Zupfgeigenhansel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Folkband Zupfgeigenhansel. Für das Liederbuch ähnlichen Namens siehe Der Zupfgeigenhansl.
Zupfgeigenhansel
Allgemeine Informationen
Genre(s) Folk, Liedermacher
Gründung 1974
Auflösung 1986
Gründungsmitglieder
Erich Schmeckenbecher
Gesang, Gitarre, Mandoline, Bouzouki, Krummhorn, Akkordeon, Xylophon
Thomas Friz
Gesang, Gitarre, Flöte

Zupfgeigenhansel war ein von Erich Schmeckenbecher und Thomas Friz gegründetes deutsches Folk-Duo der 1970er und 1980er Jahre.

Name[Bearbeiten]

Die Gruppe benannte sich nach dem bekannten Wandervogel-Liederbuch Der Zupfgeigenhansl, das 1909 erschienen war. Das Repertoire der Gruppe überschneidet sich allerdings nur teilweise mit dem Inhalt des Liederbuchs.

Die 1970er Jahre[Bearbeiten]

Zupfgeigenhansel folgte zunächst der Idee, deutsche Volkslieder mit freiheitlichem Charakter wiederzuentdecken, teilweise mit eigenen Melodien zu versehen und diese wieder populär zu machen. In den Volksliedern ging es um das Leben der „einfachen" Leute der vergangenen Jahrhunderte. Inhaltlich handeln sie von Liebe, Not und Wagnis, Unternehmungslust, dem Stolz libertärer Geister, der Verachtung gegenüber Obrigkeit und Pfaffen sowie dem Widerstand gegen Militarismus. Die Musik Zupfgeigenhansels sollte einen Grundstein – neben Ougenweide, Hannes Wader und Liederjan – für eine alternative deutsche Volksmusik legen, jenseits der zu der Zeit konservativ besetzten traditionellen Volksmusik. Ein Kritiker schrieb einmal: „Heino möge diese Lieder hören, damit er aufhört, seine zu singen.“ Anfang der 1970er Jahre begann in Westdeutschland die große Zeit der Folkbewegung, die Zupfgeigenhansel maßgeblich mit prägte.

Zupfgeigenhansel (gegründet 1972) trat ab 1974 in verschiedenen Folkclubs, hauptsächlich in Süddeutschland, auf. Es folgten einige Rundfunkauftritte in der Sendung Liederladen des Südwestfunks und in der FS-Sendung Nachklapp des Saarländischen Rundfunks. 1976 erschien ihre erste LP Volkslieder I im Verlag Pläne und im folgenden Jahr die LP Volkslieder II. Dafür wurden sie 1977 für den Deutschen Schallplattenpreis nominiert. 1978 erhielten sie die Auszeichnung Künstler des Jahres 1978 – Ensemble Pop national von der Deutschen Phonoakademie und veröffentlichten ihr erstes Liederbuch mit 222 Volksliedern unter dem Titel: Es wollt ein Bauer früh aufstehn (Gesamtauflage über 250 000). Neben ihren Tonträgern sorgte dies für eine wahres Volksliedrevival in West wie Ost und gilt heute als legendär und diente als Vorlage für weitere Liederbuchveröffentlichungen anderer. Mit der LP ’ch hob gehert sogn erschien 1979 eine vielbeachtete Platte mit jiddischen Liedern, die heute noch als Grundlage für die später aufkommende Klezmerbewegung in Deutschland zählt.

Die 1980er Jahre[Bearbeiten]

In den frühen 1980er Jahre ebbte mit dem Aufkommen der Neuen Deutschen Welle das Interesse an Folkloremusik und der Musik der Liedermacherszene allmählich ab. Zupfgeigenhansel erweiterten ihr Repertoire und versuchten vermehrt, mit selbstgeschriebenen Liedern und Gedichtvertonungen ihr Publikum zu gewinnen. So schrieb auch Dieter Süverkrüp einige Lieder für die Gruppe. Musikalisch herausragend ist auch ihr letztes Werk mit Texten des fast vergessenen österreichischen Dichters Theodor Kramer. Vor der anschließenden Tournee 1986 kam es zu internen Streitigkeiten, die letztendlich zur Auflösung der Gruppe führte. Den letzten offiziellen Live-Auftritt hatte Zupfgeigenhansel als Überraschungsgast beim Konzert Pete Seegers 1986 in der Zeche Bochum.

Diskographie[Bearbeiten]

Alben[Bearbeiten]

Diese Originalalben sind alle auf CD erschienen, mit Ausnahme des Live-Albums Eintritt frei. Alle Bestandteile dieses Albums (zehn Lieder insgesamt) sind jedoch als Bonusmaterial veröffentlicht worden - auf Volkslieder I, II und III, Jiddische Lieder und Kein schöner Land.

  • 1976 - Volkslieder I
  • 1977 - Volkslieder II
  • 1978 - Volkslieder III
  • 1979 - ’ch hob gehert sogn [Neuveröffentlichung unter Jiddische Lieder mit zusätzlichen live aufgenommenen Stücken.]
  • 1980 - Eintritt frei (Live)
  • 1982 - Miteinander (mit Stephan Schmolck, Bass, und Mic Oechsner, Violine)
  • 1983 - Kein schöner Land (mit Sigi Busch, Bass, und Mic Oechsner, Violine)
  • 1984 - Liebeslieder (mit Sigi Busch, Bass, und Mic Oechsner, Violine)
  • 1985 - Andre, die das Land so sehr nicht liebten (Lieder nach Texten von Theodor Kramer)

weitere Zusammenstellungen[Bearbeiten]

Die Zusammenstellungen und Aufmachungen durch die JUMBO Neue Medien und Verlag GmbH wurden von Schmeckenbecher nicht autorisiert.

  • 1982 - Es wollt ein Bauer früh aufstehn – Die schönsten Volkslieder
  • 1991 - Die frechsten Lieder
  • 1993 - Wenn’s schneiet rote Rosen (Ein Volksliedalbum)
  • 1995 - Oj! Oj! Oj! (Ein jiddisch-deutsches Konzert)
  • 1998 - Wilde Schwäne (Lieder von Liebe und Sehnsucht)
  • 2002 - Alle, die dies Lied gesungen (am 8. Mai 1995 zum Anlass des 50. Jahrestages des Weltkriegsendes vom 8. Mai 1945 erschienen)
  • 2005 - Den schönsten Frühling sehn wir wieder – 30 Jahre Zupfgeigenhansel – Jubiläumsalbum (Aufnahmen aus den Jahren 1976 bis 1980)
  • 2009 - Alle, die dies Lied gesungen (Goyalit bei Jumbo – 1976 bis 1980, vier Live-Aufnahmen)

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Friz, Erich Schmeckenbecher (Hrsg.): Es wollt ein Bauer früh aufstehn. 222 Volkslieder. Verlag Pläne, Dortmund 1978, ISBN 3-88569-001-2.
  • Thomas Friz, Erich Schmeckenbecher (Hrsg.): Kein schöner Land in dieser Zeit. Verlag Pläne, Dortmund 1984, ISBN 3-88569-010-1.
  • Zupfgeigenhansel: Wenn alle Brünnlein fließen. JUMBO Neue Medien und Verlag GmbH, Hamburg 2003, ISBN 3-89592-842-9 (von Schmeckenbecher nicht autorisiert)

Weblinks[Bearbeiten]