprache. Die wöchentliche Sendung ‚Zimbar Earde‘ wird über den Satellit Eutelsat Sky630 im Kanal Trentino TV ausgestrahlt.[1] Die Beiträge sind zum Teil auch online verfügbar.[2] In der Wochenzeitung L'Adige erscheinen zweimal im Monat Beiträge auf Zimbrisch.[3]

Lusern[Bearbeiten]

Die am besten erhaltene und aktivste Sprachinsel der Zimbern ist heute das rund 300 Einwohner starke, jahrhundertelang extrem isoliert gelegene Alpendorf Lusern. Dort sprechen auch heute noch die meisten Einwohner im Alltag diese älteste und am besten erhaltene deutsche Mundart überhaupt – das Luserner Zimbrisch, das auf einem bairisch-alemannisch geprägten Mittelhochdeutsch des 11. bis 12. Jahrhunderts basiert. In Lusern wird heute die Mundart besonders gepflegt. Es existieren ein umfangreiches Dokumentationszentrum, das eigene Publikationen herausgibt und regelmäßig Ausstellungen veranstaltet, sowie ein bekannter zimbrischer Chor (Coro Polifonico Cimbro, seit 1992). Anfang 2005 wurde das „Kulturinstitut Lusern“ gegründet. Schon am Ortseingang werden die Besucher mit einem Schild auf Italienisch, Zimbrisch und Hochdeutsch begrüßt.

Es gibt zahlreiche Bestrebungen in Deutschland, Österreich und Südtirol, die Mundart und Geschichte der Zimbern nicht nur vollständig zu erforschen und zu dokumentieren, sondern auch die Zimbern bei der Pflege ihrer Sprache und Tradition nachhaltig zu unterstützen.

Bezeichnung der Sprachminderheit[Bearbeiten]

Die Zimbern nennen sich selbst Tzimbar oder Cimbarn. Andere Bezeichnungen für die Zimbern sind Cymbr, Cimbri, Tzimber, Tauch (von „deutsch“). Die Fersentaler werden dagegen von den Italienern Mocheni genannt, weil die Fersentaler sehr häufig das Wort mochen (dt. „machen“) verwenden.

Als die deutschen Sprachinseln in Oberitalien im 14. Jahrhundert von der Wissenschaft entdeckt wurden, stellten italienische Humanisten die heute nicht mehr haltbare Theorie auf, die Zimbern seien die Nachfahren der antiken Kimbern des 2. Jahrhunderts v. Chr. Die Selbstbezeichnung als Zimbern könnte sich möglicherweise aber auch von althochdeutsch zimbar „Bauholz“ herleiten (vergleiche dazu die verwandten Formen neuhochdeutsch „Zimmer(mann)“, englisch timber „Bauholz“). In der Tat waren viele Zimbern Zimmerleute und für ihre handwerklichen Fähigkeiten weithin bekannt. Unklar ist aber, seit wann die Zimbern sich selbst als solche bezeichnen. Da die zimbrischen Sprachinseln aber jeweils sehr isoliert liegen und früher so gut wie keine Kontakte untereinander hatten, so dass eine frühe einheitliche Selbstbezeichnung eher unwahrscheinlich ist, spricht manches dafür, dass die Zimbern die Nomenklatur der Humanisten des 14./15. Jahrhunderts für sich übernommen haben. So ist z. B. in Lusern der Begriff „di zimbar zung“ für die zimbrische Sprache erst jüngeren Ursprungs. Die Luserner nennen ihre Sprache einfach nur „Ren az be biar“ (übers. „reden wie wir“).

Sprache und Tradition[Bearbeiten]

1602 ließ Bischof Marco Corner von Padua den Katechismus „Christlike unt korze Dottrina“, eine Übersetzung der italienischen „Dottrina christiana breve“ von Kardinal Robert Bellarmin, als ältestes Buch in zimbrischer Sprache in Vicenza drucken. Um 1685/86 behandelte auch der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz die zimbrische Sprache. In der 6. Aufl. des 2. Teils seiner „Erdbeschreibung“ machte der deutsche Kosmograph Anton Friedrich Büsching 1769 die Zimbern im deutschen Sprachraum bekannt. In den Jahren 1813 und 1843 wurde der damalige italienische Katechismus „Piccolo Catechismo ad uso del Regno d'Italia“ erneut ins Zimbrische übersetzt und unter dem Titel „Dar Klóane Catechismo vor dez Béloseland“ gedruckt.

Mitte des 19. Jht. bereiste der bayerische Philologe und Linguist Johann Andreas Schmeller mehrfach die zimbrischen Sprachinseln und erkannte, dass das Zimbrische ein Mittelhochdeutsch bairisch-tirolerischer Ausprägung ist, das seit dem Hochmittelalter gesprochen wird. Im Jahr 1855 gab Schmeller ein „Cimbrisches Wörterbuch“ heraus.

Das Zimbrische ist ein Dialekt mit lokalen Varianten, der, ähnlich dem Walserdeutschen, noch immer auf alt- und frühmittelhochdeutschen Mundarten beruht. Er hat sich in einem Jahrtausend weniger als andere deutsche Dialekte verändert. Gesprochen werden (bzw. wurden ursprünglich) in jeder der Sprachinseln eigene Dialekte mit altertümlichen Merkmalen, die für die übrigen Deutschsprachigen nur sehr schwer zu verstehen sind. Die zimbrischen Dialekte können somit aufgrund der Unterschiede sowohl zum Standarddeutschen, zu den bairischen Dialekten als auch zum Fersentalerischen in Grammatik, Wortschatz und Aussprache als eine eigene Sprache aufgefasst werden.

Man darf die Zimbern jedoch nicht mit den ebenfalls deutschsprachigen Südtirolern verwechseln, die einen neuzeitlichen südbairischen Dialekt sprechen und wesentlich weiter nördlich siedeln. Zwischen den Zimbern – im Gegensatz zu den Fersentalern wegen ihrer besonderen wirtschaftlichen Tätigkeit – und den Südtirolern gab es in früheren Zeiten kaum kulturelle Kontakte, deren Mundarten trennen ganze Zeitalter.

Im 20. Jahrhundert befassten sich vor allem Bruno Schweizer und der bayerische Forscher Hugo Resch aus Landshut mit der Mundart der Zimbern, Beiträge zur Erforschung und Dokumentation stammen auch von Anthony Rowley. Der Münchner Sprachwissenschaftler Hans Tyroller hat in erster Linie den Luserner Dialekt studiert und 1997 eine umfassende Grammatik vorgelegt.

Die zimbrischen und bairischen Sprachinseln in den Provinzen Trient (Lusern und Fersental), Verona (Dreizehn Gemeinden), Vicenza (Sieben Gemeinden), Belluno (Sappada) und Udine (Tischlwang/ital. Timau und Zahre/ital. Sauris) unterhalten heute zur Festigung ihrer besonderen Traditionen enge Kontakte untereinander.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Priesterseminar Padua: Dar klóane catechismo vor z'Béloseland vortrághet in z'gaprécht von Siben Kaméün un a viar halghe gasang, Padua, 1842
  • J.A. Schmeller: Cimbrisches Wörterbuch. K. K. Hof- u. Staatsdr., Wien 1855. Download als PDF (10,93 MB).
  • Josef Bacher: Die deutsche Sprachinsel Lusern. Wagner'sche Universitäts-Buchhandlung, Innsbruck, 1905.
  • Eberhard Kranzmayer: Laut- und Flexionslehre der deutschen zimbrischen Mundart. VWGÖ, Wien 1981, und Glossar, Wien 1985. ISBN 3-85369-465-9
  • Wilhelm Baum: Geschichte der Zimbern. Storia dei Cimbri. Curatorium Cimbricum Bavarense, Landshut 1983.
  • U. Martello-Martalar: Dizionario della Lingua cimbra. Vicenza 1974. Bd 2. Dal Pozzo, Roana-Vicenza 1985. (ital.)
  • Hans Tyroller: Grammatische Beschreibung des Zimbrischen von Lusern. Franz Steiner Verlag, Stuttgart, 2003. ISBN 3-515-08038-4
  • Ermenegildo Bidese (Hrsg.): Das Zimbrische zwischen Germanisch und Romanisch. Brockmeyer, Bochum 2005. ISBN 3-8196-0670-X
  • R.A. Trentino – Alto Adige, Istituto Cimbro (Hrsg.): Bar lirnen z' schraiba un zo reda az be biar. Grammatik der zimbrischen Sprache von Lusérn (ital. / deutsch-zimbrisch). Lusern, 2006. ISBN 978-88-95386-00-3
  • Norman Denison; H. Grassegger: Zahrer Wörterbuch = Vocabolario Sauranor. – Graz: Inst. für Sprachwiss. der Univ. Graz, 2007. – XX, 361 S. . – (Grazer linguistische Monographien; 22)
  • Bruno Schweizer, James R. Dow (Hrsg.): Zimbrische Gesamtgrammatik. Vergleichende Darstellung der zimbrischen Dialekte (Franz Steiner Verlag, Stuttgart, 2008). ISBN 978-3-515-09053-7
  • Karl-Markus Gauß: Die fröhlichen Untergeher von Roana. Paul Zsolnay Verlag Wien 2009. ISBN 978-3-552-05454-7
  • Herbert Hopfgartner: Die zimbrische Sprachinsel. Einblicke in die älteste periphere deutsche Kultur in Mitteleuropa in Lech Kolago (Hrsg): Studien zur Deutschkunde (XXXVIII. Band), Universität Warschau 2008. ISSN 0208-4597

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lusern.it: [1], Homepage Dokumentationszentrum Lusern
  2. Zimbar Earde: [2], Homepage mit einigen Beiträgen der Sendereihe Zimbar Earde
  3. ladige.it: [3], Homepage Wochenzeitschrinft L´Adige

Weblinks[Bearbeiten]