Zufallsbewegung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Zufallsbewegungen bzw. Irrfahrten (englisch random walk) bilden eine wichtige Klasse stochastischer Prozesse. Sie dienen der Modellierung nichtdeterministischer Zeitreihen und der Herleitung von Wahrscheinlichkeitsverteilungen.

[Bearbeiten] Eindimensionaler Fall

Simulation mehrerer 1D Random Walks.

Der eindimensionale Random Walk dient als verallgemeinerungsfähiges Einführungsbeispiel, hat aber auch eigenständige Anwendungen.

Der eindimensionale Random Walk ist ein Bernoulli-Prozess, das heißt eine Folge von unabhängigen Bernoulli-Versuchen; er führt zu einer Binomialverteilung.

Eine beliebte Veranschaulichung lautet wie folgt: Ein desorientierter Fußgänger läuft in einer Gasse mit einer Wahrscheinlichkeit p einen Schritt nach vorne, mit einer Wahrscheinlichkeit  q = 1-p einen Schritt zurück. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass er sich genau im n-ten Schritt an der Stelle X befindet? Antwort: Der Fußgänger hat insgesamt n = k+l Schritte gemacht, davon k Schritte nach vorne und l Schritte zurück. Seine Position nach n Schritten ist also X=k-l=k-(n-k)=2k-n und die Wahrscheinlichkeit dafür lautet

P(X=2k-n) = { n \choose k } ~ p^k q^{n-k}.

Die Abbildung oben zeigt fünf Simulationen für n=300 Schritte mit einer Schrittlänge im Intervall [-0,5;0,5] Einheiten. Unter der Annahme einer Gleichverteilung beträgt die Standardabweichung für jeden Schritt  \sigma= 0{,}25 . Die Standardabweichung eines derartigen Irrgangs mit n Schritten beträgt dann \sqrt{n}\cdot 0{,}25 Einheiten. Sie ist als rote Linie für positive und negative Entfernungen eingezeichnet. Um diese Strecke wird sich der Fußgänger im Mittel fortbewegen. Die relative Abweichung \sqrt{n}/n geht gegen Null, die absolute Abweichung \sqrt{n} wächst hingegen unbeschränkt.

Simulation eines 2D-Random Walk mit 229 Schritten und einer zufälligen Schrittweite aus dem Intervall [-0,5;0,5] für x- und y-Richtung.

Oft interessiert man sich speziell für den ungerichteten Random Walk mit p=q=1/2. Dann ist die Wahrscheinlichkeitsverteilung der zurückgelegten Strecke symmetrisch um X=0, und auch der Erwartungswert ist E(X)=0. Das Vorankommen des Fußgängers kann man dann nur durch den mittleren quadratischen Abstand vom Ausgangspunkt, also durch die Varianz der Binomialverteilung beschreiben: E(X2) = n. Das ist ein nichttriviales Ergebnis, mit dem eine charakteristische Eigenschaft von Diffusionsprozessen und Brownscher Molekularbewegung wiedergefunden wird: das mittlere Quadrat des Abstands eines diffundierenden Teilchens von seinem Ausgangsort wächst proportional zur Zeit.

[Bearbeiten] Literatur

  • Barry D. Hughes: Random Walks and Random Environments: Volume 1: Random Walks. Oxford University Press, USA 1995. ISBN 0-19-853788-3.

[Bearbeiten] Siehe auch

Meine Werkzeuge
Namensräume

Varianten
Aktionen
Navigation
Mitmachen
Drucken/exportieren
Werkzeuge
In anderen Sprachen