Zwillinge (Sternbild)

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Sternbild
Zwillinge
Legende
Sternkarte Gemini.png
Karte des Sternbilds Zwillinge
Lateinischer Name Gemini
Lateinischer Genitiv Geminorum
Kürzel Gem
Rektaszension 600306h 00m 30s bis 807588h 07m 58s
Deklination 2094835+9° 48′ 35″ bis 2352326+35° 23′ 26″
Fläche 514 deg²
Rang 30
Vollständig
sichtbar
90° Nord bis 55° Süd
Beobachtungszeit
für Mitteleuropa
Winter
Anzahl der Sterne
heller als 3 mag
4
Hellster Stern
(Größe)
Pollux (1,16)
Meteorströme
Nachbarsternbilder
(von Norden im
Uhrzeigersinn)

Die Zwillinge (lateinisch Gemini, astronomisches Zeichen: ♊) sind ein Sternbild auf der Ekliptik.

Beschreibung[Bearbeiten]

Das Sternbild Zwillinge, wie es mit dem bloßen Auge gesehen werden kann

Die Zwillinge bilden ein lang gezogenes Rechteck. Die auffällig hellen Sterne Castor (Kastor) und Pollux bilden die beiden nordöstlichen Eckpunkte.

Durch den östlichen Teil der Zwillinge zieht sich das Band der Milchstraße, daher findet man in diesem Bereich mehrere offene Sternhaufen.

Da die Zwillinge auf der Ekliptik liegen, ziehen Sonne, Mond und die Planeten durch das Sternbild. Die Sonne durchläuft die Zwillinge gegenwärtig vom 21. Juni bis zum 21. Juli. Legt man die heutigen Sternbildgrenzen zu Grunde, befand sich der Sommerpunkt von 15 v. Chr. bis 19. Oktober 1989 n. Chr. in diesem Sternbild.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Zwillinge gehören zu den 48 Sternbildern der antiken Astronomie, die bereits von Claudius Ptolemäus beschrieben wurden. Das Sternbild ist der Ursprung des Tierkreiszeichens Zwillinge. Aufgrund der Präzessionsbewegung der Erdachse hat sich der Durchgang der Sonne gegenüber der Antike aber verschoben.

Im Jahre 1930 wurde der Zwergplanet Pluto bei der Auswertung fotografischer Platten in den Zwillingen entdeckt.

Mythologie[Bearbeiten]

Details siehe Artikel: Dioskuren

In der griechischen Mythologie waren Kastor und Polydeukes (lat. Pollux) unzertrennliche Zwillingsbrüder. Ihre Mutter, Leda, empfing Kastor von ihrem Ehemann, König Tyndareos von Sparta, und Polydeukes von Zeus, der sich ihr in der Gestalt eines Schwans näherte. Daher war Kastor menschlich und sterblich, Polydeukes dagegen von göttlicher Herkunft und unsterblich. Die Brüder schlossen sich Iason und den Argonauten bei deren Suche nach dem goldenen Vlies an und erlebten zahlreiche Abenteuer. Bei einem Streit mit ihren Weggefährten, den Zwillingsbrüdern Lynkeus und Idas ging Pollux als einziger Überlebender hervor. Er wandte sich an seinen göttlichen Vater und bat ihn, seine eigene Unsterblichkeit mit Kastor teilen zu dürfen. Fortan verbringen die Brüder ihre Tage abwechselnd im Hades oder auf dem Olymp. Außerdem wurden sie als Sternbild am Himmel verewigt.

Die Araber sahen in dem Sternbild einen liegenden Löwen.

Himmelsobjekte[Bearbeiten]

Sterne[Bearbeiten]

B F Namen o. andere Bezeichnungen Größe Lj Spektralklasse
β 78 Pollux 1,16m 34 K0 III
α 66 Castor 1,58m 50 A1 V
γ 24 Alhena, Almeisan 1,93m 105 A0 IV
μ 13 Tejat Posterior, Nuhatai, Calx 2,94 bis 3,00m 250 M3 III
ε 27 Mebsuta 3,06m 900 G8 Ib
η 7 Tejat Prior 3,24 bis 3,96m 250 M3 III
ξ 31 Alzir 3,4m 64 F5 III
δ 55 Wasat 3,50m 60 F2 IV
θ 34 3,6m 150 A3 III
κ 77 3,57m 150 G8 III
λ 54 3,58m 80 A3 V
ζ 43 Mekbuda 3,7 bis 4,2m 1200 G0 + G1
ι 60 3,78m 150 K0 III
υ 69 4,06m 250 M0 III
ν 18 4,13m 300 B7 IV
1 4,16m
ρ 62 4,16m 60 F0 V
σ 75 4,23m
τ 46 4,41m
30 4,49m
e 38 4,73m 80 A9 + G5
ο 71 4,89m 60 F0 V
A 57 4,89m
g 81 4,89m
χ 4,94m
φ 83 4,97m
b 65 5,01m
f 74 5,04m
51 5,07m
64 5,07m
56 5,09m
π 80 5,14m
ω 42 5,20m
63 5,20m
d 36 5,28m

Pollux (β Geminorum), der hellste Stern in den Zwillingen, ist 34 Lichtjahre entfernt. Er ist ein orange leuchtender Riesenstern der Spektralklasse K0.

γ Geminorum ist ein 105 Lichtjahre entfernter, weiß leuchtender Stern der Spektralklasse A0. Die Namen Alhena oder Almeisan sind altarabischen Ursprungs und bedeuten so viel wie „das Brandzeichen“ bzw. „der Scheinende“.

ε Geminorum ist trotz seiner Entfernung von etwa 900 Lichtjahren auffallend hell. Es handelt sich um einen Riesenstern der Spektralklasse G5 mit dem 150fachen Durchmesser unserer Sonne.
Der arabische Name Mebsuta leitet sich von „die ausgestreckte Pranke des Löwen“ ab.
Der Stern liegt fast genau auf der Ekliptik, daher wird er mitunter von Planeten bedeckt. Im Jahre 1976 zog der Mars von der Erde aus gesehen genau vor dem Stern vorbei.

Der 60 Lichtjahre entfernte Stern δ Geminorum liegt ebenfalls in unmittelbarer Nähe der Ekliptik. Im Jahre 1857 wurde er vom Saturn bedeckt. Der arabische Name Wasat bedeutet „die Mitte“.

Doppelsterne[Bearbeiten]

System Größen Abstand
α 1,9/2,9m 4,3"
ζ 4,0/7,6m 101"
38 Gem 4,7/sup>/7,7m 7,1"

Castor (α Geminorum) ist ein komplexes Mehrfachsystem, bei dem drei Hauptsterne um einen gemeinsamen Schwerpunkt kreisen. Jeder der Hauptsterne wird wiederum von einem lichtschwachen Begleiter umkreist, der allerdings nicht im Teleskop sichtbar ist und nur spektroskopisch nachweisbar ist. Die drei Hauptsterne können bereits mit einem kleineren Teleskop beobachtet werden.

Veränderliche Sterne[Bearbeiten]

Objekt Größe Periode Typ
μ 2,94 bis 3,00m unregelmäßig Veränderlicher
η 3,24 bis 3,96m 235 Tage, 3 Tage halbregelmäßig, bedeckungsveränderlich
ζ 3,7 bis 4,2m 10,15 Tage Bedeckungsveränderlicher

μ Geminorum ist ein veränderlicher Stern, dessen Helligkeit sich ohne erkennbare Regelmäßigkeit verändert. Es handelt sich um einen tiefrot leuchtenden Stern der Spektralklasse M0. Der Name Tejat Posterior bedeutet der „hintere Fuß“.

η Geminorum ist ein Roter Riese in 190 Lichtjahren Entfernung, dessen Helligkeit mit einer Periode von etwa 235 Tagen schwankt. Er ist ein halbregelmäßig Veränderlicher (Typ SRc). Darüber hinaus ist er ein bedeckungsveränderlicher Stern, da er von einem lichtschwachen Begleiter umkreist wird, der ihn etwa alle drei Tage teilweise bedeckt.

ζ Geminorum ist ein 1200 Lichtjahre entfernter veränderlicher Stern vom Typ der Delta-Cepheiden. Der arabische Name Mekbuda leitet sich von „die eingezogene Pranke des Löwen“ ab.

Messier- und NGC-Objekte[Bearbeiten]

Messier (M) NGC sonstige Größe Typ Name
35 2168 5,5m Offener Sternhaufen
2129 7m Offener Sternhaufen
2158 9m Offener Sternhaufen
2266 9,5m Offener Sternhaufen
2331 9,5m Offener Sternhaufen
2356 9,7m Offener Sternhaufen
2392 9m Planetarischer Nebel Eskimonebel
2395 8m Offener Sternhaufen
2420 8,3m Offener Sternhaufen

Das Messierobjekt M 35 ist ein offener Sternhaufen in ca. 3.000 Lichtjahren Entfernung. Er ist bereits mit bloßem Auge als nebliger Fleck erkennbar. Mit einem Prismenfernglas kann er in Einzelsterne aufgelöst werden. Bei höherer Vergrößerung im Teleskop werden immer mehr Einzelsterne (insgesamt etwa 200) sichtbar.

NGC 2129 ist ein offener Sternhaufen in 6.000 Lichtjahren, der allerdings nur wenige Sterne enthält.

In der Nähe des Sterns δ Geminorum findet man NGC 2392, einen planetarischen Nebel in 2.500 Lichtjahren Entfernung. Damit bezeichnet man einen Stern, der am Ende seiner Entwicklung seine äußere Gashülle abgestoßen hat. Zurück bleibt ein Weißer Zwergstern. Im Teleskop erscheint NGC 2392 als nebliger runder Fleck. Auf langbelichteten Fotografien werden Strukturen erkennbar, die an ein Gesicht erinnern, das von einer Fellkapuze eingerahmt wird. Daher erhielt das Objekt den Namen Eskimonebel.

Weitere Objekte[Bearbeiten]

Jonckheere 900, ein planetarischer Nebel welcher 1912 von Robert Jonckheere entdeckt wurde

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gemini – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Zwillinge – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen