Zuschussverlag

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Als Zuschussverlag bezeichnet man einen Verlag, der Bücher gegen Beteiligung an den Herstellungskosten bzw. gegen einen Druckkostenzuschuss publiziert. Den Zuschuss für die Druckkosten leisten die Autoren selbst, nicht zuletzt aber auch Dritte wie zum Beispiel Stiftungen für wissenschaftliche Werke.

Sobald jedoch der geforderte Zuschuss über die Druckkosten oder gar die tatsächlichen Gesamtkosten zur Erstellung eines Buches hinausgeht, zählt ein solcher Anbieter nicht mehr zu den Verlagen, sondern zu den Dienstleistern für den Selbstverlag, die als so genannte „Druckkostenzuschussverlage“ bzw. „Pseudoverlage“ zuweilen auch durch stark überhöhte Kosten für die Autoren von sich reden mach(t)en.[1] Das Aktionsbündnis für faire Verlage aber auch das Online-Verlagswörterbuch des Autorenhaus Verlags setzen inzwischen Zuschussverlage begrifflich sowohl mit Druckkostenzuschussverlagen als auch Pseudoverlagen gleich.[2][3][4]

Geschichte[Bearbeiten]

Im 18. Jahrhundert war ein Verlag in der Regel zugleich ein Druckereibesitzer, der als „Zuschussverlag“ im Zuge einer Mischfinanzierung gegen Übernahme der reinen Herstellungskosten – dem „Druckkostenzuschuss“ – Bücher druckte und dem Autor dafür einen Anteil an Exemplaren zum Publikumsverkauf aushändigte.

Die neben den Verlagen erst etwa Mitte des 20. Jahrhunderts auftretenden Zuschussverlage räumten ihren Autoren nach deren Leistung eines Druckkostenzuschusses einen vergleichsweise höheren Gewinnanteil an verkauften Exemplaren ein und übernahmen auf eigenes Risiko die Kosten für Lektorat, Lagerhaltung – sofern fixe Auflagen z. B. im Offsetdruck hergestellt wurden –, Vertrieb und Werbung. Der Übergang vom Zuschussverlag zum Bezahlverlag ist jedoch fließend und die beiden Geschäftsmodelle nicht immer klar voneinander zu unterscheiden, wozu beiträgt, dass für Bezahlverlage u. a. auch die Bezeichnung Druckkostenzuschussverlag verbreitet ist.

Zielgruppen[Bearbeiten]

Auf das Geschäftsmodell eines Zuschussverlagsgeschäfts setzen hauptsächlich noch folgende Unternehmensformen:

  • Fachverlag bzw. Wissenschaftsverlag zur Drucklegung wissenschaftlicher Arbeiten

Nach wie vor üblich ist die Inanspruchnahme von Zuschussverlagen bei wissenschaftlichen Publikationen (insbesondere Dissertationen), die von vornherein nicht für einen großen Leserkreis bestimmt sind.

Doch inzwischen setzt sich hierfür immer mehr die weit preiswertere elektronische Dissertation als Medium der Veröffentlichung durch (siehe auch Veröffentlichung einer Dissertation). Autoren, die nach der Promotion eine wissenschaftliche Karriere anstreben, sind allerdings nach wie vor darauf angewiesen, ihre Arbeit bei einem angesehenen Fachverlag zu publizieren, der wiederum wegen oft nur niedrig anzusetzenden Auflagen vom Autor meist wie bei einem Zuschussverlag die Kosten für den Druck, daneben aber zusätzlich auch noch ein Honorar für das Lektorat abverlangen.[5] Damit sind dann allerdings die Grenzen eines Zuschussverlags herkömmlicher Definition aufgeweicht und die Nähe zum Geschäftsmodell eines Bezahlverlags wenn nicht sogar eines „Pseudoverlags“ gegeben.

  • Independent-Verlag, das sind in der Regel kleinere und noch nicht ausreichend solvente Verlage

Abgrenzung[Bearbeiten]

  • Buchverlage im „traditionellen“ Sinne bzw. Publikumsverlage definieren sich gerade dadurch, dass sie das gesamte unternehmerische Risiko übernehmen und demzufolge von ihren Autoren auch keinen Druckkostenzuschuss einfordern.
  • Wiewohl unter den Bezahlverlagen die „Pseudoverlage“ zuweilen auch als „Druckkostenzuschussverlage“ firmieren, kann bei ihnen nicht mehr von einem Druckkostenzuschuss die Rede sein, da derartige Dienstleister für selbstverlegte Publikationen von ihren Auftraggebern nicht nur sämtliche Kosten der Herstellung und des Vertriebs verlangen, sondern mit Auftragserteilung für sich darüber hinaus eine bereits wirksame Gewinnmarge einkalkulieren, noch bevor ein von ihnen herzustellendes Buchexemplar im Handel verkauft wird. (Da einige Kritiker solcher Unternehmer Pseudoverlage bzw. „Druckkostenzuschussverlage“ mit „Zuschussverlagen“ gleichsetzen,[2][6][7] ist die Begriffsverwirrung perfekt bzw. es ist bis dato unklar, ob überhaupt oder wie viele Zuschussverlage mittlerweile weit mehr als den reinen Druckkostenzuschuss abverlangen und somit ebenfalls gänzlich ohne eigenes verlegerisches bzw. unternehmerisches Risiko ihre Dienstleistungen erbringen. Siehe hierzu auch den Abschnitt Doktoranden unter Selbstverlag.)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Carsten Holm: Mit Herzblut in den Ruin in Der Spiegel, online am 28.  August 2000
  2. a b Bestandsanalyse und Ziele, Aktionsbündnis für faire Verlage (Ohne Datum, ca. April 2008)
  3. Aktionsbündnis für faire Verlage: Bekannte Zuschussverlage und Dienstleister
  4. Verlagswörterbuch – D des Autorenhaus Verlags (vgl. auch unter ‚P‘ Eintrag zu Pseudoverlag sowie unter ‚Z‘ zu Zuschussverlag), online abrufbar unter autoren-magazin.de
  5. Siehe Literatur Online-Artikel Gemma Pörzgen: Doktor Digital – Die eigene Dissertation in einem Verlag unterzubringen, verschafft ihr Prestige. Doch das Internet ist preiswerter und schneller. Digitales Publizieren hängt auch vom Fach ab.
  6. Welche Verlage und Literaturagenten wir Ihnen empfehlen können Literatur-Café-Redaktion, 23. Januar 2009
  7. Zuschussverlage u. a. Unternehmen und Vereine online im Autoren-Magazin des Autorenhaus Verlags