Zwergplanet

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Künstlerische Darstellung der größten bekannten transneptunischen Objekte und ihrer Monde im maßstäblichen Größenvergleich mit der Erde

Zwergplaneten sind eine von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) am 24. August 2006 in Prag definierte Klasse von Himmelskörpern im Sonnensystem, die sich auf einer Umlaufbahn um die Sonne bewegen. Wie die Planeten besitzen sie genügend Masse, um das hydrostatische Gleichgewicht zu erreichen (also die Form einer Kugel anzunehmen, vorbehaltlich der Verformung zu einem Rotationsellipsoid durch die Eigenrotation). Im Unterschied zu Planeten haben sie ihre Umlaufbahnen aber nicht von anderen Objekten freigeräumt. Zwergplaneten außerhalb der Umlaufbahn Neptuns bilden die Unterklasse der Plutoiden.

Mit Ceres, Pluto, Haumea, Makemake und Eris gelten derzeit (2012) fünf Himmelskörper als Zwergplaneten. Zudem gibt es einige hundert weitere Objekte im Sonnensystem, welche möglicherweise die Definition der IAU erfüllen, aber aufgrund fehlender Daten nicht offiziell als Zwergplaneten anerkannt sind.

Definition[Bearbeiten]

Die Kategorie Zwergplanet ist eine von insgesamt drei Kategorien, die die IAU für das Sonnensystem festgelegt hat.[1] Die Objekte verteilen sich hiernach auf:

Planeten
Objekte, die sich auf einer Bahn um die Sonne befinden, über eine ausreichende Masse verfügen, um durch ihre Eigengravitation eine annähernd runde Form (hydrostatisches Gleichgewicht) zu bilden, die Umgebungen ihrer Bahnen bereinigt haben (siehe planetarische Diskriminante) und selbst keine Sterne sind.
Zwergplaneten
Objekte, die sich auf einer Bahn um die Sonne befinden, über eine ausreichende Masse verfügen, um durch ihre Eigengravitation eine annähernd runde Form (hydrostatisches Gleichgewicht) zu bilden, die Umgebungen ihrer Bahnen nicht bereinigt haben und keine Satelliten (Monde) sind.
Plutoiden
Unterklasse der Zwergplaneten, die auf Umlaufbahnen außerhalb der Neptunbahn um die Sonne kreisen.
Kleinkörper
Objekte, die sich auf einer Bahn um die Sonne befinden, über keine ausreichende Masse verfügen, um durch ihre Eigengravitation eine annähernd runde Form (hydrostatisches Gleichgewicht) zu bilden, die Umgebungen ihrer Bahnen nicht bereinigt haben und keine Satelliten sind. Hierzu gehören die unregelmäßig geformten Asteroiden (auch als Kleinplaneten oder Planetoiden bezeichnet) und Kometen.

Die ursprüngliche Bezeichnung „Plutone“ für eine neue Unterklasse der Zwergplaneten, welche jenseits des Neptun um die Sonne laufen, stieß vor allem in der Gemeinde der Geoforscher, die den Begriff bereits anderweitig verwenden (siehe Pluton (Geologie)), auf Widerspruch und wurde verworfen. Aber auch die latinisierte Form Plutoiden, ein Vorschlag von Mitgliedern des IAU-Komitees für Benennung kleiner Himmelskörper, konnte sich vorerst nicht durchsetzen, die zunächst namenlose Unterklasse wurde aber trotzdem geschaffen. Im Juni 2008 hat das Exekutivkomitee der IAU auf seiner Sitzung in Oslo diese Unterklasse schließlich doch mit Plutoiden bezeichnet.[2]

Klassifizierte Zwergplaneten[Bearbeiten]

Momentan (2012) werden fünf Himmelskörper von der IAU als Zwergplaneten eingestuft.[3] Eine weitere Übersicht bietet die Liste der Zwergplaneten des Sonnensystems.

Zwergplaneten im Asteroidengürtel[Bearbeiten]

Ceres
Ceres, das größte Objekt im Asteroidengürtel, wurde ebenfalls als Zwergplanet eingestuft, weil sie eine ausreichende Masse für ein hydrostatisches Gleichgewicht besitzt. Ceres ist kugelförmig und verfügt über einen planetenartigen Aufbau – im Gegensatz zu den zahlreichen anderen Asteroiden, die nur unregelmäßig geformte Felsbrocken sind. Ceres wurde nach ihrer Entdeckung durch Giuseppe Piazzi im Jahre 1801 zunächst als Planet klassifiziert. Bis zur Entdeckung des achten Planeten Neptun im Jahre 1846 wurden vier weitere Asteroiden (Pallas, Juno, Vesta, Astraea) entdeckt, die damals allesamt als vollwertige Planeten bezeichnet wurden. Damit wurden im Jahre 1846 insgesamt 13 Objekte als Planeten bezeichnet. Weil ab 1847 laufend neue Objekte zwischen Mars und Jupiter entdeckt wurden, führten Astronomen 1851 eine neue Kategorie ein: Die der Asteroiden (Planetoiden). Die Zahl der großen Planeten belief sich danach auf acht.

Transneptunische Zwergplaneten (Plutoiden)[Bearbeiten]

Die zwei Hemisphären des Pluto, aufgenommen im blauen Licht und per Computerbearbeitung vergrößert.
Pluto
Pluto wurde 1930 von Clyde Tombaugh am Lowell-Observatorium in Flagstaff (Arizona) entdeckt und galt 76 Jahre lang als neunter Planet unseres Sonnensystems. Er verfügt über fünf Monde, wovon der größte, Charon, den halben Plutodurchmesser hat.
Am 24. August 2006 wurde ihm von der IAU jedoch der Status eines vollwertigen Planeten aberkannt, weil er nicht wie die anderen großen Planeten das dominierende Objekt in seiner Umlaufbahn ist. Auch ist seine Bahn um die Sonne stark geneigt und zeigt eine große Exzentrizität. Zudem wurde mit Eris ein Objekt entdeckt, das größer als Pluto ist, weswegen beide in die neue Kategorie der Zwergplaneten eingestuft wurden.
Eris und Dysnomia
Eris
Das am 29. Juli 2005 bekannt gemachte Objekt Eris ist minimal größer und etwas schwerer als Pluto. Weil beide Objekte ähnliche Eigenschaften aufweisen, wäre eine Zuweisung in unterschiedliche Kategorien nicht sinnvoll gewesen, weshalb sie beide in die neue Kategorie der Zwergplaneten eingeordnet wurden.
Makemake
Am 14. Juli 2008 wurde dem Kuiperobjekt 2005 FY9 der Name Makemake und der Status eines Zwergplaneten zugewiesen.[4]
Haumea
Am 17. September 2008 wurde dem Kuiperobjekt 2003 EL61 der Name Haumea und der Status eines Zwergplaneten zugewiesen.[5] Wegen seiner schnellen Rotation hat er mit einem Äquatordurchmesser von etwa 2200 km bei einem Abstand der Pole von nur etwa 1100 km eine stark ellipsoide Form.

Kandidaten[Bearbeiten]

Einige Hundert[6] andere Objekte im Sonnensystem sowohl im Asteroidengürtel (etwa Vesta, Pallas, Hygiea) als auch im transneptunischen Bereich (etwa Orcus, Quaoar, Sedna oder Varuna) könnten ebenfalls in die Kategorie der Zwergplaneten fallen. Die IAU arbeitet an der Einstufung weiterer Zwergplaneten. Die Kandidaten werden auf einer Beobachtungsliste geführt. Zurzeit reichen die für diese Objekte vorliegenden Beobachtungen noch nicht aus, um sicherstellen zu können, dass sie sich im hydrostatischen Gleichgewicht befinden.

Kritik[Bearbeiten]

Die Definition ist jedoch umstritten, weil sich immer wieder Kritiker melden und das letzte Kriterium anders auslegen. So hat die Erde, klassifiziert als Planet, immer noch etwa zehntausend Objekte in ihrer Bahn. Auch in Jupiters Orbit befinden sich noch viele Objekte (Trojaner). Die Erde wie auch Jupiter haben ihre Bahnen dennoch freigeräumt, weil es hierbei um das Masseverhältnis von Hauptkörper zu restlichen Körpern im selben Orbit geht. Dieses Verhältnis ist bei den heute als Planeten eingestuften Himmelskörpern so groß, dass der Masseanteil der restlichen Körper im Orbit dieser Planeten verschwindend gering ist; es beträgt im Falle der Erde lediglich 1/1.700.000. Die Definition bezieht sich ausschließlich auf das Sonnensystem und nicht generell auf Planetensysteme. Auch dies ist ein Kritikpunkt.

Quellen[Bearbeiten]

  1. IAU 2006 General Assembly: Result of the IAU Resolution votes. 24. August 2006, Prag
  2. IAU 2008: Plutoid chosen as name for Solar System objects like Pluto. 11. Juni 2008, Paris
  3. IAU names fifth dwarf planet Haumea. 17. September 2008, abgerufen am 4. September 2012.
  4. IAU 2008: Fourth dwarf planet named Makemake. 17. Juli 2008, Paris
  5. IAU 2008: IAU names fifth dwarf planet Haumea. 17. September 2008, Paris
  6. How many dwarf planets are there in the outer solar system? (updates daily). Abgerufen am 4. September 2012.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zwergplaneten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien