Tiergarten Nürnberg

From Wikipedia
Jump to: navigation, search
Tiergarten Nürnberg
Tiergarten Nürnberg Logo.svg
Vollständiger Name Tiergarten Nürnberg
Motto Jeder Augenblick anders.
Ort Am Tiergarten 30,
90480 Nürnberg
Fläche 70 Hektar
Eröffnung 11. Mai 1912
(seit 1939 am Schmausenbuck)
Tierarten 270 Tierarten (2012)
Individuen 2.747 Tiere (2012)
Besucherzahlen 1.095.481 (2012)
Organisation
Leitung Dag Encke (Direktor)
Trägerschaft Stadt Nürnberg
Förderorganisationen Verein der Tiergartenfreunde
Nürnberg e.V.,
JAKO-O (Sponsor)
Mitglied bei WAZA, EAZA,VDZ
Stiftung Artenschutz,
Yaqu Pacha
Tiergarten Nuernberg Eingang.jpg

Eingangsportal

www.tiergarten.nuernberg.de

Der Tiergarten Nürnberg ist ein etwa 67 Hektar großer Landschaftszoo am Rande der Stadt Nürnberg im Lorenzer Reichswald am Schmausenbuck gelegen. Es werden rund 280 Tierarten gehalten, darunter zahlreiche gefährdete Arten. Der gesamte Nürnberger Tiergarten sowie das angrenzende Gelände am Schmausenbuck ist Bestandteil des Natura 2000-Netzwerkes und als Schutzgebiet DE6532372, Tiergarten Nürnberg mit Schmausenbuck[1] ausgewiesen.

Geschichte[edit]

Mittelalterlicher Tiergarten[edit]

Die Tradition des Tiergartens beziehungsweise des Tierparks lässt sich in Nürnberg bis in das Mittelalter zurückverfolgen. Hinweise auf den Burggräflichen Tierpark sind jedoch nur noch in Form von Ortsnamen zu finden: Das Tiergärtnertor und der angeschlossene Tiergärtnertorplatz. Der Wildpark erstreckte sich bis zu den sogenannten Johannisfeldern (heute: St. Johannis) und zum Rohlederersgarten (heute: Gelände des Klinikum Nord). Über die Nutzung lassen sich nur Vermutungen anstellen.

Alter Tiergarten am Dutzendteich 1912 bis 1939[edit]

Der Tiergarten Nürnberg wurde am 11. Mai 1912 auf dem Gelände der Bayerischen Landesausstellung von 1906 am Luitpoldhain (Koordinaten: 49.43048711.107128) eröffnet. Der Tiergarten war nach dem Vorbild des Hagenbeck’schen Tierparks in Hamburg mit künstlich modellierten Landschaften gestaltet. Er hatte einen großen Publikumszuspruch (über 800.000 Besucher 1913) und überstand im Gegensatz zu anderen Zoos den ersten Weltkrieg und die Wirtschaftskrise ohne Schließung.[2]

Tiergarten am Schmausenbuck seit 1939[edit]

Die 1912 von Philipp Kittler gestalteten Statuen Figurengruppe mit Löwen (hier die linke) am Eingangsportal standen bereits im alten Tiergarten an der Bayernstraße im Luitpoldhain.
Ein Gedenkstein aus dem alten Tiergarten.

Nach der Machtübernahme durch die NSDAP kündigte sich schon 1934 das Ende des ursprünglichen Tiergartens an, da das Areal den Ausbauplänen des Reichsparteitagsgeländes am Dutzendteich im Wege stand, im Februar 1939 wurde schließlich der alte Tiergarten geschlossen. Im Mai 1939 konnte der neue Tiergarten nach zweijähriger Bauzeit auf einer bewaldeten Felslandschaft am Schmausenbuck als Landschaftszoo eröffnet werden. Im Zweiten Weltkrieg wurden durch Luftangriffe fast alle Gebäude und Gehege zerstört. Der Wiederaufbau war Ende der 1950er Jahre abgeschlossen. Seitdem entstanden und entstehen auf dem großen Gelände immer wieder neue Anlagen. Im April 1998 kam es durch einen Kurzschluss im Terrarium zu einem Brand, bei dem vier Baumpythons und vier Warane starben.[3][4]

Weiherlandschaft, 2009

Mit knapp 70 ha gehört der Tiergarten der Stadt Nürnberg zu den größten Zoologischen Gärten Europas. Er ist charakterisiert durch großzügige Wald- und Wiesenlandschaften mit Weihern und ehemaligen Steinbrüchen, die zu weitläufigen naturnahen Gehegen umgestaltet wurden. Mit meist über einer Million Besucher pro Jahr (1.095.481 im Jahr 2012 (1.223.304 im Jahr 2011))[5] wird er von der Bevölkerung gut angenommen; das Einzugsgebiet geht weit über die Stadtgrenzen hinaus.

In den letzten Jahren wurde eine Reihe von früher kritisierten Anlagen umgebaut wie beispielsweise die 2000 m² große Gorillaanlage oder der sogenannte Aquapark. Hinzu kamen neue Anlagen, wie das Großgehege der Schneeleoparden, die Außenanlage für Delfine und eine neue Tropenhalle.

Artenschutz und Zuchtprogramme[edit]

Der Tiergarten beteiligt sich an mehr als 30 Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen (EEPs) und an verschiedenen Wiederansiedlungsprojekten von Tieren in freier Natur, zum Beispiel von Uralkäuzen und Przewalski-Pferden (Urwildpferde). Die Zuchtprogramme für Schabrackentapire und Karibische Seekühe werden in Nürnberg koordiniert.

Der Tiergarten Nürnberg unterstützt Organisationen, die für den Schutz bedrohter Tierarten eintreten. Ein Beispiel ist Yaqu Pacha, eine Gesellschaft, die 1992 im Tiergarten Nürnberg mit dem Ziel gegründet wurde, die wasserlebenden Säugetiere Südamerikas zu schützen und ihre Lebensräume zu erhalten.

Tierbestand[edit]

Im Tiergarten wurden im Jahr 2012 insgesamt 2.747 Individuen aus 270 verschiedenen Tierarten gehalten, darunter etwa 80 Säugetierarten und ebenso viele Vogelarten. Um Säugetiere und Vögel artgerecht halten zu können, wurde in den letzten Jahren die Artenzahl eingeschränkt.

Affen und Faultiere[edit]

Im Affenhaus, das aus dem Jahre 1939 stammt, aber zwischenzeitlich mehrfach umgebaut wurde, werden Braune Makis (Eulemur fulvus), Weißhandgibbons und Westliche Flachlandgorillas (Gorilla gorilla gorilla) gehalten. Angeschlossen ist eine 2000 m² große Gorilla-Freianlage. Im Giraffenhaus sind Bolivianische Totenkopfaffen untergebracht, die Zugang zu einer baumbestandenen kleinen Insel im Freien haben. Auf Affenfelsen im Eingangsbereich leben Guinea-Paviane und Berberaffen, im Tropenhaus werden die winzigen Zwergseidenäffchen und Zweifinger-Faultiere gehalten.

Großsäugetiere[edit]

Die bereits verstorbenen und bislang letzten Elefantinnen im Tiergarten Kiri (links) und Yvonne (rechts), 2006

Im Elefantenhaus, das noch aus dem Jahr 1939 stammt, aber zwischenzeitlich umgebaut wurde, leben derzeit keine Elefanten, sondern drei Panzernashörner. Nachdem die indische Elefantin Kiri im August 2007 nach einem Sturz nicht wieder aufzurichten war und eingeschläfert werden musste,[6] war die afrikanische Elefantin Yvonne allein zurückgeblieben. Sie zog im Juli 2008 aufgrund ihres Alters in den Zoo Rostock um, da der Aufstieg in ihr Gehege im Tiergarten zu beschwerlich geworden war und sie im Zoo Rostock in Sara eine neue Gefährtin hatte. Am 23. April 2009 wurde sie dort von ihr in den Trockengraben der Anlage gestossen und starb.[7]

Eine Zeit lang war im ehemaligen Elefantenfreigehege alleine der männliche Kulan („asiatischer Esel“) Marco einquartiert, der die mit ihm und seinen Artgenossen vergesellschafteten, teils noch sehr jungen Trampeltier-Damen wiederholt angegriffen hatte.[8]

Inzwischen wurde das Gehege umgestaltet und steht nun den Nashörnern zusätzlich zur Verfügung. Wann der Tiergarten wieder mit der Elefantenhaltung beginnen will, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest.

Raubtiere[edit]

Der Eingang des Raubtierhauses, der einen Tunnel durch den Sandstein bildet; links im Hintergrund die Löwenfreianlage

Im Raubtierhaus, das in die Sandsteinfelsen hineingebaut ist und durch einen Tunnel betreten wird, werden Amurtiger und Asiatische Löwen gehalten. Beide Arten besitzen Freigehege, die durch Wassergräben von den Besuchern getrennt sind.

Schneeleopardin mit Nachwuchs, 2010

Den Schneeleoparden steht eine großzügige Außenanlage zur Verfügung. Mit Geparden, Buntmardern und Mähnenwölfen werden weitere, teilweise seltene Raubtierarten gehalten. Im ehemaligen Gehege der Spanischen Wölfe werden nach einem Umbau Eurasische Luchse gezeigt . In das Gehege der verstorbenen Brillenbärin sollen Fischkatzen einziehen.[9]

Im Aquapark sind neben Humboldtpinguinen Wasser bewohnende Raubtiere wie Fischotter, Kalifornische Seelöwen, Seehunde und Eisbären untergebracht. Im Naturkundehaus befindet sich eine naturnah gestaltete Anlage für Zebramangusten. Seit 2013 leben in Nürnberg auch Erdmännchen. Sie bewohnen zusammen mit Fuchsmangusten eine im Juli eröffnete neue Anlage in Nachbarschaft zu den Giraffen.

Huftiere[edit]

Kennzeichnend für den Landschaftszoo sind vor allem weitläufige Huftieranlagen, in denen neben Netzgiraffen, Guanakos und Hirschen (Dybowskihirsch, Wapiti, Davidshirsch, Prinz-Alfred-Hirsch, Rentier, Chinesischer Muntjak) vor allem zahlreiche Hornträger zu sehen sind: Präriebisons, Wisente, Kaffernbüffel, Elenantilopen, Mendesantilopen, Nilgauantilopen, Hirschziegenantilopen, Alpensteinböcke, Mähnenschafe, Mishmi-Takins, Kropfgazellen und Gelbrückenducker. Ein Schwerpunkt des Zoos sind die Einhufer, die gleich in fünf Wildformen, Somali-Wildesel, Grevyzebra, Böhm-Zebra, Przewalski-Pferd und Kulan gehalten werden.

Im Tropenhaus sind neben Faultieren und Seekühen tropische waldbewohnende Huftiere (Schabrackentapire, Flachlandtapire und Pinselohrschweine) untergebracht.

Darüber hinaus werden verschiedene Haustiere, wie Schottische Hochlandrinder, Zwergzebus, Dromedare, Trampeltiere, Alpakas, Poitou-Esel, Shire Horses, Rotkopfschafe, Kamerunschafe und Zwergziegen gehalten, die vor allem im Kinderzoo zu sehen sind und teilweise gefüttert werden dürfen.

Nager[edit]

Präriehund

Die Nagetiere sind durch Alpenmurmeltiere, Goldagutis, Europäische Biber, Degus, Mongolische Rennmäuse, Langschwanz-Chinchillas, Schwarzschwanz-Präriehunde und Große Maras vertreten.

Beuteltiere[edit]

Zwei Känguruarten (Graue Riesenkängurus und Rotnackenwallabys) repräsentieren die Beuteltiere im Tiergarten. Sie sind zusammen mit Emus in einer Gemeinschaftsanlage untergebracht.

Delfine und Seekühe[edit]

Show in der Delphinlagune

Der Nürnberger Tiergarten eröffnete 1971 ein Delfinarium, das einzige in Deutschland neben dem im Zoo Duisburg. Neben Vorführungen für die Tiergartenbesucher spielen Zucht, Forschung und seit jüngerer Zeit auch die Delfintherapie mit behinderten Kindern als Projekt der Universität Würzburg eine wichtige Rolle. Die Anlage besteht seit einer Erweiterung aus zwei Teilen; neben dem Delfinarium I, das unter anderem den Vorführungen dient, gibt es im Betriebshof noch ein Delfinarium II als Forschungs- und Aufzuchtstation. Dieser Bereich ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Im Delfinarium werden Große Tümmler und Kalifornische Seelöwen gehalten.

Im Juli 2011 wurde eine große Freianlage mit submariner Landschaft nach Art einer Salzwasserlagune fertiggestellt; das Projekt wurde unter der Bezeichnung Lagune 2000 bekannt und trägt seit Ende 2004 den Titel Delphinlagune. Das Vorhaben sah sich von Beginn an einer starken Kritik einzelner Tierschutzorganisationen ausgesetzt, die die Haltung von Delfinen in zoologischen Gärten grundsätzlich ablehnen.[10]

Für die Karibischen Seekühe entstand anschließend an die Delphinlagune das große Manati-Haus mit tropischem Klima. In der begehbaren Anlage leben auch Weißgesicht-Sakis, verschiedene südamerikanische Schmetterlings- und Vogelarten, Blütenfledermäuse und Pfeilgiftfrösche. Darüber hinaus beherbergt das Manati-Haus eine Kolonie Blattschneideameisen.

Aquapark[edit]

Im Aquapark werden verschiedene Tierarten gezeigt, die im Bereich von Gewässern leben. Im Herz der Anlage befindet sich ein Becken, das von Seehunden und Kalifornischen Seelöwen bewohnt wird. Darüber hinaus beinhaltet der Aquapark eine Anlage für Pinguine. Weiterhin werden mit Eisbär und Fischotter auch zwei Raubtierarten gezeigt.

Vögel[edit]

Der Tiergarten Nürnberg hält mehrere Greifvogelarten, wie Harpyien, Riesenseeadler, Andenkondore, Bartgeier, Schmutzgeier, Schneegeier und kann hier teilweise recht große Zuchterfolge vorweisen. Die Eulen sind im Zoo durch Uhu, Habichtskauz und Schnee-Eule vertreten.

In einer naturnah gestalteten Weiherlandschaft leben neben Flamingos (Roter Flamingo und Chileflamingo), Tschajas Rosapelikanen und Krauskopfpelikanen auch freifliegende Arten, wie Kormorane, Weißstörche, Graureiher, Zwergtaucher, Möwen und zahlreiche Entenarten. Schwarzstörche und Kraniche (Weißnackenkranich, Mandschurenkranich) sind in der Nähe der Weiherlandschaft in Freigehegen zu sehen.

Im Aquapark können Brillenpinguine und Humboldtpinguine durch eine Scheibe auch unter Wasser beobachtet werden. Im Alten Flusspferdhaus fliegen Schildturakos und Spinte (Weißstirnspint) über den Reptilien frei umher. Auf der großen Afrika-Anlage sind Blauhalsstrauße zusammen mit Zebras und Elenantilopen vergesellschaftet. Eine große, begehbare Voliere beherbergt Löffler, Waldrappen und Kuhreiher.

Aras (Hellroter Ara und Hyazinth-Ara), Palmkakadus, Helm-Hokko, Rotschnabeltokos, Kolkraben, Darwin-Nandus, Emus, Paradieskraniche und Riesentrappen sind weitere Vogelarten, die im Tiergarten Nürnberg zu sehen sind.

Reptilien, Amphibien und Fische[edit]

Im Alten Flusspferdhaus werden verschiedene Lurche und Kriechtiere, wie Wasserschildkröten, Brillenkaimane, Kronenbasilisken, Königspythons, Grüne Baumpythons, Madagassische Taggeckos sowie verschiedene Pfeilgiftfrösche gehalten. Im Naturkundehaus leben Jemen-Chamäleons und Kragenechsen, im Elefantenhaus neuerdings Augenfleck-Dornschwanzagamen.

Verschiedene Salz- und Süßwasserfische sind in mehreren Aquarien im Innenbereich des Affenhauses zu besichtigen.

Besuchereinrichtungen[edit]

Straßenbahnanschluss[edit]

Der Tiergarten ist seit seiner Eröffnung durch eine eigene Straßenbahnlinie erschlossen. Heute verkehrt hier die Linie 5, die hier ihre östliche Endstation hat.

Tiergartenbahn[edit]

Hauptartikel: Tiergartenbahn Nürnberg

Schon seit der Neueröffnung 1939 wird das weitläufige Gelände durch eine Parkeisenbahn erschlossen. Seit 1964 ist sie eine verkleinerte Nachbildung des Adler, der ersten deutschen Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth.

Gastronomie[edit]

Im Tiergarten befinden sich mehrere Gaststätten, darunter das Restaurant Waldschänke bei der Eisbärenanlage und das Bistro Lagunenblick am Delphinarium.

Naturkundehaus[edit]

Im 1990 eröffneten Naturkundehaus finden regelmäßig Vortragsveranstaltungen des Tiergartens, des Landesbunds für Vogelschutz und des Bunds Naturschutz statt.

Herausragende Ereignisse[edit]

Erschießung von vier Eisbären[edit]

Aufgrund von Umbaumaßnahmen im Karlsruher Zoo wurden die vier dort lebenden Eisbären – zwei alte Weibchen, "Silke" und "Nadine" (beide 36), sowie das Pärchen Efgenia (9) und Yukon (10) – an den Nürnberger Zoo ausgeliehen. Am 29. März 2000 öffnete ein Unbekannter das Gehege der Tiere, woraufhin diese ihr Gehege verließen und im Zoo spazieren gingen. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich auch noch die Besucher im Tiergarten. Den Angestellten des Zoos gelang es nicht die Tiere zu betäuben, weil die Narkosepfeile das dicke Winterfell und die Speckschicht der Bären nicht durchdringen konnten. Daraufhin wurden alle vier Tiere erschossen. Menschen kamen nicht zu Schaden.[11]

Im Nachhinein wurde die Zooleitung von Tierschützern stark kritisiert und auch verklagt, weil die Tötung der Tiere vermeidbar gewesen sei. Andererseits wurde auch seitens des Nürnberger Zoos Anklage gegen Unbekannt erhoben, weil militante Tierschützer das Gehege aufgebrochen haben sollen. Der Vorfall ist bis heute nicht aufgeklärt.

Eisbärin mit Nachwuchs[edit]

Ehemalige Bewohnerin des Tiergartens: Eisbärin Flocke

Die Eisbärinnen Vilma und Vera erfuhren im Januar 2008 ein verstärktes Medieninteresse, weil beide Nachwuchs bekamen. Die Jungen des einen Weibchens überlebten nicht. Tierschützer äußerten Kritik an der Tierparkleitung und machten die künstliche Umwelt für die beiden Todesfälle verantwortlich.[12] Die Tierparkleitung distanzierte sich ausdrücklich von der Option, den Eisbärennachwuchs – so wie im Fall des Eisbären Knut in Berlin – mit der Flasche aufzuziehen und sich damit in die Aufzucht der Jungtiere einzumischen. Wenige Tage später trug die Bärin Vera ihren Nachwuchs aus der Aufzuchtshöhle und lief unruhig im Gehege herum, offenbar auf der Suche nach einem anderen Unterschlupf. Aufgrund dieses ungewöhnlichen Verhaltens und nachdem sie das Jungtier mehrfach fallengelassen hatte, entschloss sich die Zooleitung nunmehr doch zu einer Handaufzucht des kleinen Eisbären. Bei dem Eisbärbaby handelt es sich um ein Weibchen.[13] Das Medieninteresse am Eisbärenbaby war so groß, dass die Stadt Nürnberg eine Sonderseite im Internet eingerichtet hatte. Aufgrund von über 8500 Namensvorschlägen für das Junge sind am 12. Januar 2008 vorübergehend die Internetserver der Stadt Nürnberg zusammengebrochen.[14] Am 18. Januar 2008 hat eine Jury entschieden, dem Eisbären den inoffiziell von Wärtern bereits verwendeten Namen „Flocke“ zu geben.[15] Insgesamt wurden mehr als 50000 Namensvorschläge eingereicht, davon auch Tausende aus dem Ausland (z.B. Indien, Kanada, etc.). Um die Euphorie um das Eisbärjunge finanziell und zu Gunsten des Nürnberger Tiergartens nutzen zu können, hat sich die Stadt Nürnberg ausgewählte Markenrechte für den Namen „Eisbär Flocke“ sichern lassen.

Kleine Pandas getötet[edit]

Kleiner Panda, 2013

Am 18. Februar 2008 sind zwei Kleine Pandas im Nürnberger Tiergarten getötet worden. Die tödlichen Verletzungen wurden vermutlich durch einen spitzen Gegenstand hervorgerufen. Aufgrund der unklaren Herkunft der Verletzungen nahm die Kriminalpolizei Ermittlungen auf. Auch die Staatsanwaltschaft wurde informiert.

Einer der Pandabären lag im Freigehege, der andere im Stall. Die Tiere hatten sich das Gehege mit drei Muntjaks geteilt. Eine Verletzung durch die Hirsche wurde ursprünglich ausgeschlossen, da die Muntjaks seit 1998 friedlich mit den Katzenbären zusammengelebt hätten.[16]

Im Laufe der Ermittlungen konnte ein menschliches Verschulden nicht nachgewiesen werden. Offensichtlich waren die Verletzungen entgegen der ursprünglichen Einschätzung durch die Muntjaks verursacht worden.[17]

Literatur[edit]

  • Peter Mühling: Der Alte Nürnberger Tiergarten 1912-1939: Eine Chronik, Tiergarten der Stadt Nürnberg, Nürnberg 1987, ISBN 3-926760-00-1
  •  Michael Diefenbacher, Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. 2., verbesserte Auflage. W. Tümmels Verlag, Nürnberg 2000, ISBN 3-921590-69-8 (online).
  • Der Tiergarten Nürnberg - Ein virtueller Rundgang, imbiss-media, Nürnberg 2002, ISBN 3-00-010598-0
  • Lorenzo von Fersen: Delfinariumsführer Tiergarten Nürnberg, 3. Auflage, Tiergarten der Stadt Nürnberg, Nürnberg 2003, ISBN 3-926760-04-4
  • Wegweiser durch den Tiergarten Nürnberg, 29. neubearbeitete Auflage, Tiergarten der Stadt Nürnberg, Nürnberg 2007, ISSN 1436-4352
  • Nicola A. Mögel, Kerstin Söder et al.: 100 Jahre Tiergarten Nürnberg. Ausstellungsbroschüre. In Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Nürnberg. Hrsg.: Tiergarten Nürnberg. Nürnberg 2012. ISBN 3-926760-11-7.

Weblinks[edit]

 Commons: Tiergarten Nürnberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[edit]

  1. Natura 2000: DE6533471, Nürnberger Reichswald (Abgerufen am 22. Juni 2013)
  2. Stadtlexikon Nürnberg, Stichwort Alter Tiergarten
  3. Felix Neubüser: Elefanten vor den Flammen gerettet. Brände in Zoos. In: Südkurier vom 15. November 2010
  4. Stadtlexikon Nürnberg, Stichwort Tiergarten
  5. http://www.tiergarten.nuernberg.de/v04/fileadmin/neu/pdf/Presse/2013/01_Jahresrueckblick_Roesnerskulptur.pdf Pressemeldung vom 17. Januar 2013
  6. Pressemitteilung auf der Homepage des Tiergartens Elefantendame Kiri ist gestorben (PDF-Datei; 12 kB)
  7. Pressemitteilung des Tiergarten Nürnberg (PDF-Datei; 22 kB)
  8. Schild an der ehemaligen Elefanten-Freianlage
  9. Aktionstag im Tiergarten „Tradition und Moderne“. Mitteilung des Tiergartens Nürnberg vom 10. April 2014.
  10. 25. Juli 2011: Umstrittene Delfinlagune öffnet in Nürnberg
  11. Eisbären im Nürnberger Tierpark erschossen
  12. Tote Eisbärenbabys. Verhaltensgestört in einer künstlichen Welt. In: sueddeutsche.de. Süddeutsche Zeitung, 8. Januar 2008, archiviert vom Original am 10. Januar 2008, abgerufen am 9. Januar 2008.
  13. Mitteilung des Nürnberger Zoos am 9. Januar 2008
  14. Nürnberger Eisbär legt Server lahm, 6500 Namensvorschläge in wenigen Stunden (Zugriff am 12. Januar 2008)
  15. Mitteilung auf den Internetseiten der Stadt Nürnberg, 18. Januar 2007
  16. Pandabären im Nürnberger Zoo aufgeschlitzt (welt.de am 20. Februar 2008)
  17. Kleine Pandas sollen von Hirschen getötet worden sein (spiegel online am 4. März 2008)

49.447511.144722222222Koordinaten: 49° 26′ 51″ N, 11° 8′ 41″ O