Sachsen-Anhalt

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Land Sachsen-Anhalt
Flagge Sachsen-Anhalts
Berlin Bremen Bremen Hamburg Niedersachsen Bayern Saarland Schleswig-Holstein Brandenburg Sachsen Thüringen Sachsen-Anhalt Mecklenburg-Vorpommern Baden-Württemberg Hessen Nordrhein-Westfalen Rheinland-Pfalz Schweiz Bodensee Österreich Luxemburg Frankreich Belgien Tschechien Polen Niederlande Dänemark Bornholm (zu Dänemark) Stettiner Haff Helgoland (zu Schleswig Holstein) Nordsee OstseeKarte
Über dieses Bild
Flagge
Wappen Sachsen-Anhalts
Wappen
Sprache: Deutsch, im nördlichen Teil auch Niederdeutsch[1]
Landeshauptstadt: Magdeburg
Fläche: 20.451,58[2] km²
Einwohnerzahl: 2,245 Mio. (31. Dezember 2013)[3]
Bevölkerungsdichte: 110 Einwohner pro km²
Arbeitslosenquote: 9,8 % (November 2014)[4]
Gründung: 21. Juli 1947 (1952 erloschen)
3. Oktober 1990 (Bundesrepublik Deutschland)
Staatsform: Parlamentarische Republik, teilsouveräner Gliedstaat eines Bundesstaates
Schulden: 24,012 Mrd. EUR (31. Dezember 2012)[5]
ISO 3166-2: DE-ST
Website: www.sachsen-anhalt.de
Politik
Regierungschef: Reiner Haseloff (CDU)
Regierende Parteien: CDU und SPD
Sitzverteilung im Landesparlament: CDU 41
Linke 29
SPD 26
Grüne 9
Letzte Wahl: 20. März 2011
Nächste Wahl: 2016
Bundesratsstimmgewicht: 4
Altmarkkreis Salzwedel Landkreis Stendal Landkreis Börde Magdeburg Landkreis Jerichower Land Landkreis Harz Salzlandkreis Landkreis Anhalt-Bitterfeld Dessau-Roßlau Landkreis Wittenberg Saalekreis Halle (Saale) Burgenlandkreis Landkreis Mansfeld-Südharz Berlin Sachsen Thüringen Niedersachsen BrandenburgSaxony-Anhalt, administrative divisions - de - colored.svg
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Administrative Gliederung Sachsen-Anhalts:
11 Landkreise; 218 Gemeinden (davon 104 Städte, hiervon 3 kreisfreie Städte)

Sachsen-Anhalt [ˈzaːksn̩ˈʔanhaltʰ] (niederdeutsch Sassen-Anhalt, Landescode ST) ist ein Land der Bundesrepublik Deutschland. Unter den 16 deutschen Bundesländern nimmt das Flächenland Sachsen-Anhalt mit rund 20.450 Quadratkilometern (Platz 8) und etwa 2,25 Millionen Einwohnern (Platz 11) eine mittlere Stelle ein (siehe auch: Rahmendaten der Länder). Die beiden Großstädte sind die Landeshauptstadt Magdeburg und die größte Stadt des Landes Halle (Saale). Ein weiteres Oberzentrum stellt die Große Mittelstadt Dessau-Roßlau dar. Die Einwohner Sachsen-Anhalts werden offiziell Sachsen-Anhalter oder umgangssprachlich auch Sachsen-Anhaltiner genannt.

Das am 21. Juli 1947 gegründete Land Sachsen-Anhalt ging mit der DDR-Verwaltungsreform in Bezirke auf und besteht in der heutigen Form seit der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990. Es gliedert sich in elf Landkreise und drei kreisfreie Städte. Angrenzende Länder sind Niedersachsen, Brandenburg, Sachsen und Thüringen; bis 1992 auch Mecklenburg-Vorpommern.[6]

Sachsen-Anhalt besitzt neben Bayern die meisten UNESCO-Welterbestätten in Deutschland – das Bauhaus, das Dessau-Wörlitzer Gartenreich, die Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg und die Altstadt von Quedlinburg – sowie eine vielfältige Burgen-, Schlösser- und Kirchenlandschaft. Mit mehreren Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind Halle und Magdeburg wissenschaftliche Zentren.

Geographie[edit]

Im Norden wird Sachsen-Anhalt von Flachland geprägt. In der dünn besiedelten Altmark befinden sich alte Hansestädte wie Salzwedel, Gardelegen, Stendal und Tangermünde. Den Übergang von der Altmark zur Region Elbe-Börde-Heide mit der fruchtbaren, waldarmen Magdeburger Börde bilden die Colbitz-Letzlinger Heide und der Drömling. In der Magdeburger Börde liegen die Städte Haldensleben, Oschersleben (Bode), Wanzleben, Schönebeck (Elbe), Aschersleben sowie Magdeburg, von dem die Region ihren Namen ableitet.

Im Südwesten liegt der Harz mit dem grenzübergreifenden Nationalpark Harz, dem Harzvorland und dem Mansfelder Land sowie unter anderem den Städten Halberstadt, Quedlinburg, Wernigerode, Thale, Lutherstadt Eisleben und Sangerhausen.

An der Grenze zu Sachsen befindet sich der Ballungsraum Halle (Saale)/Merseburg/Bitterfeld-Wolfen (auch „Chemiedreieck“ genannt), der bis ins sächsische Leipzig reicht. Halle (Saale) ist die größte Stadt in Sachsen-Anhalt. In der Vergangenheit war hier die Chemieindustrie mit ihrem wirtschaftlichen Schwerpunkt in Leuna ansässig.

An der Saale, der Unstrut sowie der Weißen Elster im Süden des Landes, wo sich das Weinbaugebiet Saale-Unstrut-Region befindet, liegen Zeitz, Naumburg (Saale), Weißenfels und Freyburg (Unstrut). Schließlich gehört zu Sachsen-Anhalt noch die im Osten gelegene Region Anhalt-Wittenberg mit der drittgrößten Stadt des Landes Dessau-Roßlau, die aus der alten anhaltischen Residenzstadt Dessau hervorgegangen ist, der Lutherstadt Wittenberg und einem Teil des Flämings.

Geographie des Bundeslandes Sachsen-Anhalt

Regionen[edit]

Landschaften[edit]

Mittelgebirge und Berge[edit]

Das größte Mittelgebirge Sachsen-Anhalts ist der Harz, in dem auch die höchste Erhebung von Sachsen-Anhalt und ganz Norddeutschlands liegt. Dies ist mit 1141,1 m ü. NN der Brocken.

Für weitere Berge siehe: Liste von Bergen und Erhebungen in Sachsen-Anhalt

Gewässer[edit]

Flüsse[edit]

Die Elbe (hier bei Magdeburg) ist der größte Fluss Sachsen-Anhalts

Die nachfolgenden Flüsse und/oder Ströme durchfließen Sachsen-Anhalt ganz oder nur teilweise. Bekannte Fließgewässer (mit jeweiliger Gesamtlänge) sind:

Seen[edit]

Großer Goitzschesee (2500 ha), Geiseltalsee (1840 ha), Gremminer See (544 ha), Arendsee (514 ha), Concordiasee (350 ha), Wallendorfer See (338 ha), Raßnitzer See (310 ha), Süßer See (238 ha), Bergwitzsee (172 ha), Barleber See (100 ha), Hufeisensee (70 ha), Neustädter See (Magdeburg) (60 ha)

Talsperren[edit]

Muldestausee, Rappbode-Talsperre, Talsperre Kelbra, Wippertalsperre

Geschichte[edit]

Zur Geschichte des Gebietes vor 1944 siehe unter anderem bei Altmark, Herzogtum Magdeburg, Bistum Halberstadt, Stift Quedlinburg, Provinz Sachsen und Anhalt, Hauptartikel siehe unter Geschichte Sachsen-Anhalts

Die preußische Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt (später Freistaat Anhalt) in ihren Grenzen bis 1945

Im Juli 1944 wurde die vormalige preußische Provinz Sachsen, bestehend aus den Regierungsbezirken Magdeburg, Merseburg und Erfurt, aufgeteilt. Es entstanden die Provinzen Magdeburg und Halle-Merseburg. Der Regierungsbezirk Erfurt wurde dem Reichsstatthalter Thüringen unterstellt. Nach der deutschen Kapitulation 1945 wurden von der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) die beiden Provinzen Magdeburg und Halle-Merseburg, ferner der Freistaat Anhalt (um Dessau), die frühere braunschweigische Exklave Calvörde und der östliche Teil des Landkreises Blankenburg im Harz, auch vorher dem Land Braunschweig zugehörig, sowie die thüringische Enklave Allstedt zur neuen Provinz Sachsen vereinigt und der Name im Oktober 1946 in Provinz Sachsen-Anhalt geändert. Infolge der Auflösung Preußens verkündete die Provinz Sachsen-Anhalt am 10. Januar 1947 ihre eigene Landesverfassung. Am 21. Juli 1947 erfolgte die Umbenennung in Land Sachsen-Anhalt. Landeshauptstadt wurde Halle. Das Land hatte eine Größe von 24.576 km².

1952 wurde im Rahmen der Verwaltungsreform in der DDR das Land de facto aufgelöst (de jure bestand es noch einige Jahre weiter) und in die zwei Bezirke Halle und Magdeburg aufgeteilt. Dabei geschahen Grenzbereinigungen, bei denen einzelne Städte und Gemeinden von den Nachbarkreisen eingegliedert oder ausgegliedert wurden, wodurch sich die Bezirksgrenzen gegenüber den ehemaligen Landesgrenzen verschoben.

In rot sind die Grenzen des DDR-Landes Sachsen-Anhalt von 1947–1952 zu sehen, in violett die Außengrenzen der DDR-Bezirke Halle und Magdeburg und in schwarz die heutigen Grenzen von Sachsen-Anhalt. Der Landesteil Sachsen ist gelb gekennzeichnet, der Landesteil Anhalt grün.

Am 3. Oktober 1990 erfolgte die Wiederherstellung des Landes Sachsen-Anhalt durch das Ländereinführungsgesetz. Sachsen-Anhalt besteht seitdem wieder aus den ehemaligen Bezirken Halle (ohne den Kreis Artern) und Magdeburg sowie dem Kreis Jessen, welcher bereits vor 1952 zum Land Sachsen-Anhalt gehörte. Landeshauptstadt wurde Magdeburg. Sachsen-Anhalts Partnerland während des Aufbaus der neuen Strukturen war Niedersachsen. Der Anfang der 1990er Jahre war geprägt durch häufige Wechsel der Landesregierungen und politische Affären. Dies hatte zur Folge, dass die anfangs regierende CDU die zweiten Landtagswahlen nach der Wiedervereinigung verlor und es zu einer von der PDS tolerierten Landesregierung von SPD und Bündnis 90/Grüne kam (Magdeburger Modell). Ministerpräsident Reinhard Höppner regierte das Land über zwei Legislaturperioden in einer Zeit großer wirtschaftlicher und arbeitsmarktpolitischer Umstrukturierungen, nach Ausscheiden der Grünen in einer von der PDS tolerierten SPD-Alleinregierung. Sachsen-Anhalt hatte die höchste Arbeitslosenquote aller Bundesländer zu verkraften. In der dritten Wahlperiode seit der Wiedervereinigung gelang es der rechtsextremen DVU, in den Landtag einzuziehen. Jedoch zerbrach diese Fraktion bald an internen Streitigkeiten und wurde 2002 nicht wieder in den Landtag gewählt. Die anhaltende wirtschaftliche Krise führte bei den Wahlen im Jahr 2002 zu einem erneuten Regierungswechsel. Seither wurde Sachsen-Anhalt anfangs von einer CDU/FDP-Regierung, daraufhin von einer CDU/SPD-Regierung unter Wolfgang Böhmer regiert. Nach der Landtagswahl 2011 wurde er aus Altersgründen von Reiner Haseloff abgelöst.

Kulturgeschichte[edit]

Die Gegend des heutigen Landes Sachsen-Anhalt war im Frühmittelalter einer der kulturellen Schwerpunkte im deutschsprachigen Raum. Die heutige Landeshauptstadt Magdeburg war zu jener Zeit eines der politischen Zentren im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Von der früheren Bedeutung der gesamten Region zeugen heute die für das Land typischen, gut erhaltenen Baudenkmäler aus der Zeit der Romanik und der Gotik (siehe auch: Straße der Romanik), wie die Dome zu Magdeburg und zu Halberstadt, die Quedlinburger Altstadt und viele Burgen und Kirchen. Laut Landesmarketinggesellschaft ist Sachsen-Anhalt das Bundesland mit der höchsten Dichte an UNESCO-Weltkulturerben in Deutschland. Hierzu zählen das Bauhaus Dessau in Dessau-Roßlau, die Luthergedenkstätten in Wittenberg und Eisleben, die Altstadt von Quedlinburg und das Dessau-Wörlitzer Gartenreich mit dem Wörlitzer Park. Prägend für die hiesigen Ortschaften und Städte sind neben verwinkelten Fachwerkhausaltstädten und eng bebauten Dörfern, ebenfalls oft mit Fachwerkarchitektur und sehenswerten alten Dorfkirchen, auch Gebäude aus der Zeit der preußischen Provinz Sachsen, die seinerzeit als reichste Provinz des Landes galt.

Bevölkerung[edit]

Die Bevölkerung Sachsen-Anhalts setzte sich im 7. Jahrhundert n. Chr. aus Niedersachsen (Ostfalen) und Thüringern zusammen. Hinzu kamen die im Zuge der deutschen Ostsiedlung christianisierten Elbslawen. Weiterhin leben in Sachsen-Anhalt auch Nachfahren der in den vergangenen Jahrhunderten eingewanderten Flamen und Hugenotten sowie anderer verfolgter Volksgruppen, die bei den frühneuzeitlichen Landesherren im heutigen Sachsen-Anhalt Zuflucht fanden. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zur Ansiedlung von Vertriebenen und Flüchtlingen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Ab 1990 zogen russlanddeutsche Spätaussiedler nach Sachsen-Anhalt. Vergleichsweise klein ist der Anteil an ausländischen Immigranten. Hier sind als dominierende Gruppe Vietnamesen zu nennen.

Die historisch korrekte und von den Landesbehörden unterstützte Bezeichnung für die Einwohner des Landes ist Sachsen-Anhalter, das entsprechende Adjektiv sachsen-anhaltisch.[7] Daneben werden in der Umgangssprache fälschlich auch die Bezeichnungen Sachsen-Anhaltiner[8] und der im Duden verzeichnete Ausdruck sachsen-anhaltinisch[9][10] verwendet, was jedoch einen Bezug zum Adelsgeschlecht der anhaltinischen Linie der Askanier bedeutet.

Sprache[edit]

Sachsen-Anhalt gehört sowohl zum niederdeutschen als auch zum mitteldeutschen Sprachraum. Im Land wird heute ein eingefärbtes Hochdeutsch gesprochen, das eine Vielzahl spezifischer Wendungen aus dem Mark-Brandenburgischen aufweist, aber auch insbesondere in den südlichen Landesteilen vom Thüringisch-Obersächsischen geprägt ist. Im Nordteil, in der Altmark und in der Börde, trifft man bei älteren Sprechern noch auf die niederdeutsche Sprache. Im Mansfelder Land ist die Mansfäller Mundart anzutreffen, ein Dialekt, den Ortsfremde nur sehr schwer verstehen.

Religionen[edit]

Etwa 80 Prozent der Bürger sind konfessionslos. In Sachsen-Anhalt gehören nur 402.607 Menschen und somit 17,4 Prozent der Einwohner[11] einer der beiden großen christlichen Konfessionen an (Stand 2011), davon gehören 321.964 (13,9 Prozent der Bevölkerung) den evangelischen Landeskirchen an, worunter die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland und die Evangelische Landeskirche Anhalts wiederum die meisten Mitglieder haben. 80.643 (3,5 Prozent) der Sachsen-Anhalter sind römisch-katholisch und dem Bistum Magdeburg zugeordnet.[12] Die Region Sachsen-Anhalts gehörte bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den Gegenden mit vergleichsweise hohen Anteilen von Personen ohne Religionszugehörigkeit.[13] Die geringe Anzahl von Kirchenmitgliedern in Sachsen-Anhalt auch nach der friedlichen Revolution 1989 ist u.a. darauf zurückzuführen, dass eine Lösung von kirchlichen Bindungen durch die DDR gefördert wurde.

Die Tendenz ist weiter sinkend. Sachsen-Anhalt weist gegenwärtig die niedrigste Quote kirchlich gebundener Einwohner innerhalb Deutschlands auf. 80.000 Einwohner gehören anderen Konfessionen an, davon ca. 11.000 der Neuapostolischen Kirche und 45.000 anderen Religionen (Judentum, Zeugen Jehovas, Islam, Mandäismus). Im Vergleich zu vielen anderen deutschen Ländern ist der Anteil muslimischer Bürger sehr gering.

Gesundheitswesen[edit]

2005 wurden in Sachsen-Anhalt 1.270.763 Impfungen durch 1949 niedergelassene Ärzte durchgeführt. Hinzu kommt ein geringer Teil an Impfungen durch die Gesundheitsämter. Gegen Influenza („echte Grippe“) wurden 824.064 Menschen geimpft, der Bevölkerungsanteil der gegen Influenza geimpft ist, wird auf 33 Prozent geschätzt.[14] Sachsen-Anhalt hat seit 2008 sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich mit einem Ärztemangel zu kämpfen, dem durch Einstellung von Ärzten aus Osteuropa und Österreich begegnet wird. Im Jahr 2000 gab es 1654 Hausärzte, 2007 waren es 1437.[15]

Bevölkerungsentwicklung[edit]

Sachsen-Anhalt hatte am 31. Dezember 2013 insgesamt rund 2,2 Millionen Einwohner. Der zahlenmäßige Bevölkerungsrückgang in Sachsen-Anhalt ist ein seit der Wiedervereinigung ungebrochener Trend und in ungefähr gleichem Maße auf die geringe Anzahl Neugeborener sowie die Abwanderung von Sachsen-Anhaltern in andere Regionen zurückzuführen. Trotz eines seit 1994 zu verzeichnenden leichten Anstieges der Geburtenzahlen erreichte die Reproduktionsquote nur etwa 50 Prozent. Laut einer Bevölkerungsprognose des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt (detailliert weiter unten angegeben) wird die Bevölkerungszahl bis 2025 auf rund 1,9 Millionen zurückgehen. Sollte diese Prognose zutreffen, wäre die Bevölkerung Sachsen-Anhalts seit der Wende um rund 30 Prozent geschrumpft.

Entwicklung der Bevölkerung Sachsen-Anhalts seit 1990[16]
Jahr Bevölkerung Saldo
1990 2.873.957
1995 2.738.928 −135.029
2000 2.615.375 −123.553
2005 2.469.716 −145.659
2010 2.335.006 −134.710

Die Einwohnerzahlen nach der Kreisreform 2007 liegen zwischen 92.000 und 237.000 bei den kreisfreien Städten und zwischen 96.000 und 247.000 bei den Landkreisen (Datenstand 2005). Die Einwohnerdichte schwankt bei den neuen Kreisgebieten zwischen 42 und 159 Einwohnern pro Quadratkilometer (Datenstand 2005). Besonders niedrige Werte haben die beiden Landkreise der Altmark, der Landkreis Jerichower Land und der Landkreis Wittenberg.

Der Ausländeranteil beträgt in Sachsen-Anhalt 1,9 Prozent und ist damit im Vergleich zu den anderen Bundesländern der geringste.[17]

Bevölkerungsentwicklung in den Landkreisen und kreisfreien Städten[edit]

Die fünfte regionalisierte Bevölkerungsprognose für Sachsen-Anhalt 2008 bis 2025 des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt prognostiziert einen weiteren Bevölkerungsrückgang. Dieser wird für die großen Städte weniger stark ausfallen als für entlegenere, wirtschaftsschwache und dünn besiedelte Landkreise sowie Gebiete mit Großwohnsiedlungen. Die Prognose enthält folgende Einwohnerzahlenentwicklung:[18]

Kreisfreie Stadt / Landkreis Fläche
in km²
Einwohner
2005
Einwohner
20151)
Einwohner
20251)
Relativer
Einwohnerrückgang
2005–2025
Einwohnerdichte
2005 pro km²
Einwohnerdichte
20251) pro km²
Stadt Dessau-Roßlau 244,74 92.339 78.681 14,8 % 377 321
Stadt Halle (Saale) 135,01 237.198 206.120 13,1 % 1.757 1.527
Stadt Magdeburg 201,00 229.126 208.272 9,1 % 1.140 1.036
Altmarkkreis Salzwedel 2.293,05 96.040 78.566 18,2 % 42 34
Landkreis Anhalt-Bitterfeld 1.453,51 190.771 136.579 28,4 % 131 94
Landkreis Börde 2.366,64 190.080 178.200 160.299 15,7 % 80 75
Burgenlandkreis 1.413,69 207.727 182.300 152.032 26,8 % 147 107
Landkreis Harz 2.104,55 247.490 225.300 209.149 15,5 % 118 99
Landkreis Jerichower Land 1.576,77 102.402 80.343 21,5 % 65 55
Landkreis Mansfeld-Südharz 1.448,82 163.620 142.700 115.734 29,3 % 113 80
Saalekreis 1.433,66 208.094 186.800 184.716 11,2 % 145 129
Salzlandkreis 1.426,68 226.593 198.600 164.480 27,4 % 159 115
Landkreis Stendal 2.423,15 131.267 96.114 26,8 % 54 40
Landkreis Wittenberg 1.930,30 146.969 105.152 28,5 % 76 54
Land Sachsen-Anhalt (Gesamt) 20.451,58 2.469.716 2.238.286 1.976.237 20,0 % 121 97

Anmerkungen:
1) Regionalisierte Einwohnerprognose des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt

Bevölkerungsprognose[edit]

In der Bevölkerungsprognose Wegweiser Kommune von 2011 der Bertelsmann Stiftung wird Sachsen-Anhalt ein fortwährender Bevölkerungsrückgang vorausgesagt.

Prognose 2011[19]
Datum Einwohner
31. Dezember 2009 2.354.830
31. Dezember 2015 2.217.180
31. Dezember 2020 2.113.040
31. Dezember 2025 2.008.060
31. Dezember 2030 1.901.200


Staat[edit]

Verfassung[edit]

Die Verfassung des Landes Sachsen-Anhalt wurde 1992 vom Landtag Sachsen-Anhalt beschlossen. Sie gliedert sich in vier Hauptteile.

Politik[edit]

Landtag von Sachsen-Anhalt am Domplatz in Magdeburg; im Vordergrund rekonstruierter Grundriss der Magdeburger Kaiserpfalz, die hier um 1000 n. Chr. stand

Bei der ersten freien Wahl nach der (Wieder-)Gründung des Landes 1990 bildeten CDU (39,0 Prozent) und FDP, die mit 13,5 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis in Ostdeutschland erreichte, eine schwarz-gelbe Koalition unter dem Ministerpräsidenten Gerd Gies (CDU). Im Juli 1991 trat Gies zurück, ihm folgte der bis dato als Finanzminister amtierende Werner Münch (CDU). Als auch Münch im November 1993 zurücktrat, wurde Christoph Bergner (CDU) zum Ministerpräsidenten gewählt. Hohe Arbeitslosigkeit und die schlechte wirtschaftliche Lage im ehemaligen Schwerpunktgebiet chemischer Industrie und des Schwermaschinenbaus führten zu einer hohen Unzufriedenheit der Wähler mit der schwarz-gelben Koalition. Bei der Landtagswahl 1994 zog die SPD mit 34 Prozent fast gleichauf mit der CDU (34,4 Prozent). Da jedoch die FDP mit 3,6 Prozent aus dem Landtag ausschied, kam der CDU der Koalitionspartner abhanden. So konnte der SPD-Spitzenkandidat Reinhard Höppner mit den neu eingezogenen Grünen zunächst eine rot-grüne Minderheits-Koalition mit Duldung der PDS bilden. Nach dem erneuten Ausscheiden der Grünen aus dem Landtag bei der Landtagswahl 1998 bildete Höppner eine SPD-Minderheitsregierung unter Tolerierung der PDS. Dieses wurde als Magdeburger Modell bekannt. Aufsehen erregte bei dieser Wahl auch der Erfolg der als rechtsextrem geltenden DVU, die 12,9 Prozent erreichte.

Mit der Wahl zum 4. Landtag Sachsen-Anhalt im März 2002 fiel die vorher regierende SPD mit zweistelligen Verlusten hinter CDU und PDS zurück und wurde nur drittstärkste Partei im Landtag. Die DVU war durch interne Streitigkeiten zerbrochen und schied wieder aus dem Landtag aus. Hingegen konnte die FDP mit einem Ergebnis von 13,3 Prozent erneut in den Landtag einziehen, CDU und FDP bildeten unter dem neuen Ministerpräsidenten Wolfgang Böhmer die Regierung. Bei der Landtagswahl 2006 erlitt die FDP Verluste auf 6,7 Prozent, für eine erneute Koalitionsbildung mit der CDU (36,2 Prozent) reichte es nicht mehr. Daher bildete die CDU mit der SPD eine große Koalition unter dem erneuten Ministerpräsidenten Böhmer. Bei der Landtagswahl 2011 konnten die Grünen, nachdem sie auch 2006 nicht die Fünf-Prozent-Hürde genommen hatten, erstmals seit 1998 wieder in den Landtag einziehen. Die FDP schied mit erneuten Verlusten und einem Ergebnis von 3,8 Prozent wieder aus dem Landtag aus. Eine rechnerisch mögliche rot-rote Koalition unter Führung der Linken (23,7 Prozent) wurde von der SPD (21,5 Prozent) mit ihrem Spitzenkandidaten Jens Bullerjahn strikt ausgeschlossen, da die Linke den Posten des Ministerpräsidenten für sich beanspruchte. Somit bildeten CDU und SPD unter dem neuen Ministerpräsidenten Reiner Haseloff (CDU) erneut eine große Koalition. Amtsinhaber Böhmer trat aus Altersgründen nicht erneut zur Wahl an. Sachsen-Anhalt weist damit seit 1994 mit wechselnder Beteiligung ein Vier-Parteien-Parlament auf.

Landtagspräsidenten von Sachsen-Anhalt
Oberpräsident der Provinz Sachsen-Anhalt

Jens Bullerjahn Horst Rehberger Gerlinde Kuppe Heidrun Heidecke Wolfgang Rauls Gerd Brunner Reiner Haseloff Wolfgang Böhmer Reinhard Höppner Christoph Bergner Werner Münch Gerd Gies


Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt
Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt
Nr. Name Lebensdaten Partei Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit
1 Erhard Hübener 1881–1958 LDPD 21. Juli 1947 13. August 1949
2 Werner Bruschke 1898–1995 SED 13. August 1949 23. Juli 1952
3 Gerd Gies * 1943 CDU 28. Oktober 1990 4. Juli 1991
4 Werner Münch * 1940 CDU 4. Juli 1991 28. November 1993
5 Christoph Bergner * 1948 CDU 2. Dezember 1993 21. Juli 1994
6 Reinhard Höppner 1948–2014 SPD 21. Juli 1994 16. Mai 2002
7 Wolfgang Böhmer * 1936 CDU 16. Mai 2002 19. April 2011
8 Reiner Haseloff * 1954 CDU 19. April 2011 im Amt
Bisherige Landesregierungen
  • 1946–1950: SED/LDPD/CDU, ab 1949 NDPD
  • 1950–1952: SED/LDPD/DBD/NDPD
  • 1990–1994: Koalition CDU/FDP
  • 1994–1998: Koalition SPD/Bündnis 90/Die Grünen (Minderheitsregierung, toleriert durch PDS)
  • 1998–2002: SPD (Minderheitsregierung, toleriert durch PDS)
  • 2002–2006: Koalition CDU/FDP
  • seit dem 24. April 2006: Koalition CDU/SPD

Volksentscheide[edit]

Am 23. Januar 2005 fand im Land ein Volksentscheid zur Kita-Betreuung statt. Dieser scheiterte unecht u. a. an der niedrigen Wahlbeteiligung.

Sonstiges[edit]

Laut Verfassungsschutzbericht war der Anteil von rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten 2005 im Vergleich höher als in anderen Bundesländern. Im ersten Quartal 2007 wurde nahezu eine Halbierung der Straftaten verzeichnet, die aber nur auf eine „andere Auslegung“ von Straftaten durch das Landeskriminalamt zurückzuführen war.[20] 2006 wurden 1240 rechtsextreme Straftaten verzeichnet.[21]

Verwaltungsgliederung[edit]

Sachsen-Anhalt untergliedert sich in elf Landkreise und drei kreisfreie Städte. Die derzeitige Verwaltungsstruktur entstand durch zwei Kreisreformen, wobei in der ersten Kreisgebietsreform am 1. Juli 1994 aus vormals 37 Landkreisen 21 neue Landkreise gebildet wurden, deren Zahl am 1. Juli 2007 auf elf reduziert wurde (siehe auch: Kreisreform Sachsen-Anhalt 2007).

Altmarkkreis Salzwedel Landkreis Stendal Landkreis Börde Magdeburg Landkreis Jerichower Land Landkreis Harz Salzlandkreis Landkreis Anhalt-Bitterfeld Dessau-Roßlau Landkreis Wittenberg Saalekreis Halle (Saale) Burgenlandkreis Landkreis Mansfeld-Südharz Berlin Sachsen Thüringen Niedersachsen BrandenburgLandkreise und kreisfreie Städte in Sachsen-Anhalt
Über dieses Bild
Landkreis Einwohner
(31. Dezember 2013[22])
Fläche (km²) Einwohnerdichte
(Personen je km²)
Anhalt-Bitterfeld (ABI) 166.828 1.453,51 115
Burgenlandkreis (BLK) 184.956 1.413,69 131
Börde (BK) 172.955 2.366,64 73
Harz (HZ) 221.043 2.104,55 105
Jerichower Land (JL) 91.721 1.576,77 58
Mansfeld-Südharz (MSH) 143.246 1.448,82 99
Saalekreis (SK) 187.690 1.433,66 131
Salzlandkreis (SLK) 198.715 1.426,68 139
Altmarkkreis Salzwedel (SAW) 86.312 2.293,05 38
Stendal (SDL) 115.471 2.423,15 48
Wittenberg (WB) 129.438 1.930,30 67
Dessau-Roßlau (DE), kreisfreie Stadt 83.616 244,74 342
Halle (Saale) (HAL), kreisfreie Stadt 231.565 135,01 1.715
Magdeburg (MD), kreisfreie Stadt 231.021 201,00 1.149
Sachsen-Anhalt (ST), Gesamt 2.244.577 20.451,58 110

Sachsen-Anhalt gliedert sich in 218 Gemeinden, darunter 104 Städte, von denen drei kreisfrei sind (Stand: 1. Januar 2014). Bis 31. Dezember 2009 gab es 857 Gemeinden, die zur Erfüllung ihrer Aufgaben in Verwaltungsgemeinschaften oder Verbandsgemeinden zusammengeschlossen waren. Diese wurden im Rahmen der Gemeindegebietsreform 2010 aufgelöst und meist in Einheitsgemeinden umgewandelt.

Bis 2003 gab es in Sachsen-Anhalt mit Dessau, Halle und Magdeburg drei Regierungsbezirke. Diese wurden zum 1. Januar 2004 aufgelöst, die Arbeit der Regierungspräsidien übernahm das für das gesamte Land eingerichtete Landesverwaltungsamt mit Sitz in Halle (Saale) und Nebenstellen in Dessau und Magdeburg.

Größte Städte[edit]

Der Magdeburger Dom bei Nacht
Blick über die Wittenberger Altstadt
Blick vom Schlossgarten auf das Merseburger Schloss
Stadt Landkreis Einwohner
31. Dezember 2010
Gebietsstand
1. Januar 2011
Veränderung
2000–2010 in %
Gebietsstand
1. Januar 2011
Fläche (km²)
1. Halle (Saale) kreisfrei 232.963 −5,96 135,01
2. Magdeburg kreisfrei 231.525 +0,03 201,00
3. Dessau-Roßlau kreisfrei 86.906 −13,12 244,74
4. Lutherstadt Wittenberg Wittenberg 49.496 −11,81 240,34
5. Bitterfeld-Wolfen Anhalt-Bitterfeld 45.171 −21,35 87,49
6. Halberstadt Harz 42.605 −8,25 142,98
7. Stendal Stendal 42.435 −12,07 268,02
8. Weißenfels Burgenlandkreis 41.434 −9,97 113,55
9. Bernburg Salzlandkreis 35.516 −12,75 113,46
10. Merseburg Saalekreis 35.419 −10,78 54,76
11. Wernigerode Harz 34.383 −6,41 170,17
12. Naumburg Burgenlandkreis 34.294 −8,20 129,90
13. Schönebeck Salzlandkreis 33.888 −12,34 86,01
14. Zeitz Burgenlandkreis 31.556 −17,73 87,16
15. Sangerhausen Mansfeld-Südharz 29.679 −15,61 207,66
16. Aschersleben Salzlandkreis 29.082 −13,89 156,23
17. Staßfurt Salzlandkreis 28.605 −17,36 146,70
18. Quedlinburg Harz 28.424 −11,52 120,45
19. Köthen Anhalt-Bitterfeld 28.243 −13,24 78,44
20. Eisleben Mansfeld-Südharz 25.489 −13,67 143,86
21. Salzwedel Altmarkkreis Salzwedel 24.874 −12,85 304,57
22. Burg Jerichower Land 24.163 −10,77 164,05
23. Gardelegen Altmarkkreis Salzwedel 23.971 −9,59 632,43
24. Zerbst Anhalt-Bitterfeld 23.167 −15,21 467,77
25. Blankenburg Harz 21.911 −10,90 148,89
26. Oschersleben Börde 20.831 −12,85 188,92

Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt

Wappen und Flagge[edit]

Das Wappen Sachsen-Anhalts symbolisiert im oberen Feld die ehemalige preußische Provinz Sachsen, im unteren Feld den ehemaligen Freistaat Anhalt. Die Landesfarben sind gelb-schwarz.

Genaueres siehe in den Artikeln Wappen Sachsen-Anhalts und Flagge Sachsen-Anhalts

Verdienstorden des Landes Sachsen-Anhalt[edit]

Partnerschaften[edit]

Das Land Sachsen-Anhalt unterhält folgende Partnerschaften:[23]

Wirtschaft und Infrastruktur[edit]

Medien[edit]

Die Landeshauptstadt Magdeburg ist Sitz des Landesfunkhauses Sachsen-Anhalt, das zum Mitteldeutschen Rundfunk gehört. Die Medienanstalt Sachsen-Anhalt hat ihren Sitz in Halle (Saale). In einigen Gebieten gibt es private Fernsehsender wie das Magdeburger Fernsehen 1, das Regionalfernsehen Harz oder TV Halle. Die größten Tageszeitungen sind die in Magdeburg erscheinende Volksstimme und die Mitteldeutsche Zeitung in Halle (Saale) mit einer Auflage von jeweils rund 190.000 Exemplaren.

Wirtschaft[edit]

Noch aktiver Braunkohletagebau der Romonta GmbH in Amsdorf

Nach 1945[edit]

Mit der Gliederung der Länder in Bezirke wurde das Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalts 1952 im Wesentlichen in die zwei Bezirke Halle und Magdeburg aufgeteilt. Im planwirtschaftlichen System der DDR wurde der Bezirk Halle zum Chemiestandort ausgebaut, geprägt von großen Chemiefabriken in Leuna (Leunawerke), Schkopau (Buna-Werke) und Bitterfeld/Wolfen, die auch heute noch das sogenannte Mitteldeutsche Chemiedreieck bilden. Auch das Mitteldeutsche Braunkohlerevier, zu dem das Geiseltal und das Bitterfelder Bergbaurevier gehören sowie die Kupfererzförderung im Mansfelder Land und um Sangerhausen beschäftigten Zehntausende von Arbeitern. Die Wirtschaft im Bezirk Magdeburg hingegen war einerseits durch großflächige Landwirtschaft in der Börde und Altmark geprägt, andererseits durch Schwermaschinenkombinate wie SKET, die VEB Schwermaschinenbau „Karl Liebknecht“ oder die VEB Schwermaschinenbau Georgi Dimitroff in Magdeburg, in welchen die zahlreichen Maschinenbaufirmen aus der Zeit vor 1945 zusammengefasst wurden.

Seit 1990[edit]

Sachsen-Anhalt verarbeitete den wirtschaftlichen Strukturwandel nach 1990 mit Erfolg und Rückschlägen zugleich. Die großen Kombinate hatten schwere strukturbedingte Schwierigkeiten beim Übergang in die Soziale Marktwirtschaft, da ihre technischen Anlagen meist völlig veraltet waren, durch einen hohen Einsatz von Arbeitskräften geprägt waren und schwere Umweltschäden verursachten. Insbesondere die Kombinate im Maschinenbau, dem Chemiedreieck und im Bergbau brachen rasch nach der Wende zusammen, was den Verlust von mehreren zehntausend Arbeitsplätzen zur Folge hatte. Die Arbeitslosigkeit stieg von 10,3 % (167.127 Menschen) im Jahre 1991 über 16,5 % (208.149 Menschen) im Jahre 1995 auf den Höchststand von 21,7 % 1998/1999 und verharrte auf diesem, in Deutschland zu dieser Zeit höchsten Niveau über mehrere Jahre bis 2005. Ab 2005 sank die Arbeitslosigkeit langsam und kontinuierlich auf rund 11,5 % im Frühjahr 2011, was im Ländervergleich dem 14. von 16 Rängen entspricht. Dabei zeigt sich auch innerhalb des Bundeslandes ein Gefälle: so betrug die Quote im Landkreis Börde im Mai 2011 7,9 % und lag im Landkreis Mansfeld-Südharz mit 14,3 Prozent fast doppelt so hoch.[24]

Die Landwirtschaft als eine der erfolgreichsten Branchen Sachsen-Anhalts

Insgesamt gelang dem Land seit 1990 eine langsame, aber relativ stetige wirtschaftliche Erholung. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) verdoppelte sich in sieben Jahren von 20,3 Milliarden Euro im Jahr 1991 auf 42,7 Milliarden Euro im Jahr 1998. Die nächsten sieben Jahre bis 2005 waren von einer geringeren Dynamik geprägt, das BIP wuchs lediglich auf 47,4 Milliarden Euro, was rund zehn Prozent Wachstum entspricht. 2006 sprang das Wachstum wieder stärker an und das BIP stieg bis 2008 auf 52,7 Milliarden Euro, was rund elf Prozent in drei Jahren entspricht. Mit einem Rückschlag durch Finanz- und Wirtschaftskrise in 2009 liegt das BIP 2010 bei 52,1 Milliarden Euro, womit es im Ländervergleich auf dem 12. Platz liegt.[25][26]

Die wichtigsten Wirtschaftszweige sind heute vor allem die Chemieindustrie, der Maschinenbau, das Ernährungsgewerbe und der Tourismus, unterstützt durch eine starke, öffentlich geförderte Forschungslandschaft. Neben den traditionellen Branchen haben sich auch der Dienstleistungssektor und neue Industrien wie Automobilindustrie, Biotechnologie, Informations- und Kommunikationstechnologien, Medien, Holzindustrie, Nachwachsende Rohstoffe, Windenergie und Photovoltaik als wichtige Branchen etabliert. Die Strukturschwäche des Landes bleibt jedoch bestehen.[27]

Die Region zwischen Halle und dem in Sachsen liegenden Leipzig bildet eine wirtschaftliche Schwerpunktregion, die besonders von guter verkehrstechnischer Erreichbarkeit profitiert (Autobahnen A 9, A 14, A 38, A 143, Flughafen Leipzig-Halle, Bahnknotenpunkt Halle). Traditionell befindet sich in der Gegend mit dem „Chemiedreieck“ ein Schwerpunkt von Chemie- und Erdölindustrie in Deutschland. Insbesondere in Leuna wurden in den letzten Jahren die größten Auslandsinvestitionen ganz Ostdeutschlands getätigt. Auch die Region nördlich und westlich von Magdeburg ist mit ihrer günstigen Lage zwischen Berlin und Hannover am Kreuz von A 2 und A 14 sowie dem Wasserstraßenkreuz zunehmend ein Investitions- und Ansiedlungsschwerpunkt geworden.

Die zehn wichtigsten Standorte sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung sind (Arbeitsortangaben):[28]

Stadt sozialvers.
Beschäftigte
30. Juni 2012
Veränderung
seit
30. Juni 20071
Pendlersaldo
30. Juni 2012
Arbeitsplatzdichte2
Magdeburg 102.648 + 2,51 % + 20.317 703
Halle (Saale) 91.352 + 4,66 % + 13.208 628
Dessau-Roßlau 33.997 + 0,37 % + 4.224 657
Bitterfeld-Wolfen 22.099 + 8,38 % + 6.536 842
Lutherstadt Wittenberg 19.270 + 1,16 % + 2.192 664
Stendal 17.139 + 2,03 % + 3.071 653
Wernigerode 16.001 − 5,26 % + 3.081 754
Bernburg 15.331 + 12,18 % + 3.126 695
Halberstadt 14.895 + 0,70 % + 864 594
Merseburg 13.596 + 1,46 % + 1.818 660
1 Die Eingemeindungen durch die Gemeindereform sind bereits berücksichtigt.
2 Sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze pro 1000 Einwohner im Alter zwischen 18 und 64; Zahlen zum 9. Mai 2011 gemäß Zensus 2011.[29]

Hochschulen und Forschungseinrichtungen[edit]

In Sachsen-Anhalt hat sich seit 1990 eine ausgeprägte Forschungs- und Wissenschaftslandschaft entwickelt. Neben der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg verfügt das Land Sachsen-Anhalt über acht weitere Hochschulen.

Die Rektoratsvilla auf dem Wernigeröder Hochschulcampus (HS Harz)

Insbesondere um die beiden Universitäten haben sich Forschungseinrichtungen der großen deutschen Forschungsinstitute angesiedelt. So gibt es heute fünf Institute der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz, drei Max-Planck-Institute, eine Max-Planck-Forschungsstelle, zwei Fraunhofer-Einrichtungen und Standorte von zwei Großforschungseinrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft.[30] Hinzu kommt das Julius Kühn-Institut mit Sitz in Quedlinburg.

Leibniz-Gemeinschaft[edit]

Hauptartikel: Leibniz-Gemeinschaft

Max-Planck-Gesellschaft[edit]

Hauptartikel: Max-Planck-Gesellschaft

Fraunhofer-Gesellschaft[edit]

Hauptartikel: Fraunhofer-Gesellschaft

Helmholtz-Gemeinschaft[edit]

Mit teilweise expliziten Stadtvierteln und Standorten für Forschungsinstitute wie dem Wissenschaftshafen[31] in Magdeburg und dem Weinberg Campus in Halle versuchen die Städte, weitere Ansiedlungen von technologie- und forschungsaffinen Einrichtungen besonders zu unterstützen.

Mit der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina hat die älteste dauerhaft existierende naturforschende Akademie der Welt ihren Sitz in Sachsen-Anhalt. Am 14. Juli 2008 wurde die Leopoldina zur Nationalen Akademie der Wissenschaften Deutschlands erklärt. Sie hat ihren Sitz seit 1878 in Halle.

Energie[edit]

Zu DDR-Zeiten sollte das Kernkraftwerk Stendal als größtes seiner Art entstehen und wäre mit einer Gesamtleistung von 4000 Megawatt auch das größte Kernkraftwerk Deutschlands insgesamt geworden. Das Kraftwerk Schkopau ist das gegenwärtig größte Kraftwerk, das mit fossilen Brennstoffen betrieben wird und eine Leistung von 900 MW hat. Der größte Windpark des Landes befindet sich zwischen den Orten Biere und Borne; er hat eine Leistung von 109 MW.

Im Bundesländervergleich „Erneuerbare Energie“ wurde Sachsen-Anhalt im Jahr 2012 in der Kategorie „Wirtschaftsmotor“ als Sieger ausgezeichnet. In der Gesamtwertung zwar nur auf Platz 5 verortet, steht das Land demnach insbesondere bei den Wirtschafts- und Beschäftigungseffekten der Erneuerbaren-Energien-Branche gut da. Durch Produktionsanlagen von Unternehmen der Branche, aber auch durch die eigene intensive Nutzung erneuerbarer Energien wird die regionale Wertschöpfung durch Wind, Sonne und Biomasse vorangetrieben. Gemäß dem Energiekonzept 2020 der Landesregierung sollen Erneuerbare Energien bis 2020 einen Anteil von 20 % am Primärenergieverbrauch erreichen.[32]

Große Bedeutung hat insbesondere die Windenergie. Im Jahr 2012 konnten die in Sachsen-Anhalt installierten Windkraftanlagen knapp 50 % des Nettostrombedarfs des Landes decken. Damit rangiert das Land deutschlandweit nach Mecklenburg-Vorpommern auf dem zweiten Platz.[33]

Schienenverkehr[edit]

Eine der ersten Bahnstrecken Deutschlands wurde 1840 zwischen Köthen und Dessau eröffnet. Nach dem abschnittsweisen Ausbau der sogenannten Anhalter Bahn über Wittenberg und Jüterbog endete diese Strecke im Berliner Anhalter Bahnhof. Köthen wurde zum ersten Eisenbahnknoten Deutschlands, da es bereits an der Magdeburg-Leipziger Eisenbahn lag.

Heute sind die wichtigsten Bahnstrecken des Landes die als Lehrter Bahn bezeichnete Strecke von Berlin nach Hannover über Stendal, die Bahnstrecke Berlin–Halle als Verbindung zwischen Berlin und München, die Strecke Berlin–Magdeburg, die Strecke Magdeburg–Braunschweig mit Verbindungen nach Hannover sowie die Bahnstrecke Magdeburg–Leipzig, mit der Magdeburg und Halle verbunden sind. Hinzu kommt ein Netz aus weiteren Haupt- und Nebenbahnen, welche die Städte des Landes verbinden wie bspw. der Harz-Elbe-Express (HEX) mit Verbindungen von Magdeburg und Halle in die Harzvorstädte und den Harz. Vor allem touristische Zwecke erfüllen die Harzer Schmalspurbahnen (HSB).

Wichtigste Bahnknoten sind Halle und Magdeburg, ferner sind auch die Bahnhöfe in Stendal, Halberstadt, Köthen, Dessau, Lutherstadt Wittenberg, Bitterfeld, Weißenfels, Naumburg und Sangerhausen von Bedeutung.

In den Großräumen Magdeburg und Halle existieren S-Bahnen (S-Bahn Mittelelbe, S-Bahn Mitteldeutschland).

Straßennetz[edit]

Von überregionaler Bedeutung sind vor allem vier Bundesautobahnen, die das Land durchziehen. In Ost-West-Richtung verläuft im nördlichen Sachsen-Anhalt an Magdeburg vorbei die A 2 Berlin–Hannover, im östlichen Teil des Landes verläuft die A 9 Berlin–München in Nord-Süd-Richtung und erschließt die Städte Dessau, Bitterfeld, Halle und Weißenfels. Quer durch Sachsen-Anhalt verläuft die A 14 von Dresden über Halle nach Magdeburg und tangiert dabei Bernburg, Staßfurt und Schönebeck. Geplant ist eine Verlängerung dieser Autobahn nach Norden über Stendal, Osterburg (Altmark) und Wittenberge (Brandenburg) zum Dreieck Schwerin (Altmark-Autobahn). Im Süden Sachsen-Anhalts verläuft in öst-westlicher Richtung die A 38 (LeipzigGöttingen), tangiert Sangerhausen und erschließt den Südharz. Verbunden wird diese Autobahn mit der A 14 durch die A 143, die westlich um die Stadt Halle herumführt und nach Fertigstellung zur Mitteldeutschen Schleife, einem Autobahn-Doppelring um die Städte Halle und Leipzig, werden soll.

Für das mittlere Sachsen-Anhalt ist die Bundesstraße 6n von Bedeutung, die als Verlängerung der A 395 nördlich des Harz die Städte Wernigerode, Blankenburg (Harz), Thale, Quedlinburg und Aschersleben erschließt und bei Bernburg auf die A 14 trifft. Die Weiterführung zur A 9 südlich von Dessau ist geplant und teilweise im Bau. Das nördliche Sachsen-Anhalt erschließen von Magdeburg aus vor allem die B 71 und B 189, die in Ermangelung einer Autobahn in dieses Gebiet ein hohes Verkehrsaufkommen haben. Die B 71 bindet Haldensleben, Gardelegen und Salzwedel an, die B 189 die Städte Stendal, Osterburg (Altmark) und Seehausen (Altmark). Den Norden Sachsen-Anhalts verbindet die B 190 von Salzwedel nach Seehausen.

Straßennetz im Land Sachsen-Anhalt[34]
Jahr Bundesautobahn
in km
Bundesstraßen
in km
Landesstraßen
in km
1995 199 2326 3845
2000 320 2403 3834
2003 360 2359 3778
2005 384 2416 3819
2010 550 2319 3930

Durch Sachsen-Anhalt verläuft als Teil der Transromanica auch die Straße der Romanik, eine Ferienstraße, die wegen des großen romanischen Erbes dieser Landschaft eingerichtet wurde. Ebenfalls durch Sachsen-Anhalt führt die Straße der Familie Bismarck.

Flugverkehr[edit]

Karte der Flughäfen und Landeplätze in Sachsen-Anhalt

Zwischen Halle und Leipzig befindet sich auf sächsischem Gebiet der Interkontinental-Flughafen Leipzig/Halle. In Magdeburg liegt der Flugplatz Magdeburg, der vorrangig von Sport- und Privatfliegern genutzt wird. In der Nähe der Stadt Aschersleben gibt es den Flughafen Cochstedt, der mehrere Jahre ohne Betrieb war und seit dem 30. März 2011 von Ryanair genutzt wird.

Wasserstraßen[edit]

Durch Sachsen-Anhalt verlaufen mit der Elbe, der Saale, dem Mittellandkanal und dem Elbe-Havel-Kanal wichtige Wasserstraßen, die sich bei der Landeshauptstadt Magdeburg am Wasserstraßenkreuz treffen. Binnenhäfen bestehen u. a. mit dem Hafen Magdeburg und dem Hafen Halle (Saale).

Kultur[edit]

Die Kulturlandschaft Sachsen-Anhalts ist, im Gegensatz zu den angrenzenden Ländern Brandenburg, Sachsen oder Thüringen, regional äußerst unterschiedlich und weist verhältnismäßig wenige Gemeinsamkeiten auf. Zunächst unterscheidet sich das bereits ab 700 besiedelte altdeutsche Bauerngebiet westlich von Saale und Elbe von den während der deutschen Ostkolonialisierung im 12. Jahrhundert germanisierten slawischen Siedlungsgebieten östlich der beiden Flüsse.

So entstand ab 700 zwischen Magdeburg und dem Harz ein Siedlungsgebiet, dass – wie das angrenzende Südniedersachsen – zu Ostfalen gezählt wird. Südlich des Harzes entstand gleichzeitig ein thüringisch geprägtes Gebiet zwischen Zeitz und Sangerhausen. Im Norden des Landes bildete sich um das Jahr 1000 das Siedlungsgebiet der Altmark, die dem heutigen Brandenburg sehr ähnlich ist. Gleiches gilt auch für das Jerichower Land zwischen Elbe und Fläming. Im Südosten des Landes, zwischen Halle und Wittenberg, entstand ab 1100 eine Region, die kulturell enge Verbindungen zu Sachsen aufweist. In der Mitte des Landes zieht sich in einem schmalen Streifen vom Harz bis nach Dessau die Region Anhalt hin, die eine Mischregion aus kulturellen Einflüssen Ostfalens, Thüringens, Sachsens und Brandenburgs darstellt.

Damit kann man das heutige Bundesland Sachsen-Anhalt in die Kulturräume Altmark im Norden, Jerichower Land im Osten, Ostfalen im Westen, thüringisch geprägte Gebiete im Südwesten und sächsisch geprägte Gebiete im Südosten unterteilen. Dazwischen liegt in der Landesmitte Anhalt.

Städte[edit]

Bauhaus Dessau in Dessau-Roßlau, Teil des Weltkulturerbes der UNESCO

Am 31. Dezember 2006 lebten 1.116.692 von 2.441.787 Einwohnern in Städten mit mehr als 20.000 Einwohnern, was einem relativ niedrigen Verstädterungsgrad von 45,73 % entspricht. Obwohl die meisten Städte bereits seit 1940 schrumpfen, bilden sie die kulturellen Zentren des Landes. Dies gilt insbesondere für die beiden größten Städte Magdeburg und Halle sowie für die Bauhaus-Stadt Dessau und die Lutherstadt Wittenberg. Bedingt durch die kulturellen Unterschiede der Landesteile unterscheiden sich auch die Stadtbilder erheblich. Von der Backsteingotik des norddeutschen Mittelalters sind beispielsweise die Städte Stendal, Salzwedel, Tangermünde, Gardelegen und Burg geprägt. Durch Romanik und Gotik sind besonders die Städte in der Harzregion wie beispielsweise Halberstadt, Wernigerode, Sangerhausen, Aschersleben und in besonderem Maße Quedlinburg und Eisleben geprägt. Auch Naumburg, Merseburg, Zeitz und Schönebeck tragen heute noch eine mittelalterliche Prägung in ihrem Weichbild. Die folgenden Stilepochen der Renaissance und des Barocks sind in vielen Städten vertreten, hervorzuheben sind hier vor allem die Renaissancebauten in Wittenberg, das zu dieser Zeit eine Blütephase erlebte. Auch die Residenzstädte Köthen, Bernburg und Weißenfels weisen heute eine Vielzahl an barocken Gebäuden auf. Die größte Stadt des Landes, Halle, hat ein stark durchmischtes Stadtbild von der Gotik bis zur modernen Architektur. Eine industriestädtische Prägung weist vor allem die Stadt Bitterfeld-Wolfen auf. Bedingt durch die starke Zerstörung im Zweiten Weltkrieg sind die Innenstädte Magdeburgs und Dessaus vor allem durch die sozialistische Nachkriegsarchitektur und Bauten der jüngsten Zeit geprägt. Nach dem Ideal der Sozialistischen Stadt entstanden zu DDR-Zeiten große Teile Wolfens sowie Halle-Neustadt, die größte Plattenbaustadt der DDR.

Burgen[edit]

Die Burg Falkenstein im Harz

Begünstigt zur Anlage von Burgen waren vor allem die südlichen, hügeligen Landesteile. Im Norden und im Flachland griff man daher vor allem auf die Anlage von Wasserburgen zurück. Entlang der deutsch-slawischen Siedlungsgrenze des frühen Mittelalters entstanden auch Stadtburgen (Magdeburg, Bernburg, Merseburg, Naumburg). Zu den ältesten Burgen des Landes gehören die ottonischen Königspfalzen, die sich unter anderem in Allstedt, Magdeburg, Memleben, Merseburg, Quedlinburg, Tilleda und Westerburg befanden. Zu den bedeutendsten heute erhaltenen Burgen gehören die Burg Falkenstein (Harz), die Burg Landsberg mit einer Doppelkapelle der Stauferzeit, die Neuenburg bei Freyburg an der Unstrut, die großflächige Burg Querfurt, die Rudelsburg und Burg Saaleck über dem Naumburger Saaletal, die Burg Giebichenstein, die Moritzburg in Halle sowie die Burg Wettin als Stammsitz des europäischen Herrschergeschlechts der Wettiner und die Burg Anhalt im Harz als Ursprung Anhalts. Daneben gibt es noch eine Vielzahl von Burgen und Burgruinen, vor allem im Harz, aber auch in anderen Landesteilen.

Später wurde die Stadt Magdeburg durch die Preußen zur Festung ausgebaut und dadurch zu einer der stärksten Festungen Deutschlands (siehe hierzu: Festung Magdeburg).

Schlösser[edit]

Die meisten Schlösser Sachsen-Anhalts stammen aus der Zeit der Renaissance und des Barocks. Im Harz gibt es viele Stadtschlösser, die aus Burgen hervorgingen und sich oberhalb der mittelalterlichen Altstädte befinden. Das bekannteste dieser Schlösser ist das Schloss Wernigerode, aber auch das Schloss Stolberg, das Schloss Blankenburg oder das Schloss Mansfeld lassen sich in diese Kategorie einordnen. Oft handelt es sich hierbei um Mischformen aus Burg und Schloss.

Des Weiteren gibt es in Sachsen-Anhalt einige Residenzschlösser. Dazu gehören das Schloss Bernburg (Anhalt-Bernburg), der Johannbau in Dessau (Anhalt-Dessau) das Schloss Moritzburg (Sachsen-Zeitz), das Schloss Neu-Augustusburg (Sachsen-Weißenfels) und das Schloss Wittenberg (Kurfürstentum Sachsen). Eine dritte Gruppe bilden Land- und Sommerresidenzen wie beispielsweise Schloss Mosigkau bei Dessau oder das gesamte Dessau-Wörlitzer Gartenreich mit mehreren Schlösschen. Auch Schloss Oranienbaum und Schloss Zerbst (Katharina die Große) gehören in diese Gruppe.

Kirchen und Klöster[edit]

Der Marktplatz in Halle mit der Marktkirche, welche zusammen mit dem Roten Turm das Wahrzeichen der „Fünf Türme“ bildet.

Die größte Blütezeit erlebte der Kirchenbau im Land zur Zeit der Romanik und der Gotik. Es entstanden mehrere Dome (Magdeburger Dom, Hallescher Dom, Merseburger Dom, Naumburger Dom, Zeitzer Dom, Halberstädter Dom und Havelberger Dom) sowie eine Vielzahl großer Stadtkirchen (z. B. St. Stephani in Aschersleben, St. Stephani in Calbe, die Marienkirche und die Johanniskirche in Dessau, die Martinikirche und die Liebfrauenkirche in Halberstadt, die Marktkirche in Halle, St. Jakob in Köthen, St. Wenzel in Naumburg, die Nikolaikirche in Quedlinburg, St. Jakobi in Schönebeck, St. Marien in Stendal, St. Stephan in Tangermünde und die Stadtkirche in Wittenberg).

Baugeschichtlich bedeutsam sind vor allem die Stiftskirche Gernrode und die Stiftskirche Quedlinburg. Auch die Stiftskirche Walbeck zählt zum Erbe der ottonischen Baukunst.

Die meisten Kirchen der Magdeburger Altstadt wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und später abgetragen. Neben dem Dom sind dort aber noch einige bedeutende Kirchen erhalten, so das Kloster Unser Lieben Frauen, die Sankt-Petri-Kirche, die Sankt-Sebastian-Kirche, die Sankt-Johannis-Kirche und die Sankt-Nicolai-Kirche als Vorbild der Normalkirche Schinkels.

Die meisten Klöster Sachsen-Anhalts wurden nach der Reformation im Lauf des 16. Jahrhunderts aufgelöst, sodass heute hauptsächlich romanische und gotische Klosterkirchen oder -ruinen erhalten sind. Dazu zählen beispielsweise die Huysburg, das Kloster Drübeck, das Kloster Gröningen, das Kloster Hadmersleben, das Kloster Hamersleben, das Kloster Hillersleben und das baugeschichtlich bedeutsame Kloster Jerichow. Im Kloster Pforta bei Naumburg hat sich die 1543 gegründete Landesschule Pforta eingerichtet.

Sport[edit]

Handball[edit]

Logo des SC Magdeburg

Sachsen-Anhalt, speziell Magdeburg, ist eine Hochburg des Handballs. Der traditionsreiche SC Magdeburg spielt in der 1. Handball-Bundesliga und mit seiner zweiten Mannschaft in der 2. Handball-Bundesliga, wo außerdem noch der SV Anhalt Bernburg und der Dessau-Roßlauer HV sowie ab der Spielzeit 2010/2011 der HC Aschersleben spielen. Ebenfalls in der 2. Bundesliga, allerdings bei den Frauen, sind der SV Union Halle-Neustadt und die SG Bandits Magdeburg/Barleben (die ehemalige weibliche Abteilung des SC Magdeburg) aktiv.

Basketball[edit]

Im südlichen Sachsen-Anhalt ist einer der erfolgreichsten Basketballclubs Ostdeutschlands beheimatet. Der Mitteldeutsche Basketball Club (MBC) aus Weißenfels spielte fünf Jahre lang – von 1999 bis 2004 – in der 1. Basketballbundesliga BBL. 2004 gewann das Team den Europapokal des FIBA Europe Cup Men. Nach einigen Jahren in der 2. Bundesliga Pro A und Vizemeisterschaften 2006 und 2007 gelang dem MBC in der Saison 2008/2009 erneut der Aufstieg in die 1. Liga.

Mit den SV Halle Lions stellt Sachsen-Anhalt zudem eine Frauenbasketballmannschaft in der 1. Bundesliga DBBL.

Fußball[edit]

In Sachsen-Anhalt ist der ehemalige Europapokalsieger 1. FC Magdeburg beheimatet, der wie der VfB Germania Halberstadt in der Fußball-Regionalliga Nordost der Männer spielt. Ranghöher ist der Hallesche FC, der seit der Saison 2012/2013 der Dritten Liga angehört. In der 2. Bundesliga der Frauen spielt der Magdeburger FFC.

Motorsport[edit]

In Oschersleben (Bode) befindet sich die Motorsport Arena Oschersleben, in der nationale und internationale Auto- und Motorradrennen stattfinden. In Teutschenthal befindet sich eine Motocross-Rennstrecke, auf der schon einige Male der Motocross-Weltmeisterschaften stattfanden.

Küche[edit]

Hasseröder Brauerei bei Wernigerode – Marktführer in Sachsen-Anhalt
Hauptartikel: Sachsen-Anhaltische Küche

Nicht-bundeseinheitliche Feiertage[edit]

Sonstiges[edit]

Sachsen-Anhalt hatte im Jahr 2006 die niedrigste Suizidrate aller deutschen Länder.[35]

Siehe auch[edit]

 Portal: Sachsen-Anhalt – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Sachsen-Anhalt

Literatur[edit]

Weblinks[edit]

 Wikisource: Sachsen-Anhalt – Quellen und Volltexte
 Wiktionary: Sachsen-Anhalt – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Sachsen-Anhalt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Sachsen-Anhalt – in den Nachrichten
 Wikivoyage: Sachsen-Anhalt – Reiseführer

Einzelnachweise[edit]

  1. Nach der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen
  2. https://www.regionalstatistik.de/genesis/online?sequenz=statistikTabellen&selectionname=11111 Regionaldatenbank des Bundesamtes für Statistik
  3. Bevölkerung – Sachsen-Anhalt. In: statistik-portal.de. Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 22. September 2014, abgerufen am 23. September 2014.
  4. Arbeitslosenquoten im November 2014 – Länder und Kreise. In: statistik.arbeitsagentur.de. Statistik der Bundesagentur für Arbeit, abgerufen am 27. November 2014.
  5. Quelle: destatis, Schulden der öffentlichen Haushalte am 31. Dezember 2012
  6. U. a. die Gemeinde Lenzen, die an Sachsen-Anhalt grenzt, wurde aus Mecklenburg-Vorpommern ausgegliedert und nach Brandenburg eingegliedert. Staatsvertrag zwischen den Ländern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern über die Änderung der gemeinsamen Landesgrenze vom 9. Mai 1992.
  7. Erhard Hirsch: Unser Landesname und sein richtiger Gebrauch als Adjektiv
  8.  Joerg Schulze: Falscher Name. Die Zeit werk=zeit.de, 8. März 1996, abgerufen am 11. Dezember 2014.
  9. Duden 9 – Richtiges und gutes Deutsch. Mannheim 2007, ISBN 978-3-411-04096-4.
  10. Nicht jeder Anhalter ist ein Anhaltiner. In: mz-web.de. Mitteldeutsche Zeitung, 2. Februar 2012, abgerufen am 16. April 2014.
  11. Statistik der EKD für 2011 (PDF; 301 kB)
  12. Statistik der EKD 2011.
  13. Vgl. Max-Planck-Institut für Demografische Forschung Rostock: Familie und Partnerschaft in Ost- und Westdeutschland. September 2010, S. 15-16.
  14. Schutzimpfungen im Jahr 2005 …. In: Pro: die Zeitschrift für den Kassenarzt, Nr. 8/2007, S. 246–247.
  15. Nachwuchsgewinnung wegen mangelnder Vergütung problematisch. In: Pro: die Zeitschrift für den Kassenarzt. Nr. 2/2008, S. 40.
  16. Entwicklung der Deutschen und Ausländer in Sachsen-Anhalt seit 1990. auf der Webseite des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt.
  17. n-tv, Magdeburger Mathematik – LKA schönt Statistik, 27. November 2007.
  18. 5. Regionalisierte Bevölkerungsprognose 2008 bis 2025 – Voraussichtliche Bevölkerungsentwicklung Sachsen-Anhalt, 21. November 2010.
  19. Bertelsmann Stiftung
  20. n-tv.de, Magdeburger Mathematik – LKA schönt Statistik 27. November 2007
  21. LKA soll Rechtsextremismus-Statistik geschönt haben. In: spiegel.de. Spiegel Online, 27. November 2007, abgerufen am 11. Dezember 2014.
  22. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31.12.2013 (PDF) (Fortschreibung auf Grundlage des Zensus 2011)
  23. Partnerregionen Sachsen-Anhalts auf den Seiten des Landesportals Sachsen-Anhalts
  24. Regionale Statistik-Informationen. In: statistik.arbeitsagentur.de. Statistik der Bundesagentur für Arbeit, abgerufen am 26. September 2013.
  25. Bruttoinlandsprodukt in Sachsen-Anhalt. auf der Webseite des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt.
  26. www.vgrdl.de
  27. Ulrich Blum: Eine Wirtschaft, die nicht erwachsen wird. In: faz.net. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. Januar 2012, abgerufen am 11. Dezember 2014.
  28. Statistik der Bundesagentur für Arbeit
  29. Zensusdatenbank
  30. Offizielle Website Sachsen-Anhalts
  31. Offizielle Webseite des Wissenschaftshafen Magdeburg
  32. Bundesländervergleich Erneuerbare Energien – Ergebnisse
  33. Windenergienutzung in Deutschland Stand: 31. Dezember 2012 (PDF; 6,4 MB). DEWI-Magazin 42. Abgerufen am 7. November 2013.
  34. Straßennetz des Landes Sachsen-Anhalt1. auf der Webseite des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt.
  35. Stefan P. Rübenach: Todesursache Suizid. In: Auszug aus Wirtschaft und Statistik. Statistisches Bundesamt, 2007, S. 967 f., archiviert vom Original am 4. Februar 2012, abgerufen am 23. Juli 2013 (PDF).

51.97134611.469727Koordinaten: 51° 58′ 16,8″ N, 11° 28′ 11″ O