Zubehör

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Zubehör ist im deutschen Sachenrecht eine bewegliche Sache, die dem Zweck einer Hauptsache dauernd dient und zu ihr in einem entsprechenden räumlichen Verhältnis steht. In Österreich und der Schweiz spricht man von Zugehör.

Mobilfunk-Zubehör

Allgemeines[Bearbeiten]

Diese Legaldefinition des § 97 Abs. 1 Satz 1 BGB ist zwar leicht zu verstehen, bereitet jedoch bei der Anwendung im Alltag Schwierigkeiten. Das liegt vor allem an den nachfolgenden Regelungen. Mit § 97 Abs. 1 Satz 2 BGB soll klargestellt werden, dass zum Zubehör jene Sachen nicht gehören, die im Rechtsverkehr nicht als Zubehör betrachtet werden. Was nach allgemeinem Verständnis (Verkehrsauffassung) als Zubehör angesehen wird, ist auch Zubehör im Rechtssinne.[1] Die Folge hieraus kann sein, dass einzelne Sachen in bestimmten Regionen Deutschlands als Zubehör angesehen werden, in anderen Regionen wiederum nicht. In § 97 Abs. 2 BGB geht es um die Dauerhaftigkeit der Beziehung zwischen Zubehör und Hauptsache. Zubehör liegt demnach nicht vor, wenn eine bewegliche Sache nur vorübergehend für den wirtschaftlichen Zweck einer Hauptsache genutzt wird (§ 97 Abs. 2 Satz 1 BGB). Umgekehrt wird die Zubehöreigenschaft nicht aufgehoben, wenn Zubehör von der Hauptsache vorübergehend getrennt wird (§ 97 Abs. 2 Satz 2 BGB).

Eigenschaften[Bearbeiten]

Eine Unterscheidung zwischen Zubehör und wesentlichen Bestandteilen oder Scheinbestandteilen fällt nicht immer leicht. Die typischen Zubehöreigenschaften erleichtern eine Zuordnung zu einer der Gruppen.

  • Bewegliche Sache: Zubehör muss eine bewegliche Sache sein und kann kein wesentlicher Bestandteil sein, da dieser von der Hauptsache nur getrennt werden kann, wenn dabei die Bestandteile in ihrem Wesen verändert werden. Kann jedoch der eine oder andere Bestandteil nach der Trennung noch in der bisherigen Art – sei es auch in einer Verbindung mit einer neuen Sache – wirtschaftlich genutzt werden, liegt Zubehör vor.[2] Der Scheinbestandteil ist eine bewegliche Sache, aber kein Zubehör, weil er nur vorübergehend zu einer Hauptsache gehört, ohne ihr Bestandteil zu sein.
  • Dauerhaftigkeit: Zubehör muss dauerhaft und nicht nur vorübergehend der Hauptsache dienen. Darüber entscheidet die Widmung und Zweckbestimmung des Einfügenden. Als nicht dauerhaft gelten alle vom Mieter, Pächter und Entleiher eingebrachten Sachen, da sie zeitlich befristet gewidmet werden. Wenn die Widmung für einen von vornherein begrenzten Zeitraum oder lediglich zur Befriedigung der Bedürfnisse des derzeitigen Nutzers erfolgt, liegt kein Zubehör vor.[3]
  • Dienende Funktion: Zwischen Zubehör und seiner Hauptsache besteht ein Unterordnungsverhältnis, denn das Zubehör muss der Hauptsache dienen und den Zweck der Hauptsache fördern. Das Zubehör darf jedoch nicht weiter von der Hauptsache entfernt sein, als dies durch die dienende Funktion des Zubehörteils gefordert wird.[4] Es muss sich an einem Ort befinden, wo es seine dienende Funktion ausüben kann.[5]
  • Wirtschaftlicher Zweck: Zubehör dient dem wirtschaftlichen Zweck der Hauptsache. Es muss ihre wirtschaftliche Nutzung ermöglichen oder erleichtern, und zwar so, dass das Zubehör zur Hauptsache in einem Abhängigkeitsverhältnis steht.[6] Dazu enthält § 98 BGB Beispiele für eine solche wirtschaftliche Zweckbestimmung,[7] nämlich Maschinen und sonstige Geräte eines Gewerbebetriebes oder Geräte und Vieh eines landwirtschaftlichen Betriebes, die Produktionsmaschinen in einer Fabrik.
  • Räumliches Verhältnis: Hierunter wird die räumliche Nähe des Zubehörs zur Hauptsache verstanden. Das zweckgebundene räumliche Verhältnis liegt auch dann noch vor, wenn nach § 97 Abs. 2 Satz 2 BGB eine vorübergehende räumliche Trennung eintritt. Das ist etwa dann der Fall, wenn für betriebliche Zwecke dienende Fahrzeuge sich vom Grundstück (weit) entfernen, aber wieder zu ihm zurückkehren. Im Verhältnis zur Hauptsache Grundstück sind diese Fahrzeuge Zubehör. Eine nur vorübergehende Entfernung eines Fahrzeugs kann eine einmal entstandene Zubehöreigenschaft nicht beseitigen, solange das Fahrzeug regelmäßig zum Grundstück zurückkehrt und dort geparkt wird. Das gesetzliche Merkmal des „Einbringens“ setzt keinen festen, unverrückbaren Verbleib auf dem Grundstück voraus; ausreichend ist vielmehr ein tatsächliches Hineinschaffen der Sache auf das Grundstück.[8]
  • Verkehrsauffassung: Unter Verkehrsauffassung versteht man die Anschauung, die sich allgemein oder in einem bestimmten Sachgebiet gebildet hat und in den Lebens- und Geschäftsgewohnheiten aller Beteiligten in Erscheinung tritt.[9] Das Verständnis darüber, was Zubehör ist, kann sich im Laufe der Jahre ändern und wird regional unterschiedlich beurteilt.[10] Auch Sachen, die für den Zweck der Hauptsache entbehrlich oder ungeeignet sind, können Zubehör sein,[11] wenn die Zweckbestimmung des Einfügenden darüber entscheidet, ob eine Sache Zubehör wird.[12] Die danach erforderliche Zweckbestimmung erfolgt in der Regel durch schlüssige Handlung, für die die tatsächliche Benutzung der Sache für den wirtschaftlichen Zweck einer anderen Sache ein Indiz sein kann.
  • Sonderrechtsfähigkeit: Es kann Gegenstand von Rechten sein und deshalb ohne die Hauptsache veräußert oder belastet oder gepfändet werden, solange Zubehör zu einer rechtlich unbelasteten Hauptsache gehört und die Hauptsache selbst nicht Gegenstand von Verfügungen wird (siehe Rechtsfolgen).

Arten[Bearbeiten]

Zum Zubehör gehören Fabrikfahrzeuge, Hotelbusse,[13] das Baumaterial auf einem Baugrundstück, Vorräte zum Heizen (Öl, Kohle, Gas), Baumaschinen eines Bauunternehmens[14] oder Einbaumöbel aus Serienfertigung. Kein Zubehör sind die Rohstoffe, Hilfsstoffe und Betriebsstoffe auf einem Fabrikgelände oder die zum Verkauf bestimmten Waren eines Betriebs. Auch die Fahrzeuge eines Speditionsunternehmens besitzen keine Zubehöreigenschaft, weil sich bei diesem Dienstleistungsunternehmen der wirtschaftliche Zweck des Betriebes auf dem Straßenverkehrsnetz entfaltet und deshalb das Grundstück nicht als die Hauptsache angesehen werden kann.[15] Insofern kann daher eine Sicherungsübereignung dieser Kraftfahrzeuge ohne Bedenken vorgenommen werden.[16]

Rechtsfolgen[Bearbeiten]

Als bewegliche Sache ist Zubehör sonderrechtsfähig. Da es aber mit der Hauptsache in einem wirtschaftlichen Verhältnis steht, soll es regelmäßig deren rechtliches Schicksal teilen. Daher hat die Einstufung als Zubehör bedeutsame Rechtsfolgen, denn nach[17]

  • § 311c BGB erstreckt sich die Verpflichtung zur Veräußerung oder Belastung einer Sache im Zweifel auch auf ihr Zubehör;
  • § 926 Abs. 1 Satz 2 BGB erstreckt sich die Übereignung eines Grundstücks im Zweifel auch auf sein Zubehör;
  • § 1031 BGB erstreckt sich der Nießbrauch einer Sache auch auf ihr Zubehör;
  • § 1120 BGB haftet der Grundstückseigentümer dem Gläubiger eines Grundpfandrechts dinglich auch mit seinem Grundstückszubehör. Deshalb umfasst die Zwangsvollstreckung in ein Grundstück (§ 865 Abs. 1 ZPO) auch das Grundstückszubehör, welches nach § 865 Abs. 2 Satz 1 ZPO nicht separat gepfändet werden kann. Gemäß § 1121 Abs. 1 BGB werden Zubehörstücke im Falle ihrer Veräußerung erst dann von der Haftung frei, wenn sie vor der Beschlagnahme vom Grundstück entfernt wurden. Durch die Entfernung nach der Beschlagnahme Zubehör auch nicht gemäß § 1121 Abs. 2 Satz 2 BGB enthaftet werden, weil dies voraussetzt, dass der Erwerber bei der Entfernung in Ansehung der Beschlagnahme in gutem Glauben ist.

Diese Rechtsnormen behandeln Zubehör trotz der Sonderrechtsfähigkeit so, als würde es einen wesentlichen Bestandteil der Hauptsache darstellen.[18] Außerhalb dieser Vorschriften bleibt das Zubehör eine selbständige bewegliche Sache.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Zubehör – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Robert Winterstein, Allgemeiner Teil des BGB, 2011, S. 50
  2. BGHZ 18, 226, 229
  3. BGHZ 62, 49, 52; BGH, Urteil. vom 1. Februar 1990, Az: IX ZR 110/89
  4. Benno Mugdan, Motive BGB, 3, 63
  5. Hans- Josef Wieling, Sachenrecht, 1999, S. 96
  6. RGZ 86, 326, 328 f.
  7. BGH, NJW 1969, 36
  8. OLG Frankfurt am Main, Urteil vom 19. Mai 2006, Az. 24 U 11/06
  9. RGZ 77, 241, 244
  10. BGH NJW-RR 1990, 586
  11. RG JW 1909, 70 f.
  12. BGH, Urteil vom 1. Februar 1990, a.a.O., S. 605
  13. RGZ 47, 197, 200 f.
  14. BGHZ 124, 380, 392 f.
  15. BGHZ 85, 234, 239
  16. Andreas Schmidt/Olaf Büchler, Zeitschrift für das Insolvenzbüro, 2007, 293
  17. Kurt Schellhammer, Sachenrecht nach Anspruchsgrundlagen, 2013, S. 644
  18. Robert Winterstein, a.a.O., S. 50
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