Zimmermannsbleistift

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Zimmermannsbleistifte werden unangespitzt verkauft
Zimmermannsbleistifte
Die rechteckige Mine

Der Zimmermannsbleistift (auch Zimmererbleistift genannt) wird zum Anzeichnen auf Werkstoffen mit rauer, fester Oberfläche eingesetzt. In vielen Bauberufen ist er als berufsspezifisches Werkzeug gebräuchlich. Er unterscheidet sich vom normalen Bleistift in Größe, Form und Funktion.

Verwendung[Bearbeiten]

Der Zimmermannsbleistift wird hauptsächlich auf Baustellen von Bauhandwerkern, wie z. B. Zimmerleuten, Maurern, Beton- und Stahlbetonbauern etc., sowie im Heimwerker-Bereich zum Anzeichnen auf Werkstoffen, wie z. B. Holz, Beton oder Mauerwerk eingesetzt. Er wird – da er aufgrund der breiten, nicht kegelförmigen Spitze nicht in einen normalen Anspitzer passt – meist mit einem Messer gespitzt oder schräg an einer rauen Fläche (Betonmauer, Sandpapier etc.) gerieben. Es gibt jedoch auch spezielle Anspitzer für Zimmermannsbleistifte.

Darüber hinaus werden der Zimmermannsbleistift und der Multigrafstift als Werbemittel genutzt und vor allem auf Handelsmessen oder durch Handelsvertreter verteilt. Die Beliebtheit als Werbemittel liegt darin, dass beide Stiftformen relativ große Werbeflächen auf dem Holzmantel bieten, die sich mit Handelsnamen, Firmenlogos oder Firmenadressen bedrucken lassen, und in der Beschaffung preisgünstiger sind als z. B. Gliedermaßstäbe („Zollstöcke“). Da sie sich bei der Benutzung verbrauchen, werden sie zudem gerne als Werbegeschenk angenommen.

Form[Bearbeiten]

Seine Mine hat einen rechteckigen Querschnitt mit stark unterschiedlichen Seitenlängen, um beim Anlegen mit der breiten Seite an ein Lineal einen schmalen Strich zu erzeugen und dennoch nicht abzubrechen. Der Holzmantel hat einen entsprechenden Querschnitt, beispielsweise elliptisch oder ebenfalls rechteckig. Dadurch wird ein Herunterrollen des Stiftes von schrägen Flächen verhindert. Der Zimmermannsbleistift ist in den handelsüblichen Längen 8,5 cm, 17,5 cm, 24 cm und 30 cm erhältlich. Handelsübliche Zimmermannsbleistifte haben eine HB-Mine, also eine standardisierte weiche Mine, und zumeist eine graue Minenfarbe.

Besondere Zimmermannsbleistifte[Bearbeiten]

Multigrafstift[Bearbeiten]

Eine Spezialform des Zimmermannsbleistiftes ist der Multigrafstift. Dieser Stift besitzt eine spezielle Graphitmine, die sich für die Beschriftung von glatten Oberflächen wie Fliesen, Glas, Metall oder auch Schaumpolystyrol eignet. Üblicherweise sind die Minen nicht grau, sondern rot, grün oder blau. Die unterschiedlichen Minenfarben sind wichtig, damit der Multigrafstift für unterschiedlich gefärbte Oberflächen eingesetzt werden kann. Der Multigrafstift wird auch Riesenbleistift oder Dreikantbleistift genannt. Der Begriff Dreikantbleistift kommt daher, weil die handelsübliche Holzmantelform des Multigrafstiftes die dreikantige Form ist. Es gibt aber auch Multigrafstifte mit elliptischem Querschnitt.

Tischlerbleistift[Bearbeiten]

Eine Spezialform des Multigrafstiftes ist der Tischlerbleistift. Er ist 17,5 cm lang, hat einen runden Holzmantel und eine spezielle Nass-Schreib-Mine, mit der man auch auf nassem Holz zeichnen kann.

Steinhauerstift[Bearbeiten]

Zimmermannsbleistifte mit einer härteren Mine (z. B. einer 6H-Mine oder einer 20H-Mine) werden Steinhauerstifte genannt. Steinhauerstifte werden für das Aufzeichnen von Informationen auf Beton oder Stein, also sehr harten Oberflächen verwendet.

Asiatischer Bambusstift[Bearbeiten]

In Japan werden statt Zimmermannsbleistiften traditionell zu einer Schneide zugespitzte Bambusspäne verwendet, die zur Benutzung mit Tusche angefeuchtet werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Krämer: Grundwissen des Zimmerers: Fachstoff für Zimmerleute. 9., überarb., aktualisierte und erw. Aufl., Bruderverlag, Karlsruhe 2006, ISBN 3-87104-155-6. (S. 133: „Zimmermannsbleistift“)
  • Darstellung im Roman:
  • Manuel Rivas: Der Bleistift des Zimmermanns. 1. Aufl., Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-518-39815-6. (Aus dem Inhalt: Der Protagonist des Romans zeichnet während des spanischen Bürgerkrieges 1936 als Häftling mit einem großen Zimmermannsbleistift den „Portikus der Seligkeit“ der gegenüberliegenden Kathedrale, was später zum Ausgangspunkt der Verfolgung seiner Gefangenenodyssee durch seinen Bewacher wird.)
  • Der dt. Schriftsteller Arno Schmidt verwendete den Zimmermannsbleistift mehrmals in seinem Werk als Metapher, wie z. B. für seine „handwerkliche Literaturarbeit“ oder zur Eigendarstellung „als (Literatur-)Berserker mit grobem Zimmermannsbleistift“. (siehe dazu: Bericht vom 30. März 2006 im Deutschlandradio über eine Arno-Schmidt-Ausstellung)