Zionskirche (Berlin)

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Die Zionskirche in Frontalansicht
Die Zionskirche im Jahr 1951

Die evangelische Zionskirche in der Rosenthaler Vorstadt im Ortsteil Mitte (Bezirk Mitte) von Berlin wurde 1873 im damaligen Norden der Stadt als Kirche einer Tochtergemeinde der St. Elisabeth-Gemeinde eingeweiht. Der Architekt des vom späteren deutschen Kaiser Wilhelm I. als Votivkirche errichteten Baus ist August Orth. Bedeutung erlangte die Kirche unter anderem als Wirkungsstätte von Dietrich Bonhoeffer, der hier als Pastor tätig war.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Lage und städtebauliches Umfeld

Die Zionskirche steht in der Mitte des Zionskirchplatzes im Norden des Berliner Ortsteiles Mitte in der Rosenthaler Vorstadt auf dem höchsten natürlichen Punkt des alten Berlin, dem alten Weinberg. Die städtebauliche Funktion auf einem fünfeckigen Platz im Schnittpunkt dreier Straßen war für den Architekten Orth so bedeutsam, dass die Kirche nicht, wie üblich, geostet wurde, der Chor ist also nicht nach Osten ausgerichtet, sondern weist nach Norden. Der 67 Meter hohe Turm steht genau im Schnittpunkt von Zionskirch- und Griebenowstraße und diente durch seine Höhe auch als Orientierungs- und Aussichtspunkt.

[Bearbeiten] Geschichte

Aus Dankbarkeit, einem Attentat in Baden-Baden entgangen zu sein, stiftete König Wilhelm I. 10.000 Reichsthaler für den Bau der Kirche. Sie wurde am 2. März 1873 feierlich eröffnet. August Orth errichtete die Kirche im Stile der Neoromanik, nach dem Beispiel der Rheinischen Romanik. Orth entwarf einen Backstein-Terrakotta-Bau im Stil des Berliner Historismus. Romanischer Stil wurde mit gotischen Elementen verknüpft.

Im Zweiten Weltkrieg wurden Kirchendach, Altar, Chorfenster sowie die Sauer-Orgel zerstört. Doch nicht nur die Bomben im November 1943 sorgten dafür, dass die Kirche in den kalten Nachkriegswintern zusätzlichen Schaden nahm. Die Zahl der Einbrüche wurde schnell zum unhaltbaren Zustand, denn auf der Suche nach Brennholz machten einige Berliner auch vor den Kirchenbänken nicht halt. So entschied die Gemeinde im Jahr 1946, die unteren Fenster zu vermauern.

Bis 1953 wurde die Kirche notdürftig wieder hergestellt und in den 1960er Jahren im kargen Stil der damaligen Zeit mit Latex-Farbe renoviert und zum Teil auch umgebaut. Der Verfall setzte aber wieder ein, als in den 1970er Jahren Schäden an Heizung und Dach auftraten und nicht beseitigt wurden.

Erst 1988 begann die Dach- und Turminstandsetzung. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands und einer denkmalpflegerischen Untersuchung der ursprünglichen Innenausmalung im Altarbereich 1992 begann ein Jahr später die vollständige Turm- und Dachsanierung und die schrittweise Restaurierung der Außenfassade. Die Glocken wurden wieder in den Turm gehängt und die stark defekten Fenster notverglast. 2002 konnten die vermauerten Fenster wieder geöffnet werden.

[Bearbeiten] Dietrich Bonhoeffer an der Zionsgemeinde

Mit nur 25 Jahren übernahm Dietrich Bonhoeffer 1931 den Dienst in der Gemeinde als Stadtsynodalvikar. Die Arbeit in diesem sozialen Problembezirk prägte den aus gutem Haus stammenden Professorensohn nachhaltig. Nach 1933 schloss er sich der Bekennenden Kirche und dem Widerstand an. Bonhoeffer wurde 1945 im KZ Flossenbürg hingerichtet.

[Bearbeiten] Oppositionelle Gruppen

Seit 1986 bot die Zionskirchgemeinde Raum für oppositionelle Gruppen wie den „Friedens- und Umweltkreis der Zionsgemeinde“. Proteste gegen eine Hausdurchsuchung und Festnahmen in der dort angesiedelten Umweltbibliothek am 25. November 1987 machten den kirchlichen Widerstand gegen das DDR-Regime auch im Westen bekannt.

[Bearbeiten] Skinheadüberfall 1987

Am 17. Oktober 1987 um 22.00 Uhr wurden die knapp 2000 Besucher eines inoffiziellen Konzertes der Westberliner Band Element of Crime (Vorband war die DDR-Punkband Die Firma) von etwa 30 Skinheads aus der rechten Szene der DDR überfallen und teilweise schwer verletzt. Dieser Vorgang ereignete sich unter den Augen der Volkspolizei, die die Kirche zum fraglichen Zeitpunkt beobachtete, aber nicht eingriff. Nach zunächst nur zögerlichem juristischen Vorgehen und milden Strafen gab es selbst in der offiziellen DDR-Presse Proteste. In der Berufungsverhandlung wurden daraufhin Strafen zwischen 18 Monaten und 4 Jahren verhängt.

Während die Verantwortung für den gewalttätigen Vorfall in der Öffentlichkeit Westberliner Rechtsradikalen zugeschoben wurde, war der Vorfall zugleich der Auslöser für ein internes Nachdenken bei der damaligen politischen Führungsriege über rechtsradikale Jugendliche in der DDR: Beim Ministerium für Staatssicherheit wurde eine Studie in Auftrag gegeben, die sich mit dieser Problematik beschäftigte, deren Ergebnisse aber unter Verschluss blieben.

[Bearbeiten] Besichtigungen

Die Zionskirche ist in den Sommermonaten Dienstag bis Samstag von 12 bis 20 Uhr für Besucher geöffnet. Am Sonntag ist die Kirche von 12-18 Uhr geöffnet und der Turm kann bestiegen werden. Am jeweils ersten Sonntag im Monat wird um 14 Uhr eine Führung angeboten. Vom Turm aus hat man einen guten Blick über Berlin. Im Turm selbst kann man auch von oben auf die Gewölbedecke des Innenraumes schauen.

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Zionskirche (Berlin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

52.53476111111113.403808333333Koordinaten: 52° 32′ 5″ N, 13° 24′ 14″ O

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