Zunyit

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Zunyit
Zunyite-199876.jpg
Zunyitkristalle im Muttergestein aus Silver City, East Tintic Mountains, Juab County, Utah, USA
Chemische Formel

Al12[(OH)14|Cl|AlO4|Si5O16][1]

Mineralklasse Silikate und Germanate
9.BJ.55 (8. Auflage: VIII/C.36) nach Strunz
57.03.01.01 nach Dana
Kristallsystem kubisch
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin kubisch-hexakistetraedrisch 43m[2]
Farbe Farblos, Grauweiß, Fleischrot
Strichfarbe Weiß
Mohshärte 7
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,874(5) ; berechnet: 2,87 bis 2,90[3]
Glanz Glasglanz
Transparenz durchsichtig bis undurchsichtig
Spaltbarkeit gut nach {111}
Bruch spröde
Habitus tetraedrische oder pseudo-oktaedrische Kristalle, möglicherweise auch kubische Kombinationen
Zwillingsbildung nach {111} Kontakt- und Durchdringungszwillinge
Kristalloptik
Brechungsindex n = 1,592 bis 1,600[3]
Doppelbrechung keine, da isotrop

Zunyit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Es kristallisiert im kubischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Al12[(OH)14|Cl|AlO4|Si5O16][1] und findet sich meist in Form gut entwickelter, tetraedrischer oder pseudo-oktaedrischer Kristalle (möglicherweise auch kubische Kombinationen).

Reiner Zunyit ist farblos und durchsichtig und die Kristallflächen weisen einen glasähnlichen Glanz auf. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Zwillingsbildung, Gitterbaufehlern oder Fremdbeimengungen bzw. Einschlüssen kann er allerdings weiß erscheinen oder eine fleischrote Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt.

Mit einer Mohshärte von 7 gehört Zunyit zu den harten Mineralen, die ähnlich wie das Referenzmineral Quarz in der Lage sind, Fensterglas zu ritzen.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Unter UV-Licht zeigen manche Zunyite eine rote Fluoreszenz, ähnlich der von neonfarbenen Textmarkern.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde der Zunyit in der „Zuni Mine“ (Zuñi Mine) am Anvil Mountain nahe Silverton im US-Bundesstaat Colorado und beschrieben 1883 von William Francis Hillebrand (1853-1925)[4], der das Mineral nach seiner Typlokalität benannte.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Zunyit zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Gruppensilikate (Sorosilikate)“, wo er als einziges Mitglied die eigenständige Gruppe VIII/C.36 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Zunyit ebenfalls in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Gruppensilikate (Sorosilikate)“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach der Art der Silikatgruppenbildung, der möglichen Anwesenheit weiterer Anionen sowie der Koordination der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „Gruppensilikate mit Si3O10, Si4O11, etc. Anionen; Kationen in oktaedrischer [6] und/oder größerer Koordination“ zu finden ist, wo es ebenfalls als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 9.BJ.55 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Zunyit in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Gruppensilikate: Insulare (Si3O10) und größere nichtzyklische Gruppen mit Si3O10-Gruppen“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 57.03.01 innerhalb der Unterabteilung der „Gruppensilikate: Insulare (Si3O10) und größere nichtzyklische Gruppen mit Si5O16-Gruppen“ zu finden.


Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Zunyit bildet sich in hochgradigen, aluminiumhaltigen Schiefern und hydrothermal umgeformten, vulkanischen Gesteinen. Begleitminerale sind unter anderem Alunit, Diaspor, Hämatit, Kaolinit, Pyrit, Pyrophyllit, Quarz und Rutil.

Insgesamt konnte Zunyit bisher (Stand: 2011) an 75 Fundorten nachgewiesen werden. Neben seiner Typlokalität „Zuni Mine“ fand man das Mineral in den USA noch an mehreren Orten in den Dome Rock Mountains, bei San Manuel (Pinal County) und Alum Gulch (Santa Cruz County) in Arizona; am Mount Robinson (Custer County), am Horse Creek (Dolores County), in den Red Mountains (Ouray County), im Saguache County und an weiteren Stellen im San Juan County in Colorado; bei Butte in Montana; Buckskin (Douglas County), Scraper Springs (Elko County) und Robinson (White Pine County) in Nevada; am Clubb Mountain und bei Hillsborough in North Carolina sowie in den Tintic Mountains in Utah.

Weitere Fundorte liegen in Bejaia in Algerien; King George Island in der Antarktis; Catamarca, La Rioja und Salta in Argentinien; auf Tasmanien in Australien; in Aserbaidschan; am Cerro Tazna in den bolivianischen Cordillera de Chichas; Brumado im brasilianischen Bundesstaat Bahia; bei Panagjurischte und Chelopech (Oblast Sofia) in Bulgarien; an mehreren Orten in der Región de Atacama in Chile; in Zijinshan und Qinglong (Qinhuangdao) in China; auf Honshū in Japan; auf Vancouver Island in Kanada; bei Ojuu Tolgoi in der Mongolei; in der marokkanischen Provinz Ouarzazate (Souss-Massa-Draâ); bei Otuzco in der peruanischen Provinz La Libertad; in Mankayan auf den Philippinen; im Apuseni-Gebirge in Rumänien; bei Bor in Serbien; in den slowakischen Regionen Banská Bystrica und Košice; in der spanischen Provinz Almería; bei Doornfontein am Nordkap in Südafrika; im ungarischen Komitat Fejér sowie bei Embleton (Cumbria) im Vereinigten Königreich.[5]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Zunyit kristallisiert kubisch in der Raumgruppe F43m (Raumgruppen-Nr. 216) mit dem Gitterparameter a = 13,88 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 593.
  2. Webmineral - Zunyite (englisch)
  3. a b Handbook of Mineralogy - Zunyite (englisch, PDF 68,2 kB)
  4. L. J. Spencer: MINERALOGICAL CHEMISTRY. In: Annu. Rep. Prog. Chem., 1927,24, 292-313, Published on 01. January 1927. doi:10.1039/AR9272400292
  5. Mindat - Zunyite (englisch)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zunyite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien