Zwingerhusten

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Als Zwingerhusten (auch: infektiöse Tracheobronchitis) wird eine Erkrankung der oberen Atemwege von Hunden bezeichnet. Die Infektionskrankheit kann durch verschiedene Erreger ausgelöst werden. Typisch für den Zwingerhusten ist ein „bellender“ Husten. Zur Vorbeugung ist eine Impfung möglich. Sie wird jedoch nicht generell angeraten, sondern je nach Lebensumständen des Tieres empfohlen.

Krankheitserreger[Bearbeiten]

Am Zwingerhusten-Komplex können verschiedene Viren und Bakterien als Krankheitserreger beteiligt sein. Am häufigsten beobachtet wird hierbei das Canine Parainfluenzavirus Typ 2 (CPiV-2) und das Bakterium Bordetella bronchiseptica, welches auch an der Ausbildung des Katzenschnupfen-Komplexes beteiligt ist. Außerdem sind das Canine Adenovirus Typ 2 (CAV-2), welches auch bei der Entstehung der ansteckenden Leberentzündung des Hundes beteiligt ist, sowie ferner das Canine Herpesvirus (CHV) und das Canine Reovirus mögliche Erreger der Erkrankung. Zu den bakteriellen Ursachen könen auch Mykoplasmen gehören.[1]

Verbreitung der Krankheit[Bearbeiten]

Die Übertragung der Krankheitserreger erfolgt über die Luft (aerogen) oder als Tröpfcheninfektion, wenn erkrankte Tiere erregerhaltiges Material aushusten oder ausniesen. Dabei ist bei einer intensiven Hundehaltung mit mehreren Tieren auf engem Raum („Zwinger“) das Infektionsrisiko erhöht. Da die Krankheitserreger überall vorkommen, besteht ebenfalls ein Infektionsrisiko, falls sich Hunde aus unterschiedlichen Haltungen im Rahmen von Veranstaltungen (z. B. bei einer Hundeausstellung oder in einer Welpengruppe) begegnen und dabei viel Kontakt miteinander haben. Dies trifft auch auf den Aufenthalt in Tierpensionen oder Tierheimen zu.[1]

Die Inkubationszeit beträgt, je nach Erregertyp, 4–10 Tage. Die Infektion mit einem einzelnen Erregertyp muss keinen besorgniserregenden Krankheitsverlauf auslösen. Falls jedoch mehrere virale und bakterielle Erreger zusammenwirken, kann dies zu einer schweren Verlaufsform führen.[1]

Symptome[Bearbeiten]

Typisch für den Zwingerhusten ist ein „bellender“ Husten, der zunächst häufig an etwas Verschlucktes denken lässt. Außerdem ist es nicht zwingend erforderlich, dass der Hund ständig hustet. Es kann durchaus auch sein, dass er nur bei Belastung oder beim Laufen, Toben oder Spielen einige Male auftritt.

Falls mehrere virale und bakterielle Erreger beteiligt sind und meist noch Stressfaktoren dazukommen, wie schlechte Haltungsbedingungen oder besondere Leistungsanforderungen, kann auch das Allgemeinbefinden des Hundes empfindlich gestört sein. Weitere Symptome bei einem schweren Krankheitsverlauf sind dann Fieber und zusätzlich zu dem Husten noch Pharyngitis (Rachenentzündung), Tonsillitis (Mandelentzündung) und Tracheobronchitis, eine Entzündung der Bronchien und der Luftröhre (Trachea). Auch Schnupfen (Rhinitis) und eine eitrige Bindehautenzündung (Konjunktivitis) können auftreten. Häufig verändert sich der trockene Husten später zu einem produktiven Husten, es kommt also zur Schleimproduktion. Die Entzündungen des Respirationstraktes können schließlich auch zu einer Lungenentzündung (Bronchopneumonie) führen.[1]

Untersuchungsmethoden[Bearbeiten]

Der Tierarzt erkennt den Zwingerhusten anhand der typischen Symptome in Zusammenhang mit einer entsprechenden Vorgeschichte der Erkrankung (beispielsweise die Teilnahme an Hundeveranstaltungen). Bei kompliziertem Verlauf kann ein Erregernachweis aus dem Bronchial- oder Nasensekret nötig werden. Dazu wird ein steriler Tupfer verwendet, der für den Nachweis von Bordetella bronchiseptica bis zur Untersuchung in einem speziellen Transportmedium, welches Aktivkohle enthält, gelagert werden sollte. Der bakterielle Krankheitserreger wird auf selektiven Nährböden kultiviert und kann somit nachgewiesen werden (siehe Nachweise von Bordetella bronchiseptica).[1]

Vorbeugung und Behandlung[Bearbeiten]

Gegen die beiden Haupterreger des Zwingerhustens besteht die Möglichkeit einer Impfung. Diese sollte jedoch vom Tierarzt individuell nach den Lebensumständen des Hundes und der Höhe des Infektionsdrucks verabreicht werden.[2] Auch ist der Erfolg einer Impfung nicht garantiert, da nicht gegen alle möglichen Erreger geimpft wird. Allerdings ist dann der Verlauf deutlich abgeschwächt. In der Leitlinie zur Impfung von Kleintieren, die von der Ständigen Impfkommission Vet. herausgegeben wird, finden sich Empfehlungen, unter welchen Bedingungen eine Impfung ratsam ist.[1]

Für Hunde steht in Deutschland ein Kombinationspräparat zur Verfügung, das gleichzeitig gegen Bordetella bronchiseptica und das Canine Parainfluenzavirus Typ 2 (CPiV-2) schützt. Als Impfstoff gegen Bordetella bronchiseptica gibt es auch ein Einzelpräparat. Eine Impfung gegen diesen Krankheitserreger kann sinnvoll sein, falls der Hund engen Kontakt zu Katzen, Kaninchen oder anderen Tierarten hat, die ebenfalls von Bordetella bronchiseptica infiziert werden können. Die genannten Präparate werden intranasal, d. h. durch die Nase verabreicht. Der Impfschutz gegen das Virus CPiV-2 kann noch Bestandteil anderer Kombinationspräparate sein, die beispielsweise Prophylaxe gegen Staupe oder Parvovirose bieten. Diese werden parenteral verabreicht.[3][1]

Gemäß der Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission Vet. können die intranasal zu applizierenden Impfstoffe bei Welpen schon früh angewendet werden. Für ältere Hunde sollte die Impfung ein bis vier Wochen vor dem geplanten Kontakt mit möglicherweise infizierten Tieren, z. B. beim Aufenthalt in einer Tierpension oder beim Besuch einer Hundeausstellung, erfolgen. Bei der Verwendung von CPiV enthaltenen Vakzinen, die parenteral verabreicht werden, erfolgt die Grundimmunisierung der Welpen im Alter von acht Wochen und vier Wochen später die Zweitimpfung. Eine jährliche Wiederauffrischung kann sinnvoll sein, wenn in der Haltungsumgebung des Hundes Zwingerhusten ein dauerhaftes Problem darstellt. Allerdings sollten gleichzeitig die Haltungsbedingungen verbessert und Hygienemaßnahmen durchgeführt werden.

Eine durch den Tierarzt verordnete Gabe von Antibiotika in Kombination mit hustenlindernden Medikamenten kann erforderlich sein. Antibiotika wirken jedoch nur gegen die bakteriellen Erreger. Meist heilt der Zwingerhusten nach 1 bis 2 Wochen von selbst wieder ab, aber gerade bei jungen und geschwächten Tieren kann es zu Komplikationen und bleibenden Schäden oder gar Todesfolge kommen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g  Karin Duchow, Katrin Hartmann u. a., Ständige Impfkommission Vet. im Bundesverband Praktizierender Tierärzte e. V. (Hrsg.): Leitlinie zur Impfung von Kleintieren. 2. Auflage. 2013, ISBN 978-3-933711-14-4 (Download beim Tierärzteverband).
  2. Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission Vet. für Hunde (PDF-Datei; 33 kB)
  3. Hundeimpfstoffe. In: Webseite Paul-Ehrlich-Institut. 13. Februar 2014, abgerufen am 10. März 2014.

Literatur und Quellen[Bearbeiten]

  • Katrin Hartmann, Peter F. Suter: Praktikum der Hundeklinik. Paul-Parey-Verlag, 10. Auflage 2006, S. 284–286, ISBN 3-8304-4141-X
  • Ernst G. Grünbaum, Ernst Schimke: Klinik der Hundekrankheiten. Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2005, S. 1124–1127, ISBN 3-8304-1021-2
  •  Karin Duchow, Katrin Hartmann u. a., Ständige Impfkommission Vet. im Bundesverband Praktizierender Tierärzte e. V. (Hrsg.): Leitlinie zur Impfung von Kleintieren. 2. Auflage. 2013, ISBN 978-3-933711-14-4 (PDF, 504 kB, abgerufen am 10. März 2014).
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