Zwillbrocker Venn
| Zwillbrocker Venn
IUCN-Kategorie IV - Habitat / Species Management Area |
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Flamingos im Zwillbrocker Venn. |
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| Lage | Vreden, Kreis Borken, NRW, Deutschland | |
| Fläche | 176 ha | |
| Kennung | BOR-008 | |
| WDPA-ID | 7103 | |
| Natura 2000-Nr. | DE-3906-301, DE-3807-401 | |
| FFH-Gebiet | 245 ha (umfasst auch das benachbarte NSG Ellewicker Feld) | |
| Vogelschutzgebiet | 23,24 km² (in Summe mit benachbarten Moorgebieten) | |
| Geographische Lage | 52° 3′ N, 6° 42′ O52.0452777777786.7Koordinaten: 52° 2′ 43″ N, 6° 42′ 0″ O | |
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| Seehöhe | von 29 m bis 39 m (ø 35 m) | |
| Einrichtungsdatum | 1938 | |
| Verwaltung | Biologische Station Zwillbrock | |
| Besonderheiten | Weltweit nördlichster Brutplatz für Flamingos. | |
Das Zwillbrocker Venn ist ein Wald-, Moor-, Feuchtwiesen- und Gewässergebiet in Nordrhein-Westfalen, unmittelbar an der Grenze zu den Niederlanden. Bereits 1938 wurden Teile des Gebietes als Naturschutzgebiet ausgewiesen.
Inhaltsverzeichnis |
Geographie und Geschichte[Bearbeiten]
Das Zwillbrocker Venn befindet sich im Münsterland westlich von Vreden nahe dem Ortsteil Zwillbrock und ist aus einem Torfmoor entstanden. Nach dem Ende des Torfabbaus verblieb ein See mit geringer Tiefe, der heute Heimat einer vielschichtigen Pflanzen- und Tierwelt ist.
Das Zwillbrocker Venn ist ferner uralter Siedlungsraum: Bodenfunde weisen auf Jäger- und Sammlergruppen am Rande des Venns während der ausgehenden Altsteinzeit (ca. 10.000 v. Chr.) hin.
Tierwelt[Bearbeiten]
Das Zwillbrocker Venn gilt als größte binnenländische Lachmöwenkolonie Deutschlands (ca. 16.000 Tiere) und nördlichster Brutplatz für Flamingos weltweit (ca. 40 Tiere). Während die Möwen ganzjährig im Zwillbrocker Venn zu finden sind, zieht es die Flamingos in den Wintermonaten ins südwestliche Holland.
Insgesamt sind im Zwillbrocker Venn etwa 100 Tierarten heimisch, darunter viele seltene Spezies.
Flamingos im Zwillbrocker Venn[Bearbeiten]
Im Zwillbrocker Venn kommen die Arten Rosaflamingo (Phoenicopterus roseus), Kubaflamingo (Phoenicopterus ruber) und Chileflamingo (Phoenicopterus chilensis) vor. Natürlicherweise kommt der Rosaflamingo in Süd-Europa, Afrika, Südwest-Asien und Süd-Asien, der Kubaflamingo in der Karibik und Südamerika und der Chileflamingo in Südamerika vor. 1970 wurden im Venn erstmals zwei Flamingos unbestimmter Artzugehörigkeit beobachtet. In den nächsten Jahren gab es weitere Einzelbeobachtungen. Im Jahr 1982 siedelten sich dann sechs Chileflamingos im Venn an und bauten Nester. Es kam zu keinem Bruterfolg. 1983 erschienen im Frühjahr zwölf Chileflamingos und erstmals schlüpften zwei Jungvögel. Ein Jungvögel verstarb und der andere Jungvogel wurde in einen Tierpark gebracht, da man vermutete dass dieser unter den Umweltbedingungen Mitteleuropas nicht flügge werden könnte. 1985 wurden drei Jungvögel in Tierparks verfrachtet, während einer in der Natur ausfliegen durfte. Von 1983 bis 1989 wurden insgesamt 13 Jungvögel in Tierparks gebracht. 1986 tauchte erstmals der Rosaflamingo in der Flamingokolonie auf. Seit 1993 wurden auch Jungvögel des Rosaflamingos flügge. Im Jahr 1994 taucht erstmals der Kubaflamingo in der Kolonie auf. Es gab immer wieder erfolgreiche Mischbruten Chileflamingo x Rosaflamingo und Rosaflamingo x Kubaflamingo. Wobei vom Kubaflamingo überhaupt meist nur ein Vogel in der Kolonie war. 2006 erfolgte der erste Nachweis des Zwergflamingo (Phoeniconaias minor) in der Kolonie. Vom Zwergflamingo wurden bis 2010 nur Einzelvögel beobachtet, welche nicht am Brutgeschäft beteiligt waren. Seit 1989 waren, Jungvögel eingeschlossen, 26 bis 40 Flamingos pro Jahr in der Kolonie.
Von 1993 bis 2006 wurden pro Jahr sechs bis 17 Brutpaare Flamingos im Venn gezählt. Inzwischen hat schon die dritte Generation von Flamingos in der Kolonie gebrütet. Von 1983 bis 1995 gab es jedes Jahr Jungvögel in der Kolonie. Von 1996 bis 2000 waren alle Bruten erfolglos wegen Prädation durch Raubsäuger, hauptsächlich wohl durch den Rotfuchs. Die Raubsäuger konnten ab 1996 die Brutinsel wegen der Verlandung im See erreichen. Seit 2001 gibt es wieder Bruterfolg, da optimale Brutplatzbedingungen durch die Regulierung des Wasserstands im See und den Bau eines Elektrozaunes geschaffen wurden. Von 1983 bis 2005 wurden 177 Nester gebaut und 72 Jungvögel flügge. 40,7 % der Jungvögel der Kolonie wurden flügge und erreichen damit Werte wie bei Kolonien anderswo in Welt. Bis 2005 wurde pro Jahr ein bis acht Jungvögel flügge.
Seit 1987 werden die Jungvögel der Kolonie beringt. Von 1995 an wurden 5,5 cm hohe Plastikringe mit Code genutzt. Diese Code-Ringe können mit dem Fernglas abgelesen werden und genaue Daten zu einzelnen Tieren liefern.
Nach dem Abzug aus dem Venn im Herbst werden Rastgebiete wie Ijsselmeer, Veluvemeer und Oostvaarders Plassen aufgesucht. Überwinterungsgebiet ist das Volkerakmeer im Rhein-Maas-Delta. Anfangs werden die Jungvögel noch von den Eltern gefüttert. Ende Februar bis Anfang März kehren die Flamingos, je nach Witterungs ins Venn zurück. In strengen Wintern kommen sie hingegen erst Anfang April ins Gebiet zurück. Die Supadulten (Vögel welche im Vorjahr erbrütet wurden) bleiben in der Regel im Überwinterungsgebiet und kommen erst als Adulte wieder zur Kolonie.
Die Flamingos im Venn leben vom Plankton im See. Wegen des Kots der mehrere Tausend dort brütender Lachmöven gibt es ausreichend Plankton für die Flamingos. Die Flamingos der Kolonie zeigen auch die gleiche Rotfärbung des Gefieders wie an anderen Kolonien.
Die genaue Herkunft der verschiedenen Flamingos konnte nie geklärt werden. Es wird davon ausgegangen dass es sich bei den Chileflamingos, Zwergflamingo und Kubaflamingos um aus Tierhaltungen entflogene Vögel handelt, da wilde Flamingos dieser Arten nicht bis Europa kommen. Bei den Rosaflamingos in der Kolonie könnten auch Wildvögel aus Südeuropa sein.
Die Flamingos haben sich zur Hauptattraktion und zum Sympathieträger des Zwillbrocker Venn entwickelt. Verschiedene Medien haben wiederholt über die Flamingo-Kolonie berichtet. Shirts, Tassen usw. mit Flamingomotiven werden in der Region verkauft. Die Flamingos haben sich zu einem Alleinstellungsmerkmal der Region entwickelt und werden als Marketing-Label genutzt.
Tourismus[Bearbeiten]
Das 176 ha große Zwillbrocker Venn ist als Natur- und Vogelschutzgebiet eingestuft und gemeinsam mit der Barockkirche St. Franziskus aus dem 18. Jahrhundert im Ort Zwillbrock ein beliebtes Touristenziel. Auf dem ca. 6 Km langen Rundwanderwegen mit drei Beobachtungshütten lässt sich das Venn erkunden. Die Aussichtsplattformen bieten hierbei einen guten Blick auf die Tierwelt.
Die biologische Station Zwillbrock betreut verschiedene Naturschutzgebiete im Kreis Borken und bietet u. a. Führungen durch das Venn an. In einer Dauerausstellung werden umfangreiche Informationen zu den Naturschutzgebieten gegeben.
Ferner führen mehrere Radwanderwege aus Deutschland und den Niederlanden zum Zwillbrocker Venn. Zu diesen Radwanderwegen gehört die über 300 km lange, grenzüberschreitende Flamingoroute, die ihren Namen den im Zwillbrocker Venn brütenden Flamingos verdankt.
Literatur[Bearbeiten]
- Gisela Eber, Claus Schäfer: Das Zwillbrocker Venn. Ein Naturschutzgebiet in Vreden. Vreden 1973.
- Joop Treep, Dietmar Ikemeyer: Flamingos im Zwillbrocker Venn. LÖBF-Mitteilungen 2006/3: 12-16.
Weblinks[Bearbeiten]
- Ellewicker Feld und Zwillbrocker Venn (NaTourZeit). Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten NRW, abgerufen am 24. April 2011 (PDF; 531 kB, deutsch).
- Biologische Station Zwillbrock