Zupfgeigenhansel
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Zupfgeigenhansel war eine 1974 von Erich Schmeckenbecher und Thomas Friz ins Leben gerufene Musikgruppe, deren Repertoire zunächst der Idee folgte, deutsche Volkslieder mit freiheitlichem Charakter wiederzuentdecken, teilweise mit eigenen Melodien zu versehen und diese wieder populär zu machen.
Die Gruppe benannte sich nach dem bekannten Wandervogel-Liederbuch Der Zupfgeigenhansl, das 1909 erschienen war. Das Repertoire der Gruppe überschneidet sich allerdings nur teilweise mit dem Inhalt des Liederbuchs.
Die Musik sollte den Grundstein für eine alternative deutsche Volkmusik legen, jenseits der zu der Zeit konservativ besetzten traditionellen Volksmusik und auch jenseits des kommerzorientierten volkstümlichen Schlagers. Ein Kritiker schrieb einmal: „Heino möge diese Lieder hören, damit er aufhört, seine zu singen.“ Die Verbreitung der Musik wurde mit der Herausgabe eigener Liederbücher zum Nachsingen und -spielen untermauert. Ende der 70er-Jahre war in Westdeutschland die große Zeit der Folkbewegung, in der Zupfgeigenhansel neben Ougenweide und Liederjan die Folkmusikszene prägten.
In den Volksliedern geht es um das Leben der „einfachen“ Leute in den vorigen Jahrhunderten. Es geht um Liebe, Not und Wagnis, Unternehmungslust, den Stolz libertärer Geister, deren Verachtung gegenüber Obrigkeit und Pfaffen sowie den Widerstand gegen Militaristen.
Sie traten ab 1974 in verschiedenen Folkclubs, hauptsächlich in Süddeutschland, auf. Es folgten einige Rundfunkauftritte in der Sendung Liederladen des Südwestfunks. 1976 erschien ihre erste LP Volkslieder I im Verlag Pläne und noch im gleichen Jahr die LP Volkslieder II. Dafür wurden sie 1977 für den Deutschen Schallplattenpreis nominiert. Im Folgejahr erhielten sie die Auszeichnung Künstler des Jahres 1978 – Ensemble Pop national von der Deutschen Phonoakademie. Mit der LP ’ch hob gehert sogn erschien 1979 eine vielbeachtete Platte mit Jiddischen Liedern.
Zu Beginn der 80er-Jahre ebbte mit dem Aufkommen der Neuen Deutschen Welle das Interesse an Folkloremusik und der Musik der Liedermacherszene allmählich ab. Zupfgeigenhansel beschritten andere Wege und versuchten vermehrt, mit selbstgeschriebenen Liedern und Gedichtvertonungen ihr Publikum zu gewinnen. Auch schrieb Dieter Süverkrüp einige Lieder für die Gruppe. Musikalisch herausragend ist auch ihr letztes Werk mit Texten des fast vergessenen österreichischen Dichters Theodor Kramer. Vor der anschließenden Tournee kam es zu internen Streitigkeiten, die zur Auflösung der Gruppe 1986 führte.
Ihren letzten offiziellen Live-Auftritt hatte die Gruppe als Überraschungsgast beim legendären Konzert Pete Seegers 1986 in der Zeche Bochum.
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[Bearbeiten] Diskographie
[Bearbeiten] Alben
- 1976 - Volkslieder I
- 1976 - Volkslieder II
- 1978 - Volkslieder III
- 1979 - ’ch hob gehert sogn [Neuveröffentlichung später unter Jiddische Lieder mit zusätzlichen live aufgenommenen Stücken.]
- 1980 - Eintritt frei (Live)
- 1982 - Miteinander (mit Stephan Schmolck, Baß und Mic Oechsner, Violine)
- 1983 - Kein schöner Land (mit Sigi Busch, Baß und Mic Oechsner, Violine)
- 1984 - Liebeslieder
- 1985 - Andre, die das Land so sehr nicht liebten (Lieder nach Texten von Theodor Kramer)
[Bearbeiten] weitere Zusammenstellungen
Die Zusammenstellungen und Aufmachungen durch die JUMBO Neue Medien und Verlag GmbH wurden von Schmeckenbecher nicht autorisiert.
- 1982 - Es wollt ein Bauer früh aufstehn - Die schönsten Volkslieder
- 1991 - Die frechsten Lieder
- 2002 - Alle, die dies Lied gesungen (am 8. Mai 1995 zum Anlass des 50. Jahrestages des Weltkriegsendes vom 8. Mai 1945 erschienen)
- 1993 - Wenn’s schneiet rote Rosen (Ein Volksliedalbum)
- 1995 - Oj! Oj! Oj! (Ein jiddisch-deutsches Konzert)
- 1998 - Wilde Schwäne (Lieder von Liebe und Sehnsucht)
- 2005 - Den schönsten Frühling sehn wir wieder - 30 Jahre Zupfgeigenhansel - Jubiläumsalbum (Aufnahmen aus den Jahren 1976 bis 1980)
- 2009 - Alle, die dies Lied gesungen (Goyalit bei Jumbo – 1976 bis 1980, vier Live-Aufnahmen)
[Bearbeiten] Literatur
- Thomas Friz, Erich Schmeckenbecher (Hrsg.): Es wollt ein Bauer früh aufstehn. 222 Volkslieder. Verlag Pläne, Dortmund 1978, ISBN 3-88569-001-2
- Thomas Friz, Erich Schmeckenbecher (Hrsg.): Kein schöner Land in dieser Zeit. Verlag Pläne, Dortmund 1984, ISBN 3-88569-010-1
- Zupfgeigenhansel: Wenn alle Brünnlein fließen. JUMBO Neue Medien und Verlag GmbH, Hamburg 2003, ISBN 3-89592-842-9 (von Schmeckenbecher nicht autorisiert)
[Bearbeiten] Weblinks
- Einträge zu Zupfgeigenhansel im Katalog des Deutschen Musikarchivs
- Offizielle Internetseite von Erich Schmeckenbecher
- Zupfgeigenhansel im All Music Guide (englisch)

