Zimmernsupra

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Zimmernsupra
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Zimmernsupra hervorgehoben
50.9910.867222222222305Koordinaten: 50° 59′ N, 10° 52′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Gotha
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Nesseaue
Höhe: 305 m ü. NHN
Fläche: 7,41 km²
Einwohner: 349 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 47 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99100
Vorwahl: 036208
Kfz-Kennzeichen: GTH
Gemeindeschlüssel: 16 0 67 082
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Dr.-Külz-Straße 4
99869 Friemar
Webpräsenz: www.vg-nesseaue.de
Bürgermeister: Enrico Hilke
Lage der Gemeinde Zimmernsupra im Landkreis Gotha
Ballstädt Bienstädt Brüheim Bufleben Crawinkel Dachwig Döllstädt Drei Gleichen Emleben Waltershausen Eschenbergen Friedrichroda Friedrichswerth Friemar Georgenthal Gierstädt Goldbach Gotha Gräfenhain Großfahner Günthersleben-Wechmar Haina Herrenhof Hochheim Hohenkirchen Hörsel (Gemeinde) Leinatal Luisenthal Molschleben Nesse-Apfelstädt Nottleben Ohrdruf Petriroda Pferdingsleben Remstädt Schwabhausen Sonneborn Tabarz Tambach-Dietharz Tonna Tröchtelborn Tüttleben Waltershausen Wangenheim Warza Westhausen Wölfis Zimmernsupra Thüringen Erfurt Ilm-Kreis Landkreis Schmalkalden-Meiningen Wartburgkreis Eisenach Unstrut-Hainich-Kreis Landkreis SömmerdaKarte
Über dieses Bild

Zimmernsupra (früher offiziell Zimmern supra geschrieben) ist eine Gemeinde im thüringischen Landkreis Gotha und Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Nesseaue.

Geografie[Bearbeiten]

Zimmernsupra liegt ca. 12 km nordöstlich der Kreisstadt Gotha und ca. 12 km westlich von Erfurt. Einziges Fließgewässer des Ortes ist das am nordwestlichen Dorfrand entspringende Rinnsal des Flachsröstengrabens, der sich durch die Ortslage schlängelt und sich wenige hundert Meter südlich in den von Osten kommenden Mollbach ergießt. Dieser wiederum mündet nördlich des Nachbardorfes Nottleben in die Nesse.

Der höchste Punkt der Gemarkung Zimmernsupra ist die im Nordwesten liegende Bienstädter Höhe (344,8 m ü. NN), der tiefste Punkt liegt im Südsüdwesten, wo der Mollbach das Gemeindegebiet bei 291 m ü. NN nach Nottleben verlässt. Der in der Nähe des westlichen Dorfrandes liegende Hopfenberg (314,1 m ü. NN) lässt vermuten, dass Zimmernsupra einst über eine Braugerechtigkeit verfügte.

Der Ort wird durchkreuzt von der L 1044 (Ermstedt - Bienstädt), sie ist gleichzeitig im Ortsverlauf die L 1043 (Erfurt - Tröchtelborn). Nach Osten verlässt die K 24 (gleichzeitig L 1043) den Ort, um nach 1400 m schnurgeraden Verlaufs an der Gemeindegrenze (Erfurter Tor) bei der K 12 zu enden, die von dort in Richtung Töttelstädt nach Norden führt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes im Breviarium Sancti Lulli entstammt dem Jahre 775. Hier wurde der Name „Cimbero“ für den Ort verwendet. Weitere (frühe) Nennungen erfolgten Jahr 1247 „Zimmern in montanis“, 1285 „Cymmern“, 1380 „Zcymmern vff dem bergen“, 1571 „Zimmernn“, 1754 „Zimmernsupra“ und 1833 zeitweilig „Oberzimmern“. Der Ortsname wurde gedeutet als „in dem / bei dem gezimmerten Haus“ – möglicherweise eine ungewöhnliche Holzkonstruktion, die in der Entstehungszeit des Ortsnamens eine regionale Bekanntheit hatte.

Die Grafen von Gleichen und das auch in Mittelthüringen reich begüterte Kloster Hersfeld waren bis Mitte des 14. Jahrhunderts die Besitzer des Dorfes. Im Ort bestanden Höfe der Dienstadeligen Trebis, Utzberg und Bodewitz. Ab 1358 gehörte der Ort zum Territorium der zur Großstadt heranwachsenden Handelsstadt Erfurt. Die Übernahme von Zimmernsupra erfolgte in mehreren Schritten und war um 1600 beendet. Zur Verwaltung der Erfurter Außenbesitzungen wurden Vogteien gebildet, wobei Zimmernsupra der Vogtei Nottleben zugeteilt war. Diese Verwaltungsstruktur bestand bis 1706. Eine Verwaltungsreform veränderte 1706 den Zuschnitt der Erfurter Verwaltungseinheiten, man richtete nun eine Ämterwerwaltung ein, bei der Zimmernsupra dem etwa gleich großen Amt Alach zugeteilt wurde.

Zimmernsupra um 1880

Im 19. Jahrhundert erfolgten mehrere Wechsel der Landesherrschaft, ausgelöst durch die napoleonische Fremdherrschaft und den Untergang von Kurmainz als Staatsgebiet. Erfurt und seine Landgemeinden gingen 1802 von Kurmainz an Preußen, ab 1816 wurde Erfurt Teil der preußischen Provinz Sachsen. Der Verwaltungssitz verlagerte sich nach Magdeburg, Erfurt blieb als Regierungsbezirkshauptstadt weiter von Bedeutung. Zimmernsupra gehörte dann zeitweilig zum Landkreis Erfurt und wurde 1932 dem Landkreis Weißensee zugeteilt. Als Teil der DDR gehörte Zimmernsupra ab 1952 zum Kreis Erfurt-Land. Wenige Jahre nach dem Beitritt Thüringens zur Bundesrepublik Deutschland (Deutsche Wiedervereinigung) wurde Zimmernsupra 1994 Teil des neu gebildeten Landkreises Gotha.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl
1840 398
1850 426
1855 401
1864 443
1945 600
1959 529
1994 321
1995 300
1996 312
1997 356
1998 394
1999 399
Jahr Einwohnerzahl
2000 384
2001 376
2002 358
2003 375
2004 381
2005 389
2006 391
2007 390
2008 382
2009 382
2010 375
2011 367
2012 353
2013 349

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Denkmalgeschütztes Wohnhaus

Kirche St. Jacobus[Bearbeiten]

Kirche St. Jacobus

Zu den Sehenswürdigkeiten der Gemeinde zählt besonders die evangelische St. Jacobus-Kirche. Sie hatte einen romanischen Vorgängerbau aus dem 13. Jahrhundert. Vom nächsten Kirchenbau von 1494, dessen kleineres Kirchenschiff auf der anderen Seite des Turms stand, stammt noch der mächtige Westturm (Wehrturm) der Kirche mit erhaltenem, zugesetztem Chorbogen. Das jetzige Kirchenschiff wurde um 1725 im Stile des Barock östlich des Turms neu gebaut, mit polygonalem Chorabschluss und Mansarddach. Die Jahreszahl ist im Türsturz eingemeißelt. Der Turm wurde erhöht und bekam eine Schieferhaube. Im Innenraum mit reicher Ausstattung aus dem Barock ist ein großer Teil der originalen Bemalung, besonders an den beiden umlaufenden Emporen, erhalten und 1966 und bei der letzten Renovierung erneuert worden. Die Kirche hat eine Orgel des Erfurter Orgelbauers Franciscus Volckland aus dem Jahre 1738. Der Kanzelaltar mit den Figuren von Moses und von Johannes dem Täufer und der Ostchor gelten als besonders sehenswert. Im Vorraum der Kirche steht noch der alte Taufstein aus spätromanischer Zeit. Die starke Begrenzungsmauer des Kirchhofs war eine Wehrmauer und deutlich höher als heute. Die Kirche war 1992 baupolizeilich gesperrt worden. An den Restaurierungsarbeiten mit grundhafter Sanierung (Kostenaufwand von insgesamt 1,5 Millionen Euro) in den Jahren 1996 bis 2010 beteiligten sich die Kirchengemeinde, der Förderverein, der Kirchenkreis, der Freistaat Thüringen, das Landesdenkmalamt und nicht zuletzt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit über 100.000 Euro. Die Leitung dieser Sanierung oblag der Erfurter Architektin Käthe Menzel-Jordan. Besonders verdient gemacht hat sich um den Wiederaufbau die Kirchenälteste Gisela Baumbach. 1998/99 wurde auch die Orgel überarbeitet und ihr ursprünglicher klanglicher Zustand wiederhergestellt.[2][3][4]

Gasthaus „Zur Kaiserlinde“[Bearbeiten]

Gasthaus Zur Kaiserlinde

Unweit der Kirche steht das Gasthaus zur Kaiserlinde mit dem entsprechenden stattlichen Baum. Das Gebäude war um 1928 im Besitz des Wirts und Fleischermeisters Ernst in der Au. Die Posthilfsstelle und die erste „Oeffentliche Fernsprechstelle“ des Ortes befanden sich ebenfalls in den Räumlichkeiten. Zum Grundstück zählte auch ein Großer (Bier-)Garten sowie Gesellschafts- und Vereinszimmer. Das Gebäude wurde im Jahre 2008 aufwändig für 933.538 Euro grundsaniert und mit einer neuen Innenausstattung versehen. [5] Seit 2012 beherbergt das Gasthaus ein italienisches Restaurant mit saisonalem Biergarten.[6][7]

Schiller-Museum[Bearbeiten]

Im Jahre 2011 wurde das kleine Museum vom Archivar und Historiker Hans-Jörg Ruge als Gegenentwurf zu etablierten Schillermuseen konzipiert. Im Zentrum der Ausstellung „Schiller gestern und heute.“ steht ein Überblick über alle Lebensstationen Friedrich Schillers und nicht nur einzelne lokal und zeitlich begrenzte Ausschnitte. [8]

Sport[Bearbeiten]

Jedes Jahr wird vom lokalen Sportverein ein Sportfest organisiert; die wichtigsten Disziplinen sind: Baumstammwerfen, Fußball, Gewichtshochwurf, Gewichtsweitwurf, Steinstoßen, Tischtennis und Volleyball.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Jörg Kellner (* 1958), deutscher Politiker (CDU) und seit 2009 Mitglied des Thüringer Landtags, lebt in Zimmernsupra, wo er auch aufgewachsen ist.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Gemeinde Zimmernsupra (Hrsg.): Zimmernsupra 775–2000. Festschrift zum Ortsjubiläum. Druckhaus Gera, Zimmernsupra 2000, ISBN 3-00-007097-4, S. 176.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zimmernsupra – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Thüringisches Staatsarchiv Gotha, persönlicher Nachlass Käthe Menzel-Jordan
  3. Die Glockenweihe als krönender Abschluss. Zimmernsupra: Kirchensanierung mit Gottesdienst feiern. Thüringische Landeszeitung, 2. September 2010
  4.  Karl-Heinz Meißner: Die Jakobuskirche Zimmernsupra. In: Heimat Thüringen. Heft 2/3, Elgersburg 1999, S. 58.
  5. Bund der Steuerzahler Deutschland e. V.: 40. Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler. Die öffentliche Verschwendung 2012, S. 25. (Download)
  6. Kein Pächter für "Kaiserlinde" in Zimmernsupra gefunden. Artikel der Thüringer Allgemeinen Zeitung vom 1. März 2012 Abgerufen am 14. November 2012.
  7. Zimmernsupra beging fröhliches Osterfest rund um die "Kaiserlinde". Artikel der Thüringer Allgemeinen Zeitung vom 10. April 2012 Abgerufen am 14. November 2012.
  8. Schiller-Museum in Zimmernsupra eröffnet. Artikel der Thüringer Allgemeinen Zeitung vom 9. Dezember 2011 Abgerufen am 11. März 2013.