Zur Zeit

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Zur Zeit
Beschreibung Wochenzeitschrift
Verlag Wochenzeitung Zur Zeit - W 3 VerlagsgesmbH
Erstausgabe 1997
Erscheinungsweise wöchentlich / freitags
Herausgeber Hilmar Kabas und Andreas Mölzer
Weblink www.zurzeit.at

Zur Zeit ist eine österreichische Wochenzeitung rechtskonservativer deutschnationaler Ausrichtung, die vom EU-Parlamentarier und FPÖ-Funktionär Andreas Mölzer sowie dem früheren FPÖ-Politiker Hilmar Kabas herausgegeben wird.

Fakten[Bearbeiten]

Die Zeitung wurde 1997 von Andreas Mölzer und Walter Tributsch nach dem Vorbild der deutschen Jungen Freiheit (JF) gegründet, in der es seit 1992 eine Österreich-Seite gab. Seit 1995 erschien eine eigene Österreich-Ausgabe der JF, in der vier Seiten zu speziellen Themen der Alpenrepublik von österreichischen JF-Autoren erstellt wurden, der Rest jedoch von dem Berliner Blatt übernommen wurde. 1997 kam die erste vollständig eigenständige Ausgabe unter der Bezeichnung Zur Zeit auf den Markt. Seitdem erscheint sie wöchentlich in einer Auflage von etwa 22.000 Stück. Eigentümer der Zeitung ist der W3-Verlag, an dem neben Mölzer und Tributsch unter anderem auch die Junge Freiheit sowie der Münchner Verleger Herbert Fleissner und der österreichische Verleger Peter Weiß beteiligt sind.

Die Zeitung wird in Bratislava gedruckt, die Redaktion befindet sich im dritten Wiener Gemeindebezirk. Zur Zeit besitzt und pflegt ein rechtskonservatives, deutschnationales Image. Verlagsleiter Tributsch etwa möchte die Zeitung als „das rechte Gegenstück zum Falter positionieren, der als ein linksliberales Blatt gilt.

Im September 2007 kündigte die Junge Freiheit die Kooperation mit Zur Zeit auf. Dies geschah aus Protest darüber, dass die deutsche NPD zu Verhandlungen über die Bildung der von Mölzer unterstützten europäischen Rechtsfraktion ITS eingeladen wurde.[1]

Blattlinie[Bearbeiten]

Auszug aus der laut österreichischem Mediengesetz veröffentlichten Blattlinie:

„...das konsequente Eintreten gegen die political correctness, gegen das Prinzip Heuchelei und gegen den linken Tugendterror, der mit der Faschismuskeule unabhängiges Denken und Publizieren verhindern möchte.“

Kritik[Bearbeiten]

Immer wieder publiziert die Zeitschrift Texte, oft unter Pseudonym, die nach Ansicht vieler Beobachter gegen den demokratischen Grundkonsens bzw. gegen § 3 h des Verbotsgesetzes (Leugnung, gröbliche Verharmlosung, Gutheißung oder Rechtfertigung des NS-Völkermordes oder anderer NS-Verbrechen gegen die Menschlichkeit) verstoßen. Insbesondere im Bereich der Aufarbeitung von Ereignissen des Zweiten Weltkriegs werden in der Zeitung Meinungen veröffentlicht, die zu Kontroversen in den gemäßigten Medien führen.

  • Im Dezember 1997 wurde von dem Autor und Engelwerk-Mitglied Robert Prantner ein Artikel publiziert, der angebliche Verbrechen, sogenannte Ritualmorde von Juden an Christen anprangert. Für das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) war dieser Artikel geeignet, „antijüdische Ressentiments in der Öffentlichkeit zu mobilisieren.“
  • Im Jahr 1999 schrieb die Zeitung von Adolf Hitler als „großem Sozialrevolutionär“, der am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs keine Schuld hätte, Winston Churchill sei der Schuldige. Der Autor des Artikels wurde verurteilt, Mölzer jedoch konnte glaubhaft nachweisen, dass er als Chefredakteur vor Drucklegung nichts vom Inhalt des Artikels gewusst hatte. Das Medienecho war enorm.
  • Im Jahr 2000 wurde unter dem Pseudonym Norbert Niemann ein Ende der Vergangenheitsbewältigung gefordert und etwa dem österreichische Nachrichtenmagazin Profil der Eindruck vermittelt, dass die Juden für den Antisemitismus verantwortlich seien.
  • Im September 2004 erstattete das DÖW Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das NS-Verbotsgesetz. Der Anzeige zufolge enthielt ein mit „E.B.“ gezeichneter Artikel antisemitische Formulierungen und endete mit der NS-Parole: „Deutschland erwache!“. Die Staatsanwaltschaft Wien konnte jedoch keine Verhetzung erkennen, allerdings verurteilte der Österreichische Presserat den Artikel.

Diese und zahlreiche weitere problematische Artikel brachten der Zeitung viele Rügen vom Österreichischen Presserat ein.

Zur Zeit und die FPÖ[Bearbeiten]

In den ersten Jahren nach ihrer Gründung galt Zur Zeit als sehr loyal zur Freiheitlichen Partei Österreichs FPÖ. In den letzten Jahren begann die Zeitung immer häufiger Kritik an der Politik der Partei zu üben. Vor allem als sich die FPÖ gemeinsam mit der Volkspartei ÖVP von 2001 bis 2005 in einer Regierungskoalition befand, sah sich die Zeitung als rechtsintellektuelles Gewissen der Partei, das Entscheidungen kritisierte und reflektierte.

Aktive FPÖ-Politiker wie Barbara Rosenkranz und ehemalige FPÖ-Politiker, wie der wegen NS-Wiederbetätigung verurteilte John Gudenus, treten auch jetzt noch schreiberisch in der Zeitung auf. Im Rahmen der jüngsten Parteikrise ist die Zeitung jedoch massiv in der Gunst der Partei gefallen. Wegen eines kritischen Artikels zur Lage der Partei wurde der Herausgeber Mölzer im März 2005 aus der FPÖ-Kärnten ausgeschlossen, verblieb aber nach der Spaltung der Partei bei der FPÖ. Nach der Abspaltung stellte sich Mölzers Blatt demonstrativ hinter den neuen FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache. Strache erhielt die Möglichkeit, in mehreren Publikationen von Zur Zeit zu seinen politischen Haltungen ausführlich Stellung zu beziehen.[2][3]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Junge Freiheit: FPÖ-Abgeordneter Andreas Mölzer kooperiert mit der NPD / Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT beendet Zusammenarbeit mit der Wiener Wochenzeitung „Zur Zeit“, Pressemitteilung, 27. September 2007
  2. Andreas Mölzer (Hg.): Was bleibt von der Dritten Kraft? Edition Zur Zeit; Wien 2005. S 41-46.
  3. Andreas Mölzer (Hg.): Neue Männer braucht das Land. HC-Strache im Gespräch mit Andreas Mölzer, Edition Zur Zeit; Wien 2006. S 133-196.

Weblinks[Bearbeiten]