Zwinger (Dresden)
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Der Dresdner Zwinger ist ein barockes Bauwerk in Dresden, umgeben von Semperoper, Theaterplatz, Hofkirche, Schloss, Schinkelwache, Taschenbergpalais, Schauspielhaus und Der Herzogin Garten.
Im Zwinger sind verschiedene Museen untergebracht, darunter im Semperbau die herausragende Gemäldegalerie Alte Meister sowie die Rüstkammer, in anderen Gebäuden der Mathematisch-Physikalische Salon und die Porzellansammlung.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Begriff
Die Bezeichnung „Zwinger“ ist übernommen von der im Mittelalter üblichen Bezeichnung für einen Festungsteil zwischen der äußeren und inneren Festungsmauer und nimmt damit Bezug auf die Dresdner Befestigungsanlagen. Der Dresdner Zwinger steht zwar mit seiner Frontseite (Kronentor) auf der äußeren Festungsmauer, hat aber nicht diese mittelalterliche Zwinger-Funktion, sondern war als Vorhof eines neuen Schlosses konzipiert, das – mit einem anderen Gebäude anstelle des Semperbaues beginnend – den Platz bis zur Elbe einnehmen sollte. Aber eine der frühen Vorläufernutzungen bestand in einem Königlichen Zwingergarten für die Versorgung des Hofes. Dieser lag zwischen den mittelalterlichen Befestigungen und den Wallanlagen der Renaissance.[1]
[Bearbeiten] Geschichte
[Bearbeiten] Anlage des Zwingergartens
Die ersten Schritte zu einem „Zwingergarten“ unternahm Kurfürst Moritz, als er 1549 eine solche Anlage nach dem Vorbild des Prager Schlossgartens durch seinen Hofgärtner Nicolaus Fuchs veranlasste. Der Kurfürst gilt zusammen mit seiner Gemahlin Anna allgemein als Begründer des sächsischen Gartenbaus und hat als früher Pomologe zur Obstkultur in Sachsen Wesentliches beigetragen. In dieser Zeit existierten neben dem Zwingergarten im Bereich der alten Stadtwälle weitere gartenbauliche Anlagen mit Baumbepflanzungen und Lustgärten. Der Zwingergarten befand sich näher am Schloss und somit unweit von dem Ort der heutigen Zwingeranlage. Die mittelalterlichen Befestigungsanlagen zogen damals einen engeren Bogen um die alte Stadt.
Die hohe kurfürstliche Kenntnis über Gartenbau dokumentiert sich unter anderem in seinem Erlass …zur Verbesserung des Bodens im Zwingergarten und Baumgarten den Schlamm und die gute Erde aus dem See beim Jacobshospital in die Gärten des vesten Baues (gemeint sind die Dresdner Befestigungsanlagen) zu schaffen. Nach anfänglichen Bemühungen mit niederländischen und französischen Gärtnern entschied sich Kurfürst Moritz 1568 für die Anstellung von Georg Winger aus Nürnberg zum kurfürstlichen Hofgärtner.
Seine Nachfolger, die Kurfürsten Christian I. und Christian II., förderten die Entwicklung der Gartenanlagen auf den Wällen und sorgten in besonderer Weise für den Zwingergarten. Dort wurden neue Wege angelegt und Beete mit Steinumfriedungen versehen.[2]
Von den verheerenden Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges blieben die Anlagen des Zwingergartens weitgehend unberührt.[3]
Die große Anteilnahme des Hofes unter der Regentschaft von Kurfürst Johann Georg II. am Gartenbau belegt, dass vielseitige Obstsorten willkommen waren. Ein Chronist dieser Zeit vermerkt …auch in dem sogenannten Zwinger-Garten, so hinter dem Churfürstlichen Residentz-Schlosse innerhalb der Fortification gelegen, vielerley Sorten Feygenbäume zu finden, worunter einige an dem Stamme eine völlige Mannesdicke halten, welche herrliche und überflüssige Früchte geben.[4]
[Bearbeiten] Ausbau des Zwingers unter August dem Starken
Die Regierungszeit von Kurfürst Friedrich August I. (August der Starke) ist mit einer intensiven baulichen Entwicklung der Stadt Dresden verbunden. Zum Beginn seiner Regentenzeit (1694) waren die Dresdner Bauten durch eine Holzarchitektur geprägt. Schon die zuvor von ihm unternommene Cavalierstour durch Europa (1687-1689) hinterließ vielseitige Eindrücke und bestärkte ihn, seine Stadt durch ein neues architektonisches Bild so zu prägen, dass es den großen Vorbildern in Frankreich und Italien entsprechen konnte. So setzte er in besonderer Weise auf den künstlerischen und planerischen Einfluss französischer und italienischer Gedanken und Fachleute.
Zu seinen wesentlichen Leistungen zählt die Veränderung des Stadtbildes durch repräsentative steinerne Bauten und großzügig geplante Gartenanlagen. Der Schlossbrand von 1701 bestärkte seine Bestrebungen nach Ausbau der Residenz und ihrer Stadt, die damals 30.000 Einwohner zählte.
Das Zwingerprojekt genoss durch die auf seinen Reisen gesammelten Erfahrungen bei Friedrich August I. große Aufmerksamkeit.
Konkrete erste Überlegungen führten bereits 1701 zu einem als erstes Project bezeichneten Plan, der ein neues Schloss mit Gärten und Höfen vorsah. Der westlich vom Schloss etwas entfernt gelegenen alten Orangerie- oder Zwingergarten erschien bereits zu diesem Zeitpunkt als unzeitgemäß und nicht mehr den Bedürfnissen entsprechend. Einen gewissen Einfluss auf die Neigungen des Kurfürsten könnten Eindrücke ausgeübt haben, die er als Kind bei den höfischen Comödienspielen sammelte, bei denen er als Diener eines Gärtners auftrat.[5]
Der älteste erhaltene Plan stammt vom Hofarchitekt Dietzen und trägt den Titel eines Grund- und Aufzugsrisses vom Schlosse zu Dresden, ist von Sr. Kgl. Majestät und Churfürstl. Durchlaucht zu Sachsen selbsten inventiret und ordonniret und von dero Architekte Dietzen allerunterthänigst verfertiget worden im Jahre 1703. Darin ist ein architektonisch gestalteter Lustgarten an einer alten Bastei (zur scharfen Ecke) der ehemaligen Befestigungsanlage verzeichnet.[6]
Die Baugeschichte des barocken Zwingers begann im Jahre 1709, als im Auftrag von August dem Starken zunächst nur erste Geländearbeiten erfolgten und ein von Holzgebäuden flankierter halbrunder Platz mit seitlicher Terrassierung, in Anlehnung an die Form eines Amphitheaters, entstand. 1711 begannen der Bau von Bogengalerien, Nymphenbad und Mathematisch-Physikalischen Salon. Mit diesem anspruchsvollen Vorhaben waren der Landesbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann und der Bildhauer Balthasar Permoser beauftragt. Unter Permoser arbeiteten weitere erfahrene Fachleute der Bildhauerei, wie Johann Benjamin Thomae, Paul Heermann (zuvor am Schloss Troja arbeitend), Johann Christian Kirchner (aus Merseburg) und Johann Joachim Kretzschmar (aus Zittau).[7]
Pöppelman bereiste in Vorbereitung und während der Ausführung des Zwingerbaus verschiedene europäische Städte, um mit eigenen Architekturstudien projektbezogene Anreize und vergleichende Eindrücke aufzunehmen. Er reiste 1710 auf Kosten seines Auftraggebers über Prag, Wien und Florenz nach Rom und Neapel, später noch einmal nach Paris (1715). Für die erste Reise stand Pöppelmann ein Budget von 1000 Talern zur Verfügung, was etwa zwei seiner Jahresgehälter entsprach. Der Kurfürst verfügte am 4. Januar 1710 … daß der Landbaumeister Pöppelmann nachher nach Wien und Rom gehen soll umb deren Orthen sich der itzigen Arth des Bauens sowohl an Palaesten, alß Gärthen zu ersehen, …. In Prag beobachtete er die kühnen Barockbauten von Christoph Dientzenhofer (St. Nikolaus auf der Kleinseite und die Klosterkirche in Břevnov).[8]
Im Jahr 1719 erreichten die Bauarbeiten am Zwinger einen vorläufigen Abschluss. Die für dieses Jahr angesetzten Hochzeitsfestlichkeiten des Kurfürstensohnes erforderten ein Festareal. Das neue Bauwerk wurde hierfür hergerichtet und die unvollendeten Bereiche mit temporären Verkleidungen und Dekorationen kaschiert. Am 15. September 1719 feierte der kurfürstliche Hof das Fest der vier Elemente im Zwinger.[9] Der weitere Ausbau dauerte noch bis 1728 an.
Die zuerst entstandenen Pavillons und Galerien auf der Wallseite dienten als Orangerie. Danach errichtete man die Flügel der Südseite und im Jahr 1722 die Bauten der Ostseite. Die Nordseite (heute die Sempergalerie) blieb unbebaut, weil der Kurfürst die Erweiterung mit einem zweiten Hof und den Anschluss zu einem neuen Schloss plante. Um diese unvollendete Seite zu schließen, entstand im Sommer 1722 eine arkadenartige Kulissenwand als Interimslösung.
Zur Ausgestaltung des von den Gebäuden umschlossenen Areals und für die Unterhaltung des Hofes ließ Kurfürst Friedrich August I. auf der 204 mal 116 Meter großen Fläche Grünanlagen mit exotischen Pflanzen und Orangenbäumen anlegen. Bildhauer, darunter Balthasar Permoser, schufen Skulpturen zur Verschönerung der Gebäude. 21 verschiedene, mannshohe Pan-Figuren stützen noch heute die Außenwände der Galerien. Satyrhermen tragen die Last der Portale. Im Jahr 1728 fand der steinerne Komplex aus Elbsandstein mit seinem Glockenspielpavillon samt Bogengalerie einen vorläufigen baulichen Abschluss.
Der Zweck des gesamten Bauwerks wird von Pöppelmann wie folgt beschrieben und lässt zugleich einen umfassenden Blick auf die zeitgenössischen Bestrebungen des Hofes zu: Vorstellung und Beschreibung des von Sr. Königl. Majestät in Pohlen und Churfürstl. Durchlaucht zu Sachsen erbauten sogenannten Zwinger-Gartens-Gebäudes oder der Königl. Orangerie zu Dresden ... gleichwie die alten Römer unter ihren andern erstaunenswerthen Bauanstalten auch dermaassen grosse Staats-, Pracht- und Lustgebäude aufzurichten pflegten, dass dieselben einen weiten Umkreis machten etc., ebenso ist auch dieses Gebäude des kgl. Zwingergartens dermaassen kunstreich angelegt, dass es alles Dasjenige in sich begreift, was in jenen römischen Erfindungen Prächtiges oder Nützliches vorgekommen, denn ausser den verschiedenen grossen Speise-, Spiel- und Tanzsälen, kleineren Zimmern, Bädern, Grotten, Bogenstellungen, Lust- oder Spaziergängen, Baum- und Säulenreihen, Gras- und Blumenbeeten, Wasserfällen, Lustplätzen und dem anstossenden prächtigen Opern- und Komödienhause, beschliesst das ganze Gebäu zusammen einen so ansehnlich länglich runden Platz, dass in demselben nicht nur die fast unzählbaren, des Winters in den Galerien verwahrten Bäume zur Sommerzeit bequemlich in schönster Ordnung ausgesetzt, sondern auch alle Arten öffentlicher Ritterspiele, Gepränge und andere Lustbarkeiten des Hofes angestellet werden.[10]
Weil der barocke Zwinger für die gartenbaulichen Unterhaltungsarbeiten keinen ausreichenden Platz bot und dieser Wirtschaftsbereich sich mit dem repräsentativen Zweck nur wenig vertrug, ließ der Kurfürst im Churfürstlichen Orangengarten (Der Herzogin Garten) 1728 eine große Orangerie bauen, der später ein zweites Bauwerk folgte. Dort konnten die gärtnerischen Pflege- und Zuchtarbeiten erledigt werden und die Gebäude dienten als Überwinterungsplatz für die große Anzahl empfindlicher Pflanzen.
Zu den frühesten Nutzungsformen, neben den höfischen Festen, gehört seit 1728 die Unterbringung vom Koeniglichen Naturalien-Galerie und Curiositaeten-Cabinet. Sie erhielten dadurch Selbständigkeit – nicht nur strukturell, wie bereits 1720 erreicht, sondern auch räumlich. Der visionären Kraft August des Starken entstammt eine aus dem Jahr 1718 datierte eigenhändige funktionale Konzeptionsskizze zur Gliederung seiner Sammlungsbestände. Ein Jahr später bestellte der Kurfürst Johann Heinrich von Heucher zum General- und Special-Inspektor der Galleries des Sciences. Damit vollzog sich die Abtrennung der naturhistorischen Sammlungsbestände von anderen Kollektionen der Kunstkammer. Auf Anweisung des kurfürstlichen Ministers und Oberkammerherren Heinrich Friedrich von Friesen vom 19. Mai 1728 zogen die Naturhistorischen Sammlungen in die Zwingergebäude. Diese Entscheidungen wurden in Fachkreisen mit großer Beachtung honoriert, schufen sie doch die weltweit erste Spezialsammlung auf diesem Sektor. Heucher wurde daraufhin 1729 Mitglied der Royal Society in London. Man würdigte auf diese Weise seine als bahnbrechend erkannten Aufbauleistungen.[11]
[Bearbeiten] Bedeutungsverlust und Verfall
Bis zum Tode von Kurfürst Friedrich August I. im Jahr 1733 gab es im Zwinger einen fortgesetzten Baufortschritt unterschiedlicher Intensität. Danach stellte sein Sohn noch neue Überlegungen zur Fortsetzung der einst geplanten baulichen Erweiterungen an. Konkret wurde 1737 ein großzügiges Projekt erwogen, welches dem Oberlandbaubaumeister Zacharias Longuelune zugeschrieben wird. Es sah die Erweiterung vom Zwingergelände in Richtung des späteren Bauplatzes der 1738 begonnenen Katholischen Hofkirche unter Errichtung großzügiger Reitstallungen vor.
Die Verhältnisse in Europa hatten sich jedoch verändert. In der Architektur setzte sich die Strömung des Klassizismus durch, in Sachsen traten andere Aufgaben in den Vordergrund (Moritzburger Schlossareal, Hubertusburg, Japanisches Palais). Die ökonomischen Verhältnisse verschlechterten sich, was unmittelbare Wirkungen auf die Staatskasse hatte. Der Unterhalt dieses Komplexes mit seinen Wasserspielen erforderte beträchtliche Aufwendungen, die man nicht mehr als notwendig erachtete. Johann Joachim Winckelmann, ein Bewunderer des Altertums, verriss die prunkhafte Epoche vom Barock als eine Zeit der „Verirrung“, indem er auf die Entwicklungen vor ihm verwies.
Signifikant für den rasanten Bedeutungsverlust des Zwingers im Bewusstsein der Residenz Dresden war die Tatsache, dass 1746 der Opernunternehmer Pietro Mingotti die Genehmigung erhielt, im Zwingerhof ein hölzernes Schauspielhaus zu errichten. Es wurde mit der Oper Argenide (nach John Barclay) am 7. Juli 1746 eröffnet und brannte bereits 1748 nach einer Vorstellung ab. Seine Fundamente verschwanden erst im Zuge der Sanierungsarbeiten von 1929-1930.[12]
Der Siebenjährige Krieg (1756 bis 1763) hemmte zivile Entwicklungen. Bei den Kriegshandlungen nahm das Areal durch den Kanonenbeschuss der Stadt erheblichen Schaden, weil es in die Befestigungsanlagen eingebunden war. Ferner nutzten die Besatzungstruppen es als Werkplatz und die Gebäude als Magazin. Nach der Belagerung und Zerstörung von Teilen der Stadt regte sich im Jahr 1759 erneut der Wunsch nach Vollendung des Zwingers. Diese Überlegungen standen in dem Spannungsfeld, künftig auf die Befestigungsanlagen zu verzichten. Die Bürgerschaft favorisierte den Erhalt und Ausbau der städtischen Wälle, während der kurfürstliche Hof zu ihrer Niederlegung zugunsten neuer gartenbaulicher Gestaltungen neigte. Im Zuge diese Diskussion erhielt der aus Bayern gerufene Oberhofbaumeister François de Cuvilliés den Auftrag für einen neuen Entwurf (siehe nebenstehendes Bild). Auf dieser Grundlage wäre der bisherige Schlosskomplex abgerissen worden und einem großzügig erweiterter Bau gewichen sowie eine lang gestreckte und vielseitig gestaltete Achse mit in das Ostragehege reichenden Park- und Wasserspielen neu entstanden.
Die von Pöppelmann, Longuelune und Cuvillier konzipierten Erweiterungen zur neuen Schlossanlage blieben alle unausgeführt, der bildhauerische Schmuck unvollendet. Erst 1847 bis 1854 wurde die Elbseite des Zwingers durch die von Gottfried Semper begonnene und nach seiner Flucht 1849 von Karl Moritz Haenel vollendete „Gemäldegalerie“ geschlossen.
Inspektionen im Jahr 1768 ergaben unzählige Risse in den Wänden und Decken, die dem Regenwasser umfassenden Lauf ließen. Der bauliche Zustand verschlechterte sich erheblich und ein Abriss nahm wahrscheinliche Formen an. Erst 1778 wandelte sich die Einstellung zu diesem Bauwerk, als Graf Camillo Marcolini zum Oberkammerherr und Generaldirektor der Künste und Kunstakademien ernannt wurde, wobei ihm alle kurfürstlichen Sammlungen unterstellt waren. Er setzte sich für eine Sicherung und Sanierung des Gebäudekomplexes ein. Bei diesen 1783 begonnenen Arbeiten wurden die an ihrer Oberseite frei liegenden Deckenflächen mit Gefälle neu verlegt, weil die permanente Sickerwasserproblematik im Bauwerk zu einer großen Belastung geworden war. Diese Veränderung erbrachte keine deutliche Verbesserung, weil die damaligen technischen Möglichkeiten nicht ausreichten.
Die Sanierungs- und Umbauarbeiten zu Beginn des 20. Jahrhunderts ergingen mit dem Ziel, den Zwinger als zentralen Ort für die kurfürstlichen Sammlungen zu nutzen. Dafür wurden Wandflächen als Stellflächen benötigt und deshalb einige Fenster und Türen zugemauert. Marcolinis engagiertes Eingreifen gegen den Verfall schuf den Museumsgedanken im Zwinger, erzeugte aber erst erheblich später zum Vorschein kommende und von ihm nicht vorhersehbare Großschäden an der Bausubstanz. Die dem Kenntnisstand der Zeit entsprechend vorgenommenen Ausbesserungen am Sandstein mit einer Art Hartstuck („Massa“) sowie der Überzug des Sandsteins mit Ölfarbe wirkten sich später verhängnisvoll aus.
Bei diesen Sanierungsarbeiten wurde die Neugestaltung der Balustraden mit neuer Formgebung ihrer Baluster zu einem spannungsgetragenen Streitfall. Die zeitgenössischen Architekturauffassungen im Klassizismus (schlichte Sachlichkeit, sparsamer ornamentaler/plastischer Schmuck) führten im Zuge der Sanierungsarbeiten zur Entfernung aller Figuren und Vasen auf den Balustraden, von denen viele Stücke bei der Umgestaltung des Palais Chiaveris (das spätere Prinz-Max-Palais) an der Ostraallee neue Standorte fanden.
Bei baulichen Veränderungen am Wallpavillon verlor dieser Bereich die Becken der ehemaligen Wasserspiele.
Die Napoleonischen Kriege setzten den Bemühungen um Erhalt wieder erneute Grenzen. Seine Lage in den Wällen Dresdens und die Nutzung als Magazin brachten erneute Schäden. Die Napoleonische Epoche führte auch in Dresden zum Niederreißen der Befestigungsanlagen. Damit war eine Demolitionskomission beauftragt. Im Zuge dieser Arbeiten wurde 1812 der Graben vor dem Kronentor verfüllt und die Brücke beseitigt. Gottlob Friedrich Thormeyer ist es zu verdanken, dass die Gartenanlagen gepflegt und neu gestaltet wurden und eine Wasserfläche in Form des Zwingerteiches erhalten blieb. Damit hatte sich die stadträumliche Situation um den Zwinger erheblich verändert. Thormeyer, als Kunstberater dieser Kommission eingesetzt, sorgte auch dafür, dass die auf die Festung Königstein verlagerten historischen Bauunterlagen des Zwingers wieder nach Dresden gelangten. Um 1840 geschahen nur einige kleinere Umbauten zur verbesserten Unterbringung von Sammlungsgut.
Es bleibt als besondere Entwicklungsetappe festzuhalten, dass während der Amtszeit von König Anton (1827-1836) und seines ebenso kunstsinnigen Ministers Bernhard von Lindenau die Zwinger-Sammlungen für die Bürger an einigen Tagen eintrittsfrei geöffnet waren.[13]
[Bearbeiten] Sempers Ergänzungsbau
Inzwischen war der Architekt Gottfried Semper durch einen Vorschlag von Karl Friedrich Schinkel nach Dresden gerufen worden und mit erneuten Planungen zur Vollendung des „Zwingergartens“ beauftragt. Er griff die ursprüngliche Achsenkonzeption Pöppelmanns wieder auf und legte einen Entwurf vor, auf dessen Grundlage am Französischen und Deutschen Pavillon jeweils ein in Richtung Elbe und sich parallel gegenüberstehende Flügel einschließlich eines Operngebäudes hinzugefügt werden sollten. Dabei wäre der heutige Theaterplatz zum Hauptteil eines gestalteten Gartenareals geworden. Diese großzügige Planung (Forumplan genannt) wurde verworfen und Semper erhielt den Auftrag, einen massiven Querbau zu entwerfen, der die Baulücke im Zwinger nicht nur zu schließen hatte, sondern auch die als unzeitgemäß empfundenen Dachformen vom Pöppelmannschen Zwingerbau verdecken sollte. Nach sieben Entwürfen erfolgte am 23. Juli 1847 die Grundsteinlegung.
[Bearbeiten] Folgen der Revolution von 1848
Semper musste wegen seiner aktiven Beteiligung an der Revolution auf der Seite der Kommunarden 1849 Dresden verlassen und die Fertigstellung seines Entwurfs dem Architekten Karl Moritz Haenel überlassen. Zwischen beiden gab es hierzu mehrfach Briefkontakte. Dieser Bau wird heute Sempergalerie genannt.[14]
Während der Revolution wurden einige Gebäude in der Stadt Dresden als strategisch nachteilig angesehen. Dazu zählte das an der Zwingeraußenseite angebaute Opernhaus. Mit Billigung der Provisorischen Regierung wurde der Barrikadenkommandant bei der Sophienkirche am 6. Mai 1849 mit der Brandschatzung des Gebäudes beauftragt. Ursprünglich hatte man auch gehofft, dass das Feuer auf das benachbarte Prinzen-Palais überspringen würde. Der Brand griff jedoch durch Wechsel der Windrichtung auf den Wallpavillon und andere Zwingerteile über. Dabei entstanden große bauliche Schäden, der Wallpavillon brannte völlig nieder. Dabei erlitt Dresden einen weiteren sehr schmerzlichen und unbeabsichtigten Verlust. In den Flammen verbrannten die Sammlungen der Sächsischen Gesellschaft für Botanik und Gartenbau - Flora. Es handelte sich dabei um eine Herbarienkollektion mit 6000 Pflanzenobjekten und einer wissenschaftlichen Bibliothek, aus über 800 Bänden bestehend. Zu diesem Zeitpunkt war das eine der wenigen und deshalb bedeutendsten botanischen Fachbibliotheken Europas.[15]
[Bearbeiten] Bemühungen zur Erhaltung
Nach Fertigstellung der Sempergalerie befanden sich die Zwingerbauten in einer ästhetischen Disharmonie. Dem neuen und frisch wirkenden Flügel standen gealterte Langgalerien und ein mit Bäumen und Kräutern verwachsenes Nymphenbad gegenüber. Letzteres wurde 1855 von Haenel als Ruine bezeichnet, die man nach spätromantischen Aspekten in diesem Zustand konservieren wollte. Dabei gerieten die empirischen Erfahrungen von vorhandenem Sachverstand aus dem Blickfeld der Verantwortlichen, während sich erhebliche Schäden durch ungehindert ausbreitendes Wurzelgeflecht und eine wasserspeichernde Vegetationsdecke an den Bauwerken bildeten. Zusätzlich entschloss man sich, die gesamte alte Bausubstanz mit einem Ölfirnisanstrich zu versehen, um eine farbliche Angleichung zur neuen Sempergalerie zu erreichen. Dadurch wurden die zahlreichen Ausbesserungen aus der Marcolini-Zeit und neuere Spachtelungen, manche bereits angewittert, überdeckt. Das unter dieser Farbschicht zirkulierende Kondens-, Kapillar- und Regenwasser förderte eine zunächst unsichtbar anwachsende Zerstörung von Sandsteinoberflächen, an dem sich wesentlich später erhebliche Versalzung und Abplatzungen (Frost- und Salzsprengungen) bemerkbar machten. In der Periode nach 1849 sind viele Ergänzungen mit dem gerade erfundenen Portlandzement vorgenommen worden. Auf diese Weise gerieten ungeachtet der Wechselwirkungen mit dem Kapillarwasser weitere Salze in den Sandstein von Figuren, des Architekturschmucks und in das Mauerwerk. Die Folgeschäden kulminierten um 1900 zu fatalen Erhaltungsproblemen. Manche baulichen Sicherungsmaßnahmen, wie Deckenabdichtungen, zeigten an anderer Stelle Wirkung und trugen zur weiteren Erhaltung einzelner Mauerwerksbereiche bei. Ein Kompetenzwirrwarr mit drei Ministerien erschwerte in dieser Zeit die Arbeiten, die bis 1863 andauerten.
Weitere fragwürdige Behandlungen trugen in ihrer Folge zum rapiden Verfall des Zwingers bei. Durch einen Bildhauer wurde ein „besonderes Verfahren“ angeboten, um die Steinoberflächen vor weiterer Verwitterung zu schützen. So wurde 1894-95 das Nymphenbad behandelt. Mit dieser Oberflächentränkung (später als Fluatverfahren eingeschätzt) erreichte man zunächst eine Verfestigung der oberen Sandsteinschichten, die aber nach einigen Jahren schichtartig ausplatzten und schließlich zu großen Schäden führten. Später wurde eingeschätzt, dass die meisten Ausbesserungsarbeiten zwischen 1880 und 1898 ohne tiefere Kenntnis über das Verhalten der differenzierten Sorten von Elbsandstein in freier Witterung vorgenommen wurden. Weil in Wien oder Würzburg die gleichen Methoden zum Einsatz kamen, hielten alle Beteiligten diese Verfahren für richtig. Die verschiedenen Färbungen von Sandstein und Zementergänzungen sollten mit Wachsfarbe über einem Anstrich mit heißen Leinölfirnis ausgeglichen werden. Die Steinteile wurden dazu mit Lötlampen erwärmt. Diese Verfahrensweisen erweckten jedoch eine kritische Begleitung durch externe Denkmalpfleger, weil sich der fortschreitende Verfall offenkundig immer mehr ausbreitete.
Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass der Zwinger mit unzähligen kleinen Öfen beheizt wurde, was ebenso viele kleine Schornsteine auf dem Dach zwingend notwendig machte und bei Feuchtigkeit eine ständige sowie beträchtliche pH-Wert-Absenkung des Regen- und Kondenswassers erzeugte. Das saure Wasser trug zur Schädigung der Bausubstanz wesentlich bei. Eine Verringerung dieser Einflüsse trat erst mit dem Anschluss des Zwingers an das städtische Fernheizwerk ein, das ab 1898 in Betrieb ging. Durch die zu dieser Zeit massiv verbreitete Ofenfeuerung im Stadtgebiet konnte eine weitere Einwirkung des sauren Regens nicht vom Bauwerk abgewendet werden.
Am 29. Oktober 1898 fand eine Sitzung der Kommission für die Erhaltung der Kunstdenkmäler statt, die sich mit den Restaurierungsmaßnahmen am Zwinger umfassend auseinandersetzte. Der Bauzustand hatte sich trotz aller geleisteten Arbeiten weiterhin verschlechtert. Es ist besonders dem Kunsthistoriker Cornelius Gurlitt und dem damaligen Direktorial-Assistenten Jean Louis Sponsel zu verdanken, dass die Kommission der künstlerischen und bautechnischen Bedrohung des Zwingers Einhalt gebot. Dabei wurde unter anderem festgelegt, ab sofort keine Farbanstriche mehr vorzunehmen und nur noch Vierungen aus bestem Elbsandstein zu verwenden. Der Regierungsbaumeister Hermann Muthesius, damals technischer Attaché an der Deutschen Botschaft in London, unterstützte diese Abkehr und konnte glaubhaft belegen, dass man in England bereits seit längerer Zeit nach den in Dresden festgelegten Prämissen verfuhr. Wegen ungenügender Mittelbewilligung begann die Wiederherstellung mit schonenden Verfahren erst 1911, die erst nach dem Ersten Weltkrieg ab 1924 eine gesicherte Grundlage erhielt.
Die entscheidenden fachpolitischen Weichenstellungen traf 1910 der Stadtbaurat Hans Erlwein, ebenso ein Mitglied der Kommission, wobei er durch den Professor an der Dresdner Kunstakademie Georg Wrba in seinen Auffassungen wesentlich gestärkt wurde und der die Kontrolle über die Wiederherstellung zerstörter Plastiken übertragen bekam. Diese Restaurierungsarbeiten hatten damit für die Fachkreise und die interessierte Öffentlichkeit eine förderliche kulturhistorische Grundlage erhalten. Gurlitts dreibändiges Werk über Barock, Rokoko und Klassizismus in Europa (1887-1889) erzeugte eine neue Sicht und positive Einstellung zu den vorhandenen Barockbauwerken in Dresden. Diese neue Bewertung des Barocks kann als Hintergrund zu einem heftigen Streit zwischen Georg Wrba und den beteiligten Architekten gesehen werden, der sich um die Dockenform entbrannte. Wrba favorisierte eine schwere Form mit kubischem Mittelstück und die den Bau begleitenden Beteiligten sprachen sich wie der Leipziger Kunstgeschichtsprofessor August Schmarsow für die ältere Flaschenform aus. Dieses Ringen um die Form eines Bauteils (was zahlreich ersetzt werden musste) war Ausdruck von dem inzwischen enorm gewachsenen Denkmalbewusstsein, das wie gängige moderne Auffassungen auf Erhalt der Ursprungsform ohne spätere gestalterische Eingriffe beruht.
Vor Beginn des Ersten Weltkriegs nahmen trotz dieser Neuausrichtung die Probleme bei den Restaurierungsarbeiten rasant zu. Deren Einstellung im Jahr 1915 verschärfte die Lage am Bauwerk und beschleunigte dessen Zerfall. Es stürzten mehrere Figuren von ihren Sockeln und lagen dadurch in Dachrinnen. Größere Bauteile gefährdeten durch ihre Loslösung vom Bauwerk den Verkehrsraum. Die Folgen von falschen Sanierungsmethoden und der Einsatz von für den Stein gefährlichen Substanzen aus jahrzehntelangen Arbeiten am Bauwerk zeigten sich nun in den bedrohlichsten Auswirkungen.
Im Jahr 1920 entschlossen sich Mitarbeiter der sächsischen Oberrechnungskammer, dem zuständigen Kultusministerium die Planung von erheblichen Finanzmitteln zur Sicherung und langfristigen Restaurierung des Zwingers vorzuschlagen. Daraufhin begannen die Arbeiten 1921, kamen aber nach kurzer Zeit wegen der Währungsverfall in der Inflationsperiode wieder zum Stillstand. Die Tagung des Denkmalrates vom 29. Juni 1922 traf angesichts der dramatischen Erhaltungssituation die Feststellung, dass der rapide Verfall durch den seit Mitte des 19. Jahrhunderts anhaltenden Praxis von Ölfarbanstrichen und Portlandzementergänzungen den Zwinger nicht nur nicht geschützt, sondern ganz verhängnisvoll geschadet hatten. Die Versammlung empfahl durchgreifende Maßnahmen … ohne Rücksicht auf die hohen Kosten, die erforderlich werden. Inzwischen mussten weitere Figuren vom Bauwerk abgenommen werden, um sie vor ihren drohenden Absturz zu schützen.[16] Besonderes Verdienst erwarb sich Ministerialrat Oskar Kramer, der im Bewusstsein dieser Lage 1924 die Gründung der Zwingerbauhütte veranlasste und sich kontinuierlich und in ungewöhnlicher Weise für die ministerielle Unterstützung des Vorhabens einsetzte. Zum Leiter dieser zunächst bis 1936 umfassend wirkenden Restaurierungswerkstatt wurde ab 15. Oktober 1924 Hubert Georg Ermisch bestellt. Das unter Begleitung von Georg Wrba erstellte Arbeitsprogramm sah zwei Hauptziele vor.
- die technische Rettung des Zwingers
- die künstlerische Wiedererweckung seiner Architektur.
In dieser Periode intensivierte sich der fachliche Austausch mit der Dresdner Steinmetzinnung, darüber hinaus wurde eine systematische Forschung nach petrographischen sowie chemisch-physikalischen Gesichtspunkten über Fragen der Steinkonservierung parallel zur Arbeit der Zwingerbauhütte aufgenommen.
Die Arbeiten der Zwingerbauhütte sahen ein umfassendes Programm vor. Die gesamte Außenfassade vom Zwinger wurde mittels einer laugenartigen Substanz von den Ölfarbschichten befreit, alle Zement- und Stuckergänzungen sowie stark verwitterte Sandsteinbereiche durch Vierungen ersetzt. Ferner unterzog man das Entwässerungssystem im gesamten Zwingerkomplex einer gründlichen Revision und Veränderung. Nach den damaligen Kenntnissen erfolgte eine umfassende Terrassenabdichtung gegen die Feuchte. In Hinsicht auf kunsthistorische Gestaltungsfragen nahm man das von Pöppelmann veranlasste Kupferstichwerk zur Grundlage, das mit seinen Abbildungen eine Dokumentation für viele Bauteile bot und somit den Anspruch auf originalgetreue Restaurierung stützte. Spätere Um- und Anbauten beseitigte man in diesem Zuge der Arbeiten. Mit den Aufgaben waren etwa 100 Fachkräfte beschäftigt. Das ursprünglich geplante Budget erwies sich als ungenügend; das Finanzministerium entsprach dem erweiterten Mittelbedarf nach längeren Verhandlungen. Zur Beschaffung von ausreichendem und geeignetem Baumaterial untersuchte man aktive und stillgelegte Steinbrüche in der Sächsischen Schweiz. Die vorab genommen Proben wurden durch das Materialprüfungsamt der Technischen Hochschule Dresden untersucht und bewertet.
Der Mathematisch-Physikalische Salon konnte am 20. März 1929 wieder eröffnet werden. Innerhalb weiterer Arbeiten stellte man auch Teile des Grabens am Zwinger wieder her, der seit dem 19. Jahrhundert zugeschüttet war (Vollendung erst 1950). Im Jahr 1936 endeten die Arbeiten an der Außenfassade und es folgten Restaurierungen im Innenbereich. Die Porzellansammlung wurde 1939 der Öffentlichkeit zugänglich. Für die naturhistorischen Sammlungsbereiche suchte man nach neuen Lösungen, weil der Zwingerbau sich für deren Präsentation als nicht günstig herausstellte. Schon vor dem Ersten Weltkrieg ist über einen Museumsneubau zu diesem Zweck in Dresden nachgedacht worden, doch der bereits begonnene Zweite Weltkrieg setzte diesen Bemühungen ein Ende.
Der Verlauf und die Fortschritte dieser lang anhaltenden Arbeiten am Zwinger sind in Dresden und weit über die Grenzen der Stadt mit großer Aufmerksamkeit begleitet worden. Dabei kam es auch zu Kontroversen über den richtigen Weg zwischen den Vertretern verschiedener Auffassungen. Verständlicherweise reflektierte die zeitgenössische Berichterstattung in den Zeitungen diesen Streit sehr intensiv. Prophezeiungen wie die „Irrende Denkmalpflege“ oder „…die gigantischen Beispiele ihrer Verirrungen…“ sind Beispiele für die ergangene Polemik. Die Wirkung des Zwingerkomplexes und seiner Museen nach Abschluss der Arbeiten ließ die Presseangriffe verstummen.[17]
[Bearbeiten] Zweiter Weltkrieg und seine Folgen am Bauwerk
Wenige Jahre später waren die greifbar gewordenen Ergebnisse der seit 1924 um Rettung des Zwingers ringenden Fachleute ein Opfer der Zerstörung, diesmal durch den Kriegswahn einer Ideologie.
Im Zweiten Weltkrieg erlitt der Zwinger durch den Bombenangriff vom 13. und 14. Februar 1945 schwere Beschädigungen. Hans Nadler beschrieb es so: „Erhalten blieben: Das Nymphenbad, die Umfassungsmauern der 4 Eckpavillons, der Langgalerien, des Stadtpavillons und des Kronentores. Der Wallpavillon war bis auf die Mauerschäfte, die aus dem Lot geraten waren, zerstört, desgleichen war auch die anschließende elbseitige Bogengalerie durch Sprengbombenvolltreffer aufs schwerste beschädigt.“[18] Die Gemäldegalerie trug nur auf der nördlichen Seite erhebliche Zerstörungen davon. Alle Gebäude und ihre Dächer waren ausgebrannt. Die teilweise aufwendigen Kupfertreibearbeiten von den Dachbedeckungen lagen vom Bombensplittereinschlag zerfetzt auf den Terrassen und im Zwingerhof. Aus einigen Fenstern schlugen Flammen und schädigten oberhalb der Feuereinwirkungen den Sandstein durch Hitzesprengungen und strukturelle Veränderungen im Mineralgefüge irreversibel. Einige Fassadenelemente stürzten in Folge von Materialspannungen herab und zerbrachen dabei. Die Gleichgewichtslage viele Gebäudeteile war nicht mehr gegeben.[19]
In den Tagen unmittelbar nach der Zerstörung sicherte und barg eine kleine Gruppe unter Leitung von Hubert Ermisch wertvolle und erhaltungsfähige Architekturteile und fertigte eine Schadenskartei an. Die erste Schadensaufnahme ergab, dass von 850 Einzelobjekten (wie Figuren, Vasen, einzelnen Schmuckelementen) etwa 300 zu restaurieren oder neu zu fertigen sind. In Anbetracht der erneut zu erbringenden Sicherungs- und Restaurierungsaufwandes, der diesmal alle bisherigen Dimensionen überstieg, verfasste Ermisch eine Denkschrift (datiert 17. 6. 1945) mit dem Titel Ist die Rettung des Zwingers möglich?. Darin gelang es ihm, die Hoffnung auf Wiederaufbau in einer Phase der kaum fassbaren Zerstörung im gesamten Dresden zu wecken, wobei er argumentativ auf die statischen Studien und dem darauf erfolgte Einzug von Stahlbetondecken aus der Wirkungszeit der Zwingerbauhütte verwies. Andernfalls wäre nach seiner Einschätzung der Zwinger als ursprünglich labiles Bauwerk wie ein Kartenhaus zusammengefallen.
Besonders bekannt wurde das Bild einer Beschriftung, welche ein russischer Soldat vorgenommen hatte, mit der Aufschrift: Gebäude beräumt, keine Minen gefunden. Sie ist heute rechtsseitig am Eingangstor des Zwingers aus Richtung des Theaterplatzes auffindbar, aber durch die inzwischen verringerte Lesbarkeit mit einer Schriftplatte ergänzt.
Am 14. August 1945 fand eine erste Beratung zur Koordinierung des Wiederaufbaus unter Beteiligung wesentlicher Dresdner Amtsträger statt. Die angesprochene sowjetische Militärverwaltung (Oberstleutnant Solowjew) bewilligte unverzüglich am 18. August die Freigabe von Bauholz und stellte sich damit demonstrativ hinter die Wiederaufbauabsicht der Dresdner. In zwei Kulturbefehlen der Sowjetische Militäradministration wurde der Schutz und die Wiederrichtung von Kulturbauwerken angeordnet. Auf dieser Grundlage bewilligte die neu gebildete Sächsische Landesverwaltung im September 1945 erste Haushaltmittel für den Wiederaufbau des Zwingers.[20]
Da sich viele Menschen für das Gebäude einsetzten, begann bereits 1945 Wiederaufbau durch die im Herbst dieses Jahres erneut gegründete Zwingerbauhütte unter der Leitung des Dresdner Architekten Hubert Georg Ermisch. Zu den ersten Mitwirkenden zählten der Bildhauer Albert Braun, der Architekt Arthur Frenzel und für die Kupferblecharbeiten Meister Jagy.
Die eingetretenen Bauschäden waren durch die Einschläge von Bomben und Brandmunition nicht nur erheblich, sondern auch in bisheriger Weise für den Zwinger unbekannt. Beispielsweise war eine Bogengalerie (südwestlicher Zwingerbereich) um 22 cm in der Tiefe verformt. Ihre Herstellung in die ursprüngliche Lage erfolgte durch das Anheben mit Flaschenzügen im Sommer 1947. Eine fast ähnliche Richtungsverformung zeigten die Mauerschäfte im Obergeschoss vom Wallpavillon. Hier bediente man sich ebenso der Flaschenzüge und setzte danach einen Stahlbetonringanker in Höhe vom Hauptsims auf.
Die erste öffentliche Präsentation erfolgte ab Mai 1951, als ein Teil des Innenhofes für Besucher zugänglich wurde. Im gleichen Jahr verlängerte man den Zwingergraben und schuf eine gemeinsame Wasserfläche mit dem Zwingerteich.
Im Juli 1951 wurde das Kronentor vollendet, im Juni 1952 der Mathematisch-Physikalische Salon, 1955 der Glockenspielpavillon und 1954 wurden drei Giebel des Wallpavillons fertig gestellt. Die Gemäldegalerie erlebte am 3. Juni 1956 im Rahmen der 750-Jahr-Feier Dresdens ihre Eröffnung, wurde aber erst am 30. Oktober 1960 vollendet übergeben. Ihr Wiederaufbau wird mit einer Summe von 7,9 Millionen Deutsche Mark beziffert. Im Jahr 1960 erfolgte die Fertigstellung des Französischen Pavillons in einer vereinfachten Ausführung. Die erhaltenen wertvollen Stuck- und Marmorelemente wurden geborgen, um eine spätere Rekonstruktion zu ermöglichen. Erst 1963 konnte der Wallpavillon der Öffentlichkeit übergeben werden. Bis zu diesem Jahr wurden die Innenräume in einer provisorischen Gestaltung ausgestattet, um die museale Nutzung zu ermöglichen. Seit etwa 1963 befindet sich der Zwinger wieder weitgehend in einem äußerlichen baulichen Zustand wie vor dem Krieg. Es fehlt jedoch der Blick auf die im Krieg zerstörte und 1962 völlig abgerissene Sophienkirche. Die Rekonstruktionen und Gestaltungen der Innenräume halten bis heute an. Zu Beginn der 1980er Jahre widmete sich die Zwingerbauhütte der Balustradensanierung und speziellen Arbeiten der Bauwerksentwässerung.[21][22]
Während des Elbehochwassers im Jahr 2002 stieg der Pegel der in unmittelbarer Nähe zum Zwinger verlaufenden Elbe auf bis zu 9,40 Meter an. Doch nicht nur sie trat über die Ufer, sondern auch die Weißeritz im Westen der Stadt. Dieser Nebenfluss der Elbe bahnte sich mit der Gewalt des Hochwassers zeitweilig sein Flussbett in Richtung seines ursprünglichen Verlaufes. So wurde die Altstadt Dresdens aus zwei Richtungen überflutet, wobei der Zwinger mitten im Überschwemmungszentrum lag. Trotz großen Einsatzes von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk war eine Überflutung des Innenhofs vom Zwingers nicht zu verhindern. Die Weißeritz floss in ihrem alten Flussbett durch die Friedrichstadt, die Wilsdruffer Vorstadt und den Zwinger hindurch und ergoss sich auf dem Vorplatz vom Landtag in die Elbe. In der Hoffnung, die Kunstwerke zu retten, verbrachte man sie in den Keller. Doch auch dort bedrohten die Wassermassen das Kulturerbe. Der Zwingerhof war erst mehrere Tage nach dem Ende des Hochwassers wieder leergepumpt. Es hinterließ beträchtliche bauliche und gartenbauliche Schäden.
Seiner Entstehungsgeschichte gemäß war der Zwinger Eigentum des Königreichs und später des Landes Sachsen. Er ist heute ein Teil des Staatsbetriebs Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen.
[Bearbeiten] Teilbereiche des Zwingers
[Bearbeiten] Kronentor
Der bekannteste und wohl der am meisten bewunderte Teil des Zwingers ist das Kronentor. Seine Architektur lehnt sich an den italienischen Hochbarock an.
Über den Säulen des Torweges prangen das königliche Zepter, die gekreuzten Schwerter und über dem Torbogen wieder das sächsische Wappen. Außerdem zeigt das Kronentor an seiner dem Wasser zugewandten Seite die antiken Götter Vulkan (links) und Bacchus (rechts). An der dem Zwingerhof zugewandten Seite befinden sich die Plastiken von Ceres (links) und Pomona (rechts). Das hofseitige Portal wird von den Statuen eines Flötenspielers und Tambourinspielers flankiert. Auf der Attika befinden sich zwölf Figuren, die Themen um die Jahreszeiten und den Gott Herkules repräsentieren.
Das Dach besteht aus teilweise vergoldetem Kupferblech und symbolisiert sächsische Prachtentfaltung in seiner Erbauungszeit. Auf der Turmspitze tragen vier polnische Adler die Nachbildung der polnischen Königskrone. [23]
Das Kronentor und die benachbarten Flügel stehen mit ihrer Front auf der alten Festungsmauer, bilden zu ihr jedoch einen kleinen Winkel. Der Zwingergraben ist ein Fragment des alten Festungsgrabens, der einst die Stadt umschloß.
Dem Kronentor gegenüber auf der Westseite befindet sich ein weiteres Portal mit Blick auf das bronzene Reiterdenkmal des König Johann von 1889 auf dem Theaterplatz. Beide Zwingerzugänge bilden die einst geplante Zentralachse der nicht umgesetzten barocken Bebauungskonzepte.
[Bearbeiten] Stadt- oder Glockenspielpavillon
Dem Wallpavillon gegenüber befindet sich der ehemalige Stadt- und heutige Glockenspielpavillon.
Dieser Pavillon stammt von 1728 und wurde mehrfach beschädigt. Das erste Mal zerstörte ihn 1849 ein Brand der benachbarten Semperoper. Der Wiederaufbau unter der Leitung von Karl Moritz Haenel erfolgte von 1857 bis 1863. Beim Luftangriff 1945 wurde der Pavillon erneut zerstört, der Wiederaufbau dauerte bis 1964.
Seine Besonderheit ist die Uhr mit Glockenspiel aus Meissener Porzellan an der Fassade zum Zwingerhof. Sie wurde 1933 angebracht und überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschadet. Beim anschließenden Wiederaufbau des Pavillons wurde das Glockenspiel von ursprünglich 24 auf 40 Porzellanglocken (ebenfalls aus Meißen) erweitert.
Heute spielt das Glockenspiel jeweils zu jeder viertel, halben, dreiviertel und vollen Stunde die Stundenschlagmelodien von Günter Schwarze (Originalkomposition für das Dresdner Glockenspiel, 1994). Zusätzlich sind je nach Jahreszeit zu festgelegten Zeiten bekannte Melodien zu hören.
Eine Hörprobe des heutigen Glockenspiels um 12 Uhr (673 kB).?/i
[Bearbeiten] Deutscher Pavillon
Der Deutsche Pavillon verbindet mit einer angeschlossenen Bogengalerie den Stadtpavillon mit der Sempergalerie. In ihm befinden sich Restaurierungswerkstätten der Staatlichen Kunstsammlung Dresden.
[Bearbeiten] Sempergalerie
- Hauptartikel: Gemäldegalerie Alte Meister
Der Zwinger war zunächst nach Nordosten zur Elbe hin nur mit einer barocken Begrenzungsmauer abgeschlossen (siehe nebenstehendes Canaletto-Bild). Hier sollte sich ursprünglich ein bis zur Elbe reichender Lustgarten anschließen, der als großzügige Parkanlage zu einem geplanten Schloßneubau gedacht war.
An dieser Stelle wurde von 1847 bis 1854 von dem Architekten Gottfried Semper ein Museumsbau im Stil der italienischen Hoch-Renaissance errichtet und am 25. September 1855 als „Neues Museum“ eingeweiht. An der Außenfassade befinden sich 120 eigenständige Sandsteinarbeiten: 12 Statuen, 16 Reliefs, 20 Medaillons und 72 Zwickelfiguren über den Fenstern und Torbögen. Etwa 160 Figuren aus unterschiedlichsten Epochen (von Zeus über Moses und Michelangelo bis hin zu Goethe) sind zu sehen.
Die Architektur der Sempergalerie stellt in Hinsicht auf die Dimensionen des Gebäudes und seiner Fassadengliederung einen jähen Bruch zum barocken Werk Pöppelmans dar. Die neostilistische Fassade vermittelt mit ihren betont geometrischen Fenster- und Bogenelementen sowie dem schweren Bossen-Mauerwerk eine strenge Sachlichkeit von fast imperialer Wirkung. Dagegen steht der festlich wirkende Barock der Zwingerbauten mit seinen verspielten Schmuckelementen und den mitunter ironisch anmutenden Figuren für eine zierliche Leichtigkeit und demonstriert eine Nähe zur Idee des Lustgartens.
Zur Zeit seiner Entstehung galt dieser Bau als das „großartigste und am reichsten verzierte Museumsgebäude der neuesten Zeit“ (Andreas Oppermann, 1863). Er wird heute Semperbau oder Sempergalerie genannt und beherbergt die „Gemäldegalerie Alte Meister“.
[Bearbeiten] Französischer Pavillon
Der Französische Pavillon verbindet im Ensemble des Zwingers zusammen mit einer Bogengalerie den Wallpavillon und die Sempergalerie. Lange Zeit wurden in diesem Bereich Objekte des Dresdner Tierkundemuseums gezeigt. Gegenwärtig (2009) sind in ihm Sammlungsstücke der Skulpturensammlung ausgestellt. Zwischen dem Französischen Pavillon und den verbliebenen Wallanlagen befindet sich das Nymphenbad.
[Bearbeiten] Nymphenbad und Wasserspiele
Das Nymphenbad befindet sich im Festungswall hinter dem französischen Pavillon. Das von Balthasar Permoser (geb. 1651) mitgestaltete Wasserkunstwerk gehört mit zu den schönsten barocken Brunnenanlagen.
Das Wasser im Nymphenbad läuft aus einem Brunnen, der sich oben auf dem Wall befindet, über einen gestuften, künstlichen Wasserfall und wird in einem Becken aufgefangen.
Die Nymphenfiguren auf der linken Seite und die Wasser speienden Delphine gehen noch auf Balthasar Permoser zurück. Die Figuren auf der rechten Seite hingegen stammen aus der Zeit der Restaurierung des Zwingers in den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts.
Der Betrieb des Nymphenbades erforderte nach seiner Erbauung einen beachtlichen technischen Aufwand, da es zu jener Zeit keine elektrischen Pumpen gab. In den Planungen zum Zwinger war eine große Ringkaskade vorgesehen. Das heutige Nymphenbad ist eine vergleichsweise zurückhaltend kleine Ausführung der ursprünglich beabsichtigten Wasserspiele.
Das zu lösende Hauptproblem der Wasseranlagen bestand darin, ausreichende Wassermengen auf das Niveau vom oberen Wallbereich zu bekommen. Um dieses Ziel zu erreichen, war eine aufwendige Installation klassischer Wasserkunst nötig. Zu diesem Zweck baute der Mechaniker Gärtner in den unweit gelegenen Turm des Wilsdruffer Tores einen kupfernen Wasserbehälter ein, der mit Wasser aus dem Gorbitzer Brunnen durch ein Schöpfwerk gefüllt wurde. Über eine Röhrenleitung gelangte das Wasser vom Turm in die Wasserspiele des Zwingers. Dazu gehörte das noch heute erhaltene Nymphenbad, ferner Kaskaden an den Langgalerien beidseitig vom Kronentor, weitere Brunnen, Springbrunnen und einige Vexirwasserspiele. In einem nicht mehr existenten Grottensaal, der unter dem heutigen Mathematisch-Physikalischen Salon lag, wurden die eintretenden Personen von feinen Wasserstrahlen umgeben und getroffen. Ein vergleichbares Vexirwasserspiel war an der unteren Treppe vom Wallpavillon angelegt. Umbauarbeiten im Jahr 1790 führten zur Beseitigung von zwei Wasserbecken in den unteren Teilen vom Wallpavilllon und veränderten dadurch den Wasserbetrieb.
Verständlicherweise verursachten die Wasserspiele ständige und nicht unerhebliche Unterhaltungskosten.[24] Ein angestellter Grottierer hatte den laufenden Betrieb zu überwachen und für die Instandhaltung der technischen Anlagen zu sorgen.
[Bearbeiten] Wallpavillon
Betritt man den Zwinger durch das Kronentor und wendet sich nach links, so steht links der mathematisch-physikalischen Salon, rechts der französische Pavillon und in der Mitte der Wallpavillon.
Der Wallpavillon wird als baulicher Höhepunkt des Zwingers angesehen. Seine Projektierung soll 1715 abgeschlossen worden sein und der Bau begann ein Jahr später. 1717 wünschte der Kurfürst eine Beschleunigung der Arbeiten, weil die Hochzeit seines Sohnes nahte. Große Anstrengungen wurden unternommen, um diesen wohl anspruchsvollsten Bereich des Zwingerbaus zur Vollendung zu bringen.[25]
Gekrönt wird der Giebelaufbau von einem Herkules, der eine Weltkugel trägt. Weitere Götter und Heroen der griechischen Sage wie Zeus, Paris, Aphrodite, Athena, Artemis und Hera charakterisieren dieses einzigartige barocke Kunstwerk. Der jugendliche August der Starke hält hier als lorbeerbekränzter Paris statt eines Apfels die polnische Königskrone in der Hand. Er wendet sich Aphrodite zu, während auf der anderen Seite die „verschmähten“ Göttinnen stehen.
Zu den reich verzierten Arkaden führt eine geschwungene Freitreppe. Über diese Treppe gelangt man auch zum Nymphenbad.
[Bearbeiten] Gartenanlagen des Zwingers
Als Pöppelmann 1715 zum Zwecke aktueller Architekturstudien in Frankreich weilte, besuchte er neben dem Schloss und Park von Versailles zahlreiche andere Ziele, darunter den Park von Saint-Cloud mit den Wasserspielen von André Le Nôtre. Dieser hatte auch den Park von Versailles geschaffen und galt durch seine Funktion des obersten Gartenarchitekten von Ludwig XIV. als fachliche Autorität in der zeitgenössischen Gartenbaukunst. Für die Erweiterungspläne des Dresdner Zwingers waren die Eindrücke Pöppelmanns im Lustpark von Marly-le-Roi von nicht unwesentlichem Einfluss. Der Architekt Jules Hardouin-Mansart hatte dort einen gewaltigen Komplex von Wasserspielen erschaffen, zu deren Betrieb 14 Wasserräder und 221 Pumpen existierten. Damit wurde eine Förderhöhe von 162 Metern erzielt.
Die Rückreise Pöppelmanns erfolgte über die Niederlande (Rotterdam, Delft, Leiden, Haarlem und Amsterdam). Bei Apeldoorn besuchte er das Schloss Het Loo, das lange Flügel und pavillonähnliche Eckgebäude aufweist; der Zwinger zeigt somit eine gewisse Strukturähnlichkeit.[26]
Die nach seiner Rückkehr und bis in das 19. Jahrhundert offen gehaltene Nordseite des Zwingers ist ein konzeptionelles Detail, das mit dem Zwingerbau ein Lustgartenprojekt begonnen wurde, welches seine beabsichtige Größe und Gestaltungsvielfalt nie erreicht hat. Eine der Planungen sah die Verlängerung der Hauptachse, beim Kronentor beginnend, bis zum Elbufer (an Stelle des heutigen Italienischen Dörfchens) vor.[27] Der ebenso planerisch vorbereitete Residenzschlossneubau sollte an seiner Nordwestseite einen Lustgarten erhalten, der sich mit den großen europäischen Vorbildern messen kann. Zeitweilig prägte der Orangeriebau (heutiger Zwinger) die Gesamtpläne mit gartenbaulicher Priorität. Folgerichtig sprach man in jener Zeit vom Zwingergarten oder der Orangerie. Im Verständnis der Zeit seiner Entstehung handelt es sich um einen Garten und nicht um ein Einzelbauwerk. Diese frühere Funktion ist im heutigen Zwingerareal nicht mehr vordergründig erkennbar.[28]
Vom Kupferstecher Christian Friedrich Boetius ist aus dem Jahr 1729 ein Grundriss überliefert, der für den Innenhof vom Zwinger eine dichte und französisch geprägte Rabattenstruktur unter Einbeziehung von Zierhölzern vorsieht. Dieses Konzept kam nicht zum Zuge, weil der Raum für höfische Feste benötigt wurde.
In der dem Barock folgenden Epoche des Klassizismus verlor der Zwinger erheblich an Bedeutung. Sein Innenhof enthielt zwischen 1746 und 1748 einen hölzernen Theaterbau, der vom Volk genutzt wurde. Danach litten die inneren Gartenanlagen durch Kriegsfolgen beziehungsweise -nutzungen. In der Folge war der Zwingerhof für die Dresdner Bevölkerung ein öffentlicher Verkehrsraum, den auch Kutschen durchquerten. Einem Ölgemälde (1754) von Canaletto nach zu urteilen, gab es in dieser Zeit dort keine Gartenanlagen mehr. [29]
Im Zuge des Wiederaufbaus nach den Kriegszerstörungen von 1945 erfolgte im Jahr 1976 eine umfassende gartenbauliche Neugestaltung mit Neupflanzungen und Wegebauarbeiten; der Zwingerwall erhielt Steinbänke.[30]
[Bearbeiten] Denkmale im Zwingerareal
- Denkmal des Friedrich August des Gerechten
Das Denkmal zur Ehrung von Friedrich August I. von Sachsen ist nach dem Entwurf Ernst Rietschels entstanden. Die Idee zu diesem Denkmal entwickelte sich nach dem Todestag des Herrschers am 5. Mai 1827; die an der Idee beteiligten Bürger Dresdens sammelten die erforderlichen Geldmittel. Ernst Rietschel wurde 1831 mit der Fertigung eines Modells beauftragt. In die Gestaltung des reich verzierten Postaments flossen zunächst Einflüsse von Karl Friedrich Schinkel ein, die endgültige Fassung ergab sich erst nach einer Überarbeitung durch Gottfried Semper. Der Guss der Bronzestatue ist von den gräflich Einsiedelschen Werken in Lauchhammer ausgeführt worden. Die kleinen Eckfiguren (Frömmigkeit, Gerechtigkeit, Milde und Weisheit) sind eine Gussarbeit von der Firma Fischer in Berlin. Das Postament besteht aus Granit und ist mit einer Bronzeverkleidung umschlossen. Es ruhte auf einem Treppensockel aus Sandstein.
Am 7. Juni 1843 übergaben die Initiatoren das Denkmal durch eine feierliche Enthüllung der Öffentlichkeit. Seinen Standort fand es in der Mitte des Zwingerhofes, wo es bis 1929 verblieb.[31] Seit Mai 2008 steht es auf dem Schloßplatz vor dem Ständehaus.
- Carl Maria Weber Denkmal
Das Standbild Carl Maria Webers besteht aus einer überlebensgroßen Bronzestatue, die auf einem Sockel aus Meißner Granit aufgestellt ist. Der Bildhauer und Professor an der Dresdner Akademie der Künste Ernst Rietschel begann 1844 mit der Plastik, die am 11. Oktober 1860 in der Bild- und Erzgießerei der Lauchhammerwerke gegossen wurde. Das Denkmal ist im Jahr 1860 errichtet worden. Der Granitsockel entstand nach einem Entwurf von Georg Hermann Nicolai.[32]
[Bearbeiten] Das Kupferstichwerk über den Zwinger
Der Schöpfer des Zwingergartens, Matthäus Daniel Pöppelmann, ließ im Jahr 1729 eine Sammlung von Kupferstichen über das von ihm geschaffene Bauwerk herausgeben. Es besteht aus einem Erläuterungstext mit 22 Kupferstichen zum Zwinger und jeweils einem Stich vom Holländischen Palais und dem Großen Fass auf der Festung Königstein. Im Text geht Pöppelmann auf die Ausgestaltung der Gebäude und ihre Zweckbestimmung ein.
Das Werk wurde in der Größe von etwa 68 x 49 cm als Mappe mit Einzelblättern hergestellt. Darin sind neben den verwirklichten Bauten und Grundrissen auch einige Abbildungen von geplanten Erweiterungen enthalten. Mit dieser Monographie hat Ermisch zahlreiche Detailfragen bei den Restaurierungen und beim Wiederaufbau nach 1945 klären können, da es grundlegende Informationen über den Pöppelmannschen Stil gibt und auf diese Weise die Rekonstruktionen erleichterte. Die Stiche sind nach seinen eigenen Zeichnungen angefertigt worden. Damit waren Christian Friedrich Boetius, Johann Georg Schmidt, Christian Albrecht Wortmann und Lorenzo Zucchi befasst. Nach modernen Erkenntnissen geht man davon aus, dass dieses Werk von Pöppelmann selbst finanziert wurde. Pöppelmann beabsichtigte als Fortsetzung dieses Werkes die Herausgabe weiterer Stiche über andere Barockbauten. Dazu kam es nicht mehr.[33][34][35]
[Bearbeiten] Der Zwinger als städtisches und nationales Symbol
Mit den umfassenden Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten seit 1924 geriet der Zwinger wieder stärker in das öffentliche Bewusstsein. Die bemerkenswerten Fortschritte am Bau wurden sowohl in der regionalen als auch in der überregionalen Selbstdarstellung genutzt.
Das wird beispielhaft an einer der Fremdenwerbung dienenden Publikation vom Rat der Stadt aus dem Jahr 1930 deutlich. Im The Book of the City of Dresden sind in auffälliger Weise Motive (Kronentor, Wallpavillon) des Zwingers in Texte suggestiv eingebunden, obwohl die Textaussagen keinen Bezug zum Bauwerk herstellen. Das von Stadtrat Georg Köppen redaktionell verantwortete und von Oberbürgermeister Bernhard Blüher federführend begleitete Buch ist anlässlich der II. Internationalen Hygiene-Ausstellung herausgegeben worden.
Einen weiteren Beitrag zur symbolhaften Identifizierung mit dem Bauwerk leistete die Zwingerlotterie. Sie war eine in den 1920er Jahren geborene Idee, mit Hilfe dieser Lotterie einen begrenzten Finanzierungsbeitrag zu den umfänglichen Sanierungsmaßnahmen einzuwerben und die Bevölkerung auf die damit wichtigen denkmalpflegerischen Ziele permanent aufmerksam zu machen. Als Vorreiter und Initiator in dieser Sache erwies sich der Landesverein Sächsischer Heimatschutz e. V., von dem die Idee ausging. Nach den Kriegszerstörungen von 1945 griff man die Idee der Zwingerlotterie wieder auf. Der Wallpavillon und das Kronentor dienten in dieser Zeit als optisches Werbesymbol für den Wiederaufbau und übertrugen sich dabei auf dieses Anliegen der gesamten Stadt und ihrer Region.
[Bearbeiten] Postwertzeichen
Eine besondere Würdigung des Zwinger als Bauwerk und der damit verbundenen Leistungen vieler Menschen stellen zahlreiche deutsche Briefmarkendarstellungen dar. Die erste Briefmarke mit einem Zwingermotiv erschien 1931 (1. November) als Zuschlagausgabe für die Deutsche Nothilfe. Diese Reihe besteht aus vier Architekturmotiven, von denen der Wert 8+4 Reichspfennig einen Zwingerpavillon zeigt (die anderen: Rathaus Breslau, Schloss Heidelberg, Holstentor Lübeck). Wie sehr auf die Symbolkraft gesetzt wurde, verdeutlichen auch einige nach 1945 herausgegebenen Briefmarken. Besonders zu nennen ist hier eine Ausgabe aus dem Jahr 1946, die dem Aufbau Dresdens gewidmet ist und aus zwei Marken besteht (Nominalwerte: 6 Pfennig, 12 Pfennig). Der 6-Pfennig-Wert zeigt den Wallpavillon und trägt die Aufschrift „Wiederaufbau!“.
Ferner gab es in der Serie zum Fünfjahrplan der DDR ab 1953 ein Kronentormotiv in verschiedenen Ausgaben und mit wechselnden Werten. In der Briefmarkenserie Bauwerke vom 14. November 1955 erschien der Nominalwert 40 Pfennig mit dem Bild eines Zwingerpavillons.
In der bundesdeutschen Dauerserie Deutsche Bauwerke aus zwölf Jahrhunderten mehrer Ausgaben (ab 1964) ist das Motiv vom Wallpavillon als 10 DM-Pfennig-Wert enthalten. Die DDR veranlasste am 15. Januar 1969 in einer mit neuen Motiven fortgesetzten Serie (3. Auflage) Bedeutende Bauwerke in der DDR einen Nominalwert 20 Pfennig mit dem Wallpavillon. In der späteren Hauptdauerserie von 1973/1974 wurde das Kronentor erneut gezeigt (Nominalwert 60 Pfennig). Eine besondere repräsentative Würdigung von Dresdner Bauten erfolgte mit dem Briefmarkenblock Historische und moderne Gebäude in Dresden vom 7. August 1979, der das Kronentor in seinem Zentrum abbildet (Nominalwert 1 Mark der DDR).
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Briefmarke der Sowjetischen Besatzungszone, Sachsen 1946 |
Briefmarke der Deutschen Post (DDR) (1955) aus der Serie Fünfjahrplan |
Briefmarke der Deutschen Bundespost (1967) aus der Serie Deutsche Bauwerke aus zwölf Jahrhunderten |
[Bearbeiten] Museen im Zwinger
- Gemäldegalerie Alte Meister
Der Sammlungsschwerpunkt liegt bei der italienischen Malerei der Renaissance. Ferner präsentiert die Galerie herausragende Gemälde altniederländischer und altdeutscher Malerei. Ihr berühmtestes Bild ist die Sixtinische Madonna von Raffael. - Mathematisch-Physikalischer Salon
Der Mathematisch-Physikalische Salon ist ein Museum der Instrumentenkunst. - Porzellansammlung
Die Dresdner Porzellansammlung ist eine der umfangreichsten, wertvollsten keramischen Spezialsammlung der Welt. Die Porzellansammlung besitzt etwa 20.000 Exponate chinesischen, japanischen und Meißener Porzellans. - Rüstkammer
Die Rüstkammer enthält eine der kostbarsten Kostüm- und Prunkwaffensammlungen. Der Sammlungsschwerpunkt liegt bei Renn- und Stechzeugen, prachtvollen Waffen, Panzerhemden und besonders bei Feuerwaffen aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Insgesamt besitzt sie 10.000 Objekte, darunter die Turnierausrüstung von Kurfürst August von Sachsen.
[Bearbeiten] Fotogalerie
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Literatur
- Richard Borek (Hrsg.): Borek Briefmarken-Katalog Deutschland. Braunschweig (Verl. Richard Borek)1981 ISBN 3-87091-102-6
- Adolph Canzler / Alfred Hauschild / Ludwig Neumann: Die Bauten, technischen und industriellen Anlagen von Dresden. Dresden (Meinhold & Söhne) 1878
- Walter Dänhardt (Hrsg.): Festschrift aus Anlaß des hundertjährigen Bestehens der Flora, Sächsische Gesellschaft für Botanik und Gartenbau. Dresden (Selbstverlag) [1926]
- Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bd. Dresden. München, Berlin (Deutscher Kunstverlag) 2005 ISBN 3-422-03110-3
- Hubert Georg Ermisch: Der Dresdner Zwinger. (Schriften des Instituts für Theorie und Geschichte der Baukunst der Deutschen Bauakademie) Dresden (Sachsenverlag) 1953
- Hermann Heckmann: Matthäus Daniel Pöppelmann und die Barockbaukunst in Dresden. Berlin (Verlag für Bauwesen) 1986 ISBN 3-345-00018-0
- LIPSIA Farbkatalog DDR 1983. Berlin (transpress) 1983
- Harald Marx (Hrsg.): Matthäus Daniel Pöppelmann. Der Architekt des Dresdner Zwingers. Leipzig (E.A. Seemann) 1990 ISBN 3-363-00414-1
- Arno Naumann: Dresdens Gartenbau bis zur Gründungszeit der "Flora" Gesellschaft für Botanik und Gartenbau in Dresden. Dresden 1896
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Dehio, Dresden, 2005. S.52
- ↑ Arno Naumann: Dresdens Gartenbau... 1896 S. 14-18
- ↑ Dresdner Anzeiger, 1861. Dresdner Oertlichkeit, seine Strassen, Gassen, Plätze etc.
- ↑ Arno Naumann: Dresdens Gartenbau... 1896 S. 22
- ↑ Arno Naumann: Dresdens Gartenbau... 1896 S. 25
- ↑ Adolph Canzler / Alfred Hauschild / Ludwig Neumann: Die Bauten... 1878, S 70-72
- ↑ Heckmann: Pöppelmann 1986, S. 54
- ↑ Heckmann: Pöppelmann 1986, S. 44-45
- ↑ Ermisch: Zwinger, 1953 S. 51-52
- ↑ Adolph Canzler / Alfred Hauschild / Ludwig Neumann: Die Bauten... 1878, S 79-80
- ↑ Jan-Michael Lange / Ellen Kühne (Hrsg.):Das Museum für Mineralogie und Geologie. Von der kurfürstlichen Kunstkammer zum staatlichen Forschungsmuseum. Dresden (SNSD) 2006, S. 22-23 ISBN 3-910006-34-5
- ↑ Ermisch: Zwinger, 1953 S. 60-62
- ↑ Ermisch: Zwinger, 1953 S. 68
- ↑ Ermisch: Zwinger, 1953 S. 70-72
- ↑ Dänhardt: Festschrift Flora, 1926, S. 37
- ↑ Ermisch: Zwinger, 1953 S. 86-87
- ↑ Ermisch: Zwinger, 1953 S. 93-94
- ↑ Hans Nadler: Daten zum Wiederaufbau des Zwingers nach der Zerstörung 1945. In: Harald Marx: Matthäus Daniel Pöppelmann. 1990 S. 175
- ↑ Ermisch: Zwinger, 1953 S. 95
- ↑ Ermisch: Zwinger, 1953 S. 96
- ↑ Hans Nadler: Daten zum Wiederaufbau des Zwingers nach der Zerstörung 1945. In: Harald Marx: Matthäus Daniel Pöppelmann. 1990 S. 176-177
- ↑ Dresdner Stadt-Nachrichten, I. Jahrgang, Nr. 13; 2. Juli 1957, Das Kulturleben unserer Stadt
- ↑ Dehio: Dresden, 2005, S. 55-57
- ↑ Hubert Georg Ermisch: Baugedanken des Zwingers. In: Dresdner Kunstbuch 1927. Dresden (Verl. Wolfgang Jess) 1927
- ↑ Ermisch: Zwinger, 1953 S. 23
- ↑ Heckmann: Pöppelmann 1986, S. 90-93
- ↑ Heckmann: Pöppelmann 1986, S. 130
- ↑ Heckmann: Pöppelmann 1986, S. 100
- ↑ Ermisch: Zwinger, 1953 S. 61-62
- ↑ Hans Nadler: Daten zum Wiederaufbau des Zwingers nach der Zerstörung 1945. In: Harald Marx: Matthäus Daniel Pöppelmann. 1990 S. 175
- ↑ Dehio: Dresden, 2005, S. 126
- ↑ Dehio: Dresden, 2005, S. 90
- ↑ Heckmann: Pöppelmann 1986, S. 175-177
- ↑ Ermisch: Zwinger, 1953 S. 31-35
- ↑ Harald Marx: "Dieses Werk allein müßte ihn unsterblich machen...". In: Harald Marx: Matthäus Daniel Pöppelmann. 1990 S. 19-35
[Bearbeiten] Weblinks
- Schlösser und Gärten Dresden
- Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Links zu den Museen
- Staatliche Naturhistorische Sammlungen Dresden offizielle Internetseiten der snsd
- Zwingerlotterie des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz e. V.
51.05305555555613.733888888889Koordinaten: 51° 3′ 11″ N, 13° 44′ 2″ O

