Laurel und Hardy: Zwei ritten nach Texas

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Zwei ritten nach Texas)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Zwei ritten nach Texas
Originaltitel Way out West
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1937
Länge 65 Minuten
Altersfreigabe FSK 6
Stab
Regie James W. Horne
Drehbuch Jack Jeyne
Charley Rogers
Felix Adler
James Parrott
Produktion Stan Laurel
Hal Roach
Musik Marvin Hatley
Kamera Art Lloyd
Schnitt Bert Jordan
Besetzung

Zwei ritten nach Texas (Originaltitel: Way Out West) ist ein Langfilm des berühmten Komiker-Duos Laurel und Hardy aus dem Jahr 1937. Wie üblich ist der Film eine Mischung aus gutmütigem Slapstick und kleinen musikalischen Einlagen. Der Film wurde unter anderem für einen Academy Award in der Kategorie Beste Musik nominiert. “Way Out West” wurde später von Stan und Ollie oft als deren Lieblingsfilm bezeichnet.

Inhalt[Bearbeiten]

Stan und Ollie befinden sich auf dem Weg zur Westernstadt Brushwood Gulch. Ihre Aufgabe ist es, eine Frau namens Mary Roberts ausfindig zu machen, um ihr eine testamentarische Urkunde zu überreichen, die sie als Erbin einer Goldmine nach dem Tode ihres Vaters auszeichnet. Die Probleme beginnen schon bei der Ankunft mit der Stadtkutsche, als sie vom jähzornigem Sheriff darauf hingewiesen werden, ihre Finger von den hiesigen Frauen zu lassen, ein Tipp, den Ollie lieber hätte beherzigen sollen. Doch die Schwierigkeiten nehmen keinen Abriss, denn der geldgierige Tyrann Mickey Finn, Mary Roberts' Vormund, schmiedet mit seiner Geliebten Lola eine finstere Intrige, um selber in den Besitz der wertvollen Urkunde zu kommen. Als Stan und Ollie bemerken, dass sie übers Ohr gehauen wurden, beschließen sie mit allen Mitteln an die Urkunde zu kommen, was schließlich in einem desaströsen Einbruchsversuch um Mitternacht seinen Höhepunkt erreicht. Letztendlich schaffen es die beiden jedoch, die Urkunde Mary zu überreichen und reisen mit ihr zurück in den Süden.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Dreharbeiten zum Film dauerten vom 31. August bis 11. November 1936, wobei nicht in Texas gedreht wurde, sondern in Kalifornien. So entstanden die Innenaufnahmen in den Hal Roach Studios und die Außenaufnahmen entstanden unter anderem im Santa Clarita Valley. Das fiktive Dorf „Brushwood Gulch“ wurde etwa 55 km von Los Angeles entfernt auf der Monogram-Ranch in Newhall in dem Gebiet des Placerita Canyons aufgebaut. Ursprünglich enthielt das Drehbuch einige Szenen mit Indianern, jedoch wurden alle aus Gründen, über die heute nur noch spekuliert werden kann, gestrichen.

Die Rolle der Mary Roberts sollte zunächst Julie Bishop, die im Vorjahr Laurel und Hardys Findelkind in Das Mädel aus dem Böhmerwald verkörperte, übernehmen. Schließlich ging die Rolle aber an Rosina Lawrence. Die Rolle des Sheriffs erlebte noch während der Dreharbeiten einen Darstellerwechsel, Tiny Sandford wurde durch Stanley Fields ersetzt. Man kann Sandford allerdings immer noch bei einzelnen Einstellungen erkennen. Laurel und Hardys Maultier Dinah wurde angeblich schon fünf Jahre früher als widerspenstige Susie in Der zermürbende Klaviertransport an der Seite des Komikerduos eingesetzt.

Der Filmtitel Way Out West parodiert den Titel des Stummfilmes Way Down East mit Lillian Gish. Wenn Stan in einer Szene seine Beine zeigt, um die Aufmerksamkeit der Kutsche zu erregen, ist es eine Parodie auf die Komödie Es geschah in einer Nacht, wo Claudette Colbert dasselbe wie Stan beim Trampen macht.

Der Hut, den Stan in einer Szene verzehren muss, wurde aus Lakritze hergestellt, während Ollies anderthalb Meter langer Hals in der Szene, als sie in das Haus einbrechen, aus Gummi war.

Einer der komödiantischen Höhepunkte des Films ist wohl jene Szene, in der Stan und Ollie das alte Westernlied The Trail Of The Lonesome Pine aus dem Jahre 1932 singen. Nach der zweiten Passage verwandelt sich Stans Stimme plötzlich zu einem Bass, um anschließend - nachdem Ollie ihn mit einem Hammer schlägt - eine hohe Sopranstimme zu werden. Der Text lautet folgend:

In the Blue Ridge Mountains of Virginia,
On the trail of the lonesome pine—
In the pale moonshine our hearts entwine,
Where she carved her name and I carved mine;
Oh, June, like the mountains I'm blue—
Like the pine I am lonesome for you,
In the Blue Ridge Mountains of Virginia,
On the trail of the lonesome pine.

Diese Gesangsszene entstand ganz spontan in einer Drehpause, als einer der Avalon Boys – die Avalon Boys waren eine zu ihrer Zeit populäre Westernband, die im Film auch zu sehen ist – auf seiner Gitarre etwas herumspielte. Alle Strophen wurden live aufgezeichnet, mit Ausnahme der letzten, in der der Gag zum Ausdruck kommt. Die Bass-Stimme stammt von Chill Wills, einem der Avalon Boys, die hohe Stimme von der Darstellerin der Mary Roberts, Rosina Lawrence.

Die deutschen Synchronfassungen[Bearbeiten]

Von „Way Out West“ existieren im Deutschen vier Synchronfassungen:

  • Für die deutsche Erstaufführung am 1. November 1937 wurde das erste Mal Walter Bluhm für die Rolle von Stan besetzt. Will Dohm übernahm die Rolle für Ollie, während James Finlaysons Stimme unbekannt ist. Der damalige Titel für den Film war „Ritter ohne Furcht und Tadel“.
  • Für die Wiederaufführung am 5. September 1952 bekam “Way Out West” den Titel Dick und Doof im wilden Westen. Walter Bluhm war bereits Stan Laurels feste deutsche Stimme, während Ollie von Arno Paulsen gesprochen wurde und James Finlaysons deutsche Stimme Hans Timerding gehörte.
  • Die dritte deutsche Synchronfassung, die anlässlich einer erneuten Wiederaufführung am 9. Juli 1965 entstand, enthält dieselben Synchronsprecher für Laurel und Hardy wie die 1952-Fassung. Allerdings unterscheiden sich die Nebendarsteller: Mickey Finn wurde diesmal Alfred Balthoff als deutsche Stimme zugeteilt, der Sheriff wurde von Hans Wiegner gesprochen, Lola wurde von Agi Prandhoff gesprochen und Mary Roberts von Lena Dillmann. Mit dieser Synchronfassung als auch mit diesem Titel wird “Way Out West” heute noch auf sämtlichen DVD-Erscheinungen veröffentlicht.
  • Auch in der vierten ZDF-Synchronfassung von 1976 wurde Stan von Walter Bluhm gesprochen, Michael Habeck lieh Ollie seine Stimme. Leo Bardischewski sprach James Finlayson. Die Aufführung mit dieser Synchronfassung fand am 12. Mai 1976 unter dem Titel Im fernen Westen statt.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Bei der Oscarverleihung 1938 war Zwei ritten nach Texas in der Kategorie Beste Filmmusik nominiert.

Kritiken[Bearbeiten]

Das Lexikon des internationalen Films urteilt, der Film sei „einer der besten und amüsantesten Langfilme mit Laurel und Hardy: Eine Westernsatire mit einer Fülle von umwerfenden Einfällen.Joe Hembus erläutert, der Film folge dem Grundkonzept aller Spaß-Western, indem er Helden, die für den Western denkbar ungeeignet sind, mit einer Mission beauftrage, der sie nicht gewachsen sind. Er gehöre „zum Besten (…), was Laurel und Hardy gemacht haben.“[1] Rainer Dick führt aus: „Laurel & Hardy in Wildwest: die herzensreinen Toren, die immer nur das Gute wollen, in einer Umgebung von Niedertracht, Machismo, Härte, Perfidie und Gewinnsucht“, böten eine „der intelligentesten und poetischsten Parodien der Gattung“ Western, denn es werde „auf plakative Action verzichtet und statt dessen das Genre-Personal karikiert“, darunter der „schroffe[] [und schießwütige] Sheriff“ und der „boshafte[] Wirt, der aus keinem anderen Grund auf der Welt zu sein scheint, als um andere zu schikanieren und zu betrügen“.[2]

Quellen[Bearbeiten]

  • Laurel & Hardy „Zwei ritten nach Texas“; DVD 2005, Produktionsnotizen.
  • Norbert Aping: Das Dick und Doof Buch. Die Geschichte von Laurel & Hardy in Deutschland. Digitale Anhänge, Datei 15 (Übersicht über Laurel und Hardys deutsche Sprecher).

Literatur[Bearbeiten]

  • William K. Everson, Joe Hembus, Theo Lingen: Laurel und Hardy und ihre Filme (OT: The Films of Laurel and Hardy). (Citadel-Filmbuch). Goldmann, München 1980, ISBN 3-442-10204-9.
  • Rainer Dick: Ritter ohne Furcht und Tadel / Zwei ritten nach Texas / Dick & Doof im Wilden Westen / Das unterschlagene Testament. In: Heinz-B. Heller, Matthias Steinle (Hrsg.): Filmgenres. Komödie (= RUB. Nr. 18407). Reclam, Stuttgart 2005, ISBN 978-3-15-018407-3, S. 168–171 [mit Literaturhinweisen].

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joe Hembus: Western-Lexikon - 1272 Filme von 1894-1975. Carl Hanser Verlag München Wien 2. Auflage 1977. ISBN 3-446-12189-7. S.733
  2. Rainer Dick: Ritter ohne Furcht und Tadel / Zwei ritten nach Texas / Dick & Doof im Wilden Westen / Das unterschlagene Testament. In: Heinz-B. Heller, Matthias Steinle (Hrsg.): Filmgenres. Komödie. Reclam, Stuttgart 2005 (RUB), ISBN 978-3-15-018407-3, S. 168–171, hier 168f.