Zwischen neun und neun

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Zwischen neun und neun ist ein phantastischer Roman von Leo Perutz aus dem Jahr 1918.

Aufbau[Bearbeiten]

Der Roman setzt sich aus zwanzig Episoden zusammen, die jeweils ein Kapitel bilden. Dies lässt sich durch die Erstveröffentlichung als Fortsetzungsroman in einer deutschen Tageszeitung erklären. Die Kapitel schildern nicht nur die Aktionen des Protagonisten, sondern auch Milieus der um 1900 durch die Habsburger geprägten Metropole Wien.

Inhalt[Bearbeiten]

Der recht erfolgreiche Student Stanislaus Demba verstört seine Umgebung durch sein seltsames, für andere nicht nachvollziehbares Verhalten, vor allem auch, weil er seine Hände vom Anfang der Erzählung an unter einem Paletot versteckt. Das gibt dem Leser, aber auch den Personen seiner Begegnung im Roman zunächst über Kapitel hinweg Rätsel auf, da er sich entsprechend ungeschickt verhält. Einmal erregt er gar den Verdacht, er hielte eine Pistole verborgen. Demba braucht dringend Geld. Erst nach sieben Kapiteln erfährt der Leser die Gründe: Demba berichtet seiner jungen Bekannten Steffi, dass er bis acht Uhr abends 200 Kronen benötige, da andernfalls seine Freundin Sonja mit seinem Nebenbuhler nach Venedig führe. Um diese Summe aufzutreiben, wollte Demba ein vor einem Jahr in der Bibliothek gestohlenes, wertvolles Buch verkaufen. Die Polizei ist ihm bereits auf der Spur und legt ihm Handschellen an. Er kann den Polizisten entkommen, indem er aus einem Dachfenster springt – diesmal durch Baumkrone und Sandhaufen gerettet. Im selben Moment schlägt es neun Uhr vormittags.

Die vergebliche Mühe, Geld bei Freunden und Schuldnern aufzutreiben, wird in den folgenden Kapiteln zu einer Odyssee Dembas, in einer teilweise selbst herausgeforderten Gratwanderung zwischen Befreiung von den Handschellen und dem Versuch, trotz dieser Belastung ans Ziel zu kommen. Oft steht er kurz vor dem Erhalt des benötigten Geldes, scheitert jedoch aufgrund seiner verborgenen Handeisen. Schließlich ist es halb acht Uhr abends. Die letzte Hoffnung verfliegt, nachdem ein Schlüssel nicht passt, den Steffi inzwischen besorgt hat und in seiner Wohnung ausprobiert. Demba kapituliert. Er sieht ein, dass auch eine noch so kurze Haftverurteilung ihm später die „Handschellen“ nicht abstreifen kann, ihn als Vorbestraften in einer bürgerlichen Gesellschaft lebenslang zum Verbrecher stempeln würde. Er wiederholt den Sprung vom Dach, diesmal, um seiner ausweglosen Situation ein Ende zu setzen. Während die Glocken neun Uhr schlagen, beugen sich die Polizisten über den Sterbenden. Während er im Sterben liegt, träumt er alle geschilderten Abenteuer. Demba empfindet den Tod als gerechte Strafe. Bei seinem tödlichen Sturz öffnen sich die Handschellen.

Sonstiges[Bearbeiten]

Das 15. Kapitel widmet Perutz der Beschreibung einer Partie Bukidomino, eines Anfang des 20. Jahrhunderts in Wien weit verbreiteten Glücksspiels.

Im März 2013 inszenierte der Münchner Regisseur Philip C. Montasser eine Dramatisierung dieses Romans im Haus der kleinen Künste in München und in der Pasinger Fabrik.[1]

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • Katrin Stepath: Gegenwartskonzepte. Würzburg 2006, S. 221-234, ISBN 3-8260-3292-6 (Stepath behandelt Zwischen Neun und Neun aus erzähltheoretischer Sicht)

Nachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.pasinger-fabrik.com/veranstaltung.php?titel=Zwischen%20neun%20und%20neun