Zwölfmalgreien

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Zwölfmalgreien (italienisch: Dodiciville, bzw. historisch Le Malgreien) ist eine Katastralgemeinde von Bozen in Südtirol (Italien), die Teile des Stadtviertels Zentrum-Bozner Boden-Rentsch und das Stadtviertel Oberau-Haslach einschließt. Die ehemals selbständige Landgemeinde ließ sich 1911 freiwillig in die Stadtgemeinde Bozen eingliedern. 1910 hatte Zwölfmalgreien etwa 9.500 Einwohner.

Die Grenze der Katastralgemeinde entspricht dem Umfang der Landgemeinde von 1911. Diese bestand aus 12 Weilern, den sogenannten Malgreien, die allesamt landwirtschaftlich geprägt waren und teilweise bis heute Zentren der Bozner Weinwirtschaft darstellen.

Geschichte und Gliederung[Bearbeiten]

Namensgeschichte[Bearbeiten]

Die vermutlich alpenromanische Bezeichnung „Malgrei“ bedeutet „Abschnitt“, „Viertel“ oder „Rotte“ einer ländlichen Großgemeinde. Diese ist schon seit dem 15. Jahrhundert urkundlich bezeugt – um 1470 als „Malgreyen der pharren Potzen aussthalben der stat“ („Malgreien der Pfarre Bozen außerhalb des inneren Stadtgebiets“) und 1486 als „Zwelff Malgreyen[1] – und war administrativ Teil des landesfürstlich-tirolischen Landgerichts Gries-Bozen, dessen Gerichtsvorstände von den Habsburgern ernannt wurden.[2]

Die Malgrei Zollstange[Bearbeiten]

Das ehemalige Rathaus stand in der Malgrei Zollstange (Silberstange), die direkt östlich an das damalige Bozen angrenzte. Die Malgrei Zollstange, bereits im Jahr 1310 als „Zolstang“ urkundlich bezeugt,[3] wird heute im engeren Sinn als Zwölfmalgreien bezeichnet. An den alten Namen erinnert der Platz Zollstange (piazza dogana), an dem früher das Rathaus stand. Außerdem befindet sich dort mit der Löwengrube eines der ältesten bestehenden Gasthäuser der Stadt. Gegenüber der Löwengrube, in der ehemaligen Zollgasse (heute Andreas-Hofer-Straße)[4], befand sich das Zollgebäude für alle Handelstreibenden, die vom Eisacktal kommend nach Bozen zogen.

Die Gemeinde Zwölfmalgreien entstand 1849, gleichzeitig mit den Gemeinden Leifers und Gries, infolge der österreichischen Magistratsverfassung.[5]

Heute befinden sich in Zollstange/Zwölfmalgreien zahlreiche Landesämter, der Bahnhof, die Talstation der Rittner Seilbahn, die Talstation der Kohlerer Seilbahn, die Parteizentrale der Südtiroler Volkspartei und der Sitz der Etschwerke Bozen-Meran, die 1920 gegründete Musikkapelle Zwölfmalgreien und der Sitz der Raiffeisenkasse Bozen.

Die übrigen Malgreien[Bearbeiten]

  • St. Peter mit der Kirche zum Apostel Petrus im Norden von Bozen, Richtung Schloss Runkelstein am Eingang des Sarntales.
  • St. Johann im Dorf mit der gleichnamigen Kirche und dem Heinrichshof nördlich der historischen Altstadt Bozens.
  • Rentsch mit der Kirche zum Heiligen Laurentius östlich der Zollstange.
  • St. Magdalena/Prazöll mit der gleichnamigen Kirche, Heimat des St. Magdaleners.
  • St. Justina, am nordöstlichen Rand der heutigen Gemeinde Bozen, Richtung Ritten.
  • Bozner Leitach, Hanglagen südöstlich von Justina oberhalb des Eisacks (rechtsseitig), auf der anderen Talseite liegt Kardaun.
  • Kampill am linken Ufer des Eisacks mit der Kirche zum heiligen Martin von Tours, die heute zwischen Staatsstraße und Brennerautobahn eingezwängt ist.
  • Kampenn (mit Kohlern), südlich des historischen Bozens. Hier entstand 1908 die älteste Schwebe-Seilbahn Mitteleuropas, die Kohlerer Bahn.
  • Virgl, am Südwesthang von Kohlern, beherbergt mehrere Kirchen, darunter die älteste Kirche Bozens, die Vigiliuskirche aus der Völkerwanderungszeit. Vielleicht wurde hier im Jahr 769 die Urkunde ausgefertigt, mit der Bayernherzog Tassilo III. das Kloster Innichen gründete.
  • Haslach südlich des Virgls und heute dicht besiedelt; dort befindet sich auch das höchste Wohngebäude der ehemaligen Gemeinde (12 Stockwerke, errichtet von Othmar Barth). Haslach bildet heute eines der zwei Mittelpunkte des Stadtviertels Oberau-Haslach. Weithin sichtbar erhebt sich über Haslach die Haselburg.
  • Oberau/St. Jakob mit Grutzen. Oberau ist heute der zweite Mittelpunkt des Stadtviertels Oberau-Haslach, während sich in Grutzen das Bozener Industriegebiet und der Flughafen Bozen befinden und nur noch ein kleiner Teil landwirtschaftlich genutzt wird. Der neue Sitz der Obstgenossenschaft Zwölfmalgreien befindet sich in Grutzen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Emanuel Stöckler (1819–1893), österreichischer Maler, in Zwölfmalgreien verstorben
  • Hermann Roesler (1834–1894), deutscher Nationalökonom, wohnte ab 1893 in Bozen-Dorf (Ansitz Klebelsberg)
  • Albin Egger-Lienz (1868–1926), österreichischer Maler, in St. Justina (Waldgries) verstorben
  • Verena Buratti (* 1965), Südtiroler Schauspielerin (in Rentsch aufgewachsen)
  • Alexander Langer (1946–1995), italienischer Politiker, wohnte jahrelang in Bozen-Dorf

Fotogalerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hugo A. Lanzinger: Zur sozioökonomischen Entwicklung der Gemeinde Zwölfmalgreien von 1850 bis 1910. Innsbruck, Dipl.-Arb. 1998.
  • Richard Staffler: Die Hofnamen von Zwölfmalgreien und Leifers (Bozner Jahrbuch für Geschichte, Kultur und Kunst 1952), Innsbruck: Wagner 1952.
  • Heinz Tiefenbrunner: Häusergeschichte von Zwölfmalgreien, Bozen: Athesia 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

 Portal: Bozen – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Bozen
 Commons: Zwölfmalgreien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hannes Obermair: Bozen Süd – Bolzano Nord. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500. Bd. 2. Bozen: Stadtgemeinde Bozen 2008. ISBN 978-88-901870-1-8, S. 140 Nr. 1108 und S. 190–191 Nr. 1229.
  2. Otto Stolz: Politisch-historische Landesbeschreibung von Südtirol. Bd. 1. Innsbruck: Wagner 1937, S. 259–260.
  3. Hannes Obermair: Bozen Süd – Bolzano Nord. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500. Bd. 1, Bozen: Stadtgemeinde Bozen 2005. ISBN 88-901870-0-X, S. 171 Nr. 239.
  4. Bruno Mahlknecht: Das Bozner Batzenhäusl. In: ders., Bozen durch die Jahrhunderte, Bd. 2, Bozen 2006. ISBN 88-6011-021-1, S. 137–141.
  5. Bruno Mahlknecht: Der Magistralbezirk Bozen zerfällt in vier selbstständige Gemeinden. In: ders., Bozen durch die Jahrhunderte, Bd. 3, Bozen 2006. ISBN 88-6011-027-0, S. 148.

46.50027411.360984Koordinaten: 46° 30′ N, 11° 22′ O