Zinalgletscher

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Zinalgletscher
Der Zinalgletscher vor Dent Blanche und Grand Cornier

Der Zinalgletscher vor Dent Blanche und Grand Cornier

Lage Val d'Anniviers, Kanton Wallis, Schweiz
Gebirge Walliser Alpen
Typ Talgletscher
Länge 6,95 km (2011)[1]
Fläche 13,41 km² (2006)[2]
Exposition Nord
Höhenbereich 4'260 m ü. M. – 2'040 m ü. M. (2005)[3]
Neigung ⌀ 23,3° (43%) [4]
Eisvolumen 0,89 ± 0,15 km³ (2006)[2]
Koordinaten 616745 / 10018646.0537.6553150Koordinaten: 46° 3′ 11″ N, 7° 39′ 18″ O; CH1903: 616745 / 100186
Zinalgletscher (Alpen)
Zinalgletscher
Entwässerung NavisenceRhoneMittelmeer

Der Zinalgletscher (französisch: Glacier de Zinal) ist ein Talgletscher im südlichen Talabschluss des Val d'Anniviers in den Walliser Alpen. Er liegt auf dem Gebiet der Schweizer Gemeinde Anniviers. Die Fläche des Gletschers mit ausgeprägter Zunge betrug im Jahr 2005 13,41 km². Im Jahr 2011 war er knapp sieben Kilometer lang, seit 1973 hat er sich damit etwas mehr als einen halben Kilometer zurückgezogen.[1] Der nordexponierte Gletscher reicht von 4160 auf gut 2'000 m hinunter[3], seine durchschnittliche Neigung wird mit 23,3° angegeben.[4]

Der Zinalgletscher entsteht aus mehreren Quellgletschern. Der östlichen Quellgletscher ist der Mountetgletscher (Glacier du Mountet), der seinen Ursprung auf etwa 3'800 m an der Westflanke des Zinalrothorns hat. Vom Ober Gabelhorn mit seiner Eiswand stösst der Glacier de l'Obergabelhorn herab. Unterhalb von Grand Mountet vereinigen sich diese beiden Firnströme mit dem von Süden kommenden Durandgletscher (Glacier Durand). Dieser ist durch den Roc Noir (3'124 m ü. M.) vom Grand-Cornier-Gletscher (Glacier du Grand Cornier) getrennt, der seinen Ausgangspunkt zwischen dem Grand Cornier im Norden und der Dent Blanche im Süden hat. Weiteren Eiszufluss erhält der Zinalgletscher durch die steilen Hangfirne an der Nordostflanke des Grand Cornier (Bouquetinsgletscher). Unterhalb der Vereinigung der drei bedeutendsten Quellgletscher fliesst der Zinalgletscher noch rund 3 km nach Norden durch ein tiefes Tal zwischen dem Grand Cornier im Westen und dem Besso (3'668 m ü. M.) im Osten. Hier ist die Eisoberfläche grösstenteils vom Geröll und Staub der Mittel- und Seitenmoränen sowie von herabfallendem Gesteinsschutt bedeckt. Die Gletscherzunge, deren Stirn im Jahr 2005 auf (2'040 m) lag, entwässert in die Navisence, einen linken Nebenfluss der Rhone.

Seit dem Hochstadium der Kleinen Eiszeit in der Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich der Zinalgletscher stark zurückgezogen. Seit 1891 ist seine Zunge um mehr als 1,6 km zurückgeschmolzen.[1] In früherer Zeit führte entlang des Zinalgletschers und über den Col Durand (3'443 m ü. M.) ein rege begangener Saumweg, auf dem Waren- und Viehtransporte zwischen dem Mittelwallis und Oberitalien abgewickelt wurden. Heute ist der Übergang über den vergletscherten Col Durand vom Zinal- ins Mattertal nur von entsprechend ausgerüsteten Alpinisten zu bewältigen.

Im unmittelbaren Umfeld des Zinalgletschers stehen die Hütten von Petit und Grand Mountet. Die Cabane du Petit Mountet (2'142 m ü. M.) liegt auf der orografisch linken Seitenmoräne des Gletschers. Sie befindet sich in privater Trägerschaft. Fünf Gehstunden weiter oben liegt die Cabane du Grand Mountet (2'886 m ü. M.), eine aussichtsreich an den Südhängen des Besso gelegene Hütte des Schweizer Alpen-Clubs SAC. Sie ist Ausgangspunkt für zahlreiche Bergbesteigungen und ausgedehnte Gletschertouren in der Umgebung.

Im August 1834 kam es nach starken Niederschlägen zu einem Ausbruch von grossen Wassermengen aus dem Gletscher. Im Eiskörper hatten sich beträchtliche Wassertaschen gebildet, die die Seitenmoränen durchbrachen, talauswärts grosse Schäden anrichteten und vorübergehend einen See zwischen Chippis, Chalais und Grône entstehen liessen.[5]

Panoramaaufnahme vom Glacier de Zinal mit Besso, Trifthorn, Wellenkuppe, Ober Gabelhorn, Mont Durand (Arbenhorn) und Grand Cornier. Der Sattel rechts der Bildmitte ist der Col Durand.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie (VAW) der ETH Zürich (Hrsg.): Zinalgletscher. In: Schweizerisches Gletschermessnetz. (online, auch als PDF, abgerufen am 16. Februar 2014).
  2. a b Daniel Farinotti, Matthias Huss, Andreas Bauder, Martin Funk: An estimate of the glacier ice volume in the Swiss Alps. In: Global and Planetary Change. 68: 225–231, 2009 (online; PDF; 756 kB).
  3. a b WGMS: Fluctuations of Glaciers Database. World Glacier Monitoring Service, Zurich 2013 (DOI:10.5904/wgms-fog-2013-11), abgerufen am 11. Dezember 2013
  4. a b Andreas Linsbauer, Frank Paul, Wilfried Haeberli: Modeling glacier thickness distribution and bed topography over entire mountain ranges with GlabTop: Application of a fast and robust approach. In: Journal of Geophysical Research., Band 117, F03007, 2012, doi:10.1029/2011JF002313 (online)
  5. Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie (VAW) der ETH Zürich: Zinalgletscher. In: Naturgefahren Gletscher. (online, auch als PDF).