Zirkus

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Dieser Artikel beschreibt Zirkus als Unterhaltungsunternehmen mit Artisten. Für andere Bedeutungen auch der lateinischen Schreibweise siehe Circus.
Jonglierender Zirkusartist
Akrobaten im Zirkus

Ein Zirkus (lateinisch circus „Kreis“, Plural: Zirkusse) – oder auch Circus – ist meist eine Gruppe von Artisten, die eine Vorstellung mit verschiedenen artistischen (zirzensischen) Darbietungen (Akrobatik, Clownerie, Zauberei, Tierdressuren) zeigt. Wirtschaftlich gesehen ist ein Zirkus ein Unterhaltungsunternehmen.

Begriffsklärung[Bearbeiten]

Die Schreibweise „Circus“ benutzen die meisten Zirkusse wegen des lateinischen Ursprungs, zum Beispiel im Eigennamen „Circus Krone“. Das deutsche Wort Zirkus leitet sich vom griechischen „kirkos” oder lateinischen „circus” her. Beide Begriffe bezeichneten im antiken Griechenland und Rom eine kreis- oder ellipsenförmige Arena, in der in erster Linie Wagenrennen und seltener Tierkämpfe der Gladiatoren stattfanden (z. B. Circus Maximus). Mehr als die Form der „Bühne“ hat der neuzeitliche Zirkus mit dem antiken Circus nicht gemeinsam.

Manege in Amphitheater oder Zelt[Bearbeiten]

Der klassische in Europa bekannte Zirkus ist der Wanderzirkus: Er ist oftmals ein Familienunternehmen, das mit einem Zirkuszelt, auch als Chapiteau bezeichnet, von Ort zu Ort zieht. Das Zirkuszelt, das heute für die meisten Menschen selbstverständlich zum Zirkus gehört, gibt es allgemein erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zuvor mussten Zirkusvorstellungen in provisorisch errichteten Schaubuden, in Theatergebäuden oder im Freien abgehalten werden.

Zirkusgebäude sind oft rund oder oval wie ein Amphitheater. Die Bezeichnung Zirkus leitet sich von der Form der „Bühne“ ab, der runden oder ellipsenförmigen Manege. Meistens werden Manegen mit einem Durchmesser von 13 Metern gewählt, da dies ein perfektes Maß ist, um ein Pferd im Kreis laufen zu lassen. Bei zu kleinen Manegen legt sich das Pferd zu sehr in die Kurve, für einen Reiter sind akrobatische Darbietungen dann kaum möglich.

Der Kronebau in München

Neben den Wanderzirkussen gibt es noch vereinzelt Zirkusse mit festen Gebäuden, wie in Riga, Chișinău oder Moskau. Das Theater Carré in Amsterdam war ursprünglich ein reines Zirkusunternehmen. Auch in Frankreich gibt es noch eine Reihe fester Zirkusgebäude, die nur noch teilweise als Zirkus genutzt werden, wie den Pariser Cirque d'hiver. Moderne fixe Zirkusgebäude, die ein ganzjähriges Zirkusprogramm beherbergen, gibt es noch in den ehemals sozialistischen Staaten, etwa den Hauptstädtischen Großzirkus im Budapester Stadtwäldchen. In München unterhält der Circus Krone mit dem Kronebau eine feste Spielstätte. Historisch sind u. a. die Zirkusbauten des Circus Renz und des Circus Schumann.

Geschichte[Bearbeiten]

Zirkus um 1891, Gemälde von Arturo Michelena

Die Entstehung des Zirkus ist vor allen Dingen eine Geschichte von einzelnen Zirkus-Dynastien, also Artistenfamilien und -gruppen. In seiner Geschichte hat der Zirkus zahlreiche Wandlungen erfahren: sowohl in seiner äußeren Gestalt – vom festen Zirkusbau über die Wandermenagerien zum flexiblen Chapiteau bis hin zu Theaterbühnen – als auch in der Form seiner Darbietungen – vom Pferdetheater über monumentale Pantomimen zum Cirque Nouveau.

Als Vater des klassischen Zirkus gilt Philip Astley (1742–1814). Die ursprünglich dargebotene Kunst waren Pferdedressuren, weitere Artisten folgten. „Wilde“ und exotische Tiere waren eine relativ späte Neuerung. Unterschiedliche Gewichtungen je nach Region führten zur Entstehung nationaler Eigenheiten.

England im 18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Die Wiege des klassischen Zirkus war das industrialisierte England. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts emanzipierte sich hier die Reitkunst vom höfischen oder militärischen Anlass. Erste Kunstreiter traten auf. Die Auftrittsorte der so genannten Kunstreitergesellschaften waren bretterumzäunte Flächen unter freiem Himmel. Hier entwickelte sich auch die runde Form der Manege: Für die akrobatischen Kunststücke auf dem Rücken der Pferde wurde die Zentrifugalkraft genutzt. 1769 erwarb Astley für seine Riding School ein Gelände an der Westminster Bridge, überdachte die Galerien der Zuschauer und erweiterte seine Truppe um Reiter, Akrobaten und einen Clown.

Ab 1770 führte Astley regelmäßige Programme mit zunehmender Einbeziehung weiterer Künste wie chinesischem Schattentheater oder Ballett auf. Die Idee eines die Pferdedressuren umrahmenden Programms war nicht neu, wurde aber nur sporadisch verwirklicht. 1778/79 eröffnete Astley ein festes Haus in London, und die Aufführungen entwickelten sich zu einem dauerhaften Bestandteil der städtischen Veranstaltungskultur. 1782 eröffnete er ein weiteres Haus in Paris. Astleys Ziel war es, ein für jeden verständliches Theater zu schaffen, das mit wenig Worten auskommen sollte. Er entwickelte das Genre „Hippodrama“, das die Aufführung von Pantomimen (bilderreiche Theaterstücke) mit Pferden bezeichnete. Dargestellt wurden vor allem Schlachten und tagesaktuelle Ereignisse, wie zum Beispiel der Sturm auf die Bastille einen Monat nach dem Geschehen 1789. Das Nachstellen markanter Momente der jüngsten Vergangenheit war im populären Theater üblich. Diese Art Darbietungen fand regen Zuspruch bei der in die Städte strömenden Bevölkerung. – Den Begriff „Circus“ bekämpfte Astley zeit seines Lebens.

Frankreich im 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Der Zirkus Georges Seurat, 1891

Der Begriff Zirkus setzte sich in den Jahren nach Astley insbesondere durch Veranstaltungen des Antoine Franconi (1737–1836) gehörenden Cirque Olympique in Paris durch. Er bezog sich seit Beginn des 19. Jahrhunderts nicht mehr nur auf die Form des Gebäudes, sondern auch auf den Inhalt der Darbietung, die so vom Theater unterschieden wurde. Die Abgrenzung wurde durch das Napoleonische Theaterdekret aus dem Jahr 1807 befördert, in dem verboten wurde, das Aufführen von Kuriositäten, Raritäten und Ähnlichem weiterhin als Theater zu bezeichnen.

Die Darbietungen entwickelten sich in dieser Zeit immer mehr zu ausgefeilten Pantomimen, in denen die Sprache auch wieder verstärkt zum Einsatz kam. Die Pantomimen waren gekennzeichnet durch kostbare Kostüme, aufwändige Bühnenbilder und mehrere hundert Statisten. Obwohl weiterhin andere artistische Darbietungen in den Programmen Platz fanden, verloren sie an Bedeutung: Pferdevorführungen bildeten die Grundlage des Programms, dessen Höhepunkt die Hohe Schule war. Im Paris des beginnenden 19. Jahrhunderts waren die Schlachten und Taten Napoleons, der als eine Art Volksheld galt, das hervorstechende Thema der Pantomimen. In der Pantomime Die Löwen von Mysore (1831) waren zum ersten Mal dressierte Löwen im Zirkus zu sehen. Es war ein durchschlagender Erfolg, der den Weg zu weiteren Tierdressuren ebnete. Mit der Entstehung der Music Halls seit der Mitte des 19. Jahrhunderts spalteten sich die Kleinkunst-Darbietungen vom Zirkus ab.

Deutschland im ausgehenden 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Adolph Friedländer: Pony und Elefant. Plakat für Carl Hagenbecks Zoologischen Zirkus, 1895/1896
„Wanderzirkus“, Angelo Jank, 1906

Neue Impulse für die Zirkuskunst gingen Ende des 19. Jahrhunderts von Deutschland aus. Ernst Jakob Renz (1815–1892) war der erste Deutsche, der den Zirkus auch im internationalen Maßstab wesentlich beeinflussen konnte. Außerdem entwickelte er den Sattel zu einem Gurt weiter, damit die Artisten noch mehr Halt hatten. Nach Circus Renz wurde Circus Busch zum Synonym für den deutschen Zirkus.

Renz und Busch unterhielten Zirkusse mit mehreren Häusern in den großen Städten des deutschen Sprachraums: Berlin, Breslau, Wien, Hamburg. Die Programme zeichneten sich durch eine ungeahnte Vielfalt aus. Alles, was neu und originell war, fand Eingang in diesen Zirkus: Wasserspiele, Eiskunstlauf, Ballett, Sängerinnen und sogar Siamesische Zwillinge. An erster Stelle standen weiterhin die Pferde.

In dieser Zeit, Anfang des 20. Jahrhunderts, erhielt die Artistik einen höheren Stellenwert in den Programmen. Ausschlaggebend dafür war unter anderem die rasche Verbreitung des Varietés in enger Verbindung mit dem englisch-französischen Music Hall und dem amerikanischen Vaudeville, in deren Rahmen eine Ausdifferenzierung der artistischen Genres erfolgte: in der Jonglage unterschied man zum Beispiel zwischen Kraft- und Salonjonglage. Die Clownerie erhielt bei Renz besondere Bedeutung: an einem Abend konnten bis zu 14 Clowns auftreten. Die große Nachfrage an artistisch hochwertigen und neuen Nummern für Varieté und Zirkus hatte zur Folge, dass vermehrt sportliche Disziplinen wie Rollschuhlauf, Eislaufen und Kunstschwimmen in die Programme Aufnahme fanden. Gerade die Akrobatik wurde zu einem Hauptbestandteil der Vorführungen.

In großen Ausstattungspantomimen arbeiteten Renz und Busch mit viel Technik: Wasserfälle, Fontänen, Segelboote und Aufzüge wurden eingesetzt. Die Handlungen der Pantomimen umfassten alles nur Denkbare: von Heldensagen über Märchen und Historien, über Opern und Tragödien bis zu aktuellen Ereignissen. Bei Busch wurden später eigens Schriftsteller zum Schreiben der Stücke engagiert.

Innovationen aus Amerika[Bearbeiten]

Poster für den Zirkus Barnum & Bailey, 1900

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts fand Zirkus nur in festen Spielhäusern statt. Eine Innovation, die dieses Bild bis heute grundlegend ändern sollte, kam aus den Vereinigten Staaten: hier entwickelte sich Ende des 19. Jahrhunderts der Zeltzirkus. Der Zirkusdirektor Aron Turner benutzte bereits 1830 ein regenschirmähnliches, einmastiges Leinwandzelt. 1873 wurde in Konstanz die Zeltbaufirma Ludwig Stromeyer gegründet, die sich zum Hauptlieferanten der deutschen Zirkusse entwickelte. Paul Busch trat 1884 seine erste Reise mit Chapiteau an. Ab 1900 verbreiteten sich die Zelte rasch in Deutschland. Das hatte den Vorteil, dass man auch in Städten spielen konnte, die zu klein waren, um einen festen Zirkusbau zu besitzen.

Mit dem Wanderzirkus, der sich daraufhin in Deutschland durchsetzte, brach das goldene Zeitalter des Zirkus an. Die Anzahl der Zirkusse stieg, das Niveau dieser Neugründungen aber war sehr verschieden, ebenso die Fähigkeiten ihrer Direktoren. Bis Kriegsbeginn hatte etwa die Hälfte ihren Betrieb wieder eingestellt. Weder vorher noch nachher gab es in Europa so viele Zirkusse wie in den 1920er Jahren.

Das Reisen hatte auch zur Folge, dass die an Ausstattung sehr aufwändigen Pantomimen an Bedeutung verloren und sich stattdessen mehr und mehr ein Nummernprogramm herausbildete. Ebenso löste sich die Zirkusmusik in Besetzung und Programm von der Bühnenmusik im Theater, von der sie herstammte.

Weitere heute originär mit dem Bild des Zirkus verbundene Elemente, die aus den Vereinigten Staaten kamen, waren das Reisen mit der Eisenbahn oder die Vereinigung von Menagerie und Zirkus (Zurschaustellung wilder Tiere bestand bis dahin separat vom Zirkus, so wie die Sideshows) und die Verwendung von Sägespänen anstelle von Manegenteppichen oder Sand.

Durch William Frederick Cody (1846–1917), der als „Buffalo Bill” allgemein bekannt war, erhielt der europäische Zirkus eine weitere Bereicherung: die große Popularität des Wild-West-Zirkus hatte zur Folge, dass Kunstschützen in die europäischen Zirkusse einzogen und der verwegenen Reiterei (oft „Dschigiten“ genannt) der Vorrang gegenüber der klassischen Reitkunst eingeräumt wurde.

Raubtierdressuren lösten zum Teil die bis dahin dominierenden Pferdenummern ab, und große Tierschauen ergänzten die Vorstellung. Zusätzlich fanden zunehmend Sensationsnummern Eingang.

Der deutsche Zirkus bis zum Ende der 1920er Jahre[Bearbeiten]

Der Schweizer Circus Knie in Zürich

Während für viele Zirkusdirektoren der Beginn des 20. Jahrhunderts eine Blütezeit darstellte, verdienten die Artisten, Dresseure und Clowns − von einigen ungewöhnlichen Darbietungen abgesehen − wenig. Besonders schlecht bezahlt wurden Musiker und Tänzerinnen. Erst 1920 kam es zur Bildung des Allgemeinen Circus-Direktoren-Verbandes (ACDV), zu dessen Vorsitzendem Paul Busch gewählt wurde. Noch im gleichen Jahr konnte ein einheitlicher Tarifvertrag für alle Zirkuskünstler verabschiedet werden. Zu berücksichtigen bleibt, dass die Artisten zahlenmäßig den kleinsten Teil der Zirkusmitarbeiter ausmachten. Alle anderen Arbeiter und Angestellten blieben weiterhin ohne Rechte.

Erhebliche Schwierigkeiten entstanden für die Zirkusse durch den Ersten Weltkrieg und später die Weltwirtschaftskrise. Viele Unternehmen mussten geschlossen werden, andere umgingen die Probleme durch lange Reisen in weniger betroffene Länder. Oft mussten die Zirkusse verkleinert werden, um die Kosten zu senken, oder sie teilten sich, um in verschiedenen Ländern Einnahmequellen zu finden. In dieser Zeit entstanden neue Genres wie die Trampolinakrobatik und die Zirkusmagie.

Deutschland im Zweiten Weltkrieg und in der Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Durch die Judenverfolgungen verloren viele Zirkusse ihre Mitarbeiter. Während des Zweiten Weltkrieges litten die Unternehmen unter Beschlagnahmungen von Material und später unter Kriegsverlusten durch Bombardierungen. So wurden etwa während der Luftangriffe auf Dresden das Gebäude des Circus Sarrasani und nahezu alle Materialien zerstört und die Tierbestände vernichtet.

In der Nachkriegszeit gab es sowohl in der Bevölkerung als auch bei den Besatzern einen großen Bedarf nach Zerstreuung. Das hatte die Gründung einer Vielzahl von Zirkusunternehmen zur Folge, die sich in den nachkommenden Jahren auch nicht alle halten konnten und deren künstlerisches Niveau zum Teil sehr gering war. Auch alle namhaften Zirkusse der Vorkriegszeit spielten wieder.

Der durch die Kriegsauswirkung entstandene Mangel an Männern führte zu einem Überangebot an künstlerisch tätigen Frauen, die sich in erster Linie den Varieté-Genres Tanz und Musik zuwendeten. So standen diese Künste in den Programmen im Vordergrund. Allerdings blieb das eine vorübergehende Erscheinung, die mit der Normalisierung des Lebens wieder zurückging.

Der Zirkus in den beiden deutschen Staaten[Bearbeiten]

Zirkus – DDR-Briefmarkensatz

Die Zahl der Zirkusunternehmen ging in beiden deutschen Staaten zurück, allerdings aus unterschiedlichen Gründen:

In Westdeutschland erreichte das Zirkussterben Mitte der 1950er Jahre seinen Höhepunkt. Gründe dafür sind unter anderem die Konkurrenz, die das Fernsehen darstellte, und steigende Reisekosten. Die Organisation der Zirkusse als Familienunternehmen blieb erhalten. Neue Einflüsse auf den Zirkus gab es Ende der 1970er Jahre mit Roncalli. Nach einer Zeit der Erstarrung und immer gleichen klassischen Nummernprogramme entwickelte Bernhard Paul die Idee des Zirkus als eines Gesamtkunstwerkes: Der Zirkus beginne nicht erst mit dem Programm, sondern bereits beim Eintritt in die Manege und ende mit dem Austritt aus derselben. Es entstanden Stücke mit durchgehender Handlung, in die die artistischen Nummern eingebettet wurden.

Da in der DDR gerade in den 1950er Jahren das Kulturangebot in vielen Orten nicht sehr umfangreich war, hatten die Zirkusvorstellungen eine herausgehobene Stellung im Veranstaltungskalender. So konnten in dieser Zeit die drei großen verstaatlichten Zirkusse (Barlay, Busch und Aeros) mehr Besucher verzeichnen als alle Theater der DDR. Zum 1. Januar 1960 wurde der VEB Zentralzirkus gegründet. Im Jahr 1980 erfolgte die Umbenennung des VEB Zentralzirkus in „Staatszirkus der DDR“. Die Artisten hatten einen Rentenanspruch, wurden auch in den Wintermonaten bezahlt, und es wurde eine Regelung zur Berufsunfähigkeit eingeführt. Damit verbesserten sich die Lebensumstände, was allerdings die Betriebe unrentabel machte. Privatzirkusse verschwanden fast gänzlich. Mit den ersten Absolventen der 1956 in Berlin gegründeten und noch heute vom Berliner Senat unterhaltenen Fachschule für Artistik kamen neue Nummern in den Zirkus, besonders Gruppennummern wurden ausgebildet. Das traditionelle Nummernprogramm herrschte in allen Zirkussen vor.

Zirkus heute[Bearbeiten]

Derzeit reisen in Deutschland um die 300 Zirkusunternehmen unterschiedlicher Größe – angefangen bei kleinen Familienzirkussen bis hin zu mittelständisch geführten Zirkusunternehmen mit viel Personal, Material und Tieren. Das wachsende Kultur- und Freizeitangebot, steigende Kosten, diverse Auflagen, Werbeverbote in einigen Städten und die Bebauung beziehungsweise die Verlagerung der Spielorte an die Stadtränder sind Probleme, die die Unternehmen zu meistern haben.

Seit den 1970er Jahren gab es von Frankreich ausgehend neue Impulse für den Zirkus, die in die Entwicklung des so genannten Cirque Nouveau mündeten. Das wohl größte und bekannteste Unternehmen dieses Genres ist der Cirque du Soleil aus Kanada. Daneben gibt es auf allen Kontinenten eigene Entwicklungen. Zu nennen sind hier zum Beispiel der chinesische Staatszirkus oder Circus Baobab aus Afrika.

In Deutschland gibt es die Tendenz, Gastspiele als „Event“ zu inszenieren, z. B. als Weihnachtszirkus.[1]

Pädagogische Formen des Zirkus entwickeln sich in der Bundesrepublik seit Beginn der 1970er Jahre und parallel dazu auch in anderen europäischen Ländern: der Kinderzirkus und die Zirkuspädagogik.

Zirkusdarbietungen[Bearbeiten]

Zu den traditionellen Darbietungen gehören unter anderem neben Akrobaten, Artisten, Clowns, Jongleuren und Zauberkünstlern auch Dressuren mit Tieren wie Pferden, Hunden, seltener auch Ziegen, Schweinen, Eseln sowie exotischen Tieren wie Elefanten, Nashörnern, Nilpferden, Zebras, Löwen, Tigern, Bären, Affen oder Seelöwen.

Aufgrund der gestiegenen Sensibilität für die artgerechte Haltung und den Transport von Tieren, sowie die Kritik an den Darbietungen verzichten viele Zirkus-Unternehmen heute gänzlich auf Tiere oder sie verzichten auf Wildtiere und zeigen nur Darbietungen mit Pferden, Ponys, Hunden und (seltener) Hauskatzen und ähnlichen Kleintierdressuren. In einigen Staaten ist die Haltung von Wildtieren in Zirkussen gesetzlich eingeschränkt oder vollständig verboten.

Zu heute kaum mehr möglichen Darbietungen gehörte früher auch das Zurschaustellen von „missgestalteten“ Menschen (Freak Show, oft als Sideshow), exotischen „Völkerschauen“ sowie die Inszenierung „patriotischer Schauspiele“.

Akrobatik[Bearbeiten]

Duo Pisaevi aus Russland am Schwungtrapez

Jonglage[Bearbeiten]

Unter Jonglage fallen alle Nummern, die auf dem geschickten Werfen oder Manipulieren (z. B. Drehen, Schlagen, Balancieren) von Gegenständen basieren. Solche Gegenstände sind zum Beispiel Bälle, Keulen, Ringe, Teller, Hüte, Zigarrenkisten, Diabolos, Devilsticks und Fackeln. Außerdem unterschieden wird die Kontaktjonglage. Neben Einzeljonglagen gibt es auch Partner- und Gruppenjonglagen.

Handstandakrobatik, Hand-auf-Hand[Bearbeiten]

Bei der Handstand-Akrobatik werden verschiedene Kunststücke im Handstand gezeigt, beispielsweise das Besteigen einer Treppe im Handstand oder das Balancieren mit den Händen auf Blöcken auf den Spitzen vertikaler Stangen.

Eng verwandt ist Partner-Akrobatik, bei der ein Partner mit den Händen auf den Händen des anderen Partners, seinem Kopf oder anderen Körperteilen balanciert, während besondere Figuren und Bewegungsabläufe gezeigt werden.

Menschliche Pyramiden & Kaskadeure[Bearbeiten]

Eine der ältesten akrobatischen Disziplinen ist das Bilden menschlicher Pyramiden, bei denen mehrere Obermänner auf den Schultern mehrerer Untermänner balanciert werden und dabei mehrere Figuren zeigen. Damit verwandt sind Kaskadeure, die auf den Schultern des Untermannes stehen und dann verschiedene Fallfiguren zeigen oder auch über Tische springen, etc. Diese Artisten zeigen häufig auch aus dem Bodenturnen stammende Figuren wie Radschlag, Flic-Flac und andere Bodensprünge, meist in raschen Folgen mehrerer Sprünge.

Kontorsion[Bearbeiten]

Kontorsion wird auch Kautschuk genannt. Hier wird der Körper (meist die Wirbelsäule) extrem gebogen oder extrem gedehnt, zum Beispiel im Spagat oder in Verbiegungen, wie eine weit überdehnte Brücke. Kontorsionisten werden auch Schlangenmenschen genannt.

Trapez & Luftring[Bearbeiten]

Beim Trapez werden an einer Stange, die an zwei oder mehr Seilen befestigt ist, verschiedene Hänge, Handstände, Kopfstände, etc. ausgeführt. Neben dem statischen Trapez gibt es auch das Schwungtrapez. Meist werden Kunststücke am statischen Trapez und am Schwungtrapez kombiniert.

Eng mit dem Einzeltrapez verwandt sind Darbietungen an einem in der Luft hängenden Ring, Kugel, Vertikalnetz und ähnlichen Konstruktionen. Auch sie können statisch, schwingend oder kreisend vorgeführt werden. In der Regel werden die entsprechenden Darbietungen einzeln oder zu zweit (selten zu dritt) gezeigt.

Fliegendes Trapez[Bearbeiten]

Einen gänzlich anderen Charakter als Darbietungen mit dem Einzeltrapez hat das Fliegende Trapez, bei dem die Artisten zwischen mehreren Trapezen fliegen und dabei Pirouetten, Salti und andere Figuren zeigen. Damit verwandt sind auch Darbietungen, bei denen auf Trapeze verzichtet wird und die Artisten für ihre Sprünge von den Händen ihrer Kollegen geworfen werden. Ebenfalls verwandt ist das Luftreck.

Während bei statischem Trapez, Schwungtrapez, Luftring, Luftkugel, Vertikalnetz, etc. Einzel- und Doppeldarbietungen üblich sind, wird das Fliegende Trapez von größeren Gruppen mit mindestens einem Fänger und in der Regel mehreren Fliegern gezeigt.

Vertikalseil, Vertikaltuch, Strapaten[Bearbeiten]

Das Vertikalseil ist ein tauähnliches Seil, das von der Decke herabhängt. An ihm werden ebenfalls verschiedene Hänge und Figuren durchgeführt. Neben dem Vertikalseil gibt es noch das Vertikaltuch, das aus einem, eigentlich zwei (am selben Haken befestigten) Tüchern besteht. Durch geschicktes Umwickeln der Körperteile findet man Halt. Das Tuch ist länger als bodenlang, etwa zwei Meter, da es auch in aufgewickeltem Zustand auf dem Boden schleifen muss. Eng mit dem Vertikalseil und dem Vertikaltuch verwandt sind die Strapaten, lange Bänder, deren Ende um die Handgelenke gewickelt wird und an denen verschiedene Figuren gezeigt werden.

Ebenso wie bei anderen Geräten der Luftakrobatik können diese Geräte statisch, schwingend oder kreisend genutzt werden. Meist sind Einzeldarbietungen üblich, jedoch ist auch hier Partnerakrobatik möglich.

Schwungseil, Schwungtuch[Bearbeiten]

Bei dem Schwungseil und Schwungtuch handelt es sich um ein Seil bzw. Tuch, das an beiden Seiten aufgehängt und ähnlich dem Schwungtrapez genutzt wird. Auch hier sind Einzel- und Partnerdarbietungen möglich.

Schlappseil[Bearbeiten]

Artist auf dem Schlappseil

Das Schlappseil ist ein zwischen zwei festen Punkten lose hängendes Seil. Auf diesem werden im Balancieren verschiedene Kunststücke vorgeführt. Leichte seitliche Schwingbewegungen halten den Artisten im Gleichgewicht. Neben dem Laufen und Drehen auf dem Schlappseil gibt es viele verschiedene Tricks wie Einradfahren, Jonglieren, Hand- und Kopfstand, Schwingen und Rolla-Rolla.

Draht- beziehungsweise Hochseillauf[Bearbeiten]

Es wird auf einem gespannten Drahtseil balanciert, klassische Utensilien sind Fächer oder Schirm. Eine weitere Hilfe ist die Balancierstange, sie ist aber erst auf dem Hochseil wirklich von Nutzen, besonders wenn im Freien oder mit einem Zweiten auf den Schultern gearbeitet wird. In Amateurzirkussen werden dazu oft Hochsprungstangen benutzt.

Auf dem gespannten Drahtseil können auch Radschläge, Bögen, Spagat oder Sprünge gemacht werden, man kann mit einem speziell präparierten Einrad darauf fahren oder mit einem Stuhl darauf sitzen.

Todesrad[Bearbeiten]

Todesrad mit Seilspringer
(New York 2008)

Das Todesrad besteht aus einer länglichen Stahlkonstruktion, die um ihre Mitte rotiert und an deren Enden (seltener nur an einem Ende) rhönrad-große Tretmühlen befestigt sind. Die Artisten können sowohl in ihrem Inneren als auch außen auf diesen Konstruktionen laufen und dabei verschiedene Sprünge, Salti, etc. zeigen.

Trampolin[Bearbeiten]

Das Trampolin wurde aus dem Sport übernommen. Es wird teilweise mit anderen Geräten, Plattformen, etc. kombiniert, die in die Darbietung eingebunden werden. Auch möglich ist die Kombination eines horizontalen Trampolins mit schräg aufgestellten Trampolinen, so dass Sprünge zwischen diesen Trampolinen gezeigt werden können.

Schleuderbrett und Russische Schaukel[Bearbeiten]

Das Schleuderbrett ist eine Wippen-ähnliche Konstruktion, die es erlaubt, darauf stehende Artisten durch Sprünge auf das andere Ende sehr hoch in die Luft zu schleudern, so dass sie während des Fluges verschiedene Figuren vorführen können und häufig auf Schultern anderer Artisten landen. Sehr ähnlich ist die Russische Schaukel, eine Schaukel-ähnliche Konstruktion, auf der die Artisten vor dem Absprung stehen.

Russischer Barren[Bearbeiten]

Beim Russischen Barren handelt es sich um eine elastische Stange, die von zwei Untermännern getragen wird und auf der Artisten stehend oder sitzend hochgeschleudert werden, um während der Flugphase verschiedene Figuren zu zeigen.

Antipoden und Ikarier[Bearbeiten]

Bei Antipoden-Darbietungen liegt der Artist in einem speziellen Stuhl oder nur auf dem Boden und jongliert diverse Gegenstände mit seinen Füßen. Verwandt sind die Ikarier-Darbietungen, bei denen statt Gegenständen ein Partner auf den Füßen des Untermannes balanciert wird und verschiedene Sprünge und Salti zeigt, nach denen er immer wieder auf den Füßen des Untermannes landet.

Leiterakrobatik[Bearbeiten]

Bei der Leiterakrobatik werden an ein oder zwei freistehenden Leitern Handstände, Kopfstände oder sogenannte Absteher vollführt. Aufgrund ihrer fehlenden Befestigung müssen die Leitern während dieser Kunststücke kontinuierlich in Balance gehalten werden.

Rola-Rola / Rola-Bola[Bearbeiten]

Das Rola-Rola (oder auch: Rola-Bola) gehört zur Gruppe der Balancegeräte. Dabei balanciert der Artist auf einem Brett, das auf einer oder mehreren Rollen balanciert wird und auf dem er verschiedene Kunststücke, Jonglagen, oder ähnliches zeigt.

Vertikalstange und Reck[Bearbeiten]

Das aus dem Sport stammende Reck hat auch im Zirkus Eingang gefunden. Dort werden häufig mehrere Reckstangen kombiniert, so dass mehrere Artisten gleichzeitig daran arbeiten können oder auch Sprünge zwischen den Reckstangen möglich sind. Auch die Vertikalstange wird häufig für artistische Darbietungen genutzt.

Kunstrad und Einrad[Bearbeiten]

Hier werden auf Fahrrädern und Einrädern (darunter auch Hochrädern) verschiedene Kunststücke, Sprünge, Jonglagen, etc. gezeigt.

Cyr-Rad und Rhönrad[Bearbeiten]

Das aus der Sportgymnastik stammende Rhönrad hat auch Einzug in die Zirkusakrobatik gefunden. Eine Abwandlung ist das Cyr-Rad, bei dem nur in einem einzelnen Ring während dessen Rotieren und Rollen verschiedene Figuren gezeigt werden.

Hula Hoop[Bearbeiten]

Auch Hula Hoop-Reifen wird von Artisten genutzt. Dabei werden nicht nur Kunststücke mit einem einzelnen Reifen gezeigt, sondern insbesondere auch mit mehreren Reifen, die gleichzeitig um den Körper oder auch verschiedene Körperteile rotieren.

Rollschuhartistik[Bearbeiten]

Verschiedene Artisten haben sich auf Darbietungen mit Rollschuhen spezialisiert. In der Regel werden diese Darbietungen zu zweit gezeigt, wobei ein Partner sich auf Rollschuhen im Kreis dreht, während der andere von ihm durch die Luft gedreht wird und dabei Pirouetten und ähnliche Figuren zeigt.

Weiteres[Bearbeiten]

Daneben gibt es zahlreiche Mischformen aus den genannten Disziplinen und auch Darbietungen, die sich keiner klassischen Form eindeutig zuordnen lassen. Auch bei den verwendeten Gerätschaften gibt es häufig Abwandlungen.

Insbesondere auf anderen Kontinenten haben sich teilweise ganz andere Darbietungen herausgebildet. So sind im chinesischen Zirkus beispielsweise Reifenspringen und Stuhlpyramiden klassische Darbietungen.

Tierdressur[Bearbeiten]

Kleintierdressur[Bearbeiten]

In vielen Zirkussen werden Auftritte von Hunden, Ziegen, Schweinen, Katzen, Schafen, Papageien und anderen kleineren dressierbaren Tierarten gezeigt. Oftmals werden die Tiere in eine komische Nummer (Clownerie oder Slapstick) integriert.

Pferdedressur

Pferdedressur[Bearbeiten]

Im Zirkus werden neben der Hohen Schule (Dressurreiten) auch Freiheitsdressur (eine Gruppe von Pferden, die Walzerlaufen, Achterlaufen, Gegenlaufen, Steigen, Pirouette etc. zeigen), Ungarische Post (ein Reiter hält, auf einem Pferd stehend, die Zügel von mehreren weiteren), Voltigieren oder akrobatische Reitertruppen gezeigt.

Exotendressur[Bearbeiten]

Zebras im Zirkus

Kamele, Zebras, Lamas und Rinder zeigen als Dressurgruppe Figurenlaufen oder werden als „Exotentableau“ teilweise auch mit Affen, Giraffen, Straußen, Antilopen, Nashörnern, Flusspferden, Tapiren oder Krokodilen in der Manege präsentiert. Seelöwen werden humoristisch vorgeführt. Elefanten werden beritten und in Dressurgruppen gezeigt.

Raubtierdressur[Bearbeiten]

Großkatzen (Löwen, Tiger, seltener auch Leopard, Puma oder Jaguar) und Bären, vereinzelt auch Hyänen, werden im Zentralkäfig vorgeführt, der über den Laufgang mit Gehegewagen und Außengehege verbunden ist. Mit Raubtieren wird meistens auf Distanz gearbeitet. Mögliche Kunststücke sind Balkenlaufen, Sprünge zum Beispiel über Hürden, von Podest zu Podest und über Artgenossen, „lebender Teppich“ (= Abliegen), Hochsitz, Hochstehen, Löwen- oder Tigerbar (= Hochstehen am Balken) etc. Eine der gefährlichsten Übungen ist es, wenn die Raubkatze durch einen Reifen springt, den der Dompteur hält. Eine Großkatze, die einmal einen Menschen angefallen hat, wird in der Regel nicht mehr für die Dressur eingesetzt.

Tierhaltung im Zirkus und deren Probleme[Bearbeiten]

Seit den 1990er Jahren wird die Zirkuswelt mit Kritik von Tierschutzverbänden und Tierrechtlern konfrontiert. Sie werfen den Zirkusbetreibern vor, insbesondere exotische Tiere nicht artgerecht zu halten. Unter artgerecht wird unter Tierrechtlern dabei meist eine Tierhaltung verstanden, durch die das jeweilige Tier seine natürlichen artspezifischen Bedürfnisse (Körperpflege, Ernährung, Bewegung, soziale Kontakt zu Artgenossen u. a.) weitestgehend befriedigen kann. Eine artgerechte Haltung sei im Rahmen des Zirkusbetriebs gar nicht möglich.

Zirkusleute halten dem entgegen, dass Zirkustiere heute nicht mehr aus der freien Wildbahn stammen, sondern in menschlicher Obhut geboren wurden. Sie seien somit von klein auf an den Kontakt und die Zusammenarbeit mit ihren menschlichen Partnern gewöhnt. Die meisten Zirkusse hätten ihre Stallungen um Außengehege und artspezifisch auch um Wasserbecken ergänzt. Auch an die Raubtiergehege würden teilweise Außengehege und Wasserbecken angeschlossen. Tierrechtler kritisieren wiederum, dies entspreche nicht einer artgerechten Tierhaltung, da die Gehege in jedem Fall zu klein seien, um den natürlichen Bewegungsbedürfnissen gerecht zu werden. Ankettung sei außerdem immer noch gängige Praxis in Zirkussen. Singer beschreibt zudem wissenschaftliche Beobachtungen, die belegen sollen, dass selbst über Generationen gezüchtete Nutztiere ihre instinktiven Bedürfnisse nicht verlieren.[2] Unbestreitbar ist, dass eine artgerechte Tierhaltung eine hohe finanzielle Herausforderung für Zirkusunternehmen darstellt und diese gleichzeitig häufig unter wirtschaftlichem Druck stehen.

Es wird weiterhin kritisiert, dass für viele Tiere zwei bis drei Auftritte pro Tag und die hohe Geräuschkulisse enormen Stress darstellten. Befürworter der Tierdressur halten die hohe Geräuschkulisse bei Auftritten für unproblematisch, solange der Tierlehrer die Konzentration seiner Schützlinge auf sich lenken könne. Erst in dem Augenblick, in dem die Tiere ihre Aufmerksamkeit auf die Umgebung richteten, würde der Publikumslärm zum Stressfaktor. An Elefanten und Löwen durchgeführte Cortisol-Tests zeigen, dass bei beiden Arten sich der Stresspegel vor und nach langen Transporten nicht auffällig verändert habe sowie keine wesentlichen Unterschiede zu den Werten, die an freilebenden Tieren gemessen wurden, aufweise.[3] Ein Vorteil der Zirkustierhaltung im Vergleich zu anderer Tierhaltung sei außerdem, dass regelmäßig arbeitende Zirkustiere weniger unter Langeweile litten. Reisen von einem Veranstaltungsort zum nächsten seien sowohl für Tiere als auch für Menschen anstrengend, sagen Befürworter der Zirkustierhaltung. Tierrechtler setzen dagegen, dass die Reise eines Menschen in einem Autositz nicht vergleichbar sei mit der Reise eines Tieres in einem Tiertransportanhänger.

Tierlehrer legen dar, dass Zirkustiere heutzutage nach der Methode der positiven Dressur ausgebildet würden. Bei der positiven Dressur werden Übungen in kleinste Einheiten zerlegt. Dann werden die Tiere mittels Hilfsmitteln (wie der Stimme, der Gestik und Berührungen des Lehrers mit Händen oder Peitschen, Targettraining, operante Konditionierung) zu bestimmten Bewegungsabläufen angeleitet, gleichzeitig erfolge das entsprechende Kommando und anschließend das Lob und die Futterbelohnung, also eine positive Verstärkung. Bei regelmäßiger Wiederholung könnten Tiere so auch komplexe Bewegungsabläufe (Kunststücke) erlernen.[4] Tierschützer dagegen bestreiten einen ausschließlich positiven Charakter der Zirkusdressurmethoden. Nach wie vor würden auf Grund von Zeitdruck auch negative, also bestrafende und auch schmerzhafte Dressurmethoden eingesetzt.[5]

In Deutschland sollen Kontrollen der Veterinärämter am Gastspielort und die „Leitlinien für die Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren in Zirkusbetrieben oder ähnlichen Einrichtungen“ die Einhaltung des Tierschutzes im Zirkus sicherstellen.[6][7] Tierschützer kritisieren dieses Kontrollinstrument jedoch als ineffektiv. Die Veterinärämter vor Ort hätten meist nicht das notwendige Expertenwissen hinsichtlich exotischer Tiere. Zudem stünden die regionalen Ämter vor dem Problem der andauernden Ortswechsel der Zirkusbetriebe und damit wechselnder Zuständigkeiten der Ämter. Wegen der höher werdenden gesetzlichen Anforderungen sind viele Zirkusunternehmen jedoch ohnehin dazu übergegangen, Zahl und Bedeutung der Tiere im Zirkusprogramm zu verringern. Es gibt mittlerweile einige Zirkusse, die ganz auf Tiere verzichten.[8]

In Schweden, Finnland, Dänemark, Belgien, den Niederlanden und Österreich ist die Haltung von Wildtieren in Zirkussen zum Teil oder gänzlich verboten.

Clowns[Bearbeiten]

Zu den meisten Zirkusprogrammen gehören auch ein oder mehrere Clowns, die das Publikum mit Späßen zum Lachen bringen sollen und die Sympathieträger der Kinder sind. Klassische Clownfiguren sind der aus der Commedia dell’arte stammende Weißclown sowie der Dumme August, wobei der Weißclown die Autorität darstellt, während der Dumme August ständig alles falsch macht und mit seiner Tollpatschigkeit den Weißclown ärgert. Dennoch hat der Dumme August auch eine gewisse Schlitzohrigkeit, so dass er die Sympathien des Publikums auf seiner Seite hat. Häufig gibt es auch mehrere Dumme Auguste. Einige Darbietungen verzichten jedoch auf diese klassische Unterscheidung (insbesondere auf den Weißclown). Typisch für Clowns sind oft auch der Einsatz von Musikinstrumenten oder kleinere artistische Kunststücke, die in eine komische Handlung eingebunden werden.

Auftritte der Clowns lassen sich in Entree und Reprise unterscheiden: während das (meist längere) Entree der eigentliche Solo-Auftritt der Clowns ist, dienen die Reprisen der Überbrückung der Umbaupausen zwischen anderen Darbietungen. Teilweise gibt es in einem Programm sowohl Entree-Clowns als auch Reprisenclowns. Eng verwandt mit dem Reprisenclown ist die Figur der komischen Requisiteure, die im Gegensatz zum Reprisenclown direkt an den Umbauarbeiten zwischen den Darbietungen beteiligt sind. Daneben kann unterschieden werden zwischen Clowns, die Sprache nutzen und Clowns, die ohne Sprache arbeiten. Manche Clowns beziehen das Publikum direkt in ihre Auftritte mit ein, während andere dies ablehnen, da dies manchen Zuschauern unangenehm ist.

Einige moderne Zirkusse verzichten ganz auf Clowns.

Berühmte Clowns waren/sind Charlie Rivel, Grock, Oleg Popov, Trio Fratellini, Peter Bento Familie, Luftmann-Familie, Los Rivelinos, Toni Alexis Family, David Larible, Bello Nock, Die Chicky’s, Les Rossyann, Les Muñoz und den in Zirkuskreisen als Legende geltenden Francesco Caroli als Weißclown der Les Francescos.

Neben den klassischen Clowns gibt es auch einen Übergangsbereich zwischen Clown und Pantomime. Berühmte Vertreter dieser Form sind Peter Shub, David Shiner und Pic.

Bekannte Zirkusse[Bearbeiten]

Zirkus Barum auf dem Hamburger Heiligengeistfeld

Die großen Reisezirkusse in Deutschland (aktuell):

Ehemalige große Reisezirkusse in Deutschland:

Weitere Unternehmen in Deutschland und der Welt:

Zeitweise zeigen Agenturen Zirkusproduktionen mit Artistik aus China, Russland, Afrika und der Mongolei. Seit Mitte der 1990er Jahre sind in Deutschland Weihnachtszirkusse in Mode gekommen, die vornehmlich von den klassischen Zirkusunternehmen präsentiert werden.

Festivals[Bearbeiten]

Es gibt weltweit mehrere regelmäßig (in der Regel jährlich) stattfindende Zirkusfestivals, in denen sich entsprechende Darbietungen der breiten Öffentlichkeit, aber auch einem Fachpublikum präsentieren können und wo in der Regel auch Darbietungen ausgezeichnet werden. Daneben dienen diese Festivals auch der Kontaktaufnahme zu Kollegen. Häufig sind solche Festivals der Beginn internationaler Karrieren. Die großen Festivals werden auch aufgezeichnet und deren Höhepunkte sind in zahlreichen Ländern regelmäßig im Fernsehen zu sehen.

Zu den größten und bekanntesten Festivals gehören:

  • Internationales Zirkusfestival von Monte-Carlo (Festival International du Cirque de Monte-Carlo), seit 1974 in Monaco stattfindendes Festival.
  • Weltfestival des Circus von Morgen (Festival Mondial du Cirque de Demain), seit 1977 in Paris stattfindendes Festival, das einen modernen Zirkus fördern möchte und von Beginn an auf Tierdarbietungen verzichtet hat.
  • European Youth Circus, alle zwei Jahre in Wiesbaden stattfindendes Festival für junge Nachwuchsartisten.

Zirkusschulen / Artistenschulen[Bearbeiten]

In zahlreichen Staaten gibt es staatliche und/oder private Zirkusschulen, die schwerpunktmäßig Akrobatik und teilweise auch Clownerie unterrichten. Während der Nachwuchs von Zirkusartisten häufig durch die Eltern und andere Artisten ausgebildet wird, richten sich solche Schulen auch an Menschen, die keine Verbindungen in diesen Bereich haben und eine Artisten-Laufbahn in Zirkus, Varieté, etc. anstreben. Ein Beispiel ist die Staatliche Ballettschule und Schule für Artistik in Berlin.

Davon zu unterscheiden sind die namensgleichen Zirkusschulen, die als mitreisende Schulen bei größeren Zirkusunternehmen den Kindern der Beschäftigten den Schulbesuch ermöglichen, ohne dass sie Internate oder ständig wechselnde Schulen besuchen müssten. An diesen reisenden Kleinst-Schulen wird nur die Primarstufe (Grundschule) und bei der Sekundarstufe maximal der Hauptschulabschluss angeboten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Geschichte
  • Noel Daniel (Hrsg.): The Circus. 1870–1950. Taschen, Köln 2008, ISBN 3-8228-5153-1.
  • Ernst Günther / Dietmar Winkler: Zirkusgeschichte: Ein Abriß der Geschichte des deutschen Zirkus. Henschel, Berlin 1986, ISBN 3-362-00060-6.
  • Sylke Kirschnick: Koloniale Szenarien in Zirkus, Panoptikum und Lunapark. In: Ulrich van der Heyden, Joachim Zeller (Hrsg.) „… Macht und Anteil an der Weltherrschaft“ – Berlin und der deutsche Kolonialismus. Unrast, Münster 2005, ISBN 3-89771-024-2.
  • Sylke Kirschnik: Manege frei! Die Kulturgeschichte des Zirkus. Theiss Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8062-2703-1.
  • Rolf Lehmann: Circus. Magie der Manege. Hoffmann und Campe, Hamburg 1979.
  • F. K. Mathys: Circus. Faszination gestern und heute. AT Verlag, Aarau 1986, ISBN 3-85502-251-8.
  • Natias Neutert: Wo ist der Zirkus? Woanders! Eine Kritik in Die Zeit 16. November 1984. online
  • Winfried Christian Schmitt / Volker W. Degener: Zirkus. Geschichte und Geschichten. Lentz, München 1991, ISBN 3-88010-228-7.
  • Volkhard Stern: Der Zirkus kommt! Immer auf Achse – Zirkuszüge in Deutschland von 1900 bis 2000. EK-Verlag, Freiburg 2012, ISBN 978-3-88255-889-0.
  • Dietmar Winkler: Zirkus in der DDR. Im Spagat zwischen Nische und Weltgeltung. Edition Schwarzdruck, Berlin 2009, ISBN 978-3-935194-30-3.
Tierhaltung
  • C. Kröplin u. a.: Leitlinien für die Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren in Zirkusbetrieben oder ähnlichen Einrichtungen. Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Berlin 2009. online (PDF; 142 kB)
  • Hans-Jürgen und Rosemarie Tiede: Die hohe Schule der Raubtierdressur. Freizeit-News, Kaufbeuren 1997, ISBN 3-928871-04-8.
  • Klaus Zeeb: Wie man Tiere im Circus ausbildet. Enke, Stuttgart 2001, ISBN 3-7773-1937-6.
Einzelne Unternehmen
  • Ernst Günther: Sarrasani – wie er wirklich war. Henschel, Berlin 1984.
  • Werner Köhler / Edmund Labonté (Hrsg.): Circus Roncalli. Geschichte einer Legende. Hoffmann und Campe, Hamburg 1997, ISBN 3-455-11190-4.
  • Klaus-Dieter Kürschner: Von der Menagerie zum größten Circus Europas: Krone. Ullstein, Berlin 1998, ISBN 3-550-06936-7.
  • Marlies Lehmann-Brune: Die Althoffs. Geschichte und Geschichten um die größte Circusdynastie der Welt. Umschau, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-524-69097-1.
  • Bernhard Paul: Roncalli und seine Artisten. Lingen, Köln 1991.
  • Helga Pisters / Bernhard Paul: Circus Roncalli. Edition Panorama, Mannheim 2006, ISBN 3-89823-275-1.
  • Thomas Schütte / Mario Angelo: Hereinspaziert in den Circus Roncalli. Argos Press, Köln 1981, ISBN 3-88420-015-1.
  • Frieda Sembach-Krone: Circus Krone. Eure Gunst – unser Streben. Eine autorisierte Aufzeichnung von Hellmuth Schramek. Ehrenwirth, München 1969.
  • Gisela Winkler: Circus Busch. Geschichte einer Manege in Berlin. Be.Bra, Berlin 1998, ISBN 3-930863-36-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Zirkus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Zirkus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Zirkus – Quellen und Volltexte
  Wikiquote: Zirkus – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Georg Etscheid: Poesie in der Manege Zeit online, 3. April 2011, abgerufen am 2. Januar 2013.
  2. Peter Singer: Animal Liberation – Die Befreiung der Tiere. Rowohlt, Reinbek b. Hamburg, 1996. S. 192 f.
  3. Dr. Imanuel Birmelin: Tierisch intelligent. Kosmos (Franckh-Kosmos), 2011. S. 107 ff.
  4. Dressur: Vertrauen als Basis Porträts verschiedener Tierdompteure und ihrer Dressurmethoden. Auf: circustiere.de.
  5. Die Dressur von Wildtieren Darstellung der Dressur von Zirkustieren durch PETA.
  6. Haltung von Tieren von Zirkusbetrieben beim BMELV.
  7. Rechtsgrundlagen für die Tierhaltung im Zirkus Übersicht beim Deutschen Tierschutzbund e.V..
  8. http://www.animalprotection.de/zirkus1.htm#ohnetier ; Download vom 21. Februar 2011.