Zulu Nation

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Zulu Nation Logo

Die Zulu Nation ist eine Organisation die in den 1970er-Jahren von Afrika Bambaataa gegründet wurde. Sie spielte in den ersten Jahren des Hip Hops eine wichtige Rolle: Erstmals versuchten sich die künstlerisch Aktiven zu organisieren und so dem Gang-Wesen etwas entgegenzusetzen.

Idee[Bearbeiten]

Der New Yorker DJ Afrika Bambaataa kam bereits als Kind auf die Idee, eine Zulu Nation zu gründen. Anlass ist der Film Zulu mit Michael Caine, der die afrikanische Nation der Zulu durch Tapferkeit und Zusammenhalt als Helden darstellt, was in den 1960er-Jahren noch ungewöhnlich ist. Ferner verbot die Zulu Nation Gewalt sowie den Drogenkonsum jeglicher Art. Wer in die Zulu Nation aufgenommen werden wollte, durfte z. B. nicht rauchen und nicht trinken. In den 1980ern schlossen sich viele Jugendliche aus der Hip-Hop-Szene der Organisation an. Der Gewaltverzicht machte sich hauptsächlich bei den BBoys (Breakdancern) bemerkbar, welche ihre Konflikte ausschließlich auf der Tanzfläche lösten.

Umsetzung[Bearbeiten]

Bis in die 1970er-Jahre hielt sich Afrika Bambaataa im Umfeld der Nation of Islam und der Street Gang Black Spades auf. Ein Todesfall eines Freundes bei einem Polizeieinsatz brachte ihn dazu, dieses zu überdenken und etwas Besseres auf die Beine zu stellen. Gemeinsam mit Weggefährten aus diesen Gruppen gründet er zunächst The Organisation, woraus wenig später The Universal Zulu Nation wurde. In der Anfangsphase setzte sich die Zulu Nation ausschließlich aus Breakern, den ersten Repräsentanten der DJs, zusammen, und auch die Posten der ersten Zulu-Anführer in den einzelnen US-Städten oder -Bundesstaaten wurden von Breakern besetzt.

Es ist eine Musik-, Sozialdienst- und Kunst-Organisation, die sich vorwiegend dem Hip Hop widmet. Die Mitglieder der Zulu Nation glauben an Freiheit, Gerechtigkeit, Wissen, Weisheit und Verständnis.

Heute betätigen sich die Mitglieder zum Beispiel als DJs, Graffitikünstler, Rapper, Breakdancer, Organisatoren oder im Vertrieb ihrer Platten und ähnlichem. Weiterhin wirken sie an Diskussionsveranstaltungen, die sich mit den Zielen des Hip Hop befassen, mit. So stehen sie direkt mit dieser Kultur in Verbindung.

Chapter[Bearbeiten]

Der Erfolg des Hip Hop ab den 1980er-Jahren bewirkt, dass diese Organisation nach und nach ebenfalls weltweit bekannt wurde. So wurden nach dem Zentrum in der New Yorker Bronx in den verschiedensten Ländern der Welt Zweigstellen, sogenannte Chapter, eröffnet. Viele bekannte Hip-Hop-Persönlichkeiten sind Mitglieder. Afrika Bambaataa krönte 1985 den Heidelberger Rapper Torch zum „König“ des deutschen Chapters der Zulu Nation. Die ersten ostdeutschen Repräsentanten waren die Leipziger Automatic Freaszy Crew und die Wolgaster Zulu Boyz, welche 1994 zusammen mit der Rock Steady Crew und den Crazy Legs durch Amerika tourten.[1][2]

Chapter in Europäischen Ländern[Bearbeiten]

Neben den größeren europäischen Chapters in Deutschland, Belgien, Frankreich und Großbritannien finden sich auch Chapter in Dänemark, Finnland, Holland, Italien, Malta, Norwegen, Polen, Rumänien, Russland, Schweden, der Schweiz, Spanien, der Ukraine und noch einigen anderen Ländern. Geplant ist es weitere Chapters im Baltikum, Bosnien-Herzegowina, der Türkei und Tschechien zu gründen.

Mitglieder[Bearbeiten]

Einige der bekannteren Mitglieder der Zulu Nation sind oder waren:

Amerika Changeur Musikalische Ausrichtung
Afrika Bambaataa Produzent, Rapper und DJ Hip-Hop, Soul, Funk, Elektro, Techno, Punk, Industrial u.a.
Afrika Islam Produzent und DJ Elektrotechno
A Tribe Called Quest Band Hip-Hop, Soul
AUX 88 Band Elektro-Hip-Hop und Techno
De La Soul Band Hip-Hop, Soul
Donald D Rapper Hip-Hop
Flavor Flav Produzent, Rapper und DJ Hip-Hop, Soul, Funk, Punk, Industrial u.a.
Ice-T Produzent, Rapper und DJ Hip-Hop, Hardcore
Immortal Technique Produzent, Rapper und DJ Hip-Hop u.a.
Jungle Brothers Band Hip-Hop, Soul
KRS-ONE Produzent, Rapper, DJ und Writer Hip-Hop, Soul
Queen Latifah Produzentin, Rapperin und DJ Hip-Hop, Soul
Rock Steady Crew Produzenten und Breakdance-Crew Hip-Hop, Elektrofunk
Deutschland Changeur Musikalische Ausrichtung
DJ André Langenfeld Journalist, Produzent und DJ Hip-Hop, Soul, Funk, Elektro, Techno, House, Drum and Bass u.a.
Boulevard Bou Journalist, Produzent, Rapper und DJ Hip-Hop, Soul, Funk
Cora E. Journalistin und Rapperin Hip-Hop, Soul, Funk
Einz Journalist, Produzent, Rapper, DJ und Writer Hip-Hop, Soul, Funk, Trip-Hop u.a.
Fader Gladiator Produzent und DJ Hip-Hop u.a.
Jan Phillip Eißfeldt Journalist, Produzent, Rapper, DJ und Writer Hip-Hop, Reggae, Pop
Jack-One47 Breakdancer, Rapper, DJ und Writer Hip-Hop u.a.
Marcus Staiger Journalist, Produzent und Rapper Hip-Hop u.a.
Maxim Breakdancer, Beatboxer, Rapper und Writer Hip-Hop u.a.
Michael Bogdanis Produzent, Rapper und DJ Hip-Hop u.a.
DJ MK One Produzent und DJ Hip-Hop u.a.
Rick Ski Produzent, Rapper und DJ Hip-Hop u.a.
Super TC Izlam Breakdancer, Rapper, DJ und Writer Hip-Hop u.a.
DJ Stylewarz Produzent und DJ Hip-Hop u.a.
Toni-L Produzent, Rapper und DJ Hip-Hop, Soul, Funk
Torch Produzent, Rapper, DJ und Writer Hip-Hop, Soul, Funk, Drum and Bass u.a.
Volkmar Lange Produzent, Rapper und DJ Hip-Hop u.a.
DJ WestBam Produzent und DJ Hip-Hop, Elektrofunk, Elektrotechno u.a.
Zulu Boyz Breakdance-Crew Hip-Hop, Elektrofunk
Belgien Changeur Musikalische Ausrichtung
BRC Rap-Crew Hip-Hop u.a.
DJ Defi J Produzent, Rapper und DJ Hip-Hop u.a.
Frankreich Changeur Musikalische Ausrichtung
Mode2 DJ und Writer Hip-Hop u.a.
MC Solaar Produzent, Rapper und DJ Hip-Hop, Soul, Funk
Großbritannien Changeur Musikalische Ausrichtung
Nana D Produzent, Rapper und DJ Hip-Hop, Soul, Funk u.a.
Dave Vetz Produzent, Rapper, DJ und Writer Hip-Hop u.a.
DJ Fingers Produzent und DJ Hip Hop, House, R&B
DJ Snuff Produzent und DJ Hip Hop u.a.
Eray Kaya Produzent, Rapper und DJ Hip-Hop u.a.
Tony Spreadlove Produzent und DJ Hip-Hop u.a.
Niederlande Changeur Musikalische Ausrichtung
Scorpio Produzent, Rapper und DJ und Writer Hip-Hop u.a.
Österreich Changeur Musikalische Ausrichtung
DJ DSL Produzent, Rapper und DJ Hip-Hop, Trip-Hop, u.a.
Schweden Changeur Musikalische Ausrichtung
Promoe Produzent, Rapper, DJ und Writer Hip-Hop, Reggae, Dancehall, Pop u.a.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dorit Rode: Breaking. Popping. Locking. Tanzformen der HipHop-Kultur. Marburg 2002 (2. Auflage 2006)
  • S.H. Fernando jr.: The New Beats: Exploring the Music, Culture and Attitudes of Hip-Hop. New York 1994
  • David Toop: Rap Attack: African Jive bis Global HipHop St. Andrä-Wörndern 1992

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tanzstudio 54° - Zur Geschichte der Zulu Boyz
  2. kultur.ARD.de - here we come, Rappen für die Freiheit, TV-Bericht von Rachel Schröder und der Stiftung Aufarbeitung