Zinnowitz

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Zinnowitz
Zinnowitz
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Zinnowitz hervorgehoben
54.07638888888913.9113888888892Koordinaten: 54° 5′ N, 13° 55′ O
Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Vorpommern-Greifswald
Amt: Usedom-Nord
Höhe: 2 m ü. NHN
Fläche: 9,04 km²
Einwohner: 3935 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 435 Einwohner je km²
Postleitzahl: 17454
Vorwahl: 038377
Kfz-Kennzeichen: VG, ANK, GW, PW, SBG, UEM, WLG
Gemeindeschlüssel: 13 0 75 151
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Möwenstraße 1
17454 Zinnowitz
Webpräsenz: www.zinnowitz.de
Bürgermeister: Peter Usemann
Lage der Gemeinde Zinnowitz im Landkreis Vorpommern-Greifswald
Brandenburg Landkreis Mecklenburgische Seenplatte Landkreis Vorpommern-Rügen Landkreis Vorpommern-Rügen Landkreis Vorpommern-Rügen Landkreis Vorpommern-Rügen Buggenhagen Krummin Lassan Wolgast Wolgast Zemitz Ahlbeck (bei Ueckermünde) Altwarp Eggesin Grambin Hintersee (Vorpommern) Leopoldshagen Liepgarten Luckow Luckow Lübs (Vorpommern) Meiersberg Mönkebude Vogelsang-Warsin Bargischow Bargischow Blesewitz Boldekow Bugewitz Butzow Ducherow Iven Krien Krusenfelde Neetzow-Liepen Medow Neetzow-Liepen Neu Kosenow Neuenkirchen (bei Anklam) Postlow Rossin Sarnow Spantekow Stolpe (Peene) Alt Tellin Bentzin Daberkow Jarmen Kruckow Tutow Völschow Behrenhoff Dargelin Dersekow Diedrichshagen Hinrichshagen (Vorpommern) Levenhagen Mesekenhagen Neuenkirchen (bei Greifswald) Weitenhagen (bei Greifswald) Bergholz Blankensee (Vorpommern) Boock (Vorpommern) Glasow (Vorpommern) Grambow (Vorpommern) Löcknitz Nadrensee Krackow Penkun Plöwen Ramin Rossow Rothenklempenow Brünzow Hanshagen Katzow Kemnitz (bei Greifswald) Kröslin Kröslin Loissin Lubmin Neu Boltenhagen Rubenow Wusterhusen Görmin Loitz Sassen-Trantow Altwigshagen Ferdinandshof Hammer a. d. Uecker Heinrichswalde Rothemühl Torgelow Torgelow Torgelow Wilhelmsburg (Vorpommern) Jatznick Brietzig Damerow (Rollwitz) Fahrenwalde Groß Luckow Jatznick Jatznick Koblentz Krugsdorf Nieden Papendorf (Vorpommern) Polzow Rollwitz Schönwalde (Vorpommern) Viereck (Vorpommern) Zerrenthin Züsedom Karlshagen Mölschow Peenemünde Trassenheide Benz (Usedom) Dargen Garz (Usedom) Kamminke Korswandt Koserow Loddin Mellenthin Pudagla Rankwitz Stolpe auf Usedom Ückeritz Usedom (Stadt) Zempin Zirchow Bandelin Gribow Groß Kiesow Groß Polzin Gützkow Gützkow Karlsburg (Vorpommern) Klein Bünzow Lühmannsdorf Murchin Rubkow Schmatzin Wrangelsburg Ziethen (bei Anklam) Züssow Heringsdorf Pasewalk Strasburg (Uckermark) Ueckermünde Wackerow Greifswald Greifswald PolenKarte
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Zinnowitz ist eine Gemeinde auf der Insel Usedom im Landkreis Vorpommern-Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. In der Gemeinde befindet sich der Verwaltungssitz des Amtes Usedom-Nord, dem weitere vier Gemeinden angehören. Zinnowitz besitzt das Prädikat Ostseebad.

Geografische Lage[Bearbeiten]

Zinnowitz liegt im Norden Usedoms am nördlichen Ende einer etwa ein bis zwei Kilometer breiten Landzunge zwischen Achterwasser und Pommerscher Bucht. Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn Zempin, Lütow, Krummin, Mölschow und Trassenheide.

Klima[Bearbeiten]

Zinnowitz ist mit einer durchschnittlichen jährlichen Sonnenscheindauer von 1917 Stunden der sonnenreichste Ort Deutschlands.[2]

Der Jahresniederschlag liegt mit 560 mm im unteren Drittel der Messstellen des Deutschen Wetterdienstes. Nur 13 % zeigen niedrigere Werte an. Der trockenste Monat ist der Februar; am meisten regnet es im Juli. Im niederschlagreichsten Monat fällt ca. 2,1 Mal mehr Regen als im trockensten. Die jahreszeitlichen Niederschlagsschwankungen liegen im unteren Drittel. In nur 15 % aller Orte schwankt der monatliche Niederschlag weniger.

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Seebrücke Zinnowitz mit Tauchglocke (April 2014)

Südlich der heutigen Ortschaft Zinnowitz befand sich die Siedlung Tzys, später Zitz, die erstmals 1309 in einer Schenkungsurkunde des Herzogs Bogislaw IV. an das Kloster Krummin erwähnt wurde.

In Zitz befand sich eine der Himmelskönigin Maria geweihte Kapelle, die in Urkunden 1495 und 1496 genannt ist.[3] Verbunden mit der Kapelle waren Bräuche der heimischen Bauern, die am Dreikönigstag Lichter zu der Kapelle führten.[3] Diese Bräuche und wohl zugleich die Kapelle wurden nach Einführung der Reformation, vor 1560, durch Herzog Philipp I. aufgehoben.[3]

1500 bis 1900[Bearbeiten]

Als das Kloster Krummin 1563 aufgelöst wurde, ging die Domäne wieder in den Besitz des Herzogs über. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf 1638 zerstört; nach Ende des Krieges gehörte die Insel Usedom zu Schwedisch-Pommern. Der alte wendische Name Tzys wurde in Zitz geändert. Nach dem Frieden von Stockholm kam die Domäne Zitz 1720 in preußische Hände und wurde 1751 im Zuge der Neugestaltung der königlichen Domäne in Zinnowitz umbenannt. 1756 entstand das zugehörige Domänenhaus, das älteste Gebäude von Zinnowitz. Der noch bestehende Bau, der sich in der Nähe der Abzweigung von der B 111 zum Gut Neuendorf auf der Halbinsel Gnitz befindet, wurde in neuerer Zeit in ein Mehrfamilien-Wohnhaus umgewandelt. 1810 wurde die preußische Domäne Zinnowitz im Rahmen der Stein-Hardenbergschen Reformen parzelliert, woraus das Dorf Zinnowitz entstand.[4] Da der preußische Staat infolge der Napoleonischen Kriege in Finanznöte geraten war, verkaufte er das 1800 Morgen Land umfassende Restgut Zinnowitz am 16. September 1811 für 14.300 Taler an den Geheimen Kommerzienrat Friedrich Wilhelm Krause, einen Kaufmann und Reeder in Swinemünde.[5] Nachdem sich dieser vergeblich bemüht hatte, einen Pächter für die sandige Domäne zu finden, verkaufte er den Gutsbetrieb am 11. Juni 1818 in 29 Parzellen zum Gesamtpreis von 18.000 Talern an Kolonisten und Fischer.

Nach der Verwaltungsreform 1815 kam Zinnowitz zur preußischen Provinz Pommern und gehörte von 1818 bis 1945 zum Landkreis Usedom-Wollin.

Der nächste große Schritt für Zinnowitz folgte am 16. Juni 1851, als der offizielle Badebetrieb erlaubt wurde.

Seit 1900[Bearbeiten]

Nach der Wende renovierte Bäderarchitektur in Zinnowitz (Neue Strandstraße)

1904 wurde eine hölzerne Seebrücke errichtet. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte ihr die Witterung stark zu, sie wurde wenig gepflegt und verfiel schließlich. 1993 wurde eine neue Brücke als Beton–Stahl-Holzkonstruktion fertiggestellt. Das historische Brückenhaus (siehe Abbildung unten) wurde dabei nicht wiederhergestellt.

In den 20er Jahren war Zinnowitz neben Borkum einer derjenigen Badeorte, die am stärksten bemüht waren, Juden fernzuhalten (siehe Bäder-Antisemitismus). So wurde z.B. das Zinnowitzlied geschrieben, in dem eine Zeile lautet: „Und wer da naht vom Stamm Manasse / ist nicht begehrt, / Dem sei’s verwehrt. / Wir mögen keine fremde Rasse! / Fern bleibt der Itz / Von Zinnowitz.[6]

Nach 1938 wurde der normale Tourismusbetrieb des Ortes für lange Zeit unterbrochen: Das Sperrgebiet der neugegründeten Heeresversuchsanstalt Peenemünde umfasste auch Zinnowitz.[7] Im Wald zwischen Zinnowitz und Zempin sind noch einige Überreste von Startstellen zur Erprobung der V1 vorhanden, die zwischen 1943 und 1945 in Betrieb waren.

In der DDR war Zinnowitz der wichtigste Badeort für den Feriendienst der SDAG Wismut, der sich zahlreiche in der Aktion Rose 1953 enteignete Hotels, Ferienheime und Villen einverleibte. Mitte der 1970er Jahre wurde für die Arbeiter der Wismut AG am nördlichen Ortsrand das Ferienheim „Roter Oktober“ errichtet, heute „Hotel Baltic“ und das größte Hotel auf Usedom.[8] Außerdem gab es im Ort ein FDJ-Ferienheim des Kreises Gardelegen.[9]

Von 1945 bis 1952 bildete die Gemeinde, mit dem nach dem Zweiten Weltkrieg bei Deutschland verbliebenen Teil des Landkreises Usedom-Wollin, den Landkreis Usedom im Land Mecklenburg, welcher 1952 im Kreis Wolgast im Bezirk Rostock aufging. Seit 1990 gehört die Gemeinde zum Land Mecklenburg-Vorpommern. Ab 1994 gehörte sie zum Landkreis Ostvorpommern und seit 2011 zum Landkreis Vorpommern-Greifswald.

Seebrücke mit Tauchgondel

1993 wurde die neugestaltete Strandpromenade ihrer Bestimmung übergeben. 1997 fanden erstmals Vineta-Festspiele auf der Freilichtbühne in Zinnowitz statt. 2006 wurde links am Ende der Seebrücke die Anlage der Tauchgondel in Betrieb genommen.

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 führte zu folgendem Ergebnis:[10]

Partei/Liste Stimmenanteil Sitze
Unabhängige Wählergemeinschaft 33,03 % 5
CDU 26,25 % 4
Bürgergemeinschaft Zinnowitz 24,27 % 3
Allianz für Zinnowitz 9,03 % 1
SPD 4,14 % 1

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 12. Mai 1995 durch das Innenministerium genehmigt und unter der Nr. 82 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert.

Blasonierung: „Gespalten von Blau und Silber; vorn ein links gewendetes goldenes Seepferdchen; hinten ein aufgerichteter grüner Eibenzweig mit roten Früchten.“

Das Wappen wurde von der Zinnowitzerin Cornelia Eisold gestaltet.[11]

Geschaffen wurde das Wappen 1951 aus Anlass des 100-jährigen Bestehens als Seebad. In seiner ursprünglichen Form zeigte es vor allem das Seepferdchen, das seitdem zum bekannten Symbol und Maskottchen der Gemeinde wurde. 1994 wurde das Wappen um den Eibenzweig ergänzt, der auf die historische Deutung des Namens Zinnowitz, vormals Tzys (slawisch-wendisch: Eibe) hinweist.[12]

Flagge[Bearbeiten]

Die Flagge der Gemeinde Ostseebad Zinnowitz ist gleichmäßig und quer zur Längsachse des Flaggentuchs von Silber (Weiß) und Blau gestreift. In der Mitte des Flaggentuchs liegt, auf jeweils ein Drittel der Länge beider Seiten übergreifend, das Wappen der Gemeinde. Die Länge des Flaggentuchs verhält sich zur Höhe wie 5:3.

Evangelische Kirche in Zinnowitz

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch Liste der Baudenkmale in Zinnowitz

  • Entlang der Fußgängern und Fahrradfahrern vorbehaltenen, landschaftlich gestalteten Strandpromenade befinden sich eine auch Konzertmuschel genannte Freiluftbühne sowie mehrere restaurierte Villen in Bäderarchitektur.
  • Die Seebrücke Zinnowitz mit Tauchgondel.
  • Das Heimatmuseum Zinnowitz.
  • Das Usedomer Kunsthaus Villa Meyer, seit 2002 wechselnde Ausstellungen und Galeriekonzerte.
Theater „Blechbüchse“
  • Die Ostseebühne Zinnowitz mit 1300 Sitzplätzen ist unter anderem seit 1997 alljährlicher Schauplatz der Vineta-Festspiele.
  • Unmittelbar neben der Freilichtbühne, dem Spielort der Festspiele, befindet sich das „Theater Blechbüchse“, ebenfalls seit 1997 Spielort der Vorpommerschen Landesbühne.
  • Die evangelische Kirche Zinnowitz, ein neugotischer Backsteinbau von 1894/95, dient neben kirchlichen Zwecken auch Konzerten und anderen Veranstaltungen.
    Kulturhaus Zinnowitz
  • Das ruinös erhaltene Kulturhaus Zinnowitz wurde von 1953 bis 1957 im Stil des sozialistischen Klassizismus errichtet.
  • Das Seenotrettungsboot Hecht der DGzRS liegt an der Steganlage des Yachthafens.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Durch Zinnowitz verläuft die Bundesstraße 111. Über die Bahnstrecke Züssow–Wolgaster Fähre–Ahlbeck bestehen Verbindungen nach Wolgast und Świnoujście sowie über die Bahnstrecke Zinnowitz–Peenemünde nach Peenemünde.

Söhne und Töchter des Orts[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt M-V – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2012 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Je mehr Wetter, desto besser | Deutschland entdecken | Deutsche Welle
  3. a b c Norbert Buske: Zwei mittelalterliche Gnadenstätten auf der Insel Usedom. In: Baltische Studien. Band 61, N. F., 1975, ISSN 0067-3099, S. 33–43.
  4. Meyers Reisebuch Deutsche Ostseeküste, II. Teil: Rügen und die pommersche Küste mit ihrem Hinterland, 2. Auflage, Bibliographisches Institut, Leipzig 1924, S. 62.
  5. Die Auflassung im Grundbuch erfolgte am 7. August 1812.
  6. Zeit-Online vom 5. Juni 2003: Als Borkum "judenrein" war
  7. Geschichte des Ostseebades Zinnowitz
  8. Aus der Geschichte von Zinnowitz
  9. Facebook-Eintrag
  10. Amt Usedom-Nord (PDF-Datei; 9 kB)
  11. Hans-Heinz Schütt: Auf Schild und Siegel: die Wappenbilder des Landes Mecklenburg-Vorpommern und seiner Kommunen, cw Verlagsgruppe, Schwerin 2002, ISBN 3-933781-21-3
  12. Deutsche Gesellschaft für Flaggenkunde e. V.: Der Flaggenkurier Nr. 21-22/2006 (PDF; 83 kB)