Vorarlberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Vorarlberg (Begriffsklärung) aufgeführt.
Vorarlberg
Landesflagge Landeswappen
Landesflagge Landeswappen
Basisdaten
Landessprache: Deutsch
Landeshauptstadt: Bregenz
Größte Stadt: Dornbirn
Landeshymne: ’s Ländle, meine Heimat
ISO 3166-2: AT-8
Kürzel: V
Website: www.vorarlberg.at
Karte: Vorarlberg in Österreich
Liechtenstein Schweiz Bodensee Vorarlberg Tirol Tirol Salzburg Kärnten Burgenland Wien Steiermark Oberösterreich Niederösterreich Italien Slowenien Deutschland Kroatien Slowakei Tschechien UngarnVorarlberg in Austria.svg
Über dieses Bild
Politik
Landeshauptmann: Markus Wallner (ÖVP)
Regierende Partei: ÖVP/Grüne
Sitzverteilung im Landtag
(36 Sitze):
ÖVP 16
FPÖ 9
Grüne 6
SPÖ 3
NEOS 2
Letzte Wahl: 21. September 2014
(Ergebnisse)
Bevölkerung
Einwohner: 375.282 (1. Jänner 2014)[1]
– Rang: 8. von 9
Bevölkerungsdichte: 144 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 14,3 %[2] (2014)
Geographie
Fläche: 2.601,48 km²
– davon Land: 2.533,84 km² (97,4 %)
– davon Wasser: 67,64 km² (2,6 %)
– Rang: 8. von 9
Geographische Lage: 47° N, 10° O47.2436111111119.8938888888889Koordinaten: 47° N, 10° O
Höchster Punkt: 3312 m ü. A.
(Piz Buin)
Tiefster Punkt: 395,23 m ü. A.
(Bodensee)
Verwaltungsgliederung
Bezirke: 0 Statutarstädte
4 Bezirke
Gemeinden: 96
– davon Städte: 5
– davon Marktgemeinden: 11
Karte: Verwaltungsbezirke in Vorarlberg
Bezirk Bludenz Bezirk Bregenz Bezirk Dornbirn Bezirk FeldkirchDie Vorarlberger Verwaltungsbezirke
Über dieses Bild
Rheintal bei Bregenz
Hinterer Bregenzerwald

Vorarlberg ist ein Bundesland im Westen der Republik Österreich. Die Landeshauptstadt ist Bregenz. Im lokalen Dialekt auch Ländle genannt, ist es das westlichste und flächen- wie bevölkerungsmäßig zweitkleinste Bundesland Österreichs.

Viele Vorarlberger Kulturformen unterscheiden sich vom übrigen Österreich. So werden etwa hoch- und höchstalemannische Dialekte gesprochen (Vorarlbergerisch), welche, abgesehen von kleineren Sprachinseln in Tirol, im restlichen Österreich nicht vorkommen. Geografisch gesehen liegt das Land weitgehend im Einzugsgebiet des Rheins,[3] während das übrige Österreich mit kleinen Ausnahmen dem der Donau angehört.[4]

Geographie[Bearbeiten]

Die Fläche Vorarlbergs wird im Allgemeinen mit 2.601,48 km² angegeben. Ohne die Fläche des Hohen Sees des Bodensees, der nach der allgemein vorherrschenden Kondominiumstheorie völkerrechtlich von allen Anrainerstaaten gemeinsam verwaltet wird, beträgt die Landesfläche allerdings nur 2.596 km². Das Land liegt zwischen dem Bodensee und dem Alpenrhein im Westen, dem Arlberg und der Verwallgruppe im Osten, den Gebirgszügen des Rätikons und der Silvretta im Süden und dem Allgäu im Norden.

Nachbarländer[Bearbeiten]

Vorarlberg hat eine 321 km lange Landesgrenze, über die es auf 110 km an die Bundesrepublik Deutschland (Freistaat Bayern), auf 107 km an die Schweizerische Eidgenossenschaft (Kanton St. Gallen und Kanton Graubünden), auf 69 km an das österreichische Bundesland Tirol und auf 35 km an das Fürstentum Liechtenstein grenzt.[5]
Aufgrund der europaweit einmaligen völkerrechtlichen Besonderheit, dass es außerhalb der dem Ufer vorgelagerten Halde, also im sogenannten Tiefenbereich des Bodensees, keine festgelegten Staatsgrenzen gibt und nach der (insbesondere von der Republik Österreich vertretenen) Kondominiumstheorie daher alle Anrainerstaaten aneinander grenzen, grenzt Vorarlberg auch an Baden-Württemberg und den Schweizer Kanton Thurgau.[6]

Politische Geographie[Bearbeiten]

Das Bundesland ist in vier unterschiedlich große Verwaltungsbezirke aufgeteilt. Diese tragen jeweils den Namen ihrer Hauptstadt. Der Fläche nach abnehmend geordnet sind das Bludenz, Bregenz, Feldkirch und Dornbirn.

Neben diesen Verwaltungsbezirken gibt es die sechs Gerichtsbezirke Bezau, Bludenz, Bregenz, Dornbirn, Feldkirch und Montafon. Generell decken die in den Bezirkshauptstädten ansässigen Bezirksgerichte jeweils den gesamten Bezirk ab. Die beiden Fälle des Bezirksgerichts Bezau, welches fast den gesamten Bregenzerwald sowie das Kleinwalsertal abdeckt, und Montafon, ansässig in Schruns, welches das komplette Montafon behandelt, beschränken jeweils die Gebiete der Bezirksgerichte Bregenz und Bludenz.

Vorarlberg ist in 96 eigenständige politische Gemeinden und 107 Katastralgemeinden gegliedert. Fünf Vorarlberger Gemeinden führen das Stadtrecht (Bludenz, Bregenz, Dornbirn, Feldkirch und Hohenems) und weitere elf wurden zur Marktgemeinde erhoben.

Sitz der obersten Organe des Landes, des Vorarlberger Landtags und der Landesregierung, ist die Landeshauptstadt Bregenz. Für die Dauer außerordentlicher Verhältnisse könnte der Landeshauptmann laut Landesverfassung deren Verlegung an einen anderen Ort des Landesgebietes verfügen.

Talschaften[Bearbeiten]

Das gebirgige Vorarlberg wird geographisch vor allem durch die Täler und deren Flüsse strukturiert: Das Rheintal mit dem Rhein und der Walgau mit der Ill sind die bevölkerungsreichsten Gebiete. Weitere Täler und deren Flüsse sind das Montafon (Ill), das Klostertal (Alfenz), das Große Walsertal (Lutz), das Brandnertal (Alvier), das Laternsertal (Frutz), das Leiblachtal (Leiblach), der Bregenzerwald (Bregenzer Ach), das Kleinwalsertal (Breitach) und das Lechtal (Lech) im Arlberg-Gebiet.

Großraumgebiete[Bearbeiten]

Vorarlberg wird in mehrere Großräume eingeteilt, die meistens verkehrstechnisch oder -planerisch zusammenhängen. Den wichtigsten dieser Großräume bildet das von Bregenz bis Feldkirch verlaufende Rheintal, welches mit knapp 240.000 Einwohnern das größte Ballungszentrum Vorarlbergs darstellt. Damit konzentrieren sich rund zwei Drittel der Vorarlberger Bevölkerung auf dieses Gebiet im äußersten Westen des Landes.

Die zweitgrößte Region ist der Walgau mit rund 48.000 Einwohnern. Weitere Regionen sind der Bregenzerwald, das Montafon, die Bodenseeregion inklusive Leiblachtal sowie das Große Walsertal. Eine geografische Besonderheit bildet das Kleinwalsertal, das verkehrsmäßig von Österreich aus nicht erreichbar und nur über Bayern zugänglich ist. Dennoch gehört es als „funktionale Enklave“ zum Bezirk Bregenz.

Flüsse und Gewässer[Bearbeiten]

Als Hauptfluss Vorarlbergs gilt der Neue Rhein (Alpenrhein), der auf weiter Strecke die Staatsgrenze zur Schweiz bildet. Die Ill ist der zweitwichtigste Fluss und durchfließt das Montafon und den Walgau, bevor sie bei Meiningen in den Rhein fließt. Weitere wichtige Gewässer sind die Bregenzer und die Dornbirner Ach, da sie große Teile der Berge des Bregenzerwaldes entwässern. Der größte See ist der Bodensee, an dem Vorarlberg mit einer Uferlänge von gut 11 % (28 km) beteiligt ist. Weitere bedeutsame Seen sind der Lünersee und der Kopsspeicher, allerdings sind beides Stauseen der Vorarlberger Illwerke. Aus dem Lechquellengebirge entspringt der Lech, der in nordöstlicher Richtung nach Tirol fließt.

Pässe[Bearbeiten]

Vorarlberg wird im Osten durch drei Pässe mit dem übrigen Österreich verbunden, die nicht oder nur bedingt ganzjährig befahrbar sind. Das sind der Arlberg, der Hochtannberg (verbindet eigentlich das Bregenzerachtal mit dem oberen Lechtal) und die Bielerhöhe in der Silvretta (zwischen dem Montafon und dem Paznauntal). Der Flexenpass stellt die Verbindung zwischen dem obersten Lechtal, dem Klostertal und dem Arlberg her. Ein nicht ganzjährig befahrbarer Pass ist das Furkajoch, welches das Rheintal über das Laternsertal mit dem inneren Bregenzerwald (Damüls) verbindet. Zwei weitere wichtige innervorarlbergische Übergänge sind das Bödele (Losenpass 1140 m) zwischen Dornbirn beziehungsweise dem Rheintal und dem Bregenzerwald sowie das Faschinajoch, über das eine Landesstraße vom Bregenzerwald ins Großwalsertal und weiter in den Walgau führt.

Wichtige Berge und Gebirgsketten[Bearbeiten]

Die Rote Wand (2704 m) im Lechquellengebirge in Vorarlberg, winterliche Aufnahme aus dem Hubschrauber, Cinedoku Vorarlberg Titelbild
Das Gebiet um die Rote Wand bildet die geographische Mitte Vorarlbergs.

Der höchste Berg Vorarlbergs ist der Piz Buin mit 3312 m Höhe. Weitere bekannte Berge sind die Zimba (Rätikon), die Schesaplana (höchster Berg des Rätikons), die Rote Wand (Lechquellengebirge), die Drei Türme (Montafon), die Drei Schwestern (bei Frastanz/Feldkirch), der Diedamskopf und die Kanisfluh im Bregenzerwald, der Große Widderstein (höchster Berg des Kleinen Walsertals), der Karren in Dornbirn und der Pfänder in Bregenz.

Das wohl bekannteste Gebirgsmassiv ist die Silvretta im Südosten des Landes. Hier befinden sich auch Vorarlbergs größte Gletscher. Ein weiterer bedeutender Gebirgszug ist der Rätikon, der sich ebenfalls im Süden des Landes an der Grenze zur Schweiz befindet. Die Gebirge fallen in Richtung Norden steil ab. Im Bregenzerwald steigen die Berghöhen stufenweise Richtung Südosten bis 2650 m (Braunarlspitze) an. Der bekannte Hausberg der Landeshauptstadt, der Pfänder (1064 m) im Nordwesten des Landes, erhebt sich zwar mehr als 650 m über den Bodensee, ist damit aber dennoch einer der niedrigsten Berge im Landesgebiet.

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Vorarlbergs

Vorarlberg war mindestens seit 500 v. Chr. vom keltischen Volksstamm der Brigantier besiedelt. Im Jahr 15 v. Chr. eroberten die Römer das Gebiet und bauten die Stadt Brigantium auf dem Gebiet der heutigen Landeshauptstadt Bregenz zu einem wichtigen Militärstandort und Bodenseehafen aus.

Um 260 begannen die Einfälle der Alemannen, die dann ab etwa 450 hier siedelten. Mit den Alemannen kam das Gebiet zum Fränkischen Reich, 843 zum Ostfränkischen Reich. Als Erben der Udalrichinger, die karolingische Grafen u. a. im Bodenseegebiet waren, erlangten die Grafen von Montfort um 1200 die Herrschaft im Gebiet von Bludenz, Bregenz und Feldkirch.

Seit dem 14. Jahrhundert gelangten die einzelnen Herrschaften an die Habsburger, die bestrebt waren, ihre Territorien in der heutigen Schweiz und ihre österreichischen Besitzungen zu arrondieren: 1363 die Herrschaft Neuburg am Rhein, 1375 die Grafschaft Feldkirch, 1394 die Herrschaft Bludenz mit dem Montafon, 1397 die Herrschaft Jagdberg, 1451 die halbe Grafschaft Bregenz, 1453 die Gerichte Tannberg und Mittelberg, 1474 die Grafschaft Sonnenberg (der Truchsessen von Waldburg), 1523 die zweite Hälfte der Grafschaft Bregenz. Zahlreiche Herrschaften in Südwestdeutschland (Freiburg im Breisgau) und der heutigen Schweiz (Fricktal im späteren Kanton Aargau) waren ebenfalls in habsburgischem Besitz (Vorderösterreich). Bis ins 17. Jahrhundert hinein stand ein Landvogt an der Spitze der Verwaltung der habsburgischen Gebiete in Vorarlberg.

Karte Vorarlbergs (von 1783)

Ebenfalls ins 14. Jahrhundert fällt die Einwanderung der Walser aus dem Oberwallis (Schweiz) und Graubünden (Schweiz). Im 13. Jahrhundert war die alemannische Bevölkerung im Oberwallis so stark angewachsen, dass ihnen der Platz zu eng wurde. Eine Ausdehnung weiter nach Westen war wegen der starken Romanen (Herzogtum Savoyen) nicht möglich, deshalb zogen sie über die östlichen und südlichen Gebirgspässe in die nachbarlichen Hochtäler (Walserwanderung).[7]

1765 fiel die Grafschaft Hohenems nach dem Aussterben des Grafenhauses in männlicher Linie ebenfalls an die Habsburger. Mit der Errichtung des Tirolischen Kreisamtes Vorarlberg 1786, seinerzeit für die Herrschaften Bregenz und Hohenems, tritt das Land das erste mal geschlossen in Erscheinung.[8] 1804 rundete der Erwerb der Herrschaften Blumenegg und St. Gerold, ehemals Besitz der Klöster Weingarten bzw. Einsiedeln, und schließlich 1814 des ehemaligen Reichshofes Lustenau das Territorium ab.

In napoleonischer Zeit, zwischen 1806 und 1814, gehörte das Gebiet Vorarlbergs zu Bayern und kam dann bis auf die Westallgäuer Teile der Herrschaften Bregenz und Hohenegg an Österreich zurück; es wurde weiterhin von Innsbruck aus verwaltet.

1861 wurde Vorarlberg Kronland und erhielt wie alle Kronländer einen eigenen Landtag und dessen Landesausschuss als Exekutivorgan, blieb aber in Hinblick auf die gesamtstaatliche Verwaltung weiterhin in der Zuständigkeit der k.k. Statthalterei in Innsbruck, die den Kaiser als Landesherrn und die k.k. Regierung in Wien vertrat. Reste dieser Verwaltungseinheit mit Tirol gibt es noch heute z. B. im Gerichtswesen (Oberlandesgericht Innsbruck) oder in der Kammerorganisation (Architekten, Notare).

Nach dem Zusammenbruch der Habsburger Monarchie trennte Vorarlberg 1918 seine Verwaltung von derjenigen Tirols. Eine Volksabstimmung, die Verhandlungen mit der Schweiz über einen Beitritt Vorarlbergs zur schweizerischen Eidgenossenschaft befürwortete, ergab 1919 eine Mehrheit von gut 80 %, scheiterte jedoch an der zögerlichen Politik der (provisorischen) Vorarlberger Landesversammlung und am Schweizer Bundesrat, der das sorgsam austarierte Verhältnis zwischen Sprachen und Religionen in der Schweiz nicht durch einen zusätzlichen Kanton mit deutschsprachigen Katholiken ins Ungleichgewicht bringen wollte, sowie an den Friedensverträgen von St. Germain und Versailles.[9] Die herabwürdigende Bezeichnung Vorarlbergs als Kanton Übrig stammt dagegen von einem den Anschluss an Deutschland befürwortenden Gegner des Vorhabens.[10] Mit der Errichtung der Republik wurde Vorarlberg ein selbstständiges Bundesland mit eigener Landesregierung und einer im Wesentlichen bis heute gültigen Verfassung. Vorarlberg ist das einzige österreichische Bundesland, das sich in seiner Landesverfassung als selbstständiger Staat bezeichnet.[11]

Beim so genannten Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 12. März 1938 wurde Vorarlberg mit ganz Österreich vom Deutschen Reich unter dem Jubel der einheimischen Nationalsozialisten de facto annektiert. Bereits kurz nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde Vorarlberg mit Tirol zum „Gau Tirol-Vorarlberg“ zwangsvereinigt und als selbstständige Gebietskörperschaft aufgelöst. In Vorarlberg lebten 1938 nur noch sehr wenige Juden. Die seit dem 17. Jahrhundert bestehende Jüdische Gemeinde von Hohenems wurde zwangsweise aufgelöst und die Juden in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert.

Auch in Vorarlberg, das von Kriegshandlungen fast vollständig verschont blieb, forderten die nationalsozialistische Gewaltherrschaft und der Zweite Weltkrieg Menschenleben, darunter aus rassischen oder politischen Gründen Getötete und an den Fronten gefallene Soldaten. Kurz vor Kriegsende im Frühjahr 1945 schoss die örtliche SS noch auf Zivilisten, die beim Anrücken der französischen Truppen „zu früh“ weiße Fahnen aus den Fenstern gehängt hatten.

Nach dem Krieg gehörte Vorarlberg von 1945 bis 1955 gemeinsam mit dem Land Tirol (ausgenommen Osttirol) zur französischen Besatzungszone.

Im Jahr 1964 sorgte Vorarlberg für bundesweite Schlagzeilen, als eine aufgebrachte Menge in der Bodenseegemeinde Fußach erreichte, dass ein Schiff statt auf den vom Bundesministerium für Verkehr vorgesehenen Namen „Karl Renner“ auf den Namen „Vorarlberg“ getauft wurde. Dieser lokale Protest gegen die Zentralregierung wurde unter dem Namen Fußachaffäre bekannt.

In den Jahren 1999 und 2005 verwüsteten schwere Überschwemmungen Teile Vorarlbergs und verursachten große Schäden.

Der Name Vorarlberg leitet sich vom verkehrstechnisch ehemals wichtigen Arlberg-Pass ab. Aus Sicht des alten Reiches und der Stammburg der Habsburger in der heutigen Schweizerischen Eidgenossenschaft liegt das Gebiet „vor“ dem Arlberg. Der Name „Vorarlberg“ wird seit Mitte des 18. Jahrhunderts für die zu einem Land zusammengewachsenen Gebiete verwendet.[12]

Politik[Bearbeiten]

Grafische Darstellung des politischen Systems Vorarlbergs

Vorarlberg ist durch seine Landesverfassung sowohl als „selbständiger Staat“ wie auch als Teil des Bundesstaates definiert.[11] Aufgrund der föderalen Struktur der Republik Österreich und des bundesstaatlichen Prinzips der Bundesverfassung verfügt Vorarlberg als Bundesland über eigene Exekutiv- und Legislativorgane sowie mit dem Landesverwaltungsgericht auch über ein eigenes Judikativorgan. Ihren Sitz haben sowohl die Organe der Exekutive wie auch der Legislative und das Landesverwaltungsgericht in der Landeshauptstadt Bregenz.

Landesregierung[Bearbeiten]

Die Vorarlberger Landesregierung ist als vom Landtag gewählte Regierung für die Vollziehung von Landesgesetzen und speziellen Bundesgesetzen, die in die Vollziehung der Länder fallen, zuständig. Vorsitzender der Landesregierung und Regierungschef des Landes ist der Landeshauptmann. Dessen Stellvertreter wird in Vorarlberg nicht wie in den anderen Bundesländern als „Landeshauptmann-Stellvertreter“ bezeichnet, sondern als Landesstatthalter. Außer dem Landeshauptmann und dem Landesstatthalter gehören der Regierung noch weitere Landesräte mit unterschiedlicher Ressortverteilung an.

In der seit 2014 amtierenden Landesregierung Wallner II unter der Führung von Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) sind neben Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser (ÖVP) noch drei weitere Landesräte der ÖVP sowie zwei Landesräte des Koalitionspartners Die Grünen vertreten.

Landesgesetzgebung[Bearbeiten]

Hauptartikel: Vorarlberger Landtag

Als Legislativorgan des Landes und Landesparlament fungiert der Vorarlberger Landtag. Die 36 Abgeordneten des Landtags werden alle fünf Jahre vom Vorarlberger Landesvolk gewählt und gehören derzeit vier verschiedenen Fraktionen an. Nach der Wahl zum Vorarlberger Landtag am 21. September 2014 (Landtagswahl in Vorarlberg 2014) sind die Vorarlberger Volkspartei mit 16 Abgeordneten, die Vorarlberger Freiheitlichen mit 9 Abgeordneten, Die Grünen Vorarlberg mit 6 Abgeordneten, die SPÖ Vorarlberg mit 3 Abgeordneten und die NEOS mit 2 Abgeordneten im Landtag vertreten.

Geleitet werden die Sitzungen des Vorarlberger Landtags vom Landtagspräsidenten oder seinen beiden Stellvertretern. Derzeit ist Harald Sonderegger (ÖVP) Präsident des Vorarlberger Landtags, seine Stellvertreter sind Ernst Hagen (FPÖ) und Gabriele Nußbaumer (ÖVP).

Neben den gesetzgeberischen Tätigkeiten sowie der Kontrolle der Regierung hat der Landtag auch die Aufgabe, in jeder Legislaturperiode drei Abgeordnete in den österreichischen Bundesrat, die Länderkammer des österreichischen Parlaments zu entsenden. In der aktuellen, 30. Legislaturperiode des Vorarlberger Landtags entsandte dieser Magnus Brunner (ÖVP), Edgar Mayer (ÖVP) und Christoph Längle (FPÖ) als Vorarlberger Vertreter in die Länderkammer.

Politische Entwicklungen[Bearbeiten]

Seit dem Beginn der Zweiten Republik wird Vorarlbergs Politik von der konservativen Vorarlberger Volkspartei, zuvor, in der Zeit der Ersten Republik, von deren Vorgängerorganisation, der Christlichsozialen Partei, dominiert. Die SPÖ Vorarlberg schied 1974 aus der Landesregierung aus. Vorarlberg war lange Zeit das einzige österreichische Bundesland, in dem die Regierungssitze laut Landesverfassung nicht nach dem Proporzprinzip, sondern nach dem Majorzprinzip vergeben werden, seit 1999 jedoch gilt auch in Salzburg und in Tirol das Majorzprinzip.

Die ÖVP hatte bis zur Wahl 2014 – mit einer Ausnahme zwischen 1999 und 2004 – immer eine absolute Mandatsmehrheit im Landtag. Daher waren die in früheren Landesregierungen dem jeweiligen Juniorpartner in der Regierungskoalition zugestandenen Regierungssitze keine politische Notwendigkeit. Nach der Landtagswahl in Vorarlberg 2009, in deren Vorfeld es innerhalb der ÖVP/FPÖ-Koalition zu einem Zerwürfnis gekommen war, entschied sich die Vorarlberger Volkspartei mit ihrem damaligen Landeshauptmann Herbert Sausgruber erstmals seit 1945 dazu, eine Alleinregierung zu bilden. Nach der Landtagswahl 2014 kam es erstmals zu einer Koalition zwischen der ÖVP und den Grünen.

Seit 1984 sind auch Die Grünen Vorarlberg als vierte Partei im Vorarlberger Landtag vertreten. Nach der Abspaltung des BZÖ von der FPÖ entschieden sich die Vorarlberger Freiheitlichen zunächst für einen eigenständigen dritten Weg, ordneten sich 2006 aber wieder der Bundes-FPÖ unter. Mit dem Einzug der NEOS bei der Landtagswahl 2014 gehören dem Vorarlberger Landtag erstmals in seiner Geschichte fünf Fraktionen an.

Zur Grundhaltung der Vorarlberger Politik gehört seit mehreren Jahrzehnten eine starke Betonung des österreichischen Föderalismus und eine teilweise fundamentale Opposition zur Österreichischen Bundesregierung in Wien. Deutlichstes Symbol dieses stark verankerten Eigenständigkeitsgedankens in Vorarlberg war die Fußachaffäre im Jahr 1964.

Wappen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Vorarlberger Wappen

Die staatlichen Symbole des Landes sind das Landeswappen, das Landessiegel, die Landeshymne[13] und die Landesfarben.

Die Vorarlberger Landesverfassung bestimmt im Rahmen der Landessymbole das 1918 eingeführte Landeswappen mit den Worten: „Das Wappen des Landes ist das Montfortische rote Banner auf silbernem Schild.“

Das Montfortische Banner ist mit drei gleich breiten, und schwarz befransten Lätzen versehen und trägt am oberen Rand drei rote Ringe. Das obere Feld des Banners ist mit zwei, die Lätze sind mit drei schwarzen Querlinien durchzogen.[14]

Verwaltung[Bearbeiten]

Politische Bezirke[15]
Bezirk Einwohner Fläche km² EW/km²
Bezirk Bludenz 61.100 1287,52 47
Bezirk Bregenz 128.568 863,34 149
Bezirk Dornbirn 84.117 172,37 488
Bezirk Feldkirch 101.497 278,26 365
Vorarlberg 375.282 2601,48 144

Politische Bezirke[Bearbeiten]

Vorarlberg gliedert sich in vier politische Bezirke. Das sind von Nord nach Süd geordnet:

Obwohl die Städte Bregenz, Dornbirn und Feldkirch durchaus die erforderliche Größe hätten, gibt es in Vorarlberg keine Statutarstädte.

Einrichtungen der Verwaltung[Bearbeiten]

Die Verwaltung ist in Vorarlberg traditionell dezentral organisiert. Das liegt zum einen daran, dass Vorarlberg bis 1918 kein eigenständiges Land war, deshalb auch keine Landeshauptstadt besaß und die Einrichtungen auf die größten Städte aufgeteilt wurden. Zum anderen ist Bregenz zwar Sitz von Landtag und Landesregierung, nimmt als drittgrößte Stadt des Landes aber nicht die zentrale Stellung ein, wie es Landeshauptstädte in den meisten anderen Bundesländern für gewöhnlich tun. So kann das gesamte Rheintal, insbesondere die drei größeren Städte Bregenz, Dornbirn und Feldkirch, als das eigentliche politische und gesellschaftliche Zentrum Vorarlbergs angesehen werden.

Einrichtungen mit landesweiter Bedeutung in den einzelnen Städten und Gemeinden, die normalerweise in der Landeshauptstadt angesiedelt sind, sind beispielsweise:

Bregenz: Landesregierung, Landespolizeidirektion, Militärkommando, Landesbibliothek, Landesarchiv, Landesmuseum, Landestheater, Landesschulrat für Vorarlberg (Schulaufsicht), Kunsthaus Bregenz, Bregenzer Festspiele, Landwirtschaftskammer, Regionalbüro der Sozialversicherungsanstalt der Bauern, Landesstelle der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter

Wolfurt: Güterbahnhof für das gesamte Rheintal – daraus resultierend: Postamt Wolfurt-Bahnhof als größtes und wichtigstes Postamt, Zollamt Wolfurt-Bahnhof und Sitz der ÖBB-Postbus AG

Dornbirn: ORF-Landesstudio, Fachhochschule, Vorarlberger Gebietskrankenkasse, Landesstelle der Pensionsversicherungsanstalt, Wirtschaftsförderungsinstitut der Wirtschaftskammer, Ärztekammer

Feldkirch: Sitz der Diözese, Landesgericht, Hauptzollamt für Vorarlberg, Arbeiterkammer, Österreichischer Gewerkschaftsbund, Wirtschaftskammer, Pädagogische Hochschule, Landesstelle der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft, größtes Landeskrankenhaus (Landeskrankenhaus Feldkirch), Finanzlandesdirektion für Vorarlberg, Vorarlberger Landeskonservatorium, Landesvermessungsamt, Landesfeuerwehrschule

Lustenau: Industriellenvereinigung, Sitz der Internationalen Rheinregulierungsbehörde, wichtigstes Zollamt Richtung Schweiz, zentrales Erdöllager für ganz Vorarlberg

Natur[Bearbeiten]

Die Zimba ist einer der bekanntesten Kletterberge in Vorarlberg mit einer Höhe von 2643 m ü. A. Da die Form des Berges von allen Seiten an ein Horn erinnert, wird sie auch Vorarlberger Matterhorn genannt. Die Zustiege in die Klettertouren sind nicht allzu schwer, jedoch sollten die Touren an sich nicht unterschätzt werden. Der höchste Berg ist der Piz Buin in der Silvretta mit 3312 m ü. A.

Das Naturschutzgebiet Rheindelta ist das größte Feuchtgebiet am Bodensee und zählt zu den bedeutendsten Brut- und Rastgebieten für Vögel.

Zu den spektakulärsten Naturschauspielen im Rheintal gehört das Ebniter Tal mit der Rappenloch-, Alploch-, Schaufelschlucht, dem Staufensee-Stausee, dem Kirchle und der Kobelach. Die Schluchten sind über Dornbirn erreichbar und von April bis Oktober begehbar, außerhalb dieser Zeit besteht die Gefahr von Steinschlag.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Vorarlberg bietet kulturelle Angebote vor allem in den Städten. Neben Theatersälen und Kinos ist die Seebühne mit den Bregenzer Festspielen zu erwähnen. Museen verschiedenster Art laden zum Verweilen ein. Siehe: Liste der Museen in Vorarlberg

Sehenswürdigkeiten finden sich insbesondere in den Altstädten von Feldkirch, Bludenz und Bregenz. Aber auch im Bregenzerwald und im Montafon sind einige Gebäude zu finden, die auf der Liste der denkmalgeschützten Objekte stehen. Kleine Wallfahrtsorte sind Maria Bildstein, die Propstei Sankt Gerold im Großen Walsertal sowie die Basilika in Rankweil.

Bevölkerung[Bearbeiten]


Vorarlberg ist mit 144 Einwohnern pro Quadratkilometer nach Wien das am zweitdichtesten besiedelte Bundesland Österreichs. Mit dem Ballungsraum zwischen Feldkirch und Hörbranz verfügt es über eines der am dichtesten besiedelten Gebiete Europas. Aufgrund der im österreichischen Vergleich frühen Industrialisierung entwickelte sich Vorarlberg bereits im 19. Jahrhundert zu einem klassischen Einwanderungsland. Das flächenmäßig kleine Land hat neben Wien den höchsten Immigrantenanteil. Dieser lag im Jahr 2008 bei etwa 13 % der Gesamtbevölkerung. Die größte migrantische Gruppe stellen, entgegen dem österreichischen Schnitt, Bewohner türkischer Herkunft, knapp gefolgt von Immigranten aus dem ehemaligen Jugoslawien. Die weit abgeschlagene drittgrößte Immigrantengruppe stellen in Vorarlberg Menschen aus Deutschland dar.

Vorarlberg war bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts noch relativ dünn besiedelt. Die Rheinregulierung, der Bahnbau und der damit verbundene Aufschwung der Industrie förderte die Ansiedlung von Trentinern, welche als Arbeitskräfte ins Land kamen. Zeugnis dieser Einwanderungswelle sind noch heute zahlreiche italienische Nachnamen, darunter auch bekannte wie etwa Collini oder Girardelli.

Die erste Einwanderungswelle beginnend in der Zwischenkriegszeit bestand hauptsächlich aus Menschen aus Ostösterreich, vor allem Steirer und Kärntner. Während der NS-Zeit wanderte eine große Anzahl von Südtiroler Optanten ein. Zu diesem Zweck entstanden auch die markanten, noch heute erhaltenen und bewohnten, Südtiroler-Siedlungen in den größeren Gemeinden des Landes.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erreichten mehrere größere Einwanderungswellen das Vorarlberger Land, was den großen Bevölkerungssprung zwischen 1923 und 1951 (trotz des Krieges) und zwischen 1961 und 1971 erklärt. So waren etwa im Jahre 1966 26,3 Prozent der Vorarlberger Bevölkerung außerhalb des Landes geboren worden.[16] Die erste Welle bestand vor allem aus deutschen Heimatvertriebenen (Sudetendeutsche und Untersteirern). Die zweite große Einwanderungswelle der 1960er und frühen 1970er Jahre kam mit den Gastarbeitern besonders aus der Türkei und Jugoslawien, deren Arbeitskraft vor allem in der Textilindustrie benötigt wurde. Diese Migrationswelle wurde durch die relativ gute Wirtschaftslage in Vorarlberg und der benachbarten Schweiz herbeigeführt.

Religion[Bearbeiten]

Religiöse Zugehörigkeit der Bevölkerung in Vorarlberg[17]

Bei der letzten von der Statistik Austria durchgeführten Volkszählung im Jahr 2001 waren etwa 78 % der Vorarlberger römisch-katholischen und etwa 2,2 % evangelischen Glaubens. Bis 2013 ist der Anteil der Katholiken auf rund 65 % zurückgegangen.[18] Unter den evangelischen Gläubigen bekannte sich der Großteil zum Augsburger Bekenntnis, es gab aber auch eine kleine Gruppe, die sich zum helvetischen Bekenntnis bekannte. Muslime machten im Jahr 2001 circa 8,4 % der Bevölkerung aus; damit ist der Islam die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft in Vorarlberg. Dieser Religion gehören vor allem türkische und bosnische Einwanderer an; sie ist überdurchschnittlich stark im Bezirk Dornbirn vertreten, wo verschiedene muslimische Glaubensgruppen mehr als 10 % der Bevölkerung ausmachen. Keiner Religionsgemeinschaft zugehörig waren bei der Volkszählung 2001 in Vorarlberg 20.945 Personen, was etwa 6 % der Bevölkerung entsprach.[17]

Dialekt[Bearbeiten]

Hauptartikel: Vorarlbergerisch

Im Gegensatz zum restlichen Österreich werden in Vorarlberg keine bairischen, sondern alemannische Dialekte gesprochen, vergleichbar dem alemannischen Schweizerdeutsch, dem südbadischen Alemannisch und dem Schwäbischen. Die beliebte Bezeichnung Vorarlbergs als „Ländle“ weist auf den alemannischen Sprachraum hin. Der nördliche Vorarlberger Dialekt (Bregenzerwald und die Landeshauptstadt Bregenz) ist am nächsten mit dem Allgäuer Dialekt verwandt; der im Vorarlberger Rheintal gesprochene Dialekt orientiert sich eher an den Dialekten des Schweizer Rheintals (Kanton St. Gallen) sowie Liechtensteins. Vor allem in geographischen Bezeichnungen, aber auch für manche Alltagsgegenstände, haben sich viele romanische Begriffe erhalten und verbreitet.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Hauptverkehrsachse Vorarlbergs führt durch das Rheintal, den Walgau und das Klostertal zum Arlberg, durch den das Bundesland unter anderem mit dem restlichen Österreich verkehrstechnisch verbunden ist. Die erwähnenswertesten Übergänge nach Tirol sind die Bielerhöhe, der Arlbergpass und der Arlbergstraßentunnel sowie der Übergang ins Lechtal bei Warth.

Auf Ebene des Individualverkehrs ist diese Verkehrsachse mit der Rheintal/Walgau Autobahn A 14 und der Arlberg Schnellstraße S 16 (mit dem Arlberg Straßentunnel) realisiert.

Im Bereich des öffentlichen Verkehrs sind die Hauptverkehrsachse die Vorarlbergbahn und die Arlbergbahn. Zusammen mit der Bahnstrecke Feldkirch–Buchs werden diese Strecken von der ÖBB bedient. Daneben gibt es noch die von der Montafonerbahn betriebene Bahnstrecke Bludenz–Schruns. Die EuroCity-Züge von München nach Zürich halten in Vorarlberg im Bahnhof Bregenz. Die Railjet Züge von Wien nach Zürich halten am Bahnhof Feldkirch und am Bahnhof Bludenz. Die schmalspurige Bregenzerwaldbahn wurde um 1980 größtenteils stillgelegt. Nur ein kurzer Abschnitt wird heute noch als Museumsbahn betrieben.

Das Landbus-, Stadtbus- und Ortsbus-System (die meisten Linien verkehren im Halbstundentakt) komplettieren die öffentlichen Verkehrsmittel, die tariflich im Verkehrsverbund Vorarlberg integriert sind.

Im Unterschied zu den beiden anderen Bodensee-Anrainerstaaten Schweiz und Deutschland, die mehrere Linienfähren-Strecken betreiben, hat die Bodenseeschifffahrt für Vorarlberg keine Bedeutung im Rahmen der Personenbeförderung. Die Vorarlberger Bodenseeflotte dient lediglich touristischen Zwecken und verkehrt nur im Sommerhalbjahr. Ein Schiff der Flotte heißt Vorarlberg, siehe dazu Fußachaffäre.

Vorarlberg hat außer einem Flugplatz für Sportflugzeuge in Hohenems und zwei Heliports in Feldkirch und Ludesch keinen Flughafen. Die nächsten Flughäfen sind Innsbruck in Österreich, Altenrhein und Zürich in der Schweiz, Friedrichshafen, Memmingen, München und Stuttgart in Deutschland.

Im Dezember 2008 wurden Vorarlberg von Seiten des Bundes Fördermittel in der Höhe von 4,7 Millionen Euro zur Durchführung eines Modellversuches für Elektroautos zugesprochen. Dabei sollen, vor allem im Rheintal, etwa 100 E-Wagen neu eingeführt werden, 50 davon werden durch die Illwerke/VKW-Gruppe angeschafft und verleast. Der für die Fahrzeuge benötigte Strom soll durch erneuerbare Energien gewonnen werden. Bei der Ausschreibung für die Modellregion hatte sich das Land gegen Graz, Linz und Salzburg durchgesetzt.[19]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Standort[Bearbeiten]

Wirtschaftlich ist das Bundesland Vorarlberg eine der am frühesten entwickelten Industrieregionen Österreichs. Heute dominiert nicht mehr so sehr die traditionelle Textilindustrie, sondern die feinmechanische und Elektroindustrie sowie der Tourismus (Lech und Zürs am Arlberg, Montafon, Bregenzerwald, Kleinwalsertal). Vorarlberg ist das am zweitstärksten industrialisierte Bundesland Österreichs mit der stärksten Exportorientierung (Exportquote der Industrieproduktion zirka 70 %). Ein weiterer wichtiger Faktor sind die Grenzgänger in die Schweiz und nach Liechtenstein. Im Vergleich mit dem Bruttoinlandsprodukt der Europäischen Union ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreichte Vorarlberg 2006 einen Index von 129,5 (EU-27 = 100).[20]

Industrie[Bearbeiten]

Zu den großen Vorzeigeunternehmen mit internationaler Bedeutung zählen die Julius Blum GmbH und Grass in Höchst (Beschläge), Gebrüder Weiss in Lauterach, Zumtobel in Dornbirn (Lichttechnik), Alpla in Hard (Plastikverpackungen), Doppelmayr in Wolfurt (Seilbahnanlagenbau), Rauch Fruchtsäfte in Rankweil und Nüziders sowie Pfanner in Lauterach (Fruchtsäfte), Suchard (Schokolade) und Getzner Textil in Bludenz und Wolford (Textilien) in Bregenz. Daneben haben sich auch einige bedeutende ausländische Großkonzerne mit strategischen Produktionsanlagen in Vorarlberg angesiedelt. Hier sind beispielsweise Liebherr und Hydro-Aluminium in Nenzing zu nennen. Zudem sind in Vorarlberg vier Brauereien angesiedelt, die größte und älteste – seit 1834 bestehende – Mohrenbrauerei August Huber befindet sich in Dornbirn.

Dienstleistungsbetriebe[Bearbeiten]

In Vorarlberg bieten 51 Pflegeheime 2147 Wohn-/Pflegeplätze an, davon 1818 Pflegeplätze und 329 Wohnplätze in 1914 genutzten Zimmern; davon sind 1755 Einzelzimmer. 2006 wurden 3687 Menschen betreut, davon kamen 1152 nur vorübergehend in ein Pflegeheim (alle Zahlen 2006).

Die Prostitution ist in Vorarlberg de facto verboten, da sie nur in vom Gemeindevorstand bewilligten Bordellen stattfinden darf und keine solchen Bewilligungen erteilt werden. 2011 bestanden ca. 70 bis 100 illegale Bordelle; das Gewerbe und die Kunden weichen auch in das benachbarte Schweizer Rheintal aus.[21]

Energie[Bearbeiten]

Stromwirtschaft bildet heute einen grundlegenden Punkt der Vorarlberger Wirtschaft, wobei Wasserkraft die Hauptenergiequelle ist. Diese wird vorwiegend für die Produktion von Spitzenstrom genutzt. Aufgrund eines Abkommens mit Baden-Württemberg wird Spitzenstrom mit deutschem Grundstrom im Verhältnis 1:4 ausgetauscht. 2003 war Vorarlberg auch die erste Region Europas, in der mehr regenerative Energie erzeugt als dort verbraucht wird. Ökostrom aus Vorarlberg wird deshalb auch ins deutsche Westallgäu, in die Schweiz und in andere österreichische Bundesländer verkauft. Der größte Stromerzeuger Vorarlbergs ist die Illwerke AG. Sie produziert 75 % des Vorarlberger Stroms vor allem durch Wasserkraft. Größter Stromverkäufer des Landes ist die Vorarlberger Kraftwerke AG.

Tourismus[Bearbeiten]

Die Tourismuswirtschaft nimmt in Vorarlberg, obwohl das Land ein etabliertes Reiseziel ist, eine für ein Alpenland verhältnismäßig geringe Rolle ein. Der Brutto-Wertschöpfungsanteil liegt bei etwa 6 %.[22] Im Tourismusjahr 2002/03 etwa wurden Einnahmen von 2,1 Mrd. Euro erwirtschaftet.

Dabei zeigt sich die Branche in den letzten Jahren stabil, zwischen 1980 und 2003 schwankte die Anzahl der Nächtigungen zwischen 7,5 bis 8,7 Mio. pro Jahr. Dabei entfallen auf Ausländer 88 %, hiervon wiederum auf Deutsche 74 % (2003).

Wichtigste Tourismusregion ist das Montafon (Nächtigungsanteil 2003: 25 %), es folgen das Kleine Walsertal und der Bregenzerwald (etwa 20 %), der Arlberg, die Region Bludenz und die Region Bodensee-Alpenrhein (etwa 12 %).[23]

Tendenzen[Bearbeiten]

Die Wirtschaftsentwicklung Vorarlbergs wurde in den letzten Jahren als „sehr positiv und wird für die Zukunft dynamischer eingeschätzt als für die Nachbarländer“, das galt auch für die prognostizierten Bevölkerungs- und Beschäftigtenzuwächse im Vergleich zu den benachbarten Staaten, mit Ausnahme von Liechtenstein.[24]

Die Vorarlberger Wirtschaft ist aber aktuell von Veränderungen in der Struktur betroffen, etwa der Abwanderung oder Schließung großer Betriebe der Textilindustrie und steigenden Arbeitslosenzahlen. Die Arbeitslosenquote in Vorarlberg lag im Jahr 2012 mit 5,6 % um 0,9 Prozentpunkte unter dem österreichweiten Durchschnitt.[25]

Architektur[Bearbeiten]

Die Architekturszene in Vorarlberg ist europaweit reputiert und hat mit der Neuen Vorarlberger Bauschule „Vorarlberg“ zu einem Label für eine anspruchsvolle Architekturhaltung einer fruchtbaren Auseinandersetzung zwischen traditioneller Bauweise und moderner Interpretation gemacht. Die Vorarlberger Bauschule gilt als einer der wichtigsten Vorreiter der Neuen Alpenarchitektur.

Für die historische Architektur sind im Besonderen die eigenständigen Bauformen des Bregenzerwälderhauses und des Montafonerhauses relevant.

Hochschulen und Forschungseinrichtungen[Bearbeiten]

Medienlandschaft[Bearbeiten]

Im Bereich der Printmedien dominiert die Tageszeitung Vorarlberger Nachrichten, die neben den beiden anderen reichweitenstarken, landesweit verbreiteten Printprodukten (Neue Vorarlberger Tageszeitung, Wann&Wo) unter dem Dach des Vorarlberger Medienhauses der Verlegerfamilie Russ erscheint. Zur herausgeberischen Linie der VN gehörten in der Vergangenheit immer wieder Kampagnen, die Vorarlberg als eigenständige Einheit gegenüber „Restösterreich“ (insbesondere dem sozialdemokratisch dominierten Wien als historischem „Feindbild“) propagieren (Stichwort Schiffstaufe Fußach 1964).
Im Zeitungssektor kam es immer wieder zu gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen dem Vorarlberger Medienhaus und anderen Verlegern, die das Vorarlberger Medienhaus in einer Art Monopolstellung sehen. Das Vorarlberger Medienhaus hält auch Anteile am Privatsender „Antenne Vorarlberg“. Diesem Medienaufgebot kann sich in Ansätzen nur der öffentlich-rechtliche Österreichische Rundfunk entgegensetzen, mit dem täglichen regionalen TV-Nachrichtenprogrammfenster sowie dem Radiosender Radio Vorarlberg. Am 5. März 2007 hat die erste Analog-Abschaltung in Österreich stattgefunden, damit wurde die endgültige Umstellung auf digitales TV (DVB-T) gestartet.

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Vorarlberg – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Vorarlberg

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vorarlberg – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Vorarlberg – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikivoyage: Vorarlberg – Reiseführer
 Wikisource: Vorarlberg – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Austria - Bevölkerung zu Jahres- und Quartalsanfang
  2. Bevölkerung zu Jahresbeginn seit 2002 nach zusammengefasster Staatsangehörigkeit - Vorarlberg, Statistik Austria
  3. iksms
  4. transboundarywaters
  5. Alle Angaben: Amt der Vorarlberger Landesregierung, Landespressestelle: Vorarlberg kompakt. Alles rund um das Land und seine Menschen. Bregenz 2012, S. 12. – Text online (PDF; 1,6 MB), abgerufen am 4. Jänner 2013.
  6. Artikel 98/06 001 Wem gehört der Bodensee? auf seespiegel.de
  7. Einwanderung nach Vorarlberg und Tirol, beschrieben auf der Seite "Walser in den Alpen" (walser-alps.eu).
  8. Johann Jacob Staffler: Tirol und Vorarlberg. Band 1 (Tirol und Vorarlberg, statistisch), Verlag Rauch, 1839, Fünfter Abschnitt Landesverwaltung, Kapitel Kreisämter, S. 460 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9. Daniel Witzig: Die Vorarlberger Frage. Die Vorarlberger Anschlussbewegung an die Schweiz, territorialer Verzicht und territoriale Ansprüche vor dem Hintergrund der Neuregelung Europas 1918-1922 (Basler Beiträge zur Geschichtswissenschaft 132). Basel/Stuttgart, 1974.
  10. Jörg Krummenacher: «Kanton Übrig». Wollen die Vorarlberger noch heute zur Schweiz? NZZ Online, 23. Oktober 2008, abgerufen: 7. Juli 2010
  11. a b Artikel 1, Absatz 2 der Vorarlberger Landesverfassung bestimmt das Land als selbständigen Staat.
  12. Landesname Website der Vorarlberger Landesregierung, abgerufen: 7. Juli 2010
  13. Vorarlberger Landeshymne abspielen (MP3; 2,0 MB)
  14. Angabe laut Website der Vorarlberger Landesregierung, abgerufen: 7. Juli 2010
  15. Statistik Austria - Bevölkerung zu Jahres- und Quartalsanfang – Stand 1. Jänner 2014
  16. Peter Meusburger, Die Ausländer in Liechtenstein. Eine wirtschafts- und sozialgeographische Untersuchung, Innsbruck 1970, S. 53
  17. a b Statistik Austria: Bevölkerung nach dem Religionsbekenntnis und den Bundesländern.
  18. ORF vom 2. Dezember 2014
  19. Vorarlberg, Energie; ORF-Online vom 4. Dezember 2008, abgerufen: 7. Juli 2010
  20. Eurostat Pressemitteilung 23/2009: Regionales BIP je Einwohner in der EU27 (PDF-Datei; 360 kB)
  21. Im Rheintal statt im «sauberen Ländle» ins Bordell: Das faktische Prostitutionsverbot in Vorarlberg führt zur Häufung von Etablissements in St. Gallen, Neue Zürcher Zeitung vom 29. Juli 2011, S. 12
  22. Wirtschaftskammer Vorarlberg, 2003. Zitiert nach  Amt der Vorarlberger Landesregierung (Hrsg.): Verkehrskonzept Vorarlberg 2006 – Mobil im Ländle. In: Schriftenreihe Raumplanung Vorarlberg. 26, Bregenz Januar 2006, 3.3 Wirtschaftsentwicklung, S. 19 (pdf, vorarlberg.at).
  23. Amt der Vorarlberger Landesregierung, 2004. Zitiert nach  Verkehrskonzept Vorarlberg 2006. 3.3 Wirtschaftsentwicklung, S. 19.
  24.  Prognos AG (Hrsg.): Entwicklung des grenzüberschreitenden Verkehrs im Vorarlberg. Aktualisierung der Studie zum grenzüberschreitenden Straßenverkehr im Vorarlberger Rheintal aus dem Jahr 1990. Basel 2001. Zitiert nach  Verkehrskonzept Vorarlberg 2006. 3.3 Wirtschaftsentwicklung, S. 19.
  25. Übersichtstabelle Die wichtigsten Arbeitsmarktkennzahlen 2012 (PDF; 48 kB) des Arbeitsmarktservice Vorarlberg.