Zuzana Licko

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Zuzana Licko (tschechisch Zuzana Ličko [ˈlɪtʃkoː]; * 1961 in Bratislava, Tschechoslowakei) ist eine US-amerikanische Grafikdesignerin, Typografin und Mitbegründerin von Emigre Inc., einer der ersten Independent-Schriftenfoundries. Licko zählt neben Neville Brody und David Carson zu den Pionieren des progressiven Desktoppublishings und der digitalen Typographie.

Leben[Bearbeiten]

Geboren in der Tschechoslowakei kam sie 1968 als Kind in die USA. Die Tochter eines Biomathematikers hatte früh Zugang zu Computern und brachte sich selbst die Grundkenntnisse des Programmierens bei. Danach begann sie erste Schriften zu entwerfen, ihr erstes Alphabet basierte auf dem griechischen Alphabet. Sie studierte zunächst Architektur, Informatik und Fotografie und machte ein Diplom in Visueller Kommunikation an der University of California, Berkeley, anschließend arbeitete sie in der grafischen Abteilung von Adobe Systems an der Entwicklung der PostScript-Technologie mit.[1]

Emigre[Bearbeiten]

Anfang der 1980er traf Zuzana Licko auf den niederländischen Grafikdesigner und Fotografen Rudy VanderLans und gründete mit ihm den experimentellen Schriftenverlag Emigre sowie die gleichnamige Zeitschrift Emigre Magazine; der Titel ergab sich daraus, dass beide so genannte émigrés, also Emigranten in den USA waren. Die Gründung von Emigre 1984 ist eng mit der „Geburt“ des Apple Macintosh im gleichen Jahr verbunden (vgl. Geschichte der Typografie: Die DTP Ära). Licko schilderte in einem Interview mit der britischen Designzeitschrift Eye ihre Begegnung mit VanderLans, mit dem sie mittlerweile verheiratet ist:

„Ich traf Rudy an der Universität in Berkeley, wo ich gerade Umweltdesign studierte und er Fotografie. Das war 1982–83; nach dem College machten wir verschiedene schlecht bezahlte Designjobs ohne richtiges Ziel. Dann, 1984, kam der Macintosh auf den Markt und wir kauften uns einen. Auf einmal bekam alles einen Sinn: Wir beide, jeder auf seine Weise, fanden Gefallen an diesem Rechner. Das Gerät stellte auf einmal alles in Frage, was wir über Design gelernt hatten; wir beide mochten dieses Austesten der Grenzen, wie weit man gehen kann. Rudy war dabei mehr intuitiv, während ich methodisch vorging. Yin und Yang. Es machte ‚klick‘ und das tut es bis heute...[1]

Während VanderLans die Rolle des Verlegers übernahm brachte Licko als kreativer Kopf ihre Programmierkenntnisse, die sie bei Adobe im Schriftbereich erweitert hatte, mit ein und entwickelte nun in Eigenregie PostScript-fähige WYSIWYG-Fonts. Das Emigre Magazine sollte Katalog und zugleich Anwendungsbeispiel für Lickos Schriftentwürfe werden sowie ein Forum für experimentelles Design bieten, überdies bot der mittlerweile zum Insidertip avancierte Verlag Schriften, Schriften-Software und andere grafische Accessoires zum Verkauf an und setzte damit auf den Boom der neuen digitalen Schriftenentwickler und -verlage wie z.B. Fontshop in Deutschland. Vom Flyerdesign der Technokultur geprägt, setzte Licko anfangs noch auf experimentelle schnelllebige Entwürfe und auch technisch bedingt, auf Pixelfonts. Mitte der 1990er wurde sie „klassischer“, verließ die zumeist an einer Matrix (einer von Lickos Fonts nennt sich Matrix) orientierten grotesken Fonts der 1980er und konzentrierte sich auf die Entwicklung moderner Bastardschriften; dabei entwarf sie zwei ihrer wichtigsten Serifenschriften: Mrs Eaves, basierend auf einer Baskerville und die Filosofia, basierend auf einer Bodoni. Beide Schriften gelten ob ihrer ausgefallenen verschmelzenden Ligaturen als Reminiszenz Lickos an das traditionelle europäische Schriftdesign.

Das Emigre Magazine wurde 2005 mit der Ausgabe Nr.69 eingestellt, das Schriftenhaus Emigre Inc. besteht weiterhin.

Schriftentwürfe (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Lo-Res, 1985/2001
  • Modula, 1985
  • Citizen, 1986
  • Matrix, 1986
  • Lunatix, 1988
  • Oblong, 1988
  • Senator, 1988
  • Variex, 1988
  • Elektrix, 1989.
  • Triplex, 1989
  • Tall Pack, 1990
  • Totally Gothic, 1990
  • Matrix Script, 1992
  • Filosofia, 1996.
  • Mrs Eaves, 1996
  • Mrs Eaves Ligatures, 1996
  • Base Monospace, 1997.
  • Hypnomedia, 1997.
  • Tarzana, 1998
  • Solex, 2000
  • Puzzler, 2005

Mit Mrs. Eaves, Matrix, Triplex, Filosofia und Base befinden sich gleich fünf Schriften von Zuzana Licko in der Rangliste der 100 besten Schriften aller Zeiten. (FontShop Hrsg., 2007.)

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudi VanderLans, Zuzana Licko und Mary E. Grant: Emigre – Graphic Design Into the Digital Realm, John Wiley & Sons Inc (1993); ISBN 978-0-471-28547-2 (englisch)

Einzelnachweise und Quellen[Bearbeiten]

  1. a b Feature und Interview im Eye Magazine, Nr.43, Frühjahr 2002

Weblinks[Bearbeiten]