Zoonomia

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Zoonomia; or the Laws of Organic Life ist ein 1794 erschienenes zweibändiges Werk des britischen Arztes Erasmus Darwin über Pathologie, Anatomie, Psychologie und die Arbeitsweise des Körpers. Das Buch enthält Überlegungen zur biologischen Evolution,[1] deren Mechanismen sein Enkelsohn Charles Darwin später weiterentwickelte und wissenschaftlich begründete.[2] Von 1795 bis 1799 erschien es unter dem Titel Zoonomie oder Gesetze des organischen Lebens auf Deutsch.

Inhalt[Bearbeiten]

Das Werk Zoonomia erwähnt eine frühe Form einer Evolutionstheorie.[3] Hierzu gehören z. B. die sexuelle Attraktivität als Selektionsvorteil im Wettbewerb um Sexualpartner (Sec. XXXIX, Abschnitt 4, Absatz 8), die auch später in der Evolutionstheorie Charles Darwins aufgegriffen wurde. Die Mutation und natürliche Selektion kamen in Zoonomia jedoch nicht als Ursache für eine Evolution vor, sondern die Vererbung von Veränderungen wurde unter anderem als Folge einer Vorstellung der Veränderung (hauptsächlich des Vaters, Sec. XXXIX, Abschnitt 6, Absatz 6) angesehen, weshalb Zoonomia auch Lamarckistische Ansätze besaß.[4] Weiterhin erwähnt das Buch gemeinsame Vorfahren aller Tiere (Sec. XXXIX, Abschnitt 4, Absatz 7).

Zitat[Bearbeiten]

„Denkt man nun nach diesem über die große Aenlichkeit der Bauart der warmblütigen Thiere nach, bedenkt man die großen Veränderungen, welche sie vor und nach der Geburt leiden, erinnert man sich, in welch einem geringen Zeittheilchen manche der oben beschriebenen Veränderungen der Thiere vorgegangen sind, sollte es dann wohl zu kühn seyn sich vorzustellen, daß in dem großen Zeitraume, seit dem die Erde existirt hat, vielleicht Millionen Zeitalter vor dem Anfange der Geschichte des Menschen, sollte es wohl zu kühn seyn sich da vorzustellen, daß alle warmblütigen Thiere aus einem einzigen lebenden Filamente entstanden sind, welches die erste große Ursache mit Animalitat begabte, mit der Kraft neue Theile zu erlangen, begleitet mit neuen Neigungen, geleitet durch Reitzungen, Empfindungen, Willen und Associationen, und welches so die Macht besaß, durch seine ihm eingepflanzte Thätigkeit sich zu vervollkommnen, diese Vervollkommungen durch Zeugung der Nachwelt zu überliefern! Eine Welt ohne Ende!“[5]

„From thus meditating on the great similarity of the structure of the warm-blooded animals, and at the same time of the great changes they undergo both before and after their nativity; and by considering in how minute a proportion of time many of the changes of animals above described have been produced; would it be too bold to imagine, that in the great length of time, since the earth began to exist, perhaps millions of years […] that all warm-blooded animals have arisen from one living filament, which THE GREAT FIRST CAUSE endued with animality […] and thus possessing the faculty of continuing to improve by its own inherent activity, and of delivering down those improvements by generation to its posterity, world without end? […]
Shall we then say that the vegetable living filament was originally different from that of each tribe of animals above described? And that the productive living filament of each of those tribes was different originally from the other? Or, as the earth and ocean were probably peopled with vegetable productions long before the existence of animals […] shall we conjecture that one and the same kind of living filament is and has been the cause of all organic life?“[6]

Rezeption[Bearbeiten]

Das Werk Erasmus Darwins besaß einen weitreichenden Einfluß auf seine Zeitgenossen und die nachfolgenden Generationen.[7][8] Zoonomia wurde zur Zeit seiner Entstehung (1794) kontrovers diskutiert.[9][10] Ein Kritiker verglich die Wichtigkeit des Buches mit den Principia von Isaac Newton.[11] Der englische Schriftsteller George Bernard Shaw bezog sich im Vorwort seines Werks Back to Methuselah mit einem Zitat aus Zoonomia auf die Evolutionstheorie Erasmus Darwins und bezeichnete ihn als einen der Begründer der Evolutionstheorie.[12]

Der englische romantische Dichter William Wordsworth benutzte Darwins Zoonomia als Quelle für „Goody Blake and Harry Gill“, ein Gedicht, das 1798 in den „Lyrical Ballads“ veröffentlicht wurde.[13]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Christopher Smith, Upham Murray, Robert Arnott: The Genius of Erasmus Darwin. Ashgate Publishing, 2005, ISBN 0-7546-3671-2.
  •  Charles Darwin: Das Leben meines Großvaters Erasmus Darwin. 1. Auflage. Hellerau-Verlag, Dresden 2010 (übersetzt von Ernst Krause), ISBN 978-3-938122-20-4, DNB 994022182.
  • George Henry Lewes: The History of Philosophy: From Thales to Comte. Band 2, Longmans Green, 1871, S. 374–382 (online).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Emanuel Rádl: Geschichte der biologischen Theorien: seit dem Ende des siebzehnten Jahrhunderts. Band 1. W. Engelmann, 1905. S. 293. (online).
  2. Christopher Upham, Murray Smith, Robert Arnott: The Genius of Erasmus Darwin. Ashgate Publishing, 2005. ISBN 9780754636717.
  3. University of California in Berkeley, Museum of Paleontology: Erasmus Darwin (1731-1802). Abgerufen am 28. November 2013.
  4. Heinrich Haeser: Lehrbuch der Geschichte der Medicin und der epidemischen Krankheiten: Lehrbuch der Geschichte der Medicin. Band 1. Mauke, 1853. S. 731. (online).
  5. Erasmus Darwin: Zoonomie oder Gesetze des organischen Lebens. 1. Teil, 2. Abteilung, Übersetzung: Joachim Dietrich Brandis. Gebrüder Hahn, Hannover 1795, S. 458 (online).
  6. Zoonomia Sect 39.4.8 of Generation
  7. Desmond King-Hele: Erasmus Darwin, a Life of Unequalled Achievement. Giles de la Mare 1999. ISBN 9781900357081.
  8. Merriam Webster: Erasmus Darwin. Abgerufen am 28. November 2013.
  9. William Friedman: Early Evolutionists, Erasmus Darwin. Abgerufen am 28. November 2013.
  10. Grant Allen: English Worthies. Edited by Andrew Lang (1885). Abgerufen am 28. November 2013.
  11. Erasmus Darwin Museum: Erasmus Darwin.. Abgerufen am 28. November 2013.
  12. George Bernard Shaw: Back to Methuselah. BiblioBazaar 2007. ISBN 978-1426467547. Band II, xxi.
  13. Duncan Wu: Wordsworth: An Inner Life. Wiley-Blackwell, 2003, ISBN 1-4051-1369-3, S. 97–98. Siehe auch: Averill, james. (1978). "Wordsworth and 'Natural Science': The Poetry of 1798." Journal of English and Germanic Philology. 77(2). 232-246.