Atlantis (Stephen King)

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Atlantis (im engl. Original Hearts in Atlantis) ist ein Roman von Stephen King aus dem Jahr 1999. Der Titel des Originals leitet sich zum einen ab von dem Song Atlantis von Donovan, zum anderen vom Kartenspiel Hearts. Durch den deutschen Hang zu Einwortübersetzungen bei King-Titeln wurde nur das Wort Atlantis übernommen.

Aufbau des Romans[Bearbeiten]

Formal ist dieses Buch eine Zusammenstellung von fünf Novellen, die inhaltlich zusammengehören. King befasst sich mit den wilden 60er Jahren, vor allem der Studentenbewegung und den Auswirkungen des Vietnamkriegs. Der zeitliche Rahmen des Buchs erstreckt sich von 1960 bis 1999. In der ersten Novelle werden sämtliche Charaktere vorgestellt, die dann – teils aus Sicht anderer – in den folgenden Episoden vertieft werden.

Die einzelnen Novellen[Bearbeiten]

Niedere Männer in gelben Mänteln (engl.: Low Men in Yellow Coats)[Bearbeiten]

1960: Diese bei weitem umfangreichste Episode handelt von dem elfjährigen Bobby Garfield und dessen angespannter Beziehung zu seiner Mutter. Nach dem Tod des Vaters, der angeblich nichts als Schulden hinterließ (Bobby wird herausfinden, dass dies nicht der Wahrheit entspricht), lebt Bobby an einer sehr kurzen Leine und muss sich das gesamte Geld für sein heiß ersehntes Fahrrad selbst verdienen. Welch ein Glück, dass der neue Mieter, ein älterer Herr namens Ted Brautigan einen Job für ihn hat: Er soll ihm aus der Zeitung vorlesen, da es um sein Augenlicht nicht mehr gut bestellt ist. Doch ist dies nur die Fassade: In Wirklichkeit nämlich soll Bobby für Ted nach 'Niederen Männern' Ausschau halten, die auf der Suche nach Ted sind. Bobby mag Ted, der schnell zu einem Vaterersatz wird, und fürchtet um dessen geistige Gesundheit ... und dennoch scheinen die Zeichen, vor denen Ted gewarnt hat, vermehrt sichtbar zu werden – Bobby aber weigert sich, dies zu glauben. Mehr und mehr begreift Bobby, dass Ted recht hat und selbst etwas Besonderes ist, da er die Gabe zu haben scheint, Gedanken zu lesen, eine Gabe, die er durch Berührung weitergeben kann.

Während sich die Beziehung zwischen Ted und Bobby vertieft und der alte Mann ihn immer mehr in das Reich der Literatur einführt, verliebt Bobby sich in das Nachbarmädchen Carol Gerber und erlebt seinen ersten Kuss. Als John Sullivan, sein bester Freund, in einem Feriencamp ist, überschlagen sich die Ereignisse. Ted fühlt die Nähe der Niederen Männer und macht sich bereit, weiter zu ziehen; Carol wird von einer Gruppe älterer Schüler (unter ihnen Willie Shearman, der später auch noch Bobbys Baseballhandschuh stehlen und der in einer späteren Novelle die Hauptfigur sein wird) verprügelt und Bobby trägt sie unter fast übermenschlicher Anstrengung zu sich nach Hause. Als Ted ihr die Schulter einrenkt, werden sie von Bobbys Mutter überrascht, die glaubt, Ted habe sich sexuell an dem Mädchen vergangen. Sie alarmiert trotz Bobbys Beteuerungen die Niederen Männer, und Bobby muss miterleben, wie sie Ted mitnehmen. An dieser Stelle zeigen sich die Parallelen zu der Reihe um den dunklen Turm (Der dunkle Turm), denn Ted ist einer der Brecher, die daran arbeiten müssen, die Balken zu zerstören, die den Turm aufrecht halten. Bobby kann seiner Mutter den Verrat nicht verzeihen und verliert sich immer mehr in Kleinkriminalität.

Herzen in Atlantis (engl.: Hearts in Atlantis)[Bearbeiten]

Die zweite Geschichte ist aus der Ich-Perspektive von Peter Riley geschrieben, der mit der ersten Novelle nichts zu tun hat. Er beschreibt seine Probleme während des Studiums im Jahr 1966, als ihm die Spielsucht (er spielt das Kartenspiel Hearts) beinahe zum Verhängnis wird und er allmählich immer mehr in die Friedensbewegung gegen den Vietnamkrieg gezogen wird. Schlüsselfigur hierbei ist seine Freundin Carol Gerber, Sandkastenliebe von Bobby Garfield und eifrige Aktivistin.

Blind Willie (engl.: Blind Willie)[Bearbeiten]

Diese Geschichte war bereits 1994 in abgewandelter Form in der Zeitschrift 'Antaeus' veröffentlicht worden. 1983: Willie Shearman, ehemaliger Peiniger Carol Gerbers und mittlerweile Vietnamveteran tut täglich Buße. Nach Außen respektabler Geschäftsmann, verkleidet er sich kaum im Büro angekommen als blinder Bettler und sammelt in Bobby Garfields altem Baseballhandschuh Geld. Er tut Buße für das, was er Carol angetan hat aber auch für seine Teilnahme am Vietnamkrieg – seine Reue geht soweit, dass er jeden Tag in der Tat blind wird. Ein Polizist glaubt ihm diesen Auftritt nicht und will ihn erpressen – daraufhin schmiedet Willie Mordpläne; ob er diese durchführt, bleibt offen.

Warum wir in Vietnam sind (engl.: Why we're in Vietnam)[Bearbeiten]

Etwa 30 Jahre nachdem der Vietnamkrieg für Soldat John Sullivan zu Ende ist, besucht er die Beerdigung eines Ex-Vorgesetzten Pagano. Auf dem Rückweg bleibt John im Stau stecken und erlebt die für ihn schlimmsten Ereignisse des Krieges wieder. Er ist nach einem Angriff auf eine Gruppe Zivilisten traumatisiert und wird noch immer von der alten 'mamasan' heimgesucht, einer Frau, die vor seinen Augen getötet wurde. Als er aus dem Auto steigt, um frische Luft zu schnappen, gerät er in einen Hagel vom Himmel fallender Objekte: Handys, ein Piano, gar ein ganzer Swimmingpool begraben Menschen und Autos unter sich – doch dies ist lediglich Johns letzte Vision, als ihn im Wagen ein tödlicher Herzinfarkt ereilt. In seinem Schoß findet man Bobby Garfields alten Baseballhandschuh.

Heavenly Shades of Night Are Falling[Bearbeiten]

1999: Nach Johns Tod kommt Bobby Garfield zu dessen Beerdigung in seine Heimatstadt zurück, wo er die nach einem Anschlag tot geglaubte Carol Gerber wieder trifft. Ted Brautigan schickt den beiden (offenbar aus einer anderen Dimension) ein Päckchen mit Bobbys Baseballhandschuh und einer Geheimbotschaft für Carol.

Hörbuch[Bearbeiten]

Im englischen Original ist das Buch als Hörbuch erhältlich, vorgelesen von William Hurt (Episoden 1, 4 und 5) und Stephen King selbst.

Verfilmung[Bearbeiten]

Der mit Anthony Hopkins als Ted Brautigan gedrehte Film Hearts in Atlantis basiert lediglich auf der ersten Novelle Low Men in Yellow Coats. Sämtliche Anspielungen auf den Dunklen Turm wurden dabei gestrichen.

Kritik[Bearbeiten]

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'Kirkus Review' bezeichnete den Roman als "Stephen Kings vielschichtigstes und überzeugendstes Buch – sein persönliches Meisterwerk" (Klappentext der gebundenen deutschen Ausgabe), und viele Kritiker schlossen sich dem an. Zwar gibt es übersinnliche Elemente, es überwiegt jedoch das Menschliche und die Faszination einer noch nicht allzu lang zurückliegenden Zeit. Keineswegs kann 'Atlantis' als Horrorroman bezeichnet werden. Manche Fans des Dunklen Turms reagierten verärgert, da King Geldmacherei vorgeworfen wurde, zwang er sie in ihren Augen doch dazu, auch dieses Buch zu erwerben, da hier erstmals von den 'Zerbrechern' die Rede ist. In der Tat jedoch ist 'Atlantis' für den Dunklen Turm zwar interessant, keineswegs aber vonnöten.

Weblinks[Bearbeiten]