Zugzielanzeiger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Moderner Zugzielanzeiger der DB im Bahnhof Hamburg Hbf
einfachste Art eines Zugzielanzeigers in Blankenberge, Belgien

Zugzielanzeiger sind Anzeigetafeln, die Informationen über das Ziel ankommender oder abfahrender Züge und ähnlichem anzeigen. Fahrgäste können sich mit ihrer Hilfe immer auf dem Laufenden halten, wenn die Anzeiger aktualisiert werden. Man findet sie auf Personenbahnhöfen mit Umsteigemöglichkeit, sowie (dann als Fahrtzielanzeiger bezeichnet) an Haltestellen von S-Bahnen, Bussen und vergleichbarem. Darüber hinaus können sie auch an genannten Verkehrsmitteln angebracht sein. Je nach Ausführung können sie sowohl aus einem variablen als auch aus einem konstanten Bereich bestehen.

Der Vorläufer moderner Anzeigetafeln an Fahrzeugen ist das Zuglaufschild. Solche Schilder bestanden ursprünglich aus Blech und waren außen an den Eisenbahnwagen angebracht. Dabei wurde oft eine Fahrtrichtung auf der Vorder- und die Gegenrichtung auf der Rückseite gedruckt, die Tafeln konnten dann für die Rückfahrt einfach umgedreht werden. Später kamen Kunststoffschilder in Gebrauch, die an den Waggontüren innen angebracht sind. Diese finden jedoch kaum noch Verwendung, da sie durch elektronische Außenanzeigen an den Reisezugwagen ersetzt werden.

Inhaltsverzeichnis

Zugzielanzeiger an Bahnhöfen und Haltestellen [Bearbeiten]

Auf Bahnhöfen hängen sie meistens an den Gleiszugängen (zum Beispiel Ausgängen von Unterführungen, usw.) oder über die komplette Länge der Bahnsteige verteilt. Dabei können sie folgende Informationen anzeigen:

  • Bezeichnung des Gleises (zum Beispiel Gleis 10a oder Gleis 9 Nord)
  • Ankunfts- oder Abfahrtszeit
  • Zuggattungen (ICE, IC, IRE, RE, RB, S, usw.)
  • Zugnummer oder Liniennummer
  • Ziel (Endstation) des Zuges
  • (ausgesuchte) Zwischenhalte
  • Wagenstandanzeiger (insbesondere für Fernverkehrszüge)
  • ggf. Verspätungszeiten,
  • ggf. sonstige Hinweise: wie Qualitätsabweichungen (geänderte Wagenreihungen, fehlender Speisewagen, fehlende Reservierungen …), Hinweise über Zugausfälle

Bauformen [Bearbeiten]

Mechanische Zugzielanzeiger [Bearbeiten]

Bereits seit dem 19. Jahrhundert werden mechanische Zugzielanzeiger verwendet. Diese bestehen aus einer Reihe rechteckiger Scheiben, die an einem Masten drehbar gelagert angebracht sind. Jede Scheibe ist mit einem Fahrtziel beschriftet. In der Grundstellung sind die Schilder parallel zum Masten eingeklappt, so dass ihre Beschriftung nicht lesbar ist. Zum Anzeigen eines Fahrtziels kann das jeweilige Schild durch Ziehen an einer Stange ausgeklappt werden, so dass es horizontal vom Masten absteht und die Beschriftung lesbar ist. Wegen der beschriebenen Mechanik wurde diese Form der Zugzielanzeiger landläufig auch als Hampelmann bezeichnet. An größeren Bahnhöfen wurden die Zugzielanzeiger so ausgelegt, dass mehrere Schilder gleichzeitig angezeigt werden konnten, wobei ein Schild die Zuggattung und das andere Schild das Fahrtziel angezeigt hat. Inzwischen wurden die mechanischen Zugzielanzeiger fast überall durch modernere, fernsteuerbare Anlagen ersetzt.

Glasscheiben mit Leuchtstoffröhren [Bearbeiten]

Zugzielanzeiger der Deutschen Reichsbahn bestanden oft in kleineren und mittelgroßen Bahnhöfen aus von vorn oder von hinten bedruckten Glastafeln, in denen Leuchtstofflampen hinter der betreffenden Scheibe aufleuchteten, um das Ziel eines Zuges zu signalisieren. Trotz der einfachen günstigen Bauweise überwiegen die Nachteile: Beim Ausfall der Leuchtstofflampe fiel die Information aus und bei Fahrplanänderungen mussten die betreffenden Tafeln ausgetauscht werden. Trotzdem wird diese Art Zugzielanzeiger teilweise noch verwendet. Auch im Nahverkehr außerhalb der DDR wurde diese Technik verwendet, zum Beispiel bei der Berliner und Hamburger U-Bahn. Im September 2012 sind bei der Berliner S-Bahn solche Anzeiger auf dem Nordteil der Linie S1 – ab Wilhelmsruh nordwärts – noch im Betrieb, weil die Umstellung zwar geplant, aber noch nicht erfolgt ist.

Rollbandanzeiger [Bearbeiten]

Bis in die jüngste Zeit waren Rollbandanzeiger weit verbreitet. Neben einzelnen Bändern für die Abfahrtszeit wurden alle Daten eines Zuglaufs auf einer Position des Rollbandes dargestellt. Das bedingte den Austausch des gesamten Rollbandes bei neuen Zugläufen. Daher wurde diese Anzeigeform auf größeren Bahnhöfen schon früh durch Fallblattanzeiger ersetzt.

Fallblattanzeiger [Bearbeiten]

Einige der heutigen Zugzielanzeiger der Deutschen Bahn verwenden noch Fallblattanzeiger mit rotierenden bedruckten Karten um Informationen anzuzeigen. Dabei ist der Anzeiger auf festgelegte Begriffe, Buchstaben und Zahlen beschränkt. Die Anzahl und die Anordnung der angezeigten Informationen richten sich nach Anzahl und Anordnung der einzelnen Fallblatt-Register. Neben dieser geringen Flexibilität und einem hohen mechanischen Verschleiß bieten sie aber eine optimale Lesbarkeit. Manchmal allerdings klemmen die Karten, die Information wird dadurch unlesbar. Diese werden von Bahnfans „Zugzielfalschanzeiger“ genannt und gerne fotografisch festgehalten (siehe Weblinks).

LED-/LC-Bildschirme [Bearbeiten]

Die neuste Zugzielanzeiger-Variante ist digital und setzt Leuchtdioden (LED) oder Flüssigkristallbildschirme (LCD) ein. Die sogenannten Vollmatrix-Anzeiger haben dabei die Vorteile, dass sie weniger störungsanfällig sind, Informationen durch selbstleuchtende Bildschirme lesbarer angezeigt werden können und Bildschirme nicht auf einen festgelegten Satz von Zeichen wie Fallblattanzeiger beschränkt sind. Ein Update der Software bringt alle digitalen Anzeiger auf den neuesten Stand und erspart so Tausende von Registerkarten alter analoger Anzeiger auszuwechseln, was beispielsweise nötig würde nach Änderungen in Zugläufen, im Betriebsablauf des Bahnhofs oder nach Eröffnung eines neuen Bahnhofs. Auch Störungen können einfach und detailliert angekündigt werden.

Auch die Möglichkeiten des Hervorhebens (durch Vergrößerung, Fettschrift und andere Formatierungen) und des Platzsparens durch Laufschrift oder Scrollen zeichnen diese Variante aus.

Bei der Deutschen Bahn bestehen diese Anzeiger aus mehreren dunkelblauen Bildschirmen, die von hinten durch Leuchtstoffröhren, bzw. LED bei aktuellen Geräten, beleuchtet werden. Die Anzeiger sind monochrom (dunkelblau und weiß) und vergleichsweise niedrig aufgelöst. Sie können somit keine farbigen Wagenstände anzeigen, erreichen jedoch einen hohen Kontrast und sind aufgrund der verwendeten Transflektor-Folie zwischen Hinterleuchtung und LCD-Glas auch in direkter Sonne lesbar.

Design-Umstellung der DB [Bearbeiten]

Infolge der Umstellung des Designs der Deutschen Bahn wurden neben Uhren, Bahnhofsschildern und restlichen Tafeln auch die Zugzielanzeiger angepasst. Früher wurden die Informationen mit schwarzem Text auf weißem Grund ( positiv ) und heute mit weißem Text auf dunkelblauem Grund ( negativ ) dargestellt.

Löschung der Anzeiger an Bahnhöfen [Bearbeiten]

Die Löschung der Anzeiger erfolgt meistens nach Abfahrt des Zuges am Bahnhof, und zwar entweder

  • automatisch,
    • durch Datenimpulse, die im Fahrbetrieb erzeugt werden,
    • durch Haltesensoren oder Kameratechnik,
    • zeitgesteuert durch „Abarbeiten“ des Bahnhofsfahrplanes
  • oder manuell vom Bediener der Fahrgastinformationsanlage oder vom Zugbegleitpersonal ausgelöst. Letzteres wird mit einem Vierkantschlüssel an einer Bedienungssäule eingeleitet, die durch ein Schild mit grünem Pilz in einem Ring gekennzeichnet ist. Dort befindet sich auch der Schalter für die Abfahrtsansage, die standardmäßig bei der Deutschen Bahn vom Band kommt oder von einem Computer wiedergegeben wird. An einem weiteren Schalter wird mit etwas Zeitverzögerung zum Einsteigen des Zugführers auch das elektronische Abfahrsignal („Zp 9“) erteilt.

Zugzielanzeiger an Verkehrsmitteln [Bearbeiten]

Dies ist die älteste Form der Zielanzeigetafeln. Zuglaufschilder aus Blech wurden früher auch vorne an Dampflokomotiven angebracht, besonders im Nahverkehr etwa bei den Berliner „Stadt-, Ring- und Vorortbahnen“.

Außen an Verkehrsmitteln (Loks, Eisenbahnwagen, S-Bahnen und ähnlichem) sind Zugzielanzeiger meistens vorne, aber auch an den Seiten der Fahrzeuge montiert. Gängigste Bauform ist dabei heute die Ausführung als Anzeige mit bistabilen Anzeigeelementen. Wie bei Bussen und ähnlichem Standard, werden auch Loks für den Personenverkehr verstärkt mit Zugzielanzeigern ausgestattet. Dabei enthalten diese Anzeiger durchschnittlich (nur):

  • Reiseziel (bzw. Endstation)
  • ggf. Zuggattung als Abkürzung
  • ggf. nächste Station
  • ggf. kurze Hinweise („nicht einsteigen“, „Danke, dass Sie vorne einsteigen“, usw.)

Siehe auch [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Anzeiger auf Bahnhöfen, sortiert nach Typ – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Anzeiger auf Bahnhöfen, sortiert nach Staat – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien