Justizvollzugsanstalt Brandenburg a. d. Havel

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum alten Zuchthaus in der Innenstadt (mit Verwendung als KZ und Tötungsanstalt) siehe Altes Zuchthaus Brandenburg an der Havel.
Justizvollzugsanstalt Brandenburg a. d. Havel
Hauptgebäude Strafanstalt Brandenburg-Görden (1931)
Justizvollzugsanstalts-Information
Name Justizvollzugsanstalt Brandenburg a. d. Havel
Bezugsjahr 1931
Haftplätze 413
Mitarbeiter 314

Die Justizvollzugsanstalt Brandenburg a. d. Havel (abgekürzt JVA Brandenburg a. d. Havel) im Stadtteil Görden ist eine Justizvollzugsanstalt des Landes Brandenburg in Brandenburg an der Havel. In ihr sind männliche erwachsene Straftäter mit bis zu lebenslangen Freiheitsstrafen und Untersuchungshäftlinge untergebracht. Sie wurde von 1927 bis 1935 als eine der damals modernsten Haftanstalten Europas für etwa 1800 Häftlinge errichtet.

Aktuelle Situation[Bearbeiten]

Die JVA Brandenburg ist ausschließlich mit männlichen Strafgefangenen belegt und gliedert sich heute in drei Vollzugsabteilungen, eine sozialtherapeutische Abteilung und eine Krankenabteilung.

Derzeit verfügt die Justizvollzugsanstalt (JVA) über eine Belegungsfähigkeit von 88 Haftplätzen für erwachsene Untersuchungsgefangene, 330 Haftplätzen für erwachsene Strafgefangene, 80 Haftplätzen in der sozialtherapeutischen Abteilung (SOTHA), 100 Haftplätzen für erwachsene Strafgefangene im offenen Vollzug und 36 Schlafplätzen in der Transportabteilung. Hinzu kommen 32 Belegungsplätze im Haftkrankenhaus, welches das einzige seiner Art im Land Brandenburg ist. Außerdem betreibt das Haftkrankenhaus eine externe Station im Städtischen Klinikum der Stadt Brandenburg an der Havel.

In der JVA Brandenburg an der Havel werden Freiheitsstrafen bis zu lebenslanger Freiheitsstrafe sowie Untersuchungshaft für den Gerichtsbezirk des Landgerichts Potsdam vollstreckt. Insgesamt sind 314 Mitarbeiter angestellt, davon 220 im Vollzugsdienst.

Bis 2014 soll die gesamte JVA renoviert und auf den sicherheits- und ausstattungstechnischen neuesten Stand gebracht werden. Diese Renovierung ist insofern eine Besonderheit, als sie bei laufendem Betrieb durchgeführt wird und nur eine geringe Anzahl der Inhaftierten in andere brandenburgische Haftanstalten, beispielsweise die Justizvollzugsanstalt Cottbus-Dissenchen und Justizvollzugsanstalt Neuruppin-Wulkow, verlegt werden müssen.

Geschichte[Bearbeiten]

Im dem seit Mitte des 19. Jahrhunderts bestehenden Zuchthaus an der Neuendorfer Straße herrschten katastrophale hygienische Zustände, die zum Neubau der Strafanstalt im Stadtteil Görden führten. Dieser Neubau, in dem auch die heutige JVA besteht, wurde in der Zeit von 1927 bis 1935 als Musteranstalt des „humanen Strafvollzugs“ konzipiert und errichtet. Das alte Zuchthaus wurde dann 1931 geschlossen.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden hier allerdings vorwiegend politische Gefangene, „Sicherheitsverwahrte“, zum Tode verurteilte und Gefangene mit teilweise lebenslangen Freiheitsstrafen inhaftiert. Mit der Verschärfung der nationalsozialistischen Terrors gegen politisch Inhaftierte wurde daher 1940 in diesem Zuchthaus auch eine Hinrichtungsstätte installiert.[1] Insgesamt 1.722 Personen, die aus politischen Gründen verurteilt worden waren, wurden in dieser ab August 1940 hingerichtet. 652 weitere Gefangene kamen durch Krankheiten wie TBC um, sieben Häftlinge durch Suizid.

Die Rote Armee besetzte das Zuchthaus im Zuge der Schlacht um Berlin am 27. April 1945. Nach Kriegsende inhaftierte die Sowjetarmee hier bis 1947 Kollaborateure, hauptsächlich Angehörige der Wlassow-Armee.

Die DDR nutzte die Strafanstalt bis 1989 auch für politische Häftlinge.

Seit 1975 gibt es Gedenkräume in der Strafanstalt Brandenburg, die sich jedoch heute innerhalb des Komplexes der Justizvollzugsanstalt Brandenburg a. d. Havel befinden. Daher wurden für die Öffentlichkeit auf dem Brandenburger Marienberg eine zentrale Gedenkstätte mit mehreren Gedenksteinen eingerichtet.

Ehemalige Häftlinge[Bearbeiten]

Vor 1945[Bearbeiten]

Nach 1945[Bearbeiten]

Im Zuchthaus hingerichtet oder verstorben[Bearbeiten]

Bernhard Bästlein: In Brandenburg hingerichtet
  • Bernhard Almstadt, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 6. November 1944 hingerichtet
  • Walter Arndt, Zoologe, am 26. Juni 1944 hingerichtet
  • Friedrich Aue, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 27. November 1944 hingerichtet
  • Bernhard Bästlein, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 18. September 1944 hingerichtet
  • Heinrich Bayer, Bibelforscher, am 15. Mai 1944 hingerichtet
  • Bruno Binnebesel, römisch-katholischer Priester und Widerstandskämpfer, am 13. November 1944 hingerichtet
  • Max Borrack, Widerstandskämpfer, am 19. Februar 1945 hingerichtet
  • Walter Budeus, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 21. August 1944 hingerichtet
  • Hermann Danz, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 5. Februar 1945 hingerichtet
  • Leo Drabent, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 20. November 1944 hingerichtet
  • Friedrich Fromm, Offizier der Reichswehr und der Wehrmacht, am 12. März 1945 hingerichtet
Franz Jacob: In Brandenburg hingerichtet
  • Claudius Gosau, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 6. März 1944 hingerichtet
  • Alois Grimm, Jesuit, am 11. September 1944 hingerichtet
  • Georg Groscurth, Gründer der Widerstandsgruppe Europäische Union, am 8. Mai 1944 hingerichtet
  • Nikolaus Christoph von Halem, Jurist, Geschäftsmann und Widerstandskämpfer am 9. Oktober 1944 hingerichtet
  • Alfred Andreas Heiß, Kriegsdienstverweigerer, am 24. September 1940 hingerichtet
  • Michael Hirschberg, SPD-Widerstandskämpfer, erlag am 20. März 1937 nach Misshandlungen einem Herzinfarkt
  • Cäsar Horn, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 19. März 1945 hingerichtet
  • Franz Jacob, Kommunist, 1944 hingerichtet
  • Franz Jägerstätter, katholischer Kriegsdienstverweigerer, am 9. August 1943 hingerichtet
  • Hugo Kapteina, Arbeiter und Widerstandskämpfer, am 20. April 1945 hingerichtet
  • Erich Knauf, Schriftsteller, am 2. Mai 1944 hingerichtet
  • Wilhelm Knöchel, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 24. Juli 1944 hingerichtet
  • Hermann Koehler, Bankier und Hitler-Kritiker, am 8. November 1943 hingerichtet
  • Alfred Kowalke, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 6. März 1944 hingerichtet
  • Karl Ladé, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 8. Januar 1945 hingerichtet
  • Arthur Ladwig, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 10. Juli 1944 hingerichtet
  • Georg Lehnig, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 28. März 1945 hingerichtet
  • Karl Lühr, Bürgermeister der Gemeinde Woltersdorf (Wendland/Niedersachsen), am 20. Dezember 1943 hingerichtet
  • Max Maddalena, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 22. Oktober 1943 an einer schweren Magenerkrankung verstorben
  • Rudolf Mandrella, am 3. September 1943 hingerichtet
  • Pali Meller, Architekt aus ungarisch-jüdischer Abstammung, am 31. März 1943 an Tbc verstorben
  • Albert Merz, Christadelphian, Kriegsdienstverweigerer, am 3. April 1941 hingerichtet[3][4]
  • Franz Mett, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 21. August 1944 hingerichtet
  • Max Josef Metzger, römisch-katholischer Priester, ab 1943, am 17. April 1944 hingerichtet
Anton Saefkow: In Brandenburg hingerichtet
  • Joseph Müller, römisch-katholischer Priester, am 11. September 1944 hingerichtet
  • Kurt Müller, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 26. Juni 1944 hingerichtet
  • Theodor Neubauer, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 5. Februar 1945 hingerichtet
  • Hans Neumann, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 20. November 1944 hingerichtet
  • Erwin Nöldner, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 6. November 1944 hingerichtet
  • Stanislaus Peplinski, polnischer Zwangsarbeiter, Mitglied der Widerstandsgruppe Speyerer Kameradschaft, am 19. März 1945 hingerichtet
  • Siegfried Rädel, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 10. Mai 1943 hingerichtet
  • Franz Reinisch, römisch-katholischer Priester, am 21. August 1942 hingerichtet
  • Paul Rentsch, Widerstandskämpfer Europäische Union, am 8. Mai 1944 enthauptet
  • Fritz Riedel, Widerstandskämpfer, am 21. August 1944 hingerichtet
  • Kurt Ritter, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 28. August 1944 hingerichtet
  • Josef Römer, Widerstandskämpfer, am 25. September 1944 hingerichtet
  • Friedrich Rödel, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 5. Februar 1945 hingerichtet
  • Axel Rudolph, Abenteuer- und Kriminalschriftsteller, am 30. Oktober 1944 hingerichtet
  • Anton Saefkow, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 18. September 1944 hingerichtet
  • Willi Sänger, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 27. November 1944 hingerichtet
  • Johann Schellheimer, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 5. Februar 1945 hingerichtet
Werner Seelenbinder: In Brandenburg hingerichtet
  • Otto Schmirgal, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 24. Oktober 1944 hingerichtet
  • Hermann Schöne (Soldat), Generalstabsoffizier, Oberstleutnant und Widerstandskämpfer, am 15. Januar 1945 hingerichtet
  • Jakob Schultheis, Sozialdemokrat und Mitglied der Widerstandsgruppe Speyerer Kameradschaft, am 19. März 1945 hingerichtet
  • Martin Schwantes, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 5. Februar 1945 hingerichtet
  • Bernhard Schwentner, römisch-katholischer Priester, am 30. Oktober 1944 hingerichtet
  • Werner Seelenbinder, deutscher Sportler und Kommunist, am 24. Oktober 1944 hingerichtet
  • Max Sievers, Vorsitzender des Freidenker-Verbandes, am 17. Januar 1944 hingerichtet
  • Arthur Sodtke, Arbeitersportler und Kommunist, am 14. August 1944 hingerichtet
  • Otto Springborn, SPD-, später KPD-Mitglied, am 31. Juli 1944 hingerichtet
  • Ferdinand Thomas, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 20. November 1944 hingerichtet
  • Robert Uhrig, Kommunist und Widerstandskämpfer, † 21. August 1944
  • Franz Virnich, Jurist und katholischer Verbindungsstudent (CV), am 5. April 1943 infolge „schleichender Hinrichtung“ verstorben
  • Ernst Volkmann, katholischer Kriegsdienstverweigerer, am 9. August 1941 hingerichtet
  • Alfons Maria Wachsmann, katholischer Theologe, am 21. Februar 1944 hingerichtet
  • Arthur Weisbrodt, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 6. November 1944 hingerichtet
  • Martin Weise, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 15. November 1943 hingerichtet
  • Hans Wölfel, Jurist und katholischer Widerstandskämpfer, am 3. Juli 1944 hingerichtet
  • Pater Paulus Wörndl, österreichischer katholischer Ordenspriester, am 26. Juni 1944 hingerichtet
  • Johannes Wüsten, Schriftsteller und Kommunist, ab 1942, am 26. April 1943 verstorben
  • Walter Zimmermann, Widerstandskämpfer, am 8. Januar 1945 hingerichtet
  • Johannes Zoschke, deutscher Metallarbeiter, Seemann, Sportler und Widerstandskämpfer, am 26. Oktober 1944 hingerichtet
  • Josef Zott, führendes Mitglied in der bayerisch-monarchistischen Harnier-Widerstandsgruppe, am 15. Januar 1945 hingerichtet

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

 Commons: Zuchthaus Brandenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. Das Zuchthaus Brandenburg 1933 bis 1945
  2. Biografie Ernst Oschmann
  3. James Irvin Lichti Houses on the sand?: pacifist denominations in Nazi Germany 2008 S. 65 "Albert Merz was executed in Brandenburg military detention prison on April 3, 1941"
  4. John Botten The captive conscience 2002 S. 106

52.42190277777812.471638888889Koordinaten: 52° 25′ 19″ N, 12° 28′ 18″ O