Zweizahnwale

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Zweizahnwale
Sowerby-Zweizahnwale (Mesoplodon bidens) auf einer Briefmarke der Färöer-Inseln

Sowerby-Zweizahnwale (Mesoplodon bidens) auf einer Briefmarke der Färöer-Inseln

Systematik
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Wale (Cetacea)
Unterordnung: Zahnwale (Odontoceti)
Familie: Schnabelwale (Ziphiidae)
Gattung: Zweizahnwale
Wissenschaftlicher Name
Mesoplodon
Gervais, 1850

Die Zweizahnwale (Mesoplodon) stellen die artenreichste Gattung der Wale aus der Familie der Schnabelwale. Obgleich 14 Arten beschrieben sind, ist über ihre Biologie besonders wenig bekannt.[1][2] Da die Zweizahnwale auf dem offenen Meer (Pelagial) leben, führen nur wenige Sichtungen zu einer Bestimmung und sind auswertbar.

Verbreitung[Bearbeiten]

Die meisten Arten haben ein eingeschränktes Verbreitungsgebiet und kommen in kühleren oder gemäßigten Ozeanen der Nord- oder Südhalbkugel vor, nur eine Art, der Blainville-Schnabelwal, ist weltweit verbreitet. Im östlichen Nordatlantik und damit in der Nähe der europäischen Küsten leben außer dieser Art der True-Wal, der Sowerby-Zweizahnwal und der Gervais-Zweizahnwal.

Beschreibung[Bearbeiten]

Zweizahnwale sind je nach Art 3,5 bis 6 Meter lang. Sie tragen eine dreieckige, weit hinten platzierte Finne. Namensgebend, tragen Wale dieser Gattung nur ein voll entwickeltes Zahnpaar im Unterkiefer. Bei adulten Männchen sind diese Zähne (ähnlich wie die Hauer eines Keilers) auch bei geschlossenem Maul gut sichtbar; im Fall langer Zähne (wie beim Hubbs-Schnabelwal oder beim Layard-Wal) ragen die Zahnspitzen selbst bei geschlossenem Maul oben über die Schnauze (Rostrum) heraus.[3][4] Das lässt vermuten, dass diese langen Zähne auch bei geschlossenem Maul benutzt werden.[3] Bei juvenilen Männchen und bei Weibchen sind die Zähne kleiner und stehen nicht hervor.[4] Die Zahnlänge hat keinen Einfluss auf die Beutegröße.[4] Daneben können verkümmerte Rudimente weiterer Zähne im Ober- und Unterkiefer existieren, denen keine Funktion zugeordnet wird.

Lebensweise[Bearbeiten]

Wie alle Schnabelwale tauchen Zweizahnwale sehr tief und jagen dort Kalmare, die ihre fast ausschließliche Beute sind; beim Layard-Wal machten sie bei einer Auswertung 94,8 % der Mageninhalte aus, davon hauptsächlich Histioteuthis (Histioteuthidae) und Taonius pavo (Gallertkalmare).[4]

Sie leben in Paaren oder kleinen Gruppen zusammen. Vermutungen, die Gruppen wären getrenntgeschlechtig, wurden nicht bestätigt.[2]

Narben am Rücken und an den Flanken vieler männlicher Tiere deuten darauf hin, dass sie mit ihren hervorstehenden Zähnen intraspezifische Rivalenkämpfe austragen.[3][5] Anzeichen für interspezifische Kämpfe gibt es (für Mesoplodon europaeus untersucht) nicht.[6] Über die Fortpflanzung und Tragzeit bestehen keine gesicherten Erkenntnisse.[7] Meist im Frühling oder Frühsommer erfolgt die Geburt eines Kalbes.

Bedrohung[Bearbeiten]

Keine Art dieser Gattung wurde in großem Ausmaß bejagt, dafür gab es einfach zu wenig Sichtungen. Als vorrangige Bedrohungen gelten die Verschmutzung der Meere und die Tatsache, dass sie sich des Öfteren in Fischernetze verfangen und ertrinken. Aber auch die Bedrohung durch Sonare dürfte eine Rolle spielen, denn nach Manövern mit Sonartests kam es manchmal zu Massenstrandungen.[8] Populationsgrößen oder Bedrohungsdaten sind nicht verfügbar.

Identifikation der Arten[Bearbeiten]

Die Arten unterscheiden sich oft nur anhand der Größe und Stellung der Zähne, weswegen es sehr schwierig ist, sie bei Sichtungen zu unterscheiden - bei Weibchen und Jungtieren, deren Zähne nicht sichtbar sind, ist es eigentlich unmöglich.[9] Aber auch gestrandete, tote Exemplare werden immer wieder falsch bestimmt, manchmal helfen nur molekularbiologischer Vergleiche z. B. ihrer mitochondrialen DNA (mtDNA).[1] Etliche Arten sind durch keine einzige zweifelsfreie Sichtung und nur durch wenige Strandungen belegt.[10][11][2]

Zuletzt beschrieben wurden 1991 der Peruanische Schnabelwal[10] und 2002 der durch molekulargenetische Untersuchungen als eigenständige Art erkannte Perrin-Schnabelwal.[11] Beim 1997 beschriebenen Bahamonde-Schnabelwal wurde aufgrund von mtDNA-Vergleichen erkannt, dass die Art dieselbe wie bei einem im 19. Jahrhundert gemachten Schädelfund in Neuseeland ist.[12]

Arten[Bearbeiten]

Die Zusammenstellung fasst die Arten nach Verbreitungsgebiet oder Zahnform zusammen und gibt nicht notwendigerweise die Verwandtschaftsverhältnisse wieder.

Diese drei Arten sind durch kleine, vorne am Kiefer stehende Zähne gekennzeichnet und leben im Nordatlantik, nur vom True-Wal gibt es eine weitere Population im südlichen Indischen Ozean.

Diese vier Arten sind auf die Meere der Südhalbkugel (Südpazifik oder zirkumpolare Verbreitung) beschränkt.

Ihren besonderen ginkgoähnlichen Zähnen verdankt diese im Pazifik und Indischen Ozean lebende Art ihren Namen.

Diese beiden Arten leben im nördlichen Pazifik und sind durch große, im hinteren Teil des Kiefers stehende Zähne charakterisiert.

Diese beiden Arten wurden aufgrund von Strandungen beschrieben. Sie sind die kleinsten Vertreter ihrer Gattung und scheinen nach mtDNA-Vergleichen eng miteinander verwandt zu sein.[11]

Diese manchmal in der Untergattung Dolichodon geführte Art hat die längsten Zähne aller Arten und lebt zirkumpolar auf der Südhalbkugel.

Eine Besonderheit des Blainville-Schnabelwals ist sein Doppel-Sonar, ansonsten unbekannt für Zahnwale.[13][14] Auffällige gebogene Unterkiefer, auf denen die Zähne sitzen, offenbar in geschlechtstypischer Ausprägung, kennzeichnen diese Art,[15] die als einzige weltweit vorkommt. Manchmal wird sie in der Untergattung Dioplodon geführt.

Galt lange Zeit als Synonym von M. ginkgodens und wurde erst im Februar 2014 wieder zu einer gültigen Art.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Merel L. Dalebout et al.: A divergent mtDNA lineage among Mesoplodon beaked whales: molecular evidence for a new species in the tropical Pacific? In: Marine Mammal Science, Band 23, Nr. 4, 2007, S. 954–966, doi:10.1111/j.1748-7692.2007.00143.x.
  2. a b c d S. K. Hooker, Robin W. Baird: Observations of Sowerby's beaked whales, Mesoplodon bidens, in the Gully, Nova Scotia. (PDF; 161 kB) In: Canadian Field-Naturalist, Band 113, Nr. 2, 1999, S. 273–277.
  3. a b c d John E. Heyning: Functional morphology involved in intraspecific fighting of the beaked whale, Mesoplodon carlhubbsi. In: Canadian Journal of Zoology, Band 62, Nr. 8, 1984, S. 1645–1654.
  4. a b c d e K. Sekiguchi, N. T. W. Klages, P. B. Best: The diet of strap‐toothed whales (Mesoplodon layardii). In: Journal of Zoology, Band 239, Nr. 3, 1996, S. 453–463, doi:10.1111/j.1469-7998.1996.tb05935.x.
  5. Colin D. MacLeod: Intraspecific scarring in odontocete cetaceans: an indicator of male ‘quality’ in aggressive social interactions?. In: Journal of Zoology, Band 244, Nr. 1, 1998, S. 71–77.
  6. Stephanie A. Norman, James G. Mead: Mesoplodon europaeus. In: Mammalian Species. 2001, S. 1–5. doi:10.1644/1545-1410(2001)688<0001:ME>2.0.CO;2.
  7. Pamela M. Willis, Robin W. Baird: Sightings and strandings of beaked whales on the west coast of Canada. (PDF; 182 kB) In: Aquatic Mammals, Band 24, Nr. 1, 1998, S. 21–25.
  8. T. M. Cox et al.: Understanding the impacts of anthropogenic sound on beaked whales. In: Journal of Cetacean Research and Management, Band 7, 2006, S. 177–187.
  9. Joseph Curtis Moore: Diagnoses and distribution of beaked whales of the genus Mesoplodon known from North American waters. In: Whales, Dolphins and Porpoises University of California Press, 1966, S. 32–61.
  10. a b c Julio C. Reyes, James G. Mead, Koen Van Waerebeek: A new species of beaked whale Mesoplodon peruvianus sp. n.(Cetacea: Ziphiidae) from Peru. In: Marine Mammal Science, Band 7, Nr. 1, 1991, S. 1–24, doi:10.1111/j.1748-7692.1991.tb00546.x.
  11. a b c d Merel L. Dalebout et al.: A new species of beaked whale Mesoplodon perrini sp. n.(Cetacea: Ziphiidae) discovered through phylogenetic analyses of mitochondrial DNA sequences. In: Marine Mammal Science, Band 18, Nr. 3, 2002, S. 577–608, doi:10.1111/j.1748-7692.2002.tb01061.x.
  12. a b Anton L. Helden et al.: Resurrection of Mesoplodon traversii (Gray, 1874), senior synonym of M. bahamondi Reyes, Van Waerebeek, Cárdenas and Yañez, 1995 (Cetacea: Ziphiidae). In: Marine Mammal Science, Band 18, Nr. 3, 2002, S. 609–621.doi:10.1111/j.1748-7692.2002.tb01062.x
  13. P. T. Madsen et al.: Biosonar performance of foraging beaked whales (Mesoplodon densirostris). In: Journal of Experimental Biology, Band 208, Nr. 2, 2005, S. 181–194, doi:10.1242/jeb.01327.
  14. M. Johnson et al.: Foraging Blainville's beaked whales (Mesoplodon densirostris) produce distinct click types matched to different phases of echolocation. In: Journal of Experimental Biology, Band 209, Nr. 24, 2006, S. 5038–5050, doi:10.1242/jeb.02596.
  15. Joseph C. Besharse: Maturity and sexual dimorphism in the skull, mandible, and teeth of the beaked whale, Mesoplodon densirostris. In: Journal of Mammalogy. 1971, S. 297–315.
  16. Merel L. Dalebout, C. Scott Baker, Debbie Steel, Kirsten Thompson, Kelly M. Robertson, Susan J. Chivers, William F. Perrin, Manori Goonatilake, R. Charles Anderson, James G. Mead, Charles W. Potter, Lisa Thompson, Danielle Jupiter, Tadasu K. Yamada. Resurrection of Mesoplodon hotaula Deraniyagala 1963: A new species of beaked whale in the tropical Indo-Pacific. Marine Mammal Science, 2014; DOI: 10.1111/mms.12113

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mesoplodon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien