Zimmermann (Klavierhersteller)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Logo

Zimmermann (gegründet von Max und Richard Zimmermann als Gebr. Zimmermann, später Leipziger Pianoforte-Fabrik Gebr. Zimmermann Aktiengesellschaft) war ein Hersteller von Klavieren, der seit 1992 zur C. Bechstein Pianofortefabrik gehört. Mittlerweile werden alle Bechstein-Klaviere und Flügel in der vormaligen Zimmermann-Fabrik in Seifhennersdorf gefertigt. Historische Produktionsstätten von Zimmermann befanden sich in Mölkau, Eilenburg und Dresden-Cotta.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Brüder Max und Richard Zimmermann erlernten in der väterlichen Werkstatt in Leipzig das Tischlerhandwerk. Max Zimmermann arbeitete anschließend bei den Klavierbauern August Hermann Francke (Leipzig), Robert Seitz (Leipzig), Philippi Frères (Frankfurt am Main) und Steinway & Sons (Hamburg).[1] Von Hamburg schickte Theodor Steinweg den begabten jungen Mann nach New York, wo er in der Steinway Hall als Intonateur wirkte.

1884 gründeten Max und Richard Zimmermann unter dem Namen Gebr. Zimmermann in der Alexanderstraße in Leipzig ihre eigene Klavierfabrik. 1890 eröffnete das Unternehmen ein Verkaufsgeschäft in der Zeitzer Straße in Leipzig, 1892 eröffneten sie die neue Fabrikation in Mölkau bei Leipzig. 1895 änderte sich die Gesellschaftsform in eine Aktiengesellschaft, damit einher ging die Umbenennung in Leipziger Pianoforte-Fabrik Gebr. Zimmermann Aktiengesellschaft.

Beschäftigte in Eilenburg
1908 400
1914 700
1925 750
1931 180
1932 2[2]

1904 ließen sich die Gebrüder Zimmermann aus Leipzig zur Gründung einer Pianofortefabrik in Eilenburg nieder. Sie bauten dazu die Werkhallen der in Konkurs gegangenen Kattundruckerei Ehrenberg und Richter im Norden der Stadt (Jacobsplatz) mit einem hohen Investitionsaufwand für die Fabrikation von Klavieren aus. Die Niederlassung besaß eine Kapazität von 10.000 Klavieren im Jahr. In einem Inserat aus der Zeit zwischen 1911 und 1914 wurde dem Unternehmensnamen die Ortsangabe Eilenburg hinzugefügt, das nun de facto Hauptstandort war. 1911 wurde die Fabrik in Seifhennersdorf eröffnet. Dem Unternehmen gelang nun mit einer Jahresproduktion von 12.000 Pianos und mit 1.400 Mitarbeitern der Aufstieg zu Europas größtem Klavierhersteller. Mit 700 Beschäftigten in Eilenburg war der Betrieb 1914 der zweitgrößte Arbeitgeber der Stadt nach der Deutschen Celluloid-Fabrik (DCF). Während des Ersten Weltkrieges wurde auch hier auf Kriegsproduktion umgestellt. Die nun vor allem weibliche Belegschaft fertigte Munitionskisten. Erst nach Ende des Krieg begann man wieder mit der Produktion von Klavieren in geringen Stückzahlen.

Allmählich stieg die Zahl der gefertigten Klaviere wieder an, 1926 waren es 4.500 Stück. Aber auch Möbel stellte das Unternehmen nun her. Im selben Jahr fusionierte die Fabrikation der Gebrüder Zimmermann mit der Ludwig Hupfeld AG aus Böhlitz-Ehrenberg bei Leipzig. Damit entstand erneut die größte und nun auch älteste Pianofabrik in Europa. Das Unternehmen firmierte fortan unter Leipziger Pianoforte- und Phonola-Fabriken Hupfeld-Gebr. Zimmermann AG Eilenburg. Im Januar 1929 kam es zu einem Großfeuer im Eilenburger Werk, das erst mit Hilfe der Leipziger Feuerwehr gelöscht werden konnte. Die im Oktober desselben Jahres einsetzende Weltwirtschaftskrise setzte dem Unternehmen arg zu. Anfang 1931 wurde das Eilenburger Werk geschlossen und die Produktion nach Seifhennersdorf verlegt. Die Fabrik in Mölkau existierte bis mindestens 1925.[3]

In den Eilenburger Werkshallen befand sich von 1932 bis 1937 das Arbeitsdienstlager 3/14 der NSDAP. Nachdem dieses ausgezogen war kehrte 1937 die Hupfeld-Zimmermann AG zurück. Im nunmehrigen Werk 4 fand Holz- und Metallverarbeitung statt. Auch während des Zweiten Weltkrieges wurde zur Kriegsproduktion übergegangen. Am 13. April 1945 wurde allen verbliebenen Mitarbeitern der Firma Hupfeld-Zimmermann in Eilenburg gekündigt.[4]

Nach 1945 wurde die Firma verstaatlicht und der VEB Deutsche Piano-Union Leipzig unterstellt, wobei die Marke Zimmermann erhalten blieb. Ab 1975 wurde auch die einfache Modellreihe 105 V angeboten, deren Gehäuse aus heimischen Hölzern und einfachen Formen gemacht war.

Später folgte wieder eine Konzentration auf das mittel- bis hochpreisige Segment; die Firma nannte sich VEB Sächsische Pianofortefabrik Seifhennersdorf. 1992 übernahm die C. Bechstein Pianofortefabrik das Unternehmen und verlegte seine deutsche Produktion nach Seifhennersdorf. Es wurden die Modelle Z1 (125 cm hoch), Z2 (120 cm hoch) und Z3 (116 cm hoch) angeboten. Ende 2011 wurde die Produktion der Zimmermann-Pianos eingestellt.[5]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dieter Gocht: Gebr. Zimmermann, A.-G., Leipziger Pianofortefabrik, gegr. 1884, in: Dieter's Klaviergeschichten. Datenarchiv des Klavierbaus, abgerufen am 14. Dezember 2014.
  2. Wolfgang Beuche: Die Industriegeschichte von Eilenburg Teil I, 1803–1950, S. 44, Books on Demand, Norderstedt 2008, ISBN 978-3-8370-5843-7
  3. http://mfm.uni-leipzig.de/hsm/detail.php?id=101
  4. Erratum zu Teil VI der Eilenburger Industriegeschichte. In: Der Sorbenturm – Eilenburger Lesebuch, Band 5, Verlag für die Heimat, Eilenburg 2008, S. 92.
  5. http://bechstein.com/mythos-bechstein/unsere-tradition/2007-2012.html