Thalwil

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Thalwil
Wappen von Thalwil
Staat: Schweiz
Kanton: Zürich (ZH)
Bezirk: Horgenw
BFS-Nr.: 0141i1f3f4
Postleitzahl: 8800
UN/LOCODE: CH TWL
Koordinaten: 685078 / 23877947.2944148.563447486Koordinaten: 47° 17′ 40″ N, 8° 33′ 48″ O; CH1903: 685078 / 238779
Höhe: 486 m ü. M.
Fläche: 5.53 km²
Einwohner: i17'554 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 3174 Einw. pro km²
Website: www.thalwil.ch
Blick auf Thalwil von Norden

Blick auf Thalwil von Norden

Karte
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Thalwil ist eine politische Gemeinde im Bezirk Horgen des schweizerischen Kantons Zürich. Thalwil liegt auf mehreren Stufen an den Hängen des Zimmerbergs am linken Ufer des Zürichsees. Thalwil unterhält eine Patenschaft mit Val Müstair.[2]

Wappen[edit]

Thalwiler Wappen (Zürcher Chronik 1485–1486) von Gerold Edlibach

Blasonierung

In Silber zwei gekreuzte schwarze Rohrkolben mit grünen Stengeln und Blättern

Geographie[edit]

Thalwil liegt am nördlichen Hang des Zimmerbergs. Im Wald in Richtung des im Mittelalter als „Urwald“ angesehenen Sihlwalds liegen zwei künstliche Weiher, der Waldweiher und der Gattikerweiher. Beide dienten als Stauseen für den Betrieb der Industrien in Gattikon. Heute werden die beiden Weiher als Naherholungsgebiet sehr geschätzt. Baden ist nur im Gattikerweiher erlaubt.

Bevölkerung[edit]

Am 31. Dezember 2011 lebten 17'256 Menschen in Thalwil, bei einem Ausländer/-innen-Anteil von 25,2 Prozent.[3]

Bevölkerungsentwicklung[4]
Jahr 1634 1762 1799 1833 1850 1880 1900 1950 1990
Einwohnerzahl 601 1100 1149 1318 1889 3293 6791 8787 15'647

Politik[edit]

Gemeindepräsident ist Märk Fankhauser (FDP) (Stand 2014).

Kirchen[edit]

Am 31. Dezember 2011 gehörten 32,5 Prozent der Bevölkerung zur evangelisch-reformierten Kirche und 31 Prozent zur römisch-katholischen Kirche.[5]

Thalwil ist eine der ältesten Pfarreien am Zürichsee. Die erste Kirche war ein dem heiligen Martin geweihtes Gotteshaus und wurde 1179 gestiftet und war die erste Kirche am linken Zürichseeufer.[4] Sie bestand trotz Brandschatzung im alten Zürichkrieg und mehreren Blitzschlägen bis 1845 und diente nach der Reformation der evangelisch-reformierten Kirche als Gotteshaus. Wegen Platzmangel und Baufälligkeit sollte das alte Kirchlein abgebrochen werden. Kantonsrat Matthias Wieland und Zimmermeister H. U. Schmied entwarfen 1836 für die Gemeinde einen grösseren Neubau an gleicher Stelle. Der Bau verzögerte sich, und so bestellte die Gemeinde 1844 vor dem Abbruch der alten Kirche den Kirchenbauarchitekten Ferdinand Stadler für ein Gutachten. Dieser brachte einen Gegenentwurf ein, der abgelehnt wurde. Schliesslich wurde die Kirche in der ursprünglich geplanten Version mit einigen Änderungen nach Stadler gebaut und am 24. Oktober 1847 geweiht.

1943 brannte die Kirche bei Reparaturarbeiten am Turm bis auf die Mauern nieder. Sie wurde wieder aufgebaut und mit einem zeitgenössisch aussehenden Turmhelm versehen. Die Kirche besitzt auch die letzte und einzige weitgehend erhaltene, 1864/1845 gebaute Orgel von Friedrich Haas[6] Von dieser Kirche im Ortsteil «Platte» geniesst man eine schöne Aussicht über den ganzen Zürichsee von Zürich bis Lachen.

In Thalwil besteht die römisch-katholische Kirche seit 1898 (zusammen mit Rüschlikon eine Kirchgemeinde), seit 1864 ein Bethaus der Methodisten und seit 1924 das heutige Gebäude der evangelisch-methodistischen Kirche. Zudem gibt es ein Vereinshaus der Chrischona-Gemeinde und eine Kapelle der Baptisten-Gemeinde.

Wirtschaft, Verkehr[edit]

Frühe Entwicklung[edit]

Die erste grosse bauliche Entwicklung erfolgte in den Jahren 1838 bis 1840 durch den Bau der Seestrasse. Das Dorf war früher nur auf dem Seeweg und durch die Landstrasse mit der Stadt Zürich und den übrigen Gemeinden verbunden. Diese neue, nicht ohne Widerstand erbaute Verkehrsverbindung brachte den Neubau von stattlichen Herrenhäusern sowie den Aufschwung der Industrie. So entstanden im Laufe der Zeit neben verschiedenen kleineren Betrieben die späteren grossen Textilunternehmungen, wie die Färberei Weidmann, die Seidenfirma Robert Schwarzenbach & Co. AG; ferner die Seidenfirma Gebr. Schmid, später Heer & Co. sowie die Baumwollspinnerei Schmid AG in Gattikon. Diese Unternehmungen veränderten, zusammen mit dem 1875 erfolgten Bau der linksufrigen Seebahn, das Dorfbild in starkem Masse. Neue Wohnsiedlungen entstanden für die Arbeiterschaft, und es setzte eine Bauspekulation ein, wie man sie erst wieder nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte.

Die Wirtschaft heute[edit]

Heute, nach den marktwirtschaftlichen Veränderungen, sind diese grossen, ehemals weltbekannten Textilbetriebe weitgehend verschwunden und haben Wohnüberbauungen Platz machen müssen, während sich vermehrt kleinere und mittlere Betriebe in der 1971 neu geschaffenen Industriezone im Oberdorf beziehungsweise Quartierteil «Böhni» ansiedelten, wo sich ein Gewerbezentrum entwickelte. Die Verlagerung erfolgte nicht zuletzt dank der guten Verkehrsverbindungen durch die Bahn und die auf der Zimmerbergkette entstandene Autobahn A3.

In der heutigen Industrie- und Gewerbezone «Böhni» hat sich als grösster Arbeitgeber in der Gemeinde die Firma Unisys Schweiz AG (Computerbranche) angesiedelt. In einer ersten Bauphase wurden für diesen Grossbetrieb gegen 500 Arbeitsplätze eingerichtet; die zweite Etappe ist seit einigen Jahren vollendet.

Thalwil ist Unternehmenssitz der Handelsunternehmen Papyrus Schweiz und Keytrade.

Schuleinrichtungen aus Thalwil[edit]

An der Tischenloostrasse befindet sich die Hunziker AG, die Schuleinrichtungen herstellt, und im Volksmund Wandtafeln-Hunziker genannt wird.

Stadtentwicklung[edit]

Der Ausbau des Öffentlichen Verkehrs trug zur Ansiedlung von weiteren Unternehmungen bei. So wurden anstelle der Fabriken für die Bevölkerung neue Arbeitsplätze geschaffen, und die Bautätigkeit nahm in den letzten Jahrzehnten stark zu. Landwirtschaftsbetriebe verschwanden mehr und mehr, und heute ist Thalwil vornehmlich eine Wohngemeinde in unmittelbarer Nähe der Stadt Zürich. Täglich fahren gegen 7000 Wegpendler zu ihren Arbeitsplätzen in die Stadt.

Öffentlicher Verkehr[edit]

Bahnhof Thalwil mit Blick Richtung Zürich

Thalwil hat einen Bahnhof mit sechs Gleisen, der auch von Schnellzügen bedient wird. Im Bahnhof zweigt von der Linksufrige Zürichseebahn (Zürich – Ziegelbrücke) die Bahnstrecke nach Zug ab.

Beim Bahnhof beginnt die Postautolinie nach Hausen am Albis via Gattikon – Langnau am Albis – Oberalbis (Passhöhe). Zusätzlich stellte das in Affoltern am Albis stationierte, heute nicht mehr bestehende Postauto-Regionalzentrum eine Buslinie vom Bahnhof zum Alterszentrum Serata.

Der im Jahr 1989 lancierte Ortsbusbetrieb TROL (Thalwil Rundkurs, Oberrieden, Langnau) wird von der Firma Hunziker aus Rüschlikon betrieben. Per 11. November 2000 wurden die Transportbeauftragten der Ortsbusse der Gemeinden Adliswil, Horgen, Kilchberg, Langnau, Oberrieden, Thalwil und Wädenswil in der AHW Busbetriebe AG zu einem regionalen Verkehrsbetrieb zusammengeschlossen, der unter dem Namen «Zimmerberg-Bus» tätig ist.

Ortsteile[edit]

Gattikon[edit]

Gattikon erstreckt sich von der Höhe des Zimmerberges bis hinunter zur Sihl. Früher war das Dorf nur ein kleiner Weiler und bestand zur Hauptsache aus einer Mühle, dem heutigen Hof und der Sihlhalden.

Der industrielle Aufschwung für Gattikon begann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der damalige Mühlenbesitzer, Hans Jakob Schmid-Höhn, gründete an der Sihl eine Spinnerei. Sein jüngerer Sohn, Hans Heinrich Schmid-Kölliker, übernahm 1842 die Fabrik und baute sie 1859/60 zu einer mechanischen Baumwollweberei aus. Für seine Fabrik nutzte Heinrich Schmid die Wasserkraft von der Sihl und des Gattiker Weihers und vergrösserte durch eine Erweiterung der Wasserkraft sogar den Waldweiher. 1870 liess er das erste, 1907/8 das zweite Schulhaus in Gattikon bauen. Auch setzte er sich für ein besseres Verkehrssystem ein. 1873 zog sich Heinrich Schmid aus seinem Unternehmen zurück und überliess es seinen Söhnen Alfred und Ferdinand. 1892 wurde die alte Spinnerei und 1908 die Baumwollweberei liquidiert. 1918 kauften die Gebrüder Alfred und Karl Bretscher die Mühle. Doch die hohen Wiederherstellungskosten nach einem Brand 1928 trieben die Firma in den Konkurs. 1933 wurde die Genossenschaft «Neuhaus» Besitzerin des Grundstückes. 1939 übernahm die Firma Paul Sulger die «Mühle» und richtete eine galvano-technische Werkstätte ein. Der Betrieb wird heute von seinem Schwiegersohn, Pius Stampfli-Sulger, geleitet und ist seit 1971 eine Aktiengesellschaft.

Die grösste bauliche Entwicklung erlebte Gattikon in den letzten Jahrzehnten. 1979 wurde das Dorfzentrum «Obstgarten» (ehemaliger Landbesitz des Bauernhofes «zum Obstgarten») erstellt. Dahinter entstanden in der «Schweikrüti» eine grosse Schulhausanlage mit Mehrzweckhalle. Auch der Landbesitz «Hof» wurde überbaut. Vom kleinen Gattikoner Weiler sind noch die Erholungsgebiete Sihlhalden und die beiden Weiher geblieben.

Dank der verbesserten Verkehrserschliessung (u.a. Sihltalbahn) entwickelte sich auch der ehemals verträumte Hof Gattikon, der westlich des Zimmerberges an der Sonnenseite von Thalwil liegende Dorfteil bis zur Sihl, von einigen Dutzend Einwohnern zu einer Bevölkerung von über 2500 Personen.

Geschichte[edit]

Thalwil 1794, auf einem Stich von Heinrich Brupbacher

Das ehemalige Bauerndorf Thalwil umfasste einst die vier Wachten Ober- und Unterdorf, Ludretikon und die heute eigenständige Gemeinde Langnau. Der Hof selbst war im Besitz der Grafen von Habsburg, die ihn den Freiherren von Eschenbach zu Lehen gaben. Haupterwerbszweige der Bevölkerung bildeten die Landwirtschaft, der Rebbau sowie vereinzelt die Fischerei und die Schifffahrt. Grössere Grundstücke besass das Kloster Muri mit seinem Amtshaus am See und den Lehenhöfen; ferner das Kloster Wettingen, ebenfalls mit Lehenhäusern und seinem Kollaturrecht über die Kirche. Thalwil hat die älteste Holzkorporation des Kantons Zürich, die Bannegg-Waldung, welche vor 550 Jahren dem Kloster Muri gehörte und 1483 in einer Urkunde an die zwölf Nutzniesser der Hofstätten des Klosters überging. Heute ist diese Holzkorporation im Besitze von 16 Bannegg-Genossen sowie der Gemeinde. Daneben liegen auf Gemeindegebiet auch der Landforst (früher Fraumünsterforstamt) sowie die Gemeindewaldungen.

1713 erfolgte die Abtrennung der Wacht Langnau. Dieser Dorfteil bildet seither eine eigene politische Gemeinde mit Kirche.

Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung aufgrund der Nähe zu Zürich stark an. Heute ist Thalwil mit seinen Nachbargemeinden Rüschlikon, Oberrieden und Langnau praktisch zusammen gewachsen.

Nach dem 1. Weltkrieg wurden unter der Leitung von Jakob Bosshard von Thalwil «Hungerzüge» von Thalwil aus organisiert, welche unter Armeebewachung gesammelte Nahrungsmittel usw. in die hungernden Gebiete in Osteuropa transportierten.

Ortsname[edit]

In allen hoch- und etlichen spätmittelalterlichen Urkunden wird der Ort vicus Telwil (vor 1140), Tellewilare (1159), Tällewiler (1275), Telwile (1336) und ähnlich genannt; die heutige Lautung mit inlautendem -a- ist erstmals 1331 (ze Tallwile) belegt. Da 95 % aller Deutschschweizer Ortsnamen, die mit -wil gebildet sind, im Vorderglied einen althochdeutschen Personennamen aufweisen, ist Thalwil mit grösster Wahrscheinlichkeit als „Hofsiedlung des Tello“ zu deuten; der gleiche Personenname steckt auch etwa in den Gemeindenamen Dällikon und Delsberg. Der in späterer Zeit nicht mehr bekannte althochdeutsche Name Tello wurde später zu Tal umgedeutet.[7]

Sehenswürdigkeiten[edit]

Städtepartnerschaft[edit]

Persönlichkeiten[edit]

  • Hans Johner (1889–1975), Schachspieler. Gestorben in Thalwil.
  • Ferdinand Sigg (1902–1965), methodistischer Bischof. Geboren in Thalwil.
  • Konrad Farner (1903–1974), Kunsthistoriker, Essayist und sozialistischer Intellektueller. Lebte ab 1950 in Thalwil.
  • Gert Westphal (1920–2002), Rezitator, Schauspieler und Regisseur. Lebte seit den 1960er Jahren in Thalwil.
  • Alexander Xaver Gwerder (1923–1952), Schriftsteller. Geboren in Thalwil.
  • Warren Thew (1927–1981), Pianist, Komponist, Dichter und Zeichner. Gestorben in Thalwil.
  • Gisela Zoch-Westphal (* 1930), Schauspielerin und Rezitatorin. Lebte mit ihrem Gatten Gert Westphal in Thalwil.
  • Dieter Bäumle (1935–1981), Komponist. Geboren in Thalwil.
  • Ursula Schaeppi (* 1940), Schauspielerin und Komikerin. Lebt seit 2003 in Thalwil.
  • Manu Wüst (1953–2010), Journalistin und ehemalige Chefin von DRS 3. Geboren, wohnhaft und begraben in Thalwil.
  • Reto Salimbeni (* 1958), Regisseur und Drehbuchautor. Geboren in Thalwil.
  • Martin Bäumle (* 1964), Politiker (glp) und Atmosphärenwissenschafter. Geboren in Thalwil.
  • Michel Müller (* 1964), Kirchenratspräsident der Reformierten Kirche Kanton Zürich war Pfarrer in Thalwil.
  • Maya Boog (* 1967), Opernsängerin. Geboren in Thalwil.
  • Andreas Münzner (* 1967), Schriftsteller und Übersetzer. Aufgewachsen in Thalwil.
  • Sandro Brotz (* 1969), Journalist und Moderator. Lebt in Thalwil.
  • Yassin Mikari (* 1983), Fussballspieler. Geboren in Thalwil.
  • Carlo Schmid (* 1990), Pilot

Weblinks[edit]

 Commons: Thalwil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[edit]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Thalwil.ch (PDF; 2,5 MB)
  3. http://www.web.statistik.zh.ch/cms_gp_neu/gpzh/content/gemeinde_pdf.php?gem=104 (abgerufen am 28. Februar 2012).
  4. a b Hans Jakob Zwicky: Thalwil im Historischen Lexikon der Schweiz
  5. http://www.statistik.zh.ch/internet/justiz_inneres/statistik/de/aktuell/mitteilungen/2012/bev_2011.html (abgerufen am 27. Februar 2012).
  6. Porträt auf der Website des Kirchlichen Informationsdienstes der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich, abgerufen am 11. September 2011.
  7. Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen, hg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol, Frauenfeld 2005, S. 871.