Zombie
Als Zombie wird die fiktive Figur eines zum Leben erweckten Toten (Untoter) oder eines seiner Seele beraubten, willenlosen Wesens bezeichnet. Der Begriff leitet sich von dem Wort nzùmbe aus der zentralafrikanischen Sprache Kimbundu ab und bezeichnet dort ursprünglich einen Totengeist.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geschichte
Bereits aus der Frühgeschichte der Menschen gibt es Hinweise darauf, dass die Menschen glaubten und fürchteten, die Toten könnten zurückkehren und möglicherweise den Lebenden Leid antun. Unter anderem wurden in verschiedenen Kulturen Gräber vorgefunden, in denen die Leichen Verstorbener gefesselt waren. Allerdings ist teilweise unklar, ob dies eine Sonderbehandlung oder sogar Hinrichtung für Verbrecher war.
Noch bis ins 18. Jahrhundert herrschte auch in der mitteleuropäischen Bevölkerung große Angst vor der Wiederkehr Verstorbener. So war eine Aufgabe der Totenwache, einen vermeintlichen Verstorbenen zu erschlagen, wenn er sich von dem Totenbett erheben sollte. Dies kam durchaus vor, denn die Methoden, den Tod festzustellen, waren unzuverlässiger als heute.
Die Figur beziehungsweise der Name Zombie zog in die Kulturerzeugnisse der Vereinigten Staaten ein, während Haiti von 1915 bis 1934 unter US-amerikanischer Besatzung stand. Der aus dem Kreolischen (zombi = Gespenst, Totengeist) herrührende Begriff Zombie wurde in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts vor allem durch US-amerikanische Kinofilme und Comics populär, als das Phänomen des Scheintodes noch kaum ins Bewusstsein der Allgemeinheit eingedrungen war. Nach einer Definition des französischen Ethnologen Michel Leiris sind Zombies "Individuen, die man künstlich in einen Scheintodzustand versetzt, beerdigt, dann wieder ausgegraben und geweckt hat und die infolgedessen folgsam wie Lasttiere sind, da sie ja gutgläubig annehmen müssen, dass sie tot sind."[1]
Der Ethnobotaniker Wade Davis entdeckte 1982 auf seiner Reise durch Haiti, dass das dabei zur Anwendung kommende Zombie-Gift unter anderem das hochtoxische Tetrodotoxin enthält und führte die Zombifikation von Menschen darauf zurück. Während Terence Hines vermutet hat, Davis sei einem Hoax aufgesessen, konnte der Dichter und Denker, Kritiker und Künstler Natias Neutert als "ethnologischer Detektiv" die Vermutung von Leiris aus den 30er Jahren 1994 durch folgenden Befund bestätigen: "Zombie-Gift: Im wesentlichen geraspelte Menschenknochen, zum Sieden gebrachte Krötensekrete und Bestandteile des Fou-fou, eines Kugelfisches, dessen Ovarien hochgiftiges Tetrodotoxin enthalten. Zehn Milligramm davon genügen, einem Menschen ins Jenseits zu befördern. Eine sehr viel geringere Dosis führt den Zustand des Scheintods herbei: Der Atem des Opfers geht nicht mehr, das Herz steht still, die Muskulatur ist gelähmt, sämtliche Stoffwechselfunktionen sind herabgesetzt — bis ganz nah an den klinischen Tod."[2] Einleuchtend ist die weit verbreitete Idee, das Zombie-Gift werde mit Juckpulver vermischt auf die Haut des Opfers geblasen, sodass es beim Kratzen durch die dabei entstehenden Wunden aufgenommen wird und in die Blutbahn gelangt. Das Gift ruft rasch die beschriebenen krankheitsähnlichen Symptome hervor, an denen das Opfer scheinbar stirbt — ein Glaube, in dem sowohl die Gemeinde als auch das Opfer selbst befangen ist, solange mangelnde Aufgeklärtheit dies begünstigt. Nach Ansicht des Anthropologen Littlewood und des Neurologen Douyon, die mehrere „Zombies“ detailliert untersuchen konnten, handelt es sich in etlichen Fällen auch um herumirrende, psychisch kranke oder debile Fremde, die sich nicht zurechtzufinden wissen und daher oft fälschlicherweise als vermeintlich Verstorbene identifiziert werden.[3]
[Bearbeiten] Zombies im Voodoo
Das Zombie-Phänomen ist im Einflussbereich des Voodoo und ähnlicher Yoruba-Religionen nach wie vor virulent, besonders in Haiti. Obwohl das Christentum dort längst Staatsreligion ist, ist der Voodoo-Glaube in der Bevölkerung noch immer verankert. Die kreolische Formel dafür lautet: "Bokor kapab, yo gen puvoua sekré — was bedeutet: Die Hexer sind zu allem fähig, sie besitzen die geheime Macht."[4] Laut diesem Glauben belegt ein Voodoo-Priester (Houngan), ein Schwarzmagier (Bokor) oder eine Priesterin (Mambo) jemanden mit einem Fluch, worauf die betreffende Person stirbt (Scheintod). Danach wird der (vermeintlich) Tote auf rituelle Weise wieder zum Leben erweckt, um hinterher als Arbeitssklave missbraucht zu werden. Solche Zombies heißen Zombie cadavres. Eine weitere Form des Zombies ist der Zombie astrale. Es ist eine verlorene Seele, die von ihrem Körper getrennt wurde, z.B. durch ihr Ableben, ihren natürlichen Tod. Ein Houngan oder ein Bokor kann diese herumirrende Seele in einem kleinen, tönernen Gefäß oder in einer Flasche einfangen, sodass sie die Hinterbliebenen wie in einer 'Urne' bei sich zuhause verwahren können. Solche den Totenkult betreffende Riten, werden noch heute in Haiti oder im Süden der Vereinigten Staaten praktiziert. Solche Zeremonien werden größtenteils den Anhängern des Petrokults (eine der Schwarzmagie zugewandten Gruppe des Voodoo) zugeschrieben. Die Angst vorm "Zombie cadavre" jedoch ist unter einfachen Leuten so groß, dass Verstorbene häufig genug vergiftet, mit einem Pfahl erstochen, zerstückelt und die Gräber noch tagelang von Angehörigen bewacht werden.
Der Kulturanthropologe Wolf-Dieter Storl geht hiervon aus: Ursprünglich seien nicht zu resozialisierende Kriminelle durch Zombifikation zugleich unschädlich gemacht und bestraft worden. Durch regelmäßige Gaben von Atropin wurde ihr willenloser Zustand als Zombies aufrechterhalten, eine Form der Strafe, die sich als Werkzeug des uralten Justizsystems in West- und Zentralafrika überliefert hat.
Entgegen anders lautenden Behauptungen, beinhaltet das haitianische Strafrecht keinen Paragraphen (mehr), der Zombifikation unter Strafe stellt.
[Bearbeiten] Zombies in der Populärkultur
Zombies werden oftmals als Schreckensfiguren in Horrorfilmen, in entsprechenden Comics oder Computerspielen dargestellt. Sie werden meistens als träge umherirrende Untote mit ausgestreckten Armen und blutig entstelltem, bereits halbverwestem Gesicht und leerem Blick inszeniert, die vom Hunger auf Menschenfleisch angetrieben werden, aber über kein Bewusstsein mehr verfügen. In der letzten Zeit ist vermehrt eine Abkehr vom metaphysischen Zombiebild zu beobachten. Ersetzt wird es in einigen Fällen durch ein "naturwissenschaftliches" Konzept, bei dem die Zombies durch eine Virusinfektion, nicht durch Magie entstanden sind.
Oft dienen Zombies auch als Metapher für ein angepasstes Dahinvegetieren, unterwürfigen und kritiklosen Gehorsam („Kadavergehorsam“), passiven Konsum und Desinteresse, im Gegensatz etwa zu Rebellion, Autonomie oder unabhängiger Ästhetik. So griff zum Beispiel die Punk-Bewegung das Zombiemotiv häufig auf, unter anderem als Artwork auf Plattencovern oder T-Shirts. In religionskritischen Kreisen wird zuweilen Jesus Christus in Anspielung auf seine Auferstehung von den Toten satirisch als „Zombie Jesus“ karikiert[5].
Es gibt auch einen Cocktail namens Zombie.
[Bearbeiten] Filme
- Siehe auch: Liste von Zombiefilmen
Eine zombieähnliche Gestalt erschien bereits 1920 im expressionistischen deutschen Stummfilm Das Cabinet des Dr. Caligari: Der schlafwandelnde Cesare begeht in tranceartigem Zustand wie ferngesteuert Verbrechen. Das Wort „Zombie“ wird in dem Film nicht verwendet.
Durch den Kontakt mit der haitianischen Kultur während der Besetzung Haitis von 1915 bis 1934 gelangten Zombies als Filmfiguren in die Produktionen US-amerikanischer Filmemacher. Der erste Film, in dem Zombies als solche ausdrücklich auftauchten, war Victor Halperins White Zombie von 1932 mit Bela Lugosi in der Hauptrolle, in dem die Darstellung der wandelnden Untoten noch sehr dem Voodoo-Glauben entspricht. Zombies sind hier noch keine blutrünstigen Monster wie in späteren Filmen, sondern gehorsame Sklaven ihres Meisters. In Ich folgte einem Zombie (1942) von Regisseur Jacques Tourneur und Produzent Val Lewton ist der Zombie eine fast traurige, friedliche Gestalt.
Erst die bekannten Horrorfilme von George A. Romero wie Die Nacht der lebenden Toten (1968) und besonders Zombie – Dawn of the Dead (1978) machten die Figuren zu fleischfressenden Monstern. In dieser vampirähnlichen Darstellung sind Zombies mittlerweile zu einem festen Bestandteil der Popkultur geworden. Einen nicht zu unterschätzenen Einfluss hatte laut Romero der 1954 erschienene Science-Fiction-Roman Ich bin Legende (original: I Am Legend) des amerikanischen Schriftstellers Richard Matheson, der insgesamt viermal verfilmt wurde.
Die Untoten dieser neueren Zombiefilme ähneln – obgleich gelegentlich auch mit der Voodoo-Thematik vermischt (so etwa in Zombi 2) – den mythischen Vorstellungen der lebenden Toten im Gilgamesch-Epos, in dem die wütende Göttin Ischtar droht:
- „Schaffst du mir aber den Himmelsstier nicht,
- So zerschlag ich die Türen der Unterwelt,
- Zerschmeiß ich die Pfosten, laß die Tore weit offenstehn,
- Laß ich auferstehn die Toten, dass sie fressen die Lebenden,
- Der Toten werden mehr sein denn der Lebendigen.“[6]
Nicht zuletzt führte die durch den unerwarteten Erfolg von Zombie – Dawn of the Dead in den 1980er-Jahren losgetretene Welle von Zombiefilmen zur Herausbildung eines eigenen Horrorfilm-Subgenres. Zumeist sind die Zombiefilme in der Tradition Romeros äußerst blutrünstig inszeniert und operieren ausgiebig mit Splatter- und Gore-Effekten.
In den letzten Jahren zeichnet sich innerhalb dieses Genres der Trend zu einer dramaturgisch etwas veränderten Darstellung der Zombies ab. Anstatt träge umherzuirren, sind die „modernen“ Zombies erstaunlich schnell und zielgerichtet (wobei das Ziel dasselbe bleibt – Menschenfleisch). Das bekannteste Beispiel für diese neue Darstellung ist das 2004 erschienene Dawn-of-the-Dead-Remake von Zack Snyder. Inspiriert wurde dessen Darstellung der Zombies sicher auch durch Danny Boyles Film 28 Days Later (2003), der (2007) mit 28 Weeks Later fortgesetzt wurde. Dort verwandelt ein tollwutähnliches Virus Menschen in zombiegleiche reißende Bestien.
Als bedeutende Weiterentwicklung der Zombie-Thematik kann Romeros 2005 erschienener Film Land of the Dead gewertet werden. Hier werden die Zombies erstmals als mit Bewusstsein begabte Lebewesen dargestellt, die zu strukturierten eigenen Handlungen fähig sind. Als Ausgegrenzte der Gesellschaft organisieren sie einen revolutionären Feldzug auf die Stadt der letzten Überlebenden, die sich hinter Stacheldraht vor der Bedrohung der Untoten verschanzt haben. Am Ende des Films – dies ist für das Genre einzigartig – wird ihnen von einigen Menschen sogar ein Existenzrecht zugesprochen.
Es sind aber auch humoristische Darstellungen des Zombie-Motivs anzutreffen, etwa in „Splatterkomödien“ wie Braindead (1992), Zombieland (2009) oder Shaun of the Dead (2004). Die Nacht der lebenden Loser (2004), ebenfalls eine humoristische Interpretation, stellt Zombies als völlig „normal“ dar (logisches Denken, eigener Wille), für Außenstehende sind diese nicht als Zombies zu erkennen – einzig die übermenschliche Stärke und der Hunger nach Menschenfleisch bleibt bestehen.
[Bearbeiten] Interpretation
Zombiefilme sind seit jeher ein idealer Nährboden für Subtexte und versteckte Anspielungen. So existiert in den meisten Zombiefilmen eine gesellschaftskritische Konstante: Die größte Gefahr für die Charaktere geht zwar von den Zombies aus, jedoch fallen auch die gesunden Menschen in vom Selbsterhaltungstrieb gesteuerte Verhaltensmuster: Der Wegfall von sozialen Normen und Werten, der im Zombiefilm typischerweise mit der Invasion der Untoten einhergeht, und die Angst um die eigene Sicherheit – gepaart mit Opportunismus und Egoismus – erzeugen zwischen den Charakteren ein Klima der Feindseligkeit, das Kooperation verhindert.[7] Dieser Tatsache fallen zumindest indirekt viele der Charaktere zum Opfer: Der Mensch wird, wie man mit Thomas Hobbes sagen könnte, des Menschen Wolf („Homo homini lupus“).
Weiteres, etwas abstrakter funktionierendes Motiv vieler Zombiefilme ist das Abschotten des verbliebenen Restes an Menschen in einer für Zivilisation stehenden Einrichtung, zum Beispiel einer Megastadt (Land of the Dead) oder einem Einkaufszentrum (Zombie – Dawn of the Dead), was primär sicher den apokalyptischen Charakter vieler dieser Filme unterstreichen soll, zuweilen aber auch als das Eindringen der natürlich-tierischen Triebe (in Gestalt der Zombies) in das kultivierte menschliche Sein gewertet werden könnte.
Kennzeichnend für den Großteil der Zombiefilme ist auch das Fehlen eines filmtypischen Happy Ends. Die Überlebenden gehen einer ungesicherten Zukunft entgegen, symbolisiert durch einen Aufbruch ins Nirgendwo, untermalt von pessimistischen Musikmotiven. Dadurch ist dem Zombiefilm eine nihilistische Weltsicht zu eigen, und der Zuschauer verlässt das Kino mit ambivalenten Gefühlen.
[Bearbeiten] Musik
Bereits 1983 inszenierte der Popsänger Michael Jackson im Musikvideo zu seinem Stück Thriller (Regie: John Landis) vor den Augen der Zuschauer seine Verwandlung in einen Zombie.
Das 1994 veröffentlichte Lied Zombie von der irischen Band The Cranberries thematisierte den Nordirlandkonflikt und somit sowohl das zombiehafte Verhalten von Soldaten an sich als auch das Verhalten der Kämpfer in religiös motivierten Konflikten. Das Lied erreichte in Deutschland und Frankreich den ersten Platz der Charts, in Österreich, der Schweiz und Schweden belegte es den zweiten Platz, in Großbritannien jedoch nur den vierzehnten Platz.
Der US-amerikanische Rockmusiker Rob Zombie hat seinen Familiennamen tatsächlich von „Cummings“ in „Zombie“ umändern lassen.
Die US-amerikanische Horrorpunk Band Misfits behandelt fiktive Zombies mehrfach in ihren Liedern. Wie etwa in dem 1999 erschienenen Lied Pumpkin Head, in dem erzählt wird, wie ein gewisser Ed zu einem Zombie wird. Auch in Liedern wie Night of the Living Dead, Astro Zombie, Them oder ähnlichen Stücken singen sie über Zombies. Im Musikvideo zu Scream spielen sie selbst Zombies, wo sie in einem von Misfits-Fans überfüllten Krankenhaus wüten. Hierbei führte George A. Romero Regie.
Neben dem Horrorpunk gibt es noch eine weitere Musikrichtung, die sich als Subkultur thematisch mit Zombies auseinandersetzt: Psychobilly.
Am 14. September 2007 präsentierten Die Ärzte ihr neues Video zu der Single „Junge“, welches in der unzensierten und erst nach 22 Uhr gesendeten Version eine für Zombiefilme typische Szene in einem Berliner Vorort zeigt. Außerdem veröffentlichte die Band 2004 in ihrem Album „Geräusch“ die zwei Lieder „Pro-Zombie“ und „Anti-Zombie“, welche von Zombies handeln. Am Anfang waren auch Zitate aus Dawn of the Dead eingebunden.
Das im Jahr 2009 veröffentliche Album "Evisceration Plague" der amerikanischen Death Metal Band Cannibal Corpse thematisierte hauptsächlich eine Zombieapokalypse.
Im Jahr 2010 erschien eine EP mit dem Titel Zombie von der amerikanischen Band The Devil Wears Prada.
[Bearbeiten] Videospiele
In vielen Fantasy- und Horror-Rollenspielen dienen Zombies neben Skeletten und Mumien als „Standard-Untote“. Dabei werden sie meistens als motorisch eingeschränkte Kreaturen dargestellt, deren einzige Angriffsmöglichkeit der Hieb mit der bloßen Hand und die Zähne sind. Seltener werden Zombies mit Waffen dargestellt, wie es in den Videospielen Stalker: Shadow of Chernobyl und Gothic 3 der Fall ist.
Als Videospiel, das die Zombie-Thematik behandelt, ist besonders Resident Evil bekannt, dem auch vier Spielfilme: Resident Evil, Resident Evil: Apocalypse, Resident Evil: Extinction und Resident Evil: Afterlife folgten. Hierbei verwandeln sich Menschen durch gezielt synthetisierte Viren in Zombies. Ein weiteres Videospiel ist The House of the Dead, bei dem mit einer Lightgun Jagd auf Zombies gemacht wird. Auch dieses Spiel wurde verfilmt.
Die Zombies aus Resident Evil wurden von anderen Videospielen übernommen, etwa Half-Life, wobei dort die Zombies ursprünglich Wissenschaftler waren. Diese haben sich als Wirte außerirdischer Wesen, der sogenannten Headcrabs, zu zombieähnlichen Wesen gewandelt. Viele Computer-Rollenspiele wie Diablo 2 oder Gothic 2 enthalten ebenfalls Zombies als „Standard-Untote“. Neuere Videospiele sind „Stubbs the Zombie“ und „Dead Rising“ für die XBox 360. „Dead Rising“ orientiert sich stark an dem Film „Dawn of the Dead“. Das Spiel Left 4 Dead und Left 4 Dead 2 von Valve (2008 bzw. 2009) handelt von einer riesigen Zombie-Apokalypse, in welcher eine Infektion fast alle Menschen in Zombies verwandelt hat. Das Spiel wurde in „Filme“ (Kampagnen) aufgeteilt, durch die sich die Protagonisten kämpfen und zu einem bestimmten Rettungspunkt kommen müssen. Der Großteil des Spieles ist ausschließlich kooperativ.
In dem Spiel Shadow Man wird durchgehend ein Bezug zum Voodoo hergestellt. Es ist die Rede von den Loa, und der Spieler kämpft unter anderem gegen Zombies. Auch die Tongefäße, in denen die Seelen gefangengehalten werden, sind Teil des Spieles. Diese muss der Spieler zerstören, um sich der Seelen zu bemächtigen.
Zombies hielten auch schon Einzug bei Add-Ons. Als bekannteste Beispiele zählen hier Undead Nightmare, ein Add-on zum Western-Spiel Red Dead Redemption von Rockstar Games oder Die Zombieinsel des Dr. Ned aus dem 2K Games-Spiel Borderlands. Bei beiden Spielen muss man sich einer Zombieplage erwehren. Bei Undead Nightmare ist eine Seuche als Grund für die Plage, bei den Zombies im Borderlands-Add-on ein wahnsinniger Mediziner angegeben, welcher an die Figur des Dr. Frankenstein angelehnt ist, eine Figur aus dem weltbekannten Roman von Mary Shelley.
[Bearbeiten] Mathematische Analyse
2009 erstellte ein kanadisches Team von Mathematikstudenten eine mathematische Analyse von Zombie-Epidemien und kam zum Schluss, dass nur „extrem aggressive Taktiken“ die Menschheit in diesem Falle retten könnten.[8] Die Studie erreichte einige mediale Rezeptionen.[9]
[Bearbeiten] Zombie in der Philosophie
Das Motiv des Zombies hat Philosophen immer wieder beschäftigt. So dient es z.B. als Metapher für ein hypothetisches Wesen, das einem Menschen von außen physisch, funktional und somit auch biologisch zwar gleiche, allerdings von innen her kein phänomenales Bewusstsein besitze. Ein solcher philosophischer Zombie verhält sich einem normalen Menschen entsprechend, verfügt dabei jedoch über keinerlei qualitative Bewusstseinszustände wie z.B. Schmerzen. Sein Verhalten ist allein physikalisch-funktional bestimmt. Im gedanklichen Rahmen einer Philosophie des Geistes wird die Vorstellbarkeit derartiger Wesen als Problem für materialistische bzw. physikalistische Ansätze begriffen und diskutiert. Insbesondere David Chalmers argumentiert, dass der Materialismus auf die Annahme festgelegt ist, die Existenz von Bewusstsein ergebe sich bereits aus der physikalisch-funktionalen Beschreibung. Die Vorstellbarkeit von Zombie-Szenarien zeige jedoch, dass selbst eine vollständige physikalisch-funktionale Beschreibung nicht die Existenz von Bewusstsein impliziere.[10] Zombie-Argumente im Anschluss an David Chalmers lassen sich in ein erkenntnistheoretisches und ein metaphysisches Teilargument zerlegen. Das erkenntnistheoretische Argument behauptet die Vorstellbarkeit von philosophischen Zombies und illustriert somit eine Erklärungslücke zwischen der physikalisch-funktionalen und der phänomenalen Perspektive. Im metaphysischen Argument wird von der Vorstellbarkeit von philosophischen Zombies auf das Scheitern des Materialismus geschlossen. Materialisten können entsprechend das erkenntnistheoretische oder das metaphysische Teilargument ablehnen. „Typ-A Materialisten“ lehnen die Vorstellbarkeit von philosophischen Zombies ab und behaupten, dass das Bewusstsein in Wirklichkeit gar nicht existiere oder sich als physikalisch-funktionales Phänomen erklären lasse. „Typ-B Materialisten“ akzeptieren das erkenntnistheoretische Argument, behaupten allerdings die Kompatibilität von Materialismus und der Vorstellbarkeit von philosophischen Zombies.[11] Dualisten sehen im Gedankenexperiment des „Philosophischen Zombies“ hingegen einen Beweis dafür, dass Geist und Materie zwei getrennte Entitäten sind.
Auf eine gänzlich andere philosophische Weise wird die Figur des Zombies im Festvortrag "Phantombild des Paradoxen" genutzt, mit dem Natias Neutert auf Einladung von Harm-Peer Zimmermann, Professor und Direktor am Institut für Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft 2002 im Rahmen der 450-Jahrfeier der Philipps-Universität Marburg im überfüllten Audimax für Furore sorgte. Mit Hilfe der faszinierenden Denkfigur des Zombies — "nicht tot, und auch nicht lebend" Friedrich Nietzsche — wurde das Auditorium weggelockt von dem durch die klassische zweiwertige Logik eingeimpften Entweder-Oder-Denken und seinem tertium non datur und ins Möglichkeitsfeld mehrwertiger Logik entführt, hin zu einem "Zwei-in-Eins-"Denken mit seinem tertium datur[12] zu einem "Ent oder weder" (Ernst Bloch),[13] wodurch etwas Drittes, Neuartiges, Anderes zur Erscheinung und zum Bewusstsein gelangt.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Zitiert nach Natias Neutert: "Begegnung mit einem Zombie. Auf den Spuren einer Legende. In: Sueddeutsche Zeitung Nr. 53, März 1994.
- ↑ Natias Neutert: "Begegnung mit einem Zombie. Auf den Spuren einer Legende." In: Süddeutsche Zeitung Nr. 53, März 1994.
- ↑ Roland Littlewood, Chavannes Douyon: Clinical findings in three cases of zombification. In: The Lancet. 350, Nr. 9084, 1997, S. 1094–1096, doi:10.1016/S0140-6736(97)04449-8 (Übersetzung)
- ↑ Vgl. Natias Neutert: "Begegnung mit einem Zombie. Auf den Spuren einer Legende." In: Sueddeutsche Zeitung Nr. 53, März 1994.
- ↑ Darstellung der Entstehung der Karikatur auf knowyourmeme.com
- ↑ Das Gilgamesch-Epos. Reclam, Stuttgart 1988, ISBN 3-15-007235-2, S. 58 (übersetzt von Albert Schott).
- ↑ Wenn die Hölle zu voll ist – Die Geschichte des Zombiefilms, Interviews mit Florian Krautkrämer und Hendrik Pletz in Q History vom 31. Januar 2011
- ↑ P. Munz, I. Hudea, J. Imad, R. J. Smith When zombies attack!: Mathematical modelling of an outbreak of zombie infection. In: J. M. Tchuenche, C. Chiyaka (Hrsg.): Infectious Disease Modelling Research Progress. Nova Science, Hauppauge 2009, ISBN 978-1-60741-347-9, S. 133–150.
- ↑ „Hart und oft zuschlagen“. In: news.ORF.at.
- ↑ David Chalmers. The Conscious Mind, New York: Oxford University Press, 1996, S. 94–99.
- ↑ David Chalmers. "Consciousness and its Place in Nature", in the Blackwell Guide to the Philosophy of Mind, S. Stich and F. Warfield (Hrsg.), Blackwell. Also in Philosophy of Mind: Classical and Contemporary Readings, D. Chalmers (Hrsg.), Oxford, 2002.
- ↑ Vgl. Natias Neutert: "Phantombild des Paradoxen." Marburg 2004,
- ↑ Natias Neutert: "Ent oder Weder. Mit Ernst Bloch im Café." In: Die Zeit, 25. Juli 1969.
[Bearbeiten] Literatur
- Max Brooks: Der Zombie Survival Guide. Überleben unter Untoten. Goldmann, München 2004 (Originaltitel: The zombie survival guide, übersetzt von Joachim Körber, Andreas Kasprzak), ISBN 3-442-45809-9, DNB 97118447X.
- Wade Davis: Schlange und Regenbogen. Die Erforschung der Voodoo-Kultur und ihrer geheimen Droge. Knaur, München 1988 (Originaltitel: The Serpent and the Rainbow, übersetzt von Christa Broermann, Wolfram Ströle), ISBN 3-426-03895-1, DNB 880947063.
- Peter Dendle: The Zombie Movie Encyclopedia. McFarland, Jefferson 2001, ISBN 0-7864-0859-6 (englisch).
[Bearbeiten] Weblinks
- Zombies im Wandel der Zeit – Analyse der Entwicklung des Zombies im Laufe der Filmgeschichte
- Zombies on the web. Compiled by David Chalmers – Informationen zu verschiedenen Formen von Zombies (englisch)
Artikel
- Wenn die Hölle zu voll ist – Die Geschichte des Zombiefilms, Interviews mit Florian Krautkrämer und Hendrik Pletz in Q History vom 31. Januar 2011
- „Zombies sind wie wir“. Interview mit George A. Romero. In: Spiegel Online. 5. August 2005.
- Im Reich der Zombies Video auf "Spiegel Online"
Rezensionen
- Als die Zombies die Welt auffraßen. In: Comic Radio Show. 6. März 2008 (Comic-Rezension).
- Verliebt, verlobt und aufgefressen! In: Evolver. (Kurzbesprechungen zahlreicher auf DVD erhältlicher Zombie-Filme)