Zorn

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Beispiele für einen zornigen Gesichtsausdruck (um 1800)
Ira (Zorn). Miniatur aus dem Tacuinum Sanitatis (Vindob. Ser. n. 2644, fol. 98 v., um 1390)
Zorn als Todsünde. Stich nach einer Zeichnung Pieter Brueghels des Älteren (1557)

Der Zorn (lateinisch ira) ist ein elementarer Zustand starker emotionaler Erregung (Affekt) mit unterschiedlich aggressiver Tendenz, der zum Teil mit vegetativen Begleiterscheinungen verknüpft ist (vgl. Wut). Sein Gegenstück ist die Sanftmut.

Der Begriff existiert bereits im Mittelhochdeutschen/Althochdeutschen zorn; westgermanisch turna. Das Wort ist seit dem 9. Jahrhundert belegt.

Genauere Definition[Bearbeiten]

Einerseits tritt er als heftiger Ärger, wutähnlicher Affekt, als Jähzorn oder als Zornesausbruch auf, der zu unkontrollierten Handlungen oder Worten führen kann. Der Zorn erscheint dann als Beherrscher des Menschen, der seinerseits seine Gefühlsregungen nicht mehr kontrolliert. Andererseits tritt Zorn als anhaltendes, gerecht[1] erscheinendes „Zürnen“ auf (auch als Groll, veraltet Grimm oder stärker Ingrimm bezeichnet). Bekannte Formen sind Bauernzorn, Bürgerzorn, Volkszorn, Wählerzorn; Götterzorn, Zorn Gottes, heiliger Zorn.

Zorn entzündet sich also unter Umständen eher an einem falsch oder ungerecht empfundenen Verhalten oder Verhältnissen, mit dem Ziel, diese zu verändern oder gemäß der eigenen Ansichten oder Bedürfnisse zu manipulieren, während Wut allgemeiner und dumpfer empfunden wird, unkontrollierter nach allen Seiten explodieren kann.

Der Wut geht im Gegensatz zum Zorn eine Kränkung voraus (etwa eine zutiefst ungerechte Behandlung), die den auf Vergeltung oder Genugtuung gerichteten Erregtheitszustand psychologisch speist. Beim Zorn hingegen speist sich die Erregtheit eher zum Beispiel aus der Versagung eines Anspruchs oder Bedürfnisses (etwa das zornige Kind, das eine Süßigkeit nicht bekommen hat; zornige Eltern, denen der Respekt verwehrt wurde; Menschen, die sich über Verhältnisse oder Planungen erzürnen). Das Ziel ist hier weniger die Vergeltung, sondern der deutliche Ausdruck von Unmut und Unzufriedenheit. Ein weiterer Erregtheitszustand ist die Empörung, die einen Verstoß z. B. gegen eine allgemeine Sittlichkeit zum Anlass für eine emotionale Reaktion hat.

Aristoteles zählt Zorn zu seinen elf Grundgefühlen; nach Ansicht des US-amerikanischen Psychologen Paul Ekman (* 1934) gehört er zur Ausdrucksfamilie des Ärgers; nach Caroll Izard (* 1924) handelt es sich dabei um eine von zehn Basisemotionen. Einschränkend muss erwähnt werden, dass das Konzept der Basisemotionen in der psychologischen Forschung umstritten ist und keine Übereinstimmung herrscht, wie viele und welche Emotionen grundlegend sind und warum sie dies sein sollten. Hier wird anstelle von Zorn in gleicher Bedeutung auch von Ärger oder Wut gesprochen.[2]

Kulturgeschichte[Bearbeiten]

In der Ilias des Homer ist der Zorn des Achill ein wichtiges Motiv. Die eigentliche Grundstimmung Achilles' ist jedoch achos (griech. αχος), der drückende, quälende Schmerz.

Eine besondere Rolle räumt Laktanz in seiner Schrift De ira dei dem Zorn Gottes ein. In Abgrenzung zu den fernen und leidenschaftslosen Göttern bei Epikur und der Stoa sei der Zorn des christlichen Gottes, der straft und droht, eine Voraussetzung für die Gottesfurcht, die wiederum Voraussetzung für alle Religion sei. Die Religion ihrerseits ist laut Laktanz die Grundlage von Weisheit und Gerechtigkeit (De ira dei, 12). Gott wäre auch nicht Garant der guten Weltordnung, wenn er ob der Missetaten der bösen Menschen nicht erzürnen würde.

In der christlichen Theologie zählt Zorn zu den „Sieben Hauptlastern“. Er wird in der abendländischen Kunst entsprechend allegorisch dargestellt.

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Zorn – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Zorn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikiquote: Zorn – Zitate

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. William J. Hoye: Die Grundstrukturen des guten Menschen nach Josef Pieper. Die vier Kardinaltugenden. In: Wissen und Weisheit. Zwei Symposien zu Ehren von Josef Pieper (1904-1997). H. Fechtrup, F. Schulze u. T. Sternberg (Dokumentation der Josef Pieper Stiftung, Bd. 6) (Münster), 2005, S. 173 - 197, abgerufen am 21. April 2014 (PDF, 106 kB): „Der Tapfere ist keineswegs lebensmüde oder gefühllos. Im Gegenteil: Ein gerechter Zorn ist gegebenenfalls sogar moralisch geboten, und sein Fehlen wäre verwerflich.“
  2. Paul Ekman: An Argument for Basic Emotions. (1992)