Zschornewitz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

51.71666666666712.489Koordinaten: 51° 43′ 0″ N, 12° 24′ 0″ O

Zschornewitz
Höhe: 89 m
Fläche: 13,04 km²
Einwohner: 2729 (31. Dez. 2009)
Bevölkerungsdichte: 209 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2011
Postleitzahl: 06772
Vorwahl: 034953

Zschornewitz ist ein Ortsteil der Stadt Gräfenhainichen im Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt.

Spätromanische Feldsteinkirche

Geografie[Bearbeiten]

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Der Ortsteil gliedert sich in den kaum noch wahrnehmbaren historischen Teil, die Werkssiedlung 'Kolonie', die neue Kraftwerkssiedlung im Osten und die Siedlung 'Pöplitz' (ca. 2 km entfernt) im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Zschornewitz wurde erstmals im Jahr 1200 in einer Urkunde der Pfarrei Wörlitz erwähnt. Die spätromanische Kirche kündet von den frühen Tagen des Dorfes. Der Ort gehörte bis 1815 zum kursächsischen Amt Gräfenhainichen.[1] Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses kam er zu Preußen und wurde 1816 dem Kreis Bitterfeld im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen zugeteilt, zu dem er bis 1944 gehörte.[2]

Bis in das späte 19. Jahrhundert lebten kaum mehr als 200 Einwohner im Heidedorf Zschornewitz. 1915 begann der Bau des Kraftwerks nach Plänen von Walter Klingenberg in nur ca. 2 km Entfernung vom Tagebau Golpa. Gleichzeitig entstand die gartenstädtische Werkssiedlung 'Kolonie'. 1916 erzeugten acht Turbinen à 16 MW zusammen 128 MW. Damit war das Kraftwerk Zschornewitz das erste Großkraftwerk Deutschlands und zu dieser Zeit auch das größte Braunkohlekraftwerk der Welt. Es versorgte Berlin und Teile Sachsens mit elektrischem Strom. 1929 wurden zwei 85-MW-Turbinen in Betrieb genommen (zu dieser Zeit die größten Europas). 13 große Schornsteine prägten für Jahrzehnte das Bild der Gemeinde. 1929 wurde auch die katholische Kirche geweiht.

1945 wurde das Kraftwerk als Reparationsleistung an die Sowjetunion teilweise demontiert. Für die Arbeiten wurde die im Dorf verbliebene Bevölkerung im Alter von 17 bis 70 Jahren herangezogen. Am 30. Juni 1992 wurde das Kraftwerk endgültig stillgelegt. Die Kolonie und Teile des Kraftwerks wurden auf Initiative des Bauhauses unter Denkmalschutz gestellt. 1995 wurde der erhaltene Teil des Kraftwerks zum Industriedenkmal. Im Jahr darauf wurde die Werkssiedlung 'Kolonie' in die Liste der EXPO-Projekte aufgenommen; sie wurde 1997-99 umfangreich restauriert.

Am 13. Mai 2000 feierte Zschornewitz sein 800-jähriges Bestehen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Katholische Kirche

Bauwerke[Bearbeiten]

Herausragendes Bauwerk des Ortes ist das ehemalige Kraftwerk Zschornewitz. Seit 1995 ist das Industriedenkmal als Energiemuseum geöffnet.

Außerdem sind zu erwähnen:

  • Spätromanische Feldsteinkirche
  • Transformatorenhaus mit barockem Dachaufsatz
  • Katholische Kirche aus dem Jahr 1929

Seen[Bearbeiten]

Zschornewitzer See

Am Westrand des Ortsteils befindet sich der Zschornewitzer See, im Volksmund Gurke genannt, auf dem der Ruderverein trainiert. Der Sachsenburgsee, ein Angelgewässer, liegt am Ostrand des Ortsteils. Beide Gewässer sind Tagebaurestlöcher.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Windpark[Bearbeiten]

Auf der südlich von Zschornewitz gelegenen Abraumhalde des Tagebaues Gröbern wird nach der Stilllegung des Braunkohlekraftwerkes ein Windpark mit 8 Anlagen errichtet. Die Abraumhalde überragt das Gelände um ca. 50 Meter und bietet so gute Voraussetzungen für die Windenergienutzung.

Elektroschmelze[Bearbeiten]

Die Elektroschmelze "Treibacher Schleifmittel GmbH" ist ein Unternehmen, das Korund und weitere Ausgangsstoffe (u. a. Zirkonoxid) für die Schleifmittelindustrie herstellt. Das Korund und die weiteren Erzeugnisse werden in Elektroschmelzöfen hergestellt.

Bildung[Bearbeiten]

Schulzentrum

1920/21 erhielt die 'Kolonie' ein eigenes Schulhaus.

Das Schulzentrum beherbergt jetzt die Grundschule "Johann Heinrich Pestalozzi".

Verkehr[Bearbeiten]

Straße[Bearbeiten]

Schiene[Bearbeiten]

Statistik[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Die Zahlen geben die Gesamtzahl der Einwohner an:

  • 1990: 3736
  • 2000: 3072
  • 2004: 2957
  • 2006: 3028

Quelle: Statistisches Landesamt, Stand zum 31.12.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zschornewitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 22 f.
  2. Der Landkreis Bitterfeld im Gemeindeverzeichnis 1900